Ausgabe 
4.11.1930
 
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Vornan von Hans Friedrich.

Urheber-Rechtss^uh durch '-Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa.

22. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Der Cellist deutete mit dem Kopfe nach rechts.

Wird wohl so beilaifig a liabs Deandl g'schaut ho am/'

Die hellblonde Dame mit dem Wuschelkopf 7"

Taver Woißkugl riskierte noch einen schüch­terner: Blick, verbesserte sich dann:Ra, der Schwarze ist's. Der schaut aus wie rausgesprun- gen aus an Defreggerbildl."

Inzwischen spielte sich die erste Szene der nun beginnenden Tragikomödie am Tisch der beiden Srcunöc ab.

Schwaihofer, altes Haus, daß ich dich wieder- sehl" Strobl war ganz nutzer sich vor Freude.

Der Münchner war im ersten Moment gar nicht so sehr erbaut über des Geigers plötzliches Auftreten. Gr hatte soeben der blonden, feschen Dame am Tisch seinen Ramen genannt und war drauf und dran gewesen, eine seiner beliebten Eroberungen im Sturm zu machen. Da platzte nun der Strobl ungerufen dazwischen. Dah er ihn nicht gesehen hatte! Aber wer kümmert sich so­gleich beim Betreten eines Kaffeehauses um den Stehgeiger?

Run ging es nicht anders, auch Strobl stellte sich der Da ine vor, und bald war dank der Leb­haftigkeit des bunt zusammengewürfelten Trios eine lustige Unterhaltung im Gange. Weitzkugl und Truk^ waren fast vergessen und konnten sich einer langen Pause erfreuen.

Du" wandte sich Schwaihofer an den Musiker und sprach mit Rücksicht auf die Blonde ein nur wenig verbayertes Hochdeutschdenk dir nur: teuf in alter Herrgottsfrühe hab' ich einen irsch geschossen, einen Hirsch sag' ich dir--"

Bor lauter Begeisterung fand er gar nicht gleich die Superlative, die auch nur einigermaßen dem Iagdobjekt entsprochen hätten.

Bierzigendcr?" schnappte Strobl ulkig ein.

Kam-- Roch im letzten Augenblick besann

sich Schwaihofer, daß eine Dame mit am Tisch sah. Deshalb verschluckte er die Silbeel" und setzte dafür geistesgegenwärtigerad..

Kamerad du verstehst nix von Weidmanns­glück. Aber glauben kannst mir: ©'freut hab' ich mich wie ein König, als der Eechzehnender im Feuer lag."

Der Wiener sah sofort einen Vorteil für sich herausgucken, und wenn es nur ein guter Tag war.

Das wär' Grund genug für ein Fest weißt Ibu, von der Art, wie wir sie manchmal in der Künstlerklause gefeiert haben."

Schwaihofer war wider Erwarten schnell bei r Sache. Rach einem flink abschähenden Blick >cr die vollschlanke appetitliche Blondine, die ,r verführerischstes Lächeln aufgesteckt hatte, war er sich über das Wie und Wann bereits im klaren: denn die Improvisation froher Stunden war feine starke Seite.

Gemacht, mein Sohn!" sagte er gönnerhaft. Und dann mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit sortfährend:Du nimmst mit deiner Kapelle daran teil, bestreitest das künstlerische Programm." Und zu der Blondine gewandt:Voraussetzung ist, daß auch Sie, gnädige Frau, Ihr Erscheinen zusagen! Wir sind ganz unter uns, sozusagen ge­schlossene Gesellschaft zur Feier des Iagdruhms meiner Wenigkeit. Ort der Handlung: Meine JagdhütteMeidmannsruh" in schönster Höhen­lage des Brunnenkogels, abseits von allem Ver­kehr, mitten hineingeseht in den prachtvollen Hochgebirgswald."

Strobl überbrückte die entstandene Pause mit einem Scherz.

Mein Freund ist ein verkappter Fremden­führer."

