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Dienstag, 8. April 1930
180. Jahrgang
Nr. 85 Erstes Blatt
Annahme »n Anzeigen für die Tagesnummct bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Rctchspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfeimig, Platzvorschrift 20°/. mehr.
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Dr. Friedr Wilh. Gange. Verantwortlich fürToIitik Dr. Fr Wilh. Gange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil (Ernft Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter^ sämtlich In Sieben.
GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Eriche,n, täglich,außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Tie Illustrierte (Bkfoener Familienblätter Heimat im Bild Tie Scholle
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BrüningsKampsum denAusgleichdesReichshaushalis
oder herunierfehen zu können, wenn Vies aus der Entwicklung der Wirtschaftslage notwendig erweist. Der neue Zollvorschlag ist nächst für drei Monate befristet und soll dann
sich als Zv- er-
Eine überflüssige Mahnung.
Berlin, 8. April. (Priv.-Tel.) Der französische Ministerpräsident Tardieu hat im Senat erklärt, daß er die Absicht habe, uns innerhalb von drei Tagen eine Rote zu schicken, und von uns die Durchführung verschiedener Entfestigungsarbeiten zu verlangen. Die Erllärung wird in Deutschland das denkbar größte Aufsehen erregen, älnd das vor allem deswegen, weil seit dem Sommer v. 3. auch über die letzten Abrüstungsarbeiten Verabredungen mit ber ®cgenfci te getroffen worden sind, die zudem noch Fristen enthalten, die vor dem Aäumungstermin für dos Rheinland liegen. Herr Tardieu hat inzwischen feine scharfe Tonart im Senat etwas gemildet. 3n der Rede, wie sie sich im offiziellen 3ournal wiedersindet, ist von der in drei Tagen zu erwartenden Rote nichts mehr zu lesen, dafür ist inzwischen bekannt geworden, daß Tardieu tatsächlich die Absicht hat, uns daran zu erinnern, daß noch einige uülitärische
Berlin, 7. April. (Eigene Meldung.) Das Agrarprogramm des Reichsernährungsministers Dr. Schiele, mit dem sich dos Reichskabinett in feiner heutigen Sitzung beschäftigte, sieht zunächst, wie wir erfahren, die Beibehaltung der Jahres- durchschnittspreise für Weizen und Roggen von 2 6 0 bzw. 230 Mark vor mit der Maßgabe, dah der Reichsernährungsminister für Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Erbsen die Bollmacht erhalten soll, die Zölle herauf-
ncul geprüft werden. Dagegen ist die Beränderlich- kelt für Gerste, Hafer und Erbsen nach den Bor- fchlägen des Reichsernährungsministers vollkommen ihm überlassen. Was die Wiedereinführung der Linfuhrscheine betrifft, so sollen sie nach dem Schieleschen Borschlog auch für Rindvieh und Rindfleisch, Schafe und Schaffleisch sowie Lrzeug- nisie aus der Kartoffel In Frage kommen. Line W e r t f e ft f e tj u n g für Linfuhrscheine ist dem Bernehmen nach im Gesetz nicht vorgesehen. Des weiteren enthält der Schielesche Borschlag die Einführung des Beimahlungszwan- g e ß, wobei anscheinend keine Fixierung eines festen Be'.mahlungsverhältnisses vorgesehen ist. Für Speck, Schmalz, Palmin, Talg, Lier, Milch, Graupen, Grieß, Stärke und Sago sind weiterhin Zollerhöhungen vorgesehen worden, die allerdings insofern auf gewisse Schwierigkeiten stoßen dürf-
Anlagen zu zerstören sind. Er will daran die Mahnung knüpfen, daß wir uns mit diesen 3er- störungsarbeiten beeilen möchten. Llns ist das Dorgehen Tardieus überaus rätselhaft. Als Ehes der französischen Regierung müßte er eigentlich wissen, dah im besetzten Gebiet noch einige Entsestigungsarbeiten vorzunehmen sind, die aber er st durchgesührt werden können, wenn die französischen Truppen die entsprechenden Baulichkeiten geräumt hoben. Roch unverständlicher ist uns aber seine Behauptung, daß diese Zerstörungen eine Dorauss ehung für die Räumung des Rheinlandes wären. Die Doraussetzungen sür die Freigabe des besetzten Gebietes befinden sich im Doung-Abkom- m e n. Sie sind und werden ebenso erfüllt wie die Abmachungen über die Zerstörung von militärischen Anlagen. Infolgedessen ist die Mahnung Tardieus mehr als überflüssig. Er würde gut daran tun, auf derartige diplomatische Schritte zu verzichten, weil er sich darauf nur eine Antwort holen würde, die für ihn als Ministerpräsident sehr peinlich fein müßte,
len, als die bisherigen Zollsätze in den Handelsverträgen gebunden sind. Der Reichsernährungsminister fordert schließlich in seinem Agrarprogramm die Einstellung der zollfreien Einfuhr von Gefrierfleisch vom 1. Juli d. 3., doch dürfte er hierbei auf widerstand bei den Parteien stoßen.
