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Etat, um daS Gehaltskürzungsgesetz, um das Gesetz zur Senkung des Perso­nalaufwandes, um die Ausgabenbe- grenzung im Haushalt, um die Fort­setzung der bisher als Notverordnung verfügten Zuschläge zu den höheren Einkorn - m e n s st e u e r st u f e n, um die Fortsetzung der Erhöhung der Tantiemen st euer, um die Senkung der Real steuern und die Vereinfachung des Steuersystems. Die Vorlage zur Erhöhung der Tabak- steuer wird in den nächsten Tagen eingehen. Der Reichshaushalt, wie er Ihnen jetzt vorliegt, weist in Einnahmen und Ausgaben insgesamt eine Summe von 10 655 000 Mark auf. Diese Summe ist gegenüber dem endgültigen Etat des Jahres 1930, wie er auf Grund der Notverord­nung vom Juli ausgestellt war, um 1,14 Mil­liarden Mark gesenkt. Zunächst haben wir das Haupt- und Kernproblem ersaht, indem zu­nächst die Arbeitslosenversicherung ab­gehängt wurde, bis auf einen Betrag von 420 Millionen Mark für die Krisenfürsorge. Dadurch ist gegenüber dem Etatsjahre 1930 auf dem Ge­biete der Arbeitslosenversicherung eine Minder­ausgabe von 267 Millionen entstanden. Dieser Abstrich ist möglich, weil sich die Arbeitslosenver­sicherung durch die in der Zwischenzeit erhöhten Beiträge von 6,5 Prozent, die hoffentlich nicht lange Zeit notwendig sein werden, selbst erhalten muh. Die Gehaltskürzung be­deutet für das Reich, einschließlich der Poft, eine Ersparnis von 124 Millionen Mark. Bei den Ländern und Gemeinden sind die Er­sparnisse aus der Gehaltskürzung auf 270 Mil­lionen geschäht. Davon sollen 170 Millionen den Ländern und Gemeinden verbleiben, während 100 Millionen an den Lieberweisungen ge­kürzt werden sol'en.

Das ist zunächst der erste größere punkt, in dem in den Verhandlungen der letzten Wochen mit den Ministern der Länder eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Die Länder wehren sich gegen diesen Abzug. Ich halte ihn für begründet, weil an dem Steuerausfall das Reich etwa mit doppeltem Befrag partizipiert, wie Länder und Gemeinden, und weil der Gedanke, einen starken Druck in der Richtung der Sparsamkeit auf der ganzen Linie auszuüben, durch diesen Abstrich dokumentiert werden soll. Endlich sind die 100 Millionen erforderlich zum Ausgleich des Etats. Den Ländern und Gemeinden bleiben immerhin noch 170 Millionen Reichsmark Ersparnisse aus der Gehaltskürzung.

Der Redner begründet sodann diese Mahnahme, Vie nur durch die äuherste Not zu erklären ist und nur auf drei Jahre getroffen werden soll, mit der Notwendigkeit, um jeden Preis die Etats von Reich, Ländern und Gemeinden in Ordnung zu bringen, ohne die Wirtschaft weiter au droitelk. Eine solche Drosselung durch neue, die Produktion belastende Steuern würde sehr bald nicht zu Mehreinnahmen, sondern zu verstärkten Steuer- ausfällen führen und damit die Möglichkeit der Gehaltszahlung noch mehr gefährden. Besonders schwierig ist die Frage, in welcher Formdie Gehaltskürzung in den Ländern und Gemeinden durchgeführt werden soll, ob Vies von Reichs wegen geschehen, ob das Reich ihnen eine Ermächtigung geben oder ob sie Län­dern und Gemeinden überlassen werden soll. Die jetzige Regelung sieht vor, dah die Länder berechtigt und verpflichtet sind, die Bezüge ihrer Beamten im Ausmaße des Reiches zu kürzen, und zwar auch im Verord­nungswege. Das gleiche gilt für dieGe- weinden mit der Maßgabe, dah die Länder berechtigt sind, die Kürzung für die Beamten der Gemeinden mit unmittelbarer Wirkung und endgültig im Verordnungswege anzuordnen. Wenn die Gemeinden die vorgesehene Kürzung nicht bis zum l.März 1931 von sich aus an- geordnet haben, sind die Länder verpflichtet, diese Kürzung mit Wirkung vom 1. April 1931 ab von s i ch aus rechtswirksam anzuordnen. Das Gesetz über die A.u sgabenbegrenzung be­stimmt, daß in Reich, Ländern und Gemeinden die Ausgabenansähe für 1932 und 1933 nicht die Summen überschreiten dürfen, die für 1931 fest­gesetzt sind. Ein umfangreiches Gesetz macht die

