Nr. 208 (Erftes Blatt
180. Jahrgang
Samstag, b. September 1930
Erichecnc »ägttch,avher Soimtags und Feiertag» BtUaeei: fhe Illustriert, Siebener Familienblätter Heimat im Düü Die Scholl« Monats-Vejug,preis:
2.20 RecchsmarK und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- Beineu einzelnerNummeru folg, höherer Gewalt. Zerufprechaufchlüße
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesten
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Ehefredabteur vr.Fnedr. Wilh. Lang«. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lana«; für Feuilleton Dr jy Ibonot; für den übrigen Teil Ernst Vlumfchein und für der, Anzeigenteil Max Fist«, sämtlich in Dieben.
Frauen im Wahlkampf.
Don Dr. Marga Job.
Es besteht in weitesten Schichten der Bevölkerung eine unverkennbare Mißstimmung, die hauptsächlich durch die inneren Wirtschafts- Verhältnisse Keroorgerusen ist. Die Folge ist, daß eine art politischer Fatalismus Platz greift, und damit wird die Gefahr heraufbefchworen, daß auch die Frauen von der allgemeinen Gleichgültigkeit angesteckt werden. Allerdings bisher haben sie im politischen Leben nicht oerfagt. Irn Gegensatz zu den von männlichen Wahlrechtsgegnern ausgestellten ungünstigen Prophezeiungen entwickelten die weiblichen Wähler von vornherein ein überraschend großes Interesse, das sich an der lebhaften Teilnahme an den Wahlen aussproch. Obwohl die Männer, von den Parteien umworben und dadurch aufgeklärt, schon seit Jahrzehnten das Reichstagswohlrecht besaßen, übten sie das Wahlrecht zur Nationalversammlung des neuen Reiches in geringerem Maße aus als die Frauen. Dadurch wird der weiblichen Anpassungsfähigkeit ein glänzendes Zeugnis ausgestellt, zumal angesichts der Tatsache, daß den Frauen da- mals erst feit einem Jahrzehnt, seit dem Inkrafttreten des Reichsoereinsgesetzes, die Beteiligung an der Politik gestattet war, und daß die Mehrzahl der Parteien sich um sie gar nicht gekümmert hatte und auch nicht für ihre völlige staatsbüraerliche Gleichberechtigung eingetreten war. Die Parteien wurden insofern Nutznießerinnen der erweiterten Frauenrechte, als ihre Reihen dadurch aufgefüllt wurden-, sie kamen auch den Frauen entgegen und stellten weibliche Kandidaten auf. In der Nationalversammlung gab es unter 423 Abgeordneten 41 Frauen: 9,6 v. H., im Reichstag vom Dezember 1924 waren es nur noch 33: 6,6 v. S). Diese noch heute charak- teriftifche Verminderung der Zahl der weiblichen Abgeordneten ist natürlich nicht geeignet, die Wahlfreudigkeit der Frauen zu erhöhen.
Wenn aber auch unzweifelhaft die Parteien für die Frauen eine Enttäuschung bedeuten, so darf dies doch nicht dazu führen, daß die politische Aktivität der Wählerinnen geringer wird, lieber den Parteien steht der Staat, und der Gedanke, daß die Parteien nicht Selbstzweck sind, sondern nur Mittel zum höheren Zweck, darf niemals verblassen. Es liegt in der weiblichen Natur, niemals den Partei standpunkt zuungunsten eines weiterreichenden Lebens- und Welt- erfassens in den Vordergrund zu stellen. In schöner Unbefangenheit sind sie der Natur näher als die Männer: es liegt ein tiefer Sinn darin, daß Faust in seinem Drang nach Erkenntnis ins Reich der Mütter herab- steigt. Immer sind es die Mütter, die den Wen von der Vergangenheit zur Zukunft weifen, die Glied zu Glied in der ewigen Kette des Geschehens fügen. Als Schöpferinnen des Lebens tragen sie die höchste Verantwortung, das Leben zu erholten. Damit ist die Heilighaltung des Staates untrennbar Der- knüpft. Bisher hat es sich erwiesen, daß die äußerst rechts wie auch äußerst links gerichteten Parteien nicht auf die große Menge der Frauen rechnen konnten. Die Frauen suhlen sich berufen, mit aufzubauen, nicht aber zu zerstören, den Geist wahrer Versöhnlichkeit zu verbreiten, nicht aber die Verhetzung zu vergrößern. Auch im politischen Leben ist es dringend notwendig, daß die gleiche Sorge um Die Allgemeinheit herrscht, wie im Heim um das Wohl der Familie. Schwerer als je ist die Aufgabe zu lösen, Kultur in die Politik hineinzutragen, das frauliche Element zur Geltung zu bringen, die Kraft und Fähigkeit durchzusetzen, widerstrebende Kräfte zusam- menzusassen.
