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Konzert des Vanerschen Gesangvereins
Die Wetterlaqe.
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(Bearbeitungen bewies der Bauersche Gesangverein aufs neue die hochstehende Disziplinierung seiner Stimmen, besonders die Tenöre haben an Weichheit und Fülle und (Nachgiebigkeit in der Kantilene gewonnen; stets erklangen sie edel, niemals drängten sie sich aus dem Gesamtklang hervor. Der Ausgleich der einzelnen Stimmgruppen sowohl in dynamischer Hinsicht wie auch in der Klangfarbe gewährleistete so eine einheitliche Ausprägung des symphonischen Stiles der Molbenhauerschen (Bearbeitungen ebenso wie in den homophonen Sätzen Silchers. Die Dvlksliebvariationen Moldenhauers, nament-
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Getneindcn.
Mittwoch, den 9. April.
Iohanneskirche. 18 Uhr: Paffionsanbacht; Pfarr Bechtolsheimer.
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—Thobhavn3*^
Montaa, d.7. April. 1930,7h abdS.
^Mer^raxShampccn für dein Haar Maehl eJ leidig, glänzend und klar. 6) reinig( von Schuppen dabei, 26/ billig und Aodafteil
Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilmpremiere „Dich hab ich geliebt", 16, 18 und 20.30 Uhr.
— Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die heutige Vorstellung „Woyzeck und „ßeonce und Lena" beginnt 19.30 Uhr. Der Büchner- abend ist heute zum letztenmal. — Am Mittwoch, 9. April, wird zum erstenmal Fritz von Unruh in Gießen aufgeführt. Sein Stück «Louis Ferdinand, Prinz von Preußen" hat besonders am Berliner Staatstheater immer wie' *r die größten Erfolge erlebt. Spielleitung Peter Fasfott, Bühnenbilder Karl Löffler, Kostüme Kurt Huber.
Iugenbgerichtsgesetzes.
Klus der provinzialhauptfiadt.
Gießen, den 8. April 1930.
Die Irühlingsreise.
Wenn die ersten wärmeren Tage kommen, wenn die Sonne wohlig vom blauen Himmel strahlt — kurz, wenn der Frühling seinen Einzug hält, dann erwacht in dem Menschen ein seltsamer Drang in die Ferne. Wandersehnsucht und der Wunsth nach Reisen ergreifen ihn mächtig. Wohl denen, die, vom Schicksal begnadet, die Möglichkeit haben, wärmere, südlicher gelegene Orte aufzusuchen, um von den Anstrengungen des Winters — den vielen Festlichkeiten, (Banketts, Abendessen, Tanzvergnügen und anderen Geselligkeiten — auszuruhen; das heißt, den im Winter allmählich träge gewordenen Körper durch ausgiebige Wanderungen in GotteS ergrünender Natur von den Schlacken der vergangenen Monate zu befreien. Manche werden in eines der zahlreichen (Bäder fahren, um durch Trinken heilkräftiger (Brunnen den Organismus einmal gründlich durchzuspülen, überflüssige Stoffe herauszu- befördern, Leber. Magen und Darm zu entlasten. Derartige Kur- und (Badeorte gibt es fa in Deutschwnd eine ganze Anzahl.
Der (Borzug einer Frühlingsreise dürste auch darin zu sehen sein, daß in dieser 3abre^eit die Kurorte nicht überfüllt zu sein pflegen. Man hat also als (Badegast einen gewissen Reiz der Seltenheit, und jeder einzelne dürste mit ganz besonderer Zuvorkommenheit empfangen und versorgt werden. Gerade Personen, die um ihrer (Herben willen Einsamkeit suchen, werden diese eher auf einer Frühlingsreise als während eines Kuraufenthaltes in der Hochsaison finden.
