Senkung der Baukosten und ble Ber - Billigung des Daugeldes nötig. Leider habe sich die allgemeine Zinssenkung bis jetzt noch nicht auf dem Hypothekenmarlt ausgewirkt. Sollte eine solche Senkung nicht eintreten, dann bliebe nur eine Erhöhung der Hauszins st euerhypotheken übrig. Dem privaten Wohnungsbau dürfte die Beschaffung des Wohnheimes nie mehr allein überlassen bleiben. 2m ganzen Reich sei von 1924 bis 1929 auf dem Wohnungsmarkt ein Reinzugang von 1,4 Millionen Wohnungen zu verzeichnen gewesen. In diesem Wohnungsbau seien Kapitalien in Höhe von 11 bis 12 Milliarden eingelegt. Preußen habe allein in diesen Jahren 2,3 Milliarden für den Wohnungsbau aufgebracht und 816 000 Wohnungen gebaut. Der Minister erklärte zum Schluß, die Lösung der Wohnungsfrage stelle den Schlüssel zum Wiederaufstieg des deutschen Dolles dar. — Der Redner wurde wiederholt von einer starken oppositionellen Gruppe, hauptsächlich Anhängern der Mieterschuhverbände durch lärmende Zurufe unterbrochen.
Reform des juristischen Studiums in Preußen.
Ein Zwi'chenexamen. — Engere Verbindung mit der Praxis
Berlin, 4. Juni. (WTB.) Der preußische Kultusminister Grimme machte ausführliche Mitteilungen über die Wege und Ziele der in Preußen geplanten Reform des juristischen Stu- d i u m s. Der wissenschaftliche Charakter des Universitätsunterrichts müsse gewahrt bleiben. Der junge Student solle aber nicht nur zum Wissenschaftler erzogen werden, sondern mit den Problemen der Praxis mehr als bisher bekanntgemacht werden. Die Reform beabsichtige keine Examensänderung und lasse auch die Möglichkeit zu, das Studium wie bisher in sechs Semestern zu beenden. Durch Verhandlungen mit den übrigen deutschen Hochschulländern werde — und das sei eine Voraussetzung für die Durchführung der Reform — sichergestellt werden müssen, daß durch die neue Regelung, insbesondere dasZwischenexamen, die akademische Freizügigkeit nicht beschränkt werde. Dieses nach drei Semestern abzulegende Examen solle nicht als Gedächtnis-, sondern als B e - fähigungsprüfung gelten. Die Repeti- torien, die den Schwerpunkt des juristischen Lehrens wieder in die Universität verlegen wollten, sind als zweisemcstrige Wiederholungskurse des gesamten Rechtsstoffes mit einer Mindestzahl von 16 Wochenstunden gedacht. Durch die Kür- zung der großen theoretischen Kollegs soll Zeit gewonnen werden für die stärkere Berücksichtigung der neuen Rechtsmaterien, insbesondere Arbeitsrecht und internationales Recht, sowie für die bessere Vertiefung in wirtschaftliche und soziale Fragen. Die durch die Reform geforderte starke Vermehrung der A s s i st e n t e n st e l l e n und die Heranziehung pädagogisch besonders besähigter Praktiker, mit der übrigens eine stärkere Verbindung der Professoren mit oem praktischen Rechts- leben Hand in f)anb gehen soll, ist eine Geld- frage. Die nähere Durchführung und Handhabung der Richtlinien liegt bei den Fakultäten, die sich bereit erklärt haben, an der Reform mitzu- arbeiten.
Oer Fall Günther und die Universität Jena.
Jena, 4. Juni. (Tel.-An.) Der Große Senat der Aniversität Jena hat am Dienstag folgenden Beschluß gefaßt: «Der Große Senat billigt das Vorgehen von Rektor und Senat und legt gleichfalls Verwahrung ein dagegen, daß bei der Berufung des Schriftstellers Dr. Günther zum ordentlichen Professor der mathematisch- naturwissenschaftlichen Fakultät das in der Ani- versitätshauptsahung vom 1. Dezember 1924 in den Paragraphen 1 und 8 verbriefte alle Recht
Das ftanzUch-ilalienische Abrüflungsgespläch.
