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fabrik in Angriff zu nehmen, in der bann 2500 bis 3000 Arbeiter beschäftigt werden sollen, für Vie Data auchdienotwendigenWoh- nungen zu beschaffen hat... Vielleicht das Interessanteste an dieser Nachricht ist, daß sie ein seltenes Schauspiel! von den deutschen Zeitungen sämtlicher politischer Richtungen unter der gleichen Parole gedruckt wurde: Kampf gegen diesen Vertrag! Kampf g e y-e n Bata! 3m preußischen Landwirtschafts- Ministerium, das diese Suppe gekocht hat, stellt man sich ganz auf den Standpunkt des Ver­käufers. Warum, sagt man uns dort, sollen wir einer Firma nicht ein Stück Wald verkaufen, wenn wir einen guten Preis erzielen können? Der Staat braucht Geld! And im übrigen ist es Sache des Handelsministeriums, die wirt­schaftlichen Gesichtspunkte zu erwägen. Ressort bleibt Ressort.

Das Handelsministerium hat gerade alle Hände voll zu tun, die Suppe auf ihre Genießbarkeit hin zu prüfen. Der Minister hat die Akten ein­gefordert, er sitzt vor Bergen von Protest­kundgebungen aus allen möglichen Kreisen und Interessengruppen, die Batas Plan vereitelt sehen wollen. »Die einzige Stimme f ü r den Ver­trag mit Bata hat die preußische Industrie- und Handelskammer abgegeben. Im übri­gen ist die Gefahr vielleicht gar nicht so groß: über die Betriebsräte, die das deutsche Sozial- gesetz verlangt, wird Bata nicht hinwegkommen.. And wenn unsere sozialpolitische Gesetzgebung Lücken hat hier ist die Gelegenheit, sie zu erkennen!"

Das Reichsarbeitsministerium ist ebenfalls guter Dinge:Data hat vor, 10 Prozent gelernt« Arbeiter aus Zlin mitzubringen? Das werden wir uns schön verbitten: eS gibt in Deutsch­land Schuharbeiter genug. Data will die Gewerkschaften in seinem Betrieb nicht an­erkennen? Das , kann er in der Tschechoslowakei machen, wo diese Arbeitnehmerverbände erst ver­hältnismäßig kurze Zeit existieren, nicht aber in Deutschland, wo sie die Tradition und Macht vieler Jahrzehnte besitzen. Also keine unnötige Nervosität!"

Aber im größten Verband der deut­schen Schuhindustrie ist man nicht so rosi­ger Laune.Data stellt 3000 Arbeiter ein. Schön aber werden dafür nicht 3000 andere Schuharbeiter in Stuttgart, Pirmasens und Erfurt, den deutschen Schuhzentren, brotlos werden? Nimmt er aber die 3000 Arbeiter aus diesen Städten, wo er gelernte Schuhfachleute vorfindet, so ist dem notleidenden Oberschlesien ja auch nicht geholfen. And was geschieht, wenn Data eines Tages die deutschen Arbeiter vor die Tür seht, weil er angeblich nur mit Tschechen arbeiten kann? Die Möglichkeit besteht leicht, und die Behörden werden schwerlich eine Schließung der Fabrik aus solchen Gründen ver­anlassen rönnen, kaum, daß sie eröffnet worden ist. Data wird organisierte Arbeiter nicht dulden, weil sie seinSystem" u n m ö g- lich machen würden: und die um Existenzmoglich- keit ringenden deutschen Arbeiter werden sich fügen und zu Datas Bedingungen arbeiten müs­sen, mit lächerlich geringen Löhnen, Risikover­lusten und Strafzahlungen wohl oder übel zu­frieden. Glaubt Bata, in Deutschland billiger fabrizieren zu können als die anderen deutschen Schuhfabriken? Glaubt er, den hohenSteuern und Soziallasten entgehen zu können? Nein er will nur den Einfuhrzoll vermei­den. Glaubt er, den Schuhkonsum in Deutschland beben zu können? Nein er will nur an Stelle der deutschen Fabrikanten seine Ware ver­kaufen. And warum geht Bata ausgerechnet nach Oberschlesien? Weil dort die Menschen unter den elendesten Lebensbedingungen leiden und für jede noch so kleine Verdienstmög- ? lichkeit dankbar sind: weil es, wirtschaftlich und Ljidttonal, das unglücklichste Land innerhalb ''unserer Grenzen ist. And weil es so nahe

