Ausgabe 
6.11.1930
 
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ttr 260 (Elftes Blatt

180. Zahrgang

Donnerstag, 6. November 1950

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GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Dr Friede Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Gange; für Feuilleton Dr h Thynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ma; Filter, fömtlich in Bietzen.

Das Klugschiff DoX landet nach fünfstündigerFahri glatt in Amsterdam

©er Start in Altenrhein.

Altenrhein, 5. Dov. (WTB.) Don Mi­nute au Minute wächst die Spannung. Wird Do X starten oder nicht? Doch ist keine Entschei­dung gefallen. Die Maschine ist bereits aufs Wasfer gebracht. Die letzten Wetter- n a ch r i ch t e n werden eingeholt. SS ist ziemlich kühl. Bei den Werken am schweizerischen Ufer liegt in der Dacht gefallener Deuschnee. Der Himmel ist leicht bedeckt. Es liegt leichter Debel über dem See. Die Sicht ist mittelmäßig; hier und da brechen Sonnenstrahlen durch. Um 10,20 Uhr besteigt auch der Kommandant Kapitän Ehrt- sti ans en das Flugschisf. Jetzt rechnet man bestimmt mit dem Start. Dem einsteigenden Kom­mandanten wird in einem kleinen Käfig ein Ka­narienvogel nachgereicht. Möge er als Glücks­vogel den Do X aus seinem Flug begleiten. Um 10,30 Uhr werden die Motoren ange- lassen. Bei der kühlen Witterung benötigen sie eine gewisse Zeit, um für einen schnellen Start warmzulaufen. An Bord befinden sich außer dem Kommandanten Kapitän Friedrich Christian­sen als Piloten Flugkapitän Merz sowie Flug­kapitän Schildhauer, der Davigationsoffizier Die mann, der Funkossizier Kiel, der Bord­ingenieur Eitel, der Curtih-Ingenieur Br e w- t o n, der Curtih-Ingenieur G o dy, der vorläufig nur bis Amsterdam mitsährt, sechs Dordmonteure sowie Dr. T i l g e n k a m p als Prefsechcs. Das Flugzeug hat für zirka 91/, Stunden Betriebs­stoff an Bord, also 10 Tonnen.

Es ist 11 Uhr vormittags. Doch immer hört man das Dröhnen der Motoren, die in kurzen Abständen der Reihe nach an- und ausgeschaltet werden. Für den 850 Kilometer langen Flug will man in jeder Hinsicht gut gerüstet sein. Jeden Augenblick glaubt man, das Flugschiff über der Wasserfläche fortgleilen zu sehen, doch immer noch liegt es still und ruhig da. Kurz vor 11.30 Uhr verstärkt sich das Dröhnen. Die Motoren laufen mit voller Kraft, um auf die für den Start erforderliche hohe Tou­renzahl zu kommen. Um 11.30 Uhr gleitet das Flugschiff langsam an, die Geschwindigkeit nimmt rasend z u. Innerhalb fünf Sekun­den ist, überraschend für alle, die am Ufer Zurück­bleiben müssen, der Start erledigt. Kurs auf Friedrichshafen. Schnell hat das Flug­schiff die Höhe von einigen hundert Meter er­reicht. Heber der Stadt Friedrichshafen und den Dornier-Werken in Manzell fliegt es eine Ehren­runde. Dann geht es unaufhaltsam weiter nach Konstanz zu. Leiser wird das Geräusch der Mo­toren, langsam verschwindet das Flugschisf aus dem Blickfeld der Zurückbleibenden

Altenrhein-Amsterdam.

ft o n fl a n 3, 5. Dov. (IBIB.) Das Flugschisf Do X hat um 11.58 Uhr die Stadl ft o n st a n z bei strahlendem Sonnenschein in geringer höhe über­flogen. Ls verfolgt genau den Lauf de» Oberrheins. Do X hat die Stadt Walds Hut am Oberrhein um 12.28 Uhr in schnellem Fluge bei gutem Wetter passiert, ftursrichtung Lasel. 1** ° 6 erste Lord- telegramm vom Flugschiff lautet wie folgt: 11.50 Uhr Bodensee verlassen, Richtung Basel. Heber Basel erschien Do X um 12.45 Uhr, begleitet yon einigen schweizerischen Flugzeugen. Strahlen­der Sonnenschein liegt über dem Oberrheintal. 20 Minuten später überflog es die Stadt Breisach am Rhein und das ftaiserstuhlgebiel. Vas Schiff fliegt mit höchster Geschwindigkeit rheinabwärts, wenige Minuten später besand sich Do X schon vor ftchl. Um 13.53 Uhr überflog das Flugschiff Do X bei nebeligem Wetter Maxau rheinabwärts. Um 14.13 Uhr erreichte es Mannheim. Um 14.35 Uhr Main; in Richtung Bingen. Ls wurde von einem kleinen Flugzeug begleitet Das Flug­schiff DoX passierte um 15 Uhr ft oblenz, um 15.28 Uhr Bonn, um 15-35 Uhr fiöln. Um 15.45 Uhr passierte Do X von Benrath kommend, Düsseldorf, von mehreren Flugzeugen begleitet Genau um 16 Uhr passierte das Flugschiff Duis­burg bei sehr diesigem Wetter und flog in Rich­tung Hamborn in sehr mäßiger höhe den Rhein entlang. Do X hat um 16.15 Uhr die hollän­dische Grenze passiert und ist um 16.30 Uhr glatt dicht In der Nähe des großen Flugschuppen» des Amsterdamer Marineflughafens Schellingwoude gelandet.