Fremdenverführer!" pflichtete die Dame be­lustigt bei. Und dann sah sie ein, daß sie eine Entscheidung fällen mußte. Das Abenteuer reifte sie. Irgendein kleiner Teufel raunte ihr zu: Rimm die Einladung an. Hier kennt dich kein Mensch. Es wird ein Hauptspaß. Was soll dir passieren? Die Pianistin wird ja auch dabei fein!

Zwei Augenpaare ruhten bittend auf ihrem Mund, studierten den schön gemalten Amorbogen.

Warm?" fragte sie leise. Und etwas unsicher, damenhaft scheu hinzufügend:Ich weih gar nicht, wie ich zu der Ehre komme--und ob es nicht

eine unvorsichtige Freiheit meinerseits--

Plötzliche Erinnerungen beeinflußten sie.

Morgen früh Abfahrt in einem gemieteten Auto nach Sölden", bestimmte Schwaihofer, alle Einwände der Fremden abschneidend.

Der Geiger protestierte.

Morgen kann ich nicht. Unser konzertfreier Tag ist übermorgen."

Der Münchner biß sich auf die Unterlippe. Kruzitürken bis dahin konnte viel passieren. Möglicherweise besann sich die Dame mit dem Amorbogen anders... Da kam sie ihm schon selber entgegen.

Ist mir auch recht. Ich wollte mir morgen Innsbruck noch ein wenig ansehen. Iselberg und Rordkette warten auf mich." Das war eine ver­steckte Aufforderung.

Schwaihofer kapierte sofort.

Wenn ich Ihnen meine Begleitung anbieten darf, meine Gnädigste?"

Cs war ihr angenehm.

Aber ich möchte keine Verantwortung tragen, wenn Sie Ihre kostbare Zeit meinetwegen--

Er winkte lebhaft ab.Ich freue mich, Ihnen morgen die Schönheiten dieses Herrgottswinkels zeigen zu dürfen. Ditte verfügen Sie über mich als. Ihren Cicerone."

So, nun galt es bloß noch, die Zustimmung der beiden Kollegen Strobls einzuhvlen. Das besorgte der Geiger sofort persönlich. Er hatte das leb­hafteste Interesse am Gelingen dieses Dergnü- gungsobjektes: denn von einem weltabgeschiede­nen Alleinsein mit Frau Trude versprach er sich allerhand. Schließlich mußte doch mal die Ent­scheidung fallen, so ober so.

Weißkugl war gleich einverstanden. Was hätte er auch einwenden sollen? In seiner angeborenen Schüchternheit fügte er sich gern den Entschlüssen seines weltgewandten Kollegen.

Aber Menschenskind" lachte Trude,was soll ich denn in einer Jagdhütte? Glaubst du viel­leicht, dort oben ein Piano zu finden?"

Daran hatte Strobl noch nicht gedacht; dennoch ließ er sich nicht aus dem Konzept bringen.

Trudel, du kannst doch schön fingen. Und Laute­spielen auch!"

Sie zog die schmalen Schultern hoch. Er nahm es für eine bejahende Antwort.

Ra, schau, Herzl, wir können dem Schwaihofer die Freude net verderben. Und für uns selber wird's eine nette Abwechslung."

Und als dasHerzl" trotzdem nicht so schnell von der RotwendiAeit ihrer Teilnahme an dieser Expedition überzeugt war, griff er in feiner Rot zum letzten Trumpf.

Der Brunnenkogel liegt ganz in der Rähe von Sölden", sagte er bedeutungsvoll, das linke Auge zukneifend.

