Ausgabe 
6.8.1930
 
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Abc» e l n ft i m m i g der Auffassung gewesen, daß die Angelegenheit über den sportlichen Rahmen hinausgehe und daß es Sache der Regierung sei, einzugreifen, wie sie es für angebracht halte. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die an den Be­schimpfungen der französischen Schwimmer in Zeitz beteiligten Nationalsozialisten ein Ver­fahren wegen Bedrohung, Nötigung und groben Unfugs eingeleitet. Die Ermitt­lungen nach weiteren Teilnehmern an diesen Vor- gangen in der Nacht zum 7. Juli dauern noch an. Sollte es zu einem neuen Prozeß kommen, so werden Cuoelier und sein Begleiter Tribouillet als Zeugen geladen werden.

Der Wolf im Schafspelz.

Eine argentinische Stimme gegen Poineare

Buenos Aires, 5. Aug. (TU.) Gegenüber den am 30. Juli gleichzeitig im PariserExcelsior" und in derNation", Buenos Aires, erschienenen Artikeln Poineare s, worin dieser in der ge­wohnten Weise Deutschland verdächtigt, und selbst die Person des Reichspräsidenten in die politische Debatte zieht, erklärt dieLa Plata- Zeitung" in Buenos Aires in einem Leitartikel: Poincarös Kritik an der Person des Reichspräsiden­ten gehe sehr fehl, denn dieser habe Beweise genug dafür geliefert, daß er die neue Zeit besser verstehe, als Poincars, dessen Geistesverfassung mehr und mehr an die Clsmen- ceaus erinnere. Poincarss ständig wiederholte War­nungsrufe vor der deutschen Reichswehr und feine von jedem einigermaßen objektiv Gesinnten als sehr fadenscheinig erkannten Argumente für Frankreichs Ansprüche auf das Saargebiet seien allmählich etwas komisch. Poincars widerspreche sich selbst, indem er einerseits den Dank dafür vermisse, daß Frankreich ohne vorherige Garantie für einen geordneten deut­schen Haushalt und für die pünftlidje Erfüllung des Poungplanes das Rheinland geräumt habe, auf der anderen Seite aber die vollkommen ver­fassungsmäßigen deutschen Ausnahmeregeln, die ge- rade der Erfüllung der deutschen Verpflichtun­gen dienen sollten, als ein Anzeichen diktatorischer Gelüste und der Rückkehr zu den alten autoritativen Anschaungen hinstelle. Poineare erscheine als ein Wolf im S ch a f s f e l l, der mit allen Mitteln versuche, in der Welt Mißtrauen gegen Deutschland zu säen.

Die kommunistische Schreckens- herrschast in China.

London, 5. Aug. (TU.) Nach den in Tokio vorliegenden amtlichen Berichten dehnt sich die Schreckensherrschaft der Kommunisten in China immer weiter aus. Die Frau des englischen Chef­ingenieurs der TientsinPukau-Eisenbahn wurde in ihrem Hause von einem chinesischen Soldaten durch Bajonett st iche lebensgefährlich ver­letzt. Ferner werden zwei Missionarinnen, Fräulein Harrison und Fräulein Nettleton, die sich seit längerer Zeit in den Händen der Kommunisten befinden, mit dem Tode bedroht, falls von den britischen Behörden nicht innerhalb kurzer Zeit das verlangte L ö s e g e l d in Höhe von 120 000 Mark gezahlt wird. Ein Chinese hat von Fräulein Harrison einen Brief erhalten, in dem die Martern geschildert werden, denen Fräulein Nettleton aus­gesetzt wurde. Dem Briefe lag u. a. ein abge­schnittener Finger von Fräulein Nettleton bei. Die Kommunisten drohten, von beiden Frauen sämtliche Finger abzuschneiden, falls das Löse­geld nicht sofort gezahlt werde.

Die von der Nankingregierung verbreiteten Be­richte über eine RäumungoonTschangtscha durch die Kommunisten und die Wiederbesetzung durch die Regierungstruppen sind nach englischen Meldungen aus Schanghai unrichtig. Die Kom­munisten sollen sich nach wie vor in der T Stadt befinden. Regierungstruppen, die den Fluß Siang unter dem Schutz des Feuers der vor Tschangtscha liegenden Kanonenboote überqueren wollten, seien durch die Kommunisten zurückge- w o rfen worden. 21 m 1. August fei von den Kom­munisten in Tschangtscha eine Sowjetregie­rung für die Provinzen Hupei, Hunan und Kiangsi gebildet worden. Die Zusammenziehung von Flotten­streitkräften vor Tschangtscha suchten die Kommu- nisten durch Versenkung von Booten aller Art zu verhindern.

