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Wagen brauchen. Mir schreibt er so etwas. Das beste ist, Sie fahren sogleich ab."

Aber wie wlrd's jetzt mit dem Suchen nach der gnädigen Frau?" fragte der Brave und schien von der Wendung der Dinge durchaus nicht Über­mäßig erbaut zu sein.

Das nimmt der Herr alles selbst in die Hand, denn er ist wieder so weit hergestellt", erklärte Reginald.

Alsdann fahren Sie auch gleich mit, Herr Contius?" fragte der Chauffeur.

Gott bewahre, nein!" fuhr Reginald mit sol­cher Heftigkeit heraus, daß der andere ihn mit kreisrunden Augen verständnislos anstarrte.

Contius tat setn Auffahren leid. Der Chauffeur konnte ja nicht wissen, was los war.

Es ist so, daß ich vollkommen überflüssig ge­worden bin", sagte er ruhig.Und nun fahren Sie los und kommen Sie gut heim."

Hm Gottes willen, Herr!" wehrte der Fahrer mit abergläubischer Furcht hastig ab.Das darf man nie sagen, wenn nichts Schlimmes passieren soll. Hals- und Beinbruch ist das wenigste, was man wünschen muß."

Trotz seiner Bedrücktheit mußte Contius lächeln.

Also: Dann Hals- und Beinbruch", sagte er und drückte dem Chauffeur kräftig die Hand.

Möchte bloß wissen, was da nun wieder los ist", brummte der Chauffeur, während er die Treppe hinabstieg.So ein netter Herr, der Herr Contius, wäre mir fast lieber als meine Herr­schaft wie der gnädige Herr selber. Was der auch jetzt oft für Ideen hat!"

Stundenlang faß Reginald auf dem kleinen, wackligen Sofa, den Kopf in beide Hände gestützt, und grübelte nach.

Wo war Barbara?

Er hatte sich die erdenklichste Mühe gegeben, sie zu finden, hatte alle Hebel in Bewegung ge­setzt, alle Behörden alarmiert aber es war alles gänzlich vergebens gewesen.

Er hatte zwar sehr einfach gesagt, als er Muchs Brief erhielt, er wolle sie selber suchen, aber er verhehlte sich auch keineswegs die Schwierigkeiten, die ihm nun geworden: Ihm fehlte etwas, was gerade dafür unumgänglich nötig gewesen wäre das Geld.

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Muchs Gesicht verzerrte sich förmlich vor Wut.

Haben Sie es genau gesehen, Schwester?" fragte er mühsam beherrscht.

Jawohl, Herr Much oder zweifeln Sie etwa an der Richtigkeit meiner Angaben?" fragte sie pikiert.

Rein, nein, bestimmt nicht! Oh, es ist fürchterlich. So haben meine Bekannten doch recht gehabt!" stöhnte Bernhard Much zähneknirschend. Dieser Schuft, dieser gemeine Halunke natür­lich hat er mir meine Frau verführt! Barbara ist ja so leicht zu beeinflussen, wenn man es nur recht versteht."

Herr Much", bat die Schwester mit ihrer weichsten Stimme,strafen Sie den Schuldigen, aber erregen Sie sich nicht gar zu sehr. Sie schaden Ihrer Gesundheit und ändern nichts an der Sache. Hätten Sie doch nicht weiter in mich gedrungen!"

Bernhard Much schüttelte etwas müde den Kopf.Lassen Sie's nur sein, Schwester. Cs ist schon gut so. Lieber Klarheit, als diese vagen Mrmutungen. Ich bin Ihnen dankbar, daß Sie mir die Augen geöffnet haben."

Lind er griff nach ihrer Hand und drückte sie warm.

Dringen Sie mir Schreibzeug!" bat Much.

Die Schwester brachte ihm das Gewünschte.

Brauchen Sie mich noch weiter im Augen­blick?" fragte sie höflich.

Rein, danke", sagte Much zerstreut und be­gann zu schreiben.

Die Schwester verschwand.

Dem guten Contius hab ich's jetzt aber ordent­lich gesteckt", dachte sie und sah so zufrieden dabei aus, als hätte sie eben ein gutes Werk getan

* * *

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Reginald, als er müde und recht erschöpft von einer Streiffahrt in die Umgegend am Abend ins Gasthaus zurückkehrte.

So gib ihn mir", sagte Reginald freundlich.

