Ausgabe 
7.5.1930
 
Einzelbild herunterladen

I

' Tel 3403

ße 14

iislage

juhelten

haus

instiel

18, staatl^1'

ar, Schnecken, tobe. usw.

le Pflanzen

aus 35I,A

Hahn

6

fr** s

san

ibes

Sungsnrittel

lerSchüler wie

halten Sie sich :hön und voll bei iei Gebrauch des ?bten Brenn- f nach Hofapo- insliU.Schnppeiv- en.FeinparlumiMt iit Liter 0.75 KM-,

nittel

Unkraut traßen, Sporj. sw, Endung

Menschen

manu

srijcck

18 3JMD Seefische iorpfen idlifdf empfiehlt inhenn ihnhofstraße 59

M M

j Waö*e61)nIf

Gießener Stadttheater.

Gastspiel

des (^roßrussischc» National-Lrchcftcrs.

Gin erfreulicher Abend, dieses Gastspiel des Groß­russischen Naiional-Orchesters W. H. B. (Organisator: Alexander Michailowsk y.) Einmal etwas ganz anderes, für viele gewiß auch etwas ganz neues: vielseitig und abwect^slungsreich, fremdartig und volkstümlich, voller Stimmung, Bewegung und Farbe, gute Unterhaltung und doch auch in den meisten Teilen des Programms mehr als nur Un­terhaltung: die aus gesunder Naturhaftigkeit her- ausgewachsene und hod)entiDicfcItc Kunstübung eines grundmusikalischen Volkes.

*

Zunächst das Balalaikaorchester. Erstaunlich ist bei dessen fast primitiver und jedenfalls kaum sehr gestufter Husammensetzung die Saiteninstru­mente verschiedenen Volumens werden nur vom Kla­vier und vom Tamburin begleitet, akzentuiert und gelegentlich ausgchellt die biegsame Geschlossen­heit, die Fülle, die dynamische Spannweite und Re­sonanz des Klangkörpers, den der Dirigent, Dr. E. S w e r k o f f, überaus feinfühlig und diszipliniert beherrscht.

Das Orchester begann mit gediegener, manchmal fast ein wenig akademisch wirkender Programm­musik: man horte Stücke von Michailowsky, M o u s s o r g s k y (aus demJahrmarkt von So- rotschinsky") und die brillant vorgetragene Romanze (op. 5) von Tschaikowsky: dann aber, in den von Michailowsk!) vertontenLieder der Trauer und Freude" kam der volkstümliche Charakter, Rasse und Temperament des russischen Orchesters mit der ganzen Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit einer elemantaren Musizierfreudigkeit zum Durchbruch.

*

Hiernach sang der Tenor Michael Wisch- n j e w s k y zwei russische Lieder,Erinnerung an Moskau" und das berühmteWolgalied": dies war für unser Gefühl der stärkste Eindruck des ganzen Konzertes: eine große, strahlende Naturstimme: bieg­sam und weich, obwohl durchaus männlich in Farbe und Umfang: unverbildet, aber technisch glänzend geschult. Es war ein Genuß, dieser Stimme, die sich gleichermaßen vom typisch deutschen und vom typisch italienischen Tenorklang abhebt, zuzuhören.

Den Abschluß des ersten Teils bildete ein von Sergej Säroin im farbenprächtigen, allrussischen Kostüm mit wirbelndem Temperament und sauberster Technik oorgeführtcr Bauerntanz.

Nach der Pause spielte Elisabeth Wolgina zwei Solostücke für Balalaika, russische Phantasie von

P o g o r j e l o f f und Variationen über ein russisches Volkslied zur Klavierbegleitung mit einer wahrhaft erstaunlichen Virtuosität: rein musikalisch wirkten die beiden Stücke weniger unmittelbar als die Dar­bietungen des Orchesters, sie sind wohl auch als technische Bravournunimern mehr auf konzertmäßige Publikumswirkung im westeuropäischen Sinne ein­gestellt.

