Ausgabe 
8.3.1930
 
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"r.r.cn, die die unverzichtbare Voraussetzung .. ' oer beutja/cn Währung sei. Die

Äö r, nz c i tun g" meint, der Entschluß öchach^s beweise aas hohe Verantwortungsgefühl Ic,'cs Mannes. Denn es könne gar keine Frage sein. vdf3 er in allerletzter Stunde noch einmal <as deutsche Volk auf rütteln werde und noch einmal zur Besinnung kommen lasse über die Gefahren, die mit der Annahme des Vvungplancs verbunden seien. Es wird jetzt darauf ankcmmen, ob die Aeichsregierung und die Regierungsparteien ihrerseits aus diesem Schritt des Reichsbankpräsidenten die notwen­digen Konsequenzen ziehen und das Ruder der Austenpolitik und der inneren Finanz- und Wirtschaftspolitik noch herumreisten, um eine neue Situation herbeizuführen, die es demReichs- bankpräsidenten Schacht ermöglicht, auf feinem Posten z u bleiben. Sollte dies nicht ge­schehen, so sind in der Tat schwere Erschütterun­gen für die deutsche Wirtschaft vorauszusehen: denn einen zweiten Schacht gibt es in Deutsch­land nicht! Aehnlich verzeichnet dieDeut­sche Tageszeitung" ein Gerücht, wonach Schacht mit feiner Rücktrittsankündigung nur einen Druck auf die Parteien ausüben wolle, um sie endlich von dem fortgesetzten Krisen­spiel ab und zu praktischer Arbeit zu bringen. DerBörsen-Courier" unterstreicht, dast der Rücktritt in einem Augenblick erfolge, wo im Parlament die Vounggesehe und insbesondere das Liquidationsabkommen mit Polen noch hart umstritten seien. Er werde wohl nicht ohne Ein­fluh auf die Stellungnahme einzelner Abgeord­neter zu dem Polenabkommen sein. Das Blatt der christlichen Gewerkschaften, derDeutsche", fragt, was Schacht künftig tun werde. Man werde in der Annahme nicht feylgehen, dast er in kurzer Zeit in de r Politik auftauchen und dort eine Rolle spielen werde. Es werde sich dann Herausstellen, ob sich Schacht zum Vorkämpfer der Ziele der Hochfinanz machen werde. Das Blatt verzeichnet eine Aeuherung von volks­parteilicher Seite im Reichstag, dast mit einer baldigen Aenderung der politischen Konstellation zu rechnen sei. Es sei anzu­nehmen, dast Schacht bei diesen Plänen eine Rolle spiele.

Das Urteil Amerikas.

R e u h o r k, 7. März. ($11. Funkspruch.) Der Rücktritt des Reichsbankpräsidenten hat hier völlig überrascht. Soweit man bisher aus amerikanischen Bankkreisen Urteile hört, wird im Interesse Deutschlands der Entschluß Dc. Schachts bedauert. Es wird hinzugesügt, dast man noch vor etwa zwei Jahren diesen Rücktritt für geradezu bedenklich gehalten hätte. In­zwischen hat sich, nicht zum wenigsten durch das Ansehen, das Schacht hier als Schützer der deut­schen Währung genießt, das Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft so gefestigt, daß man erwartet, auch der Rücktritt Schachts werde in Deutschland feine schwer­wiegenden Erschütterungen Hervor­rufen. Interessant ist die Ansicht, die man viel­fach in Reuyorker Dankkreisen hvrt, man würde nicht überrascht sein, wenn Schacht auf das zu erwartende Drängen der in Betracht kommenden Kreise feinen Posten als Reichbankpräsident doch noch wieder übernehmen würde.

Der deutsch-polnische Handels­vertrag.

