Boden von Recht, Gesetz und Ordnung, Einheit und Freiheit des deutschen Volkes erlangen wollen.
Der Aufruf trägt die Unterschriften folgender Organisationen: Katholischer Deuttcher Frauenbund, Katholischer Verband der weibl. foufm. Angestellten und Beamtinnen Deutschlands. Retchsverband katholischer kaufmännischer Gehilfinnen und Beamtinnen, Verband der katholischen Studentinnenvereine, Verband katholischer Vereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands, Verein katholischer deutscher Lehrerinnen, Verein katholischer So^ialbeamtin- nen Deutschlands, Zentralverband der katholischen Oungfrauenvereine Deutschlands. Zentralverband katholischer Müttervereine.
Aus dem Wahlkampf.
Linser langjähriger außenpolitischer Mitarbeiter, der ehemalige deutschnationale Abgeordnete Professor Dr. Hoehsch wird als Spitzenkandidat Der Konservativen Volkspartei in Hessen und Hessen-Aassau die Liste bei den Reichs- tagswahlen sichren.
Die Dezirksbauernschaft für Aassau und den Kreis Wetzlar und der Kurhessische Landbund haben einen einheitlichen Wahlvorschlag aufgestellt, der das Kennwort trägt: ,Landvolkpartei für Hessen-Aassau" (Christlich- nationale Dauern- und Landvolkspartei). Als Spitzenkandidat wurde der bisherige Reichstags- abgeordnete Hepp aufgestellt. An zweiter Stelle steht der bisherige Reichstagsabgeordnete Lind.
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Nach einer bei der Frankfurter Zentrumspartei eingetroffenen telegraphischen Zusage spricht Reichs- kanzler Dr. Brüning am Samstag, 30. August, in einer öffentlichen Versammlung in F r a n k f u r t.
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In einer stark besuchten Mitgliederversammlung hat der Demokratische Verein Frankfurt a. M. mit allen gegen vier Stimmen den Beitritt zur Deutschen Staatspartei beschlossen.
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Di« Demokratische Partei in Kurhessen nahm eine Entschließung an, in der der mit der Gründung der Siaatspartei begonnene Kampf gegen die Entartungserscheinungen des politischen Lebens gebilligt wird. Es wird begrüßt, dah die neue Partei in erster Linie einen planvollen und energischen Kampf für die Einheit des Deutschen Deiches einleiten will. Sn. der Schaffung des deutschen Einheitsstaates müsse die Siaatspartei ihre geschichtliche Mission erblicken.
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In Nürnberg wurde die „Vereinigung unabhängiger Demokraten" gegründet. Veranlassung zu ihrem Entstehen gab die Gründung der Deutschen Staatspartei. Die Vereinigung vertrete di« Ziele der alten Vorkriegsdemokraten und der Jungdemokraten: entschiedenen Kampf für Schwarzrotgold als Symbol der unerfüllten Forderungen der Weimarer Verfassung, Schutz dieser Verfassung gegen den Mißbrauch des Artikels 48, Kampf gegen offenen und versteckten Antisemitismus, gegen die Bürgerblockbestrebungen, für entschiedenen Pazifismus. Der Gründungsaufruf ist u.a. unterzeichnet von Ludwig Quidde als 1. Vorsitzenden, Helmut von Gerlach, Berlin, Rechtsanwalt Albert Payer, Stuttgart.
Weiterhin rege Auswanderung nach Ltebersee.
Die deutsche überseeische Auswanderung ist nach - den Feststellungen der Reichsstelle für das Aus-' wanderungswesen auch im Juni ziemlich stark ge- "wesen, lieber deutsche Häfen belief sie sich auf 2011 Personen. Gegen April bedeutet das allerdings einen sehr erheblichen Rückgang, da in diesem Zeitabschnitt annähernd 4400 deutsche Auswanderer die Heimat verließen. Das Hauptauswande-
Bayreuther Festspiele.
Von Dr. Hans Echnoor.
Bayreuth. August 1930.
