Nr. 150 Erster Blatt
180. Jahrgang
Donnerstag, 5. Juni 1950
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SiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Chefredakteur:
Dr. Friedr. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
Eine Arbeitsgemeinschaft der Wirtschast für Preis- und Lohnpolitik Starke Annäherung der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände. —Gemeinsame Aktion zur Ankurbelung der Wirtschast und Behebung der Arbeitslosigkeit.
Schon seit mehreren Wochen sind zwischen führenden Wirtschaftspersönlichkeiten und maßgebenden Vertretern der drei Gewerkschaftsrichtungen Ber> Handlungen mit dem Ziele geführt worden, auf dem Wege über einen möglichst allgemeinen Preisabbau auch zu einem Abbau des über- höhten Lohnniveaus zu gelangen und so einmal di« deutsche Wirtschaft auf den Auslandsmärkten wieder konkurrenz- fä h i g zu machen, andererseits aber auch dem deut- schen Beide wieder eine stärkere Kaufkraft zu geben. Ursprünglich sollten die Besprechungen noch vor Pfingsten abgeschlossen sein, und cs bestand der Plan, die Einigung zwischen den beiden großen Faktoren der Wirtschaft mit einem Empfang beim Reichspräsidenten feierlich zu besiegeln. Es ist nun leider nicht gelungen, die Dinge schon jetzt soweit au fördern. Immerhin glauben wir die erfreuliche Feststellung treffen zu können, daß die bisherigen Ber- Handlungen eine sehr weitgehende An- näherun g der Meinungen sowohl auf der Un- tcrnehmerseite wie auf Seiten der Gewerkschaften gebracht haben, so daß der Pessimismus der sozialdemokratischen Presse uns nicht am Platze erscheint. Wir glauben sogar ohne Schädigung des Werkes lagen zu dürfen, daß der Vertreter der Freien Gewerkschaften «in sehr hohes Maß an Einsicht in wirtschaftliche und konjunkturelle Notwendigkeiten an den Tag gelegt hat und daß seine Opserbereitschaft in nichts hinter der des Unternehmertums zurückstand. Allerdings muß man die Fraae aufwerfen, inwieweit die Freien Gewerkschaften bereit sind, ihrem Vertreter bei diesen Verhandlungen auch Gefolgschaft zu leisten. Daß hiervon der ganze Erfolg einer Aktion, die man wohl als den größten Versuch zur Herstellung wahren sozialen Friedens bezeichnen kann, abhangt, liegt auf der Hand. Wie von den Arbeitgebern verlangt wer- den muß, daß sie ihre Unterhändler nicht desavouie- ren, sondern möglichst auf der ganzen Linie zu einem wirksamen Preisabbau schreiten, so müssen mir auch von den Gewerkschaften aller Richtungen erwarten, daß sie daS ihre tun, um durch effektive Lohnkürzungen dem Wirtschaftsprozeß neuen Austrieb zu geben.
Wenn wir recht unterrichtet sind, soll alles Erdenkliche getan werden, um den Arbeitnehmer-- schichten aller Grade nach Möglichkeit die Auf- rechterhaltung des jetzigen Lebens- standardS zu sichern. Lohnrebuktionen sollen also offenbar nur im engsten Zusammenhang mit einer rückläufigen Bewegung deS Lebens- Haltungsindex durchgeführt werden. Die Senkung
der Lebenshaltungskosten aber schafft wiederum besondere und sehr eigenartige Probleme. Denn sie ist nur dann durchzuführcn. wenn alle Gegenstände des täglichen Bedarfs alsbald einen nennenswerten Preisabbau erfahren. DaS aber fetzt wiederum voraus, daß nicht nur die Produktion, sondern auch der Hande! seine Preisspanne vermindert, ja, daß er vorübergehend sogar vielleicht gewisse Verluste auf sich nimmt Liebrigens werden auch auf der Lohnseite insofern gewisse Härten hier und da nicht zu vermeiden fein, als die Bewegung der Lebenshaltungskosten ja nicht überall im Reiche einheitlich ist. Es gibt unzweifelhaft weite Landstriche, in denen mit einer nennenswerten Senkung dieser Kosten nicht mehr zu rechnen ist. ES gibt umgekehrt aber auch wiederum Gegenden, in Denen wie namentlich in einer ganzen Reihe von .Industriegemeinden der Preisspiegel überhöht ist und einen wirksamen Abbau verträgt. Da aber eine Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf der angebeuteten DasiS nur dann Sinn hat, wenn sie gleichmäßig für das ganze Reich Platz greift wie ja auch der Lebenshaltungsindex einheitlich für das ganze Reich berechnet wird, wird man eben zunächst gewisse Härten nicht vermeiden können.