Tschaikowsky und Brahms.

Zum bevorstehenden ersten Symphonie- Konzert des Gießener Konzertvercins.

Schon gelegentlich der Aufführung der H= Moll-Symphonie konnte darauf verwiesen wer­den, dah Tschaikowsky nicht zu den rein russischen Musikern zu zählen ist, sondern dah er zum Mittler wird zwischen der musikalischen Ein­stellung der Osteuropäer und der westeuvopäi- schen Musik.

Während die spezifisch russischen Komponisten mehr oder minder zu einem Künder der na­tionalen Volksseele mit ihrem eigenartig schwer­mütigen Empfinden im Spiegel der heimatlichen Landschaft werden, bricht bei Tschaikowsky mehr das rein persönliche Moment durch: so erweisen seine Werke eine starke Derwachsenheit mit seinem Persönlichen.

Tschaikowsky war von äußerst sensibler Natur, ungeheuer leicht erregbar mit einem starken Ein­schlag zum Melancholischen.Ein ganzer Ozean voll Wut kocht in mir wochenlang wegen einer Lappalie." Eine treffendere Aeuherung über die Erregbarkeit feines Innern konnte uns kaum überliefert werden. Dem steht andererseits eine Feinnervigkeit gegenüber, gepaart mit innerer Vornehmheit und einem ausgesprochenen sinn­lichen Schönheitsempfinden. Aus dieser Grund­lage ist es z. D. zu verstehen, dah er in den Werken seines Zeitgenossen Johannes Brahms wohl Ernst, Gediegenheit erkennt, aber die Schön­heit vermißt. Der Begriff der musikalischen Schön» heit deckt sich bei ihm mit einer eindeutigen Sinn- fälligkoit des Melodischen und dem Reiz des Klanglichen. Er kann zu Brahms' Melodik keine innere Stellungnahme gewinnen.In der Musik dieses Meisters liegt für das russische Herz etwas Trocknes, Kaltes, Nebelhaftes und Abstoßendes von unserem Standpunkt aus sehlt Brahms jede melodische Erfindung. Der musikalische Gedanke wird bei ihm nie ganz ausgesprochen. Kaum ist eine melodische Phrase angedeutet, so wird sie scbon von allerband harmonischen Modulationen überwuchert, als ob der Komponist sich eigens zur Aufgabe gemacht hätte, unverständlich und tief zu sein. Er irritiert geradezu unser musika- lischä Gefühl, indem er dessen Bedürfnis nicht befriedigt und sich scheut, in dem Ton mit uns zu reden, der zu Herzen geht."

Zwei grundverschiedene Welten eröffnen sich jo in den Werken beider Meister, bei dem einen

Vereinfachung des Steuerwesens not­wendig. Außer der Befreiung der Vermögen bis zu 20 000 Mark von der Vermögenssteuer und der Umsätze bis zu 5000 oder 6000 Mark von der Umsatzsteuer liegen die Vereinfachungen bei der landwirtschaftlichen und gewerblichen Be­steuerung. Die Schwierigkeiten der landwirtschaft­lichen Besteuerung werden am einfachsten dadurch beseitigt, daß man bei denjenigen Zensiten, die ein Vermögen von weniger als 20 000 Mark zu versteuern haben, nur noch eine Grundsteuer er­hebt.

