Ausgabe 
7.5.1930
 
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Ein Schloßmuseum in Büdingen.

!! Büdingen, 5. Mai. Am gestrigen Sonn- togvormittag wurde im Schloß zu Büdingen in Anwesenheit verschiedener geladener Gäste ein Schlohmufeum eingeweiht und nunmehr der Ocffentlichkeit zugänglich gemacht. Den eifrigen Bemühungen und der Tatkraft der Fürstin Marie zu Vsenburg-Büdingen, nicht zuletzt aber auch ldem ganz spezifischen Ber- ständnis des bei der Einrichtung mitbeschäftig­ten Kustos i. R. W e l ck e r, Büdingen-Christinen- hof, ist es zu danken, daß endlich in dem für ganz Hessen, ja für ganz Südwestdeutschland so bedeutungsvollen Baudenkmal, der alten Wasserburg Büdingen, eine Sammlung untergebracht werden konnte, die wohl in allen Kreisen größte Beachtung finden dürfte. Die Sammlungen beziehen sich zunächst nur auf die Geschichte des Schlosses, der Stadt und des engeren Kreises Büdingen. Es ist im höchsten Maße erstaunlich, welch' eine Fülle bedeu­tungsvoller Schätze im Zeiträume weniger Wo­chen nur in den Räumen und Kammern des Schlosses zusammengetragen werden konnte, und cs ist ein deutliches und auch erfreuliches Zei­chen dafür, daß entgegen der öffentlichen Mei­nung unser Land doch noch eine große Fülle von Schätzen aufzuweisen hat, die durch geeig­nete Maßnahmen leicht mobilisiert und in wür­digen Räumen der Oeffentlichkeit zugänglich ge­macht werden können. Rachdem Se. Durchlaucht Für st Karl zu Bsenburg-Büdingen die Gäste begrüßt hatte, übernahm Kustos Weicker die Führung durch die Sammlungen. Er betonte dabei ausdrücklich, daß die Samm­lungen einen Versuch darstellen, dem durch die Enge des Raumes zunächst noch Schranken ge­setzt waren. Der Zukunft müsse es überlassen bleiben, weitere Pläne zu verwirklichen. Die ein­zelnen Stücke alle aufzuführen, würde an dieser

Stelle zu weit führen. Die Sammlung umfaßt vor allem hochinteressante Oelbilder und gra­phische Blätter der alten Grafen und Herren von Bsenburg-Büdingen und ihren Gemah­linnen, dann alte Bilder der Stadt Büdingen mit den Schlössern und Höfen der Umgebung. Alte Urkunden mit plastischen Siegeln, alte Stempel, Siegelringe, Schmuckstücke, Orden und Ehrenzeichen findet man in besonderen Schrän- kan ausgelegt. Recht zahlreiche und hochinter­essante alte Waffen, Helme, wunderbar schöne Kleidungsstücke, Schmuck, Kopfbedeckungen, reiz­volle Kinderkleidchen und ähnliches mehr, aus den letzten 300 Fahren, füllen Wände und Schränke. Von den zahlreichen Gebrauchsgegen­ständen aus alter und nachmittelalterlicher Zeit, von keramischen Stücken, von Steinzeug, von alten Dachziegeln, Mörsern, Werkzeugen der Flachsbereitung, Möbeln, Ofenplatten, Huf­eisen, Sporen aller Zeiten, ferner von den Schrei­ner- und Schmiedearbeiten, von alten Wetter­fahnen, Prunkschlitten, von einer hübschen Trag­sänfte, von den Hallstattgrabfunden und prä­historischen Bronzen, von Ofenkacheln aller Zei­ten, von Leuchtgeräten, von den alten Fahböden, von reizvollen Stuckfragmenten u. v. a. m., soll hier nur andeutungsweise die Rede sein. Wenn auch die Ausstellung nicht den Anspruch erhebt, ganz besondere Wertstücke und Seltenheiten auf­zuzeigen, so darf man doch sagen, daß hoffent­lich recht zahlreiche Besucher auf ihre Kosten kommen'werden. Wenn es noch gelänge, die be­reits zur Schau gestellten Sammlungen mit den zur Zeit nur untergestellten Sachen des Ge­schichtsvereins zu verbinden die Aussichten hierzu sollen nicht ungünstig sein, dann könnte auch in unserer Stadt ein schon längst wünschenswertes Heimatmuseum zustande kommen.

