Ausgabe 
5.6.1930
 
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Swlnemünde. 14 Grad, gestern kühle Nacht, ! Garmisch-Partenkirchen: 11 Grad, Südostwind, heute morgen heiter bis halb bedeckt gestern warmer Tag, Südostwind, heute morgen eit gestern teils heiter, teils wolkig | halb bis ganz bedeckt, seit gestern regnerisch

9er Znnenetat vor dem Hessischen Landtag.

Leuschners Penonaipolitif. Ole Berwaltungsrefvlm. - Oie Polizei.

Darmstadt, 4.3unl. (WHP.) Präsident Delp eröffnet die Sitzung bei schwach besetztem Hause zur Weiterberatung des Innenetats

Abg Dr. Werner (Nat.-Soz.) Wendel sich gegen die Personalpolink deS Innenministers Sie liege genau in der Linie deS allgemeinen Kampfes der Linken gegen das Berufsbearnten- tum. Er fragte den Minister, ob eS ihm bekannt (ei. daß eS in Hessen Minister und hohe Beamte gebe, die von einer auswärtigen Macht Orden und Ehrenzeichen bekommen hät­ten, die sie auch trügen DieS lei doch nach der Verfassung verboten.

Abg Dr LeuchtgenS (Bauernbund) oer- tritt die Auffassung, daß die KreiSeintei- l u n g'D e t a 11 e 11 s e l und der veränderten Verkehrslage entsprechend geändert werden müsse. Die drei Provinzialdirektoren neben der Kreisverwaltung seien ü b e r f l ü s f i g Auch die Strahenbouverwaltung habe politisch und finanziell zu einem Fehlfchlag ge- führt Der Kern des Sparproblems liege im Abbau von Aufgaben und Stellen im Ministerium. Es sei zu prüfen, ob man nicht den Kreisverwaltungen das alte Bestelle- runaS- und Umlagerecht und eventuell das in­direkte Wahlsystem über die Demeindevertretun- gen wieder zugcstehen solle. Es sei eine be­schämende Feststellung, dah Hessen aus Diktat der Entente 5 00 b i s 600 Mann der Polizei habe entlassen müssen. DaS als Ersparnis zu bezeichnen, gehe aus keinen Fall. Die Städte sollten wie die Landgemeinden ihre OrtSpoltzei selbst bezahlen

Innenminister Leuschner

Wir werden was die VerwaltungS- ceform anlangt, keineswegs so weit gehen wie der Sparkommissar, der gleich sieben Kreise rtnsparen will. Wir glauben aber, mit diesem Weniger dennoch mehr oder mindestens den gleichen Betrag sparen au können. Denn, wie schon im Voranschlag gesagt ist, werden dabei auch Reichsbeamte mit eingespart werden, und außerdem ist die Ersparnis an Zeit- und Geld­aufwand für die Bevölkerung doch auch zu be­rücksichtigen. Die Provinzialdirektto­nen sind keine Mittelbehörden, sondern Lokal- behörden. Sie sind notwendig, solange wir keine Zweckverbände für Straßen usw. haben. Für den Abbau bei dem Ministerium werden wir demnächst Dorschläge machen Für mich ist die Grundvoraussetzung bei jeder Ein­stellung eine- Beamten die absolute Qualisika- tion. Wenn Sie daran zweifeln, wollen Sie bitte den VachweiS führen Die von mir ernannten Persönlichkeiten geniesten das allgemeine Ver- trauen, vor allen Dingen auch das der Bevölke­rung Wie ich für jeden Beamten eintrete, so werde ich für meine Leute in diesem Falle erst recht eintreten. Wenn behauptet worden ist, die volksparteilichen Beamten seien Beamten zweiter Klasse, mühte ich auch dies entschieden zurück- weisen. Die Einrichtung einer Pressestelle halte ich für dringend notwendig Ich halte nun einmal die Presse für den Treuhänder der öffent­lichen Meinung. Diese Verbindung mit der Oefsentlichkeit kann aber nur von einem Mann mit entsprechender Qualifikation ausgeübt wer­den Das kann nun einmal kein Beamter, son­dern nur ein Journalist.

