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Das deutsche Programm für die Dölkerbundstagung.

Einigun im Reichskabmett.

B e r l i n, 3. Sept (WTB.) Amtlich. Anläßlich der bevorstehenden Abreise der deutschen Delegation zur Genfer Völkerbundstagung fand heute unter Vor­sitz des Reichskanzlers Dr. Brüning eine Aus­sprache über die auf der Genfer Tagung zur Er­örterung kommenden Fragen sowie die damit zu­sammenhängenden außenpolitischen Pro­bleme stall. Die eingehende Aussprache in dem Rlinisierkreise führte zu einer völligen lleber- e i n st i m m u n g mit dem vortrage des Reichs- Minister» des Auswärtigen Dr. L u r t i u s. Der Reichskanzler stellte abschließend die einmütige Zu­stimmung des Reichskabinetts zu den Ausführungen seiner Trierer Rede fest, wonach Kanzler und Außenminister verfassungsmäßig für die Führung der Außenpolitik allein verantwortlich sind und Voraussetzung für Stabilität und Konsequenz einer erfolgreichen Außenpolitik das Weiterschreiten auf der bisherigen grundsätzlichen Linie bildet.

Das Reichskabmett beschäftigte sich dann mit den Problemen, die in Genf zur Erörterung stehen werden. Die diesmalige Genfer Tagesordnung ist ziemlich umfangreich, was Deutschland davon be­sonders interessiert, sind vor allen Dingen: Dan­zig, die Minderheitenfragen, der Saar­schuh und die Aussprache über das Problem Europa. In der Frage der Bahnschuh­kräfte im Saargebiet ist der deutsche und der französische Standpunkt dem Prinzip nach eigent­lich gleich. Frankreich hat immer den Standpunkt vertreten, der auch noch in einer amtlichen franzö­sischen Mitteilung nach der Räumung zum Aus­druck gekommen ist, daß der Bahnschuh die Aufgabe hatte, die rückwärtige Verbindung zur Besahungvarmee zu sichern. Diesen Stand­punkt hat sich Deutschland zu eigen gemacht, indem es verlangt, daß der Bahnschuh nun a u f g e l ö st werde. Der Einwand, daß auch ein Schuh für dieRegierungskommission nötig sei, wird oon Deutschland mit dem Hinweis darauf ent­kräftet, daß dafür ja die P o l i z e i t r u p p e n des Saargebietes selbst zur Verfügung stehen.

Die Besprechungen über das Problem Europa werden bekanntlich zu Beginn der Ratstagung ein­sehen. Der deutsche Standpunkt ist aus unserer Ant­wortnote hinreichend bekannt. Man wird abwarten müssen, ob auch der Völkerbund sich diesmal bereits mit dem Brlandschen Europagedanken beschäftigen wird. Pon deutscher Seite würde das jedenfalls be­grüßt werden.

Nachdem alle diese Fragen heute im Kabinett ducchberaten und somit die Richtlinien der deutschen Delegation für die Genfer Verhandlungen ausge- orbeitet worden sind, haben die Mitglieder des Ka­binetts zum Teil Berlin wieder verlassen, zum Teil werden sie, wie z. B. der Reichskanzler, morgen abrelsen, um den Wahlkampf forlzuführen.

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Sozialdemokratie und Regierung.

Eine Anfrage Brauns an den Reichskanzler

Elbing, 3. Sept. (WTB.) 3n einer Wahl­versammlung erörterte Ministerpräsident Dr. Braun die Möglichkeiten nach der Reichstags- p>ahl. Bestehen die Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien darauf, das Finanz-, Wirtschafts- und Arbeitslosenproblem ohne und gegen die Sozialdemokratie zu lösen, dann kommt es zweifellos zu schweren parlamentarischen Kämpfen. Herr Treviranus hat in einer Wahlversammlung hi Mainz gesagt, die Regierung lehne es ab, das große Reformwerk mit Hilfe der Sozial­demokratie zu erledigen. Ich weiß nicht, ob Herr Treviranus autorisiert ist, für die gesamte Reichs- regierung zu sprechen. Ich möchte hier auch hin­sichtlich der Außenpolitik an den Herrn Reichs­kanzler die Frage richten, ob er derselben Auffassung ist wie Herr Treviranus und ob sich die Regierung in ihrer Gesamtheit heute schon darauf festlegen will, die Mitarbeit der Sozial­demokratie abzulehnen. Die Sozialdemokratie habe sich in entscheidenden und schweren Augenblicken der deutschen Geschichte der Rachkriegszeit nie­mals gescheut, Verantwortung zu übernehmen. Es gehe aber nicht so, wie es manche bürger­lichen Parteien gern haben wollten, daß sie die Verhältnisse nach ihren Grundsätzen regelten und sie der Sozialdemokratie zumuteten, lediglich die Verantwortung zu übernehmen. Rach der Wahl werde es sich darum handeln, entweder mit derSozialdemokratieodermitHerrn Hugenberg und den Rationalsozia- I ist en eine Regierung zu bilden. Aber es sei auf die Dauer nicht möglich, gegen die Sozialdemo­kratie zu regieren, weil sie auf einer völlig ge­schlossenen einheitlichen Front dastehe, was man außer dem Zentrum von keiner der anderen politischen Gruppen sagen könne.

