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Oberheffen.

Landkreis Gießen.

5 Wirberg, 4. Dez. 2lm letzten Sonntag führten die Konfirmanden und Schulkinder ein Advcntsspiel in den Gottesdiensten auf dein Wirberg und in Vellberg auf. 3n der Kirche zu VellSbcrg lief am Dienstagabend der Film die Wunder der Schöpfung": den erläuternden Vor­trag hielt der Geschäftsführer Schäfer aus Darmstadt. Der Filmvortrag, dessen Reinertrag für das Krüppelheim in Rieder-Ramstadt be­stimmt ist. war trotz der wirtschaftlichen Rotlage gut besucht. 3n Göbelnrod wurde derselbe Vortrag am Mittwochabend veranstaltet, der Be­such war dort ebenfalls gut zu nennen. Die e v an g. -kirchlichen Frauen vereine des Kirchspiels haben ihre winterlichen Dercins- abcnde mit einem Lichtbildervortrag, den der Leiter über die Gustav-Adolf-Dercinsarbeit hielt, wieder begonnen

-s- Grünberg, 4. Dez. Am Schlüsse dec jüngsten Gemeinderatssitzung, über deren wichtigsten Tagesordnungspunkt wir gestern schon berichteten, verhandelte man noch über ein Gesuch von drei hiesigen Spengler- und 3n- stallationsgeschästcn, die um LIc be r l a s s u n g des Rathaussaales baten, um dort einen billigen Emailleverkauf für di«Dauer von 14 Tagen einzurichten. Der Grund für ihr Vorhaben dürfte, wie von einer Seite mitgetcilt wurde, in dem ähnlichen Vorgehen ihrer Schotte- ner Berufskollegen zu finden sein, die auf diese Weise einem dort weilenden Emaille-Wander- lager Konkurrenz boten. Von gewerblicher Seite wurde das Gesuch warnr befürwortet. Gin Be­schluß wurde jedoch nicht gefaßt, cs soll aber, da gegen die Lle^rrlassung des Rathaussaales Bedenken bestehen, den Gesuchstellern das in den nächsten Tagen frei werdende alte Spritzenhaus für ihr Vorhaben angeboten werden, dessen gün­stige Lage und größere Räumlichkeit hierfür be­sonders geeignet erscheinen.

)( Lich, 4. Dez. Den Mventsgottesdienst des vergangenen Sonntags verschönten der hiesige Posaunenchvr und der Frauenchor mit ihren Darbietungen. Der Frauenchor brachte unter der Leitung von Fräulein 3 ä g e r eine Weihnachtskantate zur Aufführung, die einen tiefen Eindruck hinterlieh. Die Solopartien sang Fräulein Lutz, Hungen, mit viel Verständnis. Die Orgelbegleitung hatte Lehrer Stein über­nommen. Dcr Posaunenchor wurde seinen Auf­gaben unter der Leitung seines neuen Dirigenten, Herrn Müller jr., vollauf gerecht. QIu) viel­fachen Wunsch soll die Weihnachtskantate am 3. Adventssonntag erneut zu Gehör gebracht werden.

Kreis Friedberg.

0 G ambach, 4.Dez. Der Radfahrer­verein .Wanderlust" hielt am Sonntag sei­nen diesjährigen Theaterabend ab. der sehr gut besucht war. Zur Aufführung gelangten ein Theaterstück, das die Leiden junger Deutscher in der Fremdenlegion schilderte, und ein Lustspiel, das seine Wirkung auf die Zuhörer ebenfalls nicht verfehlte. Den Darstellern, die sich sehr um die Aufführung bemühten, wurde reicher Beifall zu­teil. Der hiesige Kriegerverein veran­staltete einen Vortragsabend, zu dem als Redner der Schriftsteller Reuter aus Dornholz- hausen gewonnen war, der in anschaulicher Weise über die Schlachtfelder und über den Zustand der deutschen Kriegergräber in Rordfrankreich sprach

Kreis Schotten.

