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Um -ieGenkung der Baukosten

Berlin, 6. August. (WTD.) Das Reichs- arbeitsministerium hatte führende Per-" sönlichkeiten der privaten und der gcmeinwirt- schaftlichen Bauwirtschaft eingeladcn, zu einer Besprechung der Frage, wie bei der Durch- führung des zusätzlichen Woh­nungsbauprogramms des Reiches Der- teuerungen vermieden werden könnten und in­wieweit die Bauwirtschaft bereit sei, der Reichs­regierung in dieser Richtung entgcgenzukommen. Bei der Besprechung ergab sich die allseitige Bereitwilligkeit, an der gestellten Ausgabe mit- zuwirken und allgemein den Hnternehmer- gewinn zunächst für das zusätzliche Baupro­gramm möglich st niedrig zu setzen. Eine Reihe von Dorschlägen, wie eine Verbilligung zu erreichen sei. wurde vorgctragen. Eine Haupt­möglichkeit sah man allgemein in den Dorschrif­ten des Reiches, die eine Vereinfachung der Wohnungen im Auge haben. Als be? sonders wichtig wurde von verschiedenen Seiten bezeichnet, eine Vereinfachung der bau­polizeilichen Bestimmungen'und der behördlichen Ko st en zu erreichen. Die Be­sprechungen namentlich über die vorgebrachten Vorschläge werden im engeren Kreise fortgesetzt. Reichstag und Notverordnung

Der Jntcrimsausrrtutz erklärt sich für unzuständig

Berlin, 6.2lug. (DDZ.) Der Reichstags- ausschuß für Wahrung der Rechte der Volksvertretung beschäftigte sich unter dem Vorsitz des Abg. Henke (Soz.) mit der neuen Not­verordnung der Reichsregierung. Es lag ein kommunistischer Antrag auf A u f h e b u n g der Verordnung vor. Die Sozialdemokraten verlangten, daß die Verordnung für verfassungswidrig erklärt werde, da sie parallel mit den ersten, auf Verlangen des Reichstages wieder außer Kraft ge­setzten Verordnungen laufe. Von anderer Seite wurde diese Parallelität in Abrede gestellt. Der Ausschuß nahm mit 16 gegen 12 Stimmen einen von dem Abg. Dr. Bell (Zentr.), Dr. Scholz (DVP.), o. Keudell (LVP.), Meyer (Dem.), Drewitz (WP.) und Emminger (BVP.) eingebrachten Antrag fol­genden Inhaltes an: Der Ausschuß erklärt sich zur Verhandlung der eingebrachten Anträge, die Not- Verordnung des Herrn Reichspräsidenten aufzu- heben oder für verfassungswidrig zu erklären, für unzuständig.

Eine Beamteneingabe an die preußische Staaisregierung. Be rlin, 7. Aug. (ERD.) Auf den Erlaß des preußischen Staatsministeriums gegen eine Beteiligung von Beamten an radi­kalen Parteien haben der Deutsche De- amtenbund und der Preußische Deamtenbund der preußischen Staatsregie'-ung eine Eingabe zu­geleitet, in der auf die durch die Reichsverfassung den Beamten gewährleistete Freiheit der politischen Gesinnung hingewiesen wird. Zum Schluß betonen die beiden Beamtenver­bände, daß der genannte Erlaß des preußischen Staatsministeriums erneut Zweifel an der Sicherheit der Verfassungsgaran­tien Hervorrufen muffe, und fordern eine Heber» Prüfung in der Richtung, daß eine bloße Zu­gehörigkeit zu den in Betracht kommenden Parteien nicht unter das Verbot ge- st e l l t werde.

Glashütter Uhrenarbeiter nach Gowjetrußtand.

_ Aufbau einer eigenen russischen Uhrenindustrie.

