Aus der Provmzialhaupifiadt.
® t e « n, ben 4 September 1930.
Dem Herbst entgegen.
Denn nach der Ernte der Wind über die Stoppelfelder weht, tocnn in den Gärten die Sonnenblume in golbncr Pracht ihr Haupt erhebt über bie im Blütenfchmude ftehenben Gevr- ainen. Dahlien und Aftern, dann hält der Herbst feinen Einzug und bringt unS feine Hellen Tage mit der klaren Atmosphäre. die dem Auge de- Wanderer- einen falt unbegrenzten Blick in di« Weite gestattet.
Die Tage haben schon bedeutend abgenommen. Dichter, feuchter Hebel lagert am frühen Morgen über Feld und Flur. Alle- Blattwerk der Pflanzen ist infolge der Hellen Rächte mit dichtem Tau bobedi. der sich mit der fortschreitenden Jahreszeit bald in Aeif verwandeln wird. Rach- dem das Grummet eingebracht ist, bildet bald die blattlose Herbstzeitlose den letzten Schmuck der Wiesen. DaS Heer der lieblichen Sänger in Wald und Feld und ®arten schickt sich an zur Abreise nach dem Süden, auf den Dächern und auf den Telcaraphendrahten versammeln sich in Scharen die Schwalben und zwitschern ihr Ab- fchiedSlied.
Die Obstbäume, die Dorf und Stadt Mit einem Kranze lieblich umgeben, spenden ihre Früchte. Die Pflaume bedeckt sich mit blauem Dult, Birnen und Aepfel röten ihre Wangen, und der Weinstod läßt seine Trauben im vergoldenden Strahle der Herbslsonne erglänzen. Die Bäume und Sträucher deS Garten- erfreuen daS Auge durch ihre herrliche Farbenpracht 3m Felde Sieht der Pflug wieder feine Furchen, über die kleine Spinnen mit ihren zarten Seidenfäden feine Hetze spinnen, in die die Tautropfen deS herbstlichen Morgen- gleich glitzernden Diamanten eingewebt erscheinen. Der scharfe Wind führt dann die zarten Gespinste hoch in der Lust weithin fort, und tm Sonnenschein sliegt der .Altweibersommer" in der Luft und seht sich oft auf dem Hute deS Wanderer- fest. Jetzt ist die beste Zeit gekommen zu Fuhwanderungen. Darum hinaus, Menschenkind, in die herbstliche Hatur, hinaus in Feld und Wald und Flur, bald kommt der Winter der unS wieder in unseren Wohnend Arbeit-raumen lange genug festhält!
Wenn mit dem weiter fortschreitenden Herbste die Hatur allmählich zur Ruhe geht, dann hat sie. gleich einer guten Hau-mutter, bereit- alle« für den künftigen Lenz vorbereitet, damit er sie nicht überrofche. Die Bäume haben Stärkemehl und Eiweiststosse im Innern al- Borrat für da- Frühjahr ausgespeichert: di« Stauden haben unter der Erde Magazine angelegt, wo sie die Vvr» rotSstoffe in den Wurzelsloden, Knollen und Zwiebeln angesammelt haben. Auch die Laubknospen für da- nächste Jahr find bereit- angelegt und durch die von Harz durchtränkten Schuppen sorgfältig geschützt. in den Blütenknospen sind schon Kelch. Blumenkrone. Staub- gesäste und Stempel vorhanden, selbst der Blütenstaub ist bereit- in den Staubbeuteln gebildet. So ist eS nicht die abnehmende Wärme allein, die allem Wach-tum ein Ziel setzt, sondern die Hatur hat sich erschöpft, fi« hat alle ihre Schätze, die sie hervorzubringen vermag, aus- gegeben und kann nichts Heues mehr hcrvor- bringen. Wenn einmal ein warmer, heiterer Himmel die Dauer deS Sommers ungewöhnlich verlängert, so kommt eS bisweilen vor, daß die für das nächste Jahr bestimmten Änofpcn hervorbrechen, dah die Bäume sich neu belauben und zum zweiten Male blühen, aber bald findet dieser zweite, krankhafte Frühling sein rasche« Erab in den Frösten des zur Herrschaft gelangenden Winters, der mit den vorzeitig auS- gebrochenen Blättern und Blüten zugleich auch Vie Hoffnung auf daS nächste Jahr zerstört.