Zum Schluß der Männerchor W. H. B. Ein wun­dervoll abgestimmtes, aufeinander eingesungenes Stimmenorchester von sonorer Fülle und Geschmei­digkeit: seine organischen Stützen sind der Tenor Wischnjcwsky, der Bariton T s ch u b und meh­rere profunde Bässe von großartiger Tragkraft. Der Chor sang, wiederum unter Leitung von Dr. Swerkosf, originalrussische Volkslieder (Der Burlsk" von T r i o d i n ,Abendglocken" von E m e l j a n o f f,Fischerlied" von W e r st o w s k y. Ukrainische Volksweisen) und schloß mit dem Scherz- liedPachom" als Zugabe.

Der Besuch war leider nur schwach. Das Publi­kum war begeistert, klatschte, trampelte und konnte sich kaum entschließen, noch Hause zu gehen. Es gab natürlich etliche Wiederholungen, gesungen, gespielt und getanzt.

Die Zuhörer werden sich der Intendanz für die Veranstaltung dieses vortrefflichen Gastspiels zu freudigem Dank verpflichtet fühlen.y

Oskar v Miller

Zu seinem 25 Geburtstage.

Don Ingenieur Karl Stowronnek.

Dom 16. bis 25. 3uni 1930 findet in Berlin die Zweite Weltkrafttagung statt. Sie wird sich in der Hauptsache mit der Verteilung der Energie befassen. Ehrenvorsitzender dieser Tagung ist ein Mann, der gerade auf diesem Ge­biete in der ganzen Welt das höchste Ansehen genießt und der darin mit weit vorausschauendem Blick Vorbildliches geschaffen hat: Oskar v. M i l l e r.

Oskar Miller wurde am 7. Mai 1855 in München geboren, wird also heute 75 3ahre alt. Sein Vater, Ferdinand Miller, von Beruf Erz- gieher, war ein technisch und künstlerisch hoch be­gabter Mann. Er leitete seine stattliche Bubenschar Oskar war sein zehnter Sohn zu selbständi­gem Schaffen an, was gerade bei Oskar auf fruchtbaren Boden fiel, da seine Hauptbegabung wohl in dieser Dichtung lag. So ist es auch nicht verwunderlich, daß chm Lateinisch und Griechisch auf der Schule weniger Freude machten und daß sein Platz dort erheblich hinter dem Vorletzten lag. Dach dem Durchlaufendes Dealgymnastum-

bezog Oskar Miller die Technische Hochschule in München. Dach glänzend bestandenem Staats­examen trat er in den Staatsdienst, wo er im Eisenbahn-, Drücken- und Wasserbau tätig war.

3m 3ahre 1881 erreichte er, daß er auf die Elektrotechnische Ausstellung in Paris entsandt wurde, wo neben vielem anderem die erste Glüh? lampe von Edison gezeigt wurde.

Dach seiner Rückkehr nach München arbeitete er sich weiter in das Gebiet der Elektrotechnik ein. Die großen Erfolge der Pariser Ausstel­lung ließen den Wunsch in ihm reifen, auch in Deutschland, und zwar in München, eine gleiche Ausstellung zu veranstalten. Er gewann zahl­reiche leitende Männer für seinen Plan, die Ausstellung fand tatsächlich im 3ahre 1882 statt und brachte einen großen Erfolg. Sie zeigte auch die erste Kraftübertragung über 57 Kilometer: Ein in Miesbach aufgestellter Stromerzeuger von l1Pferdekräften trieb über einen Telegraphendraht eine Fliehkrastpumpe auf der Ausstellung in München, die einen Wasser­fall von 21z2 Meter Höhe speiste.

Die Münchener Ausstellung hatte die techni­schen und organisatorischen Fähigkeiten Millers ins hellste Licht gerückt. So schickten ihn denn einige namhafte Wirtschaftssührer auf eine bier- monatige Studienreise in die Vereinigten Staa­ten von Amerika, wo er Edison und andere Größen kennenlernte.