Die weibliche Solidarität trägt überdies dazu bei, die sonstigen Gegensätze zu überbrücken. Daß ihr Vorhandensein eine versöhnliche Wirkung ausübt, beweist die Reichstagsarbeit. Frauen aller Parteien fanden sich zu gemeinsamen Vorgehen zu- sammen, wenn es galt, ein der weiblichen Gesamtheit gegenüber verübtes Unrecht abzuwehren. Wie groß mußte ihre Begeisterung fein, wenn ihnen von feiten anders eingestellter Parteien nichts in den Weg gelegt wurde. Die Geschichte der weiblichen Parlamentstätigkeit beweist auch, i$ie oft die Sachlage einen solchen gemeinsamen Schritt erforderte. Selbstverständliche Forderungen wie die Verleihung des passiven Wahlrechts an die Frauen zu den Kaufmanns- und Gewerbegerichten (den heutigen Arbeitsgerichten), die Erlaubnis des Börsenbesuchs für Frauen mußten wiederholt gestellt werden, ehe sie von der Regierung bewilligt wurden. Dem einmütigen Vorgehen der weiblichen Abgeord-
Oer Reichskanzler an die Partei der Nichtwähler.
Ein ernster Appell an das Verantwortungsgefühl des Staatsbürgers. — Oie Reichsregierung fordert die Entscheidung des Wählers über ihre Leistungen und ihr Programm.
Berlin, 5. Sept. (2BIB. Funkspruch.) Reichskanzler Dr. Brüning empfing heute den Chef- rebafteur des WTB zu einer Aussprache über bie politische Loge. Hierbei beantwortete er verschiedene mit bem Wahlkampf zusammenhängende Fragen.
Frage: Wie beurteilen Sie, Herr Reichskanzler, die Ausfichten der bevorstehenden Reichstags- wähl?
Antwort: Wer an bas beutsche Volk glaubt, wer Vertrauen zur beutschen Wirtschaft hat, wer den Arbeitswillen des Deutschen kennt und hochscbätzen gelernt hat, ber wirb auch mit einiger Z u - verficht bem 14. September entgegen- sehen bürfen. Ein Volk, bas zwölf Fahre bitterste Rot ertragen hat unb nicht verzweifelt ist, wirb an bem läge, an bem es berufen ist, seine Zukunft zu sichern, nicht versagen. Hierbei muh ich allerbings eins hervorheben:
Alle müssen ihre Pflicht tun. Ls gehl nicht an, bah, wie bei früheren Dahlen, Millionen Deutscher beiseite stehen und ber Wahlurne fernblei ben. Die sogenannte Partei ber Richlwahler ist bie stärkste Partei des deutschen Volkes. Beim letzten Male hallen über zehn Millionen deutscher Frauen und Männer ihre Wahlpflicht versäumt, was einen Ausfall von rund 175 Reichstagsabgeordneten bedeutet.
Das sind, wie Sie mir gewiß zugeben, geradezu ungeheuerliche Zahlen. Die schwere Not der ®t- samtheit ist die Not sedes einzelnen. Kritik au üben und bann, wenn es darauf ankommt, nicht positiv mitzuarbeiten, ist gewissenlos. In einem demokratischen Staat ist das Wahlrecht in erster Linie Wahlpflicht. Wer diese Pslicht nicht erfüllt, verfälscht das Bild des Dolkswillens. Diejenigen, die am abfälligsten über das Versagen des Reichstags geurteilt haben, mögen sich die Frage vorlegen, ob nicht gerade sie et. waren, die aus Bequemlichkeit oder Interesselosigkeit an diesem Versagen mit schuld gewesen sind. Gerade diejenigen Parteien, die die schwere Last der Verantwortung getragen haben, litten besonders unter ber Wahlenthaltung.
Frage: In welchem Lager wirb nach Ihrer Aus- sassung, Herr Reichskanzler, biesmal b i e größte Zahl ber Nichtwähler zu finden sein?
