fern heiß und strahlend begrüßt, so empsirchet er das alleS als eine erdrückende ßuft, die für ihn, als Bewohner gemäßigter Breiten, auf die Dauer schädlich wirken könne.
Tcmperaturschwankungen von ungewöhnlicher Größe, langweilige, Windstille Liebergänge, heftige Wirbelstürme. Hagelböen, absttunpfende Kälte, hoher Luftdruck, lokale vorübergehende Erwärmungen wechseln in dem männlichen Klima unberechenbar ab.
Bur selten empfindet man jene wohltuende, gleichmäßige Heiterkeit der Luft, die als wichtigste Voraussetzung für eine harmonische Ehe gelten kann.
Männer sind wie Wetterberichte... 'M. '21.
Gemeindeabend
der Maithäusgemeinde.
Es ist Sitte in der Matthäusgem einde geworden, ihren Gemeindeabend int Advent zu halten. Trotz vieler Veranstaltungen am Sonntag war der geräumige Saal des Cafe Leib in allen Teilen dicht besetzt. Denn der Abend stand unter einem besonderen Zeichen: das Kam - merorchester der Gießener Volkshochschule wirkte mit und brachte alte herrliche Kammermusik aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu Gehör. Es ist ein Verdienst des Leiters des Kammerorchesters, Musiklehrers Franz Dauer jun., daß er diese alte Musik, die in einfachen strengen Formen ihre Sätze aufbaut und in leuchtender Klarheit mit innerer Wärme sie durchzuführen versteht, besondere Pflege widmet. Kein besserer Weg konnte gefunden werden,, als auf dem Gemeindeabend einer Kirchengemeinde, die alle Kreise des Volkes umfaßt, diese wertvolle Musik des 17. Jahrhunderts weiteren Kreisen nahezubringen.
Das Orchester eröffnete den Abend mit der Einleitung zum Oratorium „Der Messias". Die (große Welt Händels tat sich auf, eine ganz andere Welt als die Welt der modernen aufwühlenden Musik. Die Wiedergabe des Werks hinterließ einen starken Eindruck. Cs folgte das Concerto de chiesa in 8-Dur für Streichorchester und Cembalo von E. F. d'Allabaco. Orgelmäßig, feierlich hob das Largo Andante an, wundervoll war ter Ausklang des Ganzen im Largo Allegro. Aus Dachs bk-Moll-Suite Ar. 2 für Flöte, Streichorchester und Cembalo spielte das Orchester Sarabande-Doure, Polonaise und Double. Eine große Lleberra'chung war Ad. Ha's-s Ouvertüre zur Oper „Euristeo", ein Stück durchaus deutsch in der Empfindung, in der musikalischen Form italienischem Beispiel folgend, technisch prachtvoll aufgebaut und von machtvoller musikalischer Wirkung. Das Orchester erwies sich als ein Klangkörper von kraftvoller Geschlossenheit, von Llnmittelbcrrkeit des Empfindens, willig dem Dirigenten folgend; es gab sein Bestes her in der Wiedergabe der Ouvertüre.
Erne Freude war es, daß man auch der Liedkomposition des 17. Jahrhunderts gerecht wurde. Frau Gertrud Wehl mit ihrem schöner, innerlich beseelten Mezzo-Sopran sang Lieder von Joh. Wolfgang Franck/Die drei Arien für Alt, Streichorchester und Cembalo von Ad. Krieger gehörten zu den Glanznummern des Programms. Die dritte Arie lag Frau Wehl ganz besonders; sie fang das kleine Lied mit all der schelmischen Grazie, mit der es gesungen sein will. Im Schube risch en Lied „Öln meiner Wiege" erreichte ihre Stimme ihre größte Entfaltung; hier wurde das, Lied Erlebnis und Gestaltung. Frau Elfriede Fischer hatte den Klavierpart übernommen; sie begleitete in feinsinniger Weise Sängerinnen, wie Orchester. Herr Heinz Simon, der zuge'agt halte, ein g ist- lichrs Lied von 2oh. Wcllg Franck zu singen, mußte wegen stimmlicher Indisposition absagen.