Man rechne sich aus, wieviel Stunden Wagner auf den Tag kommen und man wird zugeben müssen, dah Festspielgenuh in Bayreuth keine Sach« des anspruchslosen Vergnügens ist — nicht einmal für den Zuhörer. Fünfunddreihig Stunden: das ist der erste Festspielabschnitt, das sind: je ein Abend Tannhäuser, Tristan, Parsifal, und dazu der ganze Ding.
Die ersten Aufführungen haben wir hinter uns. Ganze Schwärme von Festspielbesuchern sind vom Parsifal aus in die Aachtzüge gestiegen — merkwürdiger Gedanke: mit den letzten Klangen des Weihefestspiels einzuschlafen und am nächsten Morgen im Schlafwagen in Berlin oder München aufzuwachen —, viele auch kommen erst mit dem neuen „Schub", denn das Aekordjahv 1930 hat Bayreuth zum erstenmal seit langem auch wieder ausverkaufte Aingaufsührungen gesichert.
So ist es ein Kommen und Gehen, ein Trubel ohnegleichen in der kleinen, sauberen, markgräflichen Darockstadt. Schon tagelang vor der ersten Aufführung des Tannhäuser waren die Erwartungen nervös gespannt. Während einer Probe zur Götterdämmerung war Siegfried Wagner, wie offiziell verlautete, an Erschöpfung zusammengebrochen — in Wahrheit lagen die Dinge viel, viel ernster. Schwere Sorge um dos Leben des Hausherrn von Wahnfried drohte alle Demühungen um das Gelingen der Festspiele zunichte zu machen. Aiemand traute den Beschwichtigungsversuchen. Diese Spannung, auch heute noch nicht gelöst, hat selbstverständlich die letzten vorbereitenden Arbeiten gelähmt, zum Teil unmöglich gemacht. Aber wir haben es erlebt: der Bayreuther Organisationsgedanke, die innere Beteiligung jedes einzelnen, das genial zusammenfassende künstlerische Genie so großer Dirigenten wie T o s c a n i n i und Muck hat doch vermocht, daß die alte Festspielidee von Triumph zu Triumph schritt: am lautesten im Tannhäuser, am ergriffensten im Tristan — Toscaninis Tristan! — und Parsifal — Karl Mucks Parsifal!
Von diesen beiden Dirigenten werden alte und neue Wunderdinge erzählt. Don Toscanini natürlich am meisten, denn seine Art war den 'deutschen Orchesterkünstlern nur wenig oder gar nicht vertraut. Aun — in wenigen Wochen hat sich der große italienische Maestro unter den Deutschen begeisterte Anhänger gemacht. Sein Wirken in Bayreuth ist von einer unglaublich schönen, völlig selbstlosen, dienenden Pietät ge
rungs gebiet in dem letzten Berichtsmonat waren die Rheinlande, aus dem 212 Personen nach Uebersee auswanderten, Preußen steht von den deutschen Ländern überhaupt an erster Stelle hinsichtlich der Auswanderungsziffern. Im Juni wanderten von dort allein 961 Personen nach Uebersee aus. An zweiter Stelle folgt Boyern mit 324 Personen, dann Hamburg mit 141 Personen und Baden mit der gleichen Personenzahl. Aus Württemberg roanoerien 128 Personen noch Uebersee aus, und aus Sachsen 92. Im Rahmen der kleinen Länder rangiert Thüringen mit 57 Auswanderungslustigen und Oldenburg mit 22 Auswanderern an der Spitze.
Das Arbeiisprogramm des Reichskabmeiis.
Wahlreform. Pensionskürzuirg und Etatsstreichungcn.
