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Die MrbeWimkataflrophe in Sanio Domingo.

Schwere Opfer an Menschenleben und Sachwerten. Drohende Hungersnot. Hilfsmaßnahmen sehr erschwert.

Höhe von 14 0 0 0 bis 16 0 00 Metern er» reicht werden müsse. Die 3% mm starke Gondel be­sitzt zwei Ausgänge und ist auf einen Druck von 7 Atmosphären geprüft, d. h. auf zwei Atmo- sphären Ueberdruck, während auf > der Fahrt höchstens mit einer halben Atmosphäre Ueberdruck gerechnet wird. Außerdem wird Pie- card drei Fallschirme mitführen und ein seitlich der Gondel angebrachter Schraubenmotor wird es ermöglichen, die Gondel nach beliebiger Dichtung zu drehen und je nach Bedarf die schwarzen oder die weihen Flächen der Sonnen­bestrahlung auszusehen. Der Gelehrte berechnet Hie Temperatur in der Gondel auf 20 bis 25 Grad. Er hat bis jetzt sechs Flüge als Passa­gier und sechs als Ballonführer ausgeführt, wo­bei er aber über eine Höhe von 4500 Meter nicht hinausgekommen ist. Günstige Witterung voraus­gesetzt. hofft Piccrcd, frühestens am kommenden Dienstag aufsteigen zu können. Piccard rechnet mit einer Temperatur von 25 Grad Kälte innerhalb der Gondel und einer Außentemperatur von über 60 Grad unter Null. Professor Piccard ist 46 Jahre alt, in Basel geboren. Er wirkte an der Technischen Hochschule in Zürich und ist seit acht Jahren als ordentlicher Professor für Physik an der Universität Brüssel tätig.

Nie Wahlvorschläge für -en Wahlkreis Hessen. WSN. Dar m.st a d t, 5. Sept. Für die Reichs­tagswahl am 14. September sind im Wahlkreis 33 (Hessen) 14 Wahlvorschläge eingegangen, und zwar:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (David). 2. Deutschnationale Volkspartei (Dr. Ruppel).

3. Deutsche Zentrumspartei (Dr. Bockius).

4. Kommunistische Partei Deutschlands (Remmele).

5. Deutsche Volkspartei (Dr. Dingeldey).

6. Deutsche Staatspartei (Dr. Ehrhard).

7. Reichspartei des Deutschen Mittelstandes, Wirt­schaftspartei (Dr. Hornesfer).

9. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Hitlerbewegung (Münchmeyer).

10. Hessisches Landvolk, Christlich-Nationale Dauern- und Landvolkpartei (Dorsch).

11. Volksrechtpartei, Reichspartei für Dolksrecht und Aufwertung und Christlich-Soziale Reichspartei (Dr. Sßolf).

12. Deutsche Bauernpartei (Hillebrand).

16. Konservative Volkspartei (Hoetzsch).

17. Christlich-Sozialer Volksdienst, evangelische Be­wegung (Hartwig).

22. Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenpartei (Becker).

In dieser Liste unseres Wahlkreises tritt als Nr. 16 auch die Konservative Volkspartei in Er­scheinung, die in den Reichslisten namentlich nicht vertreten ist, da sie für das Reich mit dem Landbund eine Listenoerbindung ein­gegangen ist.

Oie Wahlvorschläge für Hessen-Nassau.

WSN. Kassel, 5. Sept. Im Wahlkreis 19 (Hessen-Aassau und Waldeck) sind fol­

gende 16 Parteien vom Wahlausschuß für zu­gelassen erklärt worden:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Scheidemann).

2. Deutschnationale Dolkspartei (Steuer).

3. Deutsche Zentrumspartei (Dessauer).

4. Kommunistische Partei Deutschlands (Mün­zenberg).

5. Deutsche Bolkspartei (Kalle).

5a. Christlich-soziale Volksgemeinschaft (Dro- dersen).