Der Minister ging dann über zu den Fragen der radikalen politischen Bewegung Er betonte unter großer Unruhe der Kommu­nisten, dah der PutschiSmus und die Fabrikstür- merci, wie sie bei Opel versucht worden sei, nur dem Faschismus Helse. Die Arbeiterschaft ist von diesen Methoden abgerückt und hat auch bet Opel bei den Detriebsrätewahlen die Ant­wort erteilt. Aach den Worten des Herrn Wer- ner sind die Nationalsozialisten prächtige, harm­lose und völlig unschuldig verfolgte Leute Wir haben sie in letzter Zeil recht erfolgreich nach Waffen durchsucht, obwohl sie sehr vorsichtig ge­worden sind und die Waffen neuerdings auS Angst vor der Durchsuchung dritten Personen zustecken oder in anderen Wagen mitführcn In

2b Fällen lind allein 148 Hieb-, Schuh- und Stichwaffen bet ihnen gefunden worden. So .erfolglos" waren die Untersuchungen. In 35 Fällen ist von den Nationalsozialisten von die­sen Instrumenten in übler Weise Gebrauch ge­macht worden Ich bin kein Freund von Ver­boten, sondern wende sie nur gezwungenermaßen an, um d i e staatstreue Bevölkerung vor der Politik mit Revolver und Dolch au schützen Ich werde die demokra­tischen Freiheiten des Volkes, die es sich müh­sam errungen hat, achten und schützen und. wenn dagegen Sturm gelaufen wird, auch zu Der­lei Ingen wissen

In der A b st i m m u n g wird Kapitel 27 (Mi- nisterium des Innern» genehmigt Das kommu­nistische Mißtrauensvotum wird abgelehnt Volks­partei, Volksrechtparlei, die Deutschnationalen und der Abg Dr Werner erklären, wegen der Be­gründung des Misttrauensantrages Stimmenthal­tung 'Beim Kapitel Kreis- und Prooinzialoerwal- tung kritisiert Abg Art (Brp) die Ablösung d e r o b e r h e s s i s ch e n P r o v i n 3 l a I an- leihen Die Abstimmung wird ausgesetzt. Es folgt dann

öas Kapitel Polizei and Gendarmerie

Abg Sturmfels (Soz) erklärt: Wir haben es nicht verstanden, daß Männer befördert wurden, von denen wir wissen, daß sie dem heutigen Staat nicht positiv gegenüberstehen Bei der Unterbringung der Versorgungsanwarter der Polizei müssen Re­gierung und Gemeinden ihre gesetzlichen Verpflich tungen erfüllen Der Sonderdienst hat sich nicht be­währt Es darf nicht mehr vorkommen, dah R e ferenten mit Dien ft autoszum Wochen­ende fahren.

Abg Dr Werner ^Nat.-Goz.) erklärt Wenn die Sozialdemokraten heute gegen alle Aube rs denk en den in der Beamtenschaft vor- gingen, bann rechtfertigten sie nachträglich das Sozialistengesetz. Der Abg Sturmsels habe kein Recht, aus den früheren Staat zu schimpfen. Er habe in »einemMonolog wie der schärfste Oppositionelle gesprochen. Die Uniformlieferung und -Herstellung für die hessische Polizei müsse dem selbständigen hessischen Gewerbe übertragen werden.

Abg. H e 1 n st a d t (Zentr.) fordert, dah die Hessen zugeftandenen 2500 Mann biSzurl etz - ten Stelle auSgenuht würden. 3m poli­zeilichen und finanziellen Interesse liege es, dah die in das besetzte Gebiet gehenden zwei Hundertschaften an einer Stelle lägew also i n Mainz während man die Worms zustehen- den Polizeistellen voll besetze und noch ein Ueberfallkommando zugestehe Wir danken der Polizei für ihr Eingreifen zum Schuhe der Ruhe und Sicherheit. (Sin gewisser Pferdebestand für die Polizei sei notwendig. Der Polizei­lostenbeitrag der Städte müsse dem­nächst überprüft werden. Heute habe man 90 Versorgungsanwärter, die im Jahre 192 000 Mk. kosteten 1935 würden es 700 sein, die 4,5 Mil­lionen erfordern würden. Die Regierung solle einmal prüfen, ob ihnen nicht SiedlungS- stellen billig überlassen werden könnten Der Sonderdienst sei grundsätzlich anzuerkennen.

Abg Frau H e r ä u s (Dntl.) wünscht, dah die Polizei dem auch in Deutschland noch blühenden Mädchenhandel energischer entgegentrete.