Berlin, 6. Aug. (ERB.) Hochqualifizierte deutsche Arbeiter wurden für die russisch« Industrie verpflichtet. Für das Teilgebiet der H h r e n - und Feinmechanik-Industrie hat ein Mitglied der Berliner Handelsvertretung der Sowjetunion soeben in Glashütte einen Vertrag abgeschlossen. Am 8. August fahren z e h n E l i t e- arbeiter der Glashütter Hhrenfa- brikation über Stettin nachMoskau, nach­dem mit Unterstützung durch die deutsche Bot­schaft die Arbeitsbedingungen für sie derart ge­regelt worden sind, daß ein persönliches Risiko möglichst beschränkt wird. Die Sowjetregierung hat sich verpflichtet, Hin- und Rückreise für die Arbeiter, die einen Kontrakt auf zwei Jahre eingegangen sind, zu zahlen, sowie auch den Familienangehörigen, dre sämtlich in Deutsch­land verbleiben, durch Vermittlung der deutschen Behörden einen Teil des Lohnes sicherzustellen und zu überweisen. Die Glashütter Arbeiter, die zwar augenblicklich erwerbslos sind, deren Weggang aber angesichts ihrer besonderen Quali­täten bedauert wird, sollen in Moskau in einer Fabrik, die bis vor kurzem inderRäheChi- k a g o s stand, dort stillgelegt und darauf in allen ihren Teilen von der So wjetregierung angekauft und nach Rußland transportiert wurde, vor allem zum Anlernen russi­scher Arbeiter verwandt werden.

Anwachsen der Streik­bewegung in Nordfrankreich.

Paris, 6. Aug. lieber den Stand des wegen der Verteilung der neuen Sozialversicherungs­lasten im nordfranzösischen Industriegebiet aus- gebrochenen Streiks berichtet Havas, daß heute in Roubaix-Tourcoing neuerdings 9000 Arbeiter bte Arbeit eingestellt haben, so daß sich eine Ge­samtzahl von 73 000 Streikenden für diesen De- -irk ergebe. Im einzelnen sind in Roubaix fetzt 117 Fabriken von der Streikbewegung be- troffen. Die Zahl der Ausständigen beträgt 29 500. Davon entfallen 22 455 auf 86 Fabriken, die vollkommen stilliegen. Etwa 13 000 Arbeiter arbeiten, ihre Forderungen bewilligt worden sind. In T v u r c o i n g ist die Zahl der Streiken­den von gestern auf heute von 22 150 aus 29 500 gestiegen, davon 8650 Streikende in 41 Fabriken ie vollkommen stilliegen und 20 846 Streikende in Betrieben, die zum Teil stilliegen. Die Zahl der Streikenden in der Textilindustrie in Lille wird mit rund 17 000 als stationär angegeben. Dagegen soll die Zahl der Ausständigen in der Metallindustrie in Lille von 12 500 auf 10 000 zurückgegangen sein. Das Zunehmen der Arbeits­einstellungen im Bezirk Roubaix-Tourcoing soll vor allem auf die Tatsache zurückzuführen sein, daß die auf ftänzösischem Gebiet beschäftigten

belgischen Arbeiter von streikenden belgi­schen Arbeitern verhindert werden, sich zu ihren Arbeitsstä tn nach Frankreich zu begeben. Rach der Mittagspause soll die Zahl der Strei­kenden noch gestiegen sein und jetzt für die Gegend von Lille insgesamt 80 000 betragen. An der belgisch-französischen Grenze bei Halluin- Menin sind verstärkte Sicherheitsmaßnahmen ge­troffen worden. An der Arbeitsbörse in Lille haben auch die Arbeiter der bisher vom Streik verschonten Branchen (Druckereien. Gummifabri­ken, Tapetenfabriken usw.) den Generalstreik be­schlossen.

Auch die Tschechen machen Lustmanöver.

Berlin, 6. Aug. Rachdem in Frankreich die großen Luftmanöver über Lyon stattge- fundcn haben, ist nunmehr Frankreichs mili­tärischer Trabant, die T s ch e ch o s l o w a k e i, ge­folgt. In der Rächt vom 5. bis zum 6. August fanden über Olmüh und Königgräh große Luftmanöver statt, bei denen die modernen Abwehrmittel ausgeprobt wurden. Scheinwerfer, die bis zu 6000 Meter Reichweite haben, Flug- zeugabwehrgeschühe, Telephonverbindungen aller Art, Horchapparate wirkten zusammen, um die Städte rechtzeitig zu warnen und zu schützen. Ein Teil der Angriffsgeschwader nur konnte das Ziel erreichen. Sobald die Flugzeuge in den Lichtkegel der Scheinwerfer kamen, irrten sie wie blind ein­her. Anderen dagegen gelang es, ihre Bomben unbemerkt abzuwerfen. Das Ergebnis des Manö­vers besteht darin, daß die Abwehr zwar die Angriffe erschwert, sie aber nicht unmöglich m ache n kann. In einem kommenden Kriege werden sicher alle Etappen und Heimatsorte genau so von feindlichem Feuer bedroht sein, wie früher die Front. Für die Zivilbevölkerung gibt es dagegen einstweilen keinen Schuh. Alle Be­obachter schildeim die rege Anteilnahme der tschechischen Bevölkerung an diesen Hebungen. Für De utschland ergibt sich daraus wie­derum die Lehre, daß unser ungeschütztes und leicht verwundbares Land im Herzen Europas im Kriegsfälle den schwersten Gefahren ausgesetzt ist.