Wir wissen nicht, ob und was der Reichskanzler aus die Anfrage des preußischen Ministerpräsi­denten antworten wird. Sachlich kann die Ant­wort aber eigentlich nur so lauten, daß die So­zialdemokratie nach ihrem Versagen in den letz­ten Jahren einmal den Beweis zu liefern hat, daß sie zur verantwortlichen Betei­ligung an den Re ich s g eschäf t en in der Lage ist. Bisher hat sie sich stets seit­wärts in die Büsche gedrückt, wenn es einen un­populären Beschluß zu fassen galt. Das ganze Gerede über die Frage, ob die Sozialdemokratie zu denstaatsbürgerlichen" Parteien zu rechnen sei, ist daher müßig. Wir wollen ruhig die kommende Entwicklung abwarten.

Hugenberg spricht wieder.

M ü n st e r, 3. Sept. Der Führer der Deutsch- nationalen VolkHpartei, Geheimrat Hu gen« berg der, wie gemeldet, am Montag in Bochum infolge Erkrankung am Sprechen ge- hindert war, sprach am Dienstagabend wieder in einer Versammlung, die wegen starkem An­drang polizeilich gesperrt wurde. Geheimrat Hu­genberg verbreileie sich über F a-en der deut­schen Innenpolitik und wandte sich insbesondere gegen das Zentrum. Es mu||e im Reiche und in Preußen scharf und entschieden gegen d i e Mu rxisten regiert werden.

D e nationalen Minderheiten tagen in Genf

In Genf ist der 5. Europäische Min­der h e i tenkongreß zusammengetreten. Er findet eine Fülle von Arbeit und Beschwerden vor. Denn die Lage der Minderheiten hat sich in den letzten Jahren eher verschlechtert als verbessert. Don kleinen Lichtblicken ab­gesehen, sind alleStaatsvölker" dabei, die Minderheiten zu drangsalieren und sie ihrer einfachsten kulturellen Rechte zu berauben. Es ist kein Geheimnis, daß in Polen der Wahl­kampf jetzt mit den Mitteln des äußersten Ter­rors gegen die Minderheiten, und insbesondere gegen die Deutschen, geführt werden soll, daß man in Warschau die Parole ausgegeben hat, kein deutscher Vertreter dürfe in den neuen Sejm einziehen. Die heute maßgebenden Staats­männer Europas stehen den Minderheitenfragen mit völligem Unverständnis gegenüber. Beson­ders D r i a n d hat auf Grund seiner französi­schen Einstellung nicht das geringste Verständnis für die Probleme, die in Wahrheit Mittel­und Osteuropa bewegen und deren Bewältigung in fortschrittlichem Sinne die Voraussetzung für einen wahren europäischen Frieden ist. Dri- ands Paneuropa-Plan ist so lange hohles Ge­schwätz, als die Vorbedingung en für das friedliche Zusammenleben der Völker in Europa nicht hergestellt sind.

Alle Versuche, im Rahmen des Völker­bundes eine Besserung zu erzielen, sind bisher kläglich mißlungen. Stresemanns Vorstoß in Madrid hat zwar zu dem Ergebnis geführt, daß künftig die Entscheidungen des Völkerbundsrates über die Minderheitenbeschwerden veröffent­licht werden, aber es hat sich inzwischen heraus­

gestellt, daß dies für die praktische Bewältigung der Probleme nicht im geringsten Erfolg hat. Der Völkerbund in seiner heutigen Verfassung ist ein völlig ungeeignetes Instrument für die Lösung der Minderheitenfrage. Diese kann nur aus der wachsenden Erkenntnis der Staaten herausgeboren werden, daß bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Methoden eines Tages ver­schiedene Pulverfässer in Europa explodieren müssen.