an der Tschechoslowakei liegt; wird Data, tschechischer Nationalist und Patriot, nicht ver­suchen wollen, die von ihm abhängigen Menschen zugünsten seiner tschechischen Heimat zu oeein- flussen? Nach wie vor ist Oberschlesien gefähr­detes Grenzland, beliebäugelt von Polen und Tschechen...

Deutschland ist ein armes Land. And doch kommen die Amerikaner mit ihren Auto­

mobilen, die Schweden mit ihren Zündhölzern, die Tschechen mit ihren Schuhen und wollen mit aller Gewalt Geschäfte mit uns machen. Haben sie mehr Zutrauen zu unserer glücklicheren Zukunft als wir selbst? Sehen sie ein wirtschaft­lich gesundes, wohlhabendes Deutschland voraus, mit dem es sich lohnen wird, eng zusammenzu- arbeiten? Wahrhaftig hätte man heute nicht noch so viele Sorgenfalten auf der Stirn, man müßte lächeln, vergnügt und zuversichtlich.

Mussolini empfängt mich.

Ein Besuch im Palazzo Venezia. Oer Duce informiert sich über das neue Deutschland.

t Don H. v. Wedderkop.

Alles ist geladen von ihm, man fühlt ihn auf Schritt und Tritt--diese Allgegenwärtigkeit

geht manchen vielleicht auf die Nerven. Die Atmosphäre ist überall geladen, aber sie ballt sich zehn- und hundertfach im Palazzo Venezia, dem jetzigen Sih der Zentrumsgewalt, diesem herrlichen Palast-Würfel, düster und massiv, Verkörperung der Gewalt, nicht etwa in einem albernen allegorischen Sinne, sondern dieser Gewalt des Mittelalters, die der Dargsllo oder der Palazzo Vecchio in Florenz aus­strömen, --eine entschiedene Ausnahme unter

den mehr heiteren Darockpalästen Roms.

Ich muß gestehen, es war aufregend, mich diesem Zentrum zu nähern. Mit dem Schreiben seines ewig beweglichen, niemals fixierbaren Pressechefs, Feretti, als Laisser-Passer in der Hand betrete ich den Palazzo, werde über enorme Stiegen von einer Zivilperson in einen oberen Stock geführt, wo neben Dienern zahlreiche De­tektive herumsitzen, die mich sämtlich mit fa­schistischem Gruß begrüßen. Alles lautlos, bewegt und geladen. Gin alter Herr mit einer Planrolle in der Hand geht hin und her. Ich bemühe mich um betonte Einfachheit, die mir nicht liegt, aber schließlich bin ich nicht Chef einer großen Tageszeitung, nicht Ausdruck und Symbol für eine gut eingeführte Partei, sondern H. v. W. schlechthin, mir fällt nichts ein, was ich noch extra sein könnte.

Ein Glockenzeichen, ein Diener erscheint, murmelt etwas vonSua Gccelenza", ich folge durch zahlreiche Vorzimmer und plötzlich: der bekannte Riesenraum, den ich, was soll ich denn anders tun, schnellsten Schrittes durchschreite, um bald möglichst in mcdias res zu gehen. Aber trotzdem--es ist ein Riesen-

raum, den kein Teppich deckt, kein Meublement, geschweige denn irgendein Zierrat verkleinert, heimisch macht nur Stein, nur Marmor, nur der Duce. (Die Oesterreicher, deren Dotschaft am Vatikan hier einstmals saß, sollen in diesem Saal aus lauter Aebereifer auch noch Tennis ge­spielt haben.)

