Nr. 182 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Mittwoch, 6. August 1950
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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Dr. Frredr. With. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen.
Butterkrieg.
Der starke Sturz der Butterpreise im Frühjahr hat die deutsche Landwirtschaft gerade in dem Augenblick getroffen, wo wir durch Der- befferung unserer Milchwirtschaft zu einer Steigerung Der Erzeugnisse zu gelangen hofften und dadurch Hunderte von Millionen ersparen wollten. die bisher für die Einfuhr von Milchprodukten ins Ausland gingen. Durch den Sturz der Butter wurden alle Rentabilitätsberechnungen über den Haufen geworfen. Begreiflich genug, daß deshalb die Landwirtschaft auf eine Erhöhung des Zo11schutzes drängte, die aber nicht möglich war, weil der DutterpreiS im finnischen Handelsvertrag gebunden ist. Es bliebe also nur die Möglichkeit, entweder den Handelsvertrag mit Finnland zu kündigen oder im Verhandlungswege Finnland für eine Erhöhung des Zolles ?u gewinnen. Was an sich um so leichter mög- ich gewesen wäre, als die Buttereinfuhr aus Finnland nach Deutschland nicht allzu groß ist und in privaten Verhandlungen den Finnen die Abnahme der bisher von ihnen eingesührten Mengen sichergestellt werden sollte.
Die eigentlichen Ruhnießer des niedrigen Butterzolles sind vor allem Holland und Dänemark, die auf Grund der Meistbegünstigung ihre Butter billig auf den deutschen Innenmarkt werfen und unsere Bauern unterbieten konnten. Don ihnen ging denn auch der Widerstand gegen eine Aenderung der entsprechenden Bestimmungen des deutsch-finnischen Handelsvertrages aus, der sich einmal mit einem Protest in Berlin, zum andern in einer Doykottbe- toegung gegen deutsche Waren in Holland, zum dritten in einem diplomatischen Druck auf Finnland äußerte. Finnland bat eS bisher nicht gewagt, die bereits getroffenen Abmachungen zu ratifizieren, weil es Repressalien Hollands und der nordischen Staaten fürchtet. Die deutsche Regierung hat aber noch einmal Vertreter nach Helsingfors ?geschickt, um zu einer gütlichen Regelung zu ommen.
Der Ausgang ist deswegen so wichtig, weil der Srnährungsminister Schiele auf die Erhöhung der Butterzölle sestgelegt ist. Wenn er also jetzt nicht zu einer Verständigung mit Finnland kommt, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als im Kabinett die Kündigung des Handelsvertrages zu beantragen und, falls er damit unterliegt, feinen Rücktritt zu erklären. Wo- duvch dann die ohnehin nicht gerade durchsichtige Gliederung des Wahlkampfes noch verworrener würde. In politischen Kreisen rechnet man aber daraus, daß es zu solchen Folgerungen nicht kommen wird, obwohl der Reichsverband der deutschen Industrie mit großem Rachdruck die Reichsreaierung gewarnt hat vor den Gefahren, die die Durchführung des Boykotts inHol- I a n b für uns bringen könnte. Holland ist sicher einer unserer oeften Kunden, eins der wenigen Länder, daS mehr Waren aus Deutschland kaust als nach Deutschland verkauft. Aber auch die Hollander sollten nicht vergessen, daß Deutschland ungeheure Reparationen zahlen muh, daß es infolgedessen darauf angewiesen ist, seine Einfuhr tunlichst zu drosseln und deshalb Aar nicht anders handeln kann als durch Hochzuchtung der eigenen Landwirtschaft Devisen zu sparen. Uns will scheinen, als wenn die Holländer sehr viel mehr Anlaß hatten, gegen die Auswüchse des Schutzzolles in den Vereinigten Staaten einzuschreiten, weil dort die finanziellen Auslandverpflichtungen fehlen, die in Deutschland immerhin Schutzzölle rechtfertigen.
Deutsche Sozialpolitik.
Eine Diebe StegcrwaldS in München.