Dramatische Szenen von Cervantes und Lope de Vega, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert, beschlossen den Abend. Sie wurden in köstlicher Frische und Darstellungskraft von der, wohlbekannten S p i e l f ch a r der Jugendvereinigung der
Oer Dreizehnte.
Vornan von Anny von panhuys.
Copyright 1929 by Verlag Vechthold Braunschweig
19 Fortsetzung. Nachdruck verboten
13.
War es ein tückischer Zufall oder sollte es so sein? Der Schaffner öffnete vor den letzten, in eiligem Lauf dahinstürmenden Reisenden gerade das Abteil, in dem als einziger Passagier Hans Felsen saß. Eva erschrak, aber dann dachte sie, es war wohl gut, wenn sie beide sich sofort miteinander aussprachen.
Sie atmete hastig von dem schnellen Lauf und von aller Erregung, die in ihr arbeitete.
Hans Felsen sagte schass: „Du hast unverantwortlich gehandelt; die Frau, die liebt, hat keine Geheimnisse vor dem Manne ihrer Liebe."
Eva antwortete nicht sofort, und er fuhr in demselben Tone fort: „Aun ist es mir natürlich klar, weshalb du mehrmals abends mit einem späteren Zug heimgekommen bist. Jedenfalls kannst du überzeugt sein, ich glaube dir nichts, gar nichts mehr. Lind auf dich hätte ich geschworen. Du gehörst aber leider auch zu den Frauen, denen man nicht über den Weg trauen darf."
„Halt ein und beleidige mich nicht, Hans", fiel sie ihm ins Wort. „Ich gebe zu, ich hätte dich einweihen sollen. Aber erstens toar_ es wirklich eine eigene Sache damit. Ich fühlte mich nicht berechtigt, jemand in das einzuw:ihen, wodurch ich durch Zufall bei Goldener aufmerksam wurde, aber ich hielt eS für meine Pflicht, einen Sohn darauf aufmerksam zu machen, als sich eine Spur zeigte von dem Mörder seines Vaters."
„Ich kann dir glauben, daß nur diese Sache der Grund deiner Heimlichkeit war, aber der Spanier sieht ganz so aus, als wenn er Frauen gefallen könne."
Er zuckte die Achseln. „Vielleicht gefällt er dir auch. Vielleicht hat er dir schon in Barcelona gefallen I Was weih denn ich, ob du nicht mit ihm eine Liebschaft dort gehabt hast, ehe du wieder in unser stilles Heimatsnest zurück- kehrtest."
„Pfui! schäme dich, Hans", entrang es sich ihr erregt, und dann strömten ihr die Worte aus dem Munde, wie ein Fluß, der alle Dämme einreißt. Aun erfuhr Hans Felsen die Wahrheit, die volle Wahrheit.
Eva schloß: „Ich wollte deine Frau werden, weil ich dich sehr gern hatte, und weil du mich drängtest. Wohl erkannte ich fast sofort, daß ich Primo Duero liebte, aber ich war fest
Die Jagd im Dezember.
„Drum denk bei deinem täglich Brot, ob auch dein Wild nicht leidet Aot." Mit dem letzten Kalendermonat pflegen im allgemeinen Kälte und Schnee ihren Einzug zu halten. Mögen dem Weidmann auch im Dezember noch Jagdfreuden genug winken, so wird er sich doch vorsorglich auch vermehrt auf die Hege und Pflege seines Wildes einzustellen haben.
In pfleglich behandelten Rotwildrevieren ist der Abschuß starker Hirsche meist beendigt, und der Jagdherr sucht durch Abschuß schlecht veranlagter Stücke und von Kahlwild feinen Wildstand zu verbessern. Die Fütterungen sind in Ordnung gebracht, und wenn der Winter trnnmt, findet das Wild einen gedeckten Tisch.
Aach reicher Mast in den vergangenen Monaten tritt das Schwarzwild in die Rauschzeit. In den wärmsten Dickungen steckt es, um von dort aus in Laubhölzern, oder auf alten Kartoffeläckern nach Erdmast zu brechen. Mag auch der Pirschgang dort gelegentlich zum Erfolg führen, so ist doch zum erfolgreichen Dejagen der Sauen Schneefall unentbehrlich. Keine „Aeue" wird daher ungenutzt bleiben dürfen, um das Wild festzumachen.
