Einzelbild herunterladen

greltag, 5. Dezember (930

siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Nr. 285 Zweites Blatt

Dumping als Mittel russischer Außenhandelspolitik

!//

sagen

an- eine ver»

wie ver-

Gules Kind", sagte der Mann mit der Papp­schachtel verdrießlich,nehmen Sie doch IHv bißchen Grütze zusammen: Las geht mich Herr Winde an? Dec Kerl hört ja nie. Aber man muß es doch wenigstens einmal sagen, nicht wahr?"

Man muß das doch einmal

Oie Handelskammern gegen das hessische Steuerprogramm

Das junge Mädchen, das den Hebel des Aus­nahmeapparates unwillkürlich fester packte, lächelte verzweifelt. Sie ließ halblauten Tons einflietzen, daß die Platte sogleich voll besprochen sein werde. Morx hörte nicht darauf.

Mit einem letzten Aufwand seiner Stimme donnerte er aufs kreisende Rund los: und

das Allerschlimmste ist. daß es Ihnen bisher noch keine einzige Seele gesagt hat, Herr Windel Sie Vichtskönner. Sie Dummkopf, Sie La fe

Unsere Aufnahme ist beendet", äußerte die Verkäuferin schüchtern, indem sie sich behutsam an dem erbitterten Schreihals Morx vorüber­schlängelte.

Va alsoI", brummte Marx,wenn wir unsere Platte abgespielt haben, dann kann ich ja aufhören. Wissen Sie, nur keine unnötige

Zeitschriften.

Das Dezemberheft von Westermanns Monatsheften hat natürlich wie jedes 3afjt die besondere Vote des Weihnachtsheftes. 3n der Familie wird das Weihnachtslied, das dem Hefle beigegeben ist und dem Voten beigefügt sind, große Freude bereiten. Mit Erzählungen sind die Dichter Voland Betsch, Wilhelm von Scholz und Ernst Zahn vertreten. 3n die Werk­statt des Malers Georg Orth führt eine durch viele Abbildungen belebte Abhandlung von Prof. Schulz. Gern werden die Skifahrer hireir. daß in diesem Heft eine Wiittersportnovelle ent­halten ist auf die wir besonders Hinweisen möchten, ebenso wie auf den ArtikelSchmuck der Dame". Die Zeit vor Weihnachten ist die Zeit der Geschenke. Der Artikel gibt hierzu wertvolle Anregungen.

Philosopyie und Leben. Heraus­gegeben von Pros. Dr. August Messer, Gießen. Verlag Felix Meiner, Leipzig CI. Das Vovemberhcft (11) ist religionsp^i'osophi- schen Problemen getoibmet. 3m Hauptteil schreibt 3renäus über Karl Emst Rankes Gottesbeariff. Hermann Schwarz verbreitet sich über das Thema .Werdende Gottheit". Eine prinzipielle Ausein­andersetzung in Gesprächs'orm handelt von .Wissen und Glauben, Philosophie und Theo­logie". Vielseitiges Mat rial zum Generalthema des Heftes enthalten die Lesefrüchte und die Aussprache. Besprechungen aus der einschlägigen Literatur runden das Gesamtbild ab.

Die Leipziger 3llu ft ritte Zei­tung (Verlag 3. 3. CELe'er) liefert in ihrem neuen Heft 44711 u. a eine aufschlußreiche Untersuchung, die betitelt ist .Don Medien, die aus der Schule plaudern". Karl @raf von Klinckowström gibt hier eine Anzahl von Beispielen spiritistischer Demon­strationen, die als Schwindeleien entlarvt wur­den. Eine Vevue der Frisuren von der Antike bis zur jüngsten Gegenwart bringt der Beitrag Wie wünschen Sie 3hr Haar, gnädige Frau?? Dem speziellen 3nteresfenkreis der Dame ist wei­ter der ModebeitragFür Straße und Gesell­schaft gewidmet ebenfalls eine Fundgrube mo* bischer Einfälle.

Anstrengung mehr...!"

Wir müssen die Platte jetzt noch fetten und vorspielsertig machen", lispelte das Fräulein, dann bekommen Sie 3hre eigens dazu gefertigten Vadeln und man kann so Platte übrigens im gewöhnlichen Brief

Als sie dem Käufer seine Ware in einer Pappschachtel überreichte, konnte die Verkäuferin nicht umhin, wider alle Vorsicht doch die schwie­rige und Aergernis erregende Frage anzutasten ... soll Herr Winde wirklich nicht ...?!"