TasDchweinekonlin ent.-DieKohlcneinsuhr

Berlin, 7.März. (OB.) Geheimrat Eisenlohr von der Delegation für den deulsch-polnischen Han­delsvertrag, der heute aus Warschau zurückge­kommen ist, hat den fertigen Text des deutsch - polnischen Handelsvertra­ges nach Berlin mitgebracht. Er ist weder paraphiert noch unterzeichnet. Es fehlt noch die Schluhbeflimmung, die aber keine Schwierigkeiten mehr machen wird.

von der polnischen Gesandtschaft in Berlin werden über den Inhalt des Polenver­trages folgende Einzelheiten mitgeteilt: Bezüglich des Elnfuhrkontiugenls an polnischen Schweinen ist eine Einigung dahin erzielt wor­den, dast im ersten Jahr 250 000 Stück, im zweiten 300 000 Stück und im dritten 350 000 Stück einge- sührl werden dürfen. 3n gewissem Umfange ist der polnischen Regierung auch eine Garantie für b i e Abnahme des Kontingents gegeben worden Garant ist der Reichsverband der Deutschen Industrie, allerdings nicht für das Gesamtkontin­gent, sondern nur für d i e Re st mengen, die im freien handel der polnischen Produzenten und deutschen Abnehmer nicht abgeseht werden können. Allerdings dürfte der freie handel durch veterinär­polizeiliche Bestimmungen der deutschen Regierung aus einen bestimmten Abnehmerkreis beschränkt werden und die Schweine nur in Fleisch- und Wurstfabriken oerarbei- t e t werden, vom Reichsverband der Deutschen Industrie war ein Preis vorgeschlagen, der 15 o. h. unter der Berliner Notiz liegen sollte. Es ist zu einer Einigung aus ungefähr 7 bis 8 v. h. gekommen.

Roch polnischen Darstellungen Heist! es ferner, Polen erhalte ein Ausfuhrkontingent von 320 000 Tonnen Kohle monatlich. Das den Deutschen zuerkannte Einfuhrkontingent nach Polen beziehe sich auf Automobile, Textiler­zeugnisse, Glaswaren und Konfektion. Der Nord­deutsche Lloyd, die Hamburg-Amerika-Linie und die Hamburg-Süd erhielten Konzessionen auf polnischem Boden. Da deutscherseits über den Inhalt des Vertrages keine Mitteilung ge­macht wird, war es unmöglich, die Richtigkeit der polnischen Angaben nachzuprüfen.

Minderheiten und polenabkommen.

Berlin, 7. März. (VDZ.) Die Regierungs­parteien haben zur zweiten Beratung des Po- lenabkornrnens folgende Entschliehung im Reichs­tag eingebracht: Die Lage der deutschen Minderheit in Polen gibt nach wie vor zu schwerster Besorgnis Anlaß. Da eine wirkliche Befriedung Europas nur möglich ist, wenn das international festgelegte Minder­heitenrecht in vollem Umfange tatsächliche Geltung hat, erwartet der Reichstag, daß die deutsche Reichsregierung in Erfüllung der dem Reich als Mitgarant des internationalen Min- derheitenrechts obliegenden Verpflichtungen

alle völkerrechtlich vorgesehenen Mittel zur Anwendung bringt, um den Min­derheiten Recht und Freiheit zu sichern. Die deutschnationale Reichstagsfraktion ersucht in einer Entschliehung die Reichsregierung, den aus Polen verdrängten entschädigungsbe­rechtigten Landwirten und Pächtern bis zur nächsten Ernte Vorschüsse auf die zukünftige Schlußentschädigung zu zahlen.

Sfeuerfenfung in Mecklenburg.

Erleichterung nir La dwirlschafl uv Gewerbe.

Schwerin, 7. März. (WTB.) Im Mecklen­burgischen Landtag wurde von den Regierungspar­teien der überraschende Antrag gestellt und ange­nommen, das Staatsministerium zu ersuchen, zum Zwecke der Erleichterung der Lande-steuern auf den begründeten Antrag einen teilweisen Erlaß

der vierten Rate der Grundsteuer tm Einvernehmen mit den wirtschaftlichen Berufsver­einigungen zu bewilligen. Dr o. Oertzen führte dazu als Fraktionsführer der Arbeitsgemeinschaft Natio­naler Mecklenburger aus, daß die Lage in der Landwirtschaft und im Gewerbe zwingend Steuernachlässe fordert. Die Regierung stelle ungefähr 500 000 Mark, das sind zwei Grund st euereinheiten, für die Steuer­senkung zur Verfügung. Damit wäre der Anfang mit der versprochenen Steuersenkung ge­macht, der zunächst denjenigen zugute kommen soll, die wirtschaftlich am meisten zu ringen hätten. Der Finanzminister fügte hinzu, daß er trotz der spar­samen Haushaltung in Anerkennung der Notlage der Landwirtschaft bei der vierten Steuerrate einen Steuererlaß auf Antrag gewähren werde, um die Betriebe über die schwere Zeit Hin­wegzubringen.