Laubach 4. Dez. Seit Beginn dieser ^Woche werden in mehreren Straßen unserer Stadt durch daS Telegraphen-Bauamt Gießen Kabellegungen vorgenommen. Hiermit wer­den bald die letzten, auf den Bürgersteigen stehen­den Telegraphen st angen aus dem Stadt­bereich verschwinden. Es konnten durch diese

Oer Dreizehnte.

Vornan von Anny von panhuys

Copyright 1929 by Verlag Vechthold Braunschweig 20 Fortsetzung Nachdruck verboten

Evas Gesicht war noch blaß, die Erregungen der letzten Zeit trugen daran die Schuld. Aber als Primo Duero jetzt zu ihr sagte:Wir wollen von uns und unserer Zukunft sprechen!" färbten sich ihre Wangen mit der sanften Röte, die so wundervoll zu ihrer lichten Dlondheit paßte.

Der Farbenwechsel auf dem Antlitz des blon­den Mädchens entzückte den Mann. Er lächelte: ,.3ch habe damals nicht gewußt, wie lieb ich Sie habe, Eva, jetzt weiß ich es und möchte ich keine langen Reden darüber halten, meine Ungeduld ist ja auch viel zu groß dazu, sondern ich möchte Sie fragen: Wollen Sie meine Frau werden? Bald, recht bald! 3ch bin so entsetzlich einsam, Eva. 3ch habe niemand, der mir nahesteht, nie­mand, der Anteil nimmt an dem. was ich tue und treibe.

Seine Stimme war weich und dunkel, jedes Wort schien Eva wie eine Zärtlichkeit, die ihr doppelt gut tat nach der Auseinandersetzung mit Hans Felsen.

3etzt dachte sie doch wieder an ihn und ihr war es, als dürfe sie die Hand nicht ausstrecken nach dem verlockenden Glück, das sich ihr bot, als dürfe sie es nicht auf Kosten seines Glücks. Aber Hans Felsens Frau würde sie ja doch nie­mals werden, weshalb sollte sie also ihrer Liebe entsagen.

bind sie hätte auch kein Rein über die Lippen gebracht, vor diesem strahlenden Qlugenpaar, das ihr ein leises, aber von 3auchzen erfülltes 3a abrang.

Sie sahen sich beide an, als hatten sie sich vor­dem nie gesehen, ihre Blicke hingen wie ge­bannt aneinander, und der Mann raunte:3ch habe dich lieb, Eva, erst jetzt bin ich mir dessen so ganz bewußt. Es ist herrlich, jemand so recht innig zu lieben.

Eva vermochte vor Erregung nicht zu spre­chen, ein starker Druck im Halse verhinderte sie daran. Sie mußte sich sehr zusammennehmen, sonst hätte sie vielleicht geweint. Aber das durfte sie nicht, man saß doch in einem Restaurant, und in ihrer Rähe politisierten zwei ergraute Herren voll Begeisterung und tranken dabei ein Glas Münchener nach dem anderen.

»Es war töricht und unüberlegt, heute hierher­zugehen, stellte Primo Duero fest.Komm, Eva, wir wandern lieber durch ein paar stille Straßen, Arm in Arm."

Eva war sofort bereit dazu, die Umgebung bedrückte sie.

Oie Preissenkung in Hessen.

Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft fordert weiteren Preisabbau.

Von der hessischen amtlichen Pressestelle wird mit­geteilt:

Die von den einzelnen hessischen Kreisämtern und Oberbürgermeistern der Städte mit den in Frage kommenden Wirtschaftsgruppen eingeleiteten Verhandlungen haben teilweise zu einer Sen­kung der Preise für Lebensmittel und anderer Gegenstände des täglichen Lebens geführt. Es hat sich jedoch im allgemeinen gezeigt, daß die Preis­senkung der l e b e n s w i ch t i g e n Güter, wie Nahrung, Kleidung usw., nicht gleichen Schritt ge­halten hat mit der Senkung der Preise für Roh- [t o f f e und der den Arbeitern, Angestellten und Beamten durch Lohn - undGehaltssenkung auferlcgten und in der nächsten Zeit noch zugemute- ten Opfer. Das Ministerium für Arbeit und Wirt­schaft hat dieserhalb in einem Rundschreiben die Lokalbehörden aufgefordert, mit allem Nachdruck auf eine weitere Preissenkung hinzuwirken und möglichst bald über das Ergebnis dieser Ver­handlungen zu berichten. Als notwendig wurde be­zeichnet, auch der Preisgestaltung in der Elektri­zitätswirtschaft, wie auch der Anfertigung