Wenn es nicht gelingt, dem rasenden Tempo der Dauerarbeitslosigkeit und in deren Gefolge der Fehlbetragswirtschaft in den öffentlichen Haushaltungen durch eine Generalvereinbarung dieser Art zu steuern, bann wissen wir schlechterdings nicht mehr, welche Möglichkeiten Deutschland noch besitzen soll, auS eigener Kraft dem wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch zu entgehen. Wir sind heute schon so weit, daß, die Zahl der dauernd Erwerbslosen sich auf mindestens vierhunderttausend beziffert und einen monatlichen Mindestzuwachs von 15 000 bis 20 000 selbst bann erfahren muh, wenn der Sommer eine vorübergehende faisonmähige Belebung bringen sollte. Hieraus allein erwächst den Wohlfahrtsetats der deutschen Städte eine Wehrlast von 300 bis 400 Millionen Mark, eine Ziffer, die jeden geordneten Haushalt über den Haufen werfen muh. Wir wünschen deshalb mit heißem Herzen, daß dieser Anlauf zur sozialen Befriedung von Erfolg gekrönt sein möge. Denn nur dadurch werden wir in hoffentlich kurzer Zeit wieder Raum für Hunderttausend« von produktiven Kräften im deutschen Wirtschaftsorganismus schaffen können.
Die Hindeuburgaktion.
Berlin, 4. 3uaL (IcL-Un.) wie die „Icle- gtapbcn-Unlon“ van maßgebender Seite erfährt sind die Verhandlungen zwischen den llnternchiner- verbänden und den Gewerkschaftsführern nicht wie berichtet worden ist, bi» nach Pfingsten vertagt worden, sondern gehen zur Zeit noch weiter. Rach dem Stande der Dinge ist anzunehmen, daß die Verhandlungen voraussichtlich noch vor Pfingsten zu eine m positiven Ergebnis führen werden.
Zur Vorgeschichte dieser Verhandlungen ist noch folgendes zu berichten:
3m Anschluß an den Schiedsspruch von Deynhause n beschlosien der Reichsoerband der Deutschen Industrie und die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, eine Kommission von je vier Mitgliedern zu ernennen, die untersuchen sollte,
1. auf welche weise eine allgemeine Preissenkung ermöglicht werden könnte,
2. wie der Reichshaushallentlafiel werden könne und
3. welche Regclung der Arbeitslosenversicherung für die wirtschaft als tragbar bezeichnet werden könne.
Da» Ergebnis dieser Untersuchungen sollte dann einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände der beiden Verbände zur Beschlußfassung vorgelegt werden, während die vorbereitenden Beratungen hierüber noch gepflogen wurden, wandten sich die Gewerkschaftsführer Eggers und Graß- manu an Herrn von Hau wer mit dem Vorschläge, Verhandlungen über eine Verständigung zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern herbeizusühreo. Die genannten Untemehmerverbände beriefen hieraus ihre Vorstandsmitglieder telegraphisch zum Dienstagoormittag nach Vertin ein, während Herr von Raumer inzwischen mit den Mitgliedern der genannten Unternehmerkommission verhandelte.