Wenn dann mit dem Eintritt der ersten Fröste die Blatter von Baum und Strauch dem Tode anheimfallen, so sind die Stosse, aus denen sie aufgebaut worden sind, keineswegs der völligen Vernichtung preisgegeben. Die Verwesung zerlegt daS Zellengentst und die in ihm noch vorhandenen Beste der Kristalle und Salze, die die Pflanz« nicht in sich zurückgezogen hat. in ihre Grundstosfe, in Kohlensäure, Wasser. Kali- und Ammonsalze, alle- schon sehr wichtige Rah- rungSstoffe für die Pflanzen im kommenden Jahre. Dies« ruhen dann im Boden, ober fi« schwingen sich auf in- Luftmeer, bis die Früh- ling-wärme sie wieder dem jungen, keimenden Leben auf der Erde zuführt. AuS diesen Stoffen fchöpsen die Pflanzen neue Kraft, neue- Leben. Durch Taufende von Wurzelsasern dringen sie, im Walser aufgelöst, in die Pflanzen ein. und wenn die Rescrvestosse die DIattfnofpcn zur Entfaltung gebracht haben, dann nehmen auch die jungen Blättchen die Kohlensäure au- der sie umgebenden Lust mit Begierde auf, um daraus unter der Einwirkung des Sonnenlichte- die unentbehrliche Stärke zu bereiten. Go werden alle Blattüberreste wieder verbraucht, indem sie zu notwendigen Faktoren beim Ausbau neuer Formen werten. Ss gibt daher in der Hatur keinen eigentlichen ewigen Tod. Aus den Trümmern und dein Moder des Vergangenen erhebt sich immer wieder da- Leben der kommenden Geschöpfe und Geschlechter, alle-, was schon da war, lebt wieder auf, nur in neuer Gestalt und Form.
So ist in dem Kreislauf des Jahres die Ent- Wickelung und der Hiedergang der Vegetation einem großen Drama vergleichbar, dessen Verlauf wir mit Spannung verfolgen, und so oft es sich vor unseren Augen abspielt, so erscheint es uns bei jeder Wiederholung doch neu und offenbart uns neue, bisher übersehene Schönheiten Gr Nationalsozialistische Wahlfordeningen
■3n einer sehr gut besuchten Wählerverjammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die am Dienstagabend in der Turnhalle am Os- waldsgarten stattfand, vertrat Lehrer Rings- Haufen aus Offenbach die nationalsozialistischen Forderungen zur bevorstehenden Reichstagwahl. Er forderte, daß das deutsche Lolk sich selbst um feine Politik kümmere, anstatt sie „von anderen" machen zu lassen. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei allein vertrete das wahrhaft deutsche Volk aller schassenden Stande. Wer sich zu der Front der deutschen Schassenden rechne, müsse sich fragen, ob cs nicht auch für ihn richtig sei, dem Nationalsozialismus auf dem Weg in die Freiheit zu folgen. Zwar sei das deutsche Volk in seiner Gesamtheit nach dem Zusammenbruch von 1918 und den Wirkungen der nachfolgenden Jahre auch heute noch krank, aber gestützt auf seine starken seelischen und sittlichen Kräfte werde es diese Rrij überstehen können, weil die Nationalsozialisten ihm eine Hoffnung böten und es in seinem Kern noch gesund sei.
Zubiläumsiagung des Hessischen Verkehrsverbandes.
WSH Darmstadt 3 Sept Gestern hielt hier im RathauSsaal der Heffifch« Ber- kehrSverband feine 2 5. Hauptversammlung ab Hach der BegrüßungSan- fprachc de- DerbandSvoriltzenden Stemmer und nach einer Reihe von Glückwunschansprachen erstattet« der Borfitzend« den Jahresbericht, der eine überaus rege und erfolgreich« Tätigkeit de« Verband«- auf allen Gebieten deS Berkehr-wefen- erkennen läßt U a ha« der Verband erfolgreich gegen die Verlegung der Eifenbahndircktion Mainz nach Frankfurt Stellung genommen Er ist eingcttclen für eine SonderauSstellung der Frankfurter Meile und für die Ausstellung in Dresden, .Reifen und Wandern", die leider ohne Hessen blieb Der Bericht erwähnt ferner die HeriuSgabe deS HesfenkalenderS und der bekannten Reliefkarten, di« sich al- ausgezeichnete- Werbematerial erwiesen haben
Rach debatteloser Genehmigung de- Berichts hielt OberregierungSra« Dr K r « b S einen Vortrag über 2 5 Jahre DerkehrSver- ba n d" in dem er u. a. darauf hinwieS. da st der «Hessische Derkehrsverband, in grundsätzlicher Dereitschast zur Einigung aus dem Gebiet« der deutschen Verkehr-Politik, In Uebereinftimmung mit den süddeutschen Verbänden für eine rationelle und sachliche ZremdenverkehrSwirlschaft gekämpft hat. Seine feste Haltung habe dazu beigetragen, den GesundungSprozest in dem Bund Deutscher Verkehr-Vereine zu beschleunigen, so dah nunmehr der Weg für einen allseitigen Zu- sammenschluh frei sei.