Auf Grund der reichen Anregungen, die er in Amerika erfahren hatte, machte er im 3ahre 1883 der bayerischen Regierung den Vorschlag, eine Stelle zu schaffen, die sich mit der Um- Wandlung der bayerischen Wasserkräfte in elek­trische Energie beschäftigen sollte. Er erklärte sich bereit, die Vorarbeiten ohne besondere Ver­gütung zu übernehmen. Sein Vorschlag wurde abgelehnt. 'Diese Tatsache und die Hemmungen, die die Engigkeit des Staatsdienstes seinem be­weglichen Geiste auferlegten, veranlaßten ihn, zuzugreisen, als ihm Emil Rathenau im 3ahre 1884 anbot, mit chm zusammen die Lei­tung der neugegründeten Deutschen Edison- gesellschaft, der jetzigen Allgemeinen Elektrici­täts-Gesellschaft zu übernehmen.

3m 3ahre 1890 zog Miller nach München zurück und gründete ein technisches Bureau. Eine seiner ersten Tätigkeiten war die Planung einer elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt a. M. Diese Ausstellung ist in der ganzen Welt be­rühmt geworden, denn sie biloet einen Mark­stein in der Geschichte der Elektrotechnik, da zum ersten Male eine große Energieüber­tragung auf eine Entfernung von 180 Kilo­meter verwirklicht wurde. 3n Lauffen am Deckar wurde mit einer Wasserkraft von 300 Pferde­stärken Drehstrom von 50 Volt Spannung erzeugt

Mittwoch, 7. Mai 1950

und auf 25 000 Volt umgespannt. Dieser hoch­gespannte Strom wurde auf die Frankfurter Ausstellung geleitet. Dabei waren nicht nur un­geheure technische Schwierigkeiten zu überwinden, sondern auch die Widerstände der Fachgenossen und namentlich auch die, die Behörden dem Unternehmen bereiteten.

Diele Kraftwerke sind in der Folgezeit noch Millers Plänen gebaut worden; aber schon vor dem Kriege griff Miller darüber hinaus, denn er hatte wohl als erster die heute Gemeingut gewordene Erkenntnis gewonnen, daß man die einzelnen Elektrizitätswerke zusammenschließen müsse. Diesen Gedanken verwirklichte er in der Pfalz und konnte so die Erfahrungen sammeln, die ihn dann befähigten, die einheitliche Aus­nutzung der Energiequellen in Altbahern zu er­reichen. Während des Krieges schuf er die Pläne zum Walchenseewerl, um den heimkehren­den Kriegern Arbeitsgelegenheit zu schassen. Er setzte es durch, daß dieses Werk nicht Sonder­ansprüchen dienstbar gemacht, sondern als Spitzen­kraftwerk in die Landesversorgung eingegliedert wurde.

Zum Schluß noch zu einer anderen Tätigkeit Oskar v. Witters. Schon im 3ahre 1903 hatte Miller seinen Plan bekanntgegeben, ein Museum ber Technik zu gründen. München stellte für den Museumsbau einen Bauplatz zur Verfügung. Das Reich und der Staat versprachen Unterstützung durch Geld, ebenso die 3ndustrie und viele an­dere Kreise. 3m alten Münchener Dationalmu- seum wurden die Sammlungen zuerst ausgestellt. 3m 3ahre 1905 bekam das Museum den Damen »Deutsches Museum". Aber bald wurden die Räume zu eng, und so wurde im 3ahre 1906 auf der 3farinfel der Grundstein für das heutige Deutsche Museum gelegt. Durch Krieg und Geld­entwertung wurde die Fertigstellung verzögert, aber allen Widerständen zum Trotz konnte das Museum am 7. Mai 1925 vollendet werden.

Zahlreiche Auszeichnungen wurden Oskar von Miller zuteil: er erhielt den Titel Exzellenz und den Adel, aber er ist in feinem ganzen We­sen immer ein einfacher und schlichter Mann ge­blieben. Seine Gedanken eilten denen seiner Zeit­genossen weit voraus, aber im Gegensatz zu vielen anderen Pionieren der Technik durfte er es in voller geistiger Frische erleben, daß sie sich als richtig erwiesen und in die Tat umgeseht wur­den. So wird denn unzweifelhaft Oskar v. Miller auf der Zweiten Weltkrafttagung in Berlin be­sonders gefeiert werden, nämlich dafür, daß er die Elektrizitätsversorgung in neue, zweck­mäßige Bahnen gelenkt und im Deutschen Mu­seum eine Stätte der Belehrung für Tausende und ober Tausende geschaffen hat, aus der An­regungen zu neuen Taten sprießen werden.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 106 Zweiter Blatt