landwirtschaftlicher Gerate die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Die erhebliche Senkung der Holz-, Eisen- und Kohlenpreise muß unter allen Umständen in gleichem Ausmaße auch dem Landwirt zugute kommen, zumal er für seine Erzeugnisse meistens nur einen geringen Erlös erzielt. Ueberall da, wo Preisbindungen und Abreden der notwendigen Senkung der Preise hinderlich im Wege stehen, ist dem Ministerium ein­gehend zu berichten, um gegebenenfalls auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Ver­hütung unwirtschaftlicher Preisbildung vom 20. Juli 1930 deren Aufhebung betreiben zu können.

Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft gibt sich der Hoffnung hin, daß die einzelnen Berufs­gruppen im Hinblick auf die gegenwärtige wirt­schaftliche und politische Lage sich einer wesent­lichen Preissenkung nicht länger widersetzen werden. Ebenso wird erwartet, daß die Presse jeder Richtung in richtiger Erkenntnis der Lage mithilft, die jetzt so wichtige volkswirtschaftliche Aufgabe im Interesse von Käufer und Verkäufer möglichst schnell einer gerechten Lösung entgegenzuführen.

Protest gegen den Abbau des Kreises Schotten.

* Schotten. 4. Dez. Wie ein Lauffeuer ging heute die Pressenachricht durch unsere Stadt, daß der hessische Minister des Innern den Abbau des K r e i s e s S ch o t t e n plane. In allen Bürgerkreisen macht sich wegen dieser Absicht große Auf­regung bemerkbar, da die Aufhebung des Kreises Schotten besonders für die Kreisstadt den Ruin be­deuten würde. Die gesamte Einwohnerschaft hofft aber, daß der Landtag in richtiger Würdigung der wohlbegründeten Vorstellungen von Schotten und der lebenswichtigen Interessen der StadtunddesKreises noch in letzter Stunde das Unheil abwenden und der Regierung nicht die gewünschte Ermächtigung zum Abbau des Kreises Schotten geben werde. Heute abend fand eine

große Protestversammlung

in der Turnhalle statt, die bis zum letzten Platz gefüllt war. An der Kundgebung nahmen nicht nur die Schottener Bürger, sondern auch zahlreiche Ein- wohner aus dem Kreise Schotten teil. In eindrucks­voller Rede klärte Bürgermeister Menge! (Schot­ten) die Versammlung auf üoer die ungeheure Gefahr, die über der Stadt und dem Kreise Schotte schwebe, und machte auf die w e i 11 r a g e n - den Folgen aufmerksam, die von der Austeilung des Kreises Schotten für die Stadt- und Kreis- bcDÖIfcrung zu erwarten seien. Weiter berichtete er über die seitherigen Maßnahmen der Stadtver­waltung, des Kreistages, der Bürgermeister, sowie sonstiger Organisationen, die gegen die verhängnis­volle Absicht der Regierung getroffen wurden. Er betonte dabei, daß die angeoliche Ersparnis, die sich die Regierung von der Aufteilung des Kreises ver­spreche, illusorisch sein werde, und daß die Kosten des Abbaues nur die Stadt und der Kreis und die wirtschaftlich ohnehin leistungsschwache Bevölkerung, nicht zuletzt aber auch der totaat selbst zu tragen haben werde.

In der anschließenden Aussprache traten Kreis- direktor Dr. I a n n , Lehrev Link und Dr. D a m b» mann, särnlich von Schotten, sowie für den Vogels.

berg Bürgermeister Appel (Ulrichstein) mit Nach­druck für die Erhaltung des Kreises Schotten ein.