Uebrigens hat auf dem vorigen Minderheiten- kongreh die verhätschelte polnische Minder­heit in Deutschland einen großen Krach provoziert, weil die Vertreter der angeblich frie­sischen Minderheit in Deutschland nicht zu­gelassen wurden. Das ist eine lächerliche Komödie. Denn es gibt in Deutschland in Wahrheit keine friesische Minderheit, sondern lediglich ein paar bezahlte Subjekte, die sich für gutes Geld dafür hergeben, eine solche zu markieren. Es ist natür­lich nicht der Sinn der Minderheitenbewegung, durch fremdes Geld k ü n st l i ch Strömungen ge­gen Staaten hervorzurufen, die man gern schädi­gen möchte. Gerade die polnische Minderheit in Deutschland, der bisher ein oft unverständliches Entgegenkommen bewiesen worden ist, hätte alle Veranlassung, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben. Denn liberaler als Deutschland kann kein Staat den Minderheiten gegenübertreten, und die Deutschen in Polen wären heilsfroh, wenn sie nur einen Teil des Rechts genössen, dessen sich die Polen in Deutschland erfreuen. Es ist dringend zu hoffen, daß sich der Minderheitenkongreh durch diese Quertreibereien nicht Sand in die Augen streuen läßt.

Dänische Sümmungen und Verstimmungen

Von Dr. Dr. Friedrich Lange.

Dänemark ist mißvergnügt. Im Zeichen von Versailles sind das allerdings heute mehr oder weniger die meisten europäischen Länder und Völker, die einen, weil aus ihrer Haut Riemen geschnitten wurden, die anderen, weil sie glauben, nicht genug bekommen zu haben oder demnächst das Bekommene wieder zu verlieren. Europa ist im Zeichen diesesFrie­dens" in Gärung geraten. Vor allem das Wort vom Selbstbestimmungsrecht. hat gezündet, auch da, wo es seine Urheber am wenigsten ver­muteten. Das bekommt gerade Dänemark jetzt zu spüren.

Die we st indischen Besitzungen gingen für schnöden Mammon in amerikanische Hände über. Das wirtschaftlich und noch mehr seelisch wertvolle Island sagte sich los und ist mit Dänemark nur noch durch Perso­nalunion verbunden, und zwar zunächst auch nur bis 1940, wo die Isländer vertraglich das Recht haben, über ihre künftige Staatsspihe in voller Freiheit zu entscheiden. Grönland, das erst jetzt durch den Luftverkehr wertvoll zu werden beginnt, wird von Norwegen be­ansprucht: die Reibungen zwischen dänischen und norwegischen Fischern hören nicht auf und immer wieder sprechen nur unvollständigbe­richtigte" Rachrichten von einem Verkauf ganz Grönlands oder wenigstens seines östlichen Teiles an Norwegen.

Die Dänen hatten bekanntlich in Fries­land versucht, die 20 000 eigensprachigen, aber deutsch fühlenden Friesen in ihrer L^ichstreue wankend zu machen: das mißlang, aber gleich­zeitig traten die seit der Jahrhundertwende langsam erwachten ebenfalls 20 000 Färöer energisch auf, um zwischen sich und dem Dänen- tum einen vollständigen und endgültigen Tren­nungsstrich zu ziehen. 3m Juli dieses Jahres kam es bei der Iahrtausendfeier auf Island und einer 900-Iahrfeier auf den Färöern zu bitterbösen Zwischenfällen zwischen den Vertre­tern der Färöer und den Dänen, die im Haupt­ort Thorshavn zur öffentlichen Schändung der dänischen Flagge und zur Unterbrechung der Feierlichkeiten führten. Die Unabhängigkeits- bewegung (Selvstyre") hat die Mehrheit der Landesbewohner hinter sich.

Auf der Ostseite des Oeresundes hatte Däne­mark in der schwedischen Provinz Schonen, wo als besondere Mundart dasOstdänische" gesprochen wird, mancherlei Sympathien: sie sind zerronnen, selbst die üblichen Wochenend­fahrten nach Kopenhagen werden seltener, seit­dem die schwedischen Heimatvereine die Auf­merksamkeit der Bewohner auf die Schönheiten auch des südlichen Schwedens gelenkt haben. Roch schroffer und für die Dänen schmerzlicher ist die geistige und seelische Entfremdung Rorwe- §e n s: das bodenständige Bauerntum, das z. B. ie Umbenennung Kristianias und Trondhjems (Drontheims) in Oslo und Ridaros erzwungen hat, will alle Spuren der mehrhundertzährigen dänischen Herrschaft austilgen und hat erreicht, daß auch Gebildete sich wieder häufiger der altnordischen Sprechweise bedienen.