Wo denken Sie bloß hin?!", oertounberte sich Morx,ich werde doch nicht den Teufel tun und mir diesen Burschen auf den Hals hetzen. Denken Eie mal: ein Abteilungsvor­steher!

3a, aber warum haben Sie denn bloß nur?!

schicken sollte? 3d) bin zufrieden, daß ich sie bekommen habe. Wie oft kann man sich, neben­bei gesagt, dieses Ding zu Hause vorspielen lassen?"

Ungefähr fünfzigrnal", erwiderte die Ver­käuferin bedrückt,und was ich noch sagen wollte das WortSie Gaffe!" ist nicht mehr darauf­gekommen. Es wird doch nichts schaden? Den Dummkopf" hört man dafür besonders gut!"

Lassen wir denLassen" ...", knurrte Morx großzügig,derDummkopf" tut es auch schon. Fünfzigmal wird es mit demVichtskönner" wohl reichen!"

Während die Verkäuferin mit fünfer Hand die äu besprechende Platte auf den Apparat schraub.e, bemertte sie, dap Morr noch etwas zaudernd stand. ,.

Es wäre vielleicht ganz gut, falls man pter allein bleiben könnte", äußerte er verdrieß.ich. gibt doch schließlich Dinge, bei denen man leinen Zuhörer braucht, nicht wahr? Ich sage Ihnen, Sie verlieren nichts dabei."

Mit einem zwar befremdeten, aber wohlwol­lenden Achselzucken gab das junge Mädchen zu verstehen, daß sich dieser Wunsch zu ihrem De- dauern nicht verwirklichen liehe, weil es ihr Amt sei, die Sprechaufnahme zu überwachen.

Da5 ist schade", murrte Morx nicht ohne einen gewissen 3ngrimm vor sich hin,aber wenn es nicht anders geht, dann ist da wohl nichts zu machen. Hören Sie also in des Leusels Hamen zu. Obschon es richtiger wäre, wenn Sie -

Er brach seinen Satz mit einer unmutigen Be­wegung ab und sah erbost den letzten Vorderei- hingen zu, seinen Stimmklang auf der Platte ein­zufangen.

Dvl> Harry Schreck

Als Oskar Morx die Schallplatten-Abteilung des Warenhauses betrat, unterschied er sich eigentlich in Vichts von der Schar der übrigen ^Besucher

Er schritt ein vom Leben schon sanft ver- schimmelter, aber immerhin rüstiger Mann be­scheiden zur Ka se um sich d.i seine Waitenummer zu holen und dann mit mürrischer Geduld aus­zuharren, bis die Veihenfolge an ihn tarne.

Erst als man ihn in den Aufnahmeraum bat, fiel der Verkäuferin sein rauher Tonfall auf, der streng die Frage unterstrich, ob er hier in der Tat jedes beliebige Satzgefüge auf die faust­große Schwarzscheibe sprechen dürfe.

Ein halberstauntes Lächeln versicherte ihm, daß dem nichts im Wege stehe und daß er für das entrichtete Entgelt von einer Wart zweifel­los die Berechtigung habe, seine Worte nach unbeeinflußtem Gutdünken auszuwahlem

Gleichwohl schien es Morr für zweckmäßig zu halten, feine Erkundigungen zu wiederholen: auch die ausdrückliche Bestättgung erweiterte ihn kaum.

an der Maschine herausstellt, muh sie Wochen- und monatelang stillstehen, weil keine Tech­niker für die Veparatur vorhanden sind. Man hat natürlich auch versucht, den eigenen Maschinen­bau zu forcieren, bisher aber mit geringem Er­folg, zumal es an Maschinenbausachverständigen mangelt und die aus dem Auslande, besonders aus Deutschland, herangezogenen, nach russischen Verhältnissen recht teuren Kräfte den Bau so verteuern, daß die aus dem Auslande bezogene Maschine oilliger ist, als die im Lande Herge­stell te. Das gilt auch für die Industrie, den Bergbau, den Eisenbahn- und Schiffsverkehr. Rußland produziert hier zu teuer und kann des­halb mit der Konkurrenz des Auslandes nicht Schritt halten. Das wird auch den ganzen In- dustrialisierungsplan Stalins auf absehbare Zeit vereiteln.

