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bruchartigem Regen und Hagelschlag nieder. In der Gemeinde Groß-Rechtenbach stand der tiefergelegene Dorfteil unter Wasser, weil die Kanalisierung die großen Wassermengen nicht alle aufzunehmen vermochte. 5n der Röhe von Lützellinden schlug der Blitz in di« elektri - sch e Hochspannungsleitung ein, so daß mehrere Gemeinden am Samstagabend ohne Licht waren. In Niederkleen traf der Blifr die Kirche und beschädigte die Kirchen- orgel, außerdem schlug er in einen Pferdestall ein; in beiden Fällen glücklicherweise ohne zu zün­den. In Ebersgöns verbrannte durch Blitz­schlag eine große Anzahl Getreide -

der Kornblumengasse eine stiefmütter­lich behandelt wird;

der Stein st raße Betonbauten aufgeführt werden;

der Wettergasse Windstille herrscht;

der D r a n d g a s se die Liebe «faltet;

der Draugasse Wasser getrunken wird;

der Rittergasse kein Wert auf gute Ma­

tz a rb e n auf dem Felde, in Oberkleen wun­den durch Blitzschlag eint Anzahl Hühner g e t ö t e t. Aus den Feldern ha, das Unwetter zum Teil erhebliche Lerwü st ungen angerichtet. Die Wassermassen hoben bie Getreidegarben fort- geschwemmt und in den Tälern sich durch noch nicht abgeerntetes Getreide einen Weg gesucht. Von Obst­bäumen wurden dicke Aeste abgerissen. Der durch das Unwetter angerichtete Schoden ist erheblich

nieten gelegt wird.

Taten für Dienstag 5. August.

Sonnenaufgang 4.28 Ahr, Sonnenuntergang 19.43 Ahr. Mondaufgang 18.1 Ahr, Mondunter- gang.

1850: der französische Schriftsteller Guy de Maudassant auf Schloß Miromesnil geboren; 1895: der Sozialist Friedrich Engels in Lon­don gestorben; 1905: der Schriftsteller Paul von Schiönthan in Wien gestorben.

Hornottzcn.

T a g e s k a l e n d'e r für Montag. Schützen- verein Gießen: Monatsvcrsammlung 20.30 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Wenn du einmal dein Herz verschenkst" undDie Lady von der Straße".

Dritter Gieherier Ferienkurs.

Vortragsabend Isolde Kurz:

Aus eigenen werken.

2m Donnerstag las Isolde Kurz Saale des Kunstwissenschaftlichen Instituts

Aus der provinzialtzaupistadt

Gießen, den 4. August 1930.

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Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Morgen findet im Sommerabonnement die »ung des LustspielsDer Deilchenfrester" ic Regie führt Hans lannerl, der auch die Hauptrolle spielt. Beginn um 20 Uhr, Ende um 22.30 Uhr.

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r(5rof Zeppelin^ unterwegs nach Darmstadt.

Friedrichshafen, 4. Aug. (WTB. Funk­spruch.) Das Luftschiff ^Graf Zeppelin", das gestern wegen schlechten Wetters nicht aussteiaen konnte, ist heute früh um 7.30 Uhr mit 26 Passa­gieren an Lord unter Führung von Kapitän Leh­mann zu seiner Landungssahrt nach Darm- ftadt gestartet. An der Fahrt nehmen auch die hessischen Minister Staatspräsident Dr. Adelung, Lcuschner und Kirnberger sowie als Ver­treter der Stadt Darmstadt Oberbürgermeister Dr. Müller und Bürgermeister Delp teil.

ösische fiiteralur iren. In Girafr d Doktorexamen sonn. 1919 kam 'pater ftrDr.W- i Xuf auf ien

Zürich st sors Walter Kiel geboten, war AUent toi unb Mar. [919 tarn W nach Machen, r der Anatomie |or D.Dr.M 4 auf t>«n Stjfl b« U«"T >s emet'l. vch. Sauer angenom- unicnhauien ge ,er tätig, wur°e erfranken)^

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Preußen.

