Rundfunkprogramm.
Sonntag. 6. April.
< bis 8.15 Mr: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Katholische Morgenfeier. 10.10: Stunde der Jugendbewegung: „"Die wir unsere Feste feiern". Dortrag von Hermann Forschepiepe. Hilchenbach. 11: Elternstunde. „Dicht versetzt!". Dortrag von Rektor K. Wehrhan. 12: Mozart-Sonaten für Dioline und Klavier. 13.10: Orgelkonzert. 14: Don Stuttgart: Der Tölpelhans. Ein Märchenspiel nach dem gleichnamigen Märchen von Ehr. Andersen. 15: Stunde des Landes. 16: Liebertragung vom Auto-Rennen in Monaco. 16.30: Dlas- Konzert. 17.30: Don Berlin: Rugby-Länderkampf Deutschland—Frankreich. 17.45: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Walt Whitrnan, der Dichter der Großstadt , Dortrag von Dr. Carl Gebhardt, Frankfurt a. M. 18.45: Empfindsame Zwiesprache. 19.20: Sportnachrichten. 19.30: Don Stuttgart: Populäres Konzert. 20.30: Don Stuttgart: Humor und Groteske in Wort und Lied. 21.30: Von Stuttgart: Operettenmelodien. 23.20 bis 0.30: Don Baden- Baden: Tanzmusik.
Montag. 7. April.
12.30 Mr: Schallplattenkonzert: Französisches LInterhaltungskonzert. 16: Aus dem Kurhaus Baden-Baden: Konzert des Städt. Orchesters. 18.05: Mit dem Mikrophon im Gymnasium. 18.35: „Reise durch Trümmer, eine Autofahrt längs Tarn und Garonne", Dortrag von Paul Edmund Hahn. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt a. M.: 12. Montagskonzert. 21.30: Don Mannheim: Dom Teufel geholt. Dier Akte von Knut Hamsun.
Dienstag, 8. April.
13.30 Mr: Schallplattenkonzert: Opernmärsche und historische Märsche. 16: Hausfrauen-Dach- mittag. 17 bis 17.45: Don Stuttgart: Dachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17.55: Eine Viertelstunde Deutsche Reichspost: Tempo! Tempo! 18.05: Erich Ebermaher, Vorlesung aus seinem Roman „Kampf um Odilienberg". 18.35: Von Stuttgart: Hans Watzlik, ein sudetendeutsches Dichterleben. Vortrag von Dr. H. Krey. 19.05: Chinesische. Städte. Vortrag von Richard Hülsenbeck. 19.30: Operettenmusik. 20: Von Saarbrücken: „Don deutscher Seele", Kantate für Soli, gemischten Chor, Orgel und großes Orchester von Hans Pfihner. 21.30: Verklungene Wellen, ein Frankfurter Rundfunkprvgramm aus dem Iahre 1807. 23 bis 24: Schallplattenkonzert.
Mittwoch, 9. April.
12.30 Llhr: Schallplattenkonzert: Liebes- und Todesszenen in Richard Wagners Opern und Musikdramen. 15 bis 15.50: Stunde der Jugend. 16: Aus dem Kurhaus Bad Homburg: Konzert der Kurhauskapelle Burkart. 18.05: „Aufgaben
und Praxis des Daturschutzes", Vortrag von Dr. Karl Höfer. 18.35: „Geschichte und Bedeutung der Frankfurter Frühjahrsmesse von 1330 bis 1930", Vortrag von Dr. Fried Lübbecke. 19.05: Von Mannheim: „Cecil Rhodes und 3of. Chamberlain", Vortrag von Dr. Rudolf Craemer, Heidelberg. 19.30: Saarland I: „3n einem Bergwerk". Mikrophon-Reportage. 20: Stunde des Laienmusizicrens. 20.45: Dichtungen von Walter Bauer. 21.30: Von Stuttgart: Klavierkonzert in E-Moll von Mozart. 21.55: Von Stuttgart: Zeitgenössische Musik.
Donnerstag, 10. Avril.