Auch die Steigerung der industriellen Ausfuhr ist nur möglich gewesen durch einDumping- s y st e m, das man für manche Warengruppen anwandte, um die Waren überhaupt absehen zu können. Und gegen dieses Dumpingsystem beginnt das Ausland sich bereits zu wehren. Das gilt besonders für England und Amerika. Der russische Absatz in England macht heute nur noch

Die hessischen Industrie- und Han­delskammern haben zu den Steuer- plänen der hessischen Regierung in einer Eingabe an diese folgende Stellung ein­genommen:

Wie wir aus der Presse entnehmen, sind seitens der hessischen Regierung zur Abdeckung des Fehlbetrags des Staatshaushalts für das Iahr 1931 vier Gesetzesvorlagen an den Finanz­ausschuß des Hessischen Landtags geleitet worden, in denen u. a. eine Erhöhung der Grund­steuer um 4 Millionen Marl und der Eon- dergebäudesteuer um 0,5 Millionen Mark vorgesehen ist. Der Finanzausschuß hat in­zwischen den Regierungsentwarfen zugestimmt. Bei der außerordentlichen Tragweite dieser Ge­setze für die hessische Wirtschaft bedauern wir. daß uns die Begründung der Regierungsvorlage amtlicherseits nicht zur Versagung gestelll wurde und wir lediglich auf die Informationen aus der Presse angewiesen sind. Die Folge davon ist, daß wir uns nur im allgemeinen zu den Vorschlägen der Regierung äußern können.

So sehr wir mit dem Bestreben der hessischen Regierung, unter allen Umständen eine Aus­gleichung des Etats herbeizuführen, einig­gehen Hal.en wir uns als amtliche Berufsver- treiung der hessischen Wirtschaft auf der anderen Seite für verpflichtet, wiederholt darauf hinzu­weisen. daß

eine weitere steuerliche Belastung von der TDirt- schaft jur Zeit nicht getragen werden tarnt.

Die Ertenntnis, Lag eine wirkliche Sanie­rung des Staatshaushalts nur erreicht werden a n nenn ie. Wirtschaften ausreichen­der Lebensspielraum gewährt wird, hat die Reichsregierung dazu veranlaßt, durch die in den letzten Tagen erlassene Votverordnung eine Realsteuersenkung vorzunehmen. Der Zweck dieser Maßnahme wurde vereitelt, wenn nunmehr seitens des Landes Hessen eine neue Erhöhung der Steuerlasten vorgenommen werden sollte. Die Zifiem. die als Steuer mehr- betrüge auf der einen und als Summe der Realsteuersenkung auf der anderen Seite genannt werden halten sich ungefähr die Waage.

tagung nahm nach eingehender und einmütiger Aussprache nächstes e ide Entschließung an:

Die volksparteilichen Kommunalpolitiker sind der Auffassung, daß bei allen neuen Stcucr- anforberungen in der Ietztzeil zunächst zu prüfen ist, ob nicht durch Verwaltungsmaß­nah m e n und Abstricheim Etat ei c$)c.fung&* möglichkeit gegeben ist. Denn das Gebot ver Stunde ist nicht Steuererhöhung, son­dern Lastensenkung. Eine R e a l st e u e r - erhöhung muß daher grundsätzlich ab­gelehnt werden.

Don den in der Votverordnung den Gemeinden zugewiesenen Steuern entspricht die V ü rg er­st e u e r am ehesten der volksparteilichen Grund- aufsassung. Sie ist daher auch für die DDP. die Doraussetzung für eine etwaige Einführung der Bier st euer. Die Schankverzehr­steuer ist abzulehnen."

senden."