Berlin, 4. Aug. (Priv.°Tel.) Wie wir von zuverlässig unterrichteter Seite hören, wird sich das Reichskabinett mit der Aufstellung eines Arbeitsprogramms für den Herbst beschäftigen. Es geht dabei um eine Reihe wichtiger Reformvorschläge, unter denen in erster Linie di» Wahlreform steht. Der Reichsinnenminister wird aller Wahrscheinlichkeit nach beauftragt werden, bis zum Herbst eine Wahlresormvorlage auszuarbeiten, für die schon eingehende Vorbereitungen seit einer Reihe von Jahren im ReichSinnenministertum getroffen worden sind. Unter den akuten Plänen der Regierung befindet sich weiter u. a. die Frage der P e n s i o n s kürzung. Das Kabinett hat bereits vor ungefähr zwei Wochen diese Frage gestreift, wobei aber gegensätzliche Auffassungen zutage traten, da einige Minister neuerdings eine generelle Herabsetzung der Pensionen von bisher 80 Prozent auf den Vorkriegsstand von 75 Prozent befürworten, während der Reichsfinanzminister augenscheinlich ähnlich dem sozialdemokratischen Vorschlag eine Höchstg renze von 1000 Mark festsetzen will, die aber gewisse mildernde Abwandlungen erfahren soll. So schlägt er vor, bei solchen Beamten, die erst mit dem 65. Lebensjahr ausschei- Den, die Höchstgrenze zu überschreiten, in Fällen einer früheren Pensionierung aber die Höchstgrenze wirksam zu machen, auch wenn ein höherer Anspruch besteht. Ueber diesen ganzen Fragenkomplex. zu dem auch das Probten, der D o p - velverdiener gehört, wird das Kabinett erst die Spezialberatungen beginnen. Für die Programmsitzung des Kabinetts stehen weiter verschiedene Vorschläge des Reichssinanzministers zur Debatte, die sich auf die Aufstellung des kommenden Etats beziehen. Wie wir hören, toill Dietrich am Etat 1931/32 mindestens weitere 50 Millionen einsparen. Darüber hinaus beschäfttgt sich der Finanzminister mit einer Fülle weitgehender Pläne, die auch die E i n n a h rn e s e i t e des Etats betreffen, aber vorläufig noch streng vertraulich behandelt werden.
Sparmaßnahmen im preußischen Schulwesen. Ein Sparerlatz des Fiiranzministcrs.
Berlin, 2. Aug. (CNB.) In einem Sparerlaß des preußischen Finanzministers vom l.Juli, der Sparmaßnahmen auf dem Schulgebiete Vorsicht, heißt es: In einem dreijährigen Programm sollen 10 0 0 0 Lehrerstellen durch Zusammenlegung von Klassen und Schulen eingespart werden. Maßgebend ist dabei folgendes: Wir haben gegenwärtig in Preußen rund 10 200 Junglehrer, davon 7100 katholische und rund 3100 evangelische. Der Bestand an evangelischen Junglehrern wird im Jahre 1931, der an katholischen im Jahre 1936 aufg ebraucht sein. Lehrernachwuchs wird in den nächsten Jahren in geringerem Umfange zur
tragen. Die legere Beliebtheit der Kleidung, die Siegfried Wagner eingeführt hat, läßt — um das äußerliche Beispiel zu geben — Toscanini für seine Person nicht gelten. Stets erscheint er im priesterlich hochgeschlossenen Rock. Und ebenso ist sein ganzes Wesen von einer ernsten Haltung bestimmt. Die Probearbeit muß für Orchestermusiker und Sänger ein unvergeßliches Erlebnis bedeutet haben. „Cantare, cantare“, war das Zauberwort, das zur vollkommenen Verständigung zwischen dem Dirigenten und dem Orchester führte. Ich fragte einen Musiker, wie er sich das Geheimnis dieser Willensübertragung erkläre. Unerklärlich! wurde mir geantwortet. Dieser Mann steht da, singt den ganzen Text des Tristan mit, kennt jede Rote aus dem Kopfe, zeigt nur aufs Herz, ruft nur einmal dazwischen: „oh Bayreuth" (um anzudeuten, wann ihm eine Stelle mißfällt) — das ist alles. Aber wir Musiker fühlen uns in einem Dann, jeder weiß sich kontrolliert, beobachtet, jeder fühlt ihn neben sich am Pulte stehen... Und bei den Aufführungen kommt es vor, dah Toscanini, mit ekstatischem Dlick gleichsam ins Leere visierend, die Chöre, sogar gewisse solistische Stellen mitsingt. So bezaubert er fort- reißend alle — und freundlicher Dank für gelungene Leistungen versöhnt manchen, den vorher vielleicht sein tobender Tadel traf.