Hach einem Vortrag von Regierung-rat Dr. Roesener über das Thema .Betrachtungen zur Derkehrspoli tik der Reich-- bahn" ergriff Reichsbahnoberrat Lucht da- Wort, um mitAUteilen, dah dank der Bemühungen des Mainzer Reichsbahnpräsidenten Lochte telegraphisch die Genehmigung eingetroffen ist, dah die Odenwald-Eilzüge auf der ganzen
Strecke und durch den ganzen Winter erhalten bleiben. Leider werd« stets vergessen, wie teuer btt Reichsbahn diese Züge kommen. Der Odenwald-Eilzug Darmstadt - Wiebelsbach koste täglich 2700 Mk Man könne leicht bemeflen, wieviel Ne Reichsbahn einnimmt und wieviel sie dem Hessenland schenkt. Schliestlich nahm auch noch Re ich-bahn-Oberrat Pietz (3tanfiurti das Wort, um die Maßnahmen der Reichsbahn zu verteidigen. Wenn di« Reichsbahn in diesem Winter mit dem AuSsallen!assen einer Reihe von Zügen weiter gegangen sei. so habe sie daS unter dem Druck eiserner Notwendigkeiten tun müssen. Wenn ein Zug au-faN«, gescheh« die- erst nach sorgfältigster Prüfung aller Verkehrsverhältnisse Hach dem Wunsche eine- einzelnen könne die Reichsbahn sich nicht richten. DiS 1930 seien fünf Prozent mehr Züge gefahren worden al- früher, trotzdem feit 1928 der Verkehr ständig zurückgcbc.
Die Versammlung nahm darauf einstimmig eine ö :na an. in der bebauert wird, dah die Reichsbahn im Entwurf des Sinter- fahrplanS auS fi-kalifchen Einsparungsabfichten gerade innerhalb Hessens wichtige Schnellverbindungen zum Wegfall bringen will, und in der es zum Schluß betfit: »Dem weiteren Ausbau de- BezirkS- «ilverkehrS im Rbein-Main-Gebiet. der im Bereich der Reichsbahndirektionen Mainz und Frankfurt Im Sommer 1930 erstmal- mit bestem Erfolg zur Einführung gelangt ist, bittet bie Hauptversammlung befonbere Sorgfalt zu widmen, da gerade eine zeitgemäße Ausstattung diese- Derbchr« mit häuf igen prei-wür- digen Zugverbindungen da- geeignetste Mittel ist. die Städte de- Rhein-Main-Gebiels, ben Anforderungen unserer Zeit entsprechend, einander verkchrlich näherzubringen."
Den Schluß der Hauptversammlung bildete die Erledigung geschästSorbnungSmäßig vorgeschriebener Punkte.
Der Redner wandt« sich weiter gegen „die Herrschaft des Mammons, gegen die Macht des Großkapitals" und bekämpft« die Einordnung des Menschen in die Herrschaft der Maschine, wobei der Mcnlch nur als Ware gewertet werde. Da der Nationalsozialismus dem einzelnen hilfsbedürftigen Menschen bcistehen wolle, könne sich sein« Partei mit Recht Arbeiterpartei nennen. Der Redner polemisierte weiter scharf gegen das bisherige System und die alten politischen Parteien, die mit der Demokratie am Ende ihres Lateins seien. Der Marxismus habe dem Arbeiter kein Brot, sondern nur Armut gebracht. Am 14. September werde der Nationalsozialismus einen Schützengraben stürmen, und wenn das zum Erfolg nicht reiche, so müsse man sich sagen, daß wir drei Monate spater ja doch wieder wählen würden. Entschiedenste Gegnerschaft erklärte der Redner weiter den Trusts und Syndiküten sowie den Warenhäusern, durch die her deutsche Mittelstand immer mehr auf- gelogen werde, zugleich auch in unserem Dolle das seelische und geistige Leben verloren gehe. Sodann verkündete der Redner die Forderung nach Verstaatlichung der Banken, damit da- deutsche Volk gegen die Herrschast deS Geld«- fein Lebensrecht verteidigen könne. Ferner forderte er schärfste Bekämpfung deS IudentumS, u. a. Ausweisung der Im letzten Jahrzehnt nach Deutschland zugewanderten Juden. und Ausnahmegesetze gegen die vor dem Kriege in Deutschland schon ansässig gewesenen. Gr polemisierte sodann gegen die Sozialdemokratie. deren Schul- und Kirchenseindschast eine aufbauenbe nationale Arbeit verhindere. Di« Hationalsozialisten hätten den festen Glauben, daß ihr« Gedanken am 14. September siegen würden. 3m neuen Reichstag würden sie sich als die wahre Vertretung des deutschen Volkes betrachten und ihre Arbeit in diesem Sinne tun.
