unendlich
Neid.
Er fragte bekommen
gegangen.
5lun erst reichte sie ihm ihre Hand, nach dem letzten Abend, wie er ihr ei und wie sie sich befinde.
Olun stand er auf. Als er auf die Schwelle trat, erkannte er Frau Mercandin. Sie drehte ihm den Rücken zu. Sie klopfte an die Tür zum Sprechraum ihres Mannes. Da trat Griebenow an sie heran. Run drehte sie sich um. Sie erkannte ihn. ,
„Guten Abend", sagte sie. .Ich suche meinen Mann." _
„Er ist bereits vor einer halben Stunde weg-
Sie bemühte sich zu lächeln. Ein weher, müder Zug umzuckte ihren Mund.
„Es ist höchste Zeit für mich, daß ich Berlin verlasse."
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Höllenmächte waren geißelschwingend hinter der zerfetzten Seele. Man lag und atmete. Man verlor vor Angst und Zweifel den Verstand. Man dachte und erwog: was nun? was nun? Otur ein Tor stand offen. Dahinter winkten tausend Mart und treies Essen. Eine Psorte war geöffnet, hinter der sich Seligkeiten bargen, wie sie keine Phantasie ersinnen konnte: die Aähe einer Frau ... dieser Frau ...
Gegen Morgen löste sich die Qual der Zweifel i ^ur vorder. <®tn geiler cxptmmer ram von von in ein wehes Dämmern. Langsam wich da- Blut ... ein Schimmer, tote von einem lichten Frauenaus dem Gehirn. Griebenow schlief ein. * kleid.
die Welt und schlug die Seelen tot. Das bißchen Menschenleben drehte sich noch immer um die beiden Pole: Brot und Liebe.
An jenem Abend, da ihm Mercandin die Sieb- lung in der Klinik angeboten hatte, war er in sein kümmerliches Proletarierstübchen in der Voltastraße heimgewankt wie ein Betrunkener. Der Schädel schmerzte. Das Gehirn war wund- Ö von fressenden Gedanken. Schwere wehe jteit drückte die Glieder.
Dann kam die Rächt.
war Frau Mercandin verschwunden.
Es hieß, sie fühle sich nicht wohl und habe sichzurückgezogen.
Man brach bald auf.
Griebenow war grenzenlos enttäuscht.
Dann am nächsten Abend...
Er sah in seinem Zimmer in der Klinik und schrieb am Journal.
Der Tag klang auS. Aus der Ferne kamen hier und da Geräusche — ein Dogelschrei vom Park — ein Hupenton vom Kemperplah. Menschen mochten in dem Garten wandeln und sich unterhalten. Aber sonderbar, wie spukhaft diese Töne wurden in dem PathoS, das die Feme löste. Zwei Menschen sprachen irgendwo — ein Mann und eine Frau —, und es klang, als ob das Raunen eines Geistes durch die Bäume
Aus ührungsbest mmungcn zum Gaststätten gesetz
Die Verordnung zur Ausführung des Gaststättengesetzes ist im Reichs- gesehblatt Rr.21 vom 2S. Juni 1930 erschienen. Sie enthält die Grundsätze für die Prüfung des Bedürfnisses und regelt die Abgrenzung des Kleinhandels mit Bier oder Wein und mit Branntwein. Als Grundsatz für die Bedürfnis- frage ist in der Verordnung bestimmt, daß bei Anträgen auf Erteilung der Erlaubnis zum Ausschank nichtgeistiger Getränke, insbesondere von Much, das Bedürfnis in der Regel zu bejahen ist. Es ist nur zu verneinen, wenn sich aus besonderen Umständen ergibt, daß ein Bedürfnis nicht vorhanden ist. Bei Anträgen auf Erteilung der Erlaubnis zum Ausschank geistiger Getränke ist das Bedürfnis nach strengsten Grundsätzen zu prüfen. Die persönlichen Interessen des Gesuchstellers sind | dabei nicht zu berücksichtigen. Das Bedürfnis muh im Zeitpunkt der Erteilung der Erlaubnis gegen- 1 wärtig und darf nicht nur vorübergehend sein.
den aller Art, die für die Geschichte der Religion, der Kultur, der Wirtschaft und des Rechts zunächst in Aegypten, dann aber auch in der ubriaen alten Welt von größter Bedeutung sind; nur in Aegypten bat sich infolge der Regenlosigkeit des Landes und anderer günstiger Umstände eine solche Fülle alter Schriften, Urkunden und Briefe in Grabern, Ruinen und Schutthaufen erhalten. — Die Veröffentlichung der Gießener Erwerbungen durch Dozenten und Doktoranden der Universität hat begonnen, sie wirb in die verschiedensten Gebiete der ariechisch-romischen Altertumswissenschaft ein Helles Licht werfen.