Das selbstbewußte und bei seiner stolzen Ge­schichte mit Recht selbstbewußte Dänentum flam« mert sich angesichts dieser Schicksalsschläge dop­pelt hartnäckig an den nordschleswigschen Gewinn und hat im übrigen zunächst Vogel-

straußpolitit getrieben, den Kopf in den Sand gesteckt. Aber die Mißerfolge häufen sich derart, daß diese Taktik nicht mehr durchzuhalten ist. So kam es zu einer Scheidung derGeister. Die einen, vornehmlich die Sozialdemo­kraten, ziehen mit fast brutaler Offenheit die Folgen: sie wollen mit der dänischen Ueber- lieferung und deren ehrgeizigen Ansprüchen brechen und sich damit begnügen, daß das klein gewordene Dänemark ein Musterland und Mustervolk für viele Rationen sein soll. Sie erklären, daß Grönland nur unproduktive Kosten verursache, daß Island und die Färöer ihre Strafe finden würden, wenn demnächst der bri­tische Imperialismus sie verschlinge, und daß die Rorweger sozusagenim eigenen Fette schmo­ren" mögen: sie vertreten die radikale Abrüstung und internationalen Wirtschaftsfrieden. Vom dänischen König sprechen und schreiben sie als vonChristian dem Letzten" ...

Andere suchen neue Betätigungsfel­der, neue Freunde und mit ihnen neue natio­nale Entfaltung. Hier setzen die Hoffnun­gen der Polen ein. Seit dem Besuch ihres Handelsministers Kwiatkowski in Kopenhagen be­arbeiten sie die dänische Oeffentlichkeit mit un­glaublicher Hartnäckigkeit. Sie schüren die Miß­stimmung über, die deutsch-finnischen Butterver­handlungen. Sie versuchen die nordschleswigsche Frage als Sprengpulver gegen deutsch-dänische Annäherung und verwenden und umwerben auf ihre Art die dänische Eigenliebe: Den Dänen, die mit polnischem Staatsgeld den Hafen von Gdingen gebaut haben, wird Hoffnung gemacht, sie könnten für Polen gut bezahlte Lehrmeister in der Seeschiffahrt werden, vielleicht sogar Dauerangestellte, denen die Polen, die Verwal­tung ihrer Schiffahrtsinteressen überlassen wür­den wie ein Kaufmann einem jungen Mann die Portokasse.

Allerdings bedanken sich gerade die besten Dänen für diese Zumutung. Zu oft hat dänischer Weitblick seine Geschicklichkeit bewiesen, Heiraten und Bündnisse zu knüpfen, hoffnungslose Bun­desgenossen aber rechtzeitig abzuschütteln, als daß man nicht in Kopenhagen die internationale Schwäche der polnischen Stellung erkennen würde. Wie man am Oeresund zunehmend über­schaut, ist die Frage, ob Versailles abgeändert werden mutz, grundsätzlich so gut wie entschieden und die Frage ist heute mehr, wer beteiligt sich an der Abänderung, wer findet rechtzeitig den Anschluß an die kommende Reuordnung. Einer Umsetzung solcher Erkenntnisse in Ent­schlüsse und Taten aber stehen, das darf nicht verkannt werden, erhebliche stimmungsmätzige Bedenken entgegen. Trotz der engen Verwandt­schaft und zahlreicher Wirtschaftsbeziehungen werden die deutsch-dänischen Bezie­hungen noch beschattet von einer Bereitschaft zu gelegentlichen kleinen Unfreundlichkeiten, um nicht zu sagen tleinen Bosheiten, die nicht gar so arg gemeint, aber auch von einer Art Scha-r denfreude nicht weit entfernt sind. Vielleicht liegt es daran, daß große Teile beider Völker sich nach wie vor innerlich fremd gegenüberstehen und einander nicht kennen. Bessere per­sönliche Kenntnis würde sicher manche Verstim­mungen beseitigen und die Stimmung hüben und drüben freundlicher gestalten.

Oer Fünfjahresplan.

«talin ruft zur Zusammenfassung der Kräfte.