Die Verhandlungen zwischen den Führern der Arbeitnehmergewerkschaften und der Arbeitgeberverbände über die Schaffung einer neuen Arbeitsgemeinschaft zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung sind keineswegs gescheitert sondern man rechnet daraus. Es handelt sich dabei in der Hauptsache darum, neben der Beitragserhöhung
oon 3H auf 4% Prozent eine Ausdehnung der Beilragspslicht über die jetzige Grenze der Versicherungspflichtigen hinaus aus die Dauer eines Jahres durchzuführen, würden dann alle Lohn- und Gehaltsempfänger bis jum höchslbezahlten Generaldirektor hinauf ihren Beitrag zur Arbeitslosenversicherung zahlen, so hätte auch der Arbeitgeber wie bei den Beiträgen der Versicherungspflichtigen seinen Anteil zu tragen. Dieser Vorschlag, der das „Ro io pfer der Fest besolde t e n" darstellen würde, soll bereits die Zustimmung auch der Jrcien Gewerkschaften haben, obwohl die sozlaldemokra- tifche Reichstagsfraktion, die dieser Gewerkschaftsrichtung nahesteht, im Einklang mit den Forderungen der Beamten verbände statt eine, Jlof- opsers der Fest besoldeten ein allgemeines Rotopfer durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer unter Weglassung der niedrigen Einkommen» st usen verlangt hat E» wird aber angenommen, daß unter dem Einfluß der Freien Gewerkschaften auch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion für da» Rotopfer der Fe ft besoldeten einschließlich der Beamten eintreten werde.
Heber die bisherigen Verhandlungen zwischen führenden Kreisen des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie und den Gewerkschaften läßt sich der „vorwärts" oon unterrichteter Seite mitteilen, die Verhandlungen hätten den Zweck gehabt durch einen gemeinsamen Appell an die Dessentlichkeit möglichst getragen von der Autorität des Reichspräsidenten fördernd auf die Ankurbelung der Wirtschaft einzuwirken. Die Bereinigung des Etats, die Behebung der Rotlage der Reichsanslalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und damit zugleich eine dauernde Einschränkung bet Arbeitslosigkeit seien Gegenstand eingehender Besprechungen gewesen. Die Einzelheiten sollten in weiteren Beratungen geklärt werden. Die Gewerkschaftsvertreter hätten sich bei den Verhandlungen mit allem Rachdruck gegen eine Senkung der Reallöhoe gewandt und für durchgrei- fende Senkung der Preise, insbesondere der Kartellpreise ausgesprochen. Die Verhandlungen seien unterbrochen worden, weil der Reichsverband der Deutschen Industrie noch
zu keiner einheitlichen Stellungnahme hätte gelangen können.
Die Beratungen sind kompliziert, da die beider- ,eiligen Delegierten keineswegs mit absolut einheitlich gerichteter Unterstützung ihrer belreffcnbcn verbände rechnen können. E» scheint aber, daß sich im Lager der Arbeitgeber der sozial- und wirtschaftspolitisch gemäßigte Flügel zunächst einmal durch- geseht hat Die internen Besprechungen innerhalb des Reichsoerbaudes und der deutschen Arbeitgeberverbände über den einzuschlagenden Kurs sind noch nicht abgeschlossen, wie verlautet, (ff der zunächst in Fortfall gekommene Besuch beim Reichspräsidenten, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam abflattcn wollten, noch nicht aufgegeben worden. Als wichtigste Tatsache wird auf Atbeitgeberseite heute der auch im Gegenlager deutlich vorhandene Wille, unabhängig von Regierung und Parlament zu einer Einigung über die unmittelbarsten wirtschaftspolitischen Rotstände zu kommen, bezeichnet.
Auf der Arbeitgeberseite werden die Verhandlungen vom Präsidenten der Vereinigung der Arbeitgeberverbände, Brauweiler, und dem Präsidialmitglied de» Reichsverbandes der Deutschen Industrie, v. Raumer, geführt, auf Ar-
beilnehmerseite von den Abg. Graßmann und Eggert für die Freien Gewerkschaften, von dem Vorsitzenden der Lhristlichen Gewerkschaften Otto und dem Abg. Cemmer für den Gewerkschaftsring. In den bisherigen Verhandlungen ist bereite eine sehr starke Annäherung erzielt worden. Die Arbeitgeber wollen sich verpflichten, zunächst ate ersten Schritt zur Durchführung dieser Bewegung durch Verhandlungen mit den Kartellen eine allgemeine Preisherabsetzung durchzudrücken. Auf Grund der dadurch bewirkten Senkung de« Lebenshaltungsindex soll dann ate zweite Etappe die Angleichung der Löhne und Gehälter folgen, so daß für die Arbeitnehmerschaft keine Benachteiligung entsteht, da der Reallohn derselbe bleibt wie wir erfahren, hoben namentlich die Vertreter der Freien Gewerkschaften sich sehr entschieden für diese Aktton eingesetzt, weil auch ste der Auffassung sind daß die jetzige schwere Krise der deutschen Wirtschaft nur durch ein Zusammenwirken oon Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu überwinden ist. Der Reichspräsident ist über den Stand der Dinge unterrichtet worden: er hat diese Bestrebungen auf da» wärmste begrüßt.