Das Kabinett hat, wie die „Boss. Zlg." berichtet, an dem Schicleschen Gesetz jum Schuhe der Landwirtschaft eine ganze Reihe von A e n d e - rungen vorgenommen, da die in der Denkschrift des Reichsernährungsministers enthaltenen Forderungen des Landbundes nicht in allen Punkten die Billigung der übrigen Kabinettsmitglieder finden. Wegen der zahlreichen Aenderungen ist, wie das amtliche Kommunique feststellt, zwar eine „grundsätzliche Einigun g“, nicht aber eine Festlegung aller Einzelheiten erreicht worden. Deshalb wurden die Kabinettsberatungen auf Dienstag vertagt, wo Schiele eine den Aenderungen Rechnung tragende Jlcufaf fung des Programms vorlegen wird. Da hierdurch für die parlamentarischen Beratungen ein lag verlorengeht, rechnet man damit, daß das Agrargesetz nicht als Gesetzentwurf der Regierung, sondern a l s Initiativantrag der Regierungsparteien eiugebracht werden wird. Jn diesem Falle würde zunächst eine Beratung im Reichsrat wegfallen und erst nach der Beschlußfassung des Reichstages würde der Reichsrat Stellung zu nehmen haben.
Tardieu droht mit einer neuen Eniwaffnungsnoie.
Der Schükerstreik macht Schule.
Berlin, 7. April. (CNB.) Nach dem Vorbild des Schülerstreiks in Neukölln haben jetzt auch die Homburger Kommunisten Versuche eingeleitet, „revolutionäre Kinderaktio- ne _n“ in den Schulen des Stadtteils St. Pauli durch« zuführen. Zu diesem Zweck sind von dort kommu- nistische Schülerzeitungen in diese n Schulen zur Verteilung gelangt, in denen den Schülern nahegelegt wird, den Gehorsam zu verweigern und offen gegen ihre Erzieher zu rebellieren.
sich damit einverstanden erklärt, daß die Zahlungsfrist bei Zigarren nur auf drei Monate, bei Zucker bis auf den letzten Werktag im zweiten Monat verkürzt wird. Die Re' gierung will auch auf die Aufhebung der Tabak st euerläger verzichten, inuh aber dann eine Derwaltungsgebühr von 1 v. H. erheben. Der Ertrag aus der Aen- derung der Tabaksteuer vermindert sich danach unt etwa zwei Millionen Mark. Weiterberatung Dienstag.
Die Deckungsvorlage im Reichstag eingebracht.
Berlin, 7. April. (DDZ.) Die Tagesordnung für die Dienstagsitzung des Reichstags, auf der zu« nächst das Schank st ättengesetz stand, ist jetzt dahin ergänzt worden, daß auch die erste Beratung der Gesetzentwürfe zur Vorbereitung der Finanzreform und zur Uebergangs- regelung des Finanzausgleichs erledigt werden sollen. Der Gesetzentwurf zur Vorbereitung der Finanzreform ist heute dem Reichstag zuae- gangen. Entsprechend den Ankündigungen des Finanzministers ist die Vorlage in der ursprünglichen Fassung gehalten, sieht also bei der Arbeitslosenversicherung auch eine Beitragserhöhung bis zu 4 Prozent vor. Das Kompromiß der letzten Regierungsparteien, wonach eine Beitragserhöhung zunächst nicht stattfinden soll, muß erst durch Anträge in die Vorlage ausgenommen werden. Ferner enthält die Vorlage die Bestimmungen über die Steuersenkung und Ausgabenersparnis.
wirtschaft. Zu begrüßen sei dagegen der Antrag auf Beimischung von Spiritus.
