Ausgabe 
5.8.1930
 
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Wirble ins Leben!

Roman von Anna Zink.

Llrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau, 6.-QL

13 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Nun, etwas gefunden?" fragte er, als er der Männer ansichtig wurde.

Die schüttelten nur die Köpfe.

O weh'" sagte der Alte aufrichtig bekümmert. Sie stiegen ein und fuhren in den Ort zurück. Ich glaube", nahm Grundmann das Wort, das beste ist, der Herr und sein Chauffeur quartieren sich bei uns im Oberen Gasthof ein. Das ist wohl bescheiden, aber sauber und gut. Llnd das Auto kann man auch einstcllen. Mor­gen können wir dann frühzeitig unsere Nach­forschungen wieder aufnehmen."

Contius mußte dem Mann beistimmen.

Sie waren bald am Gasthof angelangt. Dort waren die Wirtslcute noch wach. Rührend war ihre Teilnahme, als sie hörten, daß alles Suchen bislang vergeblich gewesen war.

Reginald und ebenfalls sein Chauffeur zogen sich gleich zur Ruhe zurück.

Reginald fühlte sich wie gerädert. Er wollte noch einen Bericht an Much verfassen, aber der Federhalter fiel ihm aus der Hand. Kaum konnte er sich noch entkleiden, dann sank er ins Bett und verfiel fofort in liefen traumlosen Schlaf.

Haben Sie sich auch gewiß nicht verhört, gnädige Frau?" fragte Bernhard Much. Er war zum erstenmal aufgestanden und sah in einem bequemen Sessel. Sein Gesicht war noch immer blaß; dunkle Ränder unter den Augen zeugten von Schmerz, die ihm seine kranke Schul­ter immer hin und wieder noch bereitete. Qlber seine Bewegungen waren frisch und lebhaft, und seine Sprechweise hatte wieder die alte Be­stimmtheit die seine Freunde an ihm kannten.

Nein, nein", widersprach Frau von dem Berg lebhaft und fuhr dann fort:Mein Mann hat es ebenfalls gehört, wie Barbara den Herrn als Dr. Siegcrt vorstellte. Da ist ein Irrtum voll­

ständig ausgeschlossen. Nicht wahr?" wandte sie sich an ihren Gatten.

Herr von dem Berg nickte würdevoll mit dem Kopf.Iawohl, das muß ich dir bestätigen, meine Liebe. Du hörst zwar manchmal allerhand, was gar nicht gesagt worden ist, aber diesmal gerade kann ich nur sagen, verehrter Freund: Ich habe den Namen auch klar und deutlich verstanden."

Er zog ein blaugesprenkeltes Taschentuch hervor und tupfte sich sorgsam Glatze, Stirn und Backen ab.

Bitte, beschreiben Sie mir den Herrn doch ganz genau", bat Much,Sie werden verstehen, daß ich Klarheit haben möchte, um jeden Preis."

Aber natürlich, Herr Much", flötete Frau von dem Berg in ihren süßesten Tönen und wippte kokett mit dem übergeschlagenen Bein. Ein sehr kleiner Schuh, bestimmt das neueste Pariser Mo­dell, bekleidete ihren Fuß. Sie wußte, daß sie wohlgeformte Beine hatte und zeigte sie gern. Ihr Kleid reichte knapp bis zum Knie.

Für Muchs korrekte Ritterlichkeit hatte sie eine kleine Verliebtheit, und er war durchaus nicht unempfänglich dafür.

Sie und auch ihr Mann begannen nun eine genaue Schilderung des fraglichenDr. Siegelt", und Much sagte zum Schluß:

Nein fraglos ist es Herr Reginald Con­tius, derselbe, den mir Barbara als ihren Iu- gendfreund ins Haus brachte, und den ich auf ihre dringenden Bitten hin bei mir gastlich auf­nahm."

Ich verstehe aber nicht", fuhr Much nach eini­gem Nachdenken fort,welchen Grund er oder Barbara hatte, einen anderen Namen anzugeben als den, den sie mir nannte?"

Aber das ist ja so einfach, bester Freund", platzte Frau von dem Berg heraus, die es na­türlich kaum abwarten konnte, ihre Weiheit und Kombinationsgabe anzubringen.

Bernhard Much zuckte die Achseln.Gnädige Frau, mir ist das gar nicht klar. Ich wäre Ihnen aufrichtig verbunden, wenn Sie mir da etwas die Augen öffnen würden."

Hat Ihnen Barbara nicht auch das Märchen von der Autopanne erzählt?" fragte die Dame mit reichlich spöttischem Lächeln.

Gewiß hat sie mir das berichtet", gab Much

Plötzlich und unerwartet entriß uns heute der Tod unsre heißgeliebte

Anni Margrete

im zarten Alter von 11 Monaten.

In tiefem Schmerz:

Albert Steinmüller und Frau nebst allen Angehörigen.

Heuchelheim, den 4. August 1930. d4S2D

Die Beerdigung findet Mittwoch, 6. Aug.. nachm. 4 Uhr vom Sterbehaus, Ludwigstraße 7 aus statt.

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Der Vierteljahresausweis über die Ein­nahmen und Ausgaben der Stadt Gießen für das 1. Vierteljahr 1930 Rj. ist vom 5. August 1930 ab für acht Tage in den zur Veröffentlichung amtlicher Bekannt­machungen bestimmten Aushängekasten zur allgemeinen Kenntnis ausgehängt.

Gießen, den 4. August 1930. 5433C

Der Oberbürgermeister: Dr. Keller. Neubau Kleinwohnungen Schottstrahe.