Anders, aber ähnlich doch, der deutsche Altmeister der Dirigenten, Dr. Karl Muck. Ein abgeklärter Geist, ein künstlerisches Ohr von äußerster Reinheit und Schärfe bestimmt die Klanggestalt im Parsifal. Unerhört die Vitalität dieses Siebzigers. Ein Dann, der den musizierenden Apparat erfaßt, geht von Muck aus. Es ist wahrhaft der deutsche Toscanini — wenn man nicht gar sagen will: Toscanini — der italienische Muck. So versteht sich artverwandtes Genie, wenn es noch so verschiedener Volkskraft entwuchs, im gemeinschaftlichen Dienft-an einer übernationalen Kunstsachs...
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Am Festspielhügel herrscht in den Pausen der Aufführungen ein ungeheures Treiben. Babylonisches Sprachengewirr kennzeichnet die Situation. Bayreuth, immer schon eine Sammelstätte des gesellschaftlichen und künstlerischen Internationalismus, hat durch Toscaninis Ramen «ine neue Attraktion bekommen. Italien schickte nicht nur seine Kronprinzessin — die nun neben dem ältesten königlichen Festspielbesucher, dem Zaren Ferdinand von Bulgarien, thront —, sondern eine Schar von Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Ebenso ist — man ersieht es aus dem Kennzeichen der Tausend Autos — das angelsächsische Ausland, Frankreich, die Schweiz, Skandinavien sehr stark vertreten. Unter den deutschen Festspielbesuchern bemerkt
Verfügung stehen: die Zahl der Schulkinder geht weiter zurück. Heute sind insgesamt in preußischen Volksschulen 4,3 Millionen Schulkinder gegenüber 6,5 Millionen in der Vorkriegszeit, aller- oings unter Einschluß der abgetretenen Gebiete. Demgegenüber ist d i e Zahl der Lehrer von 117 000 in der Vorkriegszeit, wieder unter Einschluß der abgetretenen Gebiete, auf 111000 gesunken, verhältnismäßig im geringeren Umfange als die Zahl der Schulkinder. Die Klassens re- quenz betrug in der Vorkriegszeit im Durchschnitt 63 gegenüber 38,7 heute. Alle diese Momente können nur zu dem Schluß führen, daß eine allmähliche Einsparung von Lehrer st eilen ohne Anwendung irgendwelcher Härten durchaus möglich ist. Das Einsparprogramm soll sich auf drei Jahre erstrecken. Der Erlaß enthält übrigens nur Vorschläge, zu denen die Ressorts noch Stellung nehmen sollen, ohne daß damit bereits eine Entscheidung getroffen ist.
Kleine politische Nachrichten.
Wegen verbotswidrigen Waffentragens wurden auf Grund der Rotverordnung zwei Personen, die bei der kommunistischen Kundgebung in Berlin festgenommen worden waren, vom Schnellrichter zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Beide Verurteilte wurden in Haft behalten.
Das Arbeitsgericht in Düsseldorf hat alle vom Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband wegen Verletzung der Friedenspflicht durch die Gruppe Eisenindustrie Rordwest angestrengten Klagen abgewiesen. Die Verletzung der Friedenspflicht war in dem Abbau der übertariflichen Angestelltenbezüge auf Grund des Oeynhausener Schiedsspruches erblickt worden. Sn der Begründung des Arbeitsgerichtes wird gesagt, daß die Friedenspflicht durch den konjunkturell bedingten Gehaltsabbau nicht verletzt sei. Die Bewertung der Leistung in der Übertariflichen Bezahlung sei dem Ermessen der einzelnen Werke überlassen und auch abhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage.