12.30 Llhr: Schallplattenkonzert: Russisches Un* terhaltungskonzert. 15 bis 15.50: Von Stuttgart: Jugendstunde: „Den ABC-Schützen." 16: Don Stuttgart: Dachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Zeitfragen. 18.35: „Gespräch über Wirtschaftslagen" zwischen einem Laien und einem Dationalökonomen: „Warum fallen die Preise?" 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Saarland ll: „Ein untergehendes Dorf", Mikrophon-Reportage. 20: Aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt a. M.: 4. Dolks-Sinfonie-Konzert. 21.30: Zeitberichte: „Venizelos verteidigt seine Politik". 22.30: Don Stuttgart: Romantik zur Laute.
Jreitag, 11. April.
12.30 Llhr: Schallplatten: Anno dazumal... Vor 3 Jahren. 16.00: Don Stuttgart: Dachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Buch und Film." 18.35: Don Stuttgart: „Das Rätsel der veränderlichen Sterne", Dortrag von Prof. Beutel. 19.05: Von Mannheim: „Der moderne europäische Roman" l. Einführungsvortrag von Professor Dr. Pongs. 19.30: Aus dem Datio- naltheater Mannheim: Mctnon Lescaut, Lyrisches Drama in vier Akten, Musik von Giacomo Puccini, deutsche Liebertragung von Ludwig Hartmann. 22.15 bis 22.45: Aus der Festhalle Frankfurt a. M.: Borkampf Schmeling. 23.10: Tanzmusik. 0.30 bis 1.30: Dachtkonzert.
Samstag, 12. April.
13: Schallplattenkonzert: Volkslieder der Rationen. 14 bis 14.50: Stunde der Jugend. 1. Bastelstunde. 2. Aus dem deutschen Liederkranze. 16 bis 17.45: Aus dem Kurhaus Bad Homburg: Konzert der Kurhauskapelle Burkart. 18.05: „Ist der Kaufmannsberuf noch Lebensberuf? — Die Aussichten für die Berufsanwärter", Vortrag von Arno Zacher. 18.35: Stunde der Arbeit — „Proletarische Buchgemeinschaft", Vortrag von Oskar Quindt. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Von Stuttgart: Wiener Lieder und Chansons. 20: Von Stuttgart: Eine Musiker- generotion. Die Familie Benda. 21: Von Köln: Bunter Abend. 22.35: Von Baden-Baden: Tanzmusik.
steht die Gefahr, daß diese Gepäckstücke durch das Schütteln des fahrenden Zuges sich lockern und Yerunterfallen. Das kommt oft genug vor. Werden dadurch Reisende verletzt oder ihre Kleider und Gepäckstücke beschädigt, so ist der Besitzer des übermäßigen Handgepäcks zum Ersatz des entstehenden Schadens verpflichtet, er kann aber auch für Verletzung Mitreisender wegen fahrlässiger Körperverletzung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.
Das Armenrecht.
Der Deutsche Anwaltverein hat gesetzgeberische Vorschläge zur Derbesserüng der Bestimmungen über die Bewilligung des Armcnrechts eingebracht, die darauf abzielen, eine Entlastung der Staatskassen der Länder von der starken Inanspruchnahme durch die Armenrechtskosten herbeizuführen. Die bedeutsamste in Vorschlag gebrachte Neuerung besteht darin, daß das Armenrecht auch in der Weise soll erteilt werden können, daß der Partei auferlegt wird, die Gerichtskosten und die Anwaltsgebühren in Teilbeträgen, deren Höhe und Fälligkeit das Gericht zu bestimmen hat, an die Staatskasse zu entrichten. Die Begründung bemerkt dazu u. a.:
Es ereignet sich überaus häufig, daß eine das Armenrecht nachsuchende Partei außer Stande ist. die Gerichtskosten und Airwaltsgebühren im voraus int ganzen zu erlegen, daß man ihr aber nach ihren Einkommensverhältnissen sehr wohl zumuten kann, diese Kosten in Teilzahlungen, die über eine längere Zeit zu erstrecken sind, abzutragen. Hier besteht nach der gegenwärtigen gesetzlichen Regelung nur die Möglichkeit der Bewilligung des Armenrechts in der Form der vorläufigen Befreiung von jeder Kostenzahlungspflicht. Dieses Ergebnis ist unbillig. Die erwähnte Bestimmung führt deshalb die Möglichkeit einer Bewilligung des Armenrechts in der Form ein, daß nicht eine Befreiung von der Kostentragung, sondern nur eine Stundung der Kosten- und Gebührenschuld in Form der Festsetzung vott Ratenzahlungspflicht eintritt. Mit^erbemittelte Personen, wie sie heutzutage Teilzahlungsgeschäfte zum Zwecke der Beschaffung wertvoller Gegenstände — Dähmaschinen, Fahrräder, Radio- avparate, Motorräder — in überaus großer Zahl eingahen, erhalten zur Zeit bedenkenfrei die Armenrechtsbewilligung, weil die Summe der Prozehkosten in Vergleich mit dem Wochenlohn oder Monatseinkommen gesetzt wird. Die Entrichtung der Kosten in bescheidenen Teilbeträgen kann solchen Personen in vielen Fällen angesonnen werden. Die vorgeschlagene Bestimmung würde somit in beträchtlichem Maße zur Verwirklichung von Kostenansprüchen der Staatskasse führen, und dadurch eine wesentliche Entlastung der Etats der Länder bringen.