6. Deutsche Staatspartei (Reinhold).

7. Reichspartei des Deutschen Mittelstandes, Wirtschaftspartei, (Rhode).

9. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Hitlerbewegung, (Sprenger).

10. Deutsches Landvolk, Christlich-Dauern- und Landvoltpartei, (Hepp>.

11. Volksrechtpartei (Nieyrn).

12. Deutsche Bauernpartei (Trieschmann).

16. Konservative Voltspartei (Hoetzsch).

17. Christlich-Sozialer Doltsdienst (Hartwig).

22. Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen- Partei (Delles).

23. Unabhängige sozialdemokratische Partei (Liebknecht).

Oer ReichsfinanzmmiAer . antwortet Hugenberg.

Stuttgart, 5. Sept. (WTB.) Reichsfinanz- Minister Dr. Dietrich ging in einer Wahlver­sammlung auf die in Stuttgart von Geheimrat Dr. Hugenberg erhobene Frage ein, ob es rich­tig sei, daß die Franzosen uns 2 Milliar­den Mark borgen wollten. Der Minister er­klärte, daß der Reichsregierung nichts davon bekannt sei. Es sei auch nicht versucht worden, die Franzosen anzuborgen. Bei den Fran­zosen bestehe dazu gar keine Neigung. Aber wenn die Franzosen uns gern 2% Milliarden Mk. zu 3 v. H. borgen möchten, dann werde er sie mor­gen annehmen trotz Hugenberg.

Aus aller Welt.

Die Katastrophe des österreichischen Verkehrsflugzeugs.

Den von Partenkirchen ausgesandten Bergungs­expeditionen ist es gelungen, auf dem Krotten­kopf ungefähr sechs Kilometer nordöstlich Gar­misch-Partenkirchen das vermißte öster­reichische Verkehrsflugzeug aufzufin­den. Das Flugzeug ist im-Aebel gegen die Felswand angeprallt und vollkom­men zerschmettert worden. Der Führer muh sofort tot gewesen sein. Nachdem die Ret­tungsexpeditionen noch die Leiche des Fliegers freigelegt hatten, kehrten sie wieder zurück. Der Leiter der Süddeutschen Lufthansa, Major Hailer, ist mit dem Leiter der Oesterreichischen Lufthansa, Direktor Dr. Hoffmann, und dem Leiter des Innsbrucker Flugplatzes, Hauptmann Lovy, von der Schwarzenberg-Alm aufgestiegen, um die Leiche des Fliegers zu bergen/

Die Tragödie der Andree-Expedition.

Das Logbuch der Andree-Expedition enthält Aufzeichnungen bis zum 5. September. Bis da­hin kann man also das Schicksal der drei Män­ner verfolgen. Der Text ist bis zu diesem Da-

Lin Ieleidignngspwzeß des ehemaligen Kaisers.

Washington, 5. Sept. (WTV.) Der Vertreter des Roten Kreuzes Hauptmann Antonio Silva berichtet aus Santo Domingo, bei der Wirbelsturm­katastrophe seien rund 1 000 Personen ge­tötet und 2500 verletzt, 4700 Wohnhäuser zer­stört und 200 beschädigt worden. 29 000 Personen feien obdachlos. Die verluslziffern beziehen sich nur auf die Stadt. Aus dem Landes- i n n e r n , wo ebenfalls große Verluste befürchtet werden, sind noch keine Einzelheiten bekannt. Die Zahl der Toten ist nicht einmal ungefähr schätzbar, da zahlreiche Tote noch unter den Trüm­mern begraben liegen. Bisher wurden 800

Die Zitadelle von Santa Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik.