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Der Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas ist nach längerer Krankheit gestorben. Haas, eine der führenden Persönlichkeiten der Demokratischen Partei, stammte aus Freiburg i. Dr. Seit 1901 Rechtsanwalt in Karlsruhe, gehörte er dem alten Reichstag von 1912 bis 1918, der Rationalversammlung und sodann seit 1920 wieder dem Reichstag an. Außerdem war er in der badischen vorläufigen Dolksregierung Minister des Innern und bis Iuli 1920 badischer Staatsrat. Er hat ein Alter von 55 Iahren erreicht.
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Landesältester Graf v. Seidlitz-Sand- reczkh auf Oldesdorf ist im Alter von 66 Iahren gestorben. Er gehörte seit 19/8 der Deutsch- nationalen Volkspartet an und hatte sich in einer öffentlichen Erklärung entschieden gegen den aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetretenen Grafen Westarp gewandt.
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Sm Palast der Via Denti Settembve wurde vom italienischen Finanzminister Mosconi und dem Gouverneur der Vatikanstadt Commendatore Serafini eine Münzkonvention zwischen der Stadt des Vatikans und Stallen abgeschlossen. Auf Grund dieses Abkommens übernimmt das römische Münzamt die Prägung der vallkanischen Münzen, die zum regulären Kurs in ganz Stallen zugelassen werden.
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Durch die am 14. September d. S. stattfindenden Reichstagswahlen sieht sich der Gewerkschafts- bund der Angestellten (GDA) veranlaßt, seine nach München einberufene Reichstagung, den 5. GDA-Bundestag und 5. deutschen Angestelltentag, auf den 18. bis 21. September 1930 zu
man mehr bekannte, feine, interessante Köpfe als sonst. Viele Dirigenten ferner, die sich dank mangelnder Sitzgelegenheiten im Zuhorerraum, Glücklich schätzen, den freigebliebenen Platz des Zahtrompeters oder eines überzähligen Hornisten im versenkten Orchester einzunehmen. Aehn- llches erlebte man nur noch damals beim Berliner Gastspiel der Mailänder Scala. Paneuropa der Musik — in Bayreuth ist es zur Tatsache geworden.
Ein Blick auf die Dühnenstatistik dieses Fest- spielsommers beweist, daß Bayreuther Kunst im wesentlichen ein Spiegel deutscher Theaterkultur geblieben ist. Das Orchester wird durch einen Stamm aus der Hamburger Philharmonie gebildet, die ja unter Mucks ständiger Leitung steht, dazu kommen prominente Snstrumentalisten der Staatskapellen Dresden und Wien. Fast alle großen und mittleren Theater Deutschlands haben Mitglieder entsandt, nur Berlin und München treten ganz zurück. Bei den Kräften auf der Bühne macht sich das skandinavische Element sehr vorteilhaft bemerkbar. Hier führt im übrigen Berlin, während wieder Dresden und München zahlenmäßig schwach vertreten sind.
Aber das erlesenste Wagnersängertum darf Bayreuth für sich beanspruchen: Melchior, Schorr, Graarud, Fritz Wolff, Habich, Zimmermann, Kipnis, Andresen, Braun, Scheid!: unter den Damen: Rannh Larsen-Todsen, Maria Müller, Maria Rösler-Keuschnigg, Karin Branzell, Ruth Sost-Arden, Erna Berger. Der Meister der Chöre und des Blumenmädchen-Ensembles im Parsifal, Hugo Rüdel, bekanntlich einer der ältesten Bayreuther, hat selber gestanden, noch nie so viele schöne (Stimmen beieinander gehabt zu haben. Und an diesem Urteil hat amH die großartige Ring-Aufführung unter Leitung des jungen Elmendorfs von den Münchener Staatstheatern nichts mehr geändert.
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Hochschulnachrichien.