Ernste Lage in Indien.

Neue Zusammenstötze mit der Polizei. Die Boytoltbcwcgung.

London. 6. Aug. (TH.) Als Protest gegen die Verhaftung der Kongrehfühver in Bombay drangen am Dienstag 300 Gandhianhänger in Allahabad in ein Schulgebäude ein, zer­störten die Einrichtung und setzten die Trümmer in Brand. Die Lehrer und der Schuldiener wur­den mißhandelt. Die Polizei schritt ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor. Die Ge­fängnisverwaltung in Dihar mußte wegen Heberfüllung der Gefängnisse einige Gefangene, die zu geringen Strafen verurteilt waren, freilassen. In Potna wird gegenwärtig ein Rotgefängnis zur Unterbringung von 1500 Gefangenen errichtet. Eine Ausdehnung Die­ser Anlage ist bereits geplant, da feine Unter« bringungsmöglichkeit mehr für die ständig zu­nehmende Zahl der verhafteten Gandhianhänger besteht. Don den Vertretern des Kongresses ist in Dombcch ein neues Aktionsprogramm veröffentlicht worden, das, wie man in englischen Kreisen befürchtet, zu neuen Zusammen­stößen mit der Polizei führen werde. Der Kon­greß fordert darin ein verstärktes Streik- postenstehen, den Boykott britischer Waren, Verletzung der Gesetze und eine offene Miß­achtung der Anweisungen der Behörden.

In S u k k u r im oberen Sindgebiet kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Hindus und Mohammedanern. Die

Polizei mußte unter Anwendung der Schußwaffe die streikenden Parteien trennen. Bisher sind 12 Tote und 150 Verletzte festgestellt. Die Polizei hat mehr als 200 Personen verhaftet. Die Lage ist weiter ernst. Lichtscheue Elemente haben bie allgemeine Unruhe zu Plünderun­gen ausgenuht. Don Haiderabad sind zwei Kom­panien indischer Truppen nach Sukkur abgegan­gen. Alle Hauptstraßen und öffentlichen Gebäude sind mit Maschinengewehrposten besetzt. Die euro­päische Bevölkerung hat zur Unterstützung der englischen Truppen Freiwillige entsandt.

Oie holländische Boykottbewegung gegen Deutschland.

Amsterdam, 6. Aug. (ERB.) Die führende Organisation der holländischen Molke­reibetriebe, der Allgemeen Rederlandsch Zuivelbond, hat in seiner wegen der Kündigung des deutsch-finnischen Handelsvertrags zur Siche­rung der deutschen Butterproduktion eingeleiteten Doykottbewegung gegen deutsche Waren nunmehr einen weiteren Schritt unternommen. Er hat sich mit einem Schreiben an den Vorstand der Utrechter Messe gewandt und diesen auf­gefordert, zur diesjährigen niederländischen Herbstmesse in Utrecht, die für den 9. bis 18. Sep­tember angesetzt ist, keine deutschen Aus- stellerzuzulassen und Vereinbarungen, die etwa bereits mit deutschen Ausstellern getroffen sein sollten, wieder rückgängig zu machen. 5>ie Antwort der Messeverwaltung steht noch aus.

Kleine politische Nachrichten.

Der Hessische Ganbbunb hat für den Wahl­kreis Hessen-Darm st adt den seitherigen Ab­geordneten Wilhelm D o r s ch in Wölfersheim (Kreis Friedberg) als Spitzenkandidat aufgestellt.