In Amsterdam.

Amsterdam. 5. Dov. (WTB.) Das deutsche FlugschiffDoX^ wurde ngch seinem Dieder- gehnr im Marineflughafen Schellingwoude sofort von einer Flottille von Motorbooten umringt. Eine Motorbarkaise der holländischen Marine ergriff die ihm v»nDo X" zugeworsene Leine und nahm das deutsch« Flugschiff ins Schlepptau. Während des Abschleppens wurde der Te atzung desDo X von den Insassen der Mo­torboote eine lebhafte Huldigung darge­bracht. Da eine Bergung desDoX in und un­mittelbar vor dem Flugzeughafen der holländi­schen Marine wegen seines großen Hmsanges nicht in Frage kommen konnte, mußte das Flug­schiff mitten im Wasser in einer Entfernung von etwa 50 Meter vor dem Fluazeughafen verankert werden. Don allen Seiten näherten sich neue Motorboote, von denen aus Pressephvto-

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Links: ßängsgang durch dasfliegende S>oteV. Rechts:Do X" im fähige über den Bodensee.

graphen Blitzlichiaufnahmen machten. Die In­sassen mehrerer Motorboote versuchten, aufDo X überzusteigen, waS jedoch nur wenigen gelang. Da gleichzeitig auch Motorboote der Amsterdamer Hasenpolizei'und der Zollbehörde beiDo X an« legten, entstand zeitweise ein gefährliches Gedränge. Mehrere drohende Zusainmensk he zwischen den Motorbooten und dem Flugschiff konnten nur mit Mühe vermieden werden. Der- tretcr der Amsterdamer Hafenbehörde begaben sich zur Begrüßung der Besatzung an Bord.

Do X dürfte mehrere Tage in Amster­dam bleiben. Er wird zunächst einige Probe- und Dorführungsflüge über dem Zuider- see und der Dordsee vornehmen. Für morgen vor­mittag ist eine offizielle Besichtigung des Flugschiffes vorgesehen, zu der Einladungen an mehr als 600 Persönlichkeiten aus holländischen amtlichen und Wirischaftskrcisen sowie aus der Amsterdamer deutschen Kolonie ergangen sind. Auch die Mitglieder des holländischen Kabi­netts wurden zu dieser Besichtigung geladen. Bezeichnend für das große Interesse, das das Amsterdamer Publikum für die Ankunft des deut­schen Flugschiffes Zeigte, ist es, daß heute nachmit­tag und noch in den ersten Abendstunden alle Zugangs st raßen vom Marineflughaken Schellingwoude nach Amsterdam mit Automobilen, Fahrrädern und Fußgängern v e r st o p s t waren. Die Polizei muhte umfassende Dorkehrungen für die Regelung des Verkehrs treffen.

Aeußerst zufrieden."

Das Flugschiff hat allen Erwartungen entsprochen.

A m st e r d a m, 6. Dov. (TH.) Der Pressechef der Dornierwerke, Dr.Tilgenkamp, der den Flug desDo X von Altenrhein nach Amster­dam mitgemochk hat, teilt über den Verlauf des Fluges u. a. folgendes mit

Hm 11,50 Hhr verließen wir den Dosensee bei Konstanz, um den Rhein entlang bis Basel zu fliegen. Dieser Teil der Fahrt war wegen der hier befindlichen zahlreichen Elektrizitäts­werke der schwierig st e und gefähr­lichste während der ganzen Rbeinfahrt. Einige schweizerische Flugzeuge begleiteten uns bis zur Schweizer Grenze. Hier haben wir auch die so­genannte Rheinbucht abgeschnitten. Bei Mainz kam uns eine Maschine der Lufthansa entgegen, die uns bis Köln begleitete und unterwegs einen Tonfilm vom Fluge machte. Köln erreichten wir um 4 Hhr deutscher Zeit. Heber Holland trafen wir auf schlechtesWetter und die Sicht war so schlecht, daß wir fast bis auf 100 Meter hinunterfliegen muhten. Während des Fluges haben sich t e ch nif ch e Mängel nicht herausgestellt, die Motoren liefen glänzend, und wir sind äuherst zufrieden. Die Strecke FriedrichshafenAmsterdam wurde in nur 5 Stunden 10 Minuten zurückgelegt. Die Durch- schnittsgeschwindigkeit betrug 164,80 Kilometer." Der Kommandant desDo X, Kapi­tän Ch ristiansen, äußerte, das Flugschifs habe sich vorzüglich benommen. Es habe allen Erwartungen entsprochen und in keiner Hinsicht enttäuscht. Auch verschiedene Mit­glieder der Besatzung äußerten sich sehr lobend über die Eigenschaften desDo X.