Die Ernennung des ord. Professors Dr. Hans E p • ping er von der Universität Freiburg i. Br. zum ordentlichen Professor der inneren Medizin an der Universität Köln als Nachfolger des ernerit. Geh. Medizinalrats Friedrich Moritz wird bestätigt. Eppinger war Schüler unk Assistent bei Nothnagel, Noorden und Wenckebach in Wien, wo er sich auch 1909 habilitierte. Seit vier Jahren wirkt Eppinger als Ordinarius in Freiburg i. Br. — Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung des Professors Ph. A. Becker an der Universität Leip- z i g erledigten Lehrstuhls für romanische Philologie ist ein Ruf an den ord. Professor Dr. Ernst Robert Curtius in Bonn ergangen. Professor Curtius»
verschieben. U. a. werden Rossiger. M. *b. RWR^ über „Der deutsche Angestelltenstand in der Gegenwart": Dr. S. Schepp über „Die Arbeitslosigkeit der Angestellten" und Gustav Schneider über „Die geistigen Grundlagen der GDA-Ar- beit" sprechen.
Aus aller Welt.
Lin Poskflugzeug stürzt in den Genfer See.
Das Postflugzeug, das den Dienst zwischen Lausanne—Ouchy und Svian (Savoyen) versieht, stürzte in der Rähe von Lausanne in ten Genfer See. Die aus zwei Mann bestehende Besatzung erlitt schwere Verletzungen. Don den drei Passagieren sind zwei ertrunken, der dritte, eine Dame, wurde schwer verletzt und ist im Krankenhaus gestorben.
Drei Kinder verbrannt.
Ein schweres Brandunglück ereignete sich in der Pariser Vorstadt Vitry. Eine Frau hatte ihre vier Kinder in dem von ihr bewohnten Holzhaus einen Augenblick allein gelassen, um Einkäufe zu machen. Während ihrer Abwesenheit brach ein Brand aus, und von den vier KtnRNm tarnen ein Junge im Atter von sieben Monaten und zwei Mädchen von zwei und vier Jahren ums Leben. Das vierte Kind konnte von Nachbarn gerettet werden.
Lin Kaufhaus eingeäfcheri. — Zwei Kinder verbrannt.
In dem Kaufhaus Becker & Salinger in Saalfeld brach in den späten Abendstunden in einem der Schaufen st er ein Brand aus, der sich mit großer Geschwindigkeit über das gesamte Verkaufslokal ausbreitete und in dem vierstöckigen, zumeist aus Holzfachwerk bestehenden Hause so reiche Nahrung fand, daß innerhalb kurzer Zeit das ganze Gebäude ein Raub der Flammen wurde. Zwei Kinder, die sich in dem Hause befanden, kamen in den Flammen ums Leben.
Außenpolitische Umschau.
Don Or.OttoHoehsch, o. ö. Prof, der Geschichie an der Universität Berlin.
Der Flottenpakt von London ist von Präsident Hoover unterzeichnet. Der Streit, der schon im Hinblick auf die kommenden Neuwahlen die Innenpolitik sehr zu belasten drohte, ist beseitigt. Mit großer Mehrheit, 58 gegen 9 Stimmen, hat der Senat den Pakt genehmigt, und zwar ohne Vorbehalte, nur mit der Voraussetzung, daß keine geheimen Abreden bestünden. Dieser Ausgang ist ein persönlicher Erfolg von Hoover, den er allerdings auch sehr brauchen kann. In Amerika selbst erkennt man an, daß der Vertrag die Sicherheit Amerikas durchaus nicht gefährdet, sondern gewährleistet, daß er ein erster, wirklicher Vertrag, wenn nicht über die Abrüstung, so doch über die B e - grenzung von Abrüstungen ist. Für die drei Vertragschließenden, Amerika, England und Japan, bindet er ja nach oben nunmehr sämtliche Klassen von Kriegsschiffen.