Arbeiierhochschule oder Volkshochschule?
Äon W. Hegar, Leiter der Volkshochschule.
Gelegentlich der Verhandlungen über den städtischen Zuschuß zur Volkshochschule wurde in der letzten Stadtratssitzung von einem Redner eist leider noch sehr populärer Einwand gegen die .Volkshochschule vorgebracht. Es wurde etwa gesagt, 'die Volkshochschule werde ja aus Arbeiterkreisen gar nicht genügend besucht, obwohl sie doch für diese Kreise eingerichtet worden sei; sie bedürfe da- ber keiner ausgiebigeren Zuschüße; vielmehr seien, um sie zu sichern, einfach ihre Hörer zu höheren Beitragsleistungen heranzuziehen. Da dieser Einwand uns gerade von verantwortlicher, amtlicher Stelle immer wieder entgegentritt, so legen wir Wert darauf, ihn endlich einmal öffent-
Die gefiederte Schlange.
Roman von Edgar Wallace.
18 Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Wie war doch ihr Dame?" fragte Peter.
Das war ihnen entfallen, aber Clarke rief die Registratur an.
„Sie hieß Paula."
Peters Herz schlug start.
„Paula — Paula Ricks — sie hat also die falschen Banknoten gezeichnet?"
Clarke nickte langsam.
„Daran ist gar kein Zweifel. Es ist ja möglich, daß sie nicht die Daten der Bank von England gefertigt hat, aber sicher hat sie die französischen Lauscndfranlscheine gefälscht. Der Sachverständige der Bank von Frankreich sagte, es seien vom künstlerischen Standpunkt aus ganz wunderschöne Arbeiten, die besten, die er jemals sah. Es waren keine Photographien, sondern reine Zeichnungen, die später geätzt wurden. Die Platten, die die Ricks zu ihren Fälschungen brauchte, waren besser als die Originale. Aber wir konnten damals nicht gegen das Mädchen vorgehen, und ich bin auch ganz froh, daß es so gekommen ist. Ichr Vater war ein alter Falschmünzer und hat sich immer damit beschäftigt. Wenn er sich nicht erschossen hätte, wäre er für immer ins Zuchthaus gekommen. Glauben Sie, daß die Zeichnungen der gefiederten Schlange von ihr herrühren?"
Aber Peter schüttelte entschieden den Kopf.
„Gegen diese Behauptung würde ich große Summen wetten."
„Da nu", rief Clarke verdrießlich, als sich der Reporter der Tür zuwandte. „Was soll denn das bedeuten? Hereinkommen, Fragen stellen und dann wieder verschwinden?"
Peter drehte sich um.