Lung-Siegfried.

Die Tragik des Erben eines großen NamenS, die auf Goethes Nachkommen so schwer lastete, Vt. auch dem einzigen Sohne Richard Wagners nicht ganä erspart geblieben. Zwar wußte er mit fernem fröhlichen Naturell sich das Gute, das aus diesem Erbe erblühte, zunutze zu machen

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und hat die große Heberlieferung von Bayreuth getreu aufrecht erhalten. Doch feine eigenen musikdramatifchen Schöpfungen standen im Schat­ten der väterlichen Riesensonne, und so wird er in der Geschichte nur als der Sohn Richard und Eosima Wagners fortleben. Der Daker hat ihm bald nach seiner Geburt die Unsterblichkeit gesichert, indem er dieses Erlebnis in seinen Werken gestaltete, besonders imSiegfried" und in dem herrlichenSiegfried-Idyll". So verschmolz sein Name mit dem des »Jung-Sieg-

Lm Zeichen der Abrüstung.

Englische Flottenpropaganda.

Die Konkurrenz der Kontinentalmächte. Ersatz Preußen".

London, 5. Aug. (TU.) Der Marinesachver- ständige desDaily Telegraph" nimmt den be­vorstehenden Stapellauf derErsatz Preu- ß e n" zum Anlaß, um erneut in großer Auf­machung auf die umwälzenden Konstruk­tionserneuerungen bei einigen festländi­schen Flotten hinzuweisen. Drei Neubauten feien von allergrößter Bedeutung:

1. Der Dau derErsah Preußen", durch die nach Ansicht zahlreicher englischer Flotten- sachverständiger der neue 10 000-Tonnen-Kreuzer mit 20 Zentimeter-Geschützen überholt wurde:

2. die Schaffung eines neuartigen ita­lienischen Kreuzers von 5250 Tonnen Wasserverdrängung, der trotz seiner Geschwin­digkeit von 37 Knoten so schwer bewaffnet sei, daß hierdurch der Wert der neuen französischen Flotillensührerschiffe in Frage gestellt werde:

3. der Bau eines neuen französischen Unterseebootes, das so schwer bewaffnet fei, daß ihm mit gewöhnlichen Hnterseeboot- Abwehrmaßnahmen nicht mehr beizukommen sei.

Die weitaus größte Bedeutung dieser drei Neukonstruktionen besitzt nach Ansicht des Korre­spondentenErsatz Preußen". Neben zahl­reichen Neueinrichtungen auf dem Schiff er­scheine der Aktionsradius von etwa 18000 Meilen das wichtigste Plus des Schiffes. Mit alleiniger Ausnahme eines Schlachtkreuzers fei kein anderes Kriegsschiff in der Lage, diesem Typ entgegenzutreten. Schisse bis zu 10 000 Ton­nen Wasserverdrängung seien derErsah Preu­ßen" unterlegen und große Schiffe nicht annähernd schnell genug. Zahlreiche bri­tische Marineoffiziere seien der Auffassung, daß es eine schlechte Flottenpolitik sei, nun 10 000- Tonnen-Kreuzer zu bauen, nachdem durch die festländische Neukonstruktion ein Typ geschaffen werde, der jeden 10 000-Tonnen-Kreuzer mit Leichtigkeit vernichten könne. Die Hinweise auf die Neukonstruktionen in Italien und Frankreich enthalten an sich nicht viel neues, sind aber im Zusammenhang mit den vorangegangenen Mit­teilungen und durch die große Aufmachung im Daily Telegraph" bemerkenswert.

Große französische Manöver in Lothringen.

Größte Truppcnemfaltung seit dem Kriege

Paris, 5. Aug. (WTB.) DerMatin" macht Angaben über die diesjährigen Herbstmanöver, die vom 4. bis 10. September in Lo thringen abgehalten werden. Es wird sich um die größte Truppenentfaltung seit dem Kriege handeln, denn es werden daran nicht weniger als 50 000 Mann teilnehmen, nämlich 24 Bataillone

