Ausgabe 
4.6.1930
 
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schwierige Finanzlage zu beheben. Die Gemeinden werden sich damit abfinden müssen, daß das Land in seiner großen Finanznot den für die Gemeinden sehr vorteilhaften Finanzausgleich in bescheidenem Almfange zu seinen Gunsten zu ver­be s s e r n sucht. Ich verkenne dabei keineswegs Wie schwierig die Finanzlage in einem großen Teil der Gemeinden heute ist. Schließlich hat noch

die Personalpolilik

Kritik hervorgerufen. Herr Dr. Keller kündigte sogar Hessens Untergang an, wenn weiter unge­lernte Außenseiter in wichtige Verwaltungsposten hereingenommen würden. Ich befinde mich bei dieser Personalpolitik aber in bester Gesellschaft, denn Deutsche Volkspartei und Deutschnalionale haben Herrn Dr. h. c. Koch zum Reichsverkehrs- Minister im Bürgerblocktabinett im Jahre 1928 gemacht. Der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Mittelmann hat damals in genau derselben Weise wie hier sein Parteifreund Dr. Keller gegen die Qualifikation des Herrn Dr. Koch zum führenden Verwaltungsmann Attacke geritten, weil Herr Dr. Koch ehemals Schreiner gewesen ist. Die Antwort, die ihm der deutschnationale Abge­ordnete Quaah darauf gab, sei auch meine Ant­wort an Herr Dr. Keller. Er sagte:Bei diesen Stellungen kommt es nicht darauf an, welche Schule man durchlaufen hat, sondern wie die Schule des Lebens gewesen ist, die der Be­treffende durchmessen hat. Ich kenne keinen häß­licheren Hochmut als den Hochmut der Bildung." Treffender kann man auch nicht zu den personal- politischen Maßnahmen der hessischen Verwaltung Stellung nehmen.

Oie Stellung der Parteien.

Abg. Weber (Soz.) wünschte, die einheitliche Gemeinde- und Verwaltungsreform, welche be­reits im September dem Landtag vorgelegt wer­den, da an der Vorlage bereits seit vier Jahren gearbeitet werde. Die Einführung der Dezirks- bürgermeistereien Hessens ist zu prüfen. Da wir Sozialdemokraten am Staat Anteil haben, müs­sen auch Leute unseres Geistes an führende Stellen treten, wozu uns die Tätigkeit des nationalsozialistischen Ministers Frick in Thüringen ermuntert. Das gilt n a - mentlich für die Polizeiverwaltung, die auch bei einmal sich änderndem Wind repu­blikanisch bleiben muß. Wollen wir den durch Erwerbslosigkeit besonders bedrängten Kreisen und Gemeinden helfen, dann muß die Regierung durch Arbeitsbeschaffung bahnbrechend vorangehen. Mieterhöhungen sollten vom Innen­ministerium nur genehmigt werden, wenn die übrigen Steuern bis zum Höchstmaß ausgeschöpft sind. Das Treiben der Rationalsozialisten macht die größte Aufmerksamkeit des Innenministeriums notwendig.

Abg. Dr. Keller (Z.) legt ein Bekenntnis der kommunalen Selbstverwaltung ab, die auch bei Eingemeindung zu wahren sei. Zwangsein- gemeindungen lehnen wir ab. Aufhebung oder Zusammenlegung von Kreisen wollen wir ver­meiden. Auch Bezirksbürgermeister brauchen wir nicht. Der katholische Dolksteil ist in der Zahl der höheren Beamten nicht paritätisch vertreten. Das Prüfungssystem für den Innendienst ist überspannt und muh zugunsten praktischer Zeug­nisse abgeändert werden.

Abg. Schreiber (Dem.) spricht dem Mini- ' fier volles Vertrauen aus für seine Tätigkeit .in der Verwaltungsreform. Gegen seine Per- ^sonalpolitik haben wir nichts einzuwenden. Gegen das politische Rowdytum der Nationalsozialisten und den Zuzug aus Nachbargebieten nach Hessen verlangen wir scharfes Einschreiten. Auch wir glauben, daß in der Frage der Reichsreform und des Einheitsstaates zunächst alles beim Alten bleiben wird, wenn wir auch den Pessimismus des Staatspräsidenten nicht teilen. Mit aller Energie fordern wir die V e r w a l - tungsreform unter Verschiebung zahlreicher Aufgaben auf die Außenstellen. Die Vereinigung des Landeskriminalamtes mit Frankfurt erscheint uns als Vorteil.