Aber auch all die vielen anderen, denen das Schicksal keine Frühjahrsreise vergönnt, können sich daheim einen gewissen Ersatz verschaffen Auch in der Heimat zeigen sich jetzt überall die ersten Spuren des erwachenden Lenzes, und überall gibt es wohl die Möglichkeit, lohnende Spaziergänge und Wanderungen zu Unternehmern Unb wer die Heilquelle nicht an Ort und Stelle trinfen kann, der vermag immerhin auch au Hause den auf Flaschen abgefüllten und versandten natürlichen (Brunnen zu trinken. Auch Haustrinkkuren mit natürlichen Heilquellen haben schon viellausendfach chren günstigen Einfluß auf den Organismus im Frühjahr erwiesen. Lind schließlich und endlich beginnen ja im Frühling auch die langentbehrten Leibesübungen im Freien, vor allem auch der Rasensport, wieder ihren Einzug zu halten, die das ihrige dazu beitragen, die etwas faul gewordenen Glieder wieder geschmeidig zu mad)ciL Also: wer im Frühling reifen kann, der soll es ja tun. Die Zuhausebleibenden werden sich mit Wanderungen, Sport und gegebenenfalls auch mit Haustrinkkuren gang gut behelfen können. Dr. med. E. M.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: (Butter 140 bis 170. Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 30, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis , 20, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 25. Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5. Aepsel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 50 bis 70. Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 70 bis 80, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 20 bis 30. Endivien 20 bis 40, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück; Radieschen 15 bis 20 Pf. das (Bund; Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner.
Bornotizen.
— TageskalenderfürDienstag. Stadttheater: „Woyzeck" und „ßeonce und Lena", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Wohlmuth-Institut: Aufklärungs- pertrag, 20 Uhr, im Katholischer, Bereinshaus. —
Gesetzen sei den Leuten, die ihre Ersparnisse dem Staate geopfert, nicht zu helfen; an die Stelle des Gesetzes müsse das Recht treten, wenn das System der Auspowerung dicht entschieden bc- kämpst werde, dann gehe der Staat zugrunde. Der Redner schloß die mit (Beifall aufgenommenen Darlegungen mit der Aufforderung zum Eintritt in die DolksrechtSpartei. — Der Leiter der Der- ammlung, Stadtratsmitglied Ehr. Reiber, berichtete darauf eingehend über die bisher bei der Stadtverwaltung unternommenen Schritte zur Linderung der Rot der Kleinrentner, von denen vielen die bisher gewordene LInterstühung zum Teil gekürzt, zum Teil ganz entzogen wurde und forderte ebenfalls zum Eintritt in die Bolks- rechtpartei als die entschiedenste Vertreterin der geschädigten Rentner auf.
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Wettervoraussage.
Unter allgemeinem weiteren Barometeranstiea hat sich die Wetterlage beruhigt und nur in Schlesien verursachte heute morgen die abziehende Störung noch Riederschläge. Wir leben zur Zeit im Bereich einer Hochdruckbrücke, welche sich von dem Biscayahoch nach Skandinavien hin erstreckt. Infolgedessen dauert die herrschende Wetterlage fort und Riederschläge treten vorerst nicht aus. Außerdem bleibt eS bewölkt, auch günstig, und die Temperaturen erfahren keine merkliche Aenderung. 3edoch dürste später die Atlantikstörung mit dem Vorschub warmer Lust zu Temperaturanstieg führen und auch Einfluß auf die Wetterlage gewinnen.
Wettervorhersage für Mittwoch. Weiterhin dunstiges und wolkiges Wetter mit Aufheiterung; trocken, Temperaturen noch wenig verändert.
Wettervorhersage für Donnerstag: Wärmer, dunstig und bewölkt, vorerst noch trocken.
Lusttemperaturen am 7. April: mittags 12,2 Grad Celsius, abends 7,4 Grad; am 8. April: morgens 3,5 Grad. Maximum 12,5 Grad Minimum —0,4 Grad. — Erdtemperaturen \n 10 cm Tiefe am 7. April: abends 10,9 Grad; am 8. April: morgens 5,8 Grad. — Sonnenfcheindauer 8% Stunden.
, «iMIen bestätigt werde, bie Tat ausge- ’fTrt unh Fritz Nogens an der Vorbereitung ' x Lrn Beiseiteschaffen der Leiche mitgewirkt u Stau Äaehler habe ihr früheres Geständnis ^'^entl'chen aufrechterhalten. Der Widerruf von August mögens sei völlig unglaubwürdig.
O unö August Mögens sei es nicht gelungen ihr v'yj._ für die Zeit des Mordes nachzuweisen. Frau o,.isf-ld und Blöcker seien durch Redens- belastet, doch betrachte der Staatsanwalt diese jungen in erster Linie als ein Mittel der Der- » iiiiauna, die angeklagten Brüder Mogens zu ent- Xn Es ist unwahrscheinlich, daß Kreuzfeld und ® kfrr damals zusammen den Mord ausgesuhrt Fb(n ^umal da sie miteinander verfeindet waren. «,jbe' hallen außerdem an der Ermordung des Ncinen Ewald kein Interesse. Hinzu kommt, Mfi Kreuzfeld an dem Mordtage überhaupt nicht in (Balingen war, wie einwandfrei nachgewiesen ist.