München, 6. Aug. (TU.) Die christlichen Gewerkschaften Münchens hielten eine Dertrauens- männerversammlung ab, auf der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald u. a. ausführte: Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik könnten nicht gesondert, sondern müßten als eine Einheit behandelt werden. Wenn Deutschland sich nicht baldigst auf die internationale Preislage umstelle, dann werde die Massenarbeitslosigkeit zu einer Dauererscheinung werden. In derselben Stunde, in der sich die privatkapitalistische Ordnung in einer schweren Krise befinde, könne innerhalb dieser Ordnung nicht sozia- l i st i f ch e S t e u e r- und Wirtschaftspolitik gemacht werden. Keine Zeit sei ungeeigneter für wirtschaftliche Experimente als die Gegenwart.
Das Bürgertum müsse sich llar sein, daß es für die deutsche Arbeiterschaft ein politisches und wirtschaftliches Zurück auf 1914 nicht mehr gebe. Rur über das Tempo des Aufstiegs könne man streiten, nicht aber über den Aufstieg an sich Schließlich müsse die Arbeiterschaft sich bewußt werden, daß sie nur mit dem deutschen Dolk im ganzen auf steigen oder in eine große Elendsperiode hineingeführt werden können. Der Wahlkampf gehe darum, die Staatsfinanzen auf eine dauernd gesicherte Grundlage zu stellen, ein Steuersystem zur Einführung zu bringen, bei dem die Körperschaften, die die Ausgaben beschließen, auch für die Aufbringung der Mittel zu sorgen hätten. Sparsame Wirtschaft sei notwendig auf der ganzen Linie mit der Maßgabe, daß an der Volksgesundheit, der Volkskraft und der Dolksmoral nicht Raubbau getrieben werde. Die Quelle der Sozialpolitik sei eine gesunde Wirtschaft. Daher müsse nachdrücklichst an der Kräftigung bet Wirtschaft gearbeitet werden.
Oie Mitte im Aufmarsch zum Wahlkampf.
Ein „Lunger Volksparteiler" an Dr. Scholz.
Die Wäßlcrichaft will klare Fronten.
B e r l i n, 5. Aug. (TU.) Das volksparlellichc Mitglied der Preffeableilung der Reichsregierung Oberregierungsrat Dr. IDalter Heide veröffentlicht im „Börfen-Couriet“ einen offenen Brief an den Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, in dem es u.a. heißt:
Auf breitester Basis haben Sie versucht, Liberalismus und Konservatismus auf auf einen gemeinfamen Renner }U bringen — nicht ideenmähig oder weltanschaulich — sondern in dem alles umspannenden willen zur Rettung des Vaterlandes. Ihr erster versuch ist se hl geschlagen. Leider. Taktische Ungeschicklichkeiten, gegenseitiges INihtrauen, weitgehende Verärgerung haben den guten willen nicht zur Tat werden lassen. Sie haben Ihre Sammlungsaktion nicht aufgegeben, sondern sie auf nachbarlicher Basis fortgesetzt. Die letzte Möglichkeit zu einer Sammlung ist nicht ausgeschöpft, solange nicht der Brief von Herrn stoch die Erledigung gefunden hat, die er verdient und die weite streife auch der Volkspartei erhoffen.
Sie sollen eine Besprechung mit der Staatspartei für denselben lag anberaumt haben, wie die Verhandlungen mit den Nachbarn der Rechten. Das ist 5 u spät, wenn Sie ehrlich die Verständigung mit der Staalspartei wollen, und daran zweifle ich keinen Augenblick, dann muh die geplante Besprechung mit Herrn stoch ober dem neuen Verhandlungsführer Dr. Höpker-Aschosf schon heute oder morgen stattfinden, damit die Staalspartei bereits am Donnerstag, dem Tage der (Befamlbe- fprechung, in ihre alte Front wieder eInge re I h t ist.
Der Staat ist in Gefahr. Die Zeit drängt und d I e Wählerschaft will klare Fronten. Die Jugend verlangt aus dem harten willen des Front- erlebniffes und aus ihrem Idealismus die befreiende Tat. hätte Strefemann gelebt, wäre es sicherlich nicht zu dieser Art der Gründung der Staatspartei gekommen, die wir bedauern. Niemals aber wäre auch ein Bruder st reit ent st anden, wie wir ihn jetzt erleben. Nicht Sie trifft die Schuld, daß es so kam. Aber Sie haben jetzt die heilige Pflicht, noch einmal die ausge- ft reifte Hand z u ergreifen, die Herr stoch Ihnen bot ... Zwei Männer mit solch vornehmer Gesinnung, die einander „In alter Verehrung" begegnen, sollten gemeinsam den weg aus diesem Labyrinth des Hasses und der Zwietracht finden. Herr Minister, bringen Sie in die Verhandlungen den frischen hauch einer neuen Ge- {Innung, sprechen Sie von Mann zu Mann, ohne sich in Taktik zu verlieren. Denn d i e Einzelpersönlichkeit ist immer noch das Primäre. Offenheit und Tatwille bedingen den Erfolg. Volkspariei und Siaaispariei
Die Aussprache zwischen Koch-Weser und Scholz.