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Nachdem der sog.P o m m e r n b I o d" für die Neuwahlen gescheitert ist, der vorsah, daß Reichs- tagskandidaten etwa im Verhältnis von drei Hugen» berg-Anhängern zu zwei Schiele-Anhängern aufge- stellt werden sollten, wird der Landbund eine eigene Landoolkliste in Pommern pro­pagieren. Reichsernährungsminister Schiele ist als Spitzenkandidat für diesen außerordentlich schwierigen Wahlkreis in Aussicht genommen. Ihm werden Jandrey und Zitzewltz folgen, wäh­rend der bisherige Abg. Schlange-Schönin­gen an anderer Stelle ein gesichertes Mandat erhält.

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Zum Nachfolger des kürzlich verstorbenen Ge­sandten Victor Kopp wurde die bisherige Vertreterin Sowjetrußlands in Norwegen, Frau Alexandra Kollontay, zum Gesandten Sowjet­rußlands in Stockholm ernannt. Die Stockhol­mer Gesandtschaft der Sowjetunion war längere Zeit verwaist, da Kopp durch seine Krankheit die Amtsgeschäfte nicht wahrnehmen konnte, während der erste Legationsrat Dmitriewsky nach seinen Ent­hüllungen über die GPU.-Tätigkeit in Schweden aug dem Dienst entfernt und in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde.

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Angesichts der bevorstehenden Erneuerungswahl des International en Schiedsgerichts­hofes im Haag hat die dort vertretene deutsche Gruppe folgende Mitglieder für die Neuwahl vor- geschlagen: 1. Exz. Kriege, 2. Prof. Schücking. Die Wahl selbst wird durch den Dölkerbundsrat bzw. die Völkerbundsversammlung vorgenommen.

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Die belgische Kronprinzessin 21 ft r i b, eine geborene Prinzessin von Schweden aus dem Hause Berna­dotte, trat zum katholischen Glauben über. Die Feierlichkeit fand in Mecheln vor dem Kardinal- Erzbischof von Rocy in Gegenwart von Kronprinz Leopold statt.

Aus aller Welt.

Schweres Grubenunglück im Saargebiet.

Auf Dem OstschachtCalmeleite" bei Claren- thal der Inspektion Louisenthal ereignete sich auf Abteilung l eine Kohlenstaubexplo­sion. In der Abteilung waren 48 bis 50 Berg­leute beschäftigt. Jin Laufe des Vormittags wur­den 19 zum Teil schwer verbrannte Arbeiter zutage gefördert und ins Fischbach-Völklinger Lazarett übergeführt. Für die Grube besteht keine Gefahr, da die Wetter­führung vollkommen in Ordnung ist. Von den ins Knappschaftskrankenhaus eingeheferten Verletzten sind zw e i schwer verletzte Bergarbeiter im Laufe des Rachmittags gestorben.

Ein Auto rast in eine Soldatenabteilung.

In Berlin-Moabit fuhr eine Autodroschke, die in­folge des regennassen Asphalts ins Schleudern geraten war, in voller Fahrt in eine etwa 30 Mann starke Formation der Reichswehr­wach Kruppe, die gerade durch die Paulstraße marschierte. Zahlreiche Reichswehrleute wurden zu Boden gerissen. Vier von ihnen blieben zum Teil schwer verletzt auf dem Pflaster liegen. Die Soldaten brachten die vier Verletzten zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, wo ihnen die erste Hilfe zuteil wurde. Dann wurden zwei, die bisher das Bewußtsein noch nicht erlangt haben, in sehr ernstem Zustande in das Moabiter Krankey­haus geschafft.

Die (Eröffnung der christlichen Jugenbbunbtagung.

Die Berliner Welttagung des Iugendbundes für entschiedenes Christentum, das erste Treffen christlicher Weltjugend auf deutschem Dodtzn seit dem Kriege, wurde in Anwesenheit von Ver­tretern aus Amerika und England, den Heimat­ländern des Iugendbundes, Australien und Reu- seeland, Japan und China, Südafrika undKanada und aus allen Ländern des europäischen Kon­tinents eröffnet. Rach dem gemeinsamen Gesang des Schutz- und Truhliedes©in feste Burg" begrüßte der Vorsitzende des Deutschen Iugend­bundes, Pfarrer Schürmann, die Gäste aus aller Welt und die Vertreter kirchlicher und staat­licher Behörden. Der Reichspräsident hatte ein Begrüßungstelegramm gesandt, in dem er dem Wunsche Ausdruck gab, daß diese Tagung dazu beitragen möge, christliche Gesinnung in aller Welt zu verbreiten und zu fördern. Generalsuperintendent O. K a r v w, der den Gruß der deutschen evangelischen Kirchen überbrachte, und Reichswart O. S t a n g e, ber für die übrigen christlichen Iugendbünde Deutschlands sprach, stellten ihr Grußwvrt unter das Motto vom Kreuz, das als die große einende Kr aft unter den Völkern des Erdballes wirk.