Vor einer Gebühren­ermäßigung der Reichspoft. Berlin, 3.Nov. (HJIB.) 3m Arbeitsausschuß des Verwaltungsrates der Deutschen'Reichspost er­klärte heute der R e i ch s p o st m i n i st e r aus An­frage, dah er sich der maßgebenden wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der Preissenkung s- frage voll bewuht sei und dah die Deutsche Reichs- poft bereit fei, im Zuge und im Rahmen einer allgemeinen Preissenkung fei­lens der Industrie und des Handels eine ent­sprechende Gebührenermähigung ein- trelen zu lassen. Des weiteren stellte der Reichspost- Minister fest, dah entgegen den in der Presse mehrfach gemachten Mitteilungen eine Steuer auf den Rundfunk oder eine Herauf­setzung der Rundfunkgebühren nicht b e a b f ich t i g l sei.

Oie Kommunalsteuern in Preußen.

Berlin, 3.Nov. (BDZ.) Mit dem Entwurf zur Durchführung derGerncindebiersteuer, Getränke st euer und Bürgerst euer be­schäftigte sich am Montag der Hauptausschuh des Preußischen Landtags. Ministerialdirek­tor v. Lehden schätzte die Einnahmeaus­fälle der Gemeinden für 1931 durch ge­ringere Steuereingänge und höhere Wohlfahrts­lasten auf 607 Millionen, denen aber nur Mehr­einnahmen auf Grund der neuen Steuern, der Besoldungserfpamisse usw. von 495 Millionen gegenüberständen, so daß ein Minus von 112 Millionen bleibe. Die zwingende Vorschrift für die Aufsichtsbehörde, soweit es zum Ausgleich des Haushalts der Gemeinde er­forderlich ist, mit Zustimmung der Beschluhbe- hörde die Gemeindebier-, Getränke- und Bürger­steuer oder einzelne dieser Steuern einzuführen, wurde in eine Kannvorschrift gemil­dert. Auch darf die Aufsichtsbehörde erst ein­greifen, wenn die Gemeinde mehr als 350 Pro­zent der Grundvermögens st euer oder mehr als 600 Prozent der Gewerbeertrags- steuer oder mehr als 1200 Prozent der Ge­werbekapitalsteuer oder mehr als 1800 Prozent der Lohnsummen st euer erhebt. In Fällen beabsichttgter Einführung der Gemeinde- getränkesteuer soll außerdem der Landwirtschafts­minister beteiligt werden.

Oer Kurs der Landvolkpartei.

Kampfansage an das Preutzenkabinctt.

Berlin, 3. Nov. (TU.) Der Parteivorstand und die Reichstagsfraktion der Partei Deutsches Landvolk (Christlich-nationale Dauern- und Land­volkpartei) hat sich auf ihrer Frankfurter Ta­gung vom 1. November d. I. eingehend mit der gesamtpolittschen Lage beschäftigt. Ausgehend von der Tatsache, daß ohne Beseitigung der Tribut­lasten Staat, Wirtschaft, Finanzen einer wirk­lichen Gesundung nicht entgegen-v?'"'Art werden können, wird die Partei unentwegt den Kampf gegen Versailles, Voungplan und Kriegsschuldlüge, für äußere und innere Freiheit und die Wehrhaftigkeit der Nation fort« setzen. Die Partei erwartet, daß infolge des Mißerfolges des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages gelegentlich der Voungdebatte die Reichsregierung in dieser außerordentlichen Frage ungesäumt dieInitiativeergreift.

Der Parteivorstand erkennt den Führungs­willen der Reichstagsfraktion insbesondere in germanische Tiefsinnigkeit, bei dem andern russi­sches Volkstum, in dem Romanentum lebhaft mit« schwingt. Es wäre vielleicht verfehlt, in den Wer­ken Tschaikowskys vorwiegend ein gewisses Mo­ment des Geglätteten, Salonhaften erkennen zu wollen, dessen Ursache vielleicht in dem Einfluß des vornehmen Lebenskreises, dem er grund­legende Eindrücke verdankt, und in der ihm zu- teilgeworbenen musikalischen Erziehung zu suchen wäre; zum andern wäre aber eine andere Wesensseite seines Schaffens damit nicht erfaßt: nämlich jenes Aufwallen und Aufsteigern bis zur naturhaft elementaren Kraftäußerung. Beide Seiten ruhen mit ihren Wurzeln in seiner Per­sönlichkeit.