Kreis Limburg.

WSR. Limburg, 2. Aug. Der Landwirt! Ehristian Philipp Gerhard in Nauheim be­fand sich mit seinen beiden Söhnen im Alter von vier und sechs Iahren bei Feldarbeiten, als sich plötzlich ein großer Bienenschwarm über die Ahnungslosen hermachte und den drei Per­sonen und dem Pferd heftig zufehte. Der Land­wirt und die Kinder, besonders das jüngste, wurden namentlich am Kopf so schlimm zu- gerichtet, daß sich ihre Acberführung ins Ämburger Krankenhaus als notwendig erwies.

Die Weiterlage.

sterium für Kultus und Bildung-Wesen erließ an sämtliche unterstellten Behörden die nach­stehende Dersügung: . Zur Beseitigung von Zwei­feln wird folgendes bemerkt: Am DerfassungS- tagc sind in allen Schulen für Lehrer und Schüler verbindliche, der Bedeutung des Tages ent­sprechende Feiern zu veranstalten. Bei der Fest­legung dieser Schulfeiern ist Rücksicht auf die anderen Deranstaltungen des Tages, soweit sie der Derfassungsfeier gewidmet sind, zu nehmen; gegebenenfalls kann die Schulfeier in den Rahmen einer allgemeinen Feier des TageS eingegliedert werden. Fällt der BerfassungStag in die Schul­ferien, so finden die Gedenkfeiern frühestens acht Tage vor Schluß oder spätestens vierzehn Tage nach Wiederbeginn des Anterrichts statt. Auch in diesem Falle fällt der Unterricht aus. Wegen der Fortbildungsschule ergeht besondere Ver­fügung. Auf das Ausschreibcn des Gesamt- ministeriumS vom 14. Iuli 1930 zur Rr. 6t. M. I 7132, den BerfassungStag 1930 betreffend, und die hierzu durch die Presse erfolgte Veröffentlichung Die Feier des DerfassungstageS in Hessen" mache ich besonders aufmerksam."

Aufgehobene Straßensperren. Mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Elub (A. v. D.), Dießen: Die Sperrung der Ortsdurch­fahrt Lollar und die Sperrung der Orts­durchfahrt Rieder-Florstadt werden ab 4. August aufgehoben.

Strahenherstellungen. Die Straße »Am R i e g e l p f a d" wird zur Zeit in dem von der Ludwigstratze zur Liebigstraße führenden Teil neu hergcrichtet. Die Fahrbayn wird zunächst mit groben Steinen besetzt, bann mit Klernschlag und Asphaltteerdecke versehen. Die Strahensink- kasten werden ebenfalls erneuert. Aus der linken Straßenseite wird, den Wohnhäusern entlang, ein schmaler Bürgersteig mit Randsteinen aus­geführt; auf der rechten Seite wird zur Desefti- gung der Böschung der Eisenbahnstrecke Gießen Gelnhausen eineBetonmauer errichtet. Von der Moltkestrahe links abbiegend wird in Ver­längerung der Roon st raße eine neue Straße in Angriff genommen. Diese führt rechts an der Eisbahn vorbei und läuft parallel mit dem Eichgärtcnwcg. Der Ausbau desKanal- neheS und die Errichtung der bedeutend höher gelegten Straßensinkkasten erfolgte bereits in die­sem Frühjahr bis etwa zur Höhe des Schulhaus­neubaues östlich der Wolsstraße. Gegenwärtig wird diese Strecke aufgefüllt.