Hoover hat mit Recht betont, daß darauf eine weitere Abrüstungspolitik aufgebaut werden könne. Er hat nicht gesagt — obwohl ihm das sicher klar ist — daß das nur möglich ist, wenn Amerika den gleichen Druck wie in London auch in Genf und in bezug auf die ßanbrüftungen ausübt. Und er hat gleichfalls nicht gesagt — was er natürlich ebenfalls weiß — daß dieser Flottenpakt vor allem eine englisch - amerikanische Verständigung ist und Amerika einen ungeheuren Einfluß auf drohende Seekonflikte gibt. Schließlich hat Hoover auch nicht angedeutet, was sich aus Teil 4 dieses Paktes, der das U-Vootsrecht regeU, von selbst ergibt: daß der Weg nun weiter zum Kampf um d i e Freiheit der Meere führen muß. Für derartige weiterweisende Forderungen ist ja die öffentliche Meinung Amerikas, die heute vor
dessen Sondergebiet die neuere französische Literatur ist, ist 1886 zu Thann im Essaß geboren. In Straßburg bestand Curtius das Staats- und Doktorexamen und wurde 1913 Privatdozent in Bonn. 1919 kam Curtius nach Marburg, fünf Jahre später nach Heidelberg und 1929 nach Bonn. — Professor Dr. Walther Vogt in München hat den Rus auf den Lehrstuhl der Anatomie an der Universität Zürich als Nachfolger des verstorbenen Professors Walter Felix angenommen. Vogt ist 1888 zu Kiel geboren, studierte in Marburg und München, war Assistent in Marburg, später Prosektor in Rostock und Marburg und habilitierte sich dort 1917. 1919 kam Vogt als Prosektor nach Würzburg 1923 nach München, wo er zum planmäßigen a. o. Professor der Anatomie ernannt wurde. — Universitätsprofessor D.Dr. Wilh. S t ä h l i n in M ü n st e r hat den Ruf auf den Lehrstuhl der praktischen Theologie an der Universität Heidelberg als Nachfolger des ernerit. Geh. Kirchenrats Professor D. Johannes Bauer angenommen. Professor Stählin, der aus Gunzenhausen gebürtig ist, promovierte 1913 in Würzburg zum Dr. pnil. Seit 1906 als Hilfsgeistlicher tätig, wurde er später Pfarrer in Egloffstein (Oberfranken) und 1916 Pfarrer an St. Lorenz in Nürnberg. 1926 erfolgte seine Berufung zum Ordinarius der praktischen Theologie in Münster als Nachfolger von Smend. — Dem früheren Privatdozenten an der Straßburger Universität Professor Dr. theol., med. etphil. Albert Schweitzer ist ein Lehrstuhl für neuteftamentüche Wissenschaft in Leipzig angeboten worden. Der bekannte Theologe, Kultur- Philosoph, Arzt, Organist- und Bachforscher ist 1875 zu Kaysersberg (Öberelsaß) geboren, studierte in Straßburg Theologie und Philosophie. Nach Absol- vierunq des theologischen Examens in Straßburg studierte er Philosophie und Musik in Paris und Berlin und erwarb 1899 die philosophische Doktorwürde in Straßburg. 1901 wurde er Lizentiat der Theologie in Straßburg und habilitierte sich dort. 1905 begann er neben "feiner Lehrtätigkeit in der theologischen Fakultät Medizin zu studieren, um sich später im philanthropischen Dienste in Aequatorial- afrifa zu betätigen. Mit Hilfe von Freunden wurde es ihm möglich, die Mittel zur Gründung eines bescheidenen Spitals in Lambarene (Aequatorialafrika) zusammenzubringen. Im Frühjahr 1913 begann er dort mit feiner Frau, der Tochter des Straßburger Historikers Harry Breßlau, seine Tätigkeit. Schweitzer ist einer der Mitbegründer der Pariser Bach-Gesell- schäft. Er hat die Begleitung Bachscher Kantaten an der Orgel zu feinem besonderen Studium gemacht. Professor Schweitzer ist Dr. theol. h. c. von Zürich und Dr. phil. h. c. der Deutschen Universität in Prag und Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1928 wurde Schweitzer der von der Stadt Frankfurt a. M. gestiftete Goethe-Preis oer- liehen.