Abg Dr N l e p 0 t h (D Vp.) stimmt den Ausgaben für die -Polizei zu Seine politischen Freunde wünschten aber, dah sie als Machtin­strument des Staates ohne Ansehen der Person und h^r politischen Meinung gebraucht werd«. Ein Polizeibeamter, der nicht stets aus den Schutz seiner Regierung rechnen könne werde leicht wachsweich werden können Durch Organisa^onsänderunaen könne bei der Einheitspolizei noch viel gespart werden Das Dienstalter der Derwaltungsofsiziere solle nach dem Antrag der Deutschen Volkspartei von 45 auf 50 Jahre erhöht Werdern Für die Versor- gungSanwarter müsse mehr geschehen. Seine Par­tei stimme einer Revision der Polizeikoftenzu- schüsse der Gemeinden grundsätzlich zu

Aus der provinzialbaupistabl

146 darunter 2 Frauen

r

11

34

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369 140 150 136

51

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48

266

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18

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8

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1

55

3

einzelnen Studien-

Mehr (Schutz den Ruhebänken!

Dem Wunsche vieler Spaziergänger nach m e h

2062 stellt. Auf die ch e r entfallen: Theologie Rechtswissenschaften Medizin Bet.-Medizin Mathematik Naturwissenschaften Chemie Forstwissenschaft Landwirtschaft Philosophie Geschichte Klassische Philologie Neuere Philologie Stc.atswijskn schäften

Gießen. den 5 3un> 1930.

OieGtudierendenderLandesumversiiät

von der Pressestelle der Landesunioersitöt Gie­ßen wird mitgeteilt; Die Zahl der immatriku­lierten Studierenden beträgt im laufenden 6ommer|emefter 1935, hierunter 142 Frauen, hier­zu kommen Gasthörer und -Hörerinnen 124 und 3 Hospitantinnen, so dah sich die Gesamtzahl auf

Ruhebänken m der näheren Umgebung Gie- tzens wurde in den letzten Tagen dadurch Rechnung getragen, daß in den ersten Waldschneijen schadhafte Bänke wieder hergerichtet und neue ausgestellt wur­den An vielen stellen, die srühei Sitzgelegenheit barboten, haben rohe Hände die letzten Reste ganz beseitigt und verschleppt Aber auch sonst gibt es leider Menschen, die die 'Nähe von Ruheplätzen dazu benutzen, fort allerlei Unrat wie Matratzenreste, Strohsäcke. Töpfe usw abzuladen und den Ruhe- bedürstigen den Aufenthalt dort zu verekeln, wie es z B am Waldeingang an der Fünfziger-Allee 1864 1914 (neben dem Unioerfitöts-Sportplatz) zu beobachten ist. Ein schönes Wahrzeichen im Siegener Stabtwald, der Aussichtsturm auf der Hocbwart, mußte leider in der Kriegszeit gesperrt und später, da baufällig, ganz entfernt werden Ein paar mäch­tige Steinquadern beulen jetzt den früheren Stand des Turmes an, von dessen Höhe man einen wunder­baren Blick über den Wald, die Stadt Gießen, ins Lahntal und die benachbarten Täler hatte Ein ähn- liches Schicksal droht dem auf ansehnlicher Höhe unterhalb des Schifsenbergs über der früheren Frei­lichtbühne (Hermannsbuchef am Ludwigsbrunnen (gegenüber dem Forftgarten) vor Jahren errichteten Georgstempel Zwar find die äußeren Balken, Stützen usw noch In gutem Zustande jedoch das Innere bietet einen trostlosen Anblick Don den im Innern rund herum angebrachten Bänken sind kaum noch zwei intakt und als Sitzgelegenheit zu benutzen Das Schlimme hierbei ist, daß die Bänke wohl kaum unter dem guten Dach den Witterungsunbilden zum Opfer gefallen sind, sondern daß rohe Hände hier ihr Zerstörungswerk verrichteten Don dem Georgs- tcmpel hat man einen ähnlichen Blick wie früher oom Turm auf der Hochwart Jedoch müßte von feiten der Forstbehörde durch Entfernen einiger die Aussicht hindernder Bäume und Aefte etwas nach­geholfen werden Dem Verkehrs und Verschöne- rungsoerein bietet sich hier eine Gelegenheit zur Be­tätigung im angeregten Sinne Wirb der Georgs­tempel wieder entsprechend hergerichtet, so sind hier­für die vielen Spaziergänger, die infolge des im­mer stärker werdenden Kraftfahrzeugoerkehrs nur noch auf die Waldwege angewiesen sind, sicher dank­bar Pflicht der Besucher des Waldes und feiner Sitzgelegenheiten ist es aber auch daß letztere nach Möglichkeit geschont und ihre Umgebung in men­schenwürdigem Zustand erhalten bleibt.