Für das Rehwild hat die Schonzeit in Hessen begonnen, während weibliches Wild und Auni Teil auch Kitze in verschiedenen Teilen Preußens noch Schußzeit während des ganzen Monats haben. Die Erhaltung unserer Rehstände, unseres Hochwildes, muß die erste Sorge des pflichtbewußten Weidmannes sein. Wo der Waldbestand möglichst abwechslungsreich ist, wo Brombeere, Heidekraut und Ginster neben Weichhölzern wachsen, hat die Aatur gut vorgesorgt. Sonst müssen auch für alle Fälle Vorkehrungen für eine etwa nötig werdende Winterfütterung getroffen werden. Dringend empfohlen wird auf Grund des reichen Deobachtungsmaterials der Gesellschaft für Jagdkunde aus dem harten Winter 1928/29 die alsbaldige Anlage reichlicher Salzlecken. Wo in einem Revier Böcke zur Strecke kamen, die schwarze, ungeperlte, merkwürdig leichte und häufig verbogene Stangen trugen, da gebe man an den Salzlecken Futterkalk, da diese Moorgehörne ein Zeichen allgemeinen Kalkmangels im Skelett sind, ein Fehler, der durch Abschuß nicht behoben werden kann. Die Beobachtungen anläßlich der Hubertusausstellung in Gießen haben gezeigt, daß dieser Mangel im letzten Jahr offenbar in mehreren Revieren deutlich hervortrat. Vor allem aber muh das Wild gegen die Wilddiebe und jagenden Hunde geschützt werden.
Der H a s e hat böse Zeit. Die Waldjagden sind meist vorüber, die Feldjagden beginnen, und Mümmelmann schwebt in tausend Aöten. Der Hase ist unser wirtschaftlich wichtigstes Wild geworden und muß dementsprechend so bejagt werden, daß er alljährlich die wirtschaftliche Grundlage bilden kann. In jedem entsprechend großen Revier sollte daher der Abschuß auf einer Treib
jagd vorgenommen werden und dann Ruhe Herr- fct>en. Das viele Schießen auf der Suche schasst kranke Hasen durch weite Schüsse und läßt die Hasen in ruhigere Reviere abwandern. Ruhige Ecken, die man nicht treiben kann, wo aber immer ein Küchenhase zu holen ist, gibt es in jedem Revier. Die guten Aussichten dieses Hasenjahres sind leider durch das nasse Herbstwetter nicht be- wahrheitet worden. Der geringe Hase ist erfahrungsgemäß gegen solches Wetter wenig widerstandsfähig, und so sind leider nicht geringe Einbußen zu verzeichnen.
Die Rebhühner haben Schonzeit. Aach dem besseren Hühnerjahr kamen überall im Herbst recht starke Ketten zur Beobachtung, die nicht bejagt wurden. Sie Dem Revier zu erhalten, muh des Hegers besondere Sorge sein. Wenn auch gerade das Huhn sehr oft die aufgewendete Mühe nicht zu danken scheint, so liegen auch aus vielen Revieren, wo seit Jahren planmäßig das Huhn im Winter gehegt wird, gegenteilige Beobachtungen vor. Woran es unseren Hühnern besonders fehlt, das ist die Deckung. Cs ist ganz augenfällig, wie sie sich an Feldraunen, Hecken u. ä. zusammenziehen. Daher werden auch bei Mangel natürlicher Deckung aufgeschichtete Reisighaufen oder Hütten aus Fichtenreisig, das im Kreis in den Boden gesteckt, oben zusammengebunden wurde, gern angenommen. Solche Stellen wird man dann auch zur Fütterung verwenden, wenn diese nötig wird.