„Ich habe nun von fünf verschiedenen Seiten die Meinung über die gefiederte Schlange und den Mord gehört, der damit in Zusammeichang steht, und ich glaube, daß ich die Geschichte jetzt wohl packen werde. Ich kann Ihnen nur das eine versprechen. Clarke, daß ich Ihnen alles Material übergeben werde, bevor die Sache in Druck geht. Augenblicklich muh ich nur noch ein Schloß finden, das sich mit einem bestimmten Schlüssel öffnen läßt. Llnd außerdem muß ich noch wissen, wozu Ioe Samer das verdammte Wort Gucumah brauchte."
Dann ging er fort.
12.
Peter hatte eine ganze Anzahl von Besuchen zu machen. Darunter waren wichtige und gleichgültige, die von den eventuellen Erfolgen der ersteren abhingen. Im obersten Stock eines Ge-
lid) zu widerlegen.
1. Nur in sehr großen Städten ist es angängia, die Volkshochschularbeit auf die Bildungsbedürfnisie einer einzigen Volksschicht, z. B. der Arbeiterschaft, einzustellen. Eine Arbeiterhochschule ist z. B. im wesentlichen die Volkshochschule Groß-Berlin, aus deren Erfahrungskreis Obermagiftratsrat Marquardt kürzlich im „G. A." berichtet hat. Vorwiegend von Angestellten, Beamten und Angehörigen freier Berufe besucht wird (nach einer Statistik von 1925) die Humboldt-Hochschule in Berlin. In einer Mittelstadt, ja selbst in einer mittleren Großstadt, muß die Volkshochschule schon aus äußeren Gründen den BilduNgshungrigen aus allen Schichten offen stehen. Sie hat nur dafür zu sorgen, daß sich die Arbeiterschaft angemessen an ihr beteiligt. Das geschieht in Gießen mit Erfolg, obwohl bekanntlich die Gießener Fabrikarbeiter großenteils auswärts wohnen.
2. Nur auf Grund des offenbaren Irrtums, daß
schäftshauses in der Winchester Street betrat er das Bureau einer altrenommierten Architekturfirma und wollte sich bei dem ersten der Architekten, die auf dem Firmenschild standen, melden lassen. Aber der Clerk schüttelte den Kopf.
„Mr. Walber ist schon seit fünf Iahren tot. Das Geschäft gehört jetzt Mr. Denny allein. Wollen Sie ihn vielleicht sprechen?"
Peter stand bald darauf einem hageren, kurzsichtigen Mann gegenüber, der etwas nervös und ungeduldig war. Er hatte den Eindruck, daß er ängstlich bemüht war, das Interview nicht zu lange dauern zu lassen. Selbst das sonst so zauberkräftige Wort „Redaktion des Prstkurier" lieh ihn ganz kalt. Er war wahrscheinlich ein so beschäftigter Mann, daß er von der Existenz dieser großen Zeitung überhaupt nichts wußte.
Peter entfaltete den Plan, den er in der Schublade von Ioe Farmers Schreibtisch gefunden hatte, und auf dem die Worte Walber L Denny gedruckt standen. Er legte das Papier auf den Tisch des Architekten.
„Das ist einer der Pläne, die Mr. Walber gezeichnet hat", sagte Denny prompt und zeigte auf eine schwer leserliche Signatur in der Ecke des Blattes. „Ich kann Ihnen darüber leider nichts sagen. Mr. Walber fand ein Vergnügen daran, solche ungeheuerlichen Pläne wie diesen zu zeichnen. Was es sein soll? Anscheinend ein großes Wohngebäude — neun Stock hoch — großer Gott! Die Londoner Baupolizei würde doch solch einen Llnsinn niemals erlauben. Dazu Liftanlagen in großem Llmfang —“ er zeigte auf große blaue Quadrate in der Mitte des Grundrisses — „wer würde denn große Aufzüge in Wohngebäude einbauen? Doch niemand anders als der arme, phantastische Mr. Walber!"
„Können Sie mir vielleicht sagen, für wen dieser Plan gezeichnet wurde?"
Denny wußte es nicht und beteuerte das nachdrücklich. Er legte auch kein weiteres Interesse an den Tag, und obwohl er seinen Widerwillen nicht zum Ausdruck brachte, gab sich Peter doch keinen Illusionen hin.
