Störungen im Außlandgeschafl.
Unberechtigte Klagen Moskaus.
Berlin, 7. April. Ein Leitartikel der offiziellen, von der russischen Handelsvertretung herausgegebenen Zeitschrift byjchäftigt sich mit dem Umfang der deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen. Es heißt u.a., daß der Umfang des Geschäftes Rußland bei weitem nicht befriedigt. Die Handelsvertretung mache größte Anstrengungen, um eine Erweiterung des Geschäftes durch einen gesteigerten Absatz der russischen Export- lvaren in Deutschland wie durch eine beschleunigte Realisierung der Einkaufsaufträge zu schaffen. Durch die wirtschafts- und zollpolitischen M a ß n a h m e n der deutschen Regieruna werde das Geschäft in beiden Zweigen bedeutend eingeschränkt. Alle Anstrengungen seitens der Handelsvertretung, das Geschäft zu entwickeln, würden durch diese Maßnahmen paralysiert. Augenscheinlich bemühen sich die Russen, schon jetzt für die Möglichkeit deutsch-russischer Verhandlungen sich taktische Vorteile zu verschaffen, in dem sie vollkommen ungerechtfertigte Vorwürfe gegen die deutsche Politik erheben, wenn in dem offiziellen Organ der russischen Handelsvertretung ein Angriff gegen die neuen Agrarzölle und die weiteren Pläne auf diesem Gebiet geführt wird, wobei die Russen vor allem an der Futtergerste interessiert sind. Auch die Zollerhöhungen für die andern landwirtschaftlichen Produkte seien für die Sowjetunion direkt verheerend. Die Erhöhung des Benzinzolls wird ebenfalls mit in das Treffen geführt, und an die deutsche Regierung die Frage gerichtet, welche Maßnahmen sie unter diesen Umstanden zur Beseitigung solcher Hemmungen und für die Weiterentwicklung des deutsch-russischen Geschäftes zu ergreifen gedenke. Dabei vergessen die Russen, daß ent schei dend für den Niedergang und die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen ^Beziehungen zwischen den beiden Ländern die Fülle kleinlicher Handelsschikane und tendenziöser politischer Eingriffe geworden sind, über die sich die betroffenen deutschen Kreise seit langem mit Recht beklagen. Wenn deutsch-russische Wirtschaftsbesprechungen überhaupt einen Erfolg haben sollen, darf nicht von vornherein durch die Taktik Moskaus das eigentliche Verhandlungsobjekt ausgeschaltet werden.
Der Rußlandausschuß der deutschen Wirtschaft.
Berlin. 7. April. (CNB.) Heute fand hier unter dem Vorsitz des Direktors Kraerner eine Sitzung des Ruhlandausschusses der deutschen Wirtschaft statt. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der der Ausschuß sein Bedauern darüber ausspricht, daß in offiziellen Presseorganen der Sowjetregierung fortgesetzt Angriffe gegen Personen der deutschen Wirtschaftsführung und gegen deutsche Lieferantenfirmen von Weltrul erfolgt sind, und er weift insbesondere die j er Grundlage entbehrende Verallgemeinerung der russischen Kritik an der Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie zurück. Der Ausschuß beauftragt den Vorstand, diese Auffassung gerade auch mit Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen der Reichsregierung zur Kenntnis zu bringen, und dabei besonders darauf hinzuweisen, daß nicht nur die Förderung des deutschen Exportes nach -Rußland, sondern auch der Binnenhandel und das Transportgewerbe eine ihrer Bedeutung entsprechende Berücksichtigung finden müßten.
Der Ausschuß empfiehlt den am Ruhlandgeschäft interessierten deutschen Wirtschaftskreisen, evtl, vorzunehmende Abschlüsse jeweils unter Anpassung an die Finanzkraft und die Finanzierungsmöglichkeiten der einzelnen Firmen weiter zu pflegen, in der bestimmten Erwartung, daß, wie dies bisher leider wiederholt festgestellt werden mußte, deutschen Firmen keine ungünstigeren Bedingungen angeboten werden als den ßiefe* * ranten anderer Länder.
Oie Aufbahrung der Königin von Schweden.
Rom, 7. April. (TA.) Der Leichnam der Kö- gin von Schweden, der von dem Leibarzt 'unthe einbalsamiert worden ist, ruht in der
Gießener Gta-ttheater.