Die letzte Rede des italienischen Außenministers G r a n d i im Senat hat den Beweis dafür geliefert, daß Italien ein gutes Recht hat, von Frankreich die F l o t tenp ar i t ä t zu verlangen, denn Frankreichs Staatsmänner haben auf der Washingtoner Flottenkonferenz eine feierliche Zu s a ge in dieser Richtung geleistet. Grandi hat dann weiterhin die Aufsehen erregende Erklärung abgegeben, daß die italienische Regierung bereit sei, den Dau der neu bewilligten Kriegsschiffe aufzuschieben, wenn Frankreich dasselbe tue und wenn neue Flottenverhandlungen in Gang kämen. Man wird auf die französische Antwort mit Spannung warten können Der italienische Außenminister aber hat sehr zum Mißvergnügen der französischen Oef- fentlichkeit mit Rachdruck die französische These abgelehnt, die bekanntlich dahingeht, daß e r st die Sicherheit gewährleistet werde, ehe an die Abrüstung gedacht werden könne. Rvch Grandis Auffassung, die auch der deutschen Stellungnahme und dem gesunden Menschenverstand entspricht, muß die Abrüstung der Sicherheit vorangehen. Die französische Politik ist jetzt mit ihrer Sicherheitsthese vereinsamt, und man muß abwarten, ob sich daraus allmählich internationale Folgerungen ergeben. Jedenfalls hat Deutschland alle Veranlassung, jetzt seinerseits die Frage der Abrüstung stärker in den Vordergrund zu schieben, zumal noch bei der letzten englischen Anterhaus- debatte der liberale Sprecher erklärt hat, daß die Richtabrüstung der alliierten Staaten neue deutsche Forderungen berechtigt erscheinen lasse.
Das pariser Echo der Grandi-Rede.
Keine Beseitigung der Spannung.
Paris, 4. Juni. (TA.) Pertinax befaßt sich int „Echo de Paris" mit der außenpolitischen Rede Grandis und hebt die verschiedene Auffassung der beiden Länder in bezug auf die Sicherheit, Schiedsgerichtsbarkeit und Abrüstung hervor. Er weist darauf hin, daß sich Italien gegen Frankreich der deutschen Auffassung a n s ch l i e h e, die im gewissen Grad auch die englische und amerikanische sei. Grandi habe sein Hauptaugenmerk auf die Flöttenfrage gerichtet. Wenn er aber erkläre, daß Italien, falls es mit Frankreich Flotten- gletchheit besitze, die niedrigste Tonnage anerkenne, so habe er dabei stets den Hintergedanken. seinem Lande den Vorrang im Mittelmeer zu sichern. Für die breite Oeffent- lichkeit bringe Grandi insofern einen neuen Gedanken, als er Vorschläge, die italienischen Flot- tenrüstungen einzu st eilen unter der Voraussetzung, dfiß Frankreich auch die seinen auf- gebe. Das sei weder eine Lösung, noch überhaupt der Anfang einer Lösung. Ein friedlich gesinntes Italien werde Frankreich immer bereit finden, zu verhandeln. Die drohende Haltung aber, die Italien augenblicklich einnehme, könne Franlleich nicht veranlassen, auch nur einen Fuß breit von seinem Recht abzuweichen.
Iber Aniversität, bei den Berufungen auf die, Lehrstellen durch ihre Vorschläge sachkundig mitzuwirken, im vorliegenden Fall durchbrochen worden ist." — Der Beschluß ist zugleich eine Antwort auf die Veröffentlichung des Vorstandes der Jenaer Studentenschaft und des Professors Dr. Plate in einer Berliner Zeitung.
Ausdehnung des Waffenverbois.
Berlin, 4. Juni. (Priv.-Tel.) Die scharfen politischen Gegensätze der Rachkriegszeit haben in ihrer praktischen Auswirkung eine wachsende Ansicherheit in das öffentliche Leben Deutschlands getragen, die sich zum Teil in sehr ernsten Formen äußert. Die Tatsache, daß in vielen Fällen durch die Benutzung von Hieb- und Stichwaffen das Leben von Staatsbürgern gefährdet worden ist, hat seit längerer Zeit bei den zuständigen Stellen zu Erwägungen darüber geführt, ein Verbot des Besitzes von Stich- und Hiebwaffen durch Gesetz zu erlassen. Die Beratungen hierüber sind noch nicht abgeschlossen, doch hofft man angesichts der Bedeutung des Themas, den Entwurf in aller Bälde durch das Parlament verabschieden zu können. Bei den Beratungen im Reichstag wird insofern eine schwierige Situation entstehen, als die Frage innerhalb der Parteien lebhaft umstritten ist, so daß das Zustandekommen einer Mehrheit für einen solchen Entwurf noch fraglich ist.