Infanterie, sechs Bataillone Iäger zu Fuß, zwölf Bataillone algerische Schützen, 32 Schwadronen Kavallerie, vier Abteilungen Maschinengewehre auf Autos, zwei Regimenter Dragoner, drei Regimenter leichte Artillerie, zwei Regimenter berittener Artillerie, fünf Regimenter schwere Artillerie, zwei Regimenter Flugzeugabwehrge- schütze, zwei Bataillone Tanks, drei Telegraphen­bataillone, drei Pionierbataillone, zahlreiche Flugzerg- und Train-Abteilungen. Das Haupt­quartier befindet sich in Luneville, wo 240 Stabsoffiziere untergebracht werden. Der Generalinspektor des Heeres Marschall P e t a i n wird den Manövern beiwohnen, ebenso Kriegs­minister M a g i n o t. Die Manöver selbst werden südlich durch die M e u r t h e, nördlich durch die Saar begrenzt und sich auf die Strecke Lune­ville Metz erstrecken.

Oie Herbstmanöver des Reichsheeres. Durch Flaggen markiert".

Berlin, 5. Aug. (WTB.) Dom 15. bis 18. September finden in der Gegend zwischen Bamberg Koburg Meiningen K i s s i n g e n Herbstübungen des Reichsheeres statt. Hm die Kosten möglichst niedrig zu halten, und trotzdem die höheren Führergruppen des Heeres zu schulen, werden diese Hebungen als Rahmenübungen abgehalten. Die Eigen­art der Rahmenübung besteht darin, daß nur eine Division und eine Kavalleriedivision als geschlossene Truppenteile auftreten, während von anderen Divisionen alle Stäbe bis zu den Bataillonen, Artillerieabteilungen und die Nach­richtenverbände teilnehmen und d i e K a m p f - linken durch Flaggen markiert wer­den. Bei den anderen Divisionen tritt nur der Divisionsstab in Erscheinung. Bei den Derbän- den, die nicht als Dolltruppen auftreten, spielt sich also nur die Tätigkeit der Be­fehlsstellen und der Nachrichten­verbindungen kriegsmäßig ab. Die Nach­richten über den Kampsverlauf werden im we­sentlichen durch Leitungsosfiziere gegeben.

Die Rahmenübungen selbst leitet der Chef der Heeresleitung Generaloberst Heye. Die blaue Partei führt General der Infanterie Hasse, die rote Partei General der Kavallerie von Kayser. Der Reichswehrminister nimmt an der ganzen Dauer der Hebung, der Herr Reichspräsident nimmt vom 16. bis 18. September an den Hebungen teil. Am 19. September nimmt der Reichspräsident einen Dorbeimarsch der beteiligten Dolltruppen bei Römhildt ab.

Die sechs Divisionen und zwei Kavalleriedivi­sionen, die an der Hebung nicht als Dolltruppen teilnehmen, halten in diesem Iahr nur Ge­ländeübungen in der Nähe ihrer Standorte ab.

Das Wirtschaftssystem des Faschismus.

In der faschistischen Diktatur ist in Italien seit sieben Jahren eine Basis geschaffen worden, von der aus eine Rekonstruktion der Wirtschaft unternommen wird. Das italienische: cosi disse il Duce e cosi fu (so sprach der Duce und so geschah es) ist auch im Wirtschaftlichen das Tor zur Dollbringung einer wirklichen Tat geworden. Der Faschismus will unter Anerkennung der noch für lange Zeit lebendigen Funktion des Privatkapitalismus die höchste wirtschaftliche Potenz zum Wohle der gesamten Nation er­reichen.

Grundlegend dafür sind nun folgende Gesetze: 1. das Gesetz vom 3. April 1926 über die recht­liche Ordnung der kollektiven Arbeitsbeziehungen, 2. das Dekret Dom 1. Iuli 1926, enthaltend die Ausführungsbestimmungen über das Gesetz vom 3. April 1926 und 3. die Carta del Lavoro Dom 21. April 1927. Die Wirtschaft ist im Faschismus der Angelpunkt des nationalen Lebens. Nur der Produzent ist Dollwertiger und voll-

fried", den Wagner so wunderDoll gestaltet. In den Wochen Dor der Geburt des Kindes ar­beitete Wagner amSiegfried" und las mit sei­ner Frau WolframsParsifal", der auf beide einen großen Eindruck machte. Am Abend des 5. Iuni 1869 war Nietzsche zu Wagner nach Triebschen gekommen und Derbrachte den Abend mit ihm. In der Frühe um Dier Hhr des fol­genden Tages wurde Iung-Siegfried ge­boren.