Curt Götz-Gastspiel:
„Ter Lügner und die Nonne."
Es wird hoffentlich niemand von uns erwarten, daß wir etwa erzählen, was in diesem Theaterstück mit einem Vorspiel und drei Akten sich ereignet; es wäre aussichtslos. Etliche haben den schwächlichen Versuch dazu gemacht, wir versprechen uns wenig davon, selbst wenn es uns glückte.
Richt nur, daß man viele der hübschesten Einzelheiten schon auf dem Heimweg vergessen hat —: dies läßt sich keinesfaUs erzählen. Es sei denn auf der Bühne, und von Götz und seinen Leuten selbst. Wer nicht da war, hat es sich selber zu- .uschreiberr. Wer nicht da war, dem ist nun, )a es vorbei ist, nicht mehr zu helfen.
Dieses Gastspiel — abgesehen vom Stück — ist in Phänomen. Cs ist das Gastspiel einer Truppe, ie eines der wahrhaftig seltenen, rentablen, -utgehenden, ausgezeichnet gehenden Theater- . Unternehmungen im heutigen Deutschland sein dürfte. Eine Wandertruppe, die ihresgleichen acht. Wir wissen nicht, wie lange sie in Berlin gespielt hat. And es ist nicht abzusehen, wie ange sie noch, mit diesem Stück, in Deutschland mherreisen wird. Zu Ostern sind sie, wenn wir nicht irren, in Stuttgart. Wer weiß, wo sie zu Pfingsten sind ... mit diesem Stück. „Das müht' ein schieches Lustspiel sein ..."
An der Spitze Der wandernden Komödianten marschiert C u r t G ö h. Er ist die Seele des Unternehmens. Sein Rame läuft ihm voraus und lockt die Leute an. Er hat das neue Stück geschrieben, er hat es in Szene gesetzt, er spielt die drei wichtigsten Rollen darin. ...
Er ist der Lügner. Er ist der Wann ohne Charakter und fühlt sich trokdem wohl dabei. Er ist der Mann, der ebendeshalb und aus verstocktem Prinzip wissentlich die Unwahrheit sagt ... und unwissentlich die Wahrheit. Dies ist das Besondere an ihm. Seine Phantasie ist ein bißchen aus den Fugen gegangen, sie über-
Villa Svecia unter den Farben ihres Landes in einem mit weißer Seide ausgeschlagenen Sarg. Auf dem Sargdeckel hat der König eine schlichte Tafel mit der Aufschrift: „Drottning Victoria 18 6 2 — 1930“ anbringen lassen. Der Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde von Kaltenborn-Stachau hielt im Sterbezimmer der Königin im Beisein der Familie der Verstorbenen eine Totenandacht. Am
Mittwoch wird der aus Paris herbeigerufene schwedische Pfarrer in der deutschen Kirche im Beisein der schwedischen und der italienischen Königsfamilie, des Prinzen Philipp von Hessen und des Prinzen Christoph von Griechenland sowie Mussolinis ein Totenamt halten, worauf die Leiche nach Swinemünde übergeführt wird. Der König von Italien hat eine zweiwöchige Hoftrauer angeordnet.
Verkehrs- und WirWastsnot im Westen.
Oberpräsideni Fuchs auf dem rheinischen provinziallanviag. — Eine Mahnung Horions an die Beniner Adresse.