„Das mag der Himmel wissen! Mr. Walber war ein gutherziger, aber unpraktischer Mensch — er starb, ohne einen Pfennig Vermögen zu hinterlassen — nicht, daß er gerade viel Geld gebraucht hätte, er war Junggeselle."
Mr. Denny sagte das so düster, daß Peter unbedingt daraus schließen muhte, daß dieser kurzsichtige Mann sicher kein Iunggeselle war.
„Mr. Walber zeichnete häufig zu seinem eigenen Vergnügen solche Pläne. Er wurde immer von der Idee verfolgt, daß eines Tages ein Milltonär kommen würde und ihm die nötigen Mittel zur Verfügung stellte, um sie in die Wirklichkeit umzusehen. Aber Millionäre sind
die aus allen Schichten stammende Hörerschaft sich überwiegend aus Begüterten zusammcnsetze, konnte eine Cebührenerhöhung verlangt werden. Entsprechend bei weiter vorgeschrittenen sozialen Umschichtung sind 75 d. H. der Hörer zwar nicht Fabrikarbeiter, aber Arbeitnehmer. Siebzig v. H. der Hörer sind unter 30 Jahren alt. Don diesen, doch nur ganz ausnahmsweise in „glänzenden" Positionen befindlichen Hörern erhöhte Gebühren zu nehmen, wäre vielleicht noch zu rechtfertigen, wenn die Volkshochschule in Geld umsetzbare Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln wollte. Aber von den 31 Kursen, die im abgelaufenen Jahre durchgeführt wurden, dienten 29 der reinen, feine greifbaren Vorteile bietenden Bildung. Zum Unterschied von selbst hochstehender Abendunterhaltung fordern solche Kurse übrigens von den nach ihrem Arbeitstag sich einfindenden Hörern vielfach angespannte Aufmerksamkeit und vor allem Beharrlichkeit. Die Allgemeinheit hat doch
bekanntlich sehr gesunde und kluge Menschen, und es kam denn auch niemand, der ihm die Möglichkeit gab, solche Attentate auf gute Architektur zu verüben. Haben Sie sonst noch etwas?"
Peter faltete seinen Plan zusammen und steckte ihn wieder ein. Innerlich war er über die Art des andern sehr belustigt.
„Sind Sie sicher, daß dieser Plan niemals durch Ihr Bureau gegangen ist?" fragte Peter.
„Ganz sicher. Es müßte hier sonst noch ein anderer Stempel zu der Firma zugefügt sein — außerdem verwenden wir im Bureau nicht dieses Papier."
Er hatte nur eine ganz schwache Vermutung, wer wohl Mr. Walkers persönlicher Freund gewesen fein mochte, aber er hatte keine Lust, diese Unterredung fortzusetzen. Peter fragte noch, ob Walber einen Mr. Farmer kannte, der kürzlich ermordet wurde. In Mr. Denny erwachte ein flüchtiges Interesse für diese Vorgänge, und er nahm ein Buch, das offenbar eine Kundenliste enthielt. Er sah es durch und schüttelte dann den Kopf.
„Unter unseren Kunden befindet sich kein Mr. Farmer."
Peter ging von hier aus zur City. In der Queen Victoria Street liegt ein altmodisches, durch eine doppelte Treppe zugängliches Gebäude aus der Zeit der Königin Anna. Es ist weltbekannt als das Heraldische Amt. Peter blieb fast eine Stunde in dem Haus, und als er herauskam, glänzten seine Augen lebhaft. Einen Zipfel des Vorhangs, der das Geheimnis der gefiederten Schlange verbarg, hatte er lüften können. Seine Dachforschungen hatten ihm verschiedene wichtige Zusammenhänge klargemacht, die mit diesem außergewöhnlichen Verbrechen zusammenhingen.
Die schwierigste Aufgabe erwartete ihn aber erst noch. Buckingham Gate Dr. 107 bestand aus zwei großen Häusern, die in Wohnungen auf- geteilt waren. Ein vornehm uniformierter Portier sagte ihm, daß Mrs. Paula Staines zu Hause sei. Er begleitete Peter zu dem schönen Aufzug, der ganz aus Glas und Bronze hergestellt war, und drückte auf den Knopf des vierten Geschosses.