Deutsche Voraussetzungen für Paneuropa.
Die Herstellung der vollen Gleichberechtigung
Genf, 4. Juni. (TA.) Auf der Tagung deS Bundes für europäische Zusammenarbeit begrüßte der sozialdemokratische Reichstagsavgeordnete Dr. B r e i t s ch e i d die Paneuropa-Denkschrift Bri- ands. Der Plan Driands könne nur im Rahmen des Völkerbundes als eine Stärkung des
Völkerbundes verwirklicht werden. Er bedauere, daß die Denkschrift Briands einen Rückfall in den veralteten CBegriff der Staatssouveränität enthalte. Für Deutschland fei es außerordentlich schwer, einer auf diesem Souveränitätsbegriff aufgebauten Gemeinschaft anzugehören, da Deutschland nach den ihm auferlegten Verträgen nicht über seine volle Souveränität verfüge. Deutschland habe seine Abrüstungsverpflichtungen erfüllt. Da die europäische Vereinigung nur auf dem Grundsatz völliger Gleichberechtigung sämtlicher europäischer Staaten aufgebaut werden könne, müßten auch die übrigen Staaten völlig abrüftenunb auf ihren Gebieten entmilitarisierte Zonen schaffen. Gleichzeitig mit der europäischen Vereinigung müsse eine Rev i- sionsmöglichkeit aller geltenden Verträge geschaffen werden. Der Artike119 des Dölkerbundspaktes, der die Revision internationaler Verträge vorsehe, fei bisher ein Messer ohne Klinge gewesen, müsse jetzt geschärft und anwendbar gemacht werden. 'S"
Rationaler Trauertag in Ungarn.
Am zehnten Jahrestag des Friedensdiktats von Trianon.
Budapest, 4.Juni. (TeL-An.) Am Mitt- woch wird in ganz Ungarn ein Trauertag anläßlich der 10. Wiederkehr des Tages der An- terzeichnung des Trianoner Friedensvertrages abgehallen. Die Blätter ohne Anterschied der Partei bezeichnen den Friedensvertrag wie alle Friedensverträge der Jahre 1919 und 1920 als einen Hohn auf das vorher verkündete Selb st bestimmungsrecht und als Schulbeispiel der übermütigen Gewaltanwendung. Aus dem Artikeln ist die unverbrüchliche Zuversicht des ungarischen Volkes auf Revision der Friedensverträge ersichtlich.
Das ungarische Abgeordnetenhaus veranstaltete eine eindrucksvolle Kundgebung, zu der alle
Abgeordneten in schwarzer Kleidung erschienen waren. Im (Kamen aller parlamentarischen Parteien sprach Abgeordneter Graf Appony, der seine Rede mit dem Hinweise begann, daß alle Gesetze über den Friedensvertrag von Trianon schwarz umrahmt in die ungarischen Gesetze eingereiht werden müßten. Die Trianonverträge gelten nur als ein ilngarn aufgezwungenes Diktat, Ungarn habe fein Schicksal nicht verdient. Es sei gegen seinen Willen, durch tragische Amstände in den Krieg hineingezogen worden. Die größte Angerechtigkeit des Friedensvertrages stelle die Abtrennung von dreieinhalb Millionen ungarischer Bürger dar.
„G-as Zeppelin" mit Kurs auf Lissabon. - _
Friedrichshafen, 5. Juni. (WTB. Funk- soruch.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" meldet dem Luftschiffbau Friedrichshafen, daß es sich um 6 Uhr früh MEZ. auf 38,20 Grad nördlicher Breite und 12,50 Grad westlicher Länge befand und Kurs auf Lissabon nimmt. Der angegebene Standort befindet sich 350 Kilometer westlich der portugiesischen Küste. Wegen ungünstiger Wetterlage Haltepunkt Sevilla noch unentschieden. Landung voraussichtlich nicht vor 18 Uhr.
