Ausgabe 
7.5.1930
 
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letzten Tagen nicht nur in Regierungskreisen, sondern allgemein Gerüchte über die bevorstehende Verhaftung umgelaufen seien. Im allgemeinen hat die Verhaftung auf englischer Seite eine ge­wisse Genugtuung darüber ausgelöst, dah eine untragbar gewordene Lage eine Aen- derung gefunden habe, und dah die britische Ver­waltung, wie immer die Folgen der Verhaftung sein mögen, innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage die weitere Entwicklung genau kennen werde. Man hofft, dah nach einem kurzen Sturm die Lage bald wieder normal sein wird. In iedem Fall sei die Verhaftung der bis dahin vorhandenen Hochspannung vorzuziehen, die das Geschäftsleben in hohem Grade beeinträchtigte.

Rückwirkungen auf die deutsche Textilindustrie.

Berlin, 6. Mai. (LRB) wie dieB. Z. am Mittag" zu berichten weih, sind deutsche Textilhäu- ser. die am Export nach Indien inter­essiert sind, von ihren indischen Vertretern davor gewarnt worden, augenblicklich Sendungen nach Indien abznschicken. Es werde dort zur Zeit in einer so scharfen Jortn gegen fremde Textilien Stimmung gemacht, dah sich die Händler verpflichtet fühlen, jede Auslandware zu boykottieren, von diesen Vorgängen werden vor allem Unterneh­mungen des sächsischen Gebietes betroffen, die teilweise ein lebhaftes Exportgeschäft in bedruckten Stoffen nach Indien betreiben.

Bei der Handelskammer in R o u b a i.x (Jlotö- frankreich) ist ein Telegramm aus Delhi cingegan- gen, dessen Inhalt von dem französischen Handels­attache in Indien bestätigt worden ist. Danach sei bei der Lieferung von Stoffen und Webwaren nach Indien gröhle vorficht zu beobachten, da die waren infolge des Boykotts der aus­ländischen Erzeugnisse wahrscheinlich nicht obgeliefert werden können und die Lie- rungen zurückge wiesen werden.

Oie Lage in (Spanien.

Kommt ein schärferer Kurs?

Madrid, 7. Mai. (TU.) Wie vorauszusehen war, ist der Dienstag in Madrid ruhig ver­laufen. Dagegen kam es in Barcelona und Valencia zu Kundgebungen, bei denen die Studenten wieder von Pflastersteinen und Dach­ziegeln ausgiebig Gebrauch machten. In beiden Städten gelang es der Polizei, ziemlich rasch die Ordnung wiederherzustellen. In Sevilla wurde als Vorbeugungsmaßnahme die Universität eben­so wie in Madrid bis auf weiteres geschlossen, während die Studentenschaft in Salamanca einen 48stündigen Streik erklärte. Die Regierung scheint nach Mitteilungen aus dem soeben beende­ten Ministerrat entschlossen zu sein, jeder Wieder­holung der Kundgebungen energisch entgegenzu- Lreten. Zunächst hat die Regierung republika­nische oder sozialistische Versamm­lungen bis auf weiteres verboten. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen wird in gut unterrichteten Kreisen von einem demnächst bevorstehenden Regierungswechsel gespro­chen, wobei angeblich schärfer durchgreifende Männer an die Spitze gestellt werden sollen. Die Peseta ist am Dienstag an der Madrider Börse erneut gefallen.

Wahlsreiheit in Oberschlesien.

Ulitz wird von polnischen Aufständischen am Reden gehindert.

Laurahütte, 7. Mai. (WTB.) Für Mon­tagabend war hier eine Wahlversamm­lung der deutschen Wahlgemein­schaft einberufen, zu der mehrere hundert Per­sonen erschienen waren. Die Versammlung nahm zunächst einen ruhigen Verlauf. Als Ll l i tz, der Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes, das Wort ergreifen wollte, kam es zu Tumulten, die von Mitgliedern des Polnischen Aufstän- difchen-Verbandes hervorgerufen wur­den. Als ein Mitglied versuchte, eine Hetzrede zu halten, wurde die Versammlung polizeilich auf­gelöst.