** Ein kräftiges Gewitter mit star­ken Riederschlägen ging am Samstag zwischen 17 und 18 Ahr über unserer Stadt nieder. Das Anwetter zog aus der bekannten Wetzlarer Ecke herauf, wo es wie an anderer Stelle unseres heutigen Blattes in einer Mel­dung aus dem Hüttenberg näher berichtet wird ansehnlichen Schaden verursachte. In unserer Stadt hat es, soweit uns bis jetzt bekannt wurde, weiter kein Anheil angerichtet, abgesehen von einigen Stauungen der Regenmassen an Abfluß- ftellen, wo die Feuerwache rasch Hilfe brachte.

Oberheffen.

Landkreis Gickcn.

t £ r e i 3 a. d. Lumda, 3. Aug. Der hiesige Raiffeisenverein hielt feine diesjährige Hauptversammlung bei Gastwirt Amend ab. Revisionsbeamter I o l k (Gießen) trug die Bilanz vor, die von einem guten Stand des Vereins zeugte. Es wurde beschlossen, vom 1. August ab Sparmarken auszugeben, statt der seitherigen fünfprozentigen Dividende. Der Verein ist der RaifseiseneintaufSgenoisenschaft bei­getreten. Zum Vorsitzenden wurde Philipp Klein 11.. zu seinem Stellvertreter Karl Heyer I., zum Beisitzer Kaspar Euler ge­wählt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mit­glieder des Aufsichtsrates Friedrich Rabenau und Balthasar I u n g wurden einstimmig wie­dergewählt.

Londorf, 3. Aug. Heute mittag vergnügte sich das 10 Iahre alte Tächte rche n des hiesigen Einwohners Göbel damit, auf der Straße mit dem Roller zu laufen. Dabei kam das Kind zu Fall und stürzte so unglücklich, daß es einen Oberschenkelbruch davontrug. Die bedauernswerte Kleine muhte nach erster ärzt­licher Hilfeleistung von der Freiwilligen Sani- tälskolonne vom Roten Kreuz in Gießen der Chirurgischen Klinik in Gießen zugesührt werden.

Kreis Büdingen.

Ridda, 3. Aug. Der seit seiner Schul­entlassung nunmehr 36 Iahre in Amerika woh­nende Kaufmann Iulius Daub im Bronxh Staat Reuyork, Sohn dcs hier verstorberer Händ­lers Meyer Daub, hat für die hiesige Klein­kinderschule 1000 Dollar und für die Synagoge hier ebenfalls 1000 Dollar überwiesen. Für die Feier der Fünfzigjährigen unserer Stadt sandte er im Mai d. I. 100 Dollar. Diese Beweise der Liebe zu seiner Vaterstadt verdienen Dank und Anerkennung.

Kreis Schotten.

* Michelbach, 1. Aug. Am Sonntag. 10. August, findet hier die Einweihung des Denkmals für die Gefallenen des Welt­krieges aus unserem Orte statt.

Preußen.

Schwere Llnwetterschäden im Hüttenberg.

Drahtbericht desG.. Anz.")

mittag ging über die Gemeinden des Hüttenberges ein schweres G e Witter mit roölten-

aHen sich mit der Wirtschaftskrise beschäftigt, nicht zu haben.

England ist gefolgt. Auch Macdonald hat, gegen eine nutzt besonders große Opposition, die Ratifikation des Beitrages durchgedrückt. Es gab hier nur noch eine Auseinandersetzung eben über die neuen Bestimmungen des U-DooUrreges, indem ein Konservativer die Wiederherstellung des Wa­shington-Vertrages von 1921 forderte. Aber das war unmöglich und hat vom englischen Standpunkte aus auch keinen Sinn, da ja England in U-Boot« fragen nach seiner ganzen Lage der schwächste Teil ist, daher eine solche Fesselung des U-Loolkrieges, wie sie der Artikel 22 Vorsicht, nur begrüßen kann.