Die berufenen Vertreter der Stadt und des Kreises Schotten werden bei den zuständigen Regierungs­stellen sofort erneute Vorstellungen er­heben. Die Versammlung stimmte einmütig für folgende

Entschließung

Die in der überfüllten Turnhalle heute ver­sammelte Bevölkerung der Stabt Schotten ist in ungeheurer Erregung und in Heller Empörung über den plan des Herrn Ministers des Innern, der den Kreis Schotten aufteilen will, lieber die unheilvollen Folgen dieser Absicht ist sich jeder Bewohner der Stabt unb bes Vogelsberges klar. Damit wirb bas Tobesurteil unserer Stabt ausgesprochen, zahllose Existenzen in allen Berufsständen werben vernichtet, bie (öemeinbeoer- waltung selbst wirb finanziell völlig ruiniert Schot­ten ist restlos bem Untergang geweiht, wir wehren uns dagegen, bah eine solch« Art bet Dermal- tungsreform, bie keinerlei finanzielle Erspar­nis für ben hessischen Staat bebeutet, auf Kosten einer wehrlosen o b e r h e s s i s che n Kreis­stabt unb einer wirtschaftlich fo schwer bebrüeften Vogelsberger Bevölkerung, bet man bamit neue Lasten auflabt, ausgetragen werben soll, wir sehen in bie Herren Ubgeorbneten bes hessi­schen Canbtag» bas volle Vertrauen, daß ber Landtag niemals die Hand zu einem solchen folgenschweren Schritt reichen wird, der von dem Volk unb der Geschichte nie verantwortet werden kann. Line immer weiter um sich greifende Er­bitterung würde anheben, die in ihren Folgen un­übersehbar wäre. Jn letzter Stunde ein letzter vcrzweifelterRotschrei: Erhaltet dem Vogelsberg den Kreis Schollen."

Arbeiten die restlichen Erwerbslosen, soweit sie nicht bei der Holzhauerei unterzubringen waren, für einige Zeit Beschäftigung finden. Die 3ahresrersammlung des hiesigen Obst- und Gartenbauvereins fand unter dem Vor­sitz des Beigeordneten Pitz imSolrnser Hof"

statt. Es kamen wie alljährlich wieder 18 junge aus der Kreisbaumschule gelieferte Obst- bäume unter den Mitgliedern zur Verlosung. Mit einer lebhaften Aussprache über die Obst- baumpflege fand die Versammlung ihren Ab­schluß.

'£ Groß-Eichen, 3. Dez. 3n den Gemein­den Groß-Eichen und Sellnrod wurde vom Hessischen Landesverein für 3nnere Mission ein Film:Die Wunder der Schöp­fung" vorgcsührt. Leider waren beide Veranstal­tungen schlecht besucht. Der Film führte ein in die Geheimnisse der Sternenwelt und war sehr lehr­reich. Der Reinertrag kommt dem Rcubau des Krüppelheims in Riederramstadt zugute.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

WSR. W e h l a r. 4. Dez. Rach längerer Krank­heit ist der Gemeindevorsteher a. D. Heinrich Droh. Kahenfurt, gestorben. Mit ihm ist ein mutiger und erfahrener Kämpfer des Tauernstandes dahingegangen, der weit über den Kreis seiner engeren Heimat hinaus bekannt und geachtet war. Er war der Führer der Wetzlarer Kreisbauernschaft und Mitglied des Kreistags und des Provinziallandtags. 3m Kreistag war er Fraktionsvoriitzender der Arbeitsgemeinschaft für Stadt und Land.