Auch in Kattowitz ist eine von der D eu t s ch en Wahlgemeinschaft angesehte Wahlver­sammlung für die schlesischen Sejmwahlen in den Reichshallen von Aufständischen ge­sprengt worden. Einige Versammlungsteilneh­mer wurden durch Stühle, die von der Galerie geschleudert wurden, verletzt. Das starke Polizei­aufgebot griff nicht ein. Ein Versamm­lungsteilnehmer, der sich gegen die Angriffe der Banditen wehren wollte, wurde verhaftet. Auf die Rachricht von der Versammlungssprengung kam es in den Straßen zu größeren Ansammlun­gen, die von der Polizei auseinandergetrieben wurden. Damit ist schon die zweite Wahlver­sammlung der Deutschen gesprengt worden. Die deutschen Kandidaten haben also keine Möglich­keit, vor den Wahlen mit dem gleichen Recht wie die polnischen Staatsbürger vor ihre Wäh­ler zu treten.

Oie Osthilfe.

Das Reichskabinett stellt die verfügbaren Mittel fest.

Berlin, 6.Mai. (ERB.) Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett in seiner heutigen Sitzung die Mittel f e st ge st e l l t, die ihm für die Verwirklichung einer Osthilfe im Augenblick zur Verfügung stehen. Diese Mittel dürften sich nach dem Bericht des Reichsfinanzministers etwa fol­gendermaßen zusammensehen: Für die Hilfe für Ostpreußen stehen 29,3 Millionen im Etat, da­zu kommen 22 Millionen für das Ostpro- g r a m m. Ferner könnten die Einnahmen aus der Verwertung des Reichsbesitzes im besetzten Rheinland verwendet wer­den und der Rest derRücklagenderBank f u r In d u st ri e o b l i g a t i o n en. Diese bei­den letzten Posten schätzt man auf etwa 50 bis 60 Millionen Mark so daß im ganzen etwa rund 1 10 Million. M k. in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen dürften. Das Reichskabi- nett ist sich heute schlüssig geworden, die Auf­gaben der Osthilfe so zu zerlegen, dah zunächst auf der Basis der erwähnten verfügbaren Gel­der ein Sofortprogramm in Angriff genommen wird, das die dringendsten Aufgaben umfaßt, während die Fragen die noch ein ge­naue« Studium und weitergehende Vorbereitun­gen erforderlich machen, später organisch

Wo fleckt die Reichsreform?

Nie Länderkonferenz.

Von unserer Berliner Redaktion.

Der neue Reichsinnenminister Dr. Wirth will die Kurbel über die Verhandlungen in Sachen Reichsreform jetzt wieder etwas weiter drehen. Er will die Ausschüsse der,sog. Länderkonfe­renz, die nun schon seit Jahr und Tag über die beste Lösung beraten, in etwa vier Wochen nach Berlin zusammenberufen und hofft, dann die Ver­handlungen über Organisation und Zuständigkeit von Reich und Ländern zum Abschluß bringen zu können. Warten wir ab, inwieweit dieser Optimis­mus berechtigt ist. Nach dem bisherigen Gang muß allerdings ausgesprochen werden, daß in diesen Be­ratungen der Länderkonferenz zwar sehr viel guter Wille der einzelnen, aber auch mehr nicht fest­zustellen war. Es sind sehr schöne Resolutionen ge­faßt, es sind auch Entwürfe ausgearbeitet, die Vor­arbeiten des Luther-Bundes wurden fleißig benutzt. Man hat die Schlagworte von der Endlösung, von der Zwischenlösung und von der vorläufigen End­lösung geprägt. Aber dabei ist es auch geblieben.

Mehr konnte freilich nicht herauskommen, weil bei den verschiedenen Regierungen zwar die Einsicht vorhanden ist, daß etwas geschehen muß, weil aber keine von ihnen auch nur ein Titeichen von ihren Rechten aufgeben will, solange ihr das Feuer nicht unter den Nägeln brennt. Und der preußische Mi­nisterpräsident Braun hat im Ausschuß schmucklos ausgesprochen, daß Preußens Vertreter auf der Län­derkonferenz, der sehr stark auf ein positives Er­gebnis gedrängt hat, lediglich seine persönliche An­sicht vertreten habe, ohne dadurch die preußische Re-