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Der über der Ostsee lagernde Hochdruckkern hat sich verstärkt und weiter südlich ausgebreitet. An seiner Südseite herrscht in fast ganz Deutschland östliche kontinentale Luftzufuhr, wodurch zunächst das sommerliche Wetter erhalten bleibt. Da jedoch von Spanien her eine Störung heran- rückt, die heute morgen in Südfrankreich schon Regen verursacht hat, so dürfte späterhin auch bei uns Gewitterneigung aufkommen.
Wettervorhersage für Freita g: Zunächst noch meist heiteres und warmes Wetter, später aufkommende Gewitterneigung.
Reisewetterdienst.
Baden-Baden. 18 Grad, gestern warmer Tag, Südostwind, Witterung heute morgen heiter bis halb bedeckt, seit gestern weiter besser geworden.
polderland unter uns!
Amsterdam, Anfang Juni.
Waalhaven, der Rotterdamer Flughafen, ist einer der ältesten Europas und daher einer der unmodernsten, aber man wird ihn bald umbauen. Vorläufig ist er der typisch altmodische Luftbahnhof: eine weite grüne Rasenfläche mit den offenen hölzernen Hallen ringsum erinnert an eine Fliegerstalion der Etappe. Hier erwarten uns drei ruhende Angeheuer, drei Fokkermaschinen, wie fie die Koninklijke Luchtvaart Maatschappij — die Königlich Holländische Lustree- derei — zu ihrem niederländisch - indischen Verkehr benutzt. Es find dreimotorige Eindecker aus der Fokker-Werkstatt mit riesenhaft ausgebreiteten Flügeln, die schon immerhin einiges Land überflogen haben, denn es ist ihre Aufgabe, monatlich einmal zwischen Amsterdam und Batavia die Lust zu schneiden, und während ein Dampfer für diese Strecke vier Wochen braucht, schaffen fie's in zwölf, später einmal vielleicht gar in sechs Tagen. Es sind abenteuerli- cheRiesen.diein unerschütterlich- sachlicherDerschwie- genheit ruhen.
Wir haben, fünfzehn Paffagiere, in der Kabine Platz genommen, die sich kaum von einem kleinen Eisenbahnabteil der ersten Klaffe unterscheidet. Die drei Angeheuer geraten nun, da ihre Propeller angeworfen sind, ins Zittern, fie schnaufen und toben. Der Pilot Frijns, der bewährtesten einer, die zwischen Amsterdam und Batavia fliegen, besteigt den Führersitz, fest in Leder gehüllt, die Lederkappe auf dem Kopf, die Kopfhörer an die Ohren geklemmt. Er hat eine Habichtnase im sonnengebräunten Gesicht und die spähenden Vogelaugen der Luftmenschen: er ist ernst, undurchdringlich, selbstverständlich und voll großer Würde. Ein Herrscher der Luft.
Groharttg ist es, von einem Flugzeug den Rotterdamer Hafen zu fehen, aus dem eine Ahnung von den Weltzusammenhängen des niederländischen Siebenmillionenvolkes heraufweht, erstaunlicher aber die Landschaft, die sich nördlich von Rotterdam bis an den Zuidersee ausbreitet. Denn da unten liegt daS Polderland, ein Strich, der Meter für Meter dem Wasser abgerungen und urbar gemacht wurde. Man muß sich vergegenwärtigen, wie diese köstlich grüne Landschaft dem Meere abgelistet wurde, wie man in jahrhundertelangem opferreichen Kampf Parzelle um Parzelle eindeichte, befestigte und anbaute, wie unendlich mühevoll dieses künstliche System von Kanälen entstand, die das Land entwüffern und das Waffer zum Meere leiten - und wie befremdend, daß dieses Land keine Spur von seiner Entstehung mehr aufzeigt, so ganz ist es Ratur geworden, dieser aus Schlick und Morast zusammengeschwemmte Boden,und heute trägt er ein einziges gewaltiges Glasgebäude.Ja»die
ses Land ist vielleicht das merkwürdigste Europas: in seiner fetten fruchtbaren Erde, deren Ergiebigkeit sich aus ihrer Geschichte erklärt, gedeihen die frühen Gemüse und Blumen, die sich von Holland aus über ganz Europa verbreiten. Die Glashäuser unter uns, eins ans nächste gedrängt, und die Sonne blitzt aus ihren schrägen Scheiben Diamanten, strömen beinahe das ganze Jahr über einen unerhörten Blumenreich- tum aus. Die berühmten Tulpenfelder sind heute schon etwas verblüht, aber nicht die Blüten sind es, sondern die Zwiebeln, die der Holländer sucht und pflegt. Es gibt nicht mehr die altertümlichen Zwiebelbörsen, an denen die Preise für besondere Spezialitäten festgestellt wurden. Das war damals, als die Tulpenlei- denschast alle Länder ergriffen hatte-, dafür wird heute unter diesen Glashäusern probiert und experimentiert; die Laboratorien für Veredelungen und Kreuzungen haben die Börse verdrängt. Anübersehbar reihen sich die Treibhäuser, von Dlumenfeldern unterbrochen, aneinander, bis die glitzernde Schar am fernsten Horizont in einem diesigen Rebel verschwimmt.