Sieht so ein Mensch aus, der ein Tyrann ist, dessen Namen man nicht aussprechen darf, ohne gleichzeitig die peinliche Empfindung zu haben, man hört dich, man beobachtet dich? Mittel­groß kein großer Mensch war groß. Diese äußerlichen Maße scheinen der inneren Größe im Weg, die Werke der kleineren haben jeden­falls länger vorgehalten. Ungeheuer beweglich trotz äußerer Anbeweglichkeit, betont einfach an­gezogen (Cutaway, gleichgültiger Schlips), der Kopf, ein einziger Wille und doch meilenweit entfernt was für mich das Aus­schlaggebende ist von dieser starren Dewußt- heit, von Selbstgenuß, der immer klein und unlebendig wirkt. Der Mensch mit diesem Aus­druck dagegen ist unaufhaltsam, sein Schicksal, dem er sich mit jeder Sekunde starker nähert, will nicht Selbstbetrachtung, geschweige denn ausruhen in der Vergangenheit.

Ich bemerke ein zweites Moment, das mich tief befriedigt: Aktenleere, ein glattrasierter Tisch, er greift ins Leere, wenn er die Hände vor- streckt, nicht diese furchtbare Geste, die, mit Akten vor sich, ein für alle Mal dieselbe ist tabula rasa. Alles geht in diesem Kopf vor sich, was ist es anders, diese Aktenleere, als das Symbol der Lebendigkeit!

Wir sprechen zunächst deutsch er spricht es geläufig, aber es liegt ihm entschieden nicht, ist seiner Natur direkt konträr, er dehnt die Vo­kale, spricht langsam, die Melodie des Italieni­schen fehlt ihm, Rhythmus und Melodie, die ein Teil und fein kleiner des Geheimnisses seiner meisterhaften Reden sind. Er fragt nach des Zustand der deutschen Philosophie, ich ant­worte ihm, daß wir auf diesem Gebiet eigentlich genug geleistet hätten, und dah im übrigen das Zeitalter kaum nach theoretischer Betäti­gung, nach verlorenem Sinnen angetan sei. daß das deutsche Volk nicht gerade unter einem Mangel an Theorie litte, sondern vielmehr unter einem Aeberfluß derIdee, unter einem Aeberfluß der Begriffe, die eben unser Erbübel wären und uns ich erinnere ihn zum Beispiel nur an diese ewige Idee des deuksch- römischen Kaisertums, in die faulsten Situa­tionen hineingebracht haben. Daß eine Ent­wicklung zur Welt des Realen selbst auf Kosten der Philosophie nur zu begrüßen wäre.

Gibt es noch jemanden auf der Welt, fern von Rom, der nicht begriffen hätte, wie allein und einzig dieses italienische Resultat zu erreichen ist: einem ganzen Volk seine Arinstinkte aus Leib und Seele zu reißen, ihm Sinn für Ordnung, Tüchtigkeit, ja Pedanterie in die Seele zu pflanzen? Nur dadurch, dah man einzig und allein an seine Methoden, an seine Berufung denkt, alles andere dem unterordnet besonders, wenn es in Rapidtempo gehen soll wie hier 1935 ist das Schicksals! ahr!

Mir scheint, daß all die Tugenden, die uns unbestritten einmal in Europa auszeichneten, jetzt in das Land, das das Genie Eurer Exzellenz neu geschaffen hat, als wesentliche Qualitäten übernommen worden sind. Es ist mir, offen gefegt, auch ein Greuel, von manchen meiner Landsleute zu hören, dah damit die Romantik des Landes zum Teufel geht. Von mir aus soll sie zum Teufel gehen. Die Größe des Neuen sehe ich vor allem in der Gegensätzlichkeit. Ihr Land ist antik, es hatte die größten Baumeister, die jemals auf der Erde gebaut haben, es ist überfruchtbar, hat schöne süffige Weine. Wenn Ihr Genie diesem Land zu auert diesen Gäben auch die Präzision, die Beharrlichkeit und über­haupt unsere deutschen Tugenden schenken, so ist das sozusagen daS Ei des Kolumbus."

Er wollte von dem neuen Deutschland erzählt haben. Ich sagte ihm, es sei banal, ihm von unserer äußeren Erholung zu sprechen. Wichtiger sei, daß anscheinend in unserem- Lande der

Helene Chlodwigs

Schuld und Sühne.