Der Erfolg von TschaikowskysPathetischer" Symphonie, die ja kurze Zeit vor seinem Tode zur Aufführung gelangte, hat die musikalische Welt angeregt, sich auch seiner früheren symphonischen Arbeiten anzunehmen, und zumal die Fünfte Symphonie in E - QU o 11 hat ihre Stellung auf dem Konzertprogramm mit vollster sachlicher Berechtigung behauptet. Das einleitende An­dante-Thema mit seiner Mollschwermut und Ernst­haftigkeit wird zu einem Motto für das ganze Werk. 2n allen vier Sätzen kehrt es wieder. Meist erscheint es da, wo der geistige Gehalt des Satzes zu einer besonderen Entwicklung hin­drängt und mit seiner entschlossenen Haltung stellt es immer wieder die Beziehung zur Grund­idee des Werkes her. Das bewegte Hauptthema des Allegrosatzes läßt mit seiner Einführung und weiteren Entwicklung interessante Einblicke zu, wie Tschaikowsky ihm gleich an einführender Stelle mannigfache klangliche Seiten abzugewinnen ver­mag, sei es durch dazwischen gestreute Neben­stimmen und durch klangliche und rhythmische Be­leuchtung. Nach seinem Höhepunkt erscheint weich­hingebend ein Seitenthema, nur kurz ist seine, Dauer: nach lebhafter Aufwallung erwächst ein leidenschaftsvolles, gesangliches Thema in leuch­tendem Dur. Die Durchführung wird besonders beherrscht vom Hauptthema, und dem Ueberlei- tungsmotiv zum Gesangsthema: sie erhebt sich zu großen Steigerungen. Bei der Wiederkehr ist zu- nächst das Fagott Träger des Hauptgedankens, eine kurze Episode, nur bestritten von Den Holz-, bläsern, führt zu seiner endlichen Gestalt. Nach der Wiederkehr aller Themen ergreift das Haupt- thema noch einmal das Wort: nach vollster Cner- gieentfaltung sinkt es ab, verebbt, verliert sich klanglich, zuletzt hallen Cello, Kontrabaß, Fagott t und Pauke nach mit dem tiefstliegenden t>Moll-

der Behandlung landwirtschaftlicher Fragen an. Die Tatsache, daß eine Mehrheit des Reichstages durch Vertagung das Parlament ausge­schaltet und somit landwirtschaftliche Lebens­fragen einer parlamentarischen beschleunigten Er­ledigung entzogen habe, verpflichte die Reichs­regierung zu besonders tatkräftigem Handeln. Die neuesten Vorgänge in P'reuhen, insbe­sondere die herausfordernd wirkende Besetzung wichtigster Stellen durch sozialisti­sche Parteimänner offenbarten die wahre Richtung des derzeitigen Preuhenkurses. Das Landvolk lehnt diese Preußenregierung mit Ent­schiedenheit ab. Eine nationale Reichspolitik sei solange in Frage gestellt, als die marxistischen Kräfte in Preußen am Ruder sind. Die Landvolk­partei werde darum alle Maßnahmen unter­stützen, die zur D e s e i t i g u n g der schwarz-roten Koalition in Preußen führen.

Oaladier für eine deutsch­französische Verständigung

Paris, 4. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der Vor­sitzende der Radikalen Partei, D a l a d i e r , erklärt in feinem BlatrLa Republique, Deutschland be­drohe Frankreich nicht. Ls verlange weder Korsika noch Savoyen, weder Tunis noch Nizza. Ls denke nicht daran, sich das Elsaß wieder anzueignen, aber es leide unter der beispiellosen Wirt­schaftskrise, die 15 Millionen Menschen ins Elend bringe. Es beschwere sich darüber, daß die Herabsetzung der ft ungen, die ihm aufgezwungen wurde mit dem versprechen, dah die Sieger freiwillig diesem Beispiel folgen würden, einseitig geblieben sei. Deutschland pro­testiere gegen die Schaffung des pol­nischen Korridors. Sei es denn unmöglich, | für diese Probleme vernünftige und friedliche Lö­sungen zu finden? was werde Frankreich tun, wenn Deutschland unter Berufung auf die Vertragstexle die Verstärkung seines Berufsheeres verdoppele? Werde Frankreich an Deutschland eine Protestnote übergeben lassen? Werde Frank­reich Deutschland den Krieg erklären auf die Gefahr hin, einem neuen Drei bunb gegenüber- zustehen? werde Frankreich, wenn sein Vertrag mit Polen in zwei Jahren abläuft, die Verpflichtung er­neuern, wegen des polnischen Korridors Krieg zu führen?