Aber diesen Anblick schweben immer drei Vögel mit starren Flügeln, die drei Fokkereindecker, die zusammen aufgestiegen sind und jetzt als ein unverrückbarer Keil dahinschweben. Aber den Kabinenfenstern liegen die mächtigen zitternden Schwingen unserer Maschine, und am Führersitz thront der Pilot Frijns, undurchdringUch, die Kopfhörer umgeschnallt, mächtig und ganz in Leder gepackt, ein Dämon der Fliegerei.
Wenn Waalhaven unmodern ist, so ist der Amsterdamer Flughafen Schiphol einer der neuesten: die glatten weißen Häuser strahlen, ihre Räume sind ganz h^ll gehalten, alle Augenblicke gehen Maschinen ab, kommen andere an. Rach London, Prag, Madrid, Marseille. Schiphol ist der große Ausflugshafen für die Glashäuser und Dlumenfelder, deren Segen beinahe das ganze Jahr strömt. Durch die Fokkermaschinen, deren Geschwindigkeit die Blüten und Früchte nicht verderben läßt, hat sich die holländische Gärtnerei das weiteste Gebiet für ihre Produkte gewonnen.
Seltsame Geschichten
Nacherzählt von Sigismund v. Nadecki.
Abenteuer im Bristol-Expreß.
Zwei ältere ©entlemen, die sich noch nie vorher gesehen hatten, sahen vor ein paar Wochen in einem Abteil 1.Klaffe des Bristol-Expreß. Sie sprachen über Gespenster. Der eine von ihnen war ein alter Baron, der andere ein Geschäftsmann. Der * Geschäftsmann rieb seine rote Rase und erklärte, daß er an Gespenster nicht glaube. Der Baron war I darüber etwas ärgerlich, suchte ihn mit allen Mitteln
zu überzeugen, und sagte endlich: „Aber schließlich müßten Sie doch an Gespenster glauben, wenn Sie eines vor sich sähen!"
.Rein", sagte der Geschäftsmann hartnäckig: »Ich würde eben wissen, daß es eine Illusion ist."
Doch da wurde der alte Herr schrecklich böse und sprach mit Verhalten wutzitternder Stimme:
«Well, aberjehtmüssen Sie an Gespenster glauben, denn ich bin eines!!..." Wobei er sich sogleich spurlos in der Luft verkrümelte.
Der Geschäftsmann blickte erstaunt über die Hornbrille, fand, daß er noch glimpflich aus einer unliebsamen Affäre gekommen sei, legte sich das Plaid warm um die Knie, und Begann seine Zeitung zu lesen — denn er wußte ja ganz gut, daß es nur eine Illusion war.
Neapel sehen und abreisen
Es gibt natürlich viele Prozesse: doch ich schmeichle mir, das Arbild, das Prototyp, sozusagen den Prozeß an sich gesunden zu haben. Die Sache fängt ganz unschuldig an: Ein wohlhabender Mister Milkins verlebt seine Ferien in Reapel, bewundert pünktlich die Sonnenuntergänge und unterhält sich öfters mit einem Strahenbettler, besten sanfter Christuskopf ihm ausgefallen war.
Eines Tages erhält Mr. Milkins eine gerichtliche Vorladung ins Hotel geschickt. Eine Vorladung, laut welcher der Bettler 5000 Lire zurückverlangt, die er ihm, Mr. Milkins, geliehen haben will. Der Engländer findet die Sache sehr belustigend und erzählt sie beim Rachmittagskaffee dem brittschen Konsul. Dieser wird sehr ernst und rät ihm, sich sogleich einen Advokaten zu nehmen.