* Hörnsheim, 3. Dez. Der hiesige Ge­flügelzuchtverein veranstaltete am Sams­tag und Sonntag seine dritte L-stgl schau. Der Verein stellte damit seine Leistungssteigerung unter Beweis, indem in dieser Schau das doppelte Material gegenüber der ersten Lokalschau zur Ausstellung gelangte. Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis: Philipp Zorb erhielt den Bundesehrenpreis und einen Ehrenpreis auf schwarze Rheinländer; Anton Zörb Ehrenpreis (weihe Wyandotten): Wilh. Bepler, Ehrenpreis (bunte Sussex); Albert Engel, drei Ehrenpreise! (Rodeländer und Hamburger Silberlack). Auf Barnevelder erhielten Heinrich Mäher und Hein­rich Schmidt je einen Ehrenpreis. Wilhelm Mül­ler erhielt für Welsumer, und für rebhuhnfarbige 3taliener erhielt Wilhelm Michel je einen Eh­renpreis. Weitere Ehrenpreise erhielten Walter Hensel (silberhalsige 3talicncr), Richard Schmidt (schwarze 3taliener), Louis Schmidt (gelbe 3talie- ncr), Wilhelm Weber (ostfriesische Silbermöve), Heinrich Hofmann (schwarze Rheinländer), Her­mann Engel (weiße Leghorn) und Albert Ohly für weihe Zwergwyandotten. Als Richter (fun­gierte Herr May. Lang-Göns. Die Ausstellung bedeutet für den Verein einen großen Erfolg.

O Riederkleen 3. Dez. Dor dem Gast­haus Ohly ereignete sich ein älnglückssall. Ein Personenkraftwa gen aus Westfalen überholte dort ein mit Kühen bespanntes Fuhr­werk, stieß aber im gleichen Augenblick mit einem Pferdefuhrwerk zus ammen, das aus einem Seitenweg in die Hauptstraße ein­bog. Der Kraftwagen wurde an der Karosserie schwer beschädigt, am Fuhrwerk brach die Deichsel. Personen kamen zum Glück nicht zu Schaden Am gleichen Tage fuhr ein schwerbeladenec Lastkraftwagen mit Anhänger denSchnei­derberg hinab und geriet in sehr schnelle Fahrt, da die Bremse bereits in der gefährlichen Kurve versagte. Erst an der Kleebachbrücke kamen die Wagen zum Stehen nachdem zuvor der ins Schleudern geratene Anhänger das Sor­ge 6 ä u bc eines Anwohners schwer beschädigt hatte. Glücklicherweise kamen auch hier Menschen nicht zu Schaden Warnungszeichen sind an der gefährlichen abschüssigen Kurve durch die Provinzialstrahenbauverwaltung bis jetzt nicht angebracht worden

Dillkreis.

(t) Offenbach, 4. Dez. Hier versuchte ein Einbrecher zwischen 1 und 2 Tlhr der Gast­wirtschaft und Metzgerei 3 a n s s e n einen Besuch abzustatten Es gelang ihm. unbemerkt durch das Küchenfenster einzusteigen, jedoch beging er dann die ülnvorsichtigkeit, sich des elektrischen Lichtes zu bedienen Dec auf den Hof fallende Lichtschein wurde sofort bemerkt, und Frau 3anssen, die die Ursache ergründen wollte, sah, wie der Einbrecher durch das Küchenfenster in den Hof sprang und 1 über den Gartenzaun entkam.

Als sie dann langsam, seinen Arm in dem 1 ihren, durch verhältnismäßig ruhige Straßen ging, ward sie sich erst richtig bewußt, was ge­schehen war. Unb beide vertieften sich in die ur­alte Geschichte der Liebe, die sich immer wieder­holt und doch jedem, der sie erlebt, ganz neu und extra für ihn erfunden scheint.

Sie fuhren dann in einem Taxi an die Bahn, und in dem engen, kleinen Raume, der sie beide -doch völlig von der Mmtoelt abschloß, küßte Primo Duero die blonde Eva Hirtberg zum erstenmal. Und sie sann verworren, wie empfand sie die Küsse Primo Dueros doch so völlig anders als die des 3ugendfreundes.

Primo ließ sie endlich frei.

3ch werde dich nun lange Zeit nicht sehen", klagte er.Erst will ich nach Amsterdam und dann nach Hause, nach Barcelona, wo man mich auch erwartet. Wollen wir im Frühling heiraten, Eva, und wo? 3ch meine, es wäre am besten, du kommst so um die Weihnachtszeit herum nach Spanien, ich hole dich ab, und wir heiraten in deiner künftigen Heimat. Vorher aber schicke ich dir Gesellschaft. Du sollst nicht so allein sein. Möchtest du nicht Paquita Casanovas um dich haben? Sie ist immer vergnügt und würde sich sicher freuen, einmal für ein paar Wochen aus ihrem Alltagsleben herauszukommen.