Wenn bei allen anderen Wildarten mit etwaiger Beschickung von Fütterungen bis zum Eintritt der Aotwendigkeit gewartet werden kann, wäre das beim Fasan grundverkchrt. Hier muh auch bei offenem Wetter jetzt regelmäßig gefüttert werden, soll der Zigeuner seßhaft gemacht werden. In den verschiedensten Revieren ist der Fasan dem Vernehmen nach als neuer Gast auf getreten. Ausreichende Fütterung, nicht möglichst baldiger Abschuß ist die einzige Möglichkeit, die Wildbahn durch ihn zu bereidjern. Je schlechter die Hühnerjagden ausfallen, um so mehr Beachtung verdient der Fasan.
Auf Gräben, Bächen, Flüssen, überschwemmten Wiesen liegen die Enten oft zu Hunderten, besonders bei Frost. Mancher seltene nordische Gast ist dabei. Auch W i l d g ä n s e sind in kalten Wintern unsere regelmäßigen Gäste.
Reineke Fuchs trägt einen guten Balg. Seine Jagd ist immer voller Reize, fei es nun, baß ihn der scharfe Hund aus dem Bau sprengt, oder baß er beim Drücken vor die Schützen kommt, sei es, daß ihn des Hasen Todesklage betört, oder daß ihm Die Luderhütte zum Verderb wurde.
Der Dachs spürt sich allenthalben, wo er im Boden stach oder Laub zum Bau schaffte, den er den ganzen Winter über verläßt, solange nicht hoher Schnee und starker Frost eine Aahrungs- suche aussichtslos machen.
Hubertus.
Maithäusgemeinde gespielt. Das war derber, urwüchsiger, aber durchaus gesunder Humor, ein rechter Stoff für das Laienspiel.
Die Begrüßung der Gemeinde hatte der Vorsitzende der Männer- und Frauenvereinigung, Berufsschullehrer W e h r h e i m. übernommen. Die Ansprache hielt der Gemeindepfarrer, Pfarrer Mahr; er wies darauf hin, wie in dieser Zeit der Aot echte Freude, vor allem aber Grgründet- fein in der großen Weihnachtsfreude, allein uns Licht und Kraft bringe, innerlich Herr zu werden der Aot der Zeit. Er erinnerte daran, daß es unsere Aufgabe sei, Gemeinschaft zu sein als Gemeinde, in dieser Weihnachtszeit gehorsam zu sein des Apostels Mahnung, daß einer des anderen Last trage und wir „unsere Lindigkeit" kund sein lassen allen Menschen. *9*
Stroh feuer am Wiesecker Weg'
Gestern, kurz nach 17 Llhr, geriet in der Aähe der Feldscheune des Landwirts Heist e r m a n n am Wiesecker Weg ein großer Strohhaufen, der nach den Angaben beS Besitzers etwa 1000 Zentner Stroh barg, in Branb. Die Entstehung des Feuers ist auf den Leichtsinn eines Handwerksburschen zurück- zuführen, der in dem Strohhaufen übernachten wollte, dort seine noch glühende Pfeife ausklopfte, so baß bas lose u mH erliegen be Stroh sofort in Brand geriet und die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Die Feuerwehr erschien denn auch in kurzer Zeit, hatte aber mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die Wasserentnahmestelle an der Wieseck etwa 340 Meter
entschlossen, darüber wegzukommen. Ich hätte mir alle Mühe gegeben, dich so lieb zu haben, wie du es meiner Ansicht nach verdientest. Jetzt hast du das zunichte gemacht und ich brauche dich wohl nicht erst noch zu bitten: Gib mich frei! In dem Moment, wo du mich vor Primo Duero so verletzend behandeltest, war ich ja schon frei. Daß du es wagst, mich einer früheren Liebschaft mit ihm zu beschuldigen, war nicht mehr nötig, um unfern Bund zu lösen."
Er erwiderte voll Zorn: „Du hast das Recht verscherzt, empfindlich fein zu dürfen und meine Worte auf die Goldwaage zu legen. Glaubst du denn etwa, wir beide würden nun nicht heiraten? Meinst du, ich würde mich in unserem Städtchen in den Mittelpunkt eines Klatsches stellen lassen?"
„Unsere Verlobung ist noch ganz unoffiziell. Die Karten sollen erst am Heiligabend verschickt werden", gab sie zurück. „Und es ist besser, zwei Menschen wie wir erlernten einen Irrtum noch rechtzeitig als zu spät."