Rach der mit stärkstem Beifall aufgenommenen Rede wurde von der Versammlung eine Aussprache nicht gewünscht.
Gicßcncr Wochcnrnarktpreisc.
ES kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bi- 35, Wirsing 10 biS 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 15, gelbe und rote Hüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 8 bi- 10, grüne Bohnen 15 biS 20, gelbe Dohnen 20 bis 25, llnter-Kohlrabi 6 bi« 8, Erbsen 20 bi« 25, Tomaten 15 bi« 20, Zwiebeln 10 bi« 12. Meerrettich 50 bi« 60. Kür- bl« 8 bi« 10. Pilze 30 bi« 35. Kartoffeln 5, Falläpsel 5 bi« 6. Aepfel 20 bi« 40. Birnen 15 bis 30. Dörrobst 30 bi« 35. Zwetschen 15 bi« 20. Mirabellen 25 biS 30, Reineclauden 10 bi« 15, Pfirsich« 40 bis 70. Brombeeren 40 bi« 45, Preißelbeeren 30 bi« 35. Hüffe 60 bi« 70. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 biS 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund' Käse (10 6t I 60 bis 140 PI.: Tauben 70 bi« 80. Sier 12 bi« 13. Blumenkohl 30 bi« 70, Salat 10 bis 15, Salat- gurken 10 bis 20, Sinmachgurken 2 bi« 4, Endivien 10 bis 20. Ober-Kohlrabi 6 bi« 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bi« 15, Sellerie 10 bis 20 Pfennig daS Stück: Radieschen 10 bi« 15 Pf das Bund: Kartoffeln 4,50 Hit der Zentner.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus Bahnhosstrahe. .Skandal um Eva" und .Micky!, die Tonfilm-WauS".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird un« geschrieben: Am kommenden Dien-tag wird die diesjährige Sommerspielzeit mit dem durch da« Stadttheater in Bad Homburg urauf- gefübtten Lustspiel deS jungen österreichischen Autor« Wilhelm Lichtenberg .Seine Majestät das Publikum" beendigt werden. Für die Besucher dieser Vorstellung erfolgt Gratis- Verlosung eine« 5 r e i f Lu g c « Gießen- Frankfurt. DaS Lustspiel wird nur einmal in Gießen aufgeführt werden.
— D e u t s ch n a t i ona l« Wählerversammlung. Am nächsten Dienstag spricht in der Turnhalle am OSwaldsgarten der bis- herige Reickstagsabgeordnete Dr. Q u a a h über da« Thema: „Steuerzahler, was geschieht mit deinem Geld?" (Liehe heutige Anzeige.»
" Straßensperrung, mitgetcilt vom Ober» hessiichen Automobilklub E. 33. (S. v. 2.) Gießen: Die Seperrung des Landwegs Ronhausen — N e h b r ü d e ist wieder aufgehoben.
e* Stadttheateraoonnement. 3m heutigen Anzeigenteil veröffentlicht di« Stadt
verwaltung die Einladung zum Stadttheaterabonnement für die Spielzeit 1930 31. Auf di« Ankündigung sei besonders hingewiesen.