In dem Tagebuch Cosimas, aus dem jetzt Graf Du Moulin Eckart in seiner Cosima- Wagner-Biographie Mittellung gemacht hat, trug Wagner selbst die Geschichte dieses Ereig- nifies ganz im Stile seiner Frau ein. Er hörte plötzlich, wie der gute Hausgeist Dreneli den Ruf ausstieh:Ach Gott im Himmel!" und wähnte in seiner Sorge, es sei etwas Furchtbares ein­getreten. Aber als er sie fragte, lachte sie freu­dig:Ein Sohn ist da!" Seine tiefe Ergriffen­heit schildert der Meister in dem Tagebuch:Da überraschte ihn ein unglaublich schöner Feuer­glanz, der an der Orangetapete zunächst der Schlafzimmertür mit niegesehener Farbenglut sich entzündete und auf der blauen Schatulle mit meinem Porträt sich widerspiegelte, so daß die­ses, Dom Glas überdeckt und mit einem Heinen goldenen Rahmen eingefaßt, in überirdischer Pracht sich Derflärte. Die Sonne war soeben über dem Rigi heroorgetreten und hatte ihre ersten Strahlen hineingeworfen. Der glorreichste Son­nentag leuchtete. Ich war heiter und froh ge­stimmt", heißt es dann weiter im Sinne der Mutter.Das Geschenk, welches uns das Schick­sal durch die Geburt eines Sohnes machte, er­schien mir sogleich in unermeßlich tröstlichem Werte. Ein Sohn Richards ist der Erbe und einzige Dertreter des Da ters, er wird der Schützer und Geleiter seiner Schwestern fein.

Cosima erzählt dann selbst, wie in diesen ersten Freudentagen Warner amSiegfried" weiter ar­beitete und ihr berichtete,daß seine Iubelthemen sich selbst zum MotiDHeil der Mutter, die mich gebar" als Begleitung Dortresslich anschmiegen, so daß dieser Jubel im Orchester ununterbrochen bis dahin, wo Siegfried selbst darin einstimmt, erklingt." Der Meister hatte schon Dor der Geburt des Sohnes einen kleinen Bogel Dor dem Fenster zwitschern hören, den er den ..Bogel Siegfrieds" nannte: er glaubte in seinem Gesang die Ankündi­gung des Kindes zu hören, und als er das

berechtigter Staatsbürger. Sein Dogma ist: die Suprematie des Staates über die Wirtschaft. Es ist ein Versuch einer Syn­these zwischen sozialistischem und kapitalistischem Wirtschaftssystem. Die freie Hnternehmertätig- feit ist durch die Carta del Lavoro grundsätzlich anerkannt. Der Staat hat jedoch im Falle der mangelnden oder unzureichenden Initiative das Recht des unmittelbaren Eingriffs. In seinen Beziehungen zur privaten Wirtschaftsführung kennt der faschistische Staat dahei drei Formen der Intervention: die Kontrolle, die Ermunte­rung und die Hebernahme der Betriebsführung. Stets ist der Organisator eines Wirtschaftsunter­nehmens dem Staate für die Richtung und Lei­tung der Produktion verantwortlich.

Neben die Anerkennung der Privatinitiative tritt dann die zweite Hnterthese der Zusammen­arbeit zwischen den Faktoren der Produktion, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, im Interesse der Ausbalancierung der gegen-

Zwitschern wieder vernahm, meinte er, daß sich nun der Bogel nach dem Knaben erkundige. In dem Iubel über den Sohn schuf er die Skizzen zum dritten Akt des Musikdramas. Seinem Sieg­fried gab er den KosenamenFidi Vogelsang", und aus diesen Eindrücken, die sich in seiner Seele fortentwickelten, ist dann ein Iahr später dos Siegfried-Idyll" entstanden, die schönste Huldigung, die wohl je in der Musik einer Mutter und ihrem Kinde dargebracht wurde. Cs war zu Weihnachten 1870, als Wagner seine Frau bei ihrem Geburtstag mit dieser neuen Symphonie überraschte.Den ganzen Tag bin ich wie im Traum", schrieb sie darüber,der Geist lauscht nach den verklungenen Klängen und gebärt sie sich wieder; das Herz, erdrückt von seinen Empfindungen, sucht Erlösung in der Musik." Auf das Widmungsblatt hatte Wagner geschrie­ben: Tribschener Idyll mit Fidi-Vogelsong und Orange-Sonnenaufgang als symphonischen Ge­burtstagsgruß seiner Cosima dargebracht von ihrem Richard." Es war der Widerhall des großen Erlebnisses, der hier zu Tönen gewor­den, und es war zugleich eine neue Gestaltung desIung-Siegfried". So huldigte der Meister seinem Sohn in unvergänglicher Weise.