Oie Kaiserkrönung in Addis Abeba.

Die Geschenke der fremden Machte.

London, 3. Nov. (TU.) Im Anschluß an die eigentliche Krönungsfeier in Addis Abeba empfing der neue abessinische Kaiser öie aus­ländischen Vertretungen, darunter von deutscher Seite den Freiherrn vonWald- Hausen, der eine Photographie des Reichspräsi-denten von Hindenburg mit eigenhändiger Unterschrift im Goldrahmen, sowie mehrere hundert Flaschen echten deut­sch e n R h e i n w e i n e s als Geschenk überreichte. Die Italiener schenkten ein Flugzeug, die Griechen ein Bronzestandbild, die Ae g y p - ter eineSchlaszimmer-Einrichtung. Der ameri­kanische Vertreter übergab einen Sprechfilm­apparat neuester Bauart. Auch amerikanische Ge­schäftshäuser hatten Geschenke übersandt, darun­ter elektrische Kühlapparate und landwirtschaft­liche Maschinen. Amerikanische Filmgesellschaften ließen Dem neuen Kaiser die Filme vonBen Hur" überreichen. Der Papst hat an den Kaiser ein herzlich gehaltenes Handschreiben gerichtet, in dem er an den Besuch Ras Tafaris im Vatikan er­innert und Die Droben kaiserlichen Wohlwollens gegenüber den Belangen des katholischen Glau­bens erwähnt. Der Papst hat dem Kaiser einen Mosaiktisch und zwei Gemälde aus dem 15. und 16. Jahrhundert zum Geschenk gemacht.

Akkord: ein Vorahnen des Schlusses der Pathe­tischen Symphonie.

Der zweite Sah gibt weichem Empfinden Raum. Nach choralartigen Einleitungstakten der tiefen Streicher erblüht eine innige Kantilene, zunächst vom Horn getragen, dann aufblühend in den Holz­bläsern zu einer neuen Bildung führend (Zwie- gesanF zwischen Oboe und Horn) endlich ent­faltet sich das Thema zu seiner vollen Gestalt: einen Gegensatz voll Drängen und innerer Unruhe bildet das zweite Thema: und da, wo ein Kon­flikt auszubrechen droht, erscheint das Einlei­tungsthema zum ersten Satz mit eherner Straffung. Nun erwacht wieder das Hauptthema: aber noch einmal Hingen, fast warnend, Die Rhyth­men des Mottothemas hinein: in lichter Klang­schönheit entschwindet der Sah.

An Stelle des Scherzos seht Tschaikowsky einen Walzer mit graziöser rhythmischer Ausprägung. Jedoch auch hier verdunkelt sich das Bild: die aufgeregten Figuren des Mittelsatzes schwingen noch bei der Wiederkehr des Hauptsatzes nach. Die Haupttonart A-Dur wendet sich hier plötzlich nach b-Dur, und, kurz vor Schluß des Satzes, lassen Fagott und Klarinette das Mottothema hineinklingen. Fast scheint der Sieg errungen, Denn das Mottothema beginnt das Finale in lichtem, bejahendem E-Dur in vollen breiten Akkorden. Noch aber ist der Sieg nicht endlich, noch zeigen sich Schatten. Der Jubel versinkt, im Abklingen meldet sich schon das Kampfes- thema, das nun mit elementarer Macht hervor­bricht: ihm erwachsen Seitenthemen, Die sich in kontrapunktischer Führung erschließen, bis sich Dann das zweite Hauptthema, innerlich Dem Haupt­thema des zweiten Satzes verwandt, klanglich ausbreitet. Vor Der Reprise erscheint ein neuer aufstrebender Gedanke. Die Coda läßt in trium­phalen Klängen das Mottothema sich als Sieger zeigen, und in dem Presto erhält das Finale seinen krönenden Abschluß.