•• Feuerwehrjubiläum. Man schreibt uns: Qm Schaufenster der Firma W. Horn, Kreuzplatz, sind Feuerwchrbilder, die aus dem Grün- dungsjahr der beiden freiwilligen Feuerwehren und aus den 60er und 70er Zähren stammen, ausgestellt. Ferner sind dort zwei große Aufnahmen der beiden Wehren, die gelegentlich der 50. Jubelfeier hergestellt wurden, zu sehen. Die Anmeldungen auswärtiger Wehren zur Jubiläumsfeier am nächsten Sonntag laufen noch täglich ein, unter anderem sind fünf Wehren mit ihren Feuerwehrkapellen an- gemeldet. An dem Fackelzug beteiligt sich auch die Wetzlarer Feuerwehr mit ihrer Feuerwehrkapellc. Der Fackelzug, der am Samstag pünktlich 20 Uhr vom Landgraf-Philipp Platz abmarschiert, passiert folgende Straßen: Landgrafenstrahe, Dftonlage, Walltorstraße, Marktplatz, Schulstrahe, Sonnenstraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Westanlage, Bahnhofstraße, Kaplansgasse. Neuenweg, Neuen Baue, Gartenstraße, Kaiserallee nach der Liebigs- hohe, wo Kommers stattfindet. Es wird an die Mitbürger die Bitte gerichtet, die Jubiläumsfeier durch Beflaggen der Häuser zu verschönern.
*• D i e Gießener Gaswoche fand gestern mit einem gut besuchten Vortragsabend im Saale deS Last Leib ihren Abschluß. Den fesselnden Vortrag deS Abends hielt Frau Dr. Koepp« von der Gießener HauSfrauenberatungSstelle. die ihre Zuhörerschaft mit allem Wissenswerten über den Dampfkochtops bekannt machte. Anschließend fand die Auslosung zahlreicher Gewinne statt, für die den Besuchern der Veranstaltungen im Verlaufe der Gaswoche Freilose auSgehändigt worden waren. 1L a. wurden zwei komplett« GaSkoch- herd«. eine Anzahl Gaskocher. Küchengerät, ge- wisse Mengen von kostenfreiem GaSbezug usw. ausgelost. Der interessanten GaSgerät-Au-stel- lung widmeten die Besucher rege Aufmerksamkeit.
Herbstreifen nach dem Süden in der Form von Sonderfahrten, die am 19. September in Westfalen und im Rheinland beginnen, veranstaltet die Verkehrsgesellschast Siemer in München. Die hiesige Vertretung für diese Reisen bat das Hapagreisebureau Loeb. Man beachte die heutige Anzeige.
Schöffengericht Gießen.
* Gießen. 3. Sept. Zwei wegen Diebstahl« vorbestrafte junge Leute waren Ende 3uni in ein 3agdhäuschen bei Butzbach eingebrochen und hatten alle« mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Mit Rücksicht auf ihr Geständnis kamen sie mit je 1 */, 3ahren Gefängnis davon.
Ein Arbeiter hatte im April bei einer Autofirma unter dem Hamen feine« Schwager« ein Auto gekauft, unrichtige Angaben über die Vermög enSverhältniffe gemacht und mit dessen Hamen den Kaufvertrag unterschrieben. Da der als Zeuge vernommene Schwager angab. er sei mit der älnterschristSleistung einverstanden gewesen, verurteilte da« Gericht den Angeklagten nur wegen Rücksallbetrugs zu sech« Monaten Gefängnis.
Ein Kanzleiaffistent einer auswärtigen Behörde hatte 37 Mk unterschlagen. Das Gericht nahm an, daß er mit Rücksicht auf die Art seiner Beschäftigung und. da auf Privatdienstvertrag angestellt, kein Beamter im Sinne deS Strafgesetzbuchs sei und erkannte an Stelle von einem Monat Gesängnis auf 1 00 M k Geldstrafe. (Andernfalls wäre die Mindeststrafe 3 Monat« Gefängnis getreten.)
Ein Strafgefangener hatte Zettel schwer beleidigenden 3nhalt« au« feiner Zelle in den Hof geworfen. Strafe: Drei Monate ®c- f ä n g n i «.
Wegen SittlichieitSverbrechen« und widernatürlicher Llrullcht wurde ein Arbeiter zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.
Oie zweite Landung
des ,(5raf Zeppelin" in Kassel.
WSH. Kassel. 3. Sept. 3n den Hachmit- tagSstunden setzte wieder die Völkerwanderung nach dem Waldauer Flughafen ein. An die 50 000 Menschen mögen auf dem Flugfeld versammelt gewesen fein. Hm 16.35 llhr verkün
deten Sirenen da« Rahen dc» Luftschiff«« .Graf Zeppelin". da« alSbald untre dem ungeheuren Jubel der Massen und dem Singen de» Deutschlandliede- glatt landet«. Di« Pasfa- aiere, unter ihnen Oberpräsident H a a S. entstiegen der Gondel, neue stiegen ein. Um 17.50 Ubr wurde wieder mit den Startvorbereitungen begonnen und Punkt 18 Uhr erfolgt« der Aufstieg DaS Luftschiff fuhr eine Schleife über der Stadt, kehrt« noch einmal zum Flugplatz zurück und verschwand dann langiam in südöstlicher Richtung zur Heimfahrt nach Friedrichshafen.