Aach dem mit lebhaftem Beifall aufgenvmme- nen Vortrag spielte das Collegium musicum unter Dr. Temesvary ein Allegretto von Haydn. - Im Anschluß an die Festsitzung fand ein AuSflug mit Damen nach dem Flugplatz statt.
„Morgen abend."
Er zuckte auf, wie unter einem Schlag. Morgen ... dachte er. Und immer wieder: morgen, Und um das heiße Brennen, das durch seine Seele schmerzte irgendwie zu lösen, sagte er: „Das wird sehr wehe tun."
Da lachte sie. „Wem denn? Mir?"
„Rein. Mir."
„O du mei ... warum denn?" sagte sie in ihrem lieben Wiener Tonfall. „Warum denn gerade Ihnen?" „
„DaS ist etwas, das sich zwischen Tur und Angel schlecht erzählen läßt. Wollen Sie nicht einen Augenblick ins Zimmer treten, meine gnädige Frau?"
Er trat zur Seite, um sie vorzulassen. Sie nickte leicht. In der Zimmermitte blieb sie stehen.
„Run?"
„Also ..." sagte er, „wo fang' ich an? Am Ausgang oder gleich am Ende. Oder in der Witte? Also in der Mitte, bei dem Tage meines Schwächeanfalls auf der Straße, als Sie mich zu sich nach Hause nahmen. Es war der dritte Schicksalstag für mich. Damals kam ihr Mann und nötigte mich hierher. Ich habe schwer mit mir gekämpft, bevor ich annahm. Das Zünglein an der Waage waren Sie."
„Ich?"
Zwei Blicke streiften sich. Glitten ab und streiften sich von neuem. Die Finger Griebenows umklammerten die Lehne eines Stuhles.
„Ich bitte sehr um Nachsicht", sagte er. „Es gibt Dinge, die so zart und fein sind, daß sie ihren Blütenstauo verlieren, wenn man sie in Worte fassen will. Dennoch — einmal muß davon gesprochen werden. Rehmen Sie ein Menschenleben ohne Zweck und Irchalt, ohne Ausgleich zwischen Trieb und Tätigkeit. Dann tritt etwas in die Sphäre dieses Lebens — fern erst, dann näher — das man als den Inbegriff des Schönen und Begehrenswerten ansieht. Eine
Farbe. Die Sommergerste dürfte nächste Woche schnittreif sein, der Roggen etwa Mitte Juli. Leider haben starke Regen die Frucht an zahlreichen Stellen niedergelegt, daß mit den Maschinen nicht viel zu tun sein wird, höchstens mit dem Grasmäher. Die Kartoffeln stehen überall sehr schön, Krankheiten haben sich fast gar keine gezeigt. Rur macht sich von den Un- kräutern di« Winde besonders unangenehm be- mertbar. Sie ist das einzige Unkraut, das bei großer Trockenheit gut vorwärts kommen kann. Auch ® r ünf ut ter ist genügend vorhanden, besonders da, wo in letzter Zeit ergiebige Regen niedergingen. Sehr gut steht der Mais. Dickwurz und Gemüse wären für Regen dankbar. — Die Obsternte dürfte sehr mäßig ausfallen. Hier und da ein wenig Birnen, in der Hauptsache Wirtschaftssorten, Aepfel fast gar keine. Die Steinobstarten hatten viel unter dem Pflaumenstecher zu leiden. Insolge der Trockenheit beginnen die Früchte abzufaUen. Dagegen ist die Deerenernte, die eben im Gang ist, ganz vorzüglich. Besonders die Stachelbeeren liefern eine Höchsternte.