B e r l i n , 5. Aug. (WTB.) Die Rational - liberale Korrespondenz, der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Volkspartei, teilt mit:
Die in der Presse verschiedentlich verbreitete Auffassung, daß die zwischen den Herren Koch und Scholz verabredete Aussprache den Zweck habe, neue politische Verhandlungen zwischen Deutscher Dolkspartei und Staatspartei herbcizuführen, ist unrichtig. Es handelt sich bei dieser Unterredung nicht um eine politische Aktion, sondern um eine einfache Aussprache von MenschzuMensch, die
Nationalisierung der Reichsfinanzverwattung.
Berlin, 5. Aug. Seit mehreren Monaten ist das Reichsfinanzministerium und die Reichsfinanzverwaltung Gegenstand eingehender R a - tiona lis ier un gsprüf ungen. Diese Erhebungen, die im Einverständnis mit dem Finanzminister vom Reichssparkommissariat durchgeführt werden, erstrecken sich nicht nur auf die Berliner Zentralstelle, sondern auch auf die Landes- finanzämter und auf die Zollverwaltung, die bereits einmal Gegenstand einer kleineren Ueberprüfung war. Angesichts der Rotwendigkeit, in der gesamten Reichsverwaltung zu einer größtmöglichen Sparsamkeit zu kommen, ist auch der neue Finanzminister an dem Ergebnis besonders stark interessiert. Es handelt sich um eine Fülle außerordentlich komplizierter Fragen. Auch Probleme des Steuererhebungswesens fallen in den Untersuchungsbereich. Wie wir hören, sollen die Prüfungen bis Ende September abgeschlossen sein, so daß dann dem Reichsfinanzminister das Ergebnis in Form einer Denkschrift mitgeteilt wird. Es ist Sache der Reichsregierung, über die prakttsche Auswertung der dann er»
auf Grund des Briefes von Herrn Koch-Weser an Scholz erfolgt und die sich auch schon daraus von selbst ergibt, daß Herr Koch-Weser und Dr. Scholz sich aus langen Jahren gemeinsamer kommunaler Tätigkeit kennen. Die durch den ein- fttmmig gefaßten Beschluß des RcichsauSschusscS der DDP. bestimmte Haltung der ganzen Partei hat sich in keiner Weise geändert. Die Deutsche DolkSpartei ist nach wie vor bestrebt, ohne Rücksicht auf die Begriffe rechts und links, alle diejenigen zusammenzuführen, die bereit sind, die Rettung des Staates in letzter Stunde über alles andere, sonst Trennende zu stellen. Die Deutsche Dolkspartei würde, wie schon mtt- geteilt, mit großer Befriedigung davon Kenntnis nehmen, wenn die S t a a t S p a r t e i an den eingeleiteten erfolgversprechenden Verhandlungen
über die Bildung einer solch großen Front t e i l n e h m e n würde.
Der Ehnstlich-soziale Volködienst in Hessen-Nassau.
F r a n k s u r t a. W._ 5. Olug. (WSR.) Der Vorstand deS Landesverbandes Rassau des Christlich- soz a en Volksd.cnstcs hielt am vergangenen Sonntag in Höchst a. M. eine Tagung ab. in der zu den Beschlüssen des Reichsvorstandes über die Reichstagswahlen Stellung genommen wurde. Sie wurden einhellig gebilligt. Ferner erfolgte die Aufstellung der Äanbibatenliftc für den Wahlkreis Hessen-Rassau, an deren Spitze 6er bisherige christlich - soziale Abgeordnete H a r t * w i g steht.