(5d?»erer HoubüberfoU in Kassel.
Kassel. 4. Sept. (WIB.s Heute früh um I Uhr drangen zwei maskierte Männer in Ne Geschäftsräume der Kasseler Dmnibusge- I e 111 d) a f t in der 6anbershau|er Straße ein und zwangen die Beamten mit oorgebaltenen Revolvern zur verausgabe von 5000 'Warf. Naher« Einzelheiten fehlen noch Der hohe Raflenbclianb wird sich wohl aus den großen Einnahmen infolge der Massenbeförderung anläßlich der Zeppelin-Landung erklären.
Maingau
WSR. Frankfurt a. M. 3. Sept Rach mehrstündiger Verhandlung verurteilte da- Groß« Schöffengericht den 40jahrigen früheren Pfarrer der evangelischen Gemeinde Heddernheim. S t « u- b l n g. wegen fortgesetzter Unterschlagung sowie Verbrechen« gegen § 351 StGB, in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu zwei Fahren Gefängnis. Der Angeklagte war seit 1921 in Heddernheim Seelsorger und wurde 1926 Leiter der damals gegründeten SiedlungSgesellschaft .Taunus". Dieser Gesellfchaft hat er 10 867 Mk. unterschlagen. Außerdem hat er Kirchengelder in Höhe von 271 Mk.. die vom Rechneiamt bzw. dem Finanzamt der Kirchengemeinde zu- flossen, unterschlagen. Um diele Verschlungen zu verdecken, hat er u. a. eine Urkunde bei Rechneiamte« gesälscht. Die Gelder hat der Angeklagte nach seinem Geständnis für sich verbraucht. Der Angeklagte ist Anfang dieses Jahre«. nachdem bei einer gesetzlichen Revision di« Unstimmigkeiten durch einen Dekan ausgedeckk worden waren, feine« Amte« enthoben worden und hat bann auch auf da« Amt verzichtet. Der Angeklagte ist, wie au« einem Gutachten de« in der Verhandlung vernommenen Arzte« Dr. Kleist hervorgeht. erblich belastet und nicht voll zurechnungsfähig. Seine Unterschlagungen wurden begünstigt durch di« recht mäßigen Revisionen! in den letzten drei 3ahren vor der Aufdeckung der Verfehlungen hatte keine Kontrolle mehr stattgefunden.
Oie Wetterlage.
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Das zusammenhängende Hochdruckgebiet ist in feinem Hern zerfallen und hat sich in zwei Sterne ausgcteill, von denen der eine über das Nordmeer und der andere am Nordseeküstengebiet liegt Des weiteren reckt vorn Atlantischen O)can ein neues lief heran und über der Biscaya und Südfrankreich prägt sich eine flache Storung aus. Für Deutsch, land ist zunächst noch der hohe Druck maßgebend. Io daß trockenes, tagsüber vielfach heiteres Wetter herrscht. Jedoch steht für ausgangs der Woche eine Beeinflussung durch die neue Storung, welche sich vorerst durch Bewölkung und Erwärmung kenn- zeichnet, in Aussicht.
Aussichten für Freitag: Stellenweise morgens dunstig und neblig, sonst meist heiter, nachts kühl, tagsüber wärmer als seither.
Aussichten für Samstag: Weitere Erwärmung und tagsüber auskommende Bewölkung.
Lufttemperaturen am 3. September: mittags 18,7 Grad Celsius, abends 9,6 Grad: am 4. September: morgens 7,2 Grad Maximum 19,1 Grad. Minimum 33 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 3. September: abends 21 Grad: am 4. September: morgens 14 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer Stunden.
Gegen Kopfschuppen und Haarausfall verwenden Sie nicht dieses oder jenes, sondern verlangen Sie ein Mittel, das wissenschaftlich erprobt ist und seit 50 /ähren unvergleichliche *007V Erfolge zu verzeichnen hat; Dr. DRALLE s Birken wa ss e r
OrlglntJfluche RM 2.40 Doppdfluchc RM 4.20