richtung von Hotels und Gasttvirtschaften wichtige Gebiete, die Erzeugnisse der Kochkunst, der Kon­ditorei und Bäckerei werden in mustergültiger Weise dem Beschauer vor Augen geführt. Bei einem anschließenden Frühstück wurde noch eine Reche von Ansprachen gehalten vom Vorsitzen­den der Messcleitung Kirsch, von Landes­kommissar Dr. U s i n g e r und Reichstagsabge­ordneter K ö st e r, in denen der Wunsch für einen guten Erfolg des Unternehmens zum Aus- druck kam.

Aus Oer Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 7. Mai 1930.

Verkehrsverbefferung auf dem Bahnhof Großen-Linden.

Vor kurzem wurde an der Station Großen- Linden die neue Bahnsteigsperre auf der östlichen (Leihgesterner) Seite eröffnet, durch die nun die Reisenden direkt auf Bahnsteig 2 zu den in der Richtung Gießen fahrenden Zügen gelangen kön­nen. Seither muhten die Reisenden nach Verlassen der Sperre auf der westlichen (Großen-Lindencr) Seite erst beide Gleise überschreiten, um den Bahnsteig 2 zu erreichen, was bei dem Herannahen der oft auS beiden Richtungen gleich­zeitig ankommenden Züge, recht gefährlich war und außerdem zu Verkehrs ft örungen führte, weil, wie man oft beobachten konnte, der eine Zug vor dem Signal halten mußte, bis der andere einge­fahren war.

Reisende, die nun in der Richtung Gießen fahren wollen, begeben sich durch den neuen Warte­raum, in dem sie Fahrkarten bis Gießen und dar­über hinaus erhalten, direkt auf Bahnsteig 2; Rei­sende. di« aus der Richtung Frankfurt kommen, verlassen auf diesem Weg den Bahnkörper. Wer in der Richtung Frankfurt fahren will, erhält seine Karte wie seither im alten Stations­gebäude und steigt nach wie vor auf Bahnsteig 1 in den Zug. Auch für die aus der Richtung Gießen kommenden Reisenden hat sich der Aus­gang nicht geändert.

Rach Eröffnung der neuen Sperre hatte die Reichsbahn versucht, die Reisenden durch einen Fahr­kartenautomaten zu bedienen, was sich aber bald als unmöglich erwies. Sie hat nun den im neuen Wartesaal schon vorgesehenen Raum für die Fahrkartenausgabe an Werktagen von 7 Uhr bis 19 Uhr (Sonntags bis 20 Uhr), mit einem Beamten besetzt, der Fahrkarten ausgibt. Zu den Zügen v o r 7 Uhr und n a ch 19 Uhr bzw. 20 Uhr, bedient ein Automat mit Karten 3. Klasse n u*r bis Gießen. Ob sich diese Anordnung auf die Dauer brt^t^rn läßt, muß die Erfahrung lehren. Ge­päckstücke werden, wie seither, im alten Stations­gebäude abgefertigt.

Wie verlautet, hat die Reichsbahn in Erwägung gezogen, durch die Erbauung einer Unter­führung eine bessere Verbindung zwischen den beiden Warteräumen herzustellen, was besonders für die Reisenden, die Gepäckstücke aufgeben und in der Richtung Gießen fahren wollen, sehr von Vor­teil wäre.

*

Der Deutsche Sparerbund für Eigenheime veranstaltete am Samstagabend im Saale des Cafe Leib einen öffentlichen Vor­trag, bei welcher Gelegenheit Volkswirt A. Timm, Düsseldorf, über Bausparkassen sprach.- Der Redner schilderte zunächst die Ur­sachen der Wohnungsnot, besprach das Woh­nungselend in den Großstädten und wies auf die Gefahren der Wohnungsnot in sittlicher, mora­lischer und hygienischer Hinsicht hin. Weiter besprach der Redner die Art der seitherigen Bekämpfung der Wohnungsnot, wies auf die Schwierigkeiten der Finanzierung des Woh­nungsbaues hin, um sich dann eingehend mit den Ursachen der hohen Zinssätze und deren Aus-

Konstanze.