Wieso?", fragte Morx erstaunt, kommen Sie darauf, daß ich so eine Platte

drei Prozent der Gesamteinfuhr Englands auS, und daß man in den Vereinigten Staaten von Amerika sehr scharf vorgeht, beweist die Einfuhr- Verweigerung russischen Holzes, die im 3uli diese« 3 ab res fast zu einem schweren Streitfall zwischen Rußland und Amerika geworden wäre. Rußlanc^ Politik geht darum heute darauf hinaus, überall günstige Handelsverträge zu erlangen, die ihm den Absatz seiner Ware sichern und die ferner die K r e d i t v e r h ä 11 n i s s e für Die nach Rußland einqeführken Waren möglichst günstig regeln. Zwischen Deutschland und Rußland besteht bekannllich em solcher Kredit­vertrag. Ganz kürzlich hat Rußland auch mit Italien einen ähnlichen Vertrag abgeschlossen, der vielleicht Italien zu einem starken Kon­kurrenten aus dem russischen Markt machen wird. Hat sich doch Rußland in diesem Vertrage ver­pflichtet, die Sotojetaufträgc, die für die italie­nische Industrie in Betracht kommen, zunächst einmal italienischen Firmen anzubieten und sich erst, wenn diese ablehnen, an andere Firmen des Auslandes zu wenden Run kann gewiß die italienische Industrie in den meisten Produkten mit der deutschen nicht konkurrieren Immerhin sind hier doch aber Italien Möglichkeiten ge­schaffen, die man bei uns nicht unbeachtet lassen sollte.

Wissen Sie übrigens schon, was Sie sprechen wollen?", fragte die Verkäuferin vorsichtig.Sie haben einundeinehalbe Minute Zeit zum Re­den ..." ..Und ob ich das weih!", polterte Morr gereizt,meinen Sie etwa, daß ich zu meinem Vergnügen hierhergekommen bin? Ode. glauben Sie, daß ich hier eine Liebeserklärung plauschen will? Ich bin immerhin fünfzig Iahre alt ...!"

Die meisten Herren fingen irgendetwas aus die Platte", fuhr die Verkäuferin harmlos fort, es gibt so reizende Lieder, nicht wahr? Viel­leicht fingen S e auch: .Waideslust! Wcndeslust! O, wie einsam schlägt die Brustt ?"

Soll ich nicht gleich das Lied vom treuen Husaren singen?", raunzte ihr Gegenüoer bissig. Manche Herren erklären zu Beginn: .Gesungen für meine liebe Braut Antonie', oder wie sie sonst heißt", erläuterte die junge Dame

Sie gewahrte noch rechtzeitig, daß die Augen ihres Kunden bedenklich zu funkeln an fingen, und zog sich in eine bekümmerte Schweigsamkeit zurück

Kann ich jetzt sprechen?", erkundigte sich Morr. Ditte!", erwiderte das Fräulein verstimmt. Leise surrte ein kleiner Stift über die Platte hin.

Oskar Morr hatte einen kurzen Zettel aus der Weste gefingert. Er beugte sich mit halbem Zwinkern darüber, um keinen Buchstaben außer acht zu lassen. Er setzte an:Gesprochen für mei­nen Abteilungsvorsteher Emil Winde".

Das Mädchen beim, Aufnahmeapparat horchte verwundert auf und äugte heimlich zu dem Be­sucher hinüber, der mit scharfer harter Betonung in die drehende Scheibenplatte hmeinsprach und dabei jeden Lautsplitter auskostete:

Daß Sie aus mich und die Herren, die unter Ihnen arbeiten müssen, wie ... na, sagen wir . - wie sonst was w rlen das wissen Sie wahr­scheinlich Daß Sie ein Streber sind, könnten Sie sich auch selbst denken. Aber daß Sie ..."

Um des Himmels willen!", stöhnte die Der- käüserin bestürzt, obschon sie pslichtg^nah die Stimme dämpfte,aber was reden Sie Denn da bloß?!"

Mit einer fegenden Geste der Faust wischte sie Morr in ihre Unbeträchtlichkeit zurück. Grell und böse sausten seine erbitterten Satze weiter: aber daß Sie zu allem der erbärmlichste Vichtskönner sind, der diese Erde je betteten hat ... daß Sie der dümmste Bursche sind, den man jemals an eine maßgebende Stelle ge­schoben hat. das hören Sie wohl erst von mirl

Einführung der Bürgersteuer in Darmstadt.

Darmstadt, 4. Dez. (WER.) In seiner heu­tigen Sitzung befaßte sich der Darmstädter Stadtrat erneut mit den Deckungsvorlagen für die Auszahlung der beschlossenen Winterbei- Hilfe. Nach lebhafter Debatte wurde gegen Die Stimmen Der Sozialdemokraten, der Nationalsozia­listen und der Kommunisten die Bürgersteuer in der Fassung der Notverordnung genehmigt. Bier st euer und Qemeinbegetränte- steuer verfielen auch diesmal der Ablehnung.