Leichen geborgen. Der Versuch, die Toten zu beerdi­gen, muhte als hoffnungslos aufgegeben werden. Wan muhte wassenoerbrennungen vor­nehmen. Die hilfsmahnahmen der offiziellen und der privaten Kreise schreiten mit gröhtmöglicher Schnelligkeit fort. Das amerikanische warinefahr- zeughebe" ist mit Lebensmitteln nach Santo Domingo unterwegs, zwei weitere Dampfer sollen Aerzte, Krankenschwestern und Medikamente bringen. Der Sachschaden wird auf mindestens 20 Millionen geschäht. Die Hungersnot greift immer mehr um sich. Gröhte Rationierung der eintresfenden Lebensmittel ist notwendig. Die Löschung der Damp­fer wird mit grohen Schwierigkeiten verbunden sein, da die Hafenschiffahrt infolge der umher­schwimmenden Wrackstücke beinahe unmöglich ist und auherdem sämtliche Lagerhäuser z e r st ö r l wurden. Gröhere Trupps begannen be­reits mit den Aufräumungsarbeiten und der In­standsetzung der Straften, die Wochen und Monate dauern soll. Beinahe alle öffentlichen (Be­täube, unter ihnen der Palast des Präsidenten, das Abgeordnetenhaus und das Justizgebäude sind h e r st ö r t.

Die älteste Stadt der Reuen Welt

Santo Domingo, die Hauptstadt der Re­publik gleichen Namens auf der Insel Haiti, die jetzt durch einen Wirbelsturm fast vollkommen zerstört wurde, ist die älteste Stadt der Neuen Welt. Sie wurde am 4. August 1496 von Barto­lome Colon gegründet und hat so manche Kata­strophe überstanden, so daß wir auch diesmal für ihre glückliche Wiederauferstehung aus der Asche hoffen dürfen. Zerstörungen und Erdbeben wechselten miteinander ab, wie ja überhaupt die Geschichte der Insel erfüllt ist mit furchtbaren Naturkatastrophen und blu- tigen Revolutionen. Die Spanier hatten bei der Entdeckung der Insel ihren indianischen Namen Haiti in Santo Domingo umgewandelt, wie auch die Hauptstadt getauft wurde, aber

1844 heißt nur noch der größere östliche Teil Santo Domingo, der ebenso wie der an­dere den Namen Haiti behaltende Teil eine selbständige Republik wurde. Zum Unterschiede

Der Katholikentag in Münster.

In Münster begann in der ganz in weiß und gold gehaltenen Stadthalle die erste ge­schlossene Generalversammlung, in der Die Fragen des Missionswesens und Ausland­deutschtums behandelt wurden. Fürst Alois von Löwenstein, der Präsident des Zentralkomitees, erstattete Bericht über die Tätigkeit des Zentral­komitees im vergangenen Jahr. Unter ungeheurer Begeisterung der Bevölkerung wurde dann durch die Präsidenten des Katholikentages, den Bischof von Munster und die Vertreter der Stadt der päpstliche Nuntius Dr. Cesare Orsenigo vom Bahnhof zum Bischöflichen Palais geleitet. In den beiden Festhallen wurden der Nuntius und der Kardinal Dr. v. Faulhaber, München, stür­misch begrüßt.

Der Nuntius begrüßte Deutschlands Katholiken aufs herzlichste. Die christliche Erziehung, das Thema des Katholikentages, sei von der katho­lischen Kirche immer in den Vordergrund gestellt worden. Auch habe die katholische Kirche stets b" Institution der Familie gestützt, die Unauflöslichkeit der Ehe, den Segen einer zahlreichen Kinderschar und die Autorität als Stellvertreter Gottes gepredigt, da sie allein die Fundamente des Glaubens und die Forderung jeder weisen Erziehung seien. Anschließend sprach dann Domprobst Universitätsprofessor Dr M a u s b a ch (Münster) über das Thema- Augustinus^ Sendung an seine und unsere Zeit

Der Herr Reichspräsident hat auf das ihm zugegangene Degrüßungstelegramm folgen­de- geantwortet:

Den Teilnehmern am 69. Katholikentag in

von Haiti, wo die Bevölkerung zu mehr als 90 Prozent aus Negern besteht, heißt Santo Domingo auch die ,.M u l a t t e n r e p u b l i k", denn hier wohnen Menschen jeglicher Färbung mit Europäern zusammen. Es ist ein merkwür­diges Farben- und Rassengemisch. Die Weißen bilden etwa ein Drittel der Bevölkerung, daneben stehen die dunkleren Mulatten und die helle­ren Kreolen, die gelblichen M e st i z e n, und in den Städten viele Türken und Syrer.