und der tiefste Grund jener großen kirchlichen Einheit sei, die in der Versammlung sichtbar zum Ausdruck komme. Zum Schluß sprachen zwei der hervorragendsten Vertreter des Weltbundes, der Vorsitzende des europäischen Verbandes D. Kelly aus Glasgow und der Präsident des Weltbundes D. Poling (Reuyvrk). D. Kelly führte im Hinblick auf das Grußwort des Reichs­präsidenten aus, daß es heute in einer Zeit der Steigerung aller Werte auch den Staaten nicht gleichgültig sein könne, wenn ein junges Ge­schlecht heranwachse, das seine Glieder auf re­ligiöser Grundlage dazu erziehe, später einmal wahre Bürger des Staates zu werden, gegründet auf dem sittlichen Fundament ihres religiösen Glaubens. Die Veranstaltung schloß mit Darbietungen eines Massenchors. In den nächsten Tagen treten die Arbeitsgemeinschaften zusam­men, die unter dem Motto stehen: Der Ruf Christi an die Jugend unserer Zeit.

Das Mainzer Defreiungsdenkmall

Auch die katholischenFrauenvereine von Mainz haben in einer Eingabe an den Ober­bürgermeister ihre Mißbilligung gegen­über dem Befreiungs-Denkmal ausgedrücn. In der Eingabe wird u. a. gesagt: Wir betrachten die Aufstellung des Defreiungsdenkmals unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Volkssitte und des Dolkswohls. Was uns im Innersten empört, das ist die Kurzsichtigkeit, womit die Stadtver­waltung durch Aufstellung dieses Denkmals an öffentlichem Platz und als Denkmal des ganzen Volkes einer Mißdeutung und einer sittlich nicht zu billigenden Wirkung des Denk­mals Vorschub geleistet hat. Man sagt vielleicht, wir übertreiben. Rein, wir übertreiben nicht. Es ist schon eine Höhe erreicht, wenn Stadtväter mit Einblick in den sittlichen Tiefstand der Bevölke­rung, und mit Wissen um die sittliche Rot der Jugend, und vor dec Tatsache ungeheurer Für­sorgelasten stehend wir sagen, wenn diese Stadtväter keine Bedenken tragen, in einer Zeit offenkundigen Riedergangs auf diesem engeren sittlichen Gebiet eine nackte Frauengestalt gleich­sam als Sanktionierung des Triebauslebens öf­fentlich auszustellen, dann ist schon eine Höhe erreicht. Es war ein Irrtum von Stadtrat und Stadtverwaltung, daß sie die Wirkung des eine nackte Frauenaestalt in solcher Realistik dar­stellenden Befreiungsdenkmals nicht voraus- gesehen haben. Dieser Irrtum muß gutgemacht werden. Darum stellen die katholischen Frauen von Mainz den Antrag, das Denkmal auS der Oesfentlichkeit zu entfernen und in einem Museum aufzustellen.

ftöpenitflabe in Hindenburg.

Dem Magistrat in Hindenburg wurde auS Berlin telephonisch mitgeteilt, ein Freund des Hauses des Reichspräsidenten, Oberstleutnant Jahn, komme in den nächsten Tagen nach Hindenburg. Man möge ihm die Besichtigung des Industriegebietes und der Stadt Hindenburg erleichtern, namentlich die Besichtigung eines Bergwerks. Später wurde noch einmal angerufen und mitgeteilt, Jahn werde mit dem FD-3ug in der Rächt vom Mon­tag zum Dienstag eintrefsen. Pressechef Heckel erhielt den Auftrag, denFreund des Hauses des Reichspräsidenten" abzuholen. Schon am Bahnhof nach der Vorstellung erweckte das ganze Auftreten des Gastes berechtigte Zweifel daran, daß er das sei, wofür er sich ausgab. Als bann später im Gespräche eine große Hn- kenntnis des Gastes auf verschiedenen Gebieten zutage trat, vermehrten sich die Zweifel. Rachdem der angebliche Oberstleutnant Jahn im Admirals­palast ein Zimmer bezogen hatte, wurde verein­bart, am nächsten Tage eine Besichtigungsfahrt in das Industriegebiet zu unternehmen. Die Zweifel an der Person Jahns veranlaßten den Magistrat, gleich am Morgen in Berlin Rück - f rag e zu halten, die ergab, daß vom Reichs­präsidenten niemand e m p f o ft Fe ft* toorben fei. Die Kriminalpolizei verhaftete herauf den Mann im Stadthause und nahm die weiteren Ermittlungen nach der Person des Jahn, der Ausweispapiere auf den Ramen eines Arbeiters Otto Jahn bei sich hatte, auf. Welchen Zwecken bie Kopemckiade dienen sollte, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden.