Eva dachte, es möchte wohl ganj nett fein, ein vergnügtes Menschenkind nahe zu haben, sonst verlor sie sich vielleicht zu sehr in Senti­mentalitäten. Unb sie antwortete, da sie, wie sie ihm ja erzählt, in wenigen Tagen ihre Stel­lung aufgäbe, wäre sie froh, Gesellschaft in ihr ftille8 Häuschen zu bekommen. Auch mit allem anderen war sie einverstanden Wenn er von ihr verlangt hätte, sie sollte sich auf den Mond schießen lassen, er selbst würde dorthin nachkom- men, wäre sie auch einverstanden gewesen. 3hr erschien alles wie ein herrliches Märchen und so fern, so grenzenlos fern lag das, was mit Harrs Felsen zusammenhing. Sie versprachen sich, oft zu schreiben, und er sagte zärtlich:Wie gern hätte ich nun einmal dein Heim angeschaut, aber ich muh fort, ich muß dieser üblen Prin­zessin nachfahren. Doch um die Weihnachtszeit hole ich dich nach Barcelona. Dann werde ich ja dein Hcimatstädtchen und dein Heim kennen­lernen Bis Weihnachten ist ja nicht mehr allzu lange hin, und schon von hier aus schreibe ich meinem Vertreter, er soll die kleine Paquita zur Reise ausrüsten Du erhältst dann von ihm ein Telegramm, warrn du sie erwarten darfst.

Heute begleitete Primo Duero die blonde Eva bis an den Zug, und er küßte sie zum Abschied -"iq und lange.Auf Wiedersehn, mein Lieb, bleibe gesund und freue dich wie ich auf unsere uutunft Plötzlich sagte er, sehr ernst werdend: Der andere, ich meine Sennor Felsen wird dir doch hoffenllich keine Unannehmlichkeiten be­

reiten Soll ich mich nicht lieber mit ihm aus­sprechen?

Eva wehrte ab.

Er wird mir wohl aus bem Wege gehen Darüber brauchst du keine Sekunde lang nachzu­denken, Primo. Weiht ja, ich kannte ihn schon, als wir noch Kinder waren, wenn er auch einige 3ahre älter ist. Mit Leuten, die man eigentlich immer gekannt hat, wird man leicht fertig."

Er nickte:Du hast recht, glaube ich."

Der Zugführer hielt, obwohl er sah, das Paar muhte sich immer wieder die Hände drücken, immer wieder einen schnellen Kuh geben, rück­sichtslos an den ihm vorgeschriebenen Fahrplan fest, und so nahm auch der Abschied zwischen Eva Hirtberg und Primo Duero ein Ende. Der Zug fuhr hinein ins märkische Land und Primo Duero winkte noch einen Scheide grüß mit bem Taschen­tuch, dann verlieh er mit einem glücklichen Lächeln den Bahnhof.

15.

Ricolaas Sneek" stand über dem kleinen Laden eines alten Hauses der Hrereng achlt und darunter An- und Verkauf von Gold, Silber, Juwelen. Und noch weiter darunter: Pfänder werden hoch beließen. Vor diesem Laden stand Primo Duero und überlegte, ob er eintreten sollte. Er glaubte es wagen zu dürfen Er muhte damit rechnen, vielleicht die Montirossi oder Pieter van Muylen hier zu treffen. Beide würden ihn kaum erkennen, der Holländer hatte ihm an bem einzigen Qlbenb in der Pension gar keine Beachtung geschenkt und die Prinzessin noch viel weniger.

Er wagte es also. Er wollte erst einmal hier sondieren, da anzunehmen war, die blauen Bril­lanten hatten von hier aus den Weg nach Berlin gemacht. Er trat ein und befand sich in einem halbdunklen Raum mit einem Verkoufstisch und einem sehr alten Schreibpult. Die hinteren Räume waren durch einen verschossenen grünen Vorhang völlig und fast betont von dem Ladenraum ge­trennt.