Oer Kampf um

Berlin, 7. Mär§. (ERD.) Rach der Ka- binettssihung hat Die Deichsregierung heute abend noch eine Ministerbesprechung ab- gehalten, in der der Fall Schacht erörtert wurde. Wie im Reichstag verlautet, ist es nicht zu irgendwelchen Beschlüssen gefom.nen; das Ka­binett wird sich noch häufiger mit der Angele­genheit beschäftigen müssen. Die parlamentarische Lage steht heute abend im Zeichen von Ver­handlungen, die das Zentrum mit den So­zialdemokraten und den Demokraten geführt hat. Mit den Demokraten wurde Ueber- einstimmung dahin erzielt, daß die Steuer» geseye unter allen Umständen durch­geführt werden sollen. Die Besprechungen zwi­schen Führern des Zentrums und der sozialdemo­kratischen Fraktion hatten zum Ziele, festzu­stellen, ob sich in den Steuerfragen nicht doch noch Möglichkeiten für eine Annähe­rung ergeben. Da man in sozialdemokratischen Kreisen heute abend davon spricht, daß die Fest­legung auf das Steuersenkungsprogramm kaum tragbar erscheine, ist nicht anzunehmen, daß die Besprechung ein positives Ergebnis hatte. In Kreisen der Deutschen Volkspartei haben diese Verhandlungen den Eindruck erweckt, daß das Zentrum versuche, die Deutsche Volks- Partei zu isolieren. Im allgemeinen wird die parlamentarische Lage im Reichstag dahin beurteilt, daß die morgigen Verhandlungen des Reichskanzlers mit den Fraktionssührem zeigen müssen, ob eine Einigung möglich ist. Sollte den Bemühungen des Kanzlers dieser Erfolg ver­sagt sein, so würde nach der Auffassung parla­mentarischer Kreise die Entscheidung erst in der Abstimmung bei der drittenLe- s u n g fallen. Es würde nach dieser Meinung dann darauf ankommen, ob die Deutsche Volks- Partei oder das Zentrum länger die Rerven behält. Die Meuter der Parteiarithmetik haben heute errechnet, daß auch bei der Stimm­enthaltung des Zentrums eine wenn auch knappe Mehrheit für dieVoung- Gesetze herauskommen würde, daß dagegen die Aussichten für den Polenvertrag in diesem Falle recht schwach seien.

Schon diese Perspektiven lassen erkennen, welche Bedeutung den morgigen interfraktionellen Ver­handlungen zukommt. Der..Vorwärts" gaubt, daß auch diese keine Klärung der politischen Lage bringen werden. In der Sozialdemokratie beständen gegen einzelne Teile der Regierungs­vorlage nach wie vor die stärksten Beden­ken. Mehr noch gelte das von der Grundtendenz zur Festlegung auf künftige Beschränkung der Ausgaben und Senkung der Steuern. DieG e r - m a n i a sagt, die Krise, die das Kabinett

den Reichsetat.

gerade im letzten Augenblick noch habe ver­meiden könne, scheine jetzt mit noch geringerer Aussicht auf Verständigung unter den ar­teten ausbrechen zu wollen. Sollte die DDP. in Konsequenz ihrer bisherigen Haltung bei ihrer völligen Ablehnung verharren und schließ­lich den Bruch vollziehen, dann würde die weitere Entwicklung sehr stark von der Stellungnahme der beiden volksparteilichen Minister Curtius und Moldenhauer beeinflußt werden. Die poli­tische Situation sei ebenfalls in einer Weise zu- gespitzt, daß ihre schnelle Klärung ge­fordert werben müsse. Auch dieD A Z." weist darauf hin, daß die Aussichten für eine Ver­ständigung sehr gering seien. Die Bedenken der DVP. gegen das Finanzprogramm seien am Freitag nicht geringer geworden.