Arbeiisvergebung.

Grundlage: Reichsverdingungsordnung und Besondere Bestimmungen der Stadt Gießen. 5433C

Arbeiten: Erd-, Maurer- und Veton- arbeilen.

Abgabe der Vordrucke: ab Donnerstag, den 7. August 1930.

Einreichung der- Angebote: 16. August 1930, vormittags 11 Uhr.

Baubureau: Städtisches Hochbauamt, Asterweg 9 II.

Die Angebote müssen verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen fein.

Städtisches Hochbauamt: Graoert.

Bekanntmachung^

Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Mo­nat Juni 1930 können noch bis zum 15. d. M. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 5483D

Eine schriftliche Mahnung ergeht nicht mehr.

Gießen, den 4. August 1930.

Direktion

der Elektrizitätswerke, lleberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen.

Stolte.

erstaunt zu.aber warum sagen Sie, das Mär­chen von der Autopanne? Ich verstehe Sie immer weniger."

Nun mußte Frau von dem Berg lachen.

Nein, ihr Herren der Schöpfung seid doch gar zu blind!" kicherte sie, bis ihr Mann ihr einen nicht mißzuverstehenden Wink gab, daß ihre Heiterkeit wirklich nicht am Platz war.

Sie verstand und wurde ernst.

Sie können überzeugt sein, Herr Much, daß ich über Barbaras Verhalten sehr betrübt bin. Es ist doch ganz klar: Sie hat fick) ein heimliches Rendezvous mit ihrem früheren Freund gegeben. Es war deutlich zu merken, wie peinlich es ihr war, uns beide zu treffen. Und die Art und Weise, in der sie unser Angebot, sie zu Ihnen zu begleiten, abwies, lieh auch nichts an Deutlich­keit zu wünschen übrig."

Das traf.

Bernhard Much war es, als leuchte ihm jemand mit einem starken Scheinwerfer plötzlich ins Gesicht.

Das tat in den Augen, int Kopf so weh, daß er die Augen schloß und das Gesicht mit den Hän­den bedeckte.

Ich kann leider nur sagen", lieh sich Herrn von dem Bergs fette Stimme vernehmen,dah meine Frau in gewissen Dingen eine sehr feine, un­trügliche Nase hat."

Much stöhnte leise.

Diesem Menschen habe ich vertraut ich habe ihn wie einen Freund behandelt, habe ihn da­mit betraut, Barbara zu suchen, habe alles in seine Hand gelegt. Und nun ist's wahrscheinlich nichts anderes als ein abgekartetes Spiel zwi­schen den beiden, um mich in aller Bequemlich­keit mit meinem Geld zu betrügen. Ich Esel sitze also hier in tausend Aengsten um sie! O, es ist fürchterlich!"

Sehen Sie, lieber Herr Much", ergriff Herr von dem Berg gerührt das Wort,deshalb sind wir zu Ihnen gekommen, um Ihnen als getreue Freunde die Augen zu öffnen und Ihnen behilflich zu sein." Er putzte sich geräuschvoll die Nase, er hatte ein weiches Herz.

Frau von dem Berg aber sprang auf, lief zu Much hin und drückte ihm lange die Hand, wobei sie ihm so innig und teilnehmend in die Augen

sah, daß Bernhard Much eine leise Abwehr nicht unterdrücken konnte.

Tragen Sie es wie ein Mann", flüsterte ihm die Dame zu.Sie bewahren doch immer so viel Haltung, das ist ja so prachtvoll an Ihnen."

Much tat diese temperamentvolle Teilnahme wohl.

Was wollen Sie jetzt gegen diesen Menschen unternehmen?" fragte Frau von dem Berg mit glühendem Interesse.Ich würde ihn als Be­trüger anzeigen und ihm außerdem den Ehebruch zur Last legen."

Ich muß mir die Sache durch den Kopf gehen lassen", erwiderte Much.Man darf da nichts Unüberlegtes anfangen. Ich möchte versuchen, mir noch einige Beweise zu verschaffen."

Aber ich bitte Sie, das sind doch Beweise genug!" rief Frau von dem Berg.Das dürfen Sie doch nicht auf sich sitzen lassen. Sollen wir die Sache in die Hand nehmen, weil Sie doch immer noch sehr leidend sind?"

Danke, danke, gnädige Frau!" Much erhob beide Hände,so sterbenskrank bin ich nun doch nicht mehr. Ich möchte das doch selbst erledigen."

Ia, liebes Kind, das sind so heikle Angelegen­heiten, daß wir sie Herrn Much überlassen wollen. Wir haben jedenfalls unserer Freundes­pflicht genügt. Was er zu tun hat, liegt bei ihm. Da dürfen und wollen wir uns nicht hinein­mischen", sprach Herr von dem Berg.

So ist es", erwiderte Bernhard Much lie­benswürdig.Ich bin Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin sehr, sehr dankbar für Ihre Winke. Aber mich betrifft es, wie gesagt, am schmerz­lichsten, und ich muß damit fertig werden!" Er stützte müde den Kopf in die Hand.

Komm, komm, Herz! Wir dürfen Herrn Much mit unserem Besuch nicht zuviel werden. Wir kommen ein andermal wieder", drängte Herr von dem Berg seine Frau und stand auf.

Sie wäre am liebsten noch stundenlang geblie­ben und hätte eingehend alle Möglichkeiten dieser pikanten Angelegenheit erörtert, aber sie fügte sich. Ihr Mann konnte manchmal recht unan­genehm werden, wenn sie nicht zur Zeit nach­gab.

(Fortsetzung folgt.)

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