Vornan von Karl Heinz Voigt.

Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Konstanze betrachtete mit ruhigem Blick den Benjamin der Familie, ihren jüngsten Bruder Felix. Der war ihr der liebste. Felix war ihr am meisten ans Herz gewachsen. Er war ihr auch im Alter der nächste. Sie fühlte, daß die Reinheit und Kindlichkeit seiner Seele mit der ihren harmo­nierte. Ihre Blicke kreuzten sich und eine feine Röte überzog Felix' jugendliche Wangen.

Du verdirbst die ganze Zukunft deines Bru­ders, Konstanze. Denkst du, die Zollens wollen eine geschiedene Frau in der Familie haben? Run, nachdem Felix glücklich seinen Diplom-Inge- nieur in der Tasche hat und die Verlobung ver­öffentlicht werden kann, nun wirfst du da deinem Bruder wieder einen Knüppel zwischen die Deine."

Felix schüttelte den blonden Kopf. 3n seinen Augen leuchtete ein stiller Glanz kindlicher Güte.

Ach, Papa", sagte er mit einem langen Blick auf seine jüngste Schwester, die er abgöttisch liebte und verehrte,das ist ja nicht so schlimm. Iose- phine wird vernünftig sein. Sie liebt mich, und wenn Konstanze nicht mehr zu Lothar zurückkehren kann wird Josephine es auch verstehen."

Der Oberst schien auf den Einwand seines jüng­ster Sohnes gar nicht gehört zu haben. Er hatte sich in den Gedanken, den der Gerichtsrat vorhin aufgeworfen hatte, so verbissen, daß er ihn nicht mehr verlieh und ihm auch jetzt wieder Worte verlieh:

. ..Jedenfalls sage ich dir das eine, Konstatrze". nef er mit unbeherrschter Stimme,als geschie­dene Frau kenne ich dich nicht mehr."

Du kannst ganz unbesorgt sein", erwiderte Constanze völlig leidenschaftslos,Lothar hat mir ausdrücklich erklärt, er denke gar nicht daran, sich von mir scheiden zu lassen."

. ®e£$berft baute sich breitbeinig, die Hände in den Taschen vergraben, vor seiner Tochter auf und starrte fie sprachlos an. Schließlich schüttelte er den Kopf.

'Aas glaube ich nicht. - Es ist doch das Rachstliegende, daß ein Mann, dem seine Frau davonlauft, bie Scheidung einreicht."

Run mrschte sich auch Hans von Ohlsen, Kon- stanzes Schwager, m die allgemeine Debatte. Er klemmte das Einglas ins Auge und näselte: weint mir allerdings auch ziemlich sicher, daß der Skandal nicht ausbleiben wird. Auf leden Fall mühte versucht werden, die ganze Sache wieder einzurenken."

Bitte, gebt euch keine Mühe!"

Der Baron nahm sein Glas aus dem Auge und musterte mit unverhohlenem Interesse die

Wirkung zu beschäftigen. Der Redner kam dann auf die Entstehung der Bausparkassen zu spre­chen, die in Deutschland bereits vor dem Kriege bestanden, dann aber ein Opfer der Inflation wurden, zeigte die günstige Entwicklung des Bausparkassengedankens in Amerika und Eng­land, um sich dann mit den Aufgaben und Zielen der zur Zeit in Deutschland bestehenden Bausparkassen zu beschäftigen. Er besprach in diesem Zusammenhang die Vorteile einer Bau- sparverpflichtung, welche die Möglichkeit der Schaffung eines Eigenheims bietet, während die Mietzahlung im fremden Haus bei gleichen mo­natlichen Leistungen keinen Hauserwerb ermög­licht. Weiter erläuterte der Redner, unter be­sonderer Besprechung der Aufgaben des Deut­schen Sparerbundes die Mindestsparzeitcn, dieEin- ordnung in die Zuteilungsgruppen, die Warte­zeiten, die Ausschüttung der Daugelder, sowie die Tilgung der gegebenen Daudarlehen, die sowohl zum Reubau wie auch zum Ankauf eines Hauses, außerdem auch zur Ablösung von Hypo­theken Verwendung finden können. Er besprach weiter die Sicherheiten und die Möglichkeit der Stundung bei unverschuldeter Rot. Zum Schluß beschäftigte sich der Redner noch mit dem zur Zeit dem Reichstag vorliegenden Entwurf zu einem Reichsaussichtsaeseh, der auch eine Sicherung der Hinterbliebenen im Falle des Ablebens des Bausparers vorsieht. An die Ausführungen des Vortragenden schloß sich eine Aussprache, an der sich Vermessungsrat Karle, Bauunternehmer Weimer und der Vortra­gende beteiligten.