Vornan von J. Schneider-Foerstl.

Arheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau l Sa.

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die Zofe vernahm einen Hellen Schrei, der noch in ihrem Ohr nachzitterte. Dann nichts mehr. Sie blieb noch eine Weile am Apparat und hing kopfschüttelnd den Hörer ein. Die gnädige Frau mußte an irgend etwas fürchterlich erschrocken fein. Der Schrei hallte ihr noch immer in den Ohren nach.

So unerwartet, nicht wahr, geliebte Frau?" Das bronzene Gesicht des Mannes, das jetzt in der satten Färbung der Stehlampe au tiefem Zinnober wurde, beugte sich zu der Künstlerin herab, die jeder Bewegung unfähig, in ihrem Schreibtischstuhl zusammengckauert lag.

Die eine der weißen Hände hielt noch in starrer Reglosigkeit den Hörer umklammert, wäh­rend die andere völlig gelähmt an ihrem Körper herabhing.

..Kein Gruß? Kein Willkomm? Das ist nicht nett von dir, Helene, nachdem wir uns fünf 2ahre nicht mehr gesehen haben, hätte ich mir «in anderes Wieder kommen erwartet. Du erlaubst" das schmale, strassgezogene Gesicht neigte sich noch weiter herab, bis der sinnliche, feingezeichnete Mund auf den ihren traf, wo er für Sekundenlänge ruhen blieb. Dann gab er ihn mit einem begehrenden Blick der Augen frei. Dafür hoben sich seine Hände und drückten das bleichgcwordene Frauengesicht nach der Lehne des Stuhles zurück.Du hast dich nicht ver­ändert. Immer noch bist du das schöne, ver­führerische Mädchen, mit dem ich an den Altar trat. Wer ist übrigens dieser Dr. Franke, für den du morgen ab zehn Ahr zu spechen sein willst?"

Langsam kam die Farbe auf ihren Wangen zurück. Sie hatte jetzt sogar die Krast, seine Hand abzustreifen.Dein Kommen ist gegen unsere Vereinbarung."

Wirklich? Aber ich konnte nicht anders. Carissima. Ich bin auf der Durchreise und hatte solche Sehnsucht nach dir! - Nein, ohne jede Lüge, Helene, ich hatte wirklich Sehnsucht. And wer in aller Welt kann es mir verübeln, wenn ich wieder einmal eine Frau haben will' eine Frau, die noch dazu die meine ist. Nach Recht und Gesetz, Helene. Wenn auch damals kein Pastor den Segen über unS gesprochen hat. Es wäre sehr lieb von dir, wenn du mich an­sehen wolltest." Es klang nicht mehr werbend

und sanft, wie vorher, sondern herrisch, befehlend, mit einem dunklen Drohen, die Furcht erzeugte.

Du hast mir doch versprochen, Ambert."

Sogar an meinen Namen erinnerst du dich noch, wie nett von dir", unterbrach er sie.Ich weiß natürlich ganz gut, was ich versprochen habe. Aber du bist auch mit deinen Gelöbnissen etwas im Rückstand. Ich habe dich vorher schon gefragt, wer dieser Dr. Franke ist, für den du morgen da sein willst. Dein Averson dünkt mir weniger gefährlich."

Ihre Augen ruhten groß und entsetzt in seinen schwarzen, um dann an ihnen vorbeizuirren.

Darf ich vielleicht um Antwort bitten?"

Sie hörte die Drohung und öffnete die Lippen zu einem schmalen Spalt.Er ist mir lediglich ein Freund."

Sein Mund verzog sich etwas.Mehr solcher Freunde wären ungemütlich. Mit einem nehme ich es auf. Dars ich dich jetzt um irgendein« Kleinigkeit zu essen bitten? Ich habe Hunger bekommen von dem Steigen nach der Höhe. Aebrigens" er hielt sie mit einem feinen Lächeln in dem schönen Gesichte am Arm zurück ich finde es mehr als unverständlich, dah du das Gehöft hier erworben hast. Was ist das wieder für eine Kateridee gewesen? Launen hast du, geliebte Frau, daß man wirklich an deinem Verstände zweifeln möchte."