Ob Sakubowlki die Tat zuzutrauen ist, möchte kb bejahen. Der Lehrer Peters hat ihn für sehr Nr*<tilagen gehalten. Er hat sehr viel herum- otlogen und war Meister in der Derstellungs- funlt. Dazu kommt sein auffälliges Benehmen bet tat Suche nach der Leiche und anderes. Besonders belastet wird Jakubowski durch das Ver- giltungsgespräch und später durch Aeußerungen, wie das Ausgrabungsgespräch. Zusammenfassend kommt Oberstaatsanwalt Weber au dem Ergeb- niS daß die Mordtat von Zakubowski ange stiftet und von August Rogens aus geführt wurde. ES erscheint dem Oberstaatsanwalt erwiesen, daß Jakubowski nicht die Tat selbst auSgeführt hat; beim eS ist kein Vrund einzusehen, warum Auaust RogenS besonders zum Heidekaten bestellt sein soll. Die (Rolle, die Jakubowski gespielt hat, ist nicht ohne weiteres herauszuheoen. DieS ist vor allem Sache eines besonderen Wiederausnahme- rersahrens. Hier sei entsprechend der Anordnung des Reichsgerichts lediglich der genaue Hergang der Tat zu erklären und die Schuld der jetzigen Angeklagten und die Glaubwürdigkeit ihrer Geständnisse au prüfen. — Unter atemloser Spannung stellt Oberstaatsanwalt Dr. Weber am Schluß seines vierstündigen Plädoyers die folgenden Strafanträge: Gegen (21 ug. RogenS die Todesstrafe wegen Mordes und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit, gegen Frau Kaehler sieben Jahre Zuchthaus wegen Beihilfe zum Morde und Meineid, unter Anrechnung der Untersuchungshaft, sowie zehn 2ahre Ehrverlust, gegen Fritz RogenS vier Jahre Gefängnis wegen Beihilfe zum Morde und Meineid unter Berücksichtigung beS § 9 beS
Dem beutschen Männergesang fällt als besondere Ausgabe die Pflege des deutschen Volksliedes zu, und zumal in der Gegenwart wendet man sich diesem Gebiet mit Vorliebe zu. Vielleicht mag dafür der für unsere Zeit auf allen Kunftgebieten spürbare Stilwandel die treibende Ursache sein; beim auch im Männergesang müht man sich in ber Reihe der Schaffenben um bie Ausprägung eines Stiles, ber einmal dem Charakter Der Männerstimmen angemessen ist unb anbererfeitS sahtechnisch sich von bem in ben vergangenen Jahrzehnten üblichen Ciebcr- taselstil löst. Wohin biese Wendung führt, läßt sich bis jetzt mit Bestimmtheit noch nicht Voraussagen; sicherlich aber wirb bie Polyphonie auch beim Männerchorsatz eine bebeutfamerc Stelle einnehmen als in ber Satzweise ber zurückliegendem Zeit; vielleicht wird aber auch bas allgemein-musikalische Moment sich zu stärkerer Gelzung burchsetzen, als es bisher der Fall war.
Aus ber Suche nach StilmögNchkeiten erscheint die Belebung des Dolksliedes als ein besonders geeignetes Gebiet, und es wäre zu wünschen, daß das Volkslied wieder in nähere Verbindung zur Kunst.
grünen Spitzen hervorsteckten. Unb hoch in den Lüften begrüßten fröhlich bie gefieberten Sänger in Wall) und Feld ben Einzug be5 jungen Lenzes. Der Weitermarfch führte Über Reiskirchen zunächst nach Winnerod, wo das altersgraue, efeuumsponnene Kirchlein gebührend besichtigt wurde. Hier traf man auch das blaue Dreieck, das in Gießen feinen Anfang nimmt unb ein gemeinsames Werk ber beiden Zweigvereine Grünberg unb Gießen ist. Diesem Zeichen nach ging es über Selb unb Heibe, sowie durch schöne Waldung hinauf zur hochgelegenen Pfarrei (Bürberg, wo man eine hübsche Aussicht weit in daS Canb genoß. 3n dankenswerter Weise hatte sich der Sohn des dortigen Pfarrers erboten, den Wanderern allerlei Wissenswertes über die Kirche und bas ehemalige Ronnenkloster mit» zuteilen. Rach genügenber Rast unb Umschau erfolgte ber Abstieg nach ©öbeinrob unb auf ber Lanbstrahe weiter zum Endziel Grünberg. In ber ,(Billa Emilia" hatten sich inzwischen die Zweigvereine Alsfeld unb Mücke, bie ebenfalls auf einer Wanberung begriffen waren, eingefun* ben, und unter frohen Reden und Gegenreden, gemeinschaftlichen Liedern unb heiteren Vorträgen einer D. H. C.-Schwester verlebte man hier einige gemütliche Stunben.