** VortragSalewski. Man berichtet uns: Im vollbesetzten Hörsaal 34 der Llniversität hielt auf Einladung der , Christengemeinschaft Herr Wilhelm S a l e w s k i (Mannheim) einen Vor­trag zur Charakterisierung der Freudschen Psycho-

Plastischen Formen seiner schönen Schwägerin. Magda bemerkte das und sandte ihm einen bösen Blick zu.

Der Konsul räusperte sich verlegen, sog an seiner dicken Importe und fragte dann direkt seine Schwester mit etwas plumper Indiskretion.

Ja, sage einmal, Konstanze, ist denn das der wirkliche Grund, den uns Papa auseinandersehte. Fehlende Harmonie? Vielleicht spielt doch noch etwas anderes mit?" Er räusperte sich wieder, machte eine kleine Pause, als suche er nach Wor­ten und ergänzte dann:Ich kenne ja Lothar auch, er ist ein nicht gerade sehr amüsanter Mann, nüchterner Industrieller. Ich halte ihn sogar für leidenschaftslos. Vielleicht ist dort der wunde Punkt zu suchen, wie?"

Konstanze antwortete nicht. Werner v. Heistritz fuhr fort:Oder, um deutlicher zu sein: Viel­leicht kann dein Mann verzeihe doch nicht das genügende Maß aufbringen, um dich glück­lich zu machen ich meine" er stotterte und schien nach den rechten Worten zu suchen,ich will sagen, eine Frau in deinem Alter die Regungen einer Frau ...

Konstanze unterbrach ihn jäh:Es ist nicht nötig, derartige Probleme aufzurollen. Derlei hat mit meinem Entschluß ganz und gar nichts zu tun."

Hans von Ohlsen klemmte sein Monokel wie­der ein. Er fand feine Schwägerin überaus anziehend und ihm bereitete dieses Verhör mit der schönen Frau eine interessante und prik- kelnde Studie.

Der Gerichtsrat, der während der letzten Minuten still vor sich hingesehen hatte und wohl irgend etwas intensiv in seinem hohen, eiför­migen Schädel verarbeitet haben mochte, lieh einen kurzen Pfiff hören, als hätte er nun etwas ganz besonders Gescheites entdeckt.

Man müßte versuchen, Lothar einen Schei- dungsgrund nachzuweisen," sagte er mit ge­dämpfter Stimme, als fürchte er sich, Unbe­rufene könnten ihn hören.Dann wäre wenig­stens die Ehre der von Heistritz gerettet."

Der Gedanke ist gut, stimmte ihm der Baron von Ohlsen bei.Mit einemSchuldig zu beiden Teilen" wäre jedenfalls schon mehr gerettet, als wenn Konstanze den Sündenbock allein darstellen müßte." Ein häßliches Lächeln spielte bei diesen Worten um seine vollen Lippen.

Es wird schwer sein," meinte der Konsul, Lothar irgend etwas nachzuweisen."