Bei der Gerichtsverhandlung erklärte bet Bettler mit dem sanften Christuskopf, er sei mit Mr. Milkins befreundet gewesen und habe ihm mit 5000 Lire — seinen gesamten Ersparnisten — aus einer momentanen Geldverlegenheit geholfen.
«And hier", fuhr et mit tragischer Handbewegung fort, «sind drei ehrenwerte Zeugen, die die Sache beeiden können!"
Tatsächlich: Sogleich erhoben sich drei glutäugige Genosten des Bettlers und beschworen glatt und angenehm, daß sie selber gesehen hätten, wie der Engländer die 5000 Lire vom Bettler geborgt habe.
Run erhob sich der Advokat des Engländers. Er wat bleich; er sprach mit verhaltenem Beben: er war die Wahrheit selbst. Er stellte keineswegs in Abrede, daß sein Klient die 5000 Lire entliehen habe. Rein, er bezweifelte weder die Ehrlichkeit der Herren Zeugen noch ihre Auftichtigkeit! Doch er hatte seinerseits sechs nicht minder ehrenwerte Zeugen herbeizitiert. Die er» i hoben sich jetzt wie ein Mann und beschworen ohne I Räuspern, daß sie mit eigenen Augen gesehen hätten»
wie der Engländer dem Bettlet die 5000 Lite voll und ganz zurückgezahlt habe! —
Die Klage wurde abgewiesen. Es gibt noch eine Gerechtigkeit.
Die Papiettüte.
Es gab eine Zeit in Europa, wo man gegen den Aberglauben kämpfte - allen voran der große Mathematiker Isaak Rewton.
Eines Tages - bald nach der Geschichte mit dem Apfel und der Erdanziehung - kam eine Lady zu ihm, die gehört hatte, daß er so was wie ein berühmter Astrologe sei, und fragte ihn, wo sie ihr Portemonnaie verloren habe? Es müffe etwa auf dem Wege zwischen London Bridge und Shooter’s Hill gewesen sein. Der berühmte Mann schaute ihr bloß stumm ins Gesicht und zuckte die Achseln.
Aber die Lady wollte es nicht kapieren, daß so ein großer Professor in solchen Dingen unwissend sein sollte. Sie war eine von den Hartnäckigen. Sie kam und kam immer wieder. Im ganzen vierzehnmal.
Am sie endlich loszuwerden, zog der gelehrte Mann bei ihrem letzten Besuche einen alten, wild- geblümten Schlafrock an, setzte sich eine Riesenpapier- tüte auf den Kopf, dazu eine blaue Drille auf die Rase, zog einen Kreidekreis auf dem Fußboden, stellte sich in Positur und rief: «Abrakadabra I - Die Fassade von Greenwich-Hospital, das dritte Fenster auf der Südseite. Auf dem Rasen dicht davor sehe ich einen dicken kurzen Teufel über eine Geldbörse gebückt___“
And schon hatte die Lady ihre Reifröcke zusammen- genommen und war fortgesaust. And es tut mir schrecklich leib, aber es ist eine historisch bezeugte Tatsache: sie fand ihr Portemonnaie I Greenwich-Hospital, Südseite, vor dem dritten Fenster im Grase ...
Hochschulnachrichten.
Dem planmäßigen außerordentlichen Professor der angewandten Mathematik an der Heidelberger Aniversität Dr. Artur Rosenthal ist die Amtsbezeichnung und die akademischen Rechte eines ordentlichen Professors verliehen worden. Professor Rosenthal hat einen an ihn ergangenen Ruf an die Aniversität Gießen als Ordinarius und Rachfolger von L. Schlesinger abgelehnt. — Amtlich wirb die Ernennung des o. Professors Dr. Erik Wolf von der Aniver- stiät Kiel zum ordentlichen Professor für Strafrecht und Strafprozeßrecht an der Aniversttät Freiburg i.B. bestätigt. — Amtlich wird die 'Berufung des ordentlichen Professors Dr. Heinrich Brandt von der Technischen Hochschule in Aachen in gleicher Eigenschaft an die Ani- versität Halle als Rachfolger des Mathematik- professors H. Hasse bestätigt.