Dr Rhoda Erdmann, beamteter a. o Präses- or und Direktor des Instituts für experimentelle Zellforschung in der Medizinischen Fakultät der Universität Berlin begeht am 5. Dezember den 60. Geburtstag. In 5)ersfeld geboren, studierte sie in Berlin, Zürich, Marburg und München und pro­movierte 1908 in München mit einer zoologischen Arbeit 1908 bis 1913 war sie am Institut für In- ektionskrankheitenRobert Koch" als Wissenschaft- icher Hilfsarbeiter angestellt. Dann folgte fie einem Ruse an die Pale-Universität. 1915 erhielt Dr. Erd­mann eine Anstellung als Lecturer Der Biologie an Der Yale-Universität und zugleich e'nen Rus als Associate an die neue Abteilung für tierische Patho­logie des Rockeseller-Inftitutes in Princetom Seit 1919 arbeitete die Gelehrte am Institut für Krebs­forschung an der Charite in Berlin, wurde 'Abtei­lungsleiter der neugegründeten Abteilung für experi­mentelle Cytologie am genannten Institut, habili­tierte sich 1920 in der Berliner philosophischen Fakultät und erhielt einen Lehrauftrag für expert- menteUe Cytologie. Später erhielt sie die venia legendi für allgemeine Biologie, 1929 die Ernen­nung zum beamteten a. o. Professor für experimen­telle Zellforschung.

so daß im Endergebnis von einer Steuer- erleichterung, wie sie Die Reichsgesehgebung bezweckt, nicht gesprochen werden könnte.

wir verweisen insbesondere auch auf die un­heilvolle Wirkung, die ein derartiges Vorgehen des Landes Hessen auf die in Fluß befindliche allgemeine Preissenkungsaktion haben muh.

Wenn der Herr Minister zur Begründung der oox- gesehenen Steuererhohung ausführt, daß nament­lich im Hinblick auf die preußischen Verhältnisse Hessen in seiner Grundsteuer noch erhebliche Steuer­reserven habe so ist dem einmal entgegenzuhatten, daß nur die Gesamt st euer b eia st ung in den einzelnen Ländern zum Vergleich herangezogen wer­den kann, und zum andern, daß Die hessischen Ver­hältnisse angesichts Der befonDeren wirtschaftlichen Notlage Des Landes einer besonderen Berücksich­tigung bedürfen. Jedenfalls vermag die von der hes­sischen Regierung gegebene Begründung nicht die schweren Einwände zu entkräften, die sich daraus ergeben, daß das Vorgehen des Landes Hessen im schroffen Gegensatz zu dem mit dem Finanzprogramm der Reichsregierung ver­folgten Zweck steht und geeignet ist, die Durchfüh­rung dieses Programms in Frage zu stellen.

Äir bitten daher den Herrn Minister daraus hin- zuwirken, daß

die Steuervorlagen der hessischen Regierung zurückgezogen und andere Wege zur Herbeifüh­rung des Ausgleichs im hessischen Etat einge­schlagen werden.

wobei wir insbesondere auf die Möglichkeiten Hin­weisen, Die nach Dem Gutachten Des Reichssparkom- missars durch Senkung der Ausgaben ge­geben sind und von denen bisher seitens der Re­gierung nur zum Teil Gebrauch gemacht worden ist."

Tagung her hessischen Kommuna'potitiker herNVs).

Unter Dem Dorsih des Landtagsabgeordneten Dr. Viepoth, Schlitz, tagte am Mittwoch in Frankfurt a. M. Der k o m m u n a 1 p o 1 i t i s ch e AusschuhDerDeutschenDolkspartei. Die aus ganz Hessen stark besuchte Dertreter-