Blick auf Malta,

den englischen Flottenstützpunkt im QHittelmeer, wo wegen der Sprachensrage ein scharfer Konflikt zwischen der englischen Derwaltung und der italienischen Geistlichkeit besteht.

noch nicht voll ausgenützt. Fährt es nur mäßig im Bauen fort, so wird es in Kürze 15 Kreuzer gegen die 10 Frankreichs werfen können und mit feinen 54 Unterseebooten im Gesamtraum von 45 000 Ton­nen steht cs säst auf gleicher Höhe an Schlagkraft mit England, Amerika und Japan. Zufammengc- faßt: die Flottenparitat mit Frankreich, die es in London verlangte und an deren Verweigerung die Konferenz scheiterte, weih Italien praktisch durch- zusetzcn. Cs kann sich die schönen Worte sparen, denn seine Handlungen sprechen.

Soweit märe nun alles in Ordnung und dem blu­tigen Kriegsspiel gleicher Kräfte steht praktisch nichts mehr im Wege, als die alte Frage: Wie wird sich bei dem Kampfe ums Mittelniecr England ver­halten? Es ist klar, daß schon die Neutralität der britischen Flotte den Schicksalstreit zwischen den la- tcinischen Schwestern entscheiden kann, je nachdem, ob sie absolut oderwohlwollend" sein wird. Eng­land kann, ohne einen Schuß abzuseucrn, die Maule- salle bei Gibraltar und Suez zusperren, dann sitzt Italien rettungslos drin. Denn Mussolini hat zwir die Getreideschlacht gewonnen, die sein Volk in der Nahrung unabhängig macht von der Zufuhr, aber noch nicht Kohlen und Eifen genug im Lande gefunden. Der Karöinalgedanke der italieni­schen Politik roar daher und mußte bisher sein das ungetrübte Einverständnis mit England, wenn nicht sein Wohlwollen. In dieser Voraus­setzung entschloß sich Mussolini sogar, einen gefähr­lichen Trumpf auszuspielen, indem er sich bereit- erklärte, auf seinen bisherigen Standpunkt in der Unterseebootsfrage zu verzichten, das heißt, diese Hauptwaffe der schwächeren Staaten zu opfern, wenn auch d i e anderen sich zu diesein Schrill entschließen könnten.

,Es ging natürlich wie mit den Divisionen und den Gasbomben. Die anderen lehnten ab und alle zusammen rüftetckn auf. Immerhin, 22 Untersee­boote auf einmal hatte man sich von Italien nicht erwartet. Sie fügen sich schlecht in die übliche diplo­matische Berechnung eines Zusammenstoßes zwi­schen bloß zwei Mittelmeerstaaten Wohin steuert Italien? Sieht es, weiser als seinerzeit Deutschland, über den Zweifrontenkrieg mit Frankreich und Ju­goslawien hinaus, denkt es jetzt auch an die furcht­bare britische Möglichkeit? Der Duce ist gewohnt, die Dinge im großen zu sehen.

Wer weiß, das Gleichgewicht im Mittelmeer kann sich durch einen unerwarteten Stoß von außen her in ganz anderer Richtung verschieben, als wir dach- ton. Wie, wenn die englische Flotte in Indien gebraucht wird? Wie, wenn die Dinge in Malta sich zuspitzen? Es ist dort jetzt soweit, daß die Geist- lichkeit, in geschlossener Front gegen die britische Regierung aufgetreten, jeden Einwohner mit Ver­weigerung der Absolution bedroht, der für die eng­lische Partei fthnnit oder auch nur ihr befreundete Kandidaten unterstützt. Matta ist italienisch! Der Sorachenkampf lobt weit heftiger als in Südtirol. Aver niemals, so lange überhaupt noch strategische Punkte Gewicht haben, niemals kann England eine Schwächung seiner Machtstellung dort zulassen. Malta sehen und begreifen, ist eins Dieser Flotten­stützpunkt, diese natürliche Festung ist weit wichtiger als Gibraltar ober Suez, denn sie steht zwischen Biserta und Sizilien, zwischen Frankreich und Ita­lien. Sie entscheidet. Es scheint, als ob man bei aller Bewunderung die Kühnheit des Ducc doch noch unterschätzt habe. Die englische Presse tut zwar, als ob sie die italienischen Unterseeboote, die im Ernstfälle natürlich keine barbarischen Torpedos, sondern nur Regiezigaretten abschießen werden, ge­lassen betrachte: Betrifft uns nicht! Aber in Wirk­lichkeit ist heute keinem der Anstößer in derVöl- kertränke" so recht wohl.