D 2000* in Madrid gelandet.

Das GroßflugzeugD 2000", das um 11 Hhr in Barcelona mit 23 Personen aufgestiegen war, ist um 16 Hhr in Madrid glatt gelandet. Wäh­rend des Fluges hatte es auch diesmal m i t starken Gegenwinden zu kämpfen. Der spanische Infant, Don Alfonso, die Vertreter der spanischen Zivil- und Militärluftschiffahrt so­wie die Spitzen der deutschen Kolonie hatten sich zum Empfang des Großflugzeuges eingefunden.

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Führer und Mannschaft desDo X' vor dem Rtesenflugdoot, das in seinem Heimathafen Altenrhein am Bodensee startbereit liegt, um bei günstigem Weller den Flua vom Bodensee über den Rhein, Southampton Le Havre nach Lissabon und von dort über die Azoren nach Reuyork anzutreten.

©er Sanierungsplan vor dem Reichsrat.

Schnelles Fortschreiten der Beratungen.

B e r l i n, 5. Dov. (HL) Amtlich. Die Beratungen des Reich » rats wurden heule unter dem vorfih des Reichskanzlers Dr. Brüning fortgesetzt Auf Vorschlag der Reichsregierung wurde einstimmig ein Arbeitsplan für die Lriedigung des wirt- fchaftv- und Finanzplans durch den Reichsrat be­schlossen. Mit der sofortigen Linzelbera- t u n g der verschiedenen Vorlagen ist bereits heute begonnen worden. Am Mittwoch wurde in erster Lesung der Entwurf eines Gehaltskürzung s- gesehes verabschiedet. Die Gehaltskürzung soll, wie vorgesehen, am 1. April 19 3 1 eintreten. Eine Vorverlegung des Termins haben die Reichsratsausschüsse bishernicht beschlossen. Ferner wurde der Gesetzentwurf zur Einschrän­kung des Personalaufwands in der öffent­lichen Verwaltung beraten. Die Arbeiten an diesem Entwurf werden am Donnerstag früh fortgesetzt. Für Freitag ist die Beratung des Realsteuer- gesehes (Entwurf über die Ausgabenbegrenzung in den haushalten des Reiches, der Länder und Gemeinden), für Samstag die Beratung der Novelle zur Tabaksteuer in Aussicht genommen. Der Reichshaushaltspiau 1931 wird i m £ a u f e der nächsten Woche beraten werden. Die Ver­abschiedung des gesamten Wirtschafts- und Fmanzplans ist für eine Vollsitzung des Reichsrats am 2 0. November vorgesehen.

Knappe Alehrhetl für Raciwnald

Ter Spaltpilz in der liberalen Partei.

London, 5.Dov. (WTB.) Der konservative Abänderungsantrag zur Antworladresse auf die Thronrede wurde vom Hnterhaus mit 281 gegen 250 Stimmen abgelehnt. Bei der Abstimmung hat sich wieder einmal die unter der kleinen Schar der liberalen Hnterhausmitglie- der herrschende H n e i n i g k e i t gezeigt. Entgegen dem Beschluß dec Mehrheit dec Partei, sich der Stimmabgabe zu enthalten, erklärten sich vier Liberale für und fünf gegen die Regierung. Zu den Regierungsgegnern ge­hörte außer Sir John Simon auch der liberale Haupteinpeitscher Robert Hutchison, der, wie die Blätter berichten, voraus ichtlich feinen 2t ücf- tritt einreichen wird.

Sir John Simon hat am 25. Oktober einen Bries an Lloyd George gerichtet, der erst heute verösfenllicht wird und besagt, daß die Politik der Arbeiterregierung einen völli­gen Mißerfolg darstelle. Simon kündigt in diesem Dries an, daß er gegen die Re­gt er u n g stimmen werde. Trotz des Be­schlusses der liberalen Fraktion, Stimmenthal­tung zu üben, hat denn auch Sir John Simon gestern mit vier weiteren Liberalen gegen die Regierung gestimmt. Hutchison erklärte heute, daß sich schon seit einiger Zeit Meinungsver­schiedenheiten zwischen ihm und Lloyd George angehäuft hätten. Er habe kein Dertrauen in die Fähigkeit der Regierung, der durch die Arbeitslosigkeit geschaffenen furchtbaren Lage Herr zu werden. Die Presse spricht von einer e r n st e n Spaltung" in der Liberalen Partei und Evening Standard bezeichnet den Brief Simons als eineKriegserklärung". In polillschen Kreisen neigt man zu der Annahme, daß Deuwahlen früher kommen werden, als allgemein erwartet werde.