Abg. Sumpf (Komm.) spricht dem Innen­minister schärfstes Mißtrauen aus. Die Vor­gänge in Worms und bei den Opelwerken be­weisen das brutale Vorgehen des sozialdemo­kratischen Ministers Leuschner. Der Rote Front­kämpferbund ist in Hessen ohne Grund verboten worden, während die Nationalsozialisten sich der besonderen Gunst des Ministers erfreuen.

Abg. Best (V. R. P.) vertritt die Auffassung, daß der Berufung von nicht fachlich Vorgebil­deten in höhere Verwaltungsstellen die gesetz­lichen Vorschriften entgegenstehen. Daß ein Mi­nister als politische Person keine Beamtenvor­bildung benötigt, ist unbestritten.

Abg. Dr. Niepoth (D.D.) verlangt aus sachlichen und psychologischen Gründen eine Verminderung der Ministerien. Wir lehnen es ab, die Ministerien entsprechend der Zahl der Koalitionsparteien zu bemessen. Wir weisen es entschieden zurück, die Beamten der Deutschen Volkspartei, die seit 1923 den größten Teil der Verantwortung im Reich trägt, als Staatsbürger zweiter Ordnung hinzustellen. In der Volkspartei spielt die Konfession keine Rolle: der Vater des jetzigen Finanzministers war Volksparteiler und deswegen sicher kein schlech­ter Katholik. Ans erscheint aber ein Alnterschied zwischen Katholik und Zentrumsmann. Wir tomu- schen keine Durchpeitschung der in Aussicht ge­stellten Verwaltungsreform. Von dem Abbau der Kreisämter sind keine Ersparnisse zu erwarten, während die Sihgemeinden schwersten Schaden erleiden. Kreisregulierungen werden wir zustim­men.

Abg. Böhm (Dnt.) wendet sich gegen die Be­seitigung von Amtsbehörden auf dem flachen Land. Daß der Minister jemals die Rechtsgrup­pen bevorzugt hätte, kann ich nicht behaupten. Mittwoch Fortsetzung der Aussprache.

Oie Aenderungen im Versorgungsrecht

Berlin, 3. Juni. (TA.) Amtlich. Am 3. Juni 1930 sand im Reichsarbei tsministerium eine Zu­sammenkunft der Direktoren der Haupt­versorgungsämter statt. Minister Dr. Stegerwald führte aus, daß die Zusammen­kunft vor allem den Zweck habe, die Erschiene­nen mit den geplanten Aenderungen des Versorgungsrechts vertraut zu machen. Dabei handele es sich nicht um eine Verbreite­rung, sondern um eine Verschiebung der An­sprüche der Versorgungsberechtigten. Angesichts der bedrängten Lage der Reichsfinanzen sei es nicht möglich, alle an sich berechtigten Wünsche, die aus dem Kreise der Dersorgungsberechtigten laut geworden seien, zu erfüllen. Mitteilungen über die Auflösung der Reichsversorgungsver­waltung und ihre Eingliederung in eine andere

Organisation deckten sich nicht mit der Auffassung T des Reichsarbeitsministeriums und eilten den Tatsachen voraus. Die Derwaltungskosten der Versorgungsbehörden seien im Vergleich zu an­deren Behörden gering.

Italiens Kampfum diepaniat

Grandi über die italienische Flottcnpoütik

Rom, 3. Juni. (WTB.) 3m Senat hielt Außenminister Grandi eine Rede, in der er bestritt, daß die Forderung der Parität mit Frankreich einzig und allein eine Sache der Prestigepolitik sei. Er führte Stellen aus den Sitzungsprotokollen der Washingtoner Konferenz von 1921 an, um zu beweisen, daß Italien in London mit der Parität nichts verlangt habe, was man damals ihm nicht schon zugestan­den habe. In den vorbereitenden Besprechun­gen mit Frankreich im November 1929 habe sich die italienische Regierung bereit gezeigt, d i e ranzösische These der absoluten Be­dürfnisse zu berücksichtigen, falls Frankreich das Recht Italiens anerkenne, die gleiche Flotten­tonnage zu erreichen, wenn und wann es dies ür gut hielte.