Antwort: Das ist schwer zu sagest. Ich habe aber die Hoffnung, daß die Erkenntnis der u n • geheuren Wichtigkeit gerade dieses Wahlganges den hinter der Regierung stehen- den Parteien einen beträchtlichen Zuzug aus dem Heere der Nichtwähler verschaffen wird.
Die gegenwärtige Regierung hat, ohne bah ich mit dieser Feststellung ju scharfe Kritik an ihren Vorgängerinnen üble, positive Arbeit geleistet. Sie hat alle die Probleme angepackt, die in früheren Zeiten keine Lösung fanden, weil man sich nur ungern an unpopuläre Mahnahmen heranwagte. W i r haben da» getan. (Ein Kranker muh wissen, was ihm fehlt, damit et die Mittel anwenden kann, die zu seiner Gesundung führen. Das deutsche Volk hat ein Recht, bie Wahrheit zu wissen und ist auch reif genug, zu erfahren, wo Mihstände sind unb wie sie beseitigt werden können.
Frage: Werben aber nicht gerade diese Regie- rungsmahnahmen, Herr Reichskanzler, die Arbeit der hinter der Regierung stehenden Parteien erschweren?
Antwort: DaS Gegenteil mühte der Fall fein, wenn man noch an einen politischen Instinkt DeS deutschen Volkes glauben darf. Die Maßnahmen der Reichsregierung erschweren nicht die Arbeit der hinter der Regierung stehenden Parteien, sondern erleichtern diese Arbeit. Wir hatten eine Zerrüttung der Finanzen vorgesunden, deren Ursachen weit wrüdlicgcn. Die Regierung hat den Haushaltsplan in Ordnungaebracht, soweit dies in den gegenwärtigen Zeiten einer kaum dagewesenen Weltwirtschaftskrise überhaupt möglich war. Die qualvollen Sorgen früherer Monate,
ob die Verpflichtungen des Staates am Ende eines Monats überhaupt noch erfüllt werden können, besteht nicht mehr. Es ist gelungen, über eine Milliarde Reichsmark durch daS 2t- beitsbeschasfung-programm zusätzlich der deutschen Wirtschaft zuzuführon. Dadurch wird 100 000 Arbeitern Brot verschafft und dadurch teils Arbeitslosigkeit vermindert, teils ihr Anwachsen gehemmt. Durch ein großzügiges Programm. dessen Durchführung im besten Gange ist, haben wir dem schwerleidenden Osten wirkliche Hilfe angedeihen lassen. Wir haben nicht von Sparsamkeit geredet, aber wir haben sparsame Haushaltsgestaltung in die Tat um- gesetz t.Sie haben vielleicht auch die grobe gestrige Rede des Herrn Vizekanzlers Dietrich gelesen, wonach vom Kabinett bereits Maßnahmen vor- geschlagen wurden, nach denen in dem Haushaltsplan 1931 eine Ersparnis von ü-ber 300 Millionen gegenüber dem Entwurf 1930 möglich werden soll. Wer die Dinge kennt, namentlich die vielen Zwangsläufigkeiten und die etatgesehlichen Festlegungen, wird mit mir darin eine sehr wertvolle politische Arbeit erblicken. Freilich! Wir haben manchem weh tun müssen, aber wir haben der Gesamtheit geholfen und das Vertrauen im Auslande in die deutsche Wirtschaft und zur deutschen Arbeit gestärkt.
Der gesunde Sinn de» Deutschen muß und wird erkennen, dah solche Maßnahmen die beste IDaffe und die erste Voraussetzung gesunder Verhältnisse In Staat und Wirtschaft «ind. Deswegen glaube ich auch, daß viele, die früher der Wahlurne ferngeblieben sind, weil sie immer wieder sehen konnten, daß das vieloersprochene nur Schlagworte für den Wahltag waren, diesmal ihre Wahlpflicht erfüllen, wir haben nicht» Un
mögliche» versprochen, wir fordern jeden Staatsbürger auf, über unsere Politik zu urteilen, wir haben Wege in die nahe Zukunft gewiesen, wir haben nicht In bilderreicher Sprache Vesterungen In Aussicht gestellt, sondern in nüchternem (De- setzestext der vessenilichkeil unser Programm unterbreitet oder in Entwürfen und Richtlinien kundgetan. Zeder hat schwor, auf weih, rea» wir getan haben, und wo» wir noch tun wollen. Zeder muß sich entscheiden, ob er zu uns stehen will oder nicht. Der Wähler Hal dieses Mal über bereit» vollzogene Tatsachen zu entscheiden und nicht über wechsel auf die Zukunft. Deswegen Ist jeder, der nicht wählt, nicht nur oer- antroortungelo», sondern gewissenlos.