Äießencr Wochcnrnarktpr. >

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 140 bis 150, Matte 30 bis 35. Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 8 bi« 10. Rotkraut 15 bis 20. Spinal 10 bi« 15, Römischkohl 10 bis 15 grün« Dohnen 50 bis 60, Spargel 40 bis 80. Erbsen 30 bis 35. Mischgemüse 10 bis 15, To­maten 60 bis 80. Zwiebeln 8 bis 12, Meer­rettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln (alte) 4,5 bis 5, Kartoffeln (neue) 12 bi« 15, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 50 bis 70. Erdbeeren 160 bis 200, Nüsse 50 biS 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 biS 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. bas Pfund Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf., Tauben 70 biS 80 Sier 10, Blumenkohl 30 bis 70. Salat 8 bis 10 Salatgurken 40 bis 80. Ober-Kohlrabi

15 biS 20. Lauch 5 618 10. Rettich 15 bis 20. Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück, gelbe Rüben (neue) 15 bi« 20, Radtcschen 10 bis 15 Pf das Bund. Kartoffel 3,80 bi« 4 Mk der Zentner.

Bornotizcn.

Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus Dahnbofstrabe. Tonfilm .Wien, du Stadt der Lieder".

Neuer Ehrensenator der Lan- desuniversilät. Von der Pressestelle der Landesuniversität Gießen wird milgctctlt: An­läßlich des 70. Geburtstages hat die Landesuni- versität Gießen den Präsidenten der Deutschen Gemeinschaft ^ut Erhaltung und Förderung der Forschung. Seine Exzellenz Herrn StaatSminister D. Dr Friedrich Schmidt-Ott in Berlin, mit Rücksicht auf feine hervorragenden Verdienste um die LandeSuniversität, zum Ehrensena- t 0 r ernannt.

" Don der Straßenbahn. Wie die Direktion der Straßenbahn in unseren, heutigen Anzeigenteil betanntgibl, können bie vor dem 1. Juni gültig gewesenen Fahrscheinheftchen zu 1,40 Mark uno 1,80 Mark noch biS zum 1. August weiterbenutzt werden Dann verlieren diese Hest- chen ihre Gültigkeit.

Offenbacher Geldlotterie. Die Zie­hung d'.eser hessischen Geldlotterie findet un­widerruflich am 18 Juni in Offenbach a. HL statt. Siehe heutige Anzeige.

* D. H. C-. Giehe n. Nach dem DünSberg- gediet lenkte am Sonntag der V. H. L. Gießen seine Schritte. Von Station Friebelhausen wan­derten bie 85 Teilnehmer durch Odenhausen in mäßigem Anstieg hinaus zum tahlen Altenberg. Die sonst so reizvolle Rundschau vom Gipfel des Derges war leider durch den herrschenden Frühnebel stark beeinträchtigte doch entschädigte einigermaßen bet Blick in das zu Füßen de« Berges sich hinziehenbe liebliche Salzböbelal. Der roten Keilmarkierung nach ging es bann am Toten Mann" vorbei zur Frühstücksrast nach dem sog Dünsbergblick, einem hoch über dem Wißmarbachtal gelegenen Aussichtspunkt mit hübschen Blicken nach dem Dünsderg und den Burgen. Dem Zeichen weiter führte der Marsch durch prächtigen Buchenhochwald an derDraut- buche vorüber zum Forsthaus Waidhaus, wo eine längere Erholungspause stattfand. An bet ehemalig preußisch - hessischen Grenze entlang, ging es hierauf zum Hauptziel des Tages, bem Dünsberg. Doch würbe diesmal der steile Auf­stieg, den das Zeichen weiter verfolgt, vermieden und ein angenehmer Weg eingeschlagen. der nahezu mühelos zur Höhe leitet Besonders gut war die Fernsicht vom Turm: doch sind leider die den Gipfel umsäumenden Fichten so hoch geworden, daß in absehbarer Zeit die sonst so prachtvolle Aussicht zugewachsen sein dürste Die zuständige Forstbehörde würde sich den Dank aller Dünsbergfreunde erwerben, wenn sie hier Abhilfe schaffen würde. Zum Abstieg wurde der im vorigen Jahre neu angelegte bequeme Weg gewählt.

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