Fehlt noch Japan. Ader auch da ist die Ratl- sikation sicher, indem man sich mit der Opposition geeinigt hat. Japan erklärt sich zur Ratislkation bereit, null aber die Beschränkungen seiner Ver­teidigung, die der Vertrag enthalle, durch andere Maßnahmen ausgleichen und bei der nächsten Flottenkonserenz 1936 auf dem Verhältnis von 70 o. H. in allen Schisfsklassen bestehen. Das kann Japan einseitig erklären, die anderen Mächte neh­men das einfach zur Kenntnis. Mehr kann Japan nicht tun. Denn wenn England und Amerika sich verständigen, bleibt es gefesselt und gezwungen, sich zu fügen. Allein ist es zu schwach aegen diese beiden anderen eine unangenehme Situation, in der Japan seit dem Zusammenbruch Rußlands hoff­nungslos steckt und die auf seine ganze Haltung in allen großen Fragen zurückwirkt. Das haben wir in Paris und im Haaa beim Doungplan ebenso gemerkt,'wie man es in Genf immer spürt.

In Moskau ist der langerwartete Wechsel im Außenministerium endgültig eingetreten. Der schwerkranke Tschitscherin ist ausgeschie­den, und ist auch nicht wieder in das Zentralkomitee der Partei gewählt worden. Formeller Nachfolger wurde Litwinow, der schon lange das Amt ge­leitet hat. Unter seinen Vertretern wir würden sagen Staatssekretären tritt danach ein Wechsel ein, indem zwar Karachan, der Ostspezialist, die­ses Gebiet (China usw.) behält, aber zweiter wird und als erster Vertreter für den Westen, also (Europa, der dafür besonders zuständige bisherige Botschafter in Berlin, Krestinski, berufen wird.

Litwinow hat sich der Presse gegenüber über die Außenpolitik Rüglands geäußert, die sich nicht ändere. Stalin hat diese ja auch in der großen Rede vor dem Parteitag festgelegt unb das Außenkom- miffariat kann eine eigene Politik gar nicht machen. Also friedliche Politik und Wirtschaftsbeziehungen mit den anderen Staaten, wobei Litwinow ganz interessant differenzierte, daß Rußlands Sympa- thien bei den Völkern lägen, die ungerechtfertigter­weise die Kriegslasten zu tragen hätten, man aber natürlich auch mit den anderen Staaten gute Be­ziehungen anstrebe. Damit schließt sich Litwinow gewissermaßen dem Lager der Revisionisten an, was völlig in der Linie der russischen Außenpolitik liegt, und wiederum auch hinweist auf die Paralleli­tät der Interessen Deutschlands und Rußlands etwa in Fragen des Briandschen Paneuropaplans oder der Abrüstung.

Litwinow Hat gleich zwei recht schwierige Auf­gaben. Die Schuldenverhandlungen mit England haben begonnen, eine russische Dele­gation ist schon in London. Das werden sehr schwie­rige Auseinandersetzungen. Belaufen sich doch die russischen Vorkriegsichulden an England auf nicht weniger als 925 Millionen Pfund. Die russische Seite rechnet diese Verpflichtung allerdings nur auf 400 bie 500 Millionen Pfund. Aber auch das ist eine ungeheure Summe 10 Milliarden Mark, die Rußland im ganzen gar nicht auf sich nehmen, geschweige denn aufbringen kann. Mit der Anerlen- nung dieser Schulden, zu der sich Stalin bereit er­klärt hat, verbindet Rußland aber die Forderung auf Kredite, was die Gespräche er ft recht nicht er­leichtern wird. Auch wird Frankreich das seine tun, schon zur Wahrung seiner Interessen, um die Verhandlungen nicht zu leicht werden zu lassen.

Gleichzeitig kam ein sonderbarer Dorstoß aus Amerika, wo die Einfahrt von Handelsschiffen mit russischen Rohstoffen verboten wurde unter der Begründung, daß deren nur durch Sträflings- arbeit möglich aeroorbenen niedrigen PreiseD u m- pingpreife* seien. Das wirb mit allgemeinen Angriffen auf bie kommunistische Agitation im Lande verbunden, dahinter aber steht die Krise im Land, der Wunsch, den eigenen Markt in diesen kritischen Verhältnissen möglichst von fremder Kon­kurrenz freizuhalten. Darüber aber können die Han­delsbeziehungen zwischen Amerika und Rußland zunächst einmal vollständig in Bruch gehen.