•• Sparer- unb Rentnerbunb Auf Veranlassung ber beiben Verbänbe fanb am vergangenen Samstagabenb im Katholischen Vereinshause eine öffentliche Versammlung statt, in ber Lanbtagsabgeordneter Dr. Wolff, Mainz, sprach. Die Rot der Jetztzeit bezeichnete der Redner als Folge der Vernichtung des früher das Rückgrat des Staates bildenden, durch bie Gelbentwertung aber verarmten Mittelstandes, der rechts von bem Großkapital, links vorn Sozialismus bekämpft wurde. Weiter kennzeichnete Redner das Wirken ber Kriegsgesellschaften mit ihren ungeheuren Gewinnen, denen gegenüber der Mittelstand sich nicht behaupten konnte, zog ferner in den Kreis feiner Darlegungen die Warenhäuser, die Begünstigung der Darlehen- unb Hypothekenschuldner, bie Parallel mit ber Verarmung des Volkes gehende Sittenverwll» berung, die große Zahl ber Konkurse, bie aus Verzweiflung verübten Selbstmorde, unb besonders bie Arbeitslosigkeit. Als Voraussetzung für den Wiederaufstieg Deutschlands bezeichnete der Redner eine gerechte Lösung ber Aufwertungsfrage, bamit ber Wittelstanb, als stärkste Stütze des Staates und der Volkswirtschaft wieder zu seinem Rechte komme; nicht nur Bauern- not, sondern auch Mittelstandsnot sei Dolksnot. Mit Sorge sähe man jetzt schon dem nächsten Winter entgegen. Die ben Rentnern bisher gewährten Entschädigungen seien ungenügend; mit
Schwere- KrastwageimnglüH bei Wetzlar.
H Wetzlar, 6. April. Nach Schluß einer Festes wollte in der Nacht von Samstag au Sonn> lag gegen 4 Uhr ber Kaufmann Schaufler mit seinem Sohn als Wagenlenker und weiteren vier Wetzlarer Damen und Herren noch einen Ausflug an den Rhein unternehmen. Kaum daß sie jedoch das Weichbild der Stadt passiert hallen und in die freie Bahn der Braunfelser Straße eingebogen waren, kam aus bisher noch nicht aufgeklärte Weise der Wagen ins Rutschen, riß dort einen Teil der rechtsseitigen Straßenhecken um und zerschellte alsdann an einem der dort stehenden Straßenbäume. Der Kaufmann Schaufler erlitt bei dem Anprall einen schweren Schädelbruch, eine der mit- fahrenden Damen einen Oberschenkelbruch, eine weitere Dame einen Knöchelbruch und Kopfverletzungen, während die anderen Mitfahrendcn mit mehr oder weniger größeren Fleischwunden davonkamen. Kaufmann Schaufler ist heute abend, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, im hiesigen Krankenhaus verstorben, während die anderen Verletzten sich außer Lebensgefahr befinden. Es wird Sache der zuständigen Behörden sein, zu untersuchen, wer für den schweren Unfall verantwortlich ist.