ch Aus dem Lumdatal, 5.Juli. Erst jetzt lassen sich die Aussichten für die diesjährige Stein- und Kernobsternte übersehen. Durchschnittlich haben überall die Apfelbäume recht gering angeseht. Gerade die begehrten und marktfähigen Sorten, wie Goldrenette von Blenheim, Schöner von Doskoop, Gelber Edelapfel u. a. zeigen in diesem Jahve keinerlei Behang. Was in sonstigen Jahren durch die Frühjahrsfröste an den Baumblüten vernichtet wurde, das geschieht gegenwärtig durch die massenweise auftretenden Schädlinge, von denen der Apfelwickler besonders an der Arbeit ist und di« wenigen noch hängenden Früchte in kurzer Zeit zum Fallen bringt. Daneben tritt di« Blutlaus s«hr zahlreich auf. Die Birnbäume haben teilweise einigen Fruchtansatz aufzuweisen, obwohl sie schon zwei Jahre hintereinander gute Ernten gebracht hatten. Die walnußgroßen Früchte leiden eben sehr unter der Trockenheit und beginnen bereits zu fallen. Das Steinobst bringt Heuer gute Ernten. Süß- und Sauerkirschenbäume sind so stark behangen, daß sie Stützen benötigen. Ebenso hängen Aprikosen, Psir- siche, Mirabellen, Reineklauden, Pflaumen gut voll; Zwetschen dagegen zeigen je nach ihrer Lage verschieden starken Fruchtansatz. In den Gärten geht die Erdbeerernte ihrem Ende zu. Sie war fast durchweg befriedigend. Stachel- und Johannisbeeren gehen ihrer Reife entgegen. Die Sträucher hängen sehr voll. Die Trockenheit macht sich schon wieder stark bemerkbar. Im Garten lassen alle Gewächse ihre Blätter hängen, di« Bohnen bekommen bereits gelbe Blätter. Die Erdflöhe richten großen Schaden an.
Oberheffen.
Landkreis Gietzen.
-r. Lang-GönS, 6. Juli. Schon seit einigen Wochen wird nun an der Provinzial st raße Großen-Linden—Lang-GönS, dem einzigen Stuck der Straße Gießen-Frankfurt, das seither noch nicht mit Kleinpflaster oder einer Asphaltdecke versehen war, gearbeitet und nach einem deson- deven Verfahren wird eine Asphaltdecke aus Sand, Zement und Teer aufgelegt. Die Mischung wird am hiesigen Bahnhof mit Maschinen gebrauchsfertig her gestellt und dann mit einem Lastauto an Ort und Stelle gebracht. Bis zur Vollendung der Straße dürften immerhin noch fünf bis- sechs Wochen vergehen. Durch die Umleitung des gesamten Verkehrs ist inzwischen die ©traft« von hier nach Leihgestern vollständig aufgefahren worden, daß überall die nackten Steine hervorragen. Rach FertigsteUung der Straße Lang-GönS—Großen-Linden wird dann wohl di« Leihgesterner Straße neu hergerichtet werden müssen.
Q Holzheim, 5. Juli. Dieser Tage unternahmen die beiden oberen Klassen der hiesigen Volksschule bei herrlichstem Wetter einen 2I u8 - flug an den Rhein. Sie schlossen sich ebenso wie viele Schulklassen der Umgegend, der Butzbacher Schule an. Mittels Sonderzuges gelangten sie nach Mainz-Kastel. Von hier aus brachte sie ein Sonderdampfer nach St. Goarshausen und wieder zurück. Dem Riederwalddenkmal wurde ein Besuch abgeplattet. Rektor Hensel (Butzbach) hatte di« Reise mit größter Umsicht vorbereitet. Die Fahrt war für alle — auch zahlreiche Erwachsen« nahmen teil — ein bedeutendes
Frau! Alles Denken, Fühlen, Schmerz und Freude münden fortab nur noch in den Herzstrom: dies« Frau. Die Welt liegt wie ein Garten Eden ausgebreitet. Die Sterne draußen scheinen leuchtender zu fein, ihre Chöre brausen voller. Ueberall, auf Schritt und Tritt, ist Glanz und Duft. Es cheint, daß alle Menschen reine, blütenweiße Seelen tragen. Di« Schatten sind der süßen Rätsel voll. Wie in einem Taumel, wie berauscht von schwerem Wein zieht man di« Lebensstraße."