Aus der Wirtschaftskrise heraus ist ein sehr in- teressanicr Vorgang in Südosteüropa entstan­den. Unmittelbar nach der Konferenz der Kleinen Entente hat in Bukarest vom 21. bis 25. Juli eine Agrarkonferenz zwischen Rumänien, Jugo- slawien und Ungarn stattgefunden. Interessant schon darum, weil es die erste gemeinsame Konfe­renz Ungarns, Rumäniens und Jugoslawiens war, also quer durch bie Kleine Entente, zwischen ben beiben Lagern ber Sieger und ber Be­siegten in Sübofteuropa. Ocgenftonb ber Beratung war ber Fragebogen, den die Genfer Zollkonserenz im Februar an alle Staaten zu versenden be­schlossen hat. Aber eigentlich handelte es sich um bie Beratung, ob ein Zusammenschlug zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der G e treideproduktions- und Oetreibeauü- fuhrländer möglich sei. Also ein Agrarblock der Produzenten, der sich mit ben großen Fragen ber Handelspolitik zu gemeinsamer Stellungnahme be­schäftigte: gegen bie Mcistbegünstigungsklausel unb für bie Ibee etwa eines Getreibekartells, vielleicht auch eines Ausfuhrmonopols in Getreide, auch in einer gemeinsamen Tarifpolitik, um so bie Gegenseitige Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu be- feitigen unb die Getreidepreise gemeinsam hochhalten zu können. Das führt bann selbstverständlich zu hohen Zöllen gegen fremdes Getreide unb zu ber Idee, mit ben Jnbustriestaafen über feste Kontin­gente zu verhandeln.

Es war eine erste Besprechung, aus ber praktisch noch nichts herauskam. Ader auf jugoslawische Ini- tiatioe geht es weiter, neue Konferenzen folgen, an denen sowohl bie Tschechoslowakei wie Bulgarien beteiligt werden sollen und von denen man bann aber Polen fernhalten will. Denn das hat sich gleich eingemischt unb versucht, eine Art Führung in einem Agrarblock bes Süd- ostens unb Ostens in die Hand zu bekommen. Dies aber i[t natürlich politisch ber Tschechoslowakei wenig erwünscht, wirb auch zu keinem Erfolge ühren. Der Vorgang selber im ganzen ist, wie ae- agt, sehr wichtig: die Idee eines Zusammenschlusses )iefer Agrarländer unb bie neuen Jbeen unb For­men einer Handelspolitik nach ihren Interessen. Es ist gewissermaßen die Uebernahme ber Forberungen der sog.grünen Internationale" burch eine Anzahl von Regierungen, deren Volkswirtschaft ganz be­sonders baran interessiert ist.

Oie ersten Wafferskier auf dem Rhein.

WSN. B i n g c n , 3. Aua. Samstag hatte Bingen eine kleine Sensation: Zwei Männer gingen über ben Rhein, so wie anbere über eine Promenade gehen, und zwar von Bingen nach Rübesheim. Es waren Professor M i 11 e r vom Gymnasium in Wien unb sein Begleiter F. H i r s ch, die den Rhein mit Wa s s e r s k i e r n überschritten. Prosessor Milter will demnächst auch den Aermel- konal mit seinen Skiern überschreiten. Außerdem wollen die beiden in diesem Sommer noch eine Wasserskitour von Bingen aus durch da» Binger Loch nach Köln und zurück machen. In Rübesheim stiegen bie beiben Wasserläufer ans Lanb, verstauten ihreEntenfüße" im Rucksack unb legten anschließenb am Nationaldenkmal einen Kranz nieder, dessen Schleise die Aufschrift trua: Erstdefahrung des Rheins mit Mas­se r s k i Die österreichischen Wasserskiläufer dem freien Rhein". Die Bevölkerung von Bingen und Aßmannshausen nahm die beiden kühnen Vor­kämpfer eines neuen Sports mit großer Begeiste­rung auf.

eigenen Werken. Die greife Schriftstellerin, an dec sieben Iahrzehnte spurlos Darüber gegangen sind, fesselte ihre Hörer durch eine kluge, knappe Auswahl vom ersten bis zum letzten Wort.