Auf den Mount Everest im Flugzeug.

Der bekannte Schweizer Pilot M i 11 e l h o l z e r, dessen Afrikaflüge noch in guter Erinnerung sind, trifft dieser Tage zu einem Besuch in Berlin ein, wobei über bas Projekt einer Bezwingung des Mount Everest im Flugzeug ver- handelt werden soll. Die Schwierigkeiten und Ge­fahren eines solchen Fluges sind natürlich, wie man sich nach dem bisherigen Ausgang aller Mount- Everest-Expeditionen denken kann, besonders groß.

Der ausgeplünderle Oberstaatsanwalt.

Ein mit großer Tollkühnheit ausgeführtes Räuber- stück hat sich in der Nähe des rumänischen Ortes Sacau ereignet. Schwerbewaffnete Banditen über­fielen den Bukarester Oberstaats­anwalt Krupenski sowie dessen Gattin, ferner einen Bukarester Stadtrat, einen Advokaten und die Gattin des letzteren. Die fünf Personen mußten s i ch vollständiH entkleiden und alle ihre Habe a u s (i e f e r n. Darauf ergriffen die Ban­diten samt den Kleidern die Flucht. Die Aus- geraubten trafen splitternackt in Bacau ein, wo sie der Behörde Anzeige erstatteten. Der Oberstaats­anwalt konnte eine genaue Personenbeschreibung der Banditen geben. Aus Grund dieser gelang es schon nach wenigen Stunden, ein Mitglied der Bande namens Serma, einen berüchtigten Einbrecher und Taschendieb, zu verhaften. Nach den übrigen Ban­diten wird gefahndet.

Lebendig verbrannt.

Bei einem Gr oh feuer in einer Woll- strickerei in Mars eille sind drei Frauen verbrannt und zwei schwer ver­letzt worden. Das Feuer brach so plötzlich aus, daß im Ru alle Ausgänge versperrnt waren und über 12 Frauen nicht mehr rechtzeitig an die Ausgänge gelangen konnten. Einige konnten sich im letzten Augenblick noch durch einen Sprung in die Sprungtücher der Feuerwehr in Sicher­heit bringen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Nordmeerstörung hat sich weiter abgeflacht, fördert jedoch an ihrer Südseite fortgesetzt maritime Luftmassen nach dem Festlande, wodurch heute mor­gen in unserem Gebiet wieder Niederschläge fielen. Der Luftdruck ist trotz der Niederschlagstätigkeit bei uns noch im Steigen begriffen, wodurch wieder Auf- heiterung eintreten wird. Aber eine konstante Wct- terlaae kommt noch nicht auf, da an der Rückseite des Tiefs verbunden mit der Vorderseite des süd­westlichen Hochs die ozeanische Kaltluftzufuhr vorerst noch erhalten bleibt. Es dürften also bei vorüber­gehend starker Bewölkung noch einzelne Regenschauer fallen, die stellenweise von Gewitterstörungen be­gleitet sind.

Aussichten für Freitag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, noch mäßig warm, vereinzelte Schauer, teilweise gewitterhafter Art.

Aussichten für Samstag: GtwaS mehr aufheiterndes, jedoch noch wechsechaftes Wetter.

Lufttemperaturen am 6. August: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 13,9 Grad: am 7. August:morgens 13,4 Grad. Maximum 19,8 Grad, Minimum 10,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. August: abends 19,6 Grad: am 7. August: morgens 15 Grad. Niederschläge 0,4 mm. Sonnenschein- dauer 7 Stunden.