Frage: »Glauben Sie, Herr Reichskanzler, mit dem kommenden Reichstag Ihr Programm verwirklichen zu können?"
Antwort. .Die Entscheidung darüber liegt nicht bei mir und dem Reichskadinett. Sie liegt in den Händen des Wählers am 14. September. Er wird Darüber zu entscheiden haben, ob die in großen Umrissen von mir gekennzeichneten Reformplane der Reichsreglerung Wirklichkeit werden sollen oder nicht. Ich vertraue Darauf, daß eine große Stunde kein kleines Ge- schlecht finden wird. 3d) vertraue auf Den ge* IunDen staatsbürgerlichen Sinn des deutschen Vvl- kS. die Entscheidung geht um Riedergang oder Gesundung undWleDerausstieg. Wer dieser Entscheidung durch ^Fernbleiben von Der Wahlurne ausweicht, der ist der Ehre, ein deutscher Staatsbürger zu sein, nicht wert. Höher als das Wahlrecht steht die Derpslid>tung, von diesem Rechte Gebrauch zu machen."
Aalionalsozialislen und Reichsregierung.
Eine Denkschrift des ReichSinnenministeriumS.
V e r l i n, 5. Sept. (TRD.j 3m Streit zwischen dem Reichsinnenministerium und der thüringischen Dtaatsregierung um dce Polizeikosten- zus chüsse vor Dem Staatsgerichtshof begrün- Det daS Reichsinnenministerium Die Einbehaltung mit Der VerwenDung von national- sozialistischen lei tenden Polizeibeamten in Thüringen. Diese gäben nicht Die Gewähr Dafür, daß Die ihnen unterstellte Polizei im Falle von Unruhen ein Durchaus zuverlässiges Mittel in Der Hand Der Regierung fei; Denn Die RSDAP. verfolge selbst hochverräterische Ziele. Die RSDAP. hat jetzt bestritten, daß sie Die bestehende Verfassung umstoßen wolle. Die thüringische StäatSregierung hat Dem StaatSgerichShof diese Erklärung übermittelt. Die Reichsregierung hat ihrerseits Dem Gerichtshof eine Denkschrift zu gestellt. Die zu sol- gcnDcm SchlußergebniS kommt:
.Die RSDAP. erstrebt mit allen Mitteln den Umsturz der auf Die Weimarer Verfassung gegründeten deutschen Republik. Sie führt bewußt. aber mit anderer Taktik die Politik, Die im 3 ah re 1923 zu dem Hitler-Putsch führte, fort. Die bei dem Scheitern dieses Putsches gemachten Ersahrungen haben die Partei Deranlafjt, in planmäßigen Etappen eine neue Revolution vorzubereiten, deren Ziel die Ausrichtung eines diktatorisch-organisierten rein völkischen Staates ist. Die Partei selbst und die von ihr geschaffenen Organisationen sind so aufgebaut, daß sie alle als geschlossene, militärisch disziplinierte Kampftruppen bei Dem beabsichtigten Umsturz eingesetzt werben können. Soweit sich Rattonalfozialistcn am parlamentarischen StaatS- leben beteiligen, tun sie es au Dem ausgesprochenen Zweck, Den Staat unb feine Machtmittel von innen heraus zu unterhöhlen, um Den Generalangriff durch Schwächung Der
inneren Widerstands kraft des Staates zu erleichtern. Sie fühlen sich schon jetzt geruftet, um unter Anwendung von brachialer Gewalt Den Umsturz herbeizuführen."