Frau Mercandin zog ihre Handschuhe ab. Eine feine Strähne ihres Haares stahl sich unterhalb des Hutrandes in die Schläfe. Die Frauenfinger strichen sie zurück.
Griebenow ergriff bie Finger und zog sie an die Lippen. , *
„Plötzlich aber bricht bie ganze Herrlichkeit zusammen. Der Glanz verlöscht. Sie gehen fort Das meinte ich vorhin, als ich sagte: es wird sehr wehe tun.“
„Um Gottes teilten 1“ Sie zog die Hand zurück und schüttelte den Kopf. Sein Blick durch- glühte sie bis auf den letzten Rerv. Eine Weile lieft sie sich den Blick gefallen. Dann sah sie weg.
„Rein. Richt so."
Plötzlich war ihr heiß und unbehaglich unter diesen Blicken. Sie suchte irgend em« leichte Wendung, eine Phrase, um den Uebergang zu einem kurzen Lebewohl zu finden. Ihre Lage wurde lächerlich und peinlich und — gefährlich. Sie dachte: ich muß fort Was soll das altes? e
Dann warf si« den Kopf zurück und blickte nach der Armbanduhr.
„Ich habe mich verspätet, ich möchte gehen.
Sofort trat Griebenow zur Seite. Er war blaß. Die Wangen zuckten. „Bitte", sagte er. Wieder trafen sich bi« Augen beider.
„Alsbann einen strahlenb schönen Sonnensommer, lieber Doktor Griebenow. Unb auf frohes Wtebersehen im August."
»Rein, das nicht. Wir werben uns wohl kaum mehr sehen, meine gnäbige grau. Wenn Sie wieberkommen, bin Ich nicht mehr hier."
Schweigenb senkte sie ben Blick. Aber plötzlich, unter einem hilflos weiblichen Empfinden, zuckte sie zusammen, hob bie Schultern.
„Slnb Sie nicht mehr hier? Ja, warum den» nicht?"
„Ja, mein Gott ..." Seine Pulse fangen und bie Schläfen dröhnten. Im Bestreben, feine Stimm« abzubämpsen, war sie trocken und rauh.
„Weil ich bieses Haus unb diese ganze Atmosphäre nicht ertrag« — nicht ertrag« — ohne Sie.
Sie sah jetzt von ihm fort Wollte ihn nicht sehen. Der Mund war leicht geöffnet und verkrampft, Die Winkel ihrer Liber zuckte«,,
(Fortsetzung folgt.)
Erlebnis. ri
0 Hochelheim, 6. Juli. In der ungsten Gemeinderatssitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit dem Bau einer Kleinkinder» schule für die hiesige Gemeinde. Die Kirchen, gemeinde hatte den Antrag gestellt, die Zivil- gemeinde möge einen Bauplatz zur Verfügung stellen und eine Beihilfe zu dem Bau der Klein- kinderschule gewähren. Dieser Antrag wurde von dem Gemeinderat einstimmig abgelehnt mit der Begründung, daß die Gemeinde durch den Wasserleitungsbau im vorigen Jahre in sehr hohem Maße finanziell in Anspruch genommen sei; weiterhin mußten jetzt Mittel aufgewandt werden für Wege- bauzwecke, zur Beschaffung von Arbeit für die Erwerbslosen. Die Lieferung der Bordsteine für die Errichtung eines Bürgersteiges bei der Straßen- Pflasterung im Orte wurde an eine.auswärtige und eine einheimische Firma übertragen. Die Firma Dem (Gießen) fdl 500 laufende Meter und der Bauunternehmer Johannes Braun (Hochelheim) 400 laufende Meter Bordsteine liefern.