Düsseldorf, 7. April. (ERD.) Der 77. Rheinische Provinziallandtag wurde heute mittag mit einer Ansprache des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Dr. h. c. Fuchs, eröffnet. Der Redner führte u. a. aus, die wachsende Belastung aus den von der Provinz aufgenommenen Anleihen, durch welche die Dorkriegsschuld bald um das Doppelte überstiegen werden dürfte, lasse es kaum noch zu, die Beschaffung von Mitteln auf dem Anleihewege fortzusetzen. Von den Schulden und Ausgaben der Provinz entfielen 50 Millionen auf den Straßenbau, und im vorliegenden Haushaltspläne würden für Straßenbau und Straßen- unterhaltung wieder 34 MMionen Mark beansprucht. Zum Rachteil der Rheinprovinz greife immer mehr die Auffassung um sich, sie sei wieder eine wohlhabende Provinz. Man scheine schon jetzt zu vergessen, was sie in der Nachkriegszeit an Sonderlasten getragen habe. Welche Rot sei allein in dem Heere der 3—400 000 Arbeitsuchenden der Rheinprovinz verkörpert! Die im Reichshaushalt für 1930 eingesetzten 20 Millionen für das sogenannte West - Programm könnten nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie als ständig wiederkehrender Posten für eine Reihe von Iahren im Haushalt gesetzlich festgelegt würden. Reben der Hilfe von Reich und Staat sei Selbsthilfe zu üben, so z. B. mit Aufträgen an d ie rheinische Dtein- in d u st r ie, mit dem Verzicht auf den amerikan ischen Weizen usw. Ein so verarmtes Volk w'.e das deutsche müsse in erster Linie an die unmittelbare Aufrechterhaltung seiner eigenen Wirtschaft denken. Die Provinz freue sich, daß bald der letzte De- sahungssoldat deutschen Boden Der» lasse, womit ein großer Schritt auf dem Wege zur Liquidierung des Weltkrieges getan sei, die aber leider noch lange nicht beendet sei. Die fi* n anziel len Lasten, die uns für Generationen! auferlegt seien, würden uns nach der Befreiung von der Besatzung noch stärker zum Bewußtsein
kommen. Der Redner schloß mit dem Hinweis auf die Worte Hindenburgs, die man nicht nur an die Mauern heften, sondern sich tief in die Herzen graben solle: „Wir müssen wieder eins werden in dem Gedanken: Deutschland über alles!“
Der Landeshauptmann der Rheinprovinz Dr. h. c. horlon
betonte, gerade die beiden äußersten Enden Rheinprovinz und Ostpreußen sollten und müßten zusammenhalten, und der Stärkere müsse dem Schwachen helfen. Es müsse aber die Frage geprüft werden, in welchem Maße es angängig sei, die Mittel des Westens nach dem Osten zu überführen. Es dürfe neben der Durchführung des Ostprogramms nicht die Rotlage des Westens übersehen werden. Wenn neuerdings auch die Stadt Berlin eine Aenderung der Steuerverteilung a u f Kosten der Provinzen fordere, dann müsse diesen Bestrebungen entgegengetreten werden. Berlin würde allmählich aussterben, wenn nicht das übrige Deutschland für dje Reichshauptstadt ständig Menschen grohzoge, ernährte und ausbildete, aber noch mehr lebe Berlin wirtschaftlich von der Provinz. Die Konzentration der Verwaltung des Reiches und Preußens und die Konzentration der Verwaltung großer industrieller und finanzieller Unternehmungen in Berlin bringe eine Steuerkraft, die aus dem übrigen Deutschland gespeist werde. Es würde daher der Gerechtigkeit durchaus entsprechen, wenn die Steuereinnahmen Berlins zu einem großen Teil dem übrigen Deutschland zugute kämen. Wenn bei dieser Sachlage die Stadt Berlin aber noch besondere Berücksichtigung ihrer Steuereinnahmen, etwa aus der Kraftfahrzeugsteuer, verlange, oder Berücksichtigung bei der Verteilung von Staatsdotationen, so könnten solche Ansprüche, die auf Kosten der übrigen Provinzen gehen würden, nicht scharf genug zurückgewiesen werden.
England will keine neuen Bindungen.
Das Parlament verlangt Aujklärung.
London, 7. April. (TA.) Das Anterhaus unterbrach am Spätabend seine Verhandlungen, um den Antrag des rechskonservativen Abgeordneten Locker Lampson zu behandeln. Der Antrag lautet: „Das Anterhaus vertagt sich, um sich mit der Möglichkeit eines Abkommens zwischen der britischen Regierung und einer anderen ausländischen Macht hinsichtlich der Auslegung des Artikels 16 des Völkerbundsstatuts vhne vorherige Befragung des Dölkerbundsrates zu beraten, wodurch Mißtrauen hervorgerufen wird und die guten Beziehungen mit anderen Rationen ohne die Zustimmung des Parlaments gefährdet werden.“ Locker Lampson begründete seine Entschließung ausführlich mit einer kürzlichen Erklärung Macdonalds, die den Rückschluß zulasse, daß die britische Regierung im Begriff sei, neue wichtige Bindungen einzugehen, gegen die er sich mit Rachdruck wende.