Sie begann mit einer älteren Novelle »Das Rätsel* (1895), die das alte und ewig neue Problem des Persönlichkeitsverlustes in die ge­heimsten Falten der menschlichen Psyche verfolgt. Der namenlose Unbekannte, der nicht weiß, wer er ist, und der schließlich in italienischen Stein­brüchen seinen Tod findet, istdurchgebrochen durch den Boden deS Ichs, durch das Gesetz der Individuation, in- Deich deS reinen Sein-". Eine Deriörperung alter indischer Weisheit, die die Persönlichkeit in einem glücklichen Rirwana auslöschke, zerschellt er an den harten Forde­rungen der Außenwelt, die ihm zur Scheinwelt wird, und der Konflikt ber beiden Existenzen treibt ihn in den Wahnsinn. Prächtige Schilde- rungen der von der Verfasserin so innig ge­liebten norditalienischen Landschaft tauchen Die Geschehnisse in eine Glut südlicher Farben und schaffen einen packenden Gegensatz zu den seeli­schen Zermarterungen des unglücklichen Helden.

Es folgte eine Erzählung aus dem Manuskript, Wie die Florentiner Pisa behütc- t c n", eine spannende Geschichte von Bundcs- treue, junger Liebe, Verrat und hartem Llrteils- spruch. Frohe Lebenslust spricht aus dieser auf einen geschichtlichen Vorfall gegründeten Zabel, der selbst ihr tragischer Ausgang nichts von ihrer heißblütigen Ledenbejahung rauben kann. In der Zeit, da die Pisanen auf Kriegsfahrt gegen Mallorka gezogen waren, lagerte das florentinische Heer vor den Mauern Pisas, die befreundete Stadt vor räuberischem lieberfall zu schützen. Strenger Befehl für die Florentiner, das Innere der Stadt nicht zu betreten. Aber der junge Florentiner Zanobbi, der auS der Ferne Orsola, die Tochter des Pisanischen Stadt­kommandanten gesehen und in Liebe zu ihr ent­stammt ist, weiß sich trotz deS Verbots Eingang in die Stadt zu verschaffen und die Geliebte zu erringen. Unter einer lllme besiegelt das Paar seinen Bund, im uralten Ritus der Baumehe, deren Rechtmäßigkeit niemand im Volke bezwei­felt. Aber durch bösen Verrat kommt die heim­liche Ehe vor der Zeit an den Tag. Zanobbi büßt seinen Ungehorsam am Galgen, Orsola stürzt sich von den Zinnen Pisas in den Tod; an dem Verräter wird die Ulme, die den Bund gesegnet, zum Rächer. Auch in diesem späten Werke ent­zückt die lebendige Frische, mit der die Fülle der handelnden Personen gezeichnet ist, die reine Lebensweisheit, die auch tragisches Geschick mit freundlichem Schimmer zu verklären weiß und die das Leben in seiner ganzen Buntheit einfängt. Den Schluß des Abends bildete die düstere Bal­ladeDer M ar meni11", eine Erneuerung jener alten Sage von dem weisen Rordlandfische, der neugierigen Fragern zu ihrem eigenen Unheil Rede steht.

Die stattliche Zuhörerschaft huldigte der Resto- rin der deutschen Schriftstellerinnen, deren Lese­abend einen Höhepunkt des Ferienkurses be­deutete, durch herzlichen, dankbaren Beifall.

W. F.

Neue städtische Wohnhausbauten.