Da verflogen Trudes Bedenken wie Bergnebel vor der Sonne. In Sölden sei Heinz, hatte Franz Strobl damals bei ihrem Engagement für die Innsbrucker Saison gesagt. Und seitdem trug sie sich dauernd mit dem Gedanken, Heinz einfach zu über­rumpeln, wenn ihr die Sehnsucht nach ihm keine Ruhe mehr ließ oder wenn der Geiger einmal in seiner Zudringlichkeit und törichten Hoffnungs­losigkeit zu weit gehen sollte. Run reichte er ihr selber die Hand zu diesem Ausflug! Es gab nichts, aber auch gar nichts mehr zu überlegen!

Abgemacht! Wir fahren..."

In einer der nächsten Musikpausen kam Schwai­hofer auf einen Augenblick an das Podium, sprach flüsternd auf Strobl ein.

Mensch, wo hast du bloß dieses Bild von einer Pianistin aufgegabelt?" fragte er neugierig.

Der Geiger zog die Brauen hoch, flüsterte be» kennerfroh:Das ist eine Jugendliebe, leider mit dem Schriftsteller Gutenberg verheiratet. Der hält sich in Sölden auf. Ich habe Angst, daß sie ihrem Mann dort in die Hände läuft, und dann kriegen sie keine zehn Pferde auf den Berg."

Donnerwetter!"

Schwaihofer sagte nur dies eine Work. In sei­nen Augen war eine Unruhe, wie damals, als ec das erstemal auf den Hirsch pirschte. Er muhte an den Kuß denken, den Heinz Gutenberg von Erd­mutes Lippen empfing... Und an seine rachsüch­tigen Gedanken: Man müßte ihm die Frau ver­führen! Run führte ihn sein Schicksal mit ihr zu­sammen. Einfach nicht auszudenken, diese Perspek­tiven!

Liebst du sie?" fragte er tonlos.

Strobls Gesicht glühte. Er hätte in diesem Au­genblick nicht lügen können.

Hoffnungslos!" gestand er.

Aus Schwaihofer flüsterte der Satan:Meine Jagdhütte ist verschwiegen wie eine Gruft... In seinen Augen war ein heißes, unbeherrschtes Glänzen, und um seinen Mund irrte ein unver­schämtes Lächeln.

Der Geiger neigte sich noch näher an das Ohr des andern.Und du?"

Sein Freund klappte ein paarmal mit den Lidern.

In Sölden hab' ich.ein allerliebstes Mädel, nur leider noch etwas scheu."

Und die Blonde hier?"

Sie will ihren Ramen nicht nennen. Auch hat sie nur unter der Bedingung zugesagt, daß nie#» mand weiter anwesend ist als die Pianistin. Ich schätze: Eine kleine, abenteuerlustige Frau, die ihrem Herrn Gemahl durch die Lappen gegangen ist, halb Girl, halb Eheweib, aber immerhin Edel­tier."

Trude kam mit den Roten vorüber. Strobl be­nützte die Gelegenheit, sie und den Cellisten mit Schwaihoser bekannt zu machen. Dann wurde noch rasch das Programm für den übernächsten Tag entworfen.

Ich miete einen geschlossenen Wagen. Früh um sechs geht's los!" Und zum Abschied, nur für Strobls Ohr bestimmt:Sei ohne Sorge. Wir fahren durch bis Zieselstein. Dort trifft deine Kol­legin nicht mit ihrem Mann zusammen. Auf einem nur mir bekannten Bergpfad gelangen wir von da aus zur Hütte. Die Rückfahrt tretet ihr am andern Morgen auf dieselbe Art an. Ihr seid dann gegen Mittag hier und könnt nachmittags wieder kon­zertieren."

Der Wiener schüttelte ihm die Hand.

Du bist einer, auf den man sich verlassen kann."

Einen Schlager pfeifend wandte sich Schwaihofer zum Gehen, kaufte einer eben vorüber strei­chenden Blumenfrau ihren ganzen Vorrat ab und brachte seiner Dame einen Arm voll rote Rosen.

Die zunächst Sitzenden steckten die Köpfe zu­sammen, tuschelten. Der beliebte Kaffeehausklatsch war um eine Rote reicher.

Fortsetzung folgt.)

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