Taten für Tonncrstaq. 8. Mai

1794: der Franzose Laurent Lavoisier in Paris gestorben: 1803: der Chemiker Justus Freiherr von Liebig in Darmstadt geboren; 1828: der Philcmtrop Henry Dumont, Begründer des Roten Kreuzes, in Genf geboren.

Klottensrühling im Mittelmeer.

Wetterleuchten über dem Mittelmeer. Wohin steuert Italien? Oer Kampf um Malta

Don unserem römischen k-Korrespondenten.

Rom. Mai 1930.

Mit südlichem Ungestüm hat der Flottenfrüh­ling die Dhemsenebcl durchbrochen. 3n Heller Begeisterung ließ 3talien an fünf Küsten zugleich am Sonntag nach dem Londoner Schiffbruch neue Kriegsschiffe von Stapel und nun schreitet der Flottenfrühling mit der nämlichen natürlichen Gewalt weiter, mit der die Bäume unter dem inneren Druck ausschlagen... Mit solchen blumigen Wendungen beginnen die Leit­artikel in den römischen Zeitungen, deren Auf­gabe es ist, die große Gebärde zu erklären, mit der Mussolini 22 Unterseeboote auf einmal in Auftrag gegeben hat. Dazu einen Washington­kreuzer und sechs Torpedoboote.

Kein Zweifel, der Dölkerbund hat einen guten Magen. Er wird auch diese Arznei mit trockener Archivmiene hinunterschlucken und im übrigen bemerken, daß ja gegenwärtig nicht die Frage der Flottenrüstungen zur Debatte stehe, sondern das Problem der unter Umständen von ihm ins Leben zu rufenden Luftflotte. Alles zu feiner Zeit. Wenn dann das Unwetter über dem Mittel­meer losbricht, wird man Muße genug haben, über den Opiumhandel zu sprechen.

Außerdem duldet Gens keine Schwarzseher. Italien rüstet, nun ja. was ist da schon dabei? Es füllt nur die Lücken feines Dauprogramms aus. Frankreich erhält jedes 3ahr von seinem Locarnopartner an die tausend Millionen Gold- mark zur Auffüllung feines Gefchühparkes, aber wagt jemanb an der Friedfertigkeit seiner Ge- schästsgesinnung zu zweifeln? Amerika meint, infolge der Londoner Abmachungen hätten Frank­reich und 3talicn ihre Schwierigkeiten unter­einander zu regeln, die Sache gehe wörtlich zitiert au« den Kommentaren zum italienischen

Flottenbefehl die Bereinigten Staaten direkt nichts an.Betrifft mich nicht!" - Betrifft nie­manden. wenn nächstens der Krieg ausbricht, wie jetzt der Flottenfrühling. Er stehl schon im Saft, um im Bilde zu bleiben, mit den Händen kann man s greifen was geht es uns an? Man hat mir schon gesagt, ich solle doch endlich einmal aufhören, den Teufel an die Wand zu malen. Ausgezeichnet. Beschwören wir also die bösen Geister mit der neuen Sachlichkeit. Ecco:

Die italienische Kriegstonnage betrug 1922 rund 190 000 Tonnen. Die im Laufe der letzten sieben Jahre ausgeschiedenen Schisse abgezogen und die 82 500 Tonnen Neubauten des gleichen Zeitraums hinzugerechnet, ergab sich bis zu den Abrüstungs- ung Friedenskonferenzen des vergangenen Jahres eine bescheidene Ziffer von 272 500 Tonnen. Seither sind jedoch hinzugekommen: 32 000 Tonnen und 57 500 Tonnen Werftbauten und die soeben von Mussolini für 1930 bestellten 43 900 Tonnen, zusam­men 405 900 Tonnen. Mit anderen Worten dank der Londoner Abrüstungskonferenz genießt Italien d i e r e l a t i d ft ä r f ft c 21 u f r ü ft u n g. Die Rech­nung Genfs stimmt also.