=t Aus dem süßlichen Kreise Gieße n, 5. Juli. Di« starke Hitze her letzten Wochen hak bi« beginn«nbe Reife bes Getreides sehr begünstigt. Der Schnitt der Wintergerste hat begonnen. Auch bie Somm e r- ger ft« unb ber Roggen zeigen ein« gelbe
)( Lich, 5. Juli. In voller geistiger unb körperlicher Frische unb unter freudiger Anteilnahme ber ganzen Gemeinde feierten gestern die Eheleute Weißbindermeister Friedr. Schäfer und Johanna Maria geb. Decker das Fest der goldenen Hochzeit. Bereits am Morgen wurden dem Jubelpaar eine große Zahl Blumen- und Geschenkkörbe nebst den herzlichsten Glückwünschen dargebracht. Di« Glückwünsche der Stadtverwaltung, des Kreisam's unb bes Ministeriums überbrachte Bürgermeister Geil. Am Rachmittag sand im Kreis der Familie unb Verwandtschaft die kirchliche Feier statt. Als Abgesandte des Kirchenvorstandes unb der Kirchengemeinde erschienen die beiden Geistlichen unb Rektor Erb. Rach gemeinsam gesungenem Choral hielt Stiftsbechant Kahn ein« dec Bedeutung des Tages angepaßt« Ansprache über Psalm 103, Vers 1 und 2 und segnete das Jubelpaar nochmals ein. Der Kirchenvorstand -ließ eine Bilder- bibel von Rudolf Schäfer überreichen, das Landeskirchenamt hatte ein Gedenkblatt geschickt. Auch der Reichspräsident hatte einen prachtvollen Wandspruch übersandt. Ein« gemütliche häusliche Feier schloß sich an, in.deren Verlauf eine
rat Dr. Rosenberg. Zum Derwaltungsrat sind wtedergewählt Generawlrektor DierweS l Düsseldorf) Dipll-Ing. Da stell (Mainz), (Düsseldorfs Butzbach). Mritani
Dseiff«r (Wetzlar), Generaldirektor Wein- lig (Burg Lede bei Beuel a.Rh.). Rn» zu bc- setzen sind im Derwaltungsrat v^r Sih«. Es wurden neugewählt: Landgerichtspräsident Jungk (Mainz), ein noch namhaft machender Vertreter der Jftrma Duderus-Rochling (Wetzlar), Direktor Morhenn (Hirzenhain), als Vertreter der Buderusschen Eisenwerke in Hirzenhain, unb Dekan Vogel ($ru<benbruden). — 3n ber Diskussion über Punkt 4 ber AageS- orbnung - Anträge unb Anregungen — beschäftigte man sich mit. den E Älaßncchn-en zur Hebung der MitgHederzcchl. Dr. M e e S- mann (Mainz) berichtete über tue 3Übung einer Ortsgruppe tn Main^ Provinzialdivektor Graef über ähnliche Bemühungen in Darmstadt. ,
Rach kurzer Paus« begann dann im großen Hörsaal di« gut besuchte
Festsitzung.
Rach der Begrüßung durch den Vorsitzenden brachte bas Collegium musicum ber Universität unter Leitung von Universitätsmusikdivektor Dr. Temesvary eine Andante von Josef Haydn zu Gehör. Hierauf folgte ein mit Lichtbildern illustrierter
-vortrag von Prof. Dr. Kalbfleisch
„Ueber Papyrusfunde" an Hand einer Ausstellung von Stücken aus den drei Gießener Sammlungen. Cs wurde etwa folgendes aus
geführt:
Die Papyruskunde ist der jüngste Zweig der griechisch-römischen Altertumswissen>ä)aft kaum 150 Jahve alt, hat aber bereits eine solche Ausdehnung gewannen, daß der Vortragende statt einer lieber- sich! über bas gange Gebiet lieber ein Stück lebenbi- ger Anschauung geben wollte. Dies geschah einmal durch Vorführung unb Erläuterung von Lichtbil- dem, bie bie wichtigsten Fundstätten in Aegypten, die Papyruspslanze bas Schreibgerät unb Diele Proben von literarischen unb anderen Papyri (Ur- funben unb Briesen) zeigte, bann