Man müßte wirklich an dem endgültigen Er­gebnis des europäischen Wiederaufbaus und der Organisation des Friedens mit Recht zweifeln, wenn aus der Gesamtheit der aufeinanderfolgenden in­ternationalen Abkommen sich Gründe ergeben wür­den, die nicht die Herabsetzung, sondern die Ver­mehrung der R ü st ungen motivieren wür­den. Das Flottenprogramm der italienischen Regie­rung für das gegenwärtige Jahr beschränkt sich darauf, dem französischen Programm zu folgen und die seit sieben Jahren von Italien beobachtete Parität zu wahren. Die Formel Mussolinis besteht aus zwei Punkten: Parität und Herab­setzung. Die italienische Regierung ist deshalb bereit, für die Zeit der Verhandlungen über die Fragen, die in London nicht gelöst worden sind, das Neubautenprogramm für das Jahr 1930 a u f später z u ve r s ch i e b e n , wenn die französische Negierung das Gleiche tut. Aus der Zusam­mensetzung und der gegenwärtigen Lage beider Flotten geht hervor, daß eine derartige Maßnahme für die italienische Marine eine größere Tragweite haben würde als für die französische.

Was die FormelSicherheit, Schiedsgerichtsbar­keit und Abrüstung" betreffe, so dürfe die Sicher­heit nicht als einM i 11 e 1" bezeichnet werden, sondern als derZweck", der durch die Ab­rüstung zu erreichen sei. Die logische Folge sei: Abrüstung, Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit. Der Minister äußerte seine Bedenken gegenüber den­jenigen, die, indem sie aus dem Völkerbund einen überstaatlichen starren Organismus machen woll­ten, die Befürchtung auffommen ließen, daß in Genf ein Kriegsinftrument, statt eines Instrumentes des Weltfriedens entstehen könnte.

Zuspitzung in Indien.

Kämpfe bei Peschawar. Die Boykott- bcwegung nimmt zn.

London, 4.Juni. (WTB. Funkspruch.) Aus Bombay schreibt der Sonderkorrespondent des Daily Herold": Die Bedeutung der sich mehrenden Anzeichen einer Annäherung zwischen H i n- dusund Mohammedanern sollten von jenen Ratgebern der Regierung, die ihre Berechnungen auf die unüberbrückbare Kluft zwischen beiden Reli­gionsgemeinschaften gründen, nicht unbeachtet ge­lassen werden.Times" meldet aus Pescha­war, daß eine Abteilung bewaffneter Eingebore­ner, die sich seit einiger Zeit im Gebirge mehrere Kilometer von einem in der Nähe liegenden Fort entfernt, eingenistet hatte, von Gebirgsartil­lerie beschossen und gleichzeitig von Flug­zeugen aus bombardiert wurde, nachdem sie vergeb­lich zum Abzug aufgefordert worden waren. Daß energisches Vorgehen notwendig gewesen sei beweise die Tatsache, daß am Montagabend in der Nähe des Grenztors Michni zwei leere Lastautos der Polizei überfallen wurden. Die Angreifer schossen den einen Chauffeur nieder, steckten sein Lastauto in Brand und warfen den Toten in die Flammen. Der andere Chauffeur erhielt einen Schuß durch beide Beine, konnte sich aber in Sicherheit bringen. Die Angreifer entkamen, bevor die Besatzung des Forts an den Tatort gekommen war. In einem Dorfe, 30 Kilometer von Madras, wurde ein Inder getötet und einer verwundet, nach­dem zuvor zwei Polizisten durch Steinwürfe schwer verletzt worden waren.

DerKriegsrat" des Nationalistischen Kon­gresses in Bombay beschloß, das Verbot des Boykottpostenstehens vor Tuch - und Likör läden durch den Vizekönig unbe ach- tet zu lassen. Zum erstenmal seit Beginn des Feldzuges werden vor die Alkoholschänken in Bombay starke Boykottposten gestellt werden. Nach Ansicht der Behörden in Simla wird sich in den nächsten drei Wochen das Schicksal des Feld­zuges des bürgerlichen Ungehorsams entscheiden. Sollte bis dahin keine Besserung eingetreten sein, dann dürste über verschiedene Gebiete der Be­lagerungszustand verhängt werden. Aeber 500 Frauen standen gestern vor den Tuchläden Posten. Es wird beabsichtigt, dieses Postenstehen auf die Likörläden und auf alle Läden auszudehnen, in denen britische Güter verkauft werden.