Für den italienischen Finanzminister machen diese Neubauten nicht mehr als 2,8 Milliarden Lire aus, also nur ein Drittel der Summe, die Deutschland jährlich und frohen Mutes für die Kriegs­maschinerie seiner Gegner ausgibt. Und da diese Reparationen" durchaus friedlichen, ja völkerver- föhnenden Charakter haben, wie man in Paris nicht müde wird zu versichern, so müssen logischerweise auch die mussolinislyen Schiffsgeschütze dem Frieden dienen. Si vis pacem, para bellum! Wenn du Frieden haben willst, zahle Tribute und Schiffe!

Aber bleiben wir sachlich. Italien hat sein 75 000- Tonncn-Recht aus dem Vertrag von Washington

Helene Mayer (links) und Heim- Offenbach (rechts) errangen bei dein in Mainz ausgetragenen Turnier den deutschen Florettmeistertitel 1930. Helene

Mayer ist damit zum 6. Male deutsche Meisterin.

Süddeutsche Gastwirtsmeffe in Mainz.

WSD. Mainz, 5.Mai. Die 3. S n d d e u 11 ch e G a st w i r t s m e s s e, die vorn 3. bis 12. Mai hier abgehalten wird, wurde am Samstagvornnttag in der Stadthalle mit einer kurzen Feier eröffnet.

Der Dorsitzende des Hessischen Gastwirtsver- bandes. Tischler, Darmstadt, begrüßte namens des rhein-mainischen Gastwirtsverbandes die Er­schienenen, insbesondere den Vertreter des Staats­präsidenten Adelung. Wirtschaftsrninistcr K o - teil, und die Vertreter der übrigen Staats- und städtischen Behörden, u. a. Oberbürgermeister Dr. K ü l b, Landeskommissar Geheimerat Dr. ü f i n g c r. Obcrregicrungßrat Strecker von der Provinzialdirektion, Oberregierungsrat Lanz vom Reichsvermögensamt u. a. m. Weiter wurden willkommen geheißen der Vorsitzende des Deut­schen Gastwirtsverbandes. Reichstaasabgeordneter K ö st e r. und der Präsident der Industrie- und Handelskammer. Scholz. Der Redner dankte der Mainzer Gastwirtsinnung für die vorbild­liche Vorbereitung der Messe und gab der Hoss- nung Ausdruck, daß man sich zur 4. Gastwirts­messe in Stuttgart int nächsten 3ahre Wieder­sehen werde.

Minister Kor eil begrüßte die Versammlung im Auftrage des am Erscheinen verhinderten Staatspräsidenten Adelung namens der hessi­schen Staatsregierung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Gastwirtsgewerbe zur sozia­len und sittlichen Gesundung unseres Volkes beitragen möge durch Fernhaltung der Völlerei, aber auch jener Heuchelei, die von gewisser Seite gepredigt werde. Am Schlüsse seiner An­sprache erklärte er namens des Schutzherrn der Veranstaltung, des Staatspräsidenten Ade­lung, die Süddeutsche Gastwirtsmeffe für er­öffnet.

Oberbürgermeister Dr. K ü I b gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Messe nach Mainz gelegt worden fei. und empfahl die Stadt, die ' sich von den Leiden der Besetzungszeit erholen müsse, der besonderen Fürsorge deS hessischen Staates. Er betonte, daß Mainz, wenn es auch in erster Linie Handels- und Industriestadt sei, doch auf die Werbung für den Fremdenverkehr nicht verzichten könne und wünschte der Aus­stellung in diesem Sinne Erfolg.

An die Begrüßungsansprachen, die von Musik­vorträgen umrahmt waren, schloß sich ein Rund- gang durch die Ausstellung. Alle für die Gin-

DiedeutschenFlorettmeister 1930