Als Peter oben war und an der Eingangstür klingelte, öffnete ihm ein Dienstmädchen und führte ihn in eine kleine, quadratische Diele, die mit vielen eingerahmten Zeichnungen geschmückt war. 'Alles machte einen vornehmen Eindruck. Es war die Wohnung einer Dame, die einen sehr guten Geschmack und Sinn für schöne Einrichtung besah. Ein venetianischer Kronleuchter hing von der Decke herab, und ein weicher, orientalischer Teppich bedeckte den Boden. Das Mädchen kam bald zurück und führte ihn in ein wundervoll eingerichtetes Zimmer. Als er Mrs. Paula StaineS sah, erkannte ex, daß er einen ganz anderen
heute ollen Grund, den Idealismus berufstätiger Jugend mit allen Kräften zu fördern.
3. Wer eine Volkshochschule nur dann als solche anerkennt, wenn sie hauptsächlich von Arbeitern besucht wird, der tut das in der Regel deshalb, weil nach einer Auffassung die Volkshochschule vor allem „auf eine höhere Bildungsstufe zu heben" hat. Gewiß ist das eine wichtige Ausgabe. Aber beim Bildungsstreben verhält es sich doch im allgemeinen so, daß man, ehe das Steigen beginnt, zuerst wissen muß, in welcher Richtung es denn auswärts gehen soll. Weiß ein Mensch um die ihm gemäße Richtung, so ergibt sich bann das Steigen aus seinem eigenen Streben. Die Volkshochschul- Qrbeit erschöpft sich daher in der heutigen Zeit zu einem Teil in dem Bemühen, den Menschen in eine bestimmte und wesentlichere Strebensrichtung zu bringen. Zum andern Teil bahnt sie Menschen, die schon eine bestimmte und wesentliche Strebensrichtung besitzen, den Weg zu ihrer eigentümlichen Bildung. Mit solchen Menschen von bestimmter Richtung ihres Bildungsstrebens haben qyr es nun bei den Arbeitern zu tun, die die VolkshcMchule besuchen. Die Arbeiter verlangen staatswissenschaftliche Schulung. Gegenüber dieser Sachlage haben die Niveauunterschiede der (formalen) Bildung für die Volkshochschule nur sekundäres Interesse. Es bedarf keiner weiteren Begründung, daß eine Arbeiterhochschule in einer Mittelstadt von der sozialen und geistigen Struktur Gießens sehr bald als Fremdkörper empfunden werden würde. Wir können hier nur eine Volkshochschule brauchen, die das in allen Volksschichten feststellbare Bedürfnis nach intensiver Volksbildung auf den verschiedensten Gebieten befriedigt.
Amtsgericht Gießen.
' Gießen, 1. April. Ein über 70 Jahre alter» fast schon vierzigmal, darunter auch wegen Diebstahls, vorbestrafter Händler hat diesmal wegen eines ihm zur Last gelegten Diebstahlsocrbrechens Freisprechung erzielt. Es war bei ihm aus dem Nachbarkeller, in den eingebrochen worden war, gestohlenes Holz gefunden worden. Das Verbrechen war chm wegen seiner Vorstrafen recht wohl zuzutrauen; auch lag eine ganze Reihe von Ver-- dachtsmomenten gegen ihn w, so die Tatsachen, daß das Holz in beiden Fällen dos gleiche war, daß es sich auch um gesagtes Holz handelte, der Angeklagte aber wegen Unbrauchbarkeit seiner Sage gar nicht in der Lage war, solches herzustellen, u. dgl. m. Doch erfolgte die Freisprechung, weil immerhin eine ent» fernte Möglichkeit vorlag, daß ein anderer, etwa: ein Angehöriger des Angeklagten, ohne dessen Zutun, den Diebstahl begangen hat.