Er war starrnackig.
„Heiligabend werden unsere Verlobungskarten verschickt. Wenn jetzt die offizielle Verlobung nicht ftattfänDe, was sollen da meine Eltern sagen und Onkel Karl und Tante Malchen? Kusine Fränze würde es herumtragen bei allen Bekannten und meine" Kollegen hinter meinem Rücken dumme spöttische Bemerkungen machen. Deinen Don Juan aus Spanien, wo die richtigen, waschechten Don Juans ja wohl zu Hause sind, verbiete ich dir noch einmal wiederzusehen. 2m übrigen sei mir dankbar, wenn ich dir das Geschehene vergebe." -Sie saßen sich schräg gegenüber und sahen sich an.
Cva Hirtberg erwiderte fast heftig: „Ichmüßte die schlechteste aller Frauen sein, wenn ich auf das einginge, was du mir zumutest Und es ist mir unbegreiflich, wie du nach der Beleidigung, die du mir zufügtest, mich überhaupt noch heiraten mochtest. Was kann dir daran liegen, ob sich deine Verwandtschaft und deine Kollegen darüber auf- regen, wenn aus uns beiden kein Paar wird! Der Grund ist spießbürgerlich und lleinstädtisch, heutzutage wirkt dergleichen komisch. Ich habe dir nicht wehe tun wollen, sonst hätte ich dich schon längst gebeten: Gib mich wieder frei, denn es ist mir inzwischen zum Bewußtsein gekommen, ich habe einen andern lieb. Run aber gabst du den Anlaß, ein Ende zu machen."
Er rückte etwas näher, so daß er ihr genau gegenüber faß.
„Du wirst meine grau, Eva, ich bin eben spießbürgerlich und kleinstädtisch."
Eva sah ihn sehr ernst an
„Sei vernünftig, Hans, quäle dich und mich nicht unnötig. Du wirst eines Tages eine andere finden, die dich wirklich liebt. Zum Altar schleifen
kannst du mich ja doch nicht. Und unter dem täte ich es nicht."
Sie lächelte unwillkür'.ich ein wenig.
Er antwortete nicht, sah sie nur unablässig an. Langsam sagte er endlich, und es klang fast, als spräche er zu sich selbst: „Ein dummer Junge bin ich noch gewesen, da hatte ich mich schon in das blonde Mädelchen verliebt, und immer habe ich dassellie Bild im Herzen getragen. Ich war bann so glücklich, als ich wußte, mein Jugend - träum würde sich erfüllen. Aun soll das auch fein. Ich kann es nicht fassen und will es nicht glauben.“
Er tat ihr fast leid, trotzdem sie noch Immer die Scham auf ihren Wangen brennen fühlte, die sie vorhin empfunden, als er ihr zugerufen: „Vielleicht hat er dir schon in Barcelona gefallen! Was weiß denn ich, ob du nicht mit ihm eine Liebschaft dort gehabt hast, ehe du wieder in unser stilles Heimatnest zurückkehrtest!"
Sie sagte: „Cs tut mir leid, daß alles so gekommen ist, aber es ist doch nicht zu ändern."
Der Zug fuhr langsam und hielt an einer Station. Aun war die Hälfte des Weges zurückgelegt. Drei sehr lebhaft plaudernde Herren stiegen ein. Eva war sroh, daß sie nun vorläufig das peinliche Thema ruhen lassen durste.
Als man aussteigen mußte, sagte Hans Felsen fast höhnisch: „Gestattest du überhaupt noch, daß wir gemeinsam nach Hause geßen?"
„Wenn du diesen Ton beizubehalten beabsichtigst, Hans, ziehe ich es allerdings vor, allein zu gehen", gab sie zurück.
Er blieb an ihrer Seite. Aber er war schweigsam, und Eva sehnte sich danach, endlich daheim zu sein. Sie fieberte dem Alleinsein entgegen.
Vor ihrer Gartentür blieb sie stehen. „Gute Aacht, Hans."
Sie bot ihm die Hand.