3n der Abstimmung wurde ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, wonach P e - tr oleum von der Zollerhöhung freigelassen wird. — Ferner wurde ein Antrag des Abg. v. Sybel angenommen, dah diejenigen, die Treibstoffe aus dem Auslande einführen oder im In- lande Herstellen, einen entsprechenden Anteil Spiritus zur Verwendung als Treibstoff beziehen. — Weiter wurde ein Antrag der hinter der Regierung stehenden Parteien angenommen, wonach die Ausgleichssteuer 3,80 Mark für einen Doppelzentner Eigengewicht beträgt Die Reichsregierung wird ermächtigt, wenn die wirtschaftlichen Belange es erfordern, den Steuersatz zu erhöhen oder zu ermäßigen. Alsdann wurde ein neuer Artikel 4 beschlossen, demzufolge der Zuschlag zur Kraftfahrzeugsteuer für 1 930 auf 10 v. H. herabgesetzt werden soll. Für Kraftdroschken wird kein Zuschlag erhoben. Artikel 3 über die Mineralölsteuer soll am l.Mai 1930 in Kraft treten. Im übrigen tritt das Gesetz am 15. April 1930 in Kraft. Der Reichsminister der Finanzen ist er- mächtiat, für die im Gesetz benannten Waren eine Rachverzollung vorzunehmen. Mit diesen Zusätzen nahnr der Ausschuß die Regierungsvorlage über Benzin- und Benzolzoll an.
Es folgte die Beratung des Gesetzes zur A e n - derung des Tabak- und Zuckersteuer- g e s e tz e s. Rach der Dorlage sollen die Steuerläger aufgehoben und die Zahlungsfristen verkürzt werden, bei Tabak von 3'/, auf 2 Monate, beim Zucker von 70 auf 40 Tage. Ministerialdirektor Ernst teilte mit, die Regierung habe
Schieles Agrarprogramm.
Grundsätzliche Einigung im Kabinett. - Aenderungen im Einzelnen. - Heute erneute Beratung.
Gandhis Feldzug gegen das Satzmonopol.
Stärkste Zurückhaltung der indischen Regierung.
London, 7. April. (TU.) Der erste Tag des Feldzuges für die indische Unabhängigkeit führte nach Berichten aus Indien zu insgesamt 6 9 Verhaftungen. Unter den Verhafteten befinden sich der Sohn Gandhis und einer der Hauptmit arbeitet Gandhis, Manila! K 0 t h a r i. Gandhis Bewegungsfreiheit ist dagegen bisher nicht beeinträchtigt. Die Regierung hat sich auf den Stand- punkt gestellt, daß eine Verhaftung des chindufüh- rers vorläufig nicht in Frage kommen könne, da das von Gandhis Anhängern hergestellte Salz s i ch für den menschlichen Genuß nicht eigne und daher n i cht als Verletzung des Salzmonopols der Regierung anzusehen sei. Der Feldzug Gandhis wird nach englischer Auffassung stark beeinträchtigt durch die Tatsache, daß etwa 60 Millionen Angehörige der niedrigsten Kaste, der sog. Parias, Gandhi die Gefolgschaft verweigert haben. Die Führer der Parias haben beschlossen, Gandhi Widerstand zu leisten, weil er bisher ihren Forderungen in reli- giöser und sozialer Hinsicht zu geringe Beachtung geschenkt habe. In aus- führlichen Meldungen englischer Sonderberichterstatter wird weiter festgestellt, daß Gandhi durch die Zurückhaltung der Regierung st a r t in d i e De- sensioe gedrängt worden sei. Es sei mög- lich, daß der Hindusührer in Kürze wieder von Dandi abziehen werde, um fein Tätigkeitsfeld nach einem günstigeren Platz zu verlegen.
Die Woche der Entscheidungen.
Von unserer Berliner Redaktion.