K o w n o, 4. Sept. (TU.) Wie aus Moskau ge­meldet wird, richtet der Zentralausschuß der Kommuni st ischen Partei im Zu­sammenhang mit dem bevorstehenden Beginn des neuen Wirtschaftsjahres einen Aufruf an alla Partei- und Wirtschaftsorganisationen, in dem auf die Rotwendigkeit einer Zusammenfas­sung aller Kräfte zur Durchführung des Fünfjahresplanes hingewiefen wird. In dem Aufruf werden die Erfolge aufgezählt, dis der Fünfjahresplan gegenüber der Dorkriegs­produktion bereits erbracht habe sowie u. a. dar­auf verwiesen, daß allein der Zuwachs der Industrieerzeugung im dritten Jahr die gesamte Vorkriegsproduktion erreichen werde. Dennoch dürfe nicht übersehen werden, daß die Produktionssteigerung hinter den im Plan vor­gesehenen Zahlen zurückbleibe. Der Plan fordere eine Steigerung von 32 Prozent, während bisher nur 27 Prozent erreicht worden seien. Schließlich fordert der Aufruf eine Reihe

von einschneidenden Maßnahmen, um die Durch­führung des Fünfjahresplanes der Wirtschaft zu gewährleisten, von der der sozialistisch- Aufbau abhänge.

Verhaftung von Gegenrevolutionären.

K o w n o, 2. Sept. (TU.) Nack einer amtlichen Meldung aus Moskau ist die GPU. einer großen Organisation auf die Spur gekommen, die sich den Sturz des Sowjetreaimes zum Ziel gesetzt hatte. Es wurden etwa 20Per fönen verhaf­tet, unter denen sich u. a. Suchanow, Gromow, Karamsin, Rymsa und Schirowsky befinden. Nach dem amtlichen Bericht haben die Verhafteten ein Geständnis abgelegt. Sie sollen geheirneBe- ztehungen zum Ausland unterhalten und auch mit führenden Persönlichkeiten des S ch a ch t y Prozesses in Verbindung gestanden haben. Die Untersuchung ist nach Mitteilung der GPU. noch nicht abgeschlossen. Alle Verhafteten sollen der russi­schen Intelligenz angehören und sich im Jahre 1917 bereiterklärt haben, mit den Sowjets zu ar­beiten. Besondere Beachtung hat die Verhaftung Gromows gefunden, der einer der bekanntesten Fachmänner auf dem Gebiete der Landwirtschaft ist.

Oer Bombenlegerprozeß.

Altona, 3. Sept. Im Bombenlegerprozeß er» klärte Untersuchungsrichter Dr. Masur, für eine direkte Mitschuld des Angeklagten Hamkens lie­ßen sich Beweise nicht erbringen. Klaus Heim habe das Vorgehen seiner Anhänger nicht nur gebilligt, sondern selber gewollt und veranlaßt. Heim habe jedoch immer nur gesagt, er wisse von nichts und habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Dolck habe sich auch an Justizrat Claas gewandt, um 100 000 Mark für die Landvolkbewegung zu er­halten. Die Verhandlungen find aber gescheitert. Auch Kapitän Ehrhardt habe seine Hilfe ver­weigert. In Italien seien ihm von dem Kriminal­kommissar Teichmann 50 000 Mark geboten worden, wenn er die Hintergründe der Landvolk­bewegung aufdecken und Ehrhardt, Claas oder Hugenberg der Strafverfolgung ausliefern würde.

Zum KapitelPressefreiheit" in Preußen.

Breslau, 3.-Sept. (TU.) Wie dieSchief. Z tg." berichtet, hat der preußische Mi­nister für Handel und Gewerbe an die ihm unterstellten Behörden in den Provinzen Rieder- und Oberschlesien folgenden MTah her­ausgegeben:Mir ist bekannt geworden, daß die Schlesische Zeitung" eine ausgesprochen staats- und republikfeindliche Hal­tung einnimmt. Im Einvernehmen mit dem Herrn Ministerpräsidenten ersuche ich deshalb, dieser Zeitung im Bereich meiner Verwaltung Inserat- und Druckaufträge nicht mehr zu erteilen." DieSchlesische Zeitung" hat bekanntlich die Oeffentlichkeit dieser Tage davon unterrichtet, daß die preußische Staatsregierung im Begriffe sei, mit dem tschechoslowakischen Schuhfabrikan­ten Bata einen Vertrag zu schließen, nach dem Bata der Ankauf von Gelände und gro­ßen Fabriken in Oberschlesien ermög­licht wird. An zuständiger preußischer Stelle in Berlin wird indessen entschieden b e st r i t t e n. daß der Erlaß des Handelsministers irgend etwas mit der Bata-Angelegenheit zu tun habe. Vielmehr sei das Verbot schon seit einiger Zeit beabsichtigt gewesen, die Veröffent­lichung habe sich auf dem amtlichen Wege aber etwas verzögert.