Vergnügungsreisen zum Südpol.

Dem Globetrotter, der seine Reisegelüste bereits überall auf dem Erdball befriedigt hat, der Berg­touren im Himalaja und in den Anden, Wande­rungen in China und auf den Südseeinseln unter­nommen hat, winkt eine neue Sensation: Der Süd- Polarkreis wird als Reiseland erschlossen. Besuche der Nordpolargegenden zu Schiff und im Flugzeug haben bereits den Reiz der Neuigkeit verloren: jetzt ist der Südpol die große Mode, und die Antarktis lockt, zu der bisher noch kein Vergnügungsreisender vorgedrungen ist. Hat doch bisher noch niemals eine Frau das Nohmeer erblickt und ist weiter südlich auf der Erde gekommen als bis zur Deceplion-Insel. Forschungsreisende wenden sich immer eifriger diesem Gebiet zu, und ebenso haben sich die Walsischfänger, nachdem sie die Nordpolarmeere von diesem Riesen­tier schon so ziemlich gesäubert haben, den noch reichen Jagdgründen der antarktischen Waffer zu­gewendet. Da dürfen also die Touristen nicht zurück- stehen, und es wird sich ihnen noch in diesem Jahre eine glanzende Gelegenheit bieten, die Neugierde

fettigen Beziehungen zur Herbeiführung der Soli­darität aller produktiven Kräfte der Nation. Das sichtbare Zeichen dieser Einheit ist der durch Streik- und Aussperrungsverbot und die Ein­richtung der Arbeitsgerichtsbarkeit eingeführte Arbeitsfrieden. Die tätige Mitwirkung an der Gestaltung der Wirtschaft ist durch die Ver­tretung der Arbeitnehmerschaft im nationalen Korporationsrat gesichert. Heberall aber ist ein Vordringen der Planwirtschaft zu verzeichnen, d. h. das Bedarfsdeckungsprinzip wird gegen über, dem Erwerbsprinzip protegiert. Kurzum, das faschistische Wirtschaftssystem stellt sich in seiner Erscheinung als ein systematischer Interventionismus dar. Die vier Hauptziele ha­bet sind die Begünstigung der landwirtschaftlichen Produktion, die Steigerung der industriellen Pro­duktion, bessere Organisation des Exports und Verbreitung des Gedankens der höchstmöglichen Ergiebigkeit der Produktion unter dem Produ­zenten. Eine Betätigung der öffentlichen Hand wird abgelehnt.

Zusammengefaßt stellt sich das Wirtschafts­system des Fafchismus der als eine Theorie, die nicht in der rechtlich garantierten bürgerlichen Existenz das Wesentliche sieht, sondern in der Eigenschaft des einzelnen als werteschaf­fender Produzent. Damit-nähert sich die faschistische Theorie der bolschewistischen, doch ist die Grenze zwischen Individual- und Kollektiv­wirtschaft nicht llar gezogen.

Oer Lehrlmgsmangel.

Berufsberatungsstetten und Geburtenrückgang.

Die augenblicklich herrschende Lehrlings­knappheit, eine Folge des Geburtenrückgan­ges während des Krieges, hat den Reichsaus- schuß der deutschen Iugendverbände veranlaßt, interessante Ermittlungen über die Auswirkun­gen der Lehrlingsknappheit anzustellen. Er un­tersucht an Hand der Veröffentlichungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung die Arbeit der Berufsbera­tungsstellen, soweit sie für Jugendliche und Lehr­linge in Frage kommen. Zunächst ist dabei be­merkenswert, da.ß die absolute Zahl der Rat­suchenden sich seit dem Jahre 1929 bis zum Jahre 1927 28 um etwa 86 Prozent vermehrt hat. Hn- gefahr um den gleichen Prozentsatz stieg, wenn auch mit größeren Schwankungen, die Zahl der offenen Lehr- und Anlernstellen.