Wenig mehr als eine Woche steht der Regierung noch zur Verfügung, wenn sie vor Ostern die An- fange ihres Programms auf parlamentarischem Wege erreichen will. Das müßte nach der Art, wie der Reichstag bisher gearbeitet hat, eigentlich von vornherein aussichtslos fein. Das Steuer Programm, das nun schon so lange unsere innere Ruhe erschüttert, würde bei normalem Verlauf, wenn es erst einmal aus dem Ausschuß heraus ist, zwei bis drei Wochen das Plenum beschäftigen, und die A g r a r 0 0 r l a g e n, die ja tief in die Äon|umentenfntcreffen hineingreifen, würden unter Umständen ebenso viel Zeit beanspruchen. Aber cs geht auch anders. Wir haben ja erlebt, daß Herr Brüning sein Kabinett in wenigen Tagen auf die Beine stellte, als sonst Wochen erforderlich wären. Es soll nur jemand da fein, der den erforderlichen Auftrieb in sich hat und der es versteht, mit dem Reichstag umzuspringen. Bei der Ablehnung der Mißtrauensvoten hat der neue Konz- ler auch diese Kunst gezeigt. Er muß aber jetzt erst sein Gesellenstück oblegen. Ein Glück, das schon rem zeitlich gar nicht mehr die Möglichkeit besteht, über die Finanzfragen den ganzen Apparat der interfraktionellen Besprechungen spielen zu lassen. Wir würden uns sonst bei den Wünschen, die von den jungen Regierungsparteien mitgebracht werden, ins Uferlose verlieren.
Das Kabinett hat deshalb auch recht aehandel, wenn es auf die ersten Versuche eines Umbaus der Bicrfteuer in Verbindung mit einer Erhöhuna der Umsatzsteuer sofort mit einem Faustschlag dazwischen- fuhr und sich auf die unveränderte A n > nähme des Regierungsprpgramrns fest- legte. Die einzige Möglichkeit, um rasch weiter zu kommen. Denn dem Reichstag stehen nur noch wenige Tage zur Verfügung, da ja auch das Agrar- irogramm noch bewältigt werden muh. Es handelt ich jetzt nicht mehr darum, ob die Steuergesetze bc- anders gut sind, ob es möglich wäre, bessere aus- indig zu machen. Dafür ist der Augenblick verpaßk. Jetzt drehte es sich nur noch darum, dem Reich d'.e Quellen zu erschließen, die zur Aufrecht- erhaltung des Gleichgewichts im Haus, halt notwendig sind. Dazu ist das Steuer- bufctt, wie es Herr Dr. Moldenhauer vorgelegt hat, immerhin brauchbar: also muß es genommen wer- den. Der Kanzler hat die Absicht, am Mittwoch dem Reichstag noch einmal den Ernst der ganzen Lage begreiflich zu machen. Er wird diesmal ultimativ auftreten müssen, schon um eine Obstruktion unmöglich zu machen. Es kann nur die eine Wahl geben, daß der Reichstag innerhalb zwei Tagen das Steuerprogramm, so wie es vorliegt, annimmt oder ausgeschaltet wird. Ausschaltung, das wäre der Artikel 48, der nicht unbedingt mit einer Auflösung verbunden zu sein braucht, der aber doch die Auslösung früher oder später nach sich ziehen müßte. Jedenfalls barf die Regierung überzeugt (ein, daß sie die Mehrheit des ganzen Volkes hinter sich hat, wenn sie mit dieser Form des Darlamenta- rismus Schluß macht und mit allen Mitteln ihre Politik durchführt, die eine Gesundung der Finanzen und der Wirtschaft des Reiches erreicht.
3m Steuerausschuß.
D e Zollerhöhungen fttrBenzin undBc^nzol
Berlin. 7. April. (D. D. Z.) Der Steuerausschuß des Reichstags setzte seine Beratungen über die Deckungsvorlagen fort, und zwar zunächst mit dem Gesetzentwurf über Zol.l- erhöhungen für Benzin und Benzol.
Ministerialdirektor Dr. E r n st erklärte, man hoffe, daß die Zollcrhöhung einen Mehrer- t r a g von 65 Millionen Mark bringe, davon sind 40 Millionen für ilcbcrtoeifun- gen an d ie Länder bestimmt, die diese Beträge für die W e g e u n te r h a l t u n g zu verwenden haben. Der Antrag der Regierungsparteien, den Ausgleichssteuerfatz von 4,80 Mk. auf 3,80 Mk. herabzusetzen, entbehre nicht einer gewissen Berechtigung. Da aber mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß das Ausland, um sich den deutschen Markt zu sichern, einen Teil des Zolls übernimmt, wird es sich
Worum handelt es sich?