Oas Zentrum bleibt fest.

Berlin, 7.März. (ERB.) Die Zentrums- fraktion hat in ihrer heutigen Frakttonsfihung die politische Lage von neuem beraten. Sie ist sich des Ernstes der Lage und der Schwierigkeiten, die durch die anderen Parteien, besonders durch die Deutsche volkspartei, gemacht werden, voll­auf bewußt. Die Fraktion hat daher einstimmig be­schlossen, bei der zweiten Lesung über die Poung- gesehe sich wieder der Stimme zu ent­halten, wenn bis dahin keine Klärung über die Sanierung der Finanzen herbelgeführt ist. Die Frak­tion hält damit an ihrem alten Stand­punkt fest: vor allem Bindung der übri­gen Parteien für die gesetzliche Siche­rung der Sanierung der Finanzen.

Oie Wirtschaft hält das Kinanzpro« gramm für ungenügend.

Berlin, 7.März. (WTB.) Anläßlich der Ver­öffentlichung des Finanz- und Steuerprogrammes der Reichsregierung find die Spihenoerbande von Industrie, Banken, handel und Landwirtschaft zu einer Besprechung zusam- mengefrefen. Als Ergebnis der Aussprache wurde beschlossen, der Reichsregierung und den Soalifions- parteien zum Ausdruck zu bringen, daß dieses Pro­gramm nicht den Rokwendigkeiten einer a uf Belebung der Wirtschaft und Min­derung der Arbeitslosigkeit gerichte­ten Finanz- und Wirtschaftspolitik entspreche. Die Spihenverbände halten nach wie vor an den von ihnen sei! langem vertrelenen Vor­schlägen fest, deren Verwirklichung unverzüglich in Angriff genommen werden müßte.

Oie Parteien und der voungplan.

Oer Reichsfinanzminister zum Rücktritt Schachts.

Berlin, 7. März. (VDZ.) Im Deutschen Reichstag wird die zweite Beratung der Voung- gesetze fortgesetzt.

Abg. Frbr. v. Rheinbaben (D. Vp.) be­richtet über cie Ausschuhberatung derLiquida- tionsabkommen. Politische und Zweckmäßig­keitsgründe sprächen für eine gleichzeitige Verab­schiedung der Liquidationsabkommen mit dem Voungplan. Trotz der schweren Mängel des deutsch-polnischen Liquidationsabkommens liege seine Annahme im Interesse der Ostpolitik und der deutschen Minderheit in Polen. Er werde gerade als schlesischer, ostmärkischer Abgeordneter für das Abkommen stimmen, während ein Teck der volksparteilichen Fraktion sich nicht dazu entschließen könne. Die Zustimmung zum Liqui­dationsabkommen bedeute aber keineswegs ir­gendein Ostlocarno, irgendeine freiwillige Aner­kennung der Ostgrenze. In dieser Frage werde sich Deutschland immer den Weg zum Haager Schiedsgericht offen lassen.

Abg. Dauch (D.Vp.) erklärt: In dem Voung- plan sehe die Volkspartei keine endgültige Liqui­dation der Kriegsära, sondern eine Gewalt­tätigkeit der anderen gegen uns. Tatsächlich hat Deutschland längst das bezahlt, was ihm in den Waffenstillstandsbedingungen auferlegt war. Wir haben bisher 34 Milliarden gezahlt, eine ungeheure Leistung. Es handelt sich beim Voungplan gar nicht um einen frei­willig abgeschlossenen Vertrag, sondern dieses Abkommen gründet sich auf den Versailler Ver­trag und aus das Londoner Ultimatum, also auf zwei Diktate. Dem Voungplan würden wir nicht zustimmen, wenn er uns nicht wesentliche Er­leichterungen gegenüber dem bestehenden Zustand unter dem Dawesplan brächte. Das ist aber zweifellos der Fall. Von den Kritikern wird der große Erfolg nicht gewürdigt, der mit der Befreiung des Rheinlandes und mit dem Weg­fall der ausländischen Kontrollinstanzen erzielt worden ist. Man hätte vielleicht im Inter­esse einer Revision des Dawespla­nes den Voungplan ablehnen können, aber das hätte dann schon bei dec Pariser Sachverständi­genkonferenz geschehen müssen. Unter der Vor­mundschaft des Dawesplanes haben wir unsere Wirtschaftslage nicht richtig erkannt. Die Privatwirtschaft ist verarmt, die Arbeitslolenzahl wächst immer mehr an, und die öffentliche Hand sammelt dabei Kapital an durch teuere aus­ländische Anleihen. Da halte ich es mit unserem früheren Kollegen Ledebour, der heute seinen