musik tritt, so wie es in dem Dokalzeitalter der ständige Brauch war. Die geistige Gebundenheit des Volksliedes mit dem Zeitoller seiner Entstehung wird stets bei ber Neubearbeitung eine besondere Berücksichtigung des jeweiligen Zeitstiles erfordern. So werden für das ältere Volkslied sog. cantus llrmus-Bearbeitungen geboten sein, d. h. die Volks- Melodie wird von den übrigen Stimmen in thematischer Führung umspielt und so in ihrem Ausdrucks» wert verstärkt und gehoben. In ganz besonders vorbildlicher Weise ist dies z. B. dem Darmstädter Mei- fter Arnold Mendelssohn gelungen in den Bearbeitungen von Melodien aus dem Locheimer Liederbuch für drei bzw. vier Männerstimmen, die im Vorjahre auf dem Nürnberger Sängerfest ganz außerordentlichen Widerhall fanden und die dem konzertgebenden Verein als künftige Arbeitsaufgabe empfohlen seien Beim Volkslied aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert wird man mehr eine harmonischhomophone Art antreffen, die unferm modernen, harmonisch eingestellten Musikempsinden nahekommt, so wie wir sie etwa in den Silcherschen Volksliedbearbeitungen beobachten können. Während die mit den einzelnen Strophen immer wiederkehrende Melodie in ihrem Vortrag sich hier dem Textgehalt angleichen muß, gehen z. B. die A. von OtHegraven scheu Dolksliedsätze auf die Gesamtheit des Textgeschehens ein und versuchen, unter der Beibehaltung des durchgehenden melodischen Gedankens, ihn frei zu interpretieren je nach den Gegebenheiten des Textlichen. Die strengere Bindung an den leitenden melodischen Faden gibt in jüngster Zeit W. Moldenhauer auf; er geht auf bie Bildhaftigkeit des Textes ein und gestaltet die einzelnen Szenen mit bewegter Handlung dramatisch durch, indem er die gegebene melodische Vorlage als motivisches Material ausnützt, aber auch neue, aus bem Text geschehen sich herauskristallisierende musikalische Momente einschaltet. Im Satztechnischen verwertet Moldenhauer geschickt stilistische Eigenarten, wie sie uns der Chor der Donkosaken in seinen Dolkslied- darstellungen übermittelte, ohne sich jedoch in einem bloßen Kopieren zu verlieren, sondern er macht sie sich als perlönliches Ausdrucksmittel zu eigen.
Mit der Durchführung ber Volkslieber-
*• Tonfilm Im Lichtspielhaus. Man schreibt uns: Heute Dienstaa, findet die erste Tonfilmpremiere im Gießener Lichtspielhaus statt. Zur Vorführung kommt der große deutsche Ton-, Sprech- und Gesangsfilm „Dich hab ich geliebt" mit Mady Christians in der Hauptrolle. Dieser Film, welcher seit drei Monaten mit außergewöhnlichem Erfolg in Frankfurt a. M. läuft, erlebte dieser Tage dort seine 300. Aufführung.
** Die Zimmermeister- Zwangsin- nung Stadt- unb Landkreis Gießen hielt am letzten Samstag im Restaurant „3um Auerhahn" hier ihre Innungsversammlung ab. Nach einem Bericht des Geschäftsführers H. Kirchner (Gießen) über die Tätigkeit der Innung im letzten Vierteljahr, wurde die Schaffung von Arveitsgemein. schäften in ben einzelnen Bezirken des Kreises besprochen, von der Durchführung dieser Einrichtung aber vorläufig abgesehen. Die Frage des Anschlusses der Innung an den hessischen Zimmermeister-Der- benb soll vom Vorstand eingehend geprüft werden. In der weiteren Aussprache wurde über die geringe Bautätigkeit geklagt und die weitgehende Bereitstellung von Baudarlehen durch Staat unb Kommune gewünscht. Weiter würbe beschlossen, mit der im Juli ftattfinbenben nächsten Innungsoersamm- luna eine Familienzusammenkunft zu verbinden.
** Auszeichnung. Für Verdienste um den deutschen Radsport wurde, wie man uns mitteilt, Glasermeister Hch. Marx, Gießen, Gauehrenfahr- roart im Bunde Deutscher Radfahrer, mit der silbernen Bundesnadel ausgezeichnet.