Oie Räumung von Mainz.

Paris, 3.Juni. (WTB.) DerTemps" be­richtet aus Mainz, daß der Haupttransport der französischen Truppen aus Mainz gegen den 2 0. Juni erfolgen werde. Dis dahin rücken kleine Truppeneinheiten und das Personal der verschiedenen Verwaltungsstellen ab; des­gleichen wird das Material abtransportiert. Die Bekleidungsverkaufs st eilen haben bereits ihre Betriebe eingestellt und die Ver­kaufsläger zum Abtransport vorbereitet. Die Lebensmittelgeschäfte werden noch einige Tage ihren Verkauf fortsehen, aber am 25. Juni werden auch sie Mainz verlassen haben. Die endgültige Liquidierung wird in Paris er­folgen und dürfte drei Monate in Anspruch nehmen.

Weitere (Lalmette-Todesfälle in Lübeck.

Lübeck, 4. Juni. (WTB. Funkspruch.) Nach­dem schon an den beiden vorhergehenden Tagen je zwei weitere Todesfälle von Säug­lingen an den Folgen der Fütterung mit Tuber­kuloseserum aus dem Pariser Institut des Pro­fessors Calmette eingetreten waren, sind auch im Laufe des gestrigen Tages wiederum zwei Kinder gestorben. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf 28. Krank sind 101 Säuglinge, gebessert 36, gesund bzw. in ärztlicher Beobachtung befinden sich 81.

Kunst und Wissenschaft.

Iugendpreis deutscher Erzähler.

Am den Jugendpreis deutscher Erzähler, der dem Verbände Deutscher Erzähler von der Deut­schen Buchgemeinschaft Berlin alljährlich in Höhe von 10 000 Mark gestiftet, und der im Einver­nehmen mit dem preußischen Kultusministerium erteilt wird, haben sich für das letzte Ausschrei­ben 150 Schriftsteller unter dem 40. Lebensjahr beworben. Das Preisgericht, bestehend aus den Herren Hanns Martin E l st e r, Georg Engel, Oscar Loerke, Julius Petersen, Jakob Schaffner, Hermann Stehr, Wilhelm W a e h o l d, hat den Preis an Anton Gabde in Koblenz-Oberwerth für feinen RomanI m Schatten des Schicksals" erteilt.

Paula Müller-Otsried Göttinger Ehrendoktor der Theologie.

Der deutschnationalen Reichstagsabgeordneten und Vorsitzenden des Deutsch-Evangelischen Frau­enbundes, Paula Müller-Otfrieds in Hannover, wurde anläßlich der Feier des 25-jäh- rigen Bestehens der Göttinger Ortsgruppe des Deutsch-Evangelischen Frauenbundesin dank­barer Anerkennung ihrer Lebensarbeit im Dien­ste christlicher Nächstenliebe und ihrer erfolg­reichen Arbeit in Synoden und Parlamenten um die sittliche Erneuerung unseres Volkes" die Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät der Göttinger Aniversität verliehen.

Amerikanische Ehrung Professor heklners.

In Heidelberg fand die Aeberreichung der Goldenen Cullum-Medaille der Amerikani­schen Geographischen Gesellschaft an den bekannten Heidelberger Geographen Geheim­rat Dr. H e 11 n e r durch Botschafter Sacke11 statt. Der Rektor der Aniversität, Prof. Dr. G o t f ch i ch , begrüßte den amerikanischen Bot­schafter und drückte die Freude der Heidelberger Hochschule über die Ehrung und über das Erscheinen des Botschafters aus, der damit gewisfermahen die Tradition der Shurmanschen Beziehungen zu Heidelberg fortfetzte. Dann überreichte der Botschafter die Medaille und die Arkunde an Alfred Hettner für dessen Verdi eMvv-tte wissen­schaftliche Arbeit auf dem Gebiete der Geographie. Eröffnung des ersten Zeißplanetariums in U. S. A.

Das erste Zeißplanetarium in den Vereinigten Staaten, eine Schenkung des Philantropen Max Adler an die Stadt C h i k a g o wurde eröff­net. Das im Grand Park am Michigan-See er­richtete Planetarium ist ein zwölfeckiger Granit­bau, der in Verbindung mit einem astronomischen Museum miteinem Kostenaufwand von über 700 000 Dollar erstellt wurde. Zum Leiter beider Anstalten wurde Professor Philipp Fox bestellt. Im Frühjahr nächsten Jahres wird in Philadelphia ein Zeißplanetarium in Verbindung mit dem Franklin-Institut errichtet werden.