Sie hatte sich losgemacht und war aus dem Zimmer geschlüpft. Er machte ein paar Schritte nach dem Fenster hin und lieh sich dann in dem Stuhle nieder, den sie zuvor eingenommen hatte, stand auf und schlug den Deckel des Flügels zurück. Anter seinen Händen wurden die Tasten zu sprudelnden Quellen, die alle Lust und alle Wonnen der Erd« aus der Tiefe mit sich an das Licht des Tages rissen.

Immer freier, Immer jauchzender rauschten die Töne durch das offene Fenster nach dem Garten, der in nächtlich, schweigender Stille lag. Bald sentimental verträumt, bald lebensfreudig be­geistert, verstummten sie plötzlich in einem melan­cholischen Akkord.

Er sah nach rückwärts. Sein Blick war wie der einer Schlange. Schrittweise zog er die Künstlerin zu sich heran.

Mit hängenden Armen stand sie nun dicht vor ihm. Ein Zittern lief über ihren Körper. Sie fühlte das Eisige ihrer Hände, das Erstarren des Blutes in jeder Ader. Ihr Kopf beugte sich, sank immer tiefer. And ruhte nun Wange an Wange mit ihm.

Während sie den Blick gesenkt hielt, umsahte der seine ihre ganze Gestalt.Küh mich, du!"

Statt ihm zu willfahren, hob sich ihr Gesicht langsam hoch.Ich werde dir in Zukunft keine so großen Summen mehr zur Verfügung stellen können , fagte sie abwägend,ich habe Schulden."

Möglich? Schulden sind etwas Häßliches." Er wippte mit den Knien und hielt den Rücken weit zurückgebogen. Ich wollte dich gerade jetzt bitten, mir einige tausend Mark überweisen zu lassen. Vielleicht ist Direktor Averson so gut, wenn ich ihn darum ersuche?"

Das wirst du nicht tun! Sie maß ihn mit einem Blick voll Zorn und fraulicher Verachtung. Hast du denn gar feinen Stolz und kein Scham­gefühl, daß du es nicht als ehrlos empfindest, wenn du dich von einer Frau erhalten läßt?"

Erhalten läßt? Erlaube, mein liebes Kind, die große Pose steht dir nicht. Sie kleidet dich wohl auf der Bühne sehr gut, aber hier ist sie fehl am Platze. Wer hat dich aus dem elenden Nest da unten geholt? Ich! Wer hat deine Stimm« entdectt? Wieder ich! And der die Welt auf dich aufmerksam machte, das war wieder kein anderer, als meine Person!"

Wenn ich nicht solches Kapital in der Kehle gehabt hätte, du wärst der Letzt« gewesen, der sich um mich gekümmert haben würde."

Nun irrst du wieder, Helene." Er griff nach ihrer Hand und legte sie an seine Wange.Ich hätte auch ohne dieses Kapital deiner Stimme mein Leben an das deine gefettet. Denn ich war damals verrückt vor Lieb^."

Damals! Heute bin ich dir gleichgültig."

Nicht ganz! Va bene, liebes Kind! Wollen wir jetzt hinübergehen? Ich habe wirklich Hunger."

Er reicht« ihr den Arm mit jener großen Geste, welche die Männer des Südens bei jeder Ge­legenheit zur Hand haben und die leider so selten ihre Wirkung verfehlt.

Er schob ihr den Stuhl zurecht und nahm den großen Strauß buntfarbener Nelken, der ihm den Blick in ihr Gesicht verdeckte, vom Tische, um ihn nach einer Fensternische zu tragen. Eine der­selben, eine mattweiße Dluine mit rosa gefransten Rändern, steckte er in das Knopfloch des dunklen Anzuges. «So ist es festlicher, nicht wahr, mein Liebes. Man verzigeunert ohne Frau, man verlumpt und weiß kaum mehr, wie man sich zu be­nehmen hat, wenn man mit einem schönen Weibe Seite an Seite sitzt."