Macdonald erklärte: Soweit der Antrag daraus hinausläust, daß die Regierung in keine Erörterung über die Auslegung des Artikels 16
eintreten kann, ohne vorher den Völkerbunös- rat zu befragen, lehnt die Regierung ihn ab, ebenso wie der Antragsteller sich bisher nie zu einer derartigen Auffassung bekannt hat. Alles, was wir sagen können, ist, daß wir, soweit das menschenmöglich erscheint, die Einstellung des Landes und des Parlaments ^u erforschen gesucht haben und daß die Regierung in den Verhandlungen sich diese Einstellung von Land und Parlament stets vor Augen hielt und sie in keinem Stadium der Besprechungen vergessen hat. Es können jedoch im Verlaufe der Konferenzverhandlungen Punkte auftauchen, wo es angemessen erscheinen könnte, daß die Führer der beiden Oppositionsparteien den Wunsch haben könnten, von mir weitere Informationen zu erhalten. Ich werde stets gern mit ihnen die Zweckmäßigkeit weiterer Informationen vor der Oefsentlichkeit erörtern. Das ist heute der Fall. Er würde ihnen den genauen Stand der Angelegenheiten bereitwilligst auseinandersehen. Dies würde keinen der beiden anderen Parteiführer verpflichten, ihn zu unterstützen, aber sie würden beide verstehen, mit welchen Schwierigkeiten er zu rechnen habe.
schlägt sich und treibt die wunderlichsten Blasen. Seine Geschichte ist so unwahrscheinlich, daß sie nicht mehr grotesk, sondern schon beinahe wieder romantisch anmutet. Deshalb hat Götz — gleichsam als Entschuldigung für alles, was etwa im Laufe des Abends sich noch ereignen könnte — ein Vorspiel geschrieben.
*
Da sitzt er selbst, ein herrlich sächsisch redender Dichter, am Ufer eines Alpensees und in Erwartung jener himmlischen Erleuchtung, aus welcher ein Theaterstück geboren zu werden pflegt. Statt dessen weissagt ihm ein zufällig anwesender Hellseher aus der Hand, was das für ein Stück werden wird: kein Zeitstück, kein Tendenzstück, nicht einmal ein literarisches Stück, sondern ein wahrhaft romantisches, worin sogar ein Kloster vorkommt und eine junge Rönne eine bedeutende Rolle spielt...
*
Diese Rönne also... jetzt geht es eigentlich los... aber eine solche Geschichte wie diese hier ist nur auf dem Theater möglich, und nur in einer sehr guten Aufführung,... im Feuilleton, in einer Rezension wirkt sie umständlich und langweilig, und kein Mensch würde hinterher begreifen, daß sich die Leute im Theater so gut amüsiert und so laut gelacht und so heftig geklatscht haben,... zumal ja das Wesen der Wirkung gar nicht so sehr im Gegenstände selbst wie in seiner Darstellung begründet ist. In einer durchschnittlichen oder gar mittelmäßigen Aufführung würde es vielleicht eine Enttäuschung oder ein Versager sein; zumal dieses Stück nicht so sprühend und spritzig gemacht ist, wie damals der „Hokuspokus", auf den man sich allemal verlassen konnte, weil er das Publikum vom Fleck weg überrumpelte...
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Es wäre also wenig oder gar nichts damit gesagt, wenn man berichten würde, daß sich hier eine Rönne aus ihrem Zellenfenster in einen tiefen und reihenden Fluh stürzt und alsbald von einem jungen Mann, der baden ging, gerettet wird...
Daß an der Schwelle des nämlichen Klosters, wo das geschah, ein Wickelkind ausgesetzt wurde, und daß dieses hilflose Baby auf eine unwahr
scheinliche Weise den Fenstersturz der jungen Rönne verschuldete...
Daß ferner dieses unmündige Wesen dem jungen Menschen, welcher die Rönne errettete, nicht unähnlich sieht, daß der junge Mensch sich in die Rönne verliebt, daß die auf so ungewöhnliche Weise entwichene Rönne jedoch gesucht, aufgespürt und ins Kloster zurückgebracht wird, wo man Gericht über sie hält...