Er stürmte davon, rief über die Schulter zurück: „Träume recht schön von dem anderen!"
Wie kindisch er sich benahm, stellte sie fest und betrat mit einem Seufzer das kleine Haus.
Die Wirtschafterin war eifrig um sie besorgt.
„Cs ist sehr kühl heute, Fräulein Eva, ich habe ordentlich eingekachelt, und nun trinken Sie heißen Tee, der wird Ihnen gut tun!"
Eva machte ganz verwunderte Augen. War es heute abend wirtlich kalt Draußen? Sie hatte nichts davon empfunden. Aber wenn Kopf und Seele stark beschäftigt sind, schaltet sich wohl der Körper von selbst etwas aus.
Sie trank hastig den duftenden Tee und Dann begab sie sich zur Ruhe. Doch sie lag lange wach, und alles, was Der heutige Abend gebracht, drängte sich kunterbunt hinter ihrer Stirn zusammen. Sie dachte an das, was ihr Primo Duero über die Prinzessin berichtet hatte, und an ihn selbst dachte fie und an Hans Felsen.
von der Brandstelle entfernt liegt. Die Mannschaften waren u. a. dazu gezwungen, in einem besonderen Behälter Wasser an die Brandstelle zu schaffen. In Der Hauptsache galt es aber, Die Feldscheune, Die nicht in allzugroßer Entfernung steht, zu schützen. Das gelang Denn auch. Den Strohhaufen mußte man allerdings brennen lassen, Da selbst nach eifrigstem Bemühen Das Feuer wieder aufflackerte. Aachdem Die Hauptgefahr beseitigt war, rückte die Feuerwehr wieder ab, mußte jedoch in der vergangenen Rächt gegen 2 Llhr noch einmal in Aktion treten, da der Brand erneut gefahrdrohend wurde. Aachdem der Landwirt mit seinen Hilfskräften bemüht war, zu retten, was noch zu retten war, mußte man Das Llebrige den Flammen überlassen, die auch heute morgen noch nicht verlöschten. Der Handwerisbursche, dec den Brand verursacht hatte, stellte sich noch im Laufe des gestrigen Abends Der Polizei und befindet sich zur Zeit in Haft.
Im Zusammenhang mit diesem Brande erscheint es notwendig, daraus hinzuweisen, Daß bei Feuermeldungen darauf zu ächten ist, diejenige Meldestelle zu benutzen, di»-unmittelbarer Aähe der Brandstelle liegt, Da sich ja die Feuerwehr an den Ort Der Feuermeldung begeben muß und erst von dort aus zur Brandstelle vorrücken kann.
Karneval und Nothilfe in Hessen.
WSA. Staatspräsident Dr. Adelung empfing am Dienstag in Darmstadt das Präsidium des Mainzer Karnevalvereins, das ihm über Die Aussichten unD Möglichkeiten des Mainzer Karnevals 1931 berichtete. Der Staatspräsident erklärte, Daß in Hessen behörDliche Verbote für Die ko mmende Karnevalszeit nicht beabsichtigt seien. Wan habe das Vertrauen zu Der Bevölkerung und zu den mit Der Leitung Der Veranstaltung befaßten Persönlichkeiten, Daß in jeder Hinsicht der ernsten Aotzeit Rechnung getragen werde. Die Vertreter des Mainzer Karnevalvereins erklärten ihrerseits, Daß die im kommenden Jahre an sich schon kürzere Spanne Der Fastnachtszeit noch mehr verkürzt toerDen solle, Daß auch Die Veranstaltungen in möglichst einfachen Formen unD unter Vermeidung besonderer Linkosten vor sich gehen würden. Vor allem werde Sorge getragen, die finanziellen Erträgnisse in »erhöhtem Maße der Aothilfe und den Wohlfahrtszwecken dienstbar zu machen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: Lichtbildervortrag, 20.15 Llhr, in der Reuen Aula. — D. H. V.: Lichtbildervortrag „Wit Lettow- Vorbeck im Kriege durch Ostafrika", 20.30 Llhr. Verbandsheim, Lonhstraße. — G. R. B.: Hauptversammlung, 20.30 Llhr, im „Hessischen Hof". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Irene Ry.bergneS große Liebel". — Astoria-Lichtspiele: „Falschmünzer" und „Amor auf Ski".