Mldenhauers Ausgabensenkungsgesetz.
Anfänge für Bertvaliungsreform. — Etappenweiser Abbau der Reichsbehörden bis 1935. - Heraufsetzung der Pensionsgrenze der Beamten.
Berlin, 4. 3unl (TU ) Das Ausgaben- senkungSgesetz, daS dem Reichskabinett am Dienstag zur Beratung vorlag, ist, der „Kölnischen Zeitung" zufolge, ein Mantelgesetz und enthält ein allgemeines Sparprogramm.
DaS Gesetz zur Sicherung deS Haushaltes des Reiches, der Länder und Gemeinden sieht vor allem vor, daß Beträge, die durch den Ausfall gesetzlich gebundener Ausgaben erspart oder durch Mehrerträge von Zöllen und Steuern aufgebracht werden, In Zukunft zur Schuldentilgung verwandt werden müsse. Ferner sieht das Gesetz vor, daß die Summen der Ausgabensätz« im Reichshaushalt in jedem der Rechnungsjahre von 1931 bis 1933 je nach Abzug der äußeren Kriegslasten der Überweisungen an die Länder und der Beträge für die Deckung der Reichsschuld unter dem Ans atz des Haushaltsplanes für 1930 gehalten werden müssen. Weiter sollen Reubauten bis zum Jahre 1935 nur im Falle dringenden dienstlichen Bedarfs zugelassen werden. Auch die geplanten Bauten für das Reichswehrministerium und für den Reichstag dürfen vorl935nichtinAn- griff genommen werden.
Das Gesetz zur Verminderung deS behördlichen Aufwands sieht vor allem eine Verminderung der ReichSbehörben vor, unb zwar soll biS zum 30. September 1930 aufgelöst werden: die Reichsvermögensverwaltung, das Reichskommissariat für die besetzten Gebiete und daS Reichsausgleichsamt. Spätestens bis zum 31. März 1931 sind aufzulösen: das Ministerium für die besetzten Gebiete, die Abteilung München deS ReichSpostministeriumS, die deutschen staatlichen Vertretungen bei den Gemischten SchiedSgerichtshösen, di« Vertretung der Reichsregierung in München, die Reichszentrale für Heimatdienst und die Abwicklungsstelle des ReichSkommissariatS für die Aus- und Einfuhrbewilligungen. BiS zum 31. März 1932 sind aufzulösen: das Wehrkreisverwaltungsamt BreS- lau, di« Abteilung für die Besitz- und Derkehrs- steuer in Braunschweig und Lübeck.
Bl» jum Zl.Mür; 1934 ist aufzulösen da» Reichsoersorgungsgerichl und bis zum 31. März 1935: vier Landesfinanzämter, zehn Oberpost, direkttonen, zehn Telegrapheuzeug- und Telegraphenbauämter, 50 Finanzämter, zehn haupt- zollämter, sämtliche fjauptoerforgungsämter und versorgungsämter. Das Gesetz sieht ferner eine Verringerung der Zahl der Arbeitskräfte vor, und zwar ist die Zahl der Referenten, hilss- referenten und des sonstigen Personals in den Reichsministerten bis zum 31. März 1932 um mindestens 10 v. h. zu vermindern. Der dann erreichte Personalstand darf in Zukunft nicht mehr überschritten werden.