Die weiteren Verhandlungen bezogen sich auf geringe Verfehlungen, meist Verkehrsübertretungen. So erhielt ein in der Dunkelheit auf der Westanlage • ohne Licht fahrender Radfahrer eine Geldstrafe von 20 Mark. Er behauptete, er fei gar nicht der von dem Polizeiwachtmeister Angezeigte, der von diesem Betroffene habe einen falschen Namen angegeben. Der Polizeiwachtmeister erkannte aber auch in der Verhandlung bestimmt den Angeklagten wieder. Dieser war, kurz nachdem er notiert worden war, ohne auf dessen Warnung zu hören, ohne Licht weitergefahren. Deshalb und wegen seines Leugnens wurde die ihm im Strafbefehlsverfahren zugegangene Strafe erhöht.
Ein auswärtiger Metzgermeister mußte erfahren, daß Unkenntnis der für" fein Gewerbe bestehenden Verordnungen ihm im Falle ihrer llebertrefung nicht von Strafe schützen kann. Ein guter Kunde von ihm in einer anderen Stadt, dem er schon vielfach große Quantitäten frisches, keiner bprtigcn Nachuntersuchung unterliegendes Fleisch zugeschickt hatte, war nach Gießen verzogen , wo die Nachunter-, suchungspslicht besteht. Daher war der Angeklagte in dem Glauben, die einschlägigen Bestimmungen seien in den beiden Städten die gleichen, bei einer Fleischsendung nicht nachgekommen. Er erhielt die Mini m a I ft r a f e.
Typus vor sich hatte als die heftige kleine Schauspielerin vom Orpheum.
Sie saß an einem kleinen, eingelegten Tisch und hatte einen weißen Zeichenkarton vor sich, über den sie ein Blatt Papier deckte, als er eintrat. Eine wundervoll anziehende Erscheinung, dachte er. Sie hat ein fremdes, aber äußerst anziehendes Wesen und hätte ebensogut eine große Dame wie eine große Kurtisane sein können. Er wußte, daß sie nahe an dreißig war,« aber sie sah jünger aus.
Sie lehnte sich in den Polstersessel zurück und begrüßte ihn mit einem sonderbaren Lächeln.
„Es ist mir eine große Ehre, Mr. Dewin", sagte sie. „Sind Sie gekommen, um mich zu interviewen?"
Der etwas spöttische Ton stimmte ganz zu dem Charakter, den er bei ihr vermutete. Bevor ey antworten konnte, nahm sie das Papier fort, das ihre Zeichnung verdeckte, und schob sie ihm zu.
„Ich zeichne gefiederte Schlangen — sie sind sehr phantastisch und sehen trotzdem nicht gut aus, nicht wahr?"
Er sah zwei oder drei verschiedene Skizzen von gefiederten Schlangen auf dem Blatt — zusammengerollt, den Kopf zurückgebogen, um , aus das Opfer loszustohen in durcheinanderwogender Verschlingung. Daneben Ginzelstudien von Köpfen und Versuche, besonders das Gefiederte der Tiere darzustellen.
„Der Himmel möge Sie segnen, daß Sie mitt meine Aufgabe so leicht machen", sagte Peter begeistert. „Deshalb bin ich ja gerade zu Ihnen gekommen!"
Ihre Lippen zogen sich sekundenlang zu einem eisigen Lächeln zusammen.
„Ich hatte dieselbe Empfindung, als ich Ihre Karte las," antwortete sie. ..Aber glauben Sie mir, Mr. Dewin, Sie haben sich gerade nicht an eine sehr kompetente Autorität gewandt. Ich habe in meinem Leben noch nie etwas von gefiederten Schlangen gehört, bis dieser fürchterliche Mord geschah."
Sie sah ihn offen an. Ob diese grauen Augen ihn wohl belogen? Aber er war im Llnrecht, wenn er bas glaubte.
„Vermutlich sind Sie wegen des Mordes gekommen." Sie nahm den Karton vom Tisch und schauderte zusammen. „Es ist furchtbar!"
Er wußte ganz genau, warum die Lat s» schrecklich für diese gelassene Frau war. Wäre ee ein brutaler Mensch gewesen, so hatte er ihr sofort alles auf den Kops zugesagt. Aber ec fragte sie nur nach Farmer. Offenbar kannte sie ihn gut genug, um mit feinen vielen Vergehen vertraut zu sein. Sie berührte aber diese Dinge nicht.
(Fortsetzung folgt)