— Aus Dem Stadttheaterbureau wirk) uns geschrieben: Morgen findet ein Gastspiel des Frankfurter Opernhauses statt. Zur Aufführung kommt die erfolgreiche, moderne Operette: „Der Tenor der Herzogin" von Ewald Künneke. Die Vorstellung sinket unter der Spielleitung von Eduard Köck außer Abonnement zu Operettenpreisen statt. Spieldauer Drei Stunden. Abonnenten erhalten ermäßigte Operettenpreise.
— Der Bund „Haus und Schule" veranstaltet am Freitag, 5. Dezember, 20 Llhr, in Der Johanneskirche eine Adventsfeier. Man beachte Die heutige Anzeige.
— Der Goethebund schreibt uns: In der Reihe der Dichterabende lieft am Dienstag, 9. Dezember, in der Neuen Aula Schlesiens bedeutendster Epiker Herrmann Stehr. Dem Dichter dürfte auch hier ein großer Kreis von Zuhörern alle Aufmerksamkeit entgegenbringen.
Primo Duero würde nun wohl morgen aß- reifen, sann fie, aber ein heimliches, seliges Hoffen wollte nicht Daran glauben. Jetzt war sie frei, jetzt — _ f
Sie schlug die HänDe vor das Gesicht. Durste sie überhaupt auf Hans Felsens Schmerz ein Glück aufbauen?
Sie weinte sich in Den Schlaf.
14.
Am nächsten Abend um neunzehn Llhr, als Cva Hirtberg aus Dem Geschäft Albert Goldeners .trat, erwartete sie Primo Duero.
„Aach dem überhastigen Auseinandergehen von gestern mußte ich Sie noch einmal sprechen. Eva", begann er hastig und blickte sich um, als fürchte er, Hans Felsen könne irgendwo auf* tauchen.
Eva war blaß geworden, obwohl sie geahnt. Daß Primo Duero heute wiederkommen würde.
Sie lächelte verlegen: „Ich glaubte, Sie wären ab gereist." Sie sagte es, nur um etwas zu sagen, und fand selbst, es klang töricht.
„Morgen werde ich nach Amsterdam reifen . erwiderte er, „doch zuvor muß ich wissen, ob Sie sich mit Ihrem Verlobten wieder ausgesöhnt haben."
„Olein“, erwiderte fie ernst, „er hat mir unterwegs Im Zug noch böse Dinge gesagt und wir werden uns nicht heiraten."
Dcr Mann Drängte sich plötzlich ganz Di^t an fie heran, und unbekümmert darum, daß fie sich beide im 'dichten Menschengewühl befanden, griff er nach ihrer linken Hand.
„Cva, so schlecht kann man fein, wenn man liebt. Ich erhoffte das ja, was ich eben von Ihren Lippen hörte."
Ein Vorübergehender stieß ihn an. Das brachte ihn zu sich, denn wie ein Rausch war es über ihn gekommen. Er hatte schon seit gestern abend an nichts anderes denken tonnen, als an ihre Oleußc» rung, Daß ihre Liebe zu ihrem Verlobten nicht stark genug wäre, um mit Der Kränkung, Die er ihr angetan, fertig zu werden. Was zer nun erfahren, hatte danach kommen müssen.
Cr zog Evas Arm unter Den seinen.
»Wir wollen miteinanDer sprechen, ungestört." Er suchte ihren Blick.
Cva dachte in diesem Moment nicht an Han- Felsen, sie dachte nur an den Mann, der fie untergefaßt hatte, als wäre das fein gutes Recht. Die empfand ein Glück ohnegleichen und fie wäre mit Primo Duero willenlos mitgegangen, wohin er fie geführt hätte. Sie wechselten kein Wort mehr miteinander, sie- genossen dieses Engan- einanderschrniegen als etwas Köstliches.
Primo Duero führte Eva wieder in das kleine Oteftaurant, in Dem sie schon einmal zusammen gewesen.
(Fortsetzung folgt)