Der Gerichtsrat verzerrte sein Gesicht zu einer orahe:Run eine kleine Untreue eine Unbefonnenfjeit, jetzt in Konstanzes Abwesen-

euch nicht!" rief Konstanze aufs höchste entrüstet,Lothar ist ein viel zu vorneh­mer Charakter, als daß er sich auch nur das geringste zuschulden kommen liehe."

analytischen Theorie. Der Vortragende schilderte in sachlicher Weise die bekannte Methode der Psychoanalyse. Aber es verhalte sich durchaus nicht so, daß Freud der Schöpfer der Psycho­analyse in voraussetzungsloser Weise an die Tatsachen herangetreten wäre. Vielmehr sei er von den materialistischen Ueberzeugungen des 19. Jahrhunderts, von der darwinistischen Auf­fassung des Menschen als eines vom Tiere her­stammenden Wesens, ausgegangen. Der Gedanke eines göttlich-geistigen Ursprungs des Menschen, einer Schöpfung im Sinne der Schilderungen der Bibel, habe er von vornherein abgelehnt. Da Freud nur im Menschen ein Rachfahre des Tieres sah, muhte er als konsequenter Denker auch dahinkommen, als ausschlaggebende Kräfte die tierischen Bedürfnisse, vor attem die Sexua­lität, anzusprechen. Richt in einem geistigen Ich dessen Herrschaft im Menschen-Inneren Freud leugnete nein, nur in der animalischen Ratur, in derLibido", d. h. Sexualität, sah er die Triebfeder für das Tun des Menschen. Diesem gegenüber stellte Herr Salewski eine Auffas­sung vom Wesen des Menschen hin, die dieses mit Goetheschen Ausdrücken als eine geistige Eutelechie", einegeprägte Form, die lebend sich entwickelt", bezeichnete. Der Mensch sei eben ein Gipfel der Ratur" in dem Sinne, daß er ein Etwas in sich trage, das nicht im Pflcmzen- und Tierreich vorhanden fei, das geistigen Ur­sprunges ist. Dies Geistige,, dieses Ich des Menschen, wurzle in dem Zusammenhang mit der göttlichen Schöpferkraft: von da aus strömen ihm höhere geistige Kräfte zu, die in der Moral, in der Religion und in der Kunst ihren Aus­druck finden. Gewiß, das Ich des Menschen habe oft schwere Kämpfe mit der niederen Trieb- natur zu bestehen: aber der Weg vorwärts sei weder der, sich von den unterbewußten Ge-

Dieser Hieb saß. Werner bekam einen roten Kopf, der Baron biß sich verlegen auf die Lippen, der Gerichtsrat verbarg seine Verlegen­heit hinter einem fatalen, flatternden Lachen.

Bist du denn von Sinnen, Konstanze? Jetzt auf einmal hältst du wieder große Stücke auf deinen Mann? Du weiht scheinbar überhaupt nicht mehr, was du willst."

Ich bin nur gerecht und dulde nicht, öah über abwesende Fremde in einer Art, wie es hier geschieht, geurteilt wird." Sie empfand es als unwürdig, weiterzusprechen.

Fremde?" fragte ihre Mutter.

2a, Fremde," erwiderte sie.Lothar ist mir fremd, er ist nicht mehr mein Mann und wird es auch nie mehr fein.

Frau Oberst von Heistritz tupfte sich mit dem Taschentuch über das verweinte Gesicht. Die alte Dame fühlte sich großen Entscheidungen gegen­über immer etwas hilflos. Sie war schüchtern und zurückhaltend. Das lag in ihrer Erziehung. Sie hatte sich eigentlich immer unterordnen müssen. Von Kindheit an. Ihr Vater war streng gewesen und herrisch, ilnö in ihrer Ehe hatte sich diese ilnterorbnung fortgesetzt. Denn im Hause des Oberst von Heistritz muhte stets alles nach seiner Pfeife tanzen. Werner, der Konsul, war eigentlich der einzige, der in Gegenwart des Oberst auch mit seinen eigenen, oft gegenteiligen Meinungen nicht hinter dem Berge hielt.

Die kleinen verweinten Augen der Frau Oberst glitten jetzt von einem zum.andern, als müsse sie sich erst vergewissern, dah niemand etwas gegen ihren Einwand haben würde. Schliehlich sagte sie mit etwas vorwurfsvollem Ton, dennoch aber mit unendlicher Liebe im Blick zu Konstanze:

Du mußt versuchen, Kind, die Eigenarten Lothars zu verstehen. Er ist gewih nicht leicht zu nehmen, aber mit gutem Willen lernt man viel."

Ich habe drei Jahre lang den besten Willen gehabt, eine Che zu führen, wie ich sie mit meinem Gefühl vereinbaren kann/' entgegnete Konstanze mit verlorenem Blick. Es schien, als läge vor ihren sonst so schönen Augen ein leichter Schleier. Sie sah niemanden an. Ihr Blick ging in uferlose Weiten.