Aus aller Well.

Standortmeldung vomGras Zeppelin".

Friedrichshafen, 4. Juni. (WTB. Funk­spruch.) In einem um 5 Uhr früh beim Luftschiff­bau eingegangenen Funkspruch von Bord desGraf Zeppelin" wurde der Standort wie folgt gemeldet: 38 Grad Nord, 39,30 Grad West, 70 Seemeilen Geschwindigkeit, Kurs Azoren.

Schwere llnwetterschäden bei Traben-Trarbach.

Am Dienstag gegen 17 Ahr entlud sich ein schweres Anwetter über dem Moselort Erve bei Traben-Trarbach. Die Bergstraße nach Korwe- rich war in kurzer Zeit in einen ein Meter hohen, reihenden Bach verwandelt, der gewaltige Erdmassen aus den Weinbergen, so­wie Pfähle, Steine und Spritfäsfer mit sich führte. Der untere Ortsfeil von Croe wurde vollständig unter Wasser gesetzt. Keller, Scheu­nen und Stallungen sowie die unteren Wohn­räume wurden überschwemmt und mußten geräumt werden. Die Provinzialstraße nachTra- ben-Trarbach ist an mehreren Stellen mit me­terhohen Schiefermassen bedeckt, die aus den Weinbergen zu Tal geschwemmt wurden. Die Straße wurde gesperrt. Sturmglocke und Feuerwehrsignale alarmierten die ganze Ein­wohnerschaft. Ganze Weinberge wurden fort- gerissen. Auch die Felder und Wiesen sind arg verwüstet. Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht zu übersehen.

Köpenickiade in Köln.

Die Ausstellung der Deutschen Land- wirtschasfsgesellschaft in Köln ist durch eine Köpenickiade um eine ganze, Tageseinnahme geschädigt worden. Die Ausstellungsleitung wurde vorige Woche von einem Manne angerufen, der sich als der Regierungspräsident aus­gab und bat, dem Hauptmann a. D. Hans Werner Beschäftigung zu gewähren. Kurze Zeit darauf stellte sich dann der angebliche Haupt­mann vor, der sofort als Kassierer an- gestellt wurde. An den beiden ersten Tagen lieferte er die Kasse ordnungsmäßig ab. Am Abend des dritten Tages, es war der H i m m e l - sahrtstag, verschwand er spurlos mit der gesamten Tageseinnahme, deren Höhe unbekannt ist. Die Ermittlungen ergaben, daß Werner den Anruf des Regierungspräsiden­ten, dem derHauptmann" völlig unbe­kannt ist, fingiert hat. Werner ist leicht daran zu erkennen, daß er hinkt. Bereits vor einigen Jahren wurde der Kellner des Renn­vereins durch einen ebenfalls hinkenden Schwind­ler um feine Tageseinnahme gebracht. Man ver­mutet, daß beide identisch sind.

Todessturz zweier Studenten im Kaisergebirge.

Drei deutsche Studenten unternahmen einen Ausflug in das Kaisergebirge, um die Karlspitze zu besteigen. Dabei verirrten sie sich und zwei der Studenten, der Nürnberger Kurt Fleischmann und der Thüringer Rudolf Eichhorn, stürzten am südlichen Ostgrad der Karlspitze ab und blieben tot liegen. Die Hilferufe des dritten Studenten blieben u n g e - hört. Er mußte die Nacht in seiner wenig be­neidenswerten Lage verbringen und konnte erst am folgenden Tage geborgen werden. Die zwei Toten wurden nach Kufstein gebracht.

Folgenschweres Autobusunglück.

Bei der Ortschaft Vtens in der holländischen Provinz Friesland ereignete sich heute infolge eines törichten Jungen st reiches ein folgenschweres Anglück. Ein Autobus, der den Verkehr zwischen den Städten Francker und Sneek unterhält, näherte sich dem Kanal bei Vtens in der Zeit, wo die Kanalbrücke für die Schiffahrt geöffnet war. Ein Knabe hatte jedoch den Schlagbaum, der die Fahrt bei geöffneter Drücke sperrt, in die Höhe ge­zogen. Daher glaubte der Fahrer des Auto­busses, daß der Aebergang frei war und gab Gas. Der Omnibus stürzte in den Ka­nal. Von den Insassen fanden drei sofort den Tod durch Ertrinken, darunter zwei Fa­milienväter von sieben und sechs Kindern. Der Fahrer und die übrigen zehn Fahrgäste wurden gerettet, zwei befinden sich in schwerverletztem Zustande.