aber burch eine Ausstellung von lehrreichen Stücken aus den Gießener Sammlungen, bie bem Oberhessischen Museum, bem Klassisch-phllologischen Seminar unb der Universitätsbibliothek gehören. Diefe Sammlungen enthalten jetzt über 1300 unter ©las gebraute Nummern und viele unoerglafte Bruchslucke. Rechnet man auch nur mit etwa 800 guten ober doch brauchbaren Stücken, so will das etwas heißen, wenn man bedenkt, daß manche viel größere deutsche Universität keinen einzigen griechischen oder lateinischen Papyrus besitzt. Gießen verdankt diesen Vorzug hochherzigen Stiftungen der Herren Wilhelm Gail f, Richard Lange und Ludwig Rinn in Gießen, Hermann und Paul C n y r i m in Worms: diese Stiftungen sind meist durch die Hochschulgesellschaft übermittelt worden, die auch die Konservierung der erworbenen Stücke durch ansehnliche Summen unterstützt hat, ebenso wie das Hessische Kultusministerium. Diese Konservierung ist durch Herrn Hugo I d s ch e r von den Staallichen Museen in Berlin erfolgt, der sich vom Buchbinder- lehrling zum ersten Techniker dieses Gebietes auf- geschwungen unb sich so große Verdienste um bie Wissenschaft erworven hat, baß ihn die Universität Hamburg zum Ehrendoktor ernannte. — Die (Ent» • deckung einer antiken Bibliothek in dem im Jahre 79 nach Ehr. vom Vesuv verschütteten Herculaneum (1752) brachte gewissermaßen eine Enttäuschung, da es sich hauptsächlich um Schriften eines Philosophen dritten Ranges handelte. Dagegen haben die 1778 beginnenden - Funde in Aegypten eine Fülle verlorener Schriften der Griechen zutage gebracht: Gedichte von Sappho, Alcäus, Bakchylides, Timotheos unb Herondas, ein Satyrspiel des Sophokles, Komödien bes Menander, eine Schrift des Aristoteles unb viele andere, dazu viele Taufende von Urkun»
wehte. Ä
Griebenow ließ seinen Federhalter sinken. Er starrte auf den Tanz der Stäubchen vor dem Fenster. Gestalten standen auf. Erste Schatten krochen aus den Ecken. Eine starre Stille lauerte um ihn, er wollte sich erhebchr und dem Traum, der chn umfing, entreißen. Da erschrak er jäh. Hinter seinem Rücken klang ein leiser Schritt, ein Rascheln. Jemand ging an der zum Flure offenen Tür vorbei. Ein ftcHer Schimmer kam von dort
r ssf ff K i Es wurde Tag ... jener Tag, an dem, bevor
er sich zum Abend neigte, Griebenow die Seele
«Vie
-er Renate Mercandin.
Vornan von Sreö MM. war bt d-. Mnil
13 Forttetzung Hochdruck verboten Morden, und er kam zu spät. Man reichte schon
Es klopfte. Der Diener meldete den Wagen. Dupp« als er eintrat. Zwölf Personen saßen
Mercandin wandte sich zu Griebenow: »Ber- um runden Eßtisch.
Äeifnmg! möchte meine Aau nicht warten Griebenow trat zu der Hausfrau, um sich zu lassen. Uebrigens, da fallt mir ein ... Meine I cntf<kur£)jaeTL hatte ihm ganz kurz und kühl Srau verreiss m nächster Wache .Ar möch- ^reic^Dann nahm er
ten Sie doch vorher einmal bei uns sehen. & ag trank und sprach mit seiner
©nebenoto uahni widerwiNig des Professors Aber immer wieder sah er zu Frau
ausgestreckte Hand. Er verbeugte sich ... steif ... Mercandin hinüber. Sie schien ihm heute seltsam kühl ... wortlos. bleich und irgendwie verändert. Die Augen lagen
Dr« Tag« Hefen und die Zert ging W MI in treten kranken Schatten.