60. Geburtstag als alter Revolutionär feiert (Beifall) und der einmal sagte: Wenn ich schon Zinsen zahlen muß, dann licoer an den deutschen als an den ausländischen Kapitalisten!

Abg.Dr.Bredt (WP.)« Bei der Entschei­dung über den Voungplan ist der Zusammenhang mit der Sanierung derReichsfinanzen unverkennbar. Wir berbitten es uns ganz ent­schieden, daß die Regierung noch immer das Volk täuscht mit der Verheißung von Steuer­senkungen, an die sie selber nicht glaubt! Die Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums bei der Einkommenssteuer würde doch nur große Cteuererhöhungen auf anderen Gebieten notwen­dig machen. Wenn sich der Rücktritt des Reichs- bankpräfidenten Schacht bestätigt, so wäre das ein sehr bedauerliches, aber auch sehr bedeut­sames Symptom für den Ernst unserer Finanz­lage. Wir müssen verlangen, daß in aller Oeffent- lichkeit dem Auslande erklärt wird, daß das deut­sche Volk die ihm im Voungplan zugemuteten Lasten nicht tragen kann.

Abg. Koch-Weser (D.) erklärt: Die Re­vision werde um so sicherer kommen, je weniger man von ihr spreche. Riemand kenne die künftige Wirtschafts- und Geldlage der Welt. Der P o - lenvertrag wäre überflüssig, wenn noch je­mand an ein bald zusammenbrechendes Polen glaubte. Der Vertrag verbürgt, daß das Gros der deutschen Dauern nicht vertrieben werden kann Daraus kommt es politisch an. Die Behauptung, Polen werde den Vertrag nicht loyal erfüllen, schlägt nicht durch. Gerade dann sind Verträge notwendig, deren Durchsetzung man international erzwingen kann.

Reichsfinanzminister Or. Moldenhauer erklärt: Die Stabilität der deutschen Währung wird verbürgt durch die bankgesetzlichen Vorschriften über die Notenausgabe durch die unabhängige Reichsbank. (Abg. Dr. Reichert, bnL:Warum ist denn Schacht Aurüdgetrete n?") Sie wissen, daß zwischen dem Reichsbankpräsidenten und der Reichsregierung Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des Haager Protokolls bestehen. Die Reichsregierung und ich besonders habe im Haag und in der nachfolgen­den Zeit für die Aufrechterhaltung dieser Unab­hängigkeit mich eingesetzt und in den neuen Bestim­mungen wird der Unabhängigkeit des Reichsbankprasidenten in keiner Weise Abbruch getan. Er bleibt auch nach diesen Be­stimmungen ein von jedem Einfluß der ReichsregierungunabhängigerMann. Es ist auch von der Reichsregierung nicht der

geringste Druck auf den $ r 6 f t b en teft im Sinne des Rücktritts ausgeübt worden. Ich, der ich stündig mit ihm verhandelt habe, der ich auch persönlich in einem durchaus freundschaftlichem Ver­hältnis zu ihm stehe, ich bin wohl befugt, diese Er­klärung abzugeben. Ich habe ihn bis zum letz­ten Augenblick gebeten, auf feinem Posten z u bleiben, weil ich ihn für diesen Posten als durchaus geeignete Persönlichkeit betrach­tet habe. Präsident Schacht will die Verantwortung für den Poungplan nicht tragen, er zieht daraus Die Konsequenz des Rücktritts. Daß er damit der Regierung für den Augenblick einegewisseUn- bequemlichkeit schasst, will ich gar nicht leug­nen ; aber die Unabhängigkeit der Reichs­bank ist vollkommen gewahrt.