Daß schließlich der Kardinal, welcher die An- tersuchung leitet, wiederum mit dem kühnen Schwimmer in einen merkwürdigen Zusammenhang gebracht ist schon dadurch, daß beide den gleichen Namen tragen...
Hiermit — und das ist längst nicht alles — wäre wenig vorgebracht.
Iedenfalls besagt es nichts gegen die erstaunliche Feststellung, daß sowohl der Dichter im Vorspiel wie der junge Mann, der die Anwahrheit spricht, wie auch der würdige Kardinal in roter Seide hintereinander und sozusagen in einem Atem von einem Schauspieler dargestellt werden (welcher Curt Götz heißt)...
Dreimal Curt Götz, immer ein anderer und immer er selbst. Der wahre Kommödiant, er lebt von der Verwandlung, er tauscht die Maske und das Kostüm und saht dennoch die dreifache Ausstrahlung seiner wechselnden Gestaltung in der Wurzel ihres ... und seines Wesens zur inneren Einheit zusammen.
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Er ist einer der liebenswürdigsten, unterhaltsamsten, amüsantesten Schauspieler, die man sich vorstellen kann. Er verfügt über Geist... und Gefühl. Er besitzt Humor... nicht ohne Grazie; und er kann schrecklich ironisch werden... ohne sich selbst von dieser Betrachtungsweise auszunehmen.
Er erzählt haarsträubende Räubergeschichten, er lügt das Blaue vom Himmel, er lacht kaum, er lächelt selten, er ist fast immer ernst, er plaudert weltmännisch und er spielt sogar zwischendurch eine kleine, entzückende Liebesszene, er nusselt und brummelt so vor sich hin, daß man Mühe hat, ihn zu verstehen, aber wenn man ihn verstanden hat, muh man lachen, dieweil er
Der ehemalige Staatssekretär für das Flugwesen, Hoare, erklärte, der Vorschlag, den der Premierminister gemacht habe, sei gut. Er werde Baldwin, der nicht anwesend sei, darüber unterrichten, und wenn Baldwin zustimme, so könne die Konferenz zwischen den drei Parteiführern vereinbart werden.
Llohd George begrüßte ebenfalls den Vorschlag Macdonalds. Auch er sei der Ansicht, daß die äußere Politik der Regierung nicht zum Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen gemacht werden sollte. Es sei sehr wünschenswert, daß man genau wisse, wozu man verpflichtet werde. Eine derartige Verpflichtung sei eine Frage von Frieden oder Krieg. Es bestehe eine beträchtliche Meinungsverschiedenheit darüber, ob England im Iahre 1914 verpflichtet gewesen sei oder nicht. Ieden- falls fei die Verpflichtung nicht sehr definitiv gewesen. Es sei eher eine moralische Verpflichtung gewesen, aber, ob nun eine Verpflichtung bestand oder nicht, jedenfalls hätten die Zweifel-.-h ierüber anderen zum Vorteil gereicht. Wir wollen nicht, daß ein Derartiger Zustand wieder eintritt. Wir wollen keine Bindungen, aus denen die Franzosen entnehmen würden, daß wir gewisse Verpflichtungen übernommen haben, die wir nicht zu übernehmen beabsichtigen. — Auf Grund dieser Erklärungen zog Locker Lampson schließlich feinen Antrag zurück.
Aus aller Wett.
Tragischer Tod eines mutigen Retters.
Bei dem mutigen Versuch, ein durchgehendes Gespann aufzuhalten, ist im Berliner Vorort Wittenau der 26jährige Arbeiter Willy Klemp tödlich verunglückt. Stlemp befqnd sich auf dem Heimwege, als er durch laute Rufe von Passanten auf ein durchgehendes Pferdegespann aufmerksam gemacht wurde. Kurz entschlossen warf sich Klemp den scheuen Tieren in die Zügel, wurde aber ein Stück mitgeschleift und dann als ihn seins Kräfte verließen, von dem Wagen überfahren. Er trug so schwere Verletzungen davon, daß der Tod auf der Stelle eintrat.
Das deutsche rNittelmecktgeschwader in Vigo.
Das deutsche Geschwader, das sich auf einer Kreuzerfahrt nach dem Mittelmeer befindet, hat Vigo an der Nordwestküste Spaniens angelaufen. Mit dem spanischen Flaggschiff wurde ein Ehrensalut ausgetauscht.