Im Jahre 1928/29 ist bann bei beiden Zahlen ein Rückgang zu beobachten, der mit Bezug auf die Zahl der Ratsuchenden auf den Ge - burtenausfall während des Krieges zu- rückgeführt wird. Die ständig zunehmende Zahl der Ratsuchenden bei den Berufsberatungsstellen und der offenen Stellen dürfte ein Zeichen dafür sein, daß sich die Beratungsstellen immer mehr durchsetzen. Interessant sind die Erhebungen über die Berufswünsche der Jugendlichen. Es überwiegen dabei diejenigen für die Metall­industrie, die kaufmännischen Berufe und das Baugewerbe. Trotz des Mangels an Lehrlingen besteht augenblicklich noch ein Heberangebot vor allem bei den Berufen der öffentlichen Verwal­tungen, der Gesundheits- und Körperpflege, sowie im Vervielfältigungsgewerbe. Bei den weiblichen Jugendlichen verdichten sich die Berufswünsche vor allem auf die kaufmännischen Berufe, das Bekleidungsgewerbe und die häuslichen Berufe.

Aus aller Welt.

Grohfeuer in einer Reparaturwerkstätte.

In Karlsruhe wurden die Gebäude der Firma Dalhofer & Hummel, Autoreparaturen, durch Großfeuer zerstört. Die Feuerwehr hatte die größten Anstrengungen zu machen, um des Bran­des Herr zu werden. Durch die Explosion von Tankanlagen wurde eine Mauer zum Einsturz gebracht. Ein gerade vorüber­gehendes Ehepaar, das in der Nähe der Brandstätte wohnte, wurde verschüttet. Die Leichen konnten erst am nächsten Morgen unter den Trümmern gesunden werden. Die Explosion ist vermutlich durch die Entzündung von Denzin- gasen hervorgerufen worden. Der Explosionsdruck war so stark, daß die Seitenwände des Gebäudes barsten und samt der oberen Decke in sich zu-

nach den Schnee- und Eisgefilden des Südens zu befriedigen. Ein erfahrener Polarforscher, der als Kapitän Shackleton auf seinen Forschungsreisen be­gleitet hat, Commander J.R. Stenhouse, der einzige Polarforscher, der zu allen Jahreszeiten ein Schiff im Rohmeer befehligt hat, bereitet einen solchen Dampferausflug nach der Antarktis vor. Er hat sich zu diesem Zweck einen Dampfer von 12500 t gesichert, der noch für die Eisarbeit verstärkt wird, und läßt ihn zu einem Luxuskreuzer umgestalten, auf dem etwa 200 Passagiere bequeme Hnlertunft finden werden. Die Kosten sind allerdings nicht gckvz billig und werden sich je nach Bedürfniffen des einzelnen Rei­senden auf etwa 10000 bis 15000 Mark belaufen. Der Südpolarkreis bietet aber dafür den Besuchern einzigartige Vorzüge und großartige Überraschun­gen. Es ist ein keimfreies Gebiet. Stenhouse hat Konservenbüchsen gefunden, die in einer Hütte des Polarkreises 14 Jahre lang lagen und nicht die geringste Spur von Rost zeigten. Der Inhalt war tadellos. Außerdem sind die ultravioletten Strahlen hier stärler als in irgendeinem andern Teil der Welt- Erkältungen sind unbekannt. Die Sonne scheint 24 Stunden im Januar, und die Kälte ist durchaus erträglich. Es ist ein trockenes und keineswegs rauhes Klima, das hier herrscht- Der beste Monat zu einem Besuch des Südpols ist der Januar: auch im Fe­bruar und März ist die Durchfahrt fast eisfrei, aber der Tag hat dann nicht mehr 24 Stunden. Wunder­volle Farbenspiele erwarten den Besucher in diesem ewigen glänzenden Sonnenschein. Aus der Westseite des Rohmeeres erheben sich Bergketten über 3000 m hoch und umgeben die Küste mit einem großartigen Rahmen. Der Mount Erebus, ein dampfender Vul­kan, der über 4000 m emporragt, erhebt sich über den Winterhütten, die Scott und Shackleton bewohnten. Diese Hütten und ebenso das Lager des Amerikaners Byrd werden besichtigt. Auch wird man das eigen­artige Schauspiel der großen Walsischflotten bewun­dern können, die hier im Polarmeer die unglücklichen Riesen auf ihren schwimmenden Fabriken sofort ver­arbeiten. Der Dampfer soll am 10. Dezember von Southampton absegeln und im Mai nächsten Jahres zurückkehren. Die ganze Reise wird sich über eine Strecke von etwa 50000 km ausdehnen, wobei die Reisenden etwa 120 Tage auf dem Schiff verbringen und 21 Tage an Land. Wie Stenhouse hervorhebt, findet sein Plan große Begeisterung, und es wird nicht an Reisenden fehlen, die sich diese neue Sen­sation verschaffen wollen.