Oie französischen-Manöver in Lothringen.

Paris, 4. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die großen französischen Herbstmanöver in Lothringen haben heute um Mitternacht begonnen. An den Manövern nehmen zahlreicheFlugzeug- geschwader teil. Besondere Beachtung verdient jedoch die Verwendung von Motorfahr­zeugen, denn es handelt sich bei diesen Manövern nicht um einen Stellungs-, sondern um einen Be­wegungskrieg, bei dem die Beweglichkeit und praktische Verwendung der neuen Kavallerie- regimenter ausprobiert werden soll. An den Manövern nehmen zahlreiche Gäste teil, u. a. die Militärattaches von Italien, Japan, Großbritan­nien. der Tschechoslowakei und der Vereinigten Staaten, ferner eine polnische, eine Schweizer und eine spanische Militärmission.

Aus aller Welt.

Diamond nach USA. abgeschoben.

Nachdem die amerikanischen Behörden auf die Auslieferung Diamonds verzich­tet haben, haben die deutschen Behörden be­schlossen, Diamond als lästigen Auslän­der auszuweisen. Diamond wurde bereits am Mittwochabend abgeschoben. Er wird in Be­gleitung von drei Kriminalbeamten nach einem norddeutschen Hafen gebracht werden. Um 22.16 Uhr verließ der Transport Köln in Richtung BremenHamburg. Diamond wird auf einen Dampfer übergeführt, der be­reits Donnerstag nach Neuyork ab­gehen soll. Da Diamond es immer verstanden hat dem Nachweis auf unmittelbare Beteiligung vieler ihm zur Last geleigter Verbrechen zu ent­gehen, beschränkt sich sein offizielles Schuldkonto auf die Ermordung des Ga st Wirts Harry Western, der sich weigerte, Bier von ihm zu beziehen, sowie auch die Anschuldigung einer Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates.

Schwerer Wirbelsturm über den Antillen.

Ein Wirbelsturm hat den größten Teil Santo Domingos verwüstet und sich jetzt rückwärts gegen Haiti gewandt. Kuba scheint nicht gefährdet zu sein. Meldungen aus San Juan (Portorico) drücken die größten Befürchtungen für das Schicksal von Santo Do­mingo aus. Der Wirbelsturm jagte mit einer Stundengeschwindigkeit bis zu 180 Meilen dahin. Der DampferCoamo" vermochte nicht, seine Passagiere an Land zu sehen, und mutzte des- halt nach San Juan zurückdampfen. Die Funk­verbindung mit dem DampferCoamo" ist ab­gerissen. Das amtliche Wetterbureau in Washington hat die Schiffahrt gewarnt.

Ein einträglicher Ozeanflug.

Der Flieger C o st e s erhält auf Grund seines Fluges den Rang eines Kommandeurs der Ehrenlegion. Costes hat einem Mitarbeiter des Matin" mitgeteilt, daß derjenige Flieger, der den Flug Paris Neuyork verwirkliche, auf Grund verschiedener Verträge die Gewißheit habe, 2 000 000 Dollar zu verdienen. Bekanntlich gewinnt Costes auch den von dem amerikanischen Obersten Easterwood ausgesetzten Preis von 25 000 Dollar, wenn er sich nach seinem Fluge ParisNeuyork nach Dallas im Staate Texas begibt.

Flugzeugunglück an der spanischen Küste.

Eine Flugzeugkatastrophe, die acht Menschenleben forderte^ ereignete sich in der Nähe von K a p P r i o - rino Grande. Ein Dornier-Seeflugzeug, das an den spanischen Flottenmanövern teilnahm, fing aus nicht geklärter Ursache Feuer und stürzte ins Meer. Konteradmiral Jaime Plana, zwei Offiziere und fünf Bordmonteure kamen um.

Tosccmini bleibt in Bayreuth.

Toscanini will seinen ständigen Wohn­st h in Bayreuth nehmen. Wahrscheinlich wird der große Dirigent, der im vergangenen Jahr seinen Vertrag mit der Mailänder Skala nicht erneuern wollte, die musikalische Lei­tung der Bayreuther Fe st spiele über­nehmen, nicht nur für das Jahr 1931, für daS er bereits längst verpflichtet ist, sondern für die Zukunft.