Die überlieferte Symphonieform hat so durch Tschaikowsky eine persönliche, aber organisch ge­fügte und erwachsene Umformung erfahren, ge- feftigt durch die Geschlossenheit inneren Erlebens.

Eine ganz andere Welt tritt uns inBrahms' Schaffen entgegen: Bei Tschaikowsky spontan fließende Erfindung, bei Brahms ein Abringen des innerlich Geschautem, dem mitz konzentrier­tester geistiger Durchdringung die letzte in sich organilch begründete Formung zuteil wird. Dort

Vor den Wahlen in Amerika.

Schlechte Aussichten für Hoover.

Neuyork, 3. Nov. (TU.) In Den Vereinigten Staaten finden am Dienstag Die Wahlen zum Repräsentantenhaus statt. In 33 Staaten sind turnusmäßig eine Reihe von Senatsman- Daten zu erneuern. 32 Staaten haben außerbem neue Gouverneure zu bestellen. Die schwere Wirtschaftskrise, Die über Dem ganzen Lande verbreitete Arbeitslosigkeit und Der leiden­schaftliche Kampf für und wider Die Prohibi­tion gaben dem mit ungewöhnlicher Heftigkeit geführten Wahlkampf das Gepräge. Die Repu­blikaner befinden sich überall in Der VerteiDi- gung. Ihre Gegner arbeiten erfolgreich mit Dem Beweismittel, Daß Der untätige Optimis­mus Der Regierung Den Niedergang Der Wirtschaft und Den Wallstreetkrach verursacht habe. Ferner wird Darauf hingewiesen, daß Der neue Zolltarif Den Volksmassen eine riesige Bürde ( auferlegt habe und überdies im Ausland eine fol­genschwere Voreingenommenheit gegen -die Vereinig­ten Staaten auslöste. Die Demokraten sind hoffnungsvoll und erwarten mindestens 5TSitze im Repräsentantenhaus, womit sie Die Kontrolle über­nehmen würden. Auch im Senat hoffen Die Demo­kraten ihren Gegnern acht Mandate abnehmen zu können. Wenn Die Voraussagen Der Demokraten vielleicht auch zu rosia gefärbt finD, so muß sich Präsident Hoover doch darauf gefaßt machen, für Den Rest seiner Amtszeit in einen unfruchtbaren | Kampf gegen einen feindlich eingestellten Kongreß verwickelt zu werden. Erwähnt sei noch die für Deutschland besonders interessante Tatsache, daß weder die Schulden - noch die Repara­tionsfrage oder sonstige außenpolitische Dinge während des Wahlkampfes zur Aussprache standen.

Aus aller Welt.

vorläufig noch kein Stark desDo X".

Mit einem Start des FlugzeugesDoX nach, Amsterdam ist vorläufig nicht zu rechnen. Die Dornier-Werke teilen mit, daß Die s i ch lang­sam bessernde Wetterlage den Start für Die nächsten Tage erhoffen läßt. Das Sturmwetter Der letzten Tage hat für Den Schwarzwald neuerlichen Schneefall im Gescklge gehabt. Es liegt bis 700 Meter herab Schnee. Im Feldberggebiet, das eine Schneedecke von 15 Zentimeter aufweift, ist bereits Sportmöglichkeit vor­handen.

Filmmakerial der Andree-Expedition gerettet.

Nach langwierigen Arbeiten ist es dem schwe- > dischen Gelehrten H e r h be r g geglückt, einen Teil des Filmmaterials Der Andree-Expedition zu retten. Von etwa 10 Filmen werden, obwohl sie 33 Jahre lang auf Der Weißen Insel gelegen ha­ben, Abzüge gemacht werden können. Weitere 10 Filme werden auf jeden Fall die Möglichkeit bieten, Anhaltspunkte über das Schicksal Der Ex- ' pedition zu gewinnen. Die besten Bilder werden i Die Aufnahmen über Die Dallonlan- I Dung a uf Dem Eise ergeben. Von Den auf« | gefundenen Filmen waren acht in verzinkten Blech­hülsen eingeschlossen, die übrigen in Kupferhül­sen. Die Blechhülsen sind verrostet, da Wasser eingcDrungen ist, so daß Die Chromsilberschichtr auf Der Filmschicht zerstört wurde. Die übrigen Filme haben jedoch Den Witterungseinflüssen Widerstand geleistet. In jeder Hülse befand sich ein 60 Meter langer Filmstreifen.