Einsturz eines Auswanderer-Hotels in Genua.

Ein schweres Einsturzunglück ereignete sich in dem Auswanderer-Hotel Christoph Columbus in Genua. Am Montagnachmittag waren in dem Hotel etwa 2 5 0 R ü ck w anderer verschiedener Na­tionalität eingetroffen, darunter Polen, Ungarn, Araber, Armenier und andere. Außerdem befanden sich dort etwa 70 italienische Reisende. Gegen abend, als sich der größte Teil der Hotelgäste zur Ruhe begeben wollte, stürzte das Dach und der oberste Stock des Gebäudes ein. Es ent­stand eine große Bestürzung, die durch die Hilfe­rufe der Verschütteten noch gesteigert wurde. Als die Feuerwehr die gefährdeten Teile des Gebäudes obzustützen suchte, stürzte eine halbe Stunde später

fast das ganze Haus vom 5. bis 2. Stock ein und begrub auch die Rettungsmannschaften un­ter sich, die jedoch wieder geborgen werden konn­ten. Bisher sind zwei Tote zu verzeichnen. So­weit bish/r feststeht, befand sich das Hotel i m Umbau. Die Leiter der Bauarbeiten sowie der Besitzer und der Direktor des Hotels wurden vek- haftet.

Defreiungsfeier in Körnten.

Klagenfurt und Kärnten begehen die Zehnjahr­feier der Defreiungs- und Abstimmungskämpfe. Als Eröffnung der geplanten Festlichkeiten findet auf Einladung des Stadtrates von Klagenfurt Samstag, 21. Juni 1930 der Bundestag des Oesterreichifch-Deutschen Volksbun­des statt. Es werden große Vorbereitungen ge­troffen, um den Bundestag zu einer machtvollen Anfchlußkundgebung zu gestalten. Am Abend des 21. Juni werden auf allen Kärntner Grenz­bergen Höhenfeuer leuchten. Die Fläche des Wörther Sees wird zum erstenmal im Lichte von Scheinwerfern und von vielen Taufenden von Glühlampen erstrahlen. Sonntag, 22. Juni 1930, finden Autofahrten in die Abstimmungsgebiete oder in das Glocknergebiet, ferner zum Gurker Dom und auf die Burg Hochosterwih unter lan­deskundiger Führung statt. Reise und Aufent­halt wird zu besonders ermäßigten Preisen er­möglicht. Einzelheiten bei der Landesgruppe Hessen und Hessen-Nassau der Deutsch-Oester- reichischen Arbeitsgemeinschaft in Frankfurt a. M.

Oie Wetterlage.

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Mit dem Barometeranstieg haben sich die Stö­rungen aufgesüllt und die Bewölkung hat erneut abgenommen. Gegenwärtig liegt über Südschweden, der Ostsee und Dänemark ein Hochdruckkern, dessen ausfließende Luftmassen bei uns noch nordöstliche bis östlicl)e Winde verursachen. Infolgedessen dürfte es wieder zu meist aufhefterndem Wetter kommen, wobei tagsüber infolge Einstrahlung die Tempera­turen zunehmen.

Wettervorhersage für Donners­tag: Vielfach heiteres und meist trockenes Wet­ter, tagsüber kräftige Erwärmung.

Lufttemperaturen am 3. Juni: mittags 19 Grad Celsius, abends 15,2 Grad; am 4. Juni: morgens 15,6 Grad; Maximum 19,2 Grad, Minimum 12,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Juni abends 24,4 Grad; am 4. Juni morgens 16,1 Grad Celsius. Niederschläge 1,9 Millimeter. Sonnenscheindauer 2 Stunden.

Reisewetterdienst.

Garmisch-Partenkirchen. 15 Grad, gestern warmer Tag, Südwestwind, wolkig; Witterungsverlauf seit gestern teils heiter, teils wolkig.

Westerland auf Sylt: 11 Grad, kühle Nacht, Südostwind; Witterung heute morgen: Regen; Verlauf seit gestern teils heiter, teils wolkig.

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