EinAppeiiHöpkei-AschoffszlirSmmiMgderMtte
Köln, 6. Aug. (ERB.) Die „Kölnische Ztg." veröffentlicht einen 2lppell des preußischen Finanzministers Dr. Höpker-Afchoff, in dem es u. a. heißt: Cs gilt, die staatsbürgerliche Mitte aus der Demokratischen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschastspartei und der Dolksnationalen Bewegung zu bilden. Es ist ein Trugschluß, auch die anderen Elemente der neuen Rechten in die neue Staatspartei eingliedern zu wollen. Wie sollen wir aus die Dauer mit Westarp und Schiele gemeinsame Kulturpolitik, WirlschastepoUlil und Auß.'npoli- tik machen können? Die neue Staatspartei, unsere Hoffnung, kann nur dann groß und mächtig sein, kann nur bann die Sehnsucht von Millionen von Staatsbürgern erfüllen, wenn ihr die ent« schlossc ne Richtung politischen Handelns nicht durchetne Derkoppelung mit wesensfremden Elementen verdorben wird. Diese Erkenntnis muh sich durchsetzen, wenn unsere weiteren Bemühungen einen Erfolg haben sollen.
Die Stunde ist so ernst, daß unsere Bemühungen nicht an Personen und an Empfindlichkeiten über das Vorgehen von Personen scheitern Dürfen; ich spreche ganz offen: Koch - Wes e r war
davon durchdrungen, daß die neue Staatspartei aus Den oben bezeichneten Elementen Der staatsbürgerlichen Mitte gebildet werden könnte. Er hat, weil er glaubte, handeln Ku müssen, schnell gehandelt und zunächst einmal Die Clemente Der Demokratischen Partei und Der volksnationalen Bewegung im wesentlichen ^ufammenge* führt. Run finD die anderen. Die auch nach unserer äleberzeugung für eine ReubilDung in Frage kommen, v e r st i m m t. Ich appelliere an Die Verantwortlichen, Diese Verstimmung zurück- zustellen. Koch-Weser hat sich bereit erklärt, zurückzustehen unD anDeren Männern unD Frauen Die Führung zu überlassen, wenn nur Das große Werk gefördert werDen kann. Ich appelliere an Die Verantwortlichen, jetzt keine Taktik zu treiben und ihren Verstand nicht Daran zu verschwenden, Die anDeren ins Unrecht zu setzen, um etwa eine bessere Position im Wahlkampfe zu haben. Die ernsten Wähler wollen von Taktik nichts wissen; sie wollen Die Staatspartei, Der sie mit gutem Gewissen ihre Stimme geben können. Sie wollen — nachdem sie in der Politik heimatlos geworden sind — wieder eine Stätte politi schen Wirkens haben. Roch ist es nicht zu spät.
Oie Hitzewelle in Amerika.
Katastrophale Auswirkungen auf die amerikanische Landwirtschaft.
Washington, 5. Aug. (WTB.) Die bereits feil Dem 17. Juli im ganzen Mittelweslen und Osten Des LanDes herrschende Hitze von 40 bis 45 Grab Letsius, Die nur währenD Dreier Tage Der vergangenen Woche auf 35 Grad herunterging, feit Sonntag aber wieher Tag unD Nacht ununterbrochen anhält, unterwirft nicht nur Menschen unD Vieh schweren Strapazen, sonDern Droht auch Der LanDwirtschaft unermeßlichen SchaDen zu bringen. Seit Wochen ist kein Regen gefallen, und Die Wetterwarten können für absehbare Zeil keine Erlösung in Aussicht stellen.
Der Präsident Der lanDwirtschasttichen Genossenschaft hat Dem Präsidenten Hoover mitgeteilt. Daß Die Hitze unD Die Trockenheit sich zu einer großen Katastrophe für ZweiDrittel Des LanDes auszuwachsen Droht. Das GetreiDe ist zum großen Teil verDorrk, Die ID e i De n finD in Der ftän- Digen Glut Der Sonne braun gebrannt. Oeft- lich Des Mississippi haben walbbränbe große Strecken verwüstet, Flüsse unD Seen trocknen aus. Die Fische Herben, Das Vieh geht an Wassermangel ein, unD in Den meisten GegenDen roirD Das Trinkwasser Immer knapper. Präsident Hoover ist Daher von Vertretern Der LanDwirtschaft aufgeforDert roorDen, Den Farmern roeit- gehenDe ft r e D i t e sowie ermäßigte Frachtraten zu verschaffen. Damit Das Vieh aus Den
ftxitteten Vorschläge, die von einem früheren Landesfinanzamtspräsidenten, also einem guten Kenner der Verwaltung, leitend bearbeitet werden, zu entscheiden.