Als Primo Duero die Tür geöffnet hatte, er­hob eine Glocke ein abscheulich grelles Gezeter, aber es dauerte ein Weilchen, bis sich der grüne Vorhang bewegte und ein älterer Mann in grauem Kittel und einer Hornbrille auf der kräftigen Rase sich dahinter vorschob.

Aber dec Vorhang bewegte sich noch einmal, unb ein Mann erschien, dessen Aussehen von einer ülnheimttchkeit ohnegleichen war. Er war fast zwei Meter hoch und sein breites, vulgäres Gesicht war abnorm häßlich durch bie platte Rase und bas Fehlen des rechten Auges. Er sah aus, als könne er mit drei Menschen zugleich Ball spielen, mit ihnen jonglieren

Ec rückte dem Besucher einen Stuhl zurecht unb verschwand bann wieder hinter dem Vorhang,

von dem bei der Berührung ein feiner Staub aufwirbelte.

Primo Duero konnte kein Holländisch, nur einige Worte. Auf diesen Besuch hatte er sich leiblich vorbereitet mit Hilfe eines Wörter Küch­leins Spanisch-Holländisch, bas er in einer Buch­handlung bet Kalverstraat entdeckt.

Primo Duero sagte, indem seine Augen noch immer an dem Vorhang hingen, der leise zitterte vor Grauen vor dem Monstrum, bas eben unter ihm hindurchgegangen:3ch möchte ein Schmuck­stück kaufen als Geschenk für meine Braut. Die 3uweliere sind so teuer, man kauft billiger in den Pfanbleihgeschäften" Es klang natürlich sehr abgehackt und sehr gebrochen, aber Ricolaas Sneek verstand, um was es sich handelte.

Er pfiff leise in einem bestimmten Rhythmus.

Eine Minute später erschauerte der Vorhang wieder, und ber Zyklop stand abermals im Laben, stellte ein paar flache Kästen auf den Verkaufs- ttsch und zog sich bann bis dicht an den Vorhang zurück. Dort blieb er stehen wie ein Steinbild.

Primo begriff, dieser Riese war der persönliche Schutz des alten Pfandleihers Ricolaas Sneek. Vor lleberfällen brauchte er in der Gesellschaft bestimmt keine Angst zu haben

Vor Primo Duero funkelten 3utoelen auf. 3n die Form von Ringen, Broschen und Ohrgehänge gebannt, oder in die von Armbändern und Schnallen

Primo Duero hatte sich den Besuch hier etwas anbers vorgestellt, ihn störte vor allem der Riese, der sich nicht von ber Stelle rührte, ihn nur manchmal mit dem einen Auge fast wohlwollend anblickte.

3ch mochte etwas ganz Apartes", radebrechte Primo- Duero.Es kommt dann auch nicht so genau auf den Preis an."

Der Vorhang geriet in leichte Schwingungen. Primo Duero dachte, es müßte jemand dicht da­hinter stehen. Gleich darauf teilte sich der Vor­hang und sie, um derentwillen er nach Amster­dam gefahren, stand vor ihm, in einem einfachen, aber die teure Schneiderin verratenden Kleid.

Sie neigte ben Kopf ein wenig, sagte aus Hol­ländisch jehr schnell etwas zu dem Alten

Primo Duero verstand keine Silbe. Der Pfand­leiher zog nur die Brauen hoch. Das schien bei ihmRein" zu heißen. Anscheinend war die Tochter mit dem Bescheid nicht zufrieden Sie sprach lebhaft auf den Vater ein, der als einzige Antwort die Brauen nur noch höher zog.

Die Montirossi wandte sich jetzt an den Kun­den und sprach ihn auf französisch an.

Vielleicht können wir uns in der Sprache besser verstänbigen, Monsieur. 3ch weih nicht, welcher Ratton Sie angehörcn aber Sic sind Romane, wenn ich nicht sehr irre. Entweder Franzose, Spanier oder 3taliener."

(Fortsetzung folgt).