a n dasS vf o r tpr o g r am m angeschlos- s e n werden sollen. Diese Zweiteilung hat ihren Grund in der Rotwendigkeit, dem Osten so schnell wie möglich zu helfen. Zu dem Sofortprogramm gehört z. B. das Problem der Umschuldung. Es ist deshalb mit ausgenommen worden, weil eine Hinauszögerung die Zinsenlast nur noch an­schwellen lassen würde. Für den späteren Teil der Hilfsmaßnahmen für den Osten sollen dann noch Erhebungen angestellt werden, die sich na­mentlich auch auf die Mitwirkung Preu­ßens erstrecken. Sehr schwierig ist die Frage, wie die Osthilfe räumlich angefaht werken muh. Man ist zu dem Beschluß gekommen, zu­nächst eine Grenzzone festzustellen, in Der die Rot am drückendsten ist, und über diese Zone nach dem Innern mit der Zeit eine Erweiterung anzuschließen. Es ist beabsichtigt, die (Sofort» Vorlage so schnell wie möglich auszuarbeiten, damit sie dem Reichstag noch bis zur dritten Lesung des Reichshaushaltes vorgelegt und gleichzeitig mit ihm erledigt werden kann.

O.eVereinbarung zwischen dem Staate Hessen und dem früheren Großherzog.

D a r m st a d l, 6.2Hai. (7DIB.) Die Vereinbarung zwischen dem ehemaligen Großherzog von Hessen und dem Volksstaate Hessen, die im Iahre 1928 vom Hessischen Landtag beschlossen worden ist, wurde heute vormittag in persönlicher Anwesen­heit des vormals regierenden Groß­herzogs und feiner beiden Söhne sowie der sämtlichen Mitglieder des hessischen Ge­samtministeriums formal gerichtlich be­urkundet. Damit ist die vermögensauseinander- fehung zwischen dem hessischen Staate und dem vor­mals regierenden Fürstenhaus im beiderseitigen Einverständnis zum Abschluß gebracht worden.

Tagung

der oberhessischen Zentrumspartei.

Bad-Nauheim, 6. Mai. (WTB.) Am Sonn­tag fand hier die Frühjahrs-Prooinzialverbands- tagung der oberhessischen Zentrumspartei statt. Der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter W e ck l e r, schil­derte die Lage im Reich und in Hessen. Die hessi­schen Finanzen ständen günstiger denn je. Der Redner streifte auch die Verhandlungen mit dem Landbund wegen Aufnahme in die Koali­tion. Die Ansprüche auf die Besetzung des Finanz­ministeriums seien für das Zentrum unannehmbar. Diese Forderung solle aber jetzt fallen gelassen sein, und man fordere eine Sparministerstelle in der Landbundbesetzung. Landtagsabgeordneter Keller sprach sodann über die Beratung des Voranschlags und über das Sparprogramm der hessischen Regie­rung. Den beiden Referaten schloß sich eine rege Aussprache an.

Oie Berliner Stadtverwaltung.

Berlin, 7. Mai. (CNB.) In einem Dringlich­keitsantrag fordert die nationalsozialistische Stadt­oerordnetenfraktion schwere Vorwürfe gegen Stadt­schulrat Nydahl nachprüfen zu lassen. Die Na­tionalsozialisten geben an, daß ihnen die eidesstatt­liche Versicherung eines leitenden Angestellten einer Pianofabrik vorliege, in der behauptet würde, Ny­dahl habe sich bei der betreffenden Fabrik b e i 2Ui» fdjaffung von Schulpianos für jedes gelieferte Stück 10 Prozent Provision ausbedungen und sie auch erhalten. Für die Pianos und Flügel seien ganz unangemessen hohe Preise bewilligt worden. Ferner wird behauptet, daß der Stadtschulrat einen seiner Freunde ver­anlaßt habe, dem Magistrat ein Grund stück für Schulzwecke in Schmöckwitz zum Preise von 180 000 Mark anzubieten, obwohl der Besitzer das Grundstück kurz vorher für nur 85 000 Mark ge­kauft hätte.