Die Stadt Santo Domingo, die über 30 000 Einwohner hatte, war außerordentlich schön ge­legen: sie erhob sich mit ihren verfallenden Mauern und Türmen, die von ihrem ehemaligen Festungscharakter noch Kunde gaben, malerisch

Der Hauptaltar der Kathedrale von Santa Domingo, in der Christoph Kolumbus begraben lag.

auf einer Höhe an der Südküste der Insel, aus einer fruchtbaren Ebene, die an der Mündung des schiffbaren Ozama liegt. Kleinere Schiffe konnten bis nahe an die Stadt fahren, während die größeren apf der oft stürmischen Reede an­kern mußten. Das schönste und älteste Bauwerk ist die gotische Kathedrale, ein majestätischer Dom, der von den Spaniern von 1514 bis 1540 errichtet wurde und in dem sich ein Viertel­jahrtaufend das Grab des Kolumbus be­fand, bis dann 1795 nach der Besetzung der Insel durch die Franzosen die Gebeine des Ent­deckers fortgeführt wurden.

Die Stadt hat gerade, bevor sie jetzt so schwer heimgesucht wurde, eine moderne Wasserleitung und Kanalisation erhalten. Sie hatte in den letzten Jahren einen grohen Aufschwung ge­nommen im Zusammenhang mit der Einführung der Verwaltung durch die Vereinigten Staaten. Die Mulattenrepublik war in ihrer kurzen Ge­schichte beständig von Revolutionen und Bürger­kriegen erschüttert: außerdem bestand im Innern ein Räuberunwesen, das jede Reise gefährlich machte. Als der Staat nun 1904 völlig zusammen- ßrach und bei 1,8 Millionen Dollar Einnahme 32 Millionen Dollar Schulden hatte, da führte Präsident Roosevelt eine Geschäftsaufsicht durch, die die Verwaltung der Steuern mit ein- sshloh. Die strenge amerikanische Verwaltung ge­fiel den Bewohnern gar nicht, und als sie durch eine neue Revolution sich selbständig zu machen suchten, erfolgte 1916 die militärische Be­setzung. 1924 wurde die verfassungsmäßige Re­gierung wieder hergestellt, aber die Vereinigten Staaten behielten die Oberaufsicht und werden jetzt auch großartige Hilfsmaßnahmen durchfüh­ren. Das Land dürfte sich von der Zerstörung durch den Wirbelsturm bald wieder erholen, denn man hat mit Recht gesagt, daß kein Land der Erde die Insel Haiti an Fruchtbarkeit übertrifft. Ausgeführt werden besonders Zucker, Kakao, Kaffee und Tabak. Die Stadt Santo Domingo ist der Mittelpunkt der großen Zuckerrohr- Plantagen, deren Erträgnisse in 20 modern eingerichteten Fabriken verarbeitet wurden. Von hier strahlen auch die Autostraßen aus, die nach allen bedeutenderen Küstenorten der Republik führen. Der Kraftwagen hat nämlich in Santo Domingo die Eisenbahnen fast völlig verdrängt.

Münster danke ich für das freundliche Mein­gedenken und für die Versicherung eifrigster Mit­arbeit an der Ueberwindung der schwierigen Zeitlage. Ich erwidere Ihre Grüße herzlichst mit dem Wunsche, daß Ihre Tagung erfolgreich dazu beitragen möge, christliche Gesinnung, Pflichttreue und Verantwortungs­gefühl für Staatswohl und Vater­land im deutschen Volke zu stärken.

(gez.) von Hindenburg, Reichspräsident."

Piccards Höhenflug.

In einer Alum'ntumgondel auf eine Höhe hon 16 Kilometern.