(Es Dürfte jo wohl bei uns nur noch sehr wenige geben, die nicht Der Ansicht sind, daß Herr Hiller mit seinem Anhang noch immer an eine Neuauflage Des Münchener Putsche» vom Jahre 1923 denkt. So interessant das zusammen» ptragene Material auch ist, so wenig Zweck hat eine Veröffentlichung in diesem Augenblick, weil es o aussteht, als ob es sich hier um einen Ausschnitt aus der Wahlpropaganda handelt. Diel bester wäre cs dagegen, wenn von Seiten des Reiches die nationalsozialiftischc Gefahr mit anderen Mitteln als mit Denkschriften bekämpft werden würde. Aber man ist ja nicht einmal fähig, gegen de n Kommunismus fo zu Felde zu ziehen, wie das nötig wäre, um auch durch die Umsturzpläne von links her einen dicken Strich zu ziehen. Statt besten darf Max Hölz, der lange Zeit der Schrecken Mitteldeutschlands war, wieder von einer Wahlversammlung in die andere ziehen und die Massen aufputschen. In Berlin hat er am Donnerstagabend vor mehreren tausend Kommunisten gesprochen und unter frenetischem Beifall erklärt, daß in Rußland noch Diel z u wenig erschossen würden, und daß man dafür Sorge tragen möge, daß auch in Deutschland eine Tscheka bald ihre Arbeit aufnehmen könne. Es ist in der Tat höchste Zeit, daß wir endlich wieder zu einer ft arten Reichsgewalt zurückkehren und dem Spuk der Radikalen ein Ende bereiten, denn sonst kann es passieren, daß es eines Tages doch noch zu revolutionären Entladungen kommt und die vorhandenen staatlichen Machtmittel nicht ausreichen, um mit den radikalen Parteien fertig zu werden.
ncten aller Fraktionen gelang es, im Jahre 1922 Das umstrittene passive Wahlrecht Durchzusetzen. Es beDurfte größerer Energie, altes Unrecht auszumerzen als zu verhüten, Daß neues geschaffen werDe. Bei Vorlegung von neuen Gesetzentwürfen weiß man im voraus, Daß sie bei Den weiblichen AbgeorDne- ten einen Sturm Der Entrüstung erregen roür- Den, wenn sie eine Beeinträchtigung von Fraueninteressen mit sich brächten. Muß auherDern Damit gerechnet roerDen, Daß Der Widerspruch Der Parlamentarierinnen i m ganzen Land WiDerhall finDet, so ist Dies eine Tatsache. Die ins Gewicht fällt. Kenner amerikanischer Verhällnisse berichten, von welchem Einfluste Das glühende Interesse, Das intelligente, geschulte, urteilsfähige Frauen an Der Dortigen Politik nehmen, auf Die Gestaltung Des politischen Lebens ist. Es versteht sich von felbst. Daß je mehr Die Politik Herzenssache ist, je größer Das VerstänDnis wird. Sachkenntnisse allein genügen jeDoch
nicht, um zur politischen Reife zu gelangen, es Darf auch nicht an Der E i n s i ch t D e r gegebenen Möglichkeiten fehlen. In Dieser Beziehung sinD Die Frauen glücklich Daran, sie sind von Natur aus Die geborenen Realpolitikerinnen mit einem ausgesprochenen Sinn für Das Konkrete, Das Erreichbare. Wir brauchen aber DringenD Die Politik Des gefunDen Menschenverstandes, wir beDürfen Daher Der Verstärkung Des weiblichen Einflusses. Frauen an Die Front!
Der Ausbau Der Deutschen Zukunft erforDert Die (Entfaltung Der männlichen u n D weiblichen Kräfte! Schwierige Aufgaben warten noch Darauf, richtig angepackt zu roerDen, es fei nur an Die Finanz-, Wirtschafts- unD Sozialpolitik geDacht. Der öffentliche Haushalt beDarf Der verstänDi- gen Hausfrau. FrauenfeinDliche Gesetze müssen beteiligt werden! Kulturelle Zwecke bürfen nicht vernachlässigt roerDen! Es ist
Darum Pflicht aller Frauen, Die Kräfte zu regen, politische Gleichgültigkeit zu bekämpfen unb bei Den Reichstagsroahlen in noch stärkerem GraDe als früher Das W a hlrecht auszuüben!
Oes Reichskanzlers Antwort an Braun
03re6lau. 5. Sept (ERB.) Reichskanzler Dr. Vrüning hat bei einer Versammlung in VrcSlau auf Die Anfragen, die der preußische Ministerpräsident Braun und der Reichstags- Präsident L ö b e an ihn gerichtet hatten, ob das Zentrum künftig mit oder ohne die Sozialdemokratie regieren wolle, d i e Gegenfrage gestellt, ob die Sozialdemokratie Die Möglichkeit sähe, mit einem Mann zu- fammenzuarbeiten, von dem es in einem fozialdemokratischenWahlflugblatt heiße: „Mit den Aermften unserer Armen, da hat Herr Brüning kein Erbarmen."