Die Untersuchung der Katastrophe vonR 101.

Bei der Untersuchung der Katastrophe von R 101 erklärten Die Maschinisten Der Hinteren Gondel, Bell und B i n k, Die nur durch den Bruch eines Wasserbehälters über ihnen Dem Tode entronnen sind, daß das Luftschiff auch bei den Probeflügen wiederholt plötzlich eine Senkung gemacht habe, ähnlich Der, Die zur Katastrophe führte. Dies wird auch in Dem Tagebuch des Konstrukteurs Richmond über Den letzten Probeflug vor dem Umbau des Luft­schiffes bestätigt. Bei dem Start von Carding- ton nach Indien, erklärte Bink, habe sich Die Nase 1 des Luftschiffes so stark gefentt, daß dreimal

Klangfreude und Ausdruck, bei Brahms Die Ein­deutigkeit und Echtheit des Ausdrucks als höchste entscheidende Instanz.

Die Haydn-Variationen können ebenso wie die beiden Serenaden von Brahms als Vor­studien zu seinen Symphonien gelten. Bei dem Haydn-Biographen Pohl lernte Brahms wenig bekannte Werke von Haydn kennen: aus einem Divertimento für Blasinstrumente notierte er ; sich einen Sah:Choräle St. Antoni". Dieser' wurde ihm zum Thema für Die Folge Der Varia­tionen. Brahms behielt auch für das Thema fast die gleiche Besetzung bei, fügte nur noch Die Streicherbässe hinzu. Das Werk könnte man nicht mit Unrecht als eine Symphonie in Variationen bezeichnen: Denn so vielseitig ist das musikalische Durchleben der Vorlage, daß sie durch die Ab­folge Der Veränderungen bis in Die entlegensten . in ihr ruhenden Keime aufgeschlossen und in der Vielfältigkeit der geistigen Kraft durchleuchtet | wird. Aber nicht nur das Herauskristallisieren des Thematischen gibt den einzelnen Variationen das Gepräge, sondern ihre Auswirkung wird intensiv verstärkt und gehoben durch die überaus charakteristische Instrumentierung. Und dadurch steht Die Orchesterbearbeitung Der Variationen f (Op 56a) im überwiegenden Vorteil zu der gleich» l zeitigen Abfassung des Werkes für zwei KlcL-1 viere (Op. 56b). Man kann beim Anhören des ' Werkes immer wieder die Reichhaltigkeit und Ausgeprägtheit der thematischen Erfindung ebenso bewundern wie die Fähigkeit zum Erschließen immer neuer Grundstimmungen. Unerschöpflich erscheint Die kontrapunktische Kraft, öie gleich in Der ersten Variation einseht mit in doppeltem Kontrapunkt geführter Thematik. Mag er das Thema in Moll abwandeln wie in der zweiten, vierten, achten Variation, stets wird ein charakte­ristischer Ton mitschwingen in zackiger Rhythmik, in klagender Kantilene, oder in düsterer, blasser Grundfarbe. Dagegen wieder die freundlichen Bilder, Die sich in den D ir-Variattonen er­schließen, wie etwa in Der Kantabilitäk Der Dritten ober Der rhythmischen Leichtigkeit und Aufgelöst­heit Der fünften oder Der Energieerfülltheit der sechsten oder der Grazie der siebenten Variation. Das Finale baut sich auf einem, aus den ersten Takten des Choralthemas gewonnenen, Basso ostinato auf; in der Schluhentwicklung ergreift das Choralthema noch einmal die Führung, vom vollen Orchester zu klangreicher Glorie empor­getragen. Dr. H.