Kommunistenausschreitungen in Berlin

Berlin, 6. Mai. (WTB.) Anläßlich der kommu­nistischen Demonstration gegen das vor einem Jahre erlassene Verbot des Rotfrontkämpferbundes kam es abends gegen 6.30 Uhr auf dem Koppenplatz zu schweren Ausschreitungen der Demon­stranten. Ein P o l i z e i o f f i z ie r, der einen De­monstrationszug auflösen wollte, wurde von etwa 20 bis 30 Rotfrontbundleuten in Uni­form, die anscheinend aus einem Lokal kamen, niedergeschlagen und im Gesicht und am Hinterkopf, vermutlich durch Schlagringe, verletzt. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden die Demonstrationszüge auf Waffen durchsucht und einzelne Teilnehmer wegen verbotenen Waffen- tragens festgenommen. Festnahmen erfolgten zum Teil auch wegen Tragens der Uniform des verbotenen Rotfrontkämpferbundes. Insgesamt wurden etwa 20 Personen zwangsgestellt.

gierung zu binden. Was Preußen recht ist, bleibt natürlich den anderen Ländern billig. Das ganze Werk der Länderkonferenz ist daher nicht eine Arbeit der einzelnen Glieder des Staates, sondern ledig- lichdieArbeitvonPrivatpersonen,die bestenfalls neues Material gesammelt haben, so daß die Gefahr besteht, daß wieder einmal sehr viel Zeit nutzlos verloren ist, ohne der unbedingt notwendigen Reichsreform auch nur um einen Schritt näherzu­kommen.

Pikant übrigens, wie stark der Partikularismus der preußischen Sozialdemokraten sich herausarbeitet. Herr Braun hat die Parole ausgegeben, daß die beste Lösung der Reichsreform der Anschluß der kleineren norddeutschen Länder an Preußen sei. Er will also das Groß-Preußen auf dem Wege der Aufsaugung erreichen, weil das vielleicht die einzige Möglichkeit ist, um die sozialdemokratische Vorherrschaft, die jetzt ja im wesentlichen auf ihrer Stellung in der preußischen Regierung beruht, zu verewigen. Wer Sinn für politische Analogien hat, wird daraus die Erfahrung ableiten, daß also die Sozialdemokraten auf das gleiche Rezept gekommen sind, das die preußischen Konservativen vor dem Kriege erfolgreich brauchten. Nur daß sich inzwischen doch in unserer Umwelt einiges verändert hat und daß vor allem der verlorene Krieg uns zu einer Rationalisierung auch in dem großen Ver­waltungsapparat zwingt. Gewiß ist es richtig, daß Preußen die Entwicklung noch am längsten ab­warten kann, aber schließlich hat Preußen doch auch heute noch eine deutsche Aufgabe zu er­füllen, und die kann nicht gut darin bestehen, daß es versucht, die anderen Länder auszuhungern.

Sachsen hat wieder einen Ministerpräsidenten.

Dresden, 6. Mai. (WTB.) An der in der heutigen Landtagssitzung kurz nach 15 Uhr vor­genommenen Ministerpräsidentenwahl nahmen insgesamt 95 Abgeordnete teil; ein sozialdemo­kratischer Abgeordneter fehlte. Es wurden ab­gegeben für den Präsidenten Schieck 46 Stim­men der vereinigten bürgerlichen Parteien, für den Reichstagsabgeordneten F leih ne r 32 so­zialdemokratische, und für den Abgeordneten Renner 12 kommunistische Stimmen. Die Ra­tionalsozialisten gaben weihe Zettel ab. Da bei 90 abgegebenen Stimmen die weißen Zettel zählen nicht mit Schieck mit 46 (Stimmen die absolute Mehrheit erhalten hat, ist er zum Mi­nisterpräsidenten gewählt. Mit der Wahl Schiecks, des bisherigen Präsidenten des säch­sischen Staatsrechnungshofs, wird endlich die wvchenlange Degierungskrisis beendet, die auf den Rücktritt des Kabinetts Bünger folgte. Schieck wird vermutlich versuchen, ein Beamtenkabinett zu bilden, das von allen bürgerlichen Parteien, von den Deutschnationalen bis zu den Demokra­ten, unterstützt werden dürfte, aber ebenso wie vorher das Kabinett Bänger von der Duldung der Rationalsozialisten abhängen wird.

Unruhen in Gi Pölten.

Zusammenstöße zwischen Heimwehr und Schutzbund.