Run war die tiefe Lust der Wende zwrschen tn nei«n rranren
Lenz und Sommer. Tag«, di« in bunten Farben Emmal trafen sich.^ Dllcke beides Sie sckh und in Gold verinnen. Heiße, süße Rächte, die zu thm hinüber - Erlang schren deserBHch der Mond mit fllberblauen Strahlen segnet und mtt etnem wurmen teelmvvlten Glanz und Item in der die Dlumenseelen sich in Dust erlösen. Mauch etnes Lächelns. Fast unmerklich aber
Griebenow durchlebte dies« Zeit in etnem Zu- ^>ch wte grußend nickte ^.^m^ dann wandte stand qualvoller Zerrissenheit. Er war zerfallen st« den Kopf und unterhielt sich mit dem Herrn mit sich selbst und sah kein Mittel, um das öu ihrer Ltnken. , ,
innere Gleichgewicht zu finden. Ihm war zumut, 2iach dem Essen sahen beide sich W als lebe er entgegen Wunsch und Willen tote Drtebenoto war lange Zeit tm tn einer Schemenwelt, und alles um ihn her sei aufgehalten worden, erst von Landge^chtsrat unwahr, trügerisch und schattenhaft. £>n Piloty, spater nahm ihu Mercandtn zur
Er verstand nicht. Die Welt stand köpf. I Sette. Als er wieder den Salon^ betreten hatte, Wie war es möglich, daß er einem Menschen, den er noch vor kurzem ebenso wie einen tollen Hund zu Boden schießen wollte, hörig wurde?
Ick, wie? Man hatte Hunger, und man wurde satt. Man lebte, und man lebte gut. Man war ein Tier. Der verfluchte Mammon schritt durch
Unmenge bon Glückwünschen und Geschenken eintrat U. a. wurde ein prachtvoller Blumenkorb von seifen des Fürstlichen Hauses überreicht, auch der Gesangverein in Altena hatte deS Tages gedacht. Am Abend brachte der Posaunenchor und der Gesangverein Cacilia je ein Ständchen. Der Sprecher des letzteren, Bäckermeister Lotz, hob di« besonderen Verdienste des Jubilars um di« Sangessache hervor. Seit über 50 Jahren ist der Jubilar aktiver Sänger des Vereins und als solcher bereits mehrfach ausgezeichnet.
Preußen.
Das Schloßfest in Marburg.
][ Marburg, 6.Juli. Den Ausllang der Marburger Festspiel«, die sich bis zum Ende deS besten Zuspruchs erfreuten, bildete das seit dem Universitätsjubiläum vor drei Jahren eingeführte Schl oft fest, mit dem zugleich eine Trachtenschau verbunden war. Trotz der sengenden Sonnenglut hatten sich!?Msende, darunter viele fremde Gäste, eingefundkck und ergingen sich in den mit Wirbchaftshallen und Tanzplähen ausgestatteten Anlagen des Stadt- Parks und des Schlosses sowie den Lokalitäten des Schloßcafös und dem althistorischen DückingS Garten. Die beiden Vorstellungen im Schloßparktheater bei dem ein Brautzug aus dem Schwalmtal sowie Schwälmer Tänze und Gesänge, begleitet von einer Schwälmer Kapelle, ferner Volkstänze und Spiele einer Grupp« auS Erksdorf im Kreise Kirchhain, unter Leitung deS Trachtenforschers Emil Wessel aus Marburg und des Lehrers Grünewald aus Erksdorf vorgeführt wurden, fanden ebenso freudigen Anklang wie die komische Aufführung des hessischen Volksstückes „Die uleidlich ©Ilemutter“ von Martha Frohwein-Büchner aus Ebsdorf. Puppentheater, Konzert und Tanz gaben dem Volksfest das Gepräge und spät abends erstrahlte das Landgi^fenschlvh in prächtigster Beleuchtung. Die Stadt, die großen Verkehr zeigte trägt Fahnenschmuck.
Kreis Wetzlar.
c? Launsbach, 6. Juli. Gesiern ging über den hiesigen Ort ein starkes Gewitter nieder. Der Blitz schlug mehreremal in die elektrische Ortsleitung, wodurch ein Motor in Brand geriet. Der Brand konnte sofort gelöscht werden. Der niedergehende Regen war so stark, daß die neue Kanalisation die Wassermassen nicht alle fassen konnte. Das Wasser drang in verschiedene Gehöfte und Stallungen ein, in einem tiefliegenden Hause sogar in die Wohnung; die Bewohner mußten im zweiten Stock Schutz suchen. Nennenswerter Schaden ist erfreulicherweife nicht entstanden.