Nachdem die städtischen Wohnhausbauten am ver­längerten Asterweg zur Hälfte bezogen sind unb bie andere Hälfte bis zum 1. Dezember bezugsfertig hergerichtet fein soll, wird nunmehr in der Schwarzlach ein weiteres städtisches Wohnhausprojekt in Angriff genommen. An der v e r l ä n g e r t e n S ch o t t st r a ß e soll ein Wohnhausblock mit 30 Wohnungen er­stehen, der in der gleichen baulichen Weise wie am verlängerten Asterweg gehalten sein soll. Die in dem Neubau zu schassenden Wohnungen sollen je zwei Zimmer mit Wohnküche und entspre­chendem Zubehör enthalten und je 50 Qua­dratmeter Nutzfläche haben. Die Ausschreibung der Arbeiten wird morgen erfolgen. Der Beginn der Arbeiten ist für Ende August vorgesehen. Der neue Wohnhausblock soll bis 1. November im Rohbau fertiggestellt sein, die Wohnungen sollen vorausicht- lich am 1. März nächsten Jahres bezogen werden können. Die Baukosten belaufen sich auf rund 200 000 Mark. Die Stadt erhält zu diesem Wohn- Hausbau Geldmittel aus dem Reickskredit zur Ar- beitsbeschaffung, die als zweite Hypothek einzu- tragen sind. Die gesamte Ausführung des Baues steht unter ber Leitung des städtischen Hochbau- amtes, das auch den Bauentwurf angefertigt hat. Erfreulicherweise wird hierdurch wiederum dem Kleinwohnungsbedürfnis in ansehnlichem Maße Rechnung getragen und zugleich dringend erwünschte Arbeitsgelegenheit geschaffen.

Was ist paradox?

Wenn

in der Sonnen st raße Finsternis herrscht; in der Lowengasse fleischlos gegossen wird; in der Schütz en st raße Schießen verboten ist; im Teufelslustgärtchen ein Engel traurig wartet;

in der Hundsgasse Kühe gehalten werden; in der Grleng ässe ßinben stehen;

in der Bergstraße niedrige Gesinnung herrscht; Am Mittelweg keiner diesen fiirdet:

ngefjeuren Gin- Schließlich hat sich aus Teil 4 chl regelt, von ter zum Kampf e führen muß. lerungen ist ja die heute vor

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Wettervoraussage.

Die Witterung Deutschlands bleibt weiterhin im Banne der ausgedehnten britischen Störung. Ein Tcilwirbel lag heute morgen über dem Kanal und hat bis in unseren Bezirk hin schon Niederschläge verursacht. An der Südseite des Störungsbereichcs und später mehr an der Rückseite schließen jetzt kühle ozeanische Luftmassen nach dem Festlande hin an und gestalten das Wetter fernerhin unfreundlich. Bei wechselnd bewölktem Himmel, wobei vorüber­gehend auch Aufheiterung eintreten kann, werden des öfteren noch meist schauerartig« Niederschläge austreten. Die Temperaturen bewegen sich dabei in mäßigen Grenzen.

Aussich ten sür Dienstag: Unfreund­liches Wetter mit vereinzelten Riederschlügen, mäßig warm.

Lufttemperaturen am 3. August: mittags 20,6 Grad Celsius, abends 16,5 Grad; am 4. August: morgens 14,7 Grad. Marimum 21,6 Grad, Minimum 13,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. August: morgens 16,6 Grad. Niederschläge 0,2 Millimeter. Sonnenscheindauer 7 Stunden.

Reifewetterdienst.

Garmisch-Partenkirchen. 12 Grad, heute morgen heiter bis halb bedeckt.

Westerland auf Sylt. 16 Grad, gestern der Iahreszeit angemesssene Temperatur, ©üb» wind, heute morgen halb bis ganz bedeckt._______

Verantwortlich für bas Feuilleton L V.: l)r. Fr. W. Lange.

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