Wien, 6. Mai. (WTB.) Rach den Ereignissen am Sonntag herrscht in Sankt Pölten noch immer starke Erregung. Gestern und heute kam es wiederholt zu Ausschreitungen und Reibereien zwischen Heimwehran­hängern und Sozialdemokraten. Ein Vorfall gab Veranlassung, die Abteilungen der Sicherheitspolizei, die bisher vom Bürgermeister geleitet wurden, dem Bezirkshauptmann von Sankt Pölten zu übertragen, der militärische Unterstützung anforderte. In den Abend­stunden kam es zu neuerlichen Ansammlungen. Die einschreitende Gendarmerie und die leiten­den Beamten wurden beschimpft. Bei der Räu­mung der Straße erlitt ein Demonstrant durch einen Säbelhieb leichte Verletzungen. Die Abtei- lung, die die Räumung vornehmen sollte, wurde mit einem Steinhagel empfangen, wobei der Führer und zwei Beamte leichte Ver­letzungen erlitten. Es gelang schließlich, die De­monstranten zu zerstreuen, wobei zehn Ver­haftungen vorgenommen wurden.

Aus aller Welt.

Schwere Erdbebenkatastrophe in Hinterindien.

Ein Erdbeben, das am Montagabend große Teile von Birma heimsuchle, hat nach den von verschie­denen Seiten vorliegenden Rachrichten die 11 600- Einwohner-Stadt pegu vollständig zerstört. Insgesamt sollen 1000 Menschen getötet wor­den sein. In Rangoon sind 59 Personen ge­tötet und 204 verletzt worden. Anter den Toten be­findet sich, soweit bisher festgestellt werden konnte, kein Europäer. Da die Verbindungen mit Rangoon unterbrochen sind, liegen keine genauen Einzelhei­ten über das Anglück vor, doch ergibt sich aus den verschiedenen indirekten Meldungen etwa folgendes Bild: Auf die Erdstöße folgte eine Springflut und der Ausbruch von Feuer, pegu ist völlig ver­nichtet, Rangoon hat zum Teil sehr schwer gelitten. Etwa 50 Gebäude wurden zerstört, die weltberühmte Schwedagon pagode wurde beschädigt. Dem Hauptbeben ging eine Anzahl kleinerer Lrderschüt- terungen voraus. Die große Eisenbahnbrücke fünf Kilometer nördlich von pegu auf der Haupt­linie nach Mandalay wurde zerstört. Die indi­schen Extremisten, die in dem Erdbeben eine Strafe für die Verhaftung Gandhis sehen, haben in Ran­goon große religiöse Demonstrationen abgehalten. In pegu wurde bei dem Erdbeben eine Reismühle völlig zerstört. Ein kinotheater brach zu­sammen, während die Vorstellung im Gang war. Die Bergung der Leichen ist noch im Gange. Die Zahl der Toten wird auf 5000 bis 7000 Personen geschäht.

Schwerer Wirbelsturm In Texas.

Der Süden des Staates Texas ist von einem schweren Wirbelsturm heimgesucht worden. Wieviel Orte von der Katastrophe betroffen worden sind, war bisher infolge der Zerstörung der Verbindun­gen nicht festzustellen. Viele einzelstehende Farmen sind verwüstet worden. Der Tornado hat auch zahl­

reiche Todesopfer gefordert. Nach den Mi Mitternacht aus mehreren Ortschaften eingetroffe» neu Meldungen waren bereits mindestens 30 Per­sonen ums Leben gekommen. In der Morgenfrühe wurde mit weiteren 45 Todesmeldungen gerechnet, so daß die Zahl der Opfer sich auf über 70 erhöhen dürfte. Der Wirbelsturm raste in einer Bahn von einem Viertelkilometer Breite über eine Strecke von wenigstens 100 Meilen dahin und entschwand schließ­lich im Golf von Mexiko. Auch in anderen Teilen von Texas ist durch schwere Stürme großer Scha­den angerichtet worden.

Der Reichskanzler an Oskar von Miller.