DieSojus Sowjetskich Sozialistttscheskich Res- publik", auf Deutsch Die .Union der sozialistischen Sowjetrepubliken", wie der russische Staat sich heute offiziell nennt, umfaßt 21 939 000 Quabrat» kilometer, wovon in Europa 4 670 000 liegen. Der Staat ist also insgesamt über doppelt so groß wie das ganze Europa, das 10 077 000 Quadratkilometer Flächenraum zahlt. Und allein sein europäischer Teil nimmt fast die Hälfte unseres Erdteils ein. An Einwohnern hat der russische Staat 146 Millionen, davon 114,4 in Europa, während Deutschland z. B. nur über 64,5 Millionen Einwohner verfügt Dc^u kommt, daß Die Bevölkerung RuhlanDs sich jährlich trotz aller Katastrophen um 3,3 Prozent ver­mehrt. Das Land verfügt über gewaltige land­wirtschaftliche Produktionsmöglichkeiten, über rie­sige Holzbestände. über Bodenschätze aller Art, wie kein anderes Land Europas, weist also alle Vorbedingungen auf, in Der Weltwirtschaft.eine sehr bedeutende Rolle zu spielen! es könnte auf vielen Produltionsgebieten den Handel beherr­schen. Und doch ist das nicht Der Fall. Im Iayre 1913 stand es mit feinem Handelsumsatz an der siebenten Stelle Der We'.tstaaten. Heute bei weitem nicht mehr. Und es kann selbst feine Ausfuhr z. B an Getreide nur durchführen, wenn es seine eigene Einwohnerschaft hun­gern läßt.

Die Produktion an Getreide läßt immer mehr nach. Die russische Agrarreform hat aus dem sreienBauern, Der ein Interesse daran hatte, viel aus seinem Boden herauszuwirtschaften, um viel zu verdienen, einen Tagelöhner Der Sowjetkommune gemacht, Der von Dem, was er Durch seine Arbeit produziert, nur gerade soviel bekommt, daß er nicht verhungert. Alles andere muß an den Staat abgeliefert werden. Der es zum großen Teil ans AuslanD verkauft, um Dafür Geldwerte einzuhandeln. 3m Lande selbst aber bezahlt der Staat mit minderwertigem Papiergeld, das niemanden anreizt. So läßt Die Arbeitskraft überall nach und damit auch Die Produktion. Das spricht sich in der ganzen russi­schen Wirtschaft aus. Und ebenso in der Ausfuhr Rußlands. Mag man auch in einzelnen Handels­zweigen die Ausfuhr mit künstlichen Mitteln hochtreiben, die Gesamtwirl chi't Rußlands wird durch Die jetzige Wirtschaft nicht gefördert.

Das beweisen Die Ausfuhrziffern des Jahres 1929 zur Genüge. Der Jndustrieexport, in den auch Die Bodenschätze eingerechnet sind, ist allerdings gegenüber Der Vorkriegszeit gewach­sen. Wurde 1913 für 452 Millionen Goldrubel an Jndustrieware ausgeführt, so betrug 1929 der Wert dieser Ausfuhr 544 Millionen. Aber was nützt dieser Fortschritt gegenüber dem gewal­tigen Rückgang Der Ausfuhr von landwirfschaftlichenProdukten! Diese stellte sich immer in Goldrubel gerechnet - 1913 auf 1050 Millionen, 1929 nur noch auf 346 Millionen. Sie ist sogar g genüber dem Vor- noch wieder um 14 Millionen zurückgegangen. Die riesige Minderung der landwirtschaftlichen Ausfuhr kann also durch die erhöhte Industrie» ausfuhr nicht ausgeglichen werden. Die Gesamt­ausfuhr machte 1913 einen Wert von 1501, im Iahre 1929 von 890 Millionen aus. Das ergibt eine Abnahme um rund 40 Prozent.

Die Sowjetregierung arbeitet heute mit allen Kräften Daran, das Exportgeschäft zu steigern. Denn sie braucht sehr notwendig Geld, das sie sich, nachdem Der Geldmarkt in russischen Anleihen sehr zurückhaltend geworden ist, nur auf Dem Wege über die Ausfuhr verschaffen kann. Sie erhofft die Steigerung der landwirtschaftlichen Ausfuhr von der Einführung des staat­lichen Großbetriebs in Der Land­wirtschaft. Aber Dafür fehlt es vor allem an Maschinen und ebenso an Geld, umöie Maschinen zu beschaffen. Aber auch da, wo Ma­schinen vorhanden sind, weih man nicht mit ihnen umzugehen. Sobald sich ein geringfügiger Fehler