Das klingt ja gerade," schnarrte der Baron von Ohlsen,als hättet ihr die ganze Zeit eurer Ehe in Streit gelegen." Sein etwas ver­lebtes Gesicht war interessiert auf seine Schwä­gerin gerichtet.

Hältst du Lothar und mich für derart ge­schmacklos?" fragte Konstanze mit verächtlichem Achselzucken.

Es ist eine alte Tatsache," philosophierte Wer­ne» von Heistritz,dah nach solchen Einstimmig­keiten die Versöhnung um so herzlicher ist." Der Klemmer auf seiner großen Habichtsnase wackelte. Cs war völlig unbegreiflich, daß er nicht herabfiel. Aber der Konsul belaneicrte ihn

walten mikreißen zu lassen, noch der, fehler- durch Askese abtöten zu wollen. Vielmehr trage das Ich, durch sein Verbundens-in mit der gei­stigen Schöpferkraft, in sich die Fähigkeit, diese Gewalten der niederen Ratur zu ergreifen, zu be­herrschen und umzuwandeln in sittliche Kraft unb christliche Liebe eine opfernbe Liebe, bie »nicht das Ihre sucht". Es sei eben die Aufgabe des Ich, in dieser WeiseHerr in seinem eigenen Hause" zu werden.

** Die Gruppe der weiblichen An­gestellten im G. D. A., Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag im Saal des Frankfurter Hof" wie man uns berichtet einen harmonisch verlaufenen Festabend ab, der eine gemütliche Stimmung auslöste. Wiener'Lie­der, mit Duetts und Vorträgen abwechselnd, gaben dem Abend eine sprudelnde Laune, bie besonbers Herr Luft jr. mit wohlklingenber Stimme hervorzurufen verstand-Die Gaufrauen­führerin, Frl. Reumann, Frankfurt a. M.. hielt die Begrüßungsansprache und hob hervor, daß gerade die Frauen, wie zu keiner Zeit, in der Gegenwart ihre gute deutsche Eigenart pfle­gen und betonen sollten. Die schweren Wirt­schaftsverhältnisse, vom Poungplan verschärft, könnten nur überwunden werden, wenn alle Kräfte zusammenwirken und zusammenarbeiten zum Wiederaufbau der kulturellen und mate­riellen Kräfe. Die berufstätige Frau lerne die Erfordernisse des Tages aus eigener Anschauung kennen und müsse auch daraus die Folgerung ziehen, sich einer Berufsorganisation anzu- schließen.

Eprudeljubiläum in Bad-Nauheim.

WER. Bad-Rauheim, 6. Mai. In diesen Tagen sind es 75 Jahre her, daß in Bad- Raiiheim die Quelle XII., der Frieörich- Wilhelm-Sprudel, zutage getreten ist. Die Bohrung wurde seinerzeit unter Leitung des Kurfürstlichen Salinen-Inspektors Ludwig in Bad-Rcmheim ausgefühtt. Der Sprudel erhielt seinen Ramen nach dem damaligen Landes­herrn, dem Kurfürsten Friedrich -Wilhelm von Hessen-Kassel. Die Bohrung reicht 180,1 Meter tief und liefert Sole von 3,34 Proz. Salzgehalt, sowie 4451,0 Kubikzentimeter völlig freie Kohlen­säure in einem Liter Wasser bei einer natür­lichen Wärme von 34,4 Grad Celsius. Die täg­liche Schüttungsmenge beträgt 1 500 000 Liter, aus denen nahezu 4000 Bäder täglich bereitet werden können.

Tagung

der Post- und Telegraphenbeamten.