Post- und Telegraphenwissenschaftliche Woche.
Zn der Berliner Universität wurde die 13. Post- und Telegraphenwissenschaftliche Woche der Verwaltungsakademie Berlin eröffnet. Staatssekretär Dr. Feyerabend führte aus, daß die Deutsche Reichspost die Aufgabe der Post- und Telegraphenwissenschaftlichen Woche vor allem darin erblicke, die Beamten anhand wissenschafllich-prak- tischer Ergebnisse über die Probleme des Verkehrswesens, besonders der Post und Telegraphie, aus berufenem Munde zu unterrichten. Durch Besichtigung bemerkenswerter Betriebe der Reichspost, anderer Verkehsunternehmen und industrieller Werke werde außerdem Gelegenbeit geboten, den Blick für neuzeilliche Arbeitsweisen zu schärfen und zu vertiefen. Exzellenz Schiffer als Präsident der Verwaltungsakademie ging auf einige Fragen des Verhältnisses zwischen Beamten und Staat sowie der Vor- und Ausbildung und der fachwissenschaftlichen Fortbildung der Beamten ein. Danach begannen die Vorlesungen der Postwoche, die Universitätsprofessor Dr. Peters mit einem Vortrag über „Grundsätze der Staatsverwaltung" eröffnete.
Strafanträge
im Iakubowski-Nogens-prozeß.
Zn Neu-Strelitz wird soeben der neue Prozeß zu Ende geführt, der den Anteil der Gebrüder N o g e n s an der Ermordung des kleinen Ewald Kaehler, unehelichen Sohns des auf Grund eines Urteils des Neu-Strelitzer Scywurgerichts Hingerichteten russischen Schnitters Jakubowski klarstellen soll. Der Oberstaatsanwalt hielt am Montag sein Plädoyer gegen die Angeklagten. Er schilderte den Hergang der Tat, das Auffinden der Leiche und dis früheren Geständnisse der jetzt Angeklagten, wonach Frau Kaehler, die Großmutter des ermordeten Ewald, von der Absicht der Ermordung gewußt habe und daraufhin am Mordtage verreist sei, ferner, wie 21 u g u ft Nogens, was durch zahl-
schon wieder ein Stückchen weiter ist und eine neue Bosheit, Frechheit, Anzüglichkeit und Anwahrscheinlichkeit von sich gibt...
*
Das ist alles so unwiderstehlich in der Wirkung, so faszinierend in der Technik, daß man sich nicht einmal sehr wundern würde, toerm er zum Schluß, die dritte Rolle des Stückes spielend und den Träger der zweiten, die er auch spielt, erwartend... wenn er also plötzlich noch einmal hereinkäme, doppelt vorhanden wäre und sich selbst lächelnd, Aug in Aug, gegenüberstünde.
Von der Regie ist in diesem Falle wenig zu sagen; sie fällt hier mit der Arheberschast des Ganzen so eng zusammen, daß beides kaum noch zu trennen ist, zumal in diesem Stadium nicht mehr, wo die Aufführung schon gewissermaßen eine feststehende Existenz gewonnen hat; sie ist eine prächtig geölte, tadellos funktionierende Maschinerie, sie ist da, wird angekurbelt und läuft von selbst.
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Im Ensemble reicht man sich die Hände, wie ein Räderwerk ineinandergreift; man wirft sich die Stichworte zu wie leichte, bunte DäUe und« macht Konversation und Dialog wie bei einem Gesellschaftsspiel.
Natürlich ist Valerie von Martens wieder da, Gemahlin, Kameradin und Partnerin: sie spricht bewundernswert das gaumige Schwyzerdütsch der sturen, geistlos-mundfertigen Kellnerin am Seegestade; und sie findet auch unnachahmlich den Ton der scheuen, dennoch beharrlichen und völlig entwaffnenden Naivität der romantischen Nonue Angela.
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Die Chargen: Olga Engi, Ernst Gronau, Franz Schafheitlin, Max Kaufmann, Leontine 6 ag an. —
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Das gut besuchte, aber leider nicht ausvev- kaufte Haus verbrachte einen höchst vergnügtem Abend und spendete reichen Beifall. hth.
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