Die leitenden Stellen bei den aufzulösenden Behörden sollen bei Freiwerden nicht mehr besetzt wer- den. Außerdem soll in den Jahren 1930 bis 1934 für ein Drittel der auSscheidenden Angestellten Ersatz nicht mehr eingestellt werden.
DaS Gesetz zur Veränderung der beamtenrechtlichen Vorschriften steht zunächst eine Verminderung der örtlichen Zuschläge ab 19 3 1 jährlich um 1 v. H. hiS zur völligen Beseitigung dieser Zuschläge vor. An Beamte, die knSher keine solchen Zuschläge erhalten haben, werden sie in
Zukunft auch bei der Versetzung an Orte nicht mehr gewährt, in denen sie üblich sind. Die Urlaube der Reichsbeamten werden ab 1. April 1930 gekürzt. Gleichzeitig wird vorgesehen, daß die Länder, Gtemeinbcn sowie die Reichsbahn kein« längeren Urlaub« gewähren dürfen als daS Reich. DaS Dienstverhältnis verheirateter weiblicher Reichsbeamten soll in Zukunft jederzeit mit einer Frist von drei Monaten kündbar sein, auch bei Anstellung auf Lebenszeit. Die gekündigten Beamten erhalten «in« Abfindung, und zwar für jedes vollendete Dienstjahr einen MvnatS- bezug, im ganzen höchsten zwölf MonatSbezüge. DieS gilt für die auf Lebenszeit angestelltett Beamten. Die Abfindung der auf Kündigung angestellten Beamten beläuft sich auf die Hälfte
Die Altersgrenze soll von 65 auf 68 Jahre her- aufgeseht werden.
Ferner sollen Ruhegeldkürzungen ein* treten, toeitn der Anspruchsberechtigte «in Diensteinkommen oder ein sonstiges Einkommen oder ein weiteres Ruhegeld bezieht. Bezüge biS zu 6000 Mark werden hierbei nicht angevechnet. Eine Kürzung tritt nicht ein, wenn Ruhegehalt und sonstiges Einkommen zusammen 9000 Mark nicht überschreiten.
DaS Gesetz zur Erzielung von Ersparnissen sieht u. a. vor, daß Landgemeinden unter 3000 Einwohnern bes oldete Gemeindevorsteher nicht mehr anstel- len dürfen. Di« Zahl der Abgeordnetensitze soll ermäßigt werden entsprechend der Verminderung der Reichstagssitze (zur Erlangung eines Mandats sollen in Zukunft 80 000 statt bisher 60 000 Stimmen erforderlich fein). DaS Spargrogramm schlägt auch die Herabsetzung der Abgevrdnetendräten vor.
Die vorgeschlagenen Gesetze sind zum Teil verfassungsändernd und bedürfen daher der Zustimmung der qualifizierten Mehrheit deS Reichstages.
O e Zukunft der Wohnungs, wirtschast.
Minister Hirlsiefer rechnet innerhalb von fünf Jahren mit der Aufhebung der Zwangsbewirtichaftung.
Frankfurt a.M., 4.3unL (TU.) 3n der Hauptversammlung aller an der Tagung für Wohnungswesen beteiligten Verbände sprach am Mittwoch der preußische Wohlfahrtsminister Dr. Hirtsief er über die Zukunft der WohnungS- wirtschaft. Die Wohnungszwangswirtschaft kann erst dann aufgehoben werden, wenn auf dem Wohnungsmarkt geordnete Verhältnisse einaetre- ten sind, womit man wohl in fünf Zähren rechnen kann. ES müsse dann ein soziales Wtet- recht kommen, dessen wichtigster Inhalt die Beseitigung deS schrankenlosen Kün - digungs- und MietsteigerungSrech- tes fein müsse. Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege müßten wieder stärker ausgebaut werden, gute Wohnräume erhalten, menschenunwürdige dagegen befeitigt werden. Sobald die bringenbfte Wohnungsnot beseitigt sei, werde an diese Wohnungsreform herangegangen. Die Reubautatigkeit müsse auch in Zukunft mit allem Rachdruck gefördert Werdern Dazu sei außer der weiteren Zur-Der- sügungstellung der HauSzinSfteuerhyPotheken di«