Der belgische Professor Piccard, der die Absicht hat, mit einem Ballon in einer besonders für diesen Zweck gebauten Gondel 16000 Meter hoch zu [teigen, um Messungen oorzunehrnen, ist mit Lastkraftwagen, auf Denen er persönlich die lieber- fuhruna der nach seinen Plänen konstruierten Gon- del und Meßinstrumente leitete, in Augsburg » ®r begab sich zur Riebinger

Ballonfabnk, wo die Abladearbeiten erfolgten.

Piccard empfing in der Montagehalle die Presse, um über seine Höhenfahrt Auskunft zu erteilen' Die in Form einer Kugel von 2,10 Meter Durch wesser aus Aluminiumblättern zusammengeschweißte schwarzweiße Gondel war bereits provisorisch aufgestellt, und mit dem Einbau der wissenschaft­lichen Instrumente soll morgen begonnen werden Mit allem Nachdruck betonte der Gelehrte, daß sein Unternehmen mit sportlichen Höhenrekordversuchen nichts zu hin habe, sondern rein wissenschaft­lichen Zwecken diene, für die allerdings eine

Berlin, 5. Sept. (Itl.-Un.) Unter großem An­drang fand die Verhandlung in dem Privatbeleidi­gungsprozeß, den der ehemalige Kaiser gegen dieMorgenpo ft" angestrengt hat. Dem Pro­zeß liegt ein Artikel zugrunde, der am 24. Okto­ber 1929 mit der UeberschriftDas Lieferungs­monopol Krupps. Stumme Geschäftsfreunde Wilhelm II." in derMorgenpost" erschienen ist.

Zu Beginn der Verhandlung schlug der Einzel­richter, Amtsgerichtsrat Bues, den Parteien noch­mals einen Vergleich vor. Darauf erklärte Rechtsanwalt Bloch im Namen des Kaisers, daß ein Vergleich nur dann Zustandekommen könne, wenn dieMorgenpost" auf der ganzen Linie widerrufe. Demgegenüber erklärte der Verteidiger des Chefredakteurs Mendel, Justiz­rat Mamroth, daß sie an sich zu einem Vergleich bereit seien, nur von einem Widerruf könne keine Rede sein, da sie noch heute den bündigen Wahrheitsbeweis für ihre aufgestellten Behauptungen antreten könnten. Rechts­anwalt Bloch betonte dann nochmals, es käme ihm lediglich darauf an, daß der Inhalt des Artikels, der sich mit infamen Schmähungen gegen den Kai­ser befasse, re st los zurückgenommen werde. Amtsgerichtsrat Bues begann dann mit der Ver­lesung des inkriminierten Artikels aus derMor­genpost".

Oie Beweisanträge der Verteidigung

Darauf nahm die Verteidigung das Wort, um Anträge für die Führung des Wahrheitsbeweises einzubringen. Daß die in dem Artikel angeführ­ten Monopolverträge der Firma Krupp außerordentlich schädlich gewesen seien, sei zu verschiedensten Malen in der Öffentlich­keit im Reichstage erörtert worden. Thyssen sei es nie gelungen, das Kruppmonopol zu durchbrechen, obwohl sich der damalige Kriegs- Minister von Einem gegen das Lieferungsmonopol ausgesprochen habe. General v. Reichenau habe sich für das Rohrrücklaufgeschütz ein­gesetzt und diese Ansicht in einer Reihe von Ver­öffentlichungen bekannt, wodurch seine dienst­liche Stellung derart erschwert worden sei, daß er den Abschied genommen habe. Der Der» torbene General v. Falkenhayn habe in seinem WerkeDie Oberste Heeresleitung 191416 ge­trieben, die Truppen haben die Unter­legenheit unferer Fe ldartillerie gegenüber der französischen empfind- lich gefühlt. Ferner beantragt die Verteidigung, Geheimrat Hugenberg darüber zu vernehmen, daß das an Krupp gegebene kaiserliche Dar­lehen später in Obligationen umgewandelt wor- den sei, so daß ein erhebliches Interesse der Hohenzollem am Gedeihen der Kruppwerke vor­handen gewesen sei und ferner, daß die Krupp-- Obligationen später im Wege der Erbfolge in Öen Besitz des letzten Kaisers übergegangen seien. Die Ausführungen des Klägers