Der Reichskanzelr hat an Dr. Oskar v. Miller das folgende Telegramm gesandt:Zur Vollen­dung des 75. Lebensjahres sende ich Ihnen, zu­gleich im Ramen der Reichsregierung, herzliche Glückwünsche. Mit tiefer Befriedigung können Sie auf ein Leben zurückschauen, d^s in verant­wortlicher Tätigkeit der F ö r d e r u*n g deut­scher Geisteswerke der Raturwissen­schaft und Technik galt. Gelegentlich des Richtfestes des Studiengebäudes des Deutschen Museums, Ihrer neuesten Schöp­fung, das an Ihrem Ehrentage stattfindet, wird Ihnen erneut bekundet werden, welche große Verehrung und Bewunderung die gesamte Kul­turwelt Ihnen entgegenbringt. Mögen Euer Ex­zellenz noch viele Iahre weiteren erfolgreichen Wirkens beschieden sein."

Regierungsjubiläum des Königs von England.

König Georg beging am Dienstag sein 20jäh- riges Regierungsjubiläum. Aus diesem Anlaß waren alle öffentlichen Gebäude beflaggt. Eine im Hyde-Park aufgestellte Batterie feuerte um 12 Llhr mittags den Königssalut von 21 Schüssen. Dieselbe Ehrenbezeugung erwiesen zur gleichen Stunde sämtliche Standorte des Heeres und der Marine.

Raubüberfall auf ein Diplomatenauto in Rumänien.

Ein Kraftwagen, in dem sich der zur Zeit in Rumänien weilende amerikanische Finanzberatev in Polen, Charles Dewey, die Frau des polni­schen Gesandten in Bukarest, Szembeck, und der rumänische Gesandte in Washington, Dawilla, befanden, wurde während der Rächt in der Rähe von Bukarest von sechs Räubern über­fallen. Die Reisenden wurden mit P i st o - len bedroht und ausgeplündert. Frau Szembeck muhte ihre Schmucksachen ausliefern. Der Kraftwagen kehrte vom Schloß Mogoshoioa, wo der Fürst Dibesco zu Ehren Deweys ein Essen veranstaltet hatte, nach Bukarest zurück. Die Räuber liehen die Ausgeplünderten ihr«. Fahrt fortsetzen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

2m Bereich der Tiefdruckrinne kam es im Laufe des gestrigen Tages durch das Zusammentreffen verschieden temperierter Luftmassen zu Gewitter­störungen, die recht ergiebige Niederschläge mit sich führten. Das sich gestern weithin erstreckende Stö­rungsgebiet hat sich mehr zusammengezogen, jedoch in seinem Kern, der heute morgen über Süddeutsch­land liegt, etwas vertieft. An der Rückseite kommt es nun zur Zufuhr kühler Ozeanluft, die das Wetter zunächst unfreundlich gestaltet. Bei wechselnder Be­wölkung werden noch vereinzelte Regenschauer auf# treten. Mit der Zeit wird aber durch die Kaltluft das im Nordwesten liegende Hochdruckgebiet nach dem Festlande angesaugt, so daß späterhin wieder eine Besserung zu erwarten ist.

Wettervorhersage für Donnerstag: Kühles, wechselnd wolkiges Wetter, später wieder aufheiternd, noch vereinzelte Regenschauer.

Wettervorhersage für Freitag: Teils wolkig, teils aufheiternd, tagsüber etwas wärmer, meist trocken.

Lufttemperaturen am 6. Mai: mittags 17,9 Grad Celsius, abends 10,9 Grad; am 7. Mai: morgens 9,5 Grad. Maximum 15,6 Grad, Minimum 8,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Mai: abends 14 Grad Celsius; am 7. Mai: mor­gens 12 Grad. Niederschläge 10 mm. Sonnen- scheindauer eine halbe Stunde.

Reifewetterdienst.

Gar misch- Partenkirchen. 9 Grad, kühle Nacht, Nordwestwind, heute morgen halb bis ganz bedeckt, Witterungsverlauf feit gestern teils heiter, teils wolkig.

Baden-Baden. 9 Grad, vorherrschend kühl, Nordostwind, halb bis ganz bedeckt, regnerisch.

i. Br. : 7 Grad, vorherrschend kühl, Rordostwrnd, leichter Regen, Dauerregen. ^Westerland auf Sylt: 6 Grad, kühle Rächt, Ostwind, leichter Regen, Dauerregen.

,am Rhein: 9 Grad, vorherrschend kühl, Rordwestwind, halb bis ganz bedeckt, reg­nerisch.

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