Ihr Mund zitterte in Erregung. Sie würgte an den Bissen. Sie schauerte zusammen in dem Gedanken, was noch alles kommen würde. Die ganze Nacht lag vor ihr, das Morgen und das liebermorgen vielleicht blieb er sogar länger, sie wußte, wie unberechenbar er war.

Frankes Gesicht stand plötzlich so deutlich vor ihr, dah sie abwehrend die Hand hob. And immer wieder beging sie die gleich« Torheit, stürzte sich in den gleichen Fehler: Daß sie liebte und sich lieben ließ und wußte doch daß sie an eine Kette gebunden war, zeitlebens. And daß dieser Mann ihr gegenüber um keinen Preis zu bewegen war, ihr den Weg in die Freiheit zu

Kampf um dieZukunft ausgetragen werbe, um die Zukunft des Geistes. Geistig gesprochen, sei heute Deutschland ein brodelndes ChcroS. irgendwelche Richtungspunkte habe es nicht mehr, es hab« sozusagen die Taue der Vergangenheit losgeschmissen, ohne irgendwie das Endziel zu kennen. Wir lieferten sozusagen den Rohstoff für die neue Zeit, aber diese Aufgabe, mit der uns anscheinend das Schicksal betraut hab«, sei vielleicht ehrenvoll, aber gewiß nicht kurz­weilig.

Wir kamen auf die Sittenverderbnis in Ber­lin.Warum", fragte ich,gestatten Sie Ihren Korrespondenten, die albernsten Artikel über Berlin zu schreiben." Ich sagte ihm, dann solle er doch lieber feine Korrespondenten die Dinge betonen lassen, die mehr den Tatsachen entsprä­chen, und von deren Beseitigung auch wir Nutzen hätten: das endlose Kleben am Abend, unser berühmtes, dreimal bekreuztes Nachtle­ben, dieses Stumpfsinns des Nicht-nach-Hause- gehen-Könnens, dieses Versitzens jeglicher Frische in Nacht und Grauen.

Wann glauben Sie, wird sich Ihrer Ansicht nach das geistige Deutschland wieder stabili­sieren?"Bestimmt nicht vor .30, vielleicht erst in 50 Jahren und später: so viel müssen Sie uns Zeit lassen, bedenken Sie, Väß--wir die beiden größten Kriege der letzten Zeit geführt haben, und wir uns in der Zwischenzeit den größten Aufschwung, den jemals ein Volk nahm, erarbeitet haben. Das Volk ist überarbeitet und nervös, es sollte wie das Ihre früh zu Bett gehe n."

Die Zeit verging im Nu, er hatte eisern an­gefangen und war am Ende dieser Unterhaltung von der zauberhaftesten, leichtesten Liebens­würdigkeit. Ich sagezauberhaft", nicht wie anderefabelhaft" oderunerhört" sagen, denn dieser Mann ist tatsächlich ein Zauberer.

Ich erlaubte mir zum Schluß zu bemerken, nicht nur das Italien von heute, sondern auch das alte Italien - sei neu au entdecken. DaS eigentliche lateinische Genie fei Architektur und Fresko, und mit derselben Verve ging er auf die­sen Gedanken ein,- als ob Kunst genau so wich­tig wäre wie die Politik.

Industrie- und Handelskammer Friedberg.

Die Industrie- und Handelskauf m e r Friedberg hielt tim Donnerstag in Friedberg eine gut besuchte Vollversammlung ab. Unter dem Vorsitz von Kommerzienrat Langsdorf war eine umfangreiche Tages­ordnung zu erledigen.