Der Vorsitzende lehnte die von der Verteidigung gesellten Deweisanträge ab. Das Gericht sei der Ansicht, daß diese Vorgänge sich niemals auf dem Wege der Beweisaufnahme klären ließen. Der Beweis dafür, daß der Kaiser seine staats­

bürgerlichen Pflichten verletzt habe, könne durch die von der Verteidigung gestellten Beweis- anträge niemals erbracht werden. Der Rechtsbeistand des ehemaligen Kaisers, Rechts­anwalt Dr. Bloch, geißelte in scharfen Worten die Attacke, die sich dieMorgenpost gegen den Kaiser geleistet habe. Der Kaiser sei auf die vielen gegen ihn nach dem Kriege gerichteten Verleum­dungen gar nicht eingegangen. Hier aber sei ec für das alte kaiserliche Heer eingetreten, das in dem Artikel auf das schwerste geschmäht worden sei. Cs sei auch bezeichnend, daß sich hier der Angeklagte als Exponent derMorgenpost" verpflichtet gefühlt habe, eine Parallele äu den Sklarekereignissen zu ziehen, und eine Entlastungsoffensive für die Sklareks einzuleiten. Rechtsanwalt 'Dr.'Bloch beantragte, den Ange­klagten Chefredakteur Mendel zu einer Frei­heitsstrafe zu verurteilen, da eine Geldstrafe, wenn sie auch fünfstellig sei, vom Ullstein- kovzern übernommen und den Angeklag­ten nicht weiter schmerzen werde. Rechtsanwalt Dr. Eve r 11 n g hielt Dem Angeklagten vor, daß er einem Herrscher das Niedrigste vorgeworfen habe, was man sich überhaupt denken könne. Tw. Everling führte dann verschiedene Artikel der Morgenpost aus den Jahren 19 13, 1915 und 1917 an, die alle von großer Liebe und der Treue zu Kaiser Wilhelm sprechen und ganz offensichtlich den Kaiser in seinem Glanze in den Himmel heben und ihn als fleckenlosen Monarchen schildern, während man ihn dann später im Unglück besudelt und beschimpft.

Oas Urteil

Der Einzelrichter verurteilte darauf den Chef­redakteur derMorgenpost Mendel wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 1 500 Mark ersatzweise zu drei Monaten Gefängnis. Dem Kaiser wird nach Rechtskraft des Urteils die Publika­tionsbefugnis in derMorgenpost zu- gesprochen. In der Urteilsbegründung führte der Richter aus, nach der heutigen Gesetzes­regelung sei der frühere Kaiser eine Privat­person, die den Schutz für seine Ehre genau so beanspruchen könne, wie jeder andere Staatsbürger. Der innere Anlaß der Behauptungen derMorgenpost sei zweifellos der Sklarekskandal gewesen und diese Parallele zum Sklarekskandal sei eine schwere Beleidigung des frühe­ren Kaisers. Desgleichen sei es eine Be­leidigung, daß man dem Kaiser Hochverrat und e g o i st i s ch e Motive, sich zu bereichern, vorgeworfen habe. Das Gericht glaube dem Angeklagten, daß er die Personalpolitik des Kaisers für schädlich und vaterlandsfeindlich ge­halten habe. DcM Gericht konnte auch dem An­geklagten nicht nachweisen, daß ef wider besseres Wissen gehandelt habe. Die Pflicht einer großen Tageszeitung sei, Mißstände zu brandmarken. Nur fet dieser Artikel weit über das Maß oes Erlaubten hinausgeschossen. Eine Freiheitsstrafe hätte nicht in Frage kommen können, weil man dem Angeklagten keine ehrenrührige Gesinnung nachsagen könne.

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