Berlin, 7. April. (TU.) Zu dem Teil der Rede Tardieus, der die Schleifung von deutschen Festungsanlagen betrifft, wird vonzuständiger Seite mitgeteilt, daß es sich in der Hauptsache um folgende Punkte handele:
1. Um gewiße kleinere Festungsanlagen bei K e h l, deren Zerstörung nur noch geraume Zeit in An- sprach nehmen werde.
2. Um Kasematten in der Rahe von Mainz, die in einem Zeitraum von etwa drei Monaten nieder, zulegen seien.
3. Um vier Munitionsdepots, von denen ein Teil nach der noch nicht erfolgten Freigabe zerstört werden müffe. Bei einem anderen Teil dieser Munitionsdepots soll von deutscher Seite versucht werden, sie privaten Zwecken zuzuführen.
4. Die seinerzeit bereits aufgeworfene Frage der Unbrauchbarmachung des Flugplatzes bei Griesheim. Bekanntlich soll auch hier zlinächst der Versuch gemacht werden, die Flugplatzanlagen privaten Zwecken dienstbar zu machen, widrigenfalls innerhalb von drei Jahren die Zerstörung durch, zuführen sei.
Die Auffassung der Wilhelniflrahe.
Berlin, 7. April. (TU.) 3n Berliner amtlichen Kreisen ist man nicht geneigt, den Aeuße- rungen Tardieus hinsichtlich der deutschen Abrüstung und der Räumungssristen besondere Bedeutung beizumessen. Eine telephonische Rückfrage bei der zuständigen deutschen Stelle in Paris habe ergeben, daß die Aeuherungen Tardieus Inder Hitze der Aussprache auf drängende Anfragen verschiedener Senatsmitglieder gefallen seien. Aus dem Derlaus der Aussprache in der Kammer habe man jedenfalls nicht den Eindruck gewinnen können, als ob eine neue Entwasfnungsaktion gegen Deutschland geplant sei. Dielmehr handele es sich bei den Feststellungen Tardieus lediglich um eine weniger wichtige Angelegenheit, die in Berlin längst bekannt sei und der nur formale Bedeutung zukomme. Tardieu habe eine Beschleunigung der Arbeiten bei der Schleifung von Festungsanlagen und Beseitigung von Verladerampen gefordert und mitgeteilt, daß in den nächsten Tagen eine entsprechende Rote an die Reichsregierung ab- gehen werde. Don einer derartigen Rote ist an amtlicher Stelle in Berlin vorläuZg noch nichts bekannt. — Trotzdem wird man die, wenn auch erzwungene Aeußerung Tardieus sowie die bevorstehende Rote als einen Ausdruck des französischen politischen Willens zu werten haben trotz Cocacno, trotz des Kelloggpaktes und trotz der Haager Vereinbarungen, das deutsche West gebiet auch nach der Aufhebung der Besetzung als ein Land minderen Rechtes weiterhin gelten zu lassen.
empfehlen, der Reichsregierung nicht nur eine Ermächtigung auf Herabsetzung, sondern gegebenenfalls auch auf Erhöhung des Steuersatzes zu erteilen.
Abg. Dr. Rademacher (Dnt.): Das Gesetz bedeutet eine Verteuerung des Automobilverkehrs, aber andererseits auch einen Schuh der inländischen Produktion. Als Ausgleich für die weitere Schädigung der deutschen Automobilindustrie durch die Verteuerung des Betriebsstofses sollte schleunigst ein Automobilschutzzoll durchgeführt werden.
Abg. Freiherr von Richthofen (Dnt.) tritt ein für eine ftärfctc Beimischung von deutschem Spiritus zu Benzin und Benzol.
ReichsfinanzMinister Dr. Moldenha u e r erklärt sich einverstanden mit einem Antrag der Regierungsparteien, der die Regierung zu der Anordnung ermächtigt, daß diejenigen, die Treibstoffe aus dem Auslande einführen oder im Inlande Herstellen, einen entsprechenden Anteil Spiritus zur Verwendung als Treibstoff beziehen müssen.
Abg. von Sybel (Chr.-Rat.) befürchtet von den Mineralölzöllen eine Schädigung der Land-