WER. Butzbach, 6. Mai. Der V e rb a n d Hessen im Reichsverband deutscher Post- und Telegraphenbeamte n hielt hier vorgestern eine Tagung ab. In Anwesenheit von Vertretern der Oberpostdirektionen Frank­furt, Kassel, Koblenz unb Würzburg, sowie des Deutschen Beamtenbundes wurden nach der Wie­derwahl der Vorstandsmitglieder verschiedene An­träge über die Schaffung neuer Oberpostschaffner­stellen und die Gleichstellung der Postboten mit den Hilfsschaffnern behandelt. In einer einstim­mig angenommenen Entschließung forderte die Versammlung von der Reichsregierung die Gleichstellung aller Reichsbeamten in den einzelnen deutschen Ländern. Des weiteren wurde gegen die Gehaltskürzungen unb die Ent­ziehung der Kinderzulagen Einspruch erhoben. Die nächste Tagung der hessischen Postbeamten wird im Jahre 1931 in Darmstadt stattfinden.

Aus dem AmtsverkündigungsblaiL.

* Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 33 vom 2. Mai enthält: Gemeindefinanzstatistik. Die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. Turbinenanlage des Mühlenbesitzers Zimmer in Grünberg. Ka­nalisation in der Gemeinde Lollar. Vertilgung der Maikäfer. Das Bildnis Walters von der Vogel­weide. Schutz des Waldes.

gut. Er blieb auf feiner Stelle sitzen, als wäre er dort festgewachsen.

Ja, Konstanze," ergänzte die Frau Oberst leise.Werner hat ganz recht."

Der Oberst nickte zu diesen Worten seiner Frau und der Gerichtsrat murmelte etwas ilnüer- ständliches, wobei das Zyklopenartige seines Ge­sichtes besonders grotesk hervortrat.

Konstanze nahm einen letzten Anlauf. Sie fühlte, ihr ganzer Kampf hier war ein Gefecht gegen Windmühlen das Gespenst des Grauens vor so viel Richtverstehen oder Richtverstehen­wollen hockte hier im Zimmer. Sie sah es bereits ganz deutlich. Es lauerte dort in jener Ecke und stierte sie mit glühenden, lüstern-aufdringlichen Augen an.

Es handelt sich ja hier gar nicht um irgend­eine Einstimmigkeit," sagte sie mit matter Stimme und wunderte sich selbst über ihre Zähigkeit, mit der fie nun ein letztesmal ihre Sache ver­trat.Eine einmalige Meinungsverschiedenheit ist doch wahrhaftig nicht der Grund, weshalb ich Lothar verließ. Haltet ihr mich wirklich für derart naiv, daß ich deswegen alles opfern würde, meine Ehe, meine Zukunft, meinen Ruf unb nicht zuletzt den Ramen meiner Familie?"

Da sagst du es selbst," fuhr der Oberst auf und lief wie ein Stier, dem man das rote Tuch zeigt, in der Stube auf und ab.Ganz recht hast du," rief er laut und ohne jede Beherrschung, du beschmutzest mit deinem unsinnigen Tun deinen Ramen und damit auch den der von Heistritz. Ja, nicht genug damit...

Ich war mit meiner Rede noch nicht zu Ende, Papa," unterbrach ihn Konstanze äußerst ruhig.

Der Oberst, im Leben durchaus ein Kavalier der alten Zeit, respektierte auch in seiner Toch-l ter die Same. Er beherrschte sich mühsam unT sagte kurz:Also bitte!

Ich wollte noch sagen," fuhr Konstanze fort, dah irgendwelche Streitigkeiten zwischen Lothar und mir durchaus nicht stattgefunden haben. Jetzt nicht und überhaupt niemals. Was ich euch schon wiederholt erklärte, ist das Ausschlag­gebende meines Tuns gewesen: Ich habe ein­dringlich empfunden, daß unsere Ehe nicht zu Recht bestehen kann, weil die vollste Lieberein­stimmung der Seelen fehlt. Lind wer das nicht verstehen kann, der tut mir leid, dem kann ich nicht helfen.

Cie hatte, zum Schluß immer schneller ge- I£rc0.!$en. Ein gewisser Eifer, der ihren innersten Gefühlen entsprang, hatte sie jetzt ganz be­herrscht Run erhob sie sich jäh, so daß alle AM erstaunte Gesichter machten und Hans von P611 en fein Einglas wieder einklemmte und mit lebhaftem Interesse die ganze Schönheit seiner Schwägerin, die sich in diesem Moment mit all ihrer Süße zeigte, in sich aufnahm.

(Fortsetzung folgt.)

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