Von einer Inflationsgefahr, so fährt der Minister fort, ist keine Rede. Eher könnte eine Deflation infolge einer Wirtschafts­krise befürchtet werden. Wenn wir fest davon überzeugt wären, daß Deutschland auf die Dauer ohne jede Schwierigkeit die Vounglasten trag n könnte, dann hätten wir ja keine M o r a t o - riumsbestirnmungen elnjuf?gen* braunen. Wenn Dr. Bredt aber mit den finanziellen Schwierigkeiten die Ablehnung des Voungplans begründet, dann muß ihm entgegengehalten werden, daß bei dieser Ablehnung der Dawes- plan weiterbestehen und daß dem Mittelstände dann eine um 110 0 Millionen höhere Steuerlast ausgebürdet werden müßte. Ganz entschieden verbitten wir uns aber die Behaup­tung des Dr. Bredt, daß die Regierung das Volk mit der Verheißung von Steuersenkungen be­schwindele. Man mag anderer Meinung sein als wir, aber wir verlangen, daß man uns nicht den guten Willen und die ehrliche Gesinnung abspricht.

Abg. von Sh bei (Christ.-Rat. A.) betont, daß das Rein seiner Partei zugleich ein Aus­druck des Mißtrauens gegen dieGe - famteinftellung dieser Reich s reg ie- rung sei. Paris sei eine Kette deutscher Rie­derlagen gewesen. Solange Ostpreußen durch den Korridor von Deutschland getrennt sei, seien alle Versuche der Wiederherstellung friedlicher Ge­sinnung ein Hohn auf die nationalen Gefühle Deutschlands. Die größte Gefahr drohe vom Polen-Vertrag, dem der Handelsvertrag noch folgen werde. Dieser werde der deutschen Ostmark den Todesstoß versetzen. Der Redner verlangt die Loslösung des Polenabkommens von der Beratung.

Abg. Feder (Sachsen) (Rat.-Soz.): Das Ver­halten 'Dr. Schachts ist verständlich. Besser noch wäre es gewesen, wenn er, wie Bögler, schon auf der Pariser Konferenz sein Man­dat niedergelegt hätte. Keine Partei hält den Voung-Plan für durchführbar. Die Unterschrift unter diesen Plan ist also unehrlich. Rur ein Lump verspricht mehr, als er halten kann.

Oie Hochwasserkaiastrophe in Südfrankreich.

Toulouse, 7. März. (WTB.) In den De- partements Tarn und Garonne zeigt sich, je mehr das Wasser fällt, ein immer entsetzlicheres Bild der Katastrophe. Der Verlust an Menschenleben soll ungeheuer fein. Die Zahl 300 allein in diesen beiden Departements dürfte weit überschritten werden. In Moissac, wo mit den Ausräumung ^arbeiten kaum begonnen wurde, hat man bereits 72 Lei­chen geborgen. Bereits gestern wurden in dieser Ortschaft 19 Opfer bestattet. Große Schwierigkeiten bieten die Ausräumung arbeiten bei Montauban, wo bis jetzt 20 Tote auf­gefunden wurden. Man rechnet mit einer großen Zahl von Opfern in den einzeln gelege­nen Gehöften. Bei Montauban ist besonders viel V ie h angetrieben worden: insgesamt wur­den bisher über 3000 Tierkadaver ge­zählt.

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ttt?etterooru.»ssage.

An der Südseite der ausgedehnten nördlichen Störung ist in ganz Deutschland eine Westwind- ftromung aufgekommen. Somit werden ozeanische Luftmassen nach dem Kontinent verfrachtet, die das Wetter zwar mild, jedoch unsicher gestalten. Beim Aufgleiten der ozeanischen Warmluft tritt vielfach Wolken- und auch Rebelbildung ein, wobei auch vereinzelt leichte Niederschläge nicht ausgeschlossen sind. Die Temperaturen steigen noch weiter an.

Wettervoraussage für Sonntag. Rebelig wolkiges Wetter, mild, vereinzelt leichte Riederschläge.

Lufttemperaturen am 7. März: mittags 8,9 Grad Celsius, abends 5,2 Grad: am 8. März: morgens 4,6 Grad. Maximum 9,2 Grad, Minimum 1,7 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. März: abends 6,3 Grad: am 8. März: morgens 3,4 Grad Celsius. Sonnenfcheindauer lt Stunden.