Der Herr muß selber auf die Post gehen", sagte sie wichtig.Der Postbote sagt, er sei ein­geschrieben und er dürfe ihn nicht hergeben."

Reginald ging zu dem nahegelegenen Postamt und holte sich den Brief. Er besah ihn genau, es war Muchs Handschrift.

Reginald seufzte.

Er war sehr niedergeschlagen, denn nicht die geringste Spur hatte er finden können. Barbara war und blieb verschwunden.

In den Gasthof zurückgekehrt, ging er sofort in sein Zimmer und öffnete den Brief.

Er war von Much. Dieser teilte ihm in knappen und sehr kühlen Worten mit, daß er sich so weit erholt habe, um die Rachforschungen nach Bar­bara selbst in die Hand nehmen zu können. Con­tius schiene ja sowieso kein Glück damit zu haben. Im übrigen dürfe er mit keinerlei materieller Unterstützung mehr rechnen. Er, Reginald Con­tius, wäre ja sowieso Wohl schon selber genügend auf seine Kosten gekommen. Der Chauffeur habe sofort mit dem Wagen zurückzukehren.

Contius schüttelte den Kopf. Der ganze Ton des Briefes war so verletzend und kalt gehalten, daß er nicht wußte, was er dazu sagen sollte. Besonders dunkel war für ihn der Passus, daß er von selbst auf seine Kosten gekommen wäre.

So viel jedenfalls war klar: Much setzte ihm den Stuhl vor die Türe. Aus welchem Grunde, war Reginald schleierhaft.

Für ihn genügte die Tatsache. Gut, mochte Much tun, was ihm beliebte. Er würde dann eben auf eigene Faust weiter nach Barbara suchen.

Es klopfte an die Türe, der Chauffeur stand davor.

Kommen Sie nur herein" forderte Reginald ihn auf.Was gibt's denn?"

Ich erhalte soeben ein Telegramm von Herrn Much, soll sofort mit den: Wagen nach Haus zurücttehren. Run verstehe ich aber gar nicht: Was wird mit Ihnen, Herr Contius? Fahren Sie mit, bleiben Sie hier?"

Lieber Freund", antwortete ihm Reginald, Herr Much wird Sie wohl dringend mit dem

Solange er als Beauftragter Muchs gearbeitet, hatte das ja keine Rolle gespielt, denn da hatten ihm so viel Geldmittel zur Verfügung gestanden, wie er nur brauchte. Damit war s jetzt aus.

Was er noch besah, reichte gerade, um di« Rechnung im Gasthof zu begleichen. Was er an« fangen sollte, war ihm gänzlich schleierhaft. Richt um die Welt hätte er Much auch nur um einen Pfennig angehen mögen.

Er befand sich genau da, wo er gestanden hatte, als er den Ueberfall auf Barbaras Wagen aus- führte.

Er dachte an Barbara.

Was mochte aus ihr geworden sein?

Die nagende Sorge um sie war von ihm ge­wichen und machte einer müden Resignation Platz. Er versuchte, sich ihr Gesicht vorzustellen, ihre klaren blauen Augen. Umsonst. Es war, als sei auch die Erinnerung an sie verwischt, verlöscht. Er wußte in diesen Stunden kaum wie sie aussah, ja, er bezweifelte, ob es jemals eine Barbara Much, geborene Cranacher, gegeben habe, und er glaubte schließlich, nur einem Phantom nach- gejagt zu haben.

So erschöpft war Reginald Contius an diesem Abend.

Schwer wie Blei waren fei ne-(Steter. Kaum konnte er noch seine Kleider abstreifen und sich ins Bett tasten.

Es war schon Heller Tag, und die Sonne sandte goldene Strahlen durchs Fenster, als Reginald erwachte. Er hatte so abgrundtief geschlafen, daß er einige Zeit brauchte, um sich zurechtzuf inten.

Mechanisch stand er auf, mechanisch wusch er sich und kleidete sich. an. Dann ging er hinunter ins Gastzimmer, um zu frühstücken.

Als er eintrat, blieb er einen Augenblick über­rascht stehen.

An dem runden Mitteltisch sah ein kleiner, untersetzter Herr, etwa um die Vierzig, der dem Wirt eine Bestellung für ein reichliches Frühstück aufgab. Dieser dienerte ergeben und zeigte sich sehr eifrig, Den Wünschen nachzukommen.

Reginald ging mit einem flüchtigen Gruß auf seinen alten Eckplatz zu und ließ sich dort nieder.

(Fortsetzung folgt.)

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