*• V. H. C. Eine woylgelungene Frühlingsfahrt unternahm am letzten Sonntag der V. H. C. - Gießen in bet Stärke von 75 Personen. Der Weg führte ben Bulterweg entlang über Anne- rob sowie ein Stück burch ben Fernewalb zur ausgiebigen Rast nach Oppenrob. HeberaU in Wald unb Flur zeigten sich bie Spuren ber wieder erwachten Rattrr. Der frischgrüne Wiesenplan war mit zahllosen Maßliebchen bebedt, an Busch unb Rain bufteten bie Veilchen, während im Walde bie Winbbuschröschen blühten unb bie Lärchen, zwar noch schüchtern, bie ersten
lich bie über „O Straßburg", konnte man in ihrer Gesamtauswirkung burchaus als ben Höhepunkt ber Veranstaltung ansehen. Wie bie Schwierigkeiten, bie hier zu übertoinben waren, gemeistert waren, kann nicht genug anerkannt werben. Das thematische Gewebe war plastisch unb burchsichtig, unb bie Gesamtauffassung war großzügig unb lieh das Ganze als ein brama- tisches Gemälbe in voller Anschaulichkeit erstehen. Richt minber wirkte sich auch der „Freiheitsgesang" mit ber Gegensätzlichkeit ber zweiten Strophe aus. Sehr fein pointiert war bie Othe- gravensche Fassung „Gestern beim Monbenschein". Die Silcherschen Volkslieberbearbeitungen lassen mehr bie Melobie als solche in ben Vordergrund treten und bei ber Durchführung ber einzelnen Strophen muß ber Wclobiecharakter, ba er ja bie ©runbftimmung bes ganzen Liebes zufammen- faht, gewahrt bleiben. Das sichtliche Bestreben nach straffer textlicher Deklamation Netz bie textlichen Akzente stellenweise zu sehr im melodischen Verlauf bie Oberhanb gewinnen unb fo erschien „Mädele, ruck, ruck, ruck" etwas zerrissen burch bie längeren Pausen zwischen ben einzelnen Textzeilen unb büßte so von bem neckischen Grunbzug etwas ein. 3n sehr sorgfältiger Weise würbe bem Tertgehalt ber einzelnen Strophen von Orlanbo bie Lassos „Lanbsknechtstänb- chen" Rechnung getragen; bem Instrumentalrefrain wäre eine noch charakteristischere Ausprägung von Vorteil gewesen. An bem Eingang bes Programms hatte man zwei mobeme Männerchöre „Glockenlieb" von Cenbbai unb „Die Hütte" von Hugo Saun gestellt. (Namentlich bas erste übte einen starken Einbruck aus burch bas Malen bes Glockenklanges mit seinem Sich- verlieren im Schlüsse. Wit ber Durchführung bes Programms hat ber Cyrenchormeister Otto Gör - lach toicber ein Zeugnis für bie energische unb umsichtige Arbeit erbracht, bie er bem Chor ge- toibmet hat. 3m allgemeinen war auch bie Textaussprache bebeutenb besser geworben; nur vereinzelt zeigte sich noch typisch hessische bialektische Färbung.
Der Solist der Veranstaltung, Johannes Willy, Frankfurt, ist in Gießen noch von seiner Mitwirkung gelegentlich der Rennten Symphonie in Erinnerung. 3n seinem Bestreben nach besonderer Gröhe des Tones ist sein llangvolles Organ jedoch nicht eines ausgeprägten Pianos fähig, ebenso fehlen ihm auch bie mittleren bynamischen Grabe; bas Piano entspricht burchaus nicht bem Klangwert seines Fortetones; wie weit seine schiefe Munbstellung auf eine Störung in der Stimmfunktion hinbeuten könnte, sott hier nicht erörtert werden. So müßte er noch gehörig an bem Ausgleich seiner Stimme arbeiten, um ben Anforderungen eines vollendeten Konzertgesanges entsprechen zu können. Dem augenblicklichen Stande seiner Stimmentwicklung angemessen, legte er darum besonderen Wert auf bie Herausstellung bramatifcher Akzente, weniger bagegen lag ihm bie Erschließung lyrischen Gehaltes in bet Kantilene, zumal bei den Liedern von Schubert und Schumann. Beim Liebgesang ist bie geschlossene Stimmung ein ausschlaggebenbes Moment, auf das bet Solist noch viel mehr Gewicht legen müßte. Beim deklamatorischen Erfassen t>er Hugo-W o I f»Gesänge wären eingehendere Abstufungen einer noch eindtuckvolle- ren Auswirkung zweckdienlich gewesen. Durch die Klangfülle feiner Forte töne fanb er beim Publikum begeisterte Anerkennung, und fo gab er Beethovens »Der Kuß" zu. Am Flügel begleitete bie Gattin des Sängers; verschiedentlich wäre hier eine schärfere Ausprägung des Thematischen erwünscht gewesen; das Rachspiel । im „Heimweh" von Hugo Wolf erschien in der Auffassung durch bie Pianistin nicht bet «breiten ausladenden Schlußstimmung des Liebes angemessen. Dr. H
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