Oie Zukunst Bayreuths.
Frau Winifred Wagner die Leiterin der Festspiele.
B a y r e u t h, 5. Aug. (WTB.) 3n der Kapelle des städtischen Krankenhauses fand heute vormittag die Aussegnung Der Leiche Siegfried Wagners im engsten Familienkreise statt. Rach einem Quartett der Konzertmeister des Festspielorchesters richtete Dekan Dr. Wolf- Harth erhebende Worte an die Trauerversammlung. Es waren neben der Gatttn des Verstorbenen erschienen die Schwestern Daniela Thodc, und Frau Chamberlain, ferner u. a. die drei Dirigenten der Festspiele Dr. M u ck, Tos - c a n i n i und Elmendorf, Prof. Dr. Rüdel, der Letter der Chöre. Graf du Moulin- 6darbt, München. Am Mittwoch erfolgt die äleberführung der Leiche in die Stadtkirche, wo sie aufgebahrt wird. Freitagabend findet im Festspielhaus eine große Trauerfeier des Orchesters
futterarmen Gegenden abtransportiert werden könne. Es wird darauf hingcwiefen, daß in Flachs, Baumwolle, Mais, ftartoffeln, Tabak und Baumfrüchten katastrophale Mißernten zu befürchten feien. Der bisher angerichtete Schaden fei bereits so groß, daß Die Folgen noch mehrere Jahre zu spüren seien, selbst wenn innerhalb Der nächsten 30 läge Regen kommen sollte, wofür jeDoch wenig Aussicht besteht.
Die Hitze fordert tägiichzahlreicheTodes- opfer. In Neuyork finD gestern sechs Personen Dem hihschlag erlegen. Man befürchtet, daß bei einer FortDauer Der Hitze, Deren EnDe noch nicht abzu- sehen ist, an vielen Orten Mangel an Wasser unD Milch eintreten roirD. Die CanDrolrte roeröen angeroiesen, Das Dem versengen ausgesetzte (Betreibe als Viehfutter zu oerroenDen. Der Schaden, Der Der Landwirtschaft bisher entstanden Ist, wird auf eine halbe Milliarde Dollar geschätzt. In der Stadt Neuyork allein beträgt der Schaden, Der Dem Wirtschaftsleben durch die lähmende Hitze zugefügt wird, schätzungsweise fünf Millionen Dollar täglich. Allein an ft o r n find nach den Berechnungen der Getreidemakler im Juli 400 Millionen Bufhels vernichtet worden. Die Lage ruft in Begierungsfreifen lebhafte Beunruhigung hervor. Präsident Hoover hatte mit dem Sekretär für Ackerbau eine längere Besprechung über die Not der Landwirtschaft.
und der gefamten Künstlerschaft für Siegfried Wagner statt.
Siegfried Wagner hat in seinem Testament seine Gattin Frau Winifred als alleinige Erbin eingesetzt und als alleinige zukünftige Leiterin der Bayreuther Festspiele bestimmt. Auf ihren Wunsch hin haben sowohl Künstlerschaft als auch alle an den Festspielen beteiligten Stellen chre Aemter beibehalten. Eine Absetzung der Bayreuther Festspiele 1931 dürfte mit Rücksicht auf die bereits getroffenen umfangreichen Vorbereitungen nicht in Frage kommen. — Reichskanzler Dr. Brüning hat zugleich im Harne der Reichsregierung an Frau Wagner ein herzliche- Bei-, leidstelegramm gerichtet.
deteiligllng her Franzosen an den Nürnberger Echwimmwetttämpsen.
Paris, 6. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der französische Schwimmeroerband wird an der internationalen Veranstaltung in Nürnberg teilnehmen. Die Sportzeitung „L'Auto" schreibt, Die Mitglieder des Vorstandes des französischen Schwimmer, verbandes hatten zwar bedauert, baf$ im Falle Cuvelier nicht Freisprechung erfolgt sei, sie seien