Der Syndikus der Kammer, Dr. Göbel, gab einen umfassenden Bericht über die gegenwär­tige Wirtschaftslage. Die ungeheuere Zahl von über 2,5 Millionen Vollerwerbslosen in Zeiten saisonmäßiger Hochkonjunktur verlange gebieterisch die Schaffung von Arbeits- möglichkeiten, da sonst für den Winter eine bedeutende Vermehrung der Arbeitslosig­keit zu erwarten sei. Die konjunkturell« Lage in den einzelnen Branchen müsse als außerordentlich ungünstig bezeichnet werden. Anbefriedi- gendeEingängevon Aufträgen in der Eisenindustrie, Metallwarenindustrie und Textil­industrie machten den Uebergang zur Kurzarbeit und die Vornahme von Detriebseinschränkungen erforderlich. Die Umsätze im Handel, sowohl in den Städten als auch in den Landbezirken, sind stark zurückgegangen, und die saisongcwerblichen Betriebe in Bad-Nauheim ertttLn infolge des geringen Kurverkehrs außerordentliche Verluste.

Durch die Erklärung des Verfassungs- tages zum gesetzlichen Feiertag in Hessen sind dem Einzelhandel gegenüber den preußischen Geschäften keineswegs gerechtfertigte Benachteiligungen entstanden. Die hessischen In­dustrie- und Handelskammern werden in dieser

öffnen und das Tor des Glückes auf^utun, wie fie das so heiß ersehnte.

Er schien nichts von der Depression, die über fie hereingebrochen war, zu verspüren und sprach« munter darauf los: Von seinen Erfolgen, von sei­nen Reisen, dem Landhaus, das er sich in Ostia gebaut hatte.

Hast du dazu die Riefensummen benötigt, die du bisher von mir verlangtest?"

Er weidete sich jetzt an ihrem zorngeröteten Gesicht und dem sprühenden Geflimmer ihrer Augen.Dazu? Nein, mein Liebes! Für meine Bedürfnisse komm« ich selbst auf. Cs war das Lösegeld für meinen Vater. Er hat sich un­klugerweise an politischen Machenschaften beteiligt und mit der Summe, die ich von dir erhielt, habe ich ihn von seiner Partei losgekaust. Es hätte keinen guten Eindruck gemacht, wenn die Zei­tungen berichtet haben würden: Senior Alfonso Petratini, der Vater des berühmten Pianisten Ambert Petratini sei wegen politischer Umtriebe ins Gefängnis gewandert."

Was geht mich dein Vater an! Ihre Stimme schluchzte im Zorn.

Nichts! Da hast du recht. Mich dafür aber um so mehr. Va bene. Gestattest du, daß ich rauche? Wollen wir noch ein wenig draußen promenieren. Es spricht sich freier."

Ohne zu fragen, zog er sie an sich hoch. Als sie Arm in Arm vor die Tür« traten, mußten fie an Bödlinger vorbei, der noch immer seine Pfeife rauchte. Er schüttelte bedächtig den Kopf, ließ das Paar vorübergehen und sah ihm nach, wie es dem Wald« zuwanderte.

Wenn das nur zuguterletzt kein schiefes End« nahm. Drei Männer, das war selbst für eine Frau wie die Kammersängerin zuviel. Wenn der Doktor zwei Stunden später gekommen wäre, hätte er was zu sehen gekriegt. Ihn, den 011 am er t Bödlinger, ging es schließlich die Katze an, was seine Drotgeberin tat, aber schade war es um sie, wenn sie unter di« Räder kam. Der Doktor sah nicht aus, als ob er viel Spaß verstünde.

zu schnuppern.Wird halt das Holz Altane ein bisferl krachen, oder die Mol

von der

v.l. vM|lu liutyui, UVYl, MIV -Ml ö bei, Weibs noch ein wenig neu sind. Sehen's ein wenig zu mir, Martha. Zweisam ist es weniger grus-

Bitte, Mamert, kommen Sie doch zu mir ins Haus. Es knistert immer so."

Knistert?" Bödlinger suchte durch das Dunkel nach dem Gesichte, das sich zu ihm nieder- beugte und hielt den Atem an.Ich hör aber nix", sagte er und hob den Kops, um mit der Nase

Oder noch mehr!" kam es schnippisch.Ich hab' das Bad für die Gnädige gerichtet und fie kommt nicht, läuft mit ihren leichten Schuhen durch das nasse Gras und holt sich wieder einen Schnupfen. Wissen Sie, wohin die beiden gegan­gen find?" (Fortsetzung folgt)