Ausgabe 
4.6.1930
 
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Aus der Provinzialhauptsiadt.

Gießen, den 4. 3uni 1930.

,Keine Sentimentalität!^

.Ditte, keine Sentimentalitäten!" Ein Wort, da- man oft hören kann. Und man kann eS eben­sooft lesen, daß dies und jenes zu sentimental sei. Prüft man diese Worte auf ihren sachlichen Inhalt, so findet man meist, daß rßan doS Wort, als Modewort gebraucht, ihm einen ganz ande­ren Sinn gibt, als ihm zukdmmt. Das hätte we^ ter nichts auf sich, wenn man nicht zugleich doch einen Begriff damit verbände, ihn als etwas Geringwertiges hinstellte und so doch schließlich etwas wenig Vorteilhaftes erreicht.

»Ditte, nicht sentimental werden!", sagt der junge Mann, der seinem Mädchen eröffnet, daß er sich von ihm trennen will. 3fl es Sentimen­talität. wenn sich ein Menschenkind um seine Hoffnungen betrogen sicht, wenn eine herzliche Neigung gedieh, die enttäuscht wurdet Niemals, es ist die natürlichste Regung, es ist dos Selbst­verständlichste, daß sich dos Herz zur Geltung bringt^ »Vicht sentimental sein!" sagt ein an­derer, wenn der Freund einen Freund zum Fried­hof bringen muhte. Wieder ist es etwas ganz andere- als Sentimentalität. Schmerz, Trauer über einen Verlust, die Regung des Mitleids ist es für den Menschen, der mitten aus schönen Hoffnungen weggerissen wurde.

Aber cs gibt Fälle, wo die Grenze zur Senti­mentalität scheinbar schon näher liegt. Eine Frau bewahrt sorgsam das Kleidchen auf, das ihr Kind au- einem besonderen Anlaß getragen hat. Es mag für den Fremden wertlos sein. Für die Mutter hot es tiefe Bedeutung. Aber Sentimen­talität? Dann ist jede Erinnerung mit diesem wegwerfenden Ausdruck zu belegen, dann ist es richtig, alles zu verbrennen, was uns lieb und wert war, dann haben wir nichts um un8_ zu dulden als die nackte, kalte Wirklichkeit, die kühle Berechnung des Vorteils für die flüchtige Stunde der Gegenwart.

Verrufen als sentimental wird ein Bild, das eine gemütvolle Szene widergibt: ja, schon das Bild einer Landschaft, die statt nackter Strahen- steine einen Wasserspiegel bietet oder eine Blume, gilt als sentimental. Nur was man mit Händen fassen, mit Geld abzählen kann, das gilt als voll­wertig. Aber um Gotteswillen keine Gefühle!

Es ist einiges gut an diesem Bestreben, denn man kann auch in der Pflege des Gemütes zu viel tun. Aber man darf nicht süßliche Gefühls­duselei mit Pietät verwechseln. Es gibt genug Erlebnisse, die dem Fernstehenden gering erschei­nen, für den aber, den sie betreffen, kann es sein, al- ob die Welt einstürze. ilni> auch diese Sprache des Herzens sollten wir mehr achten, ganz ab­gesehen davon, daß es auch in unserer vielfach oberflächlichen Welt noch genug echte und große Gefühle gibt. Sic find irgendwie mit Pietät ver­bunden. ilnt> Pietät aufgeben, heißt sich selbst verlieren, mag man sonst noch so fest zu stehen scheinen. O. S.

Maienblasen.

Es ist eine alte, deutsche Sitte, daß von Öen Kirchtürmen Choralmelodien und Volkslieder ge­blasen werden. 3n vielen Städten hatte man früherStadtmusikanten", auchStadtzinkinisten" genannt, die das ausführten. 3n Stuttgart kann man heute zu jeder Tagesstunde hören, wie von den Türmen geblasen wird. Auch in Gießen ist das in alter Zeit Ditte gewesen. Die Turm- wächter auf dem Stadttircheicturm, die dort mit ihren Familien wohnten, waren allesamt Musi­kanten, die ihre Kunst nicht nur auf dem Turm ausübten, sondern auch Kapellen bildeten, mit denen sie in der Stadt musizierten. 3n A l s - seid hat sich das Turmblasen bis auf diesen Tag erhalten: so oft ein Dahingeschiedener nach dem Friedhof geleitet wird, erklingen Choräle, die diesem Falle entsprechen. 3n dieser ober- hessischen Stadt ist auch seit alten Tagen das M a i e n b l a s e n" herkömmlich. Das entspricht ganz der germanischen Freude am Frühling, wie sie uns so reizvoll aus den Liedern eines Wal­ters von der Vogelweide entgegenklingt.

Vor mehreren 3ahren hat Amtsgerichtsrat Gros, der in seiner beruflichen Tätigkeit in Alsfeld das Maienblasen kennengelernt hatte, diese Sitte auch hier eingeführt, und er hat bei Freunden und Bekannten Geld gesammelt, um den Musikanten, die er berufen hatte, eine Entschädigung für die aufgewendcte Zeit und Mühe zukommcn zu lassen. 3n diesem 3ahre hat der Verein für christliche Musik unter Leitung der Herren Ludwig V i e b e r g a l l und Heinrich Bartholomäus das ..Maicnblascn" ausgeführt, und zwar Mittwochs und Samstags von 19 bis 20 Uhr. Das Programm umfaßte regelmäßig drei Stücke. Zuerst wurde ein Choral dargeboten, dann folgte ein Konzertstück, und die Veranstaltung schloß mit einem Volkslied. Die großen Scharen, die sich abends immer um die 3ohanneskirche versammelten, gaben davon Zeug­nis, daß die Wiederbelebung eines alten Brau­ches im Herzen der heute Lebenden einen leb­haften Widerhall gefunden hat. Hoffentlich bür­gert sich dasMaienblascn" für alle Zukunft hier in Gießen wieder ein.

Sinkkästen reinigen!

Vom städtischen Hochbauamt wird uns ge­schrieben:

Bei den starken Niederschlägen der letzten Zeit wurde wiederholt festgcstellt, daß die Eigen­tümer und Verwalter von Grundstücken die regel­mäßige Reinigung der Hofsinkkästen innerhalb der Grundstücke und der Regenrohrsinkkästen auf den Bürgersteigen, die sich vor den Regenrohren befinden, nicht vornehmen lassem Hierdurch wer­den die schweren Sinkstoffe abgelagert und füh­ren zu Verstopfungen, die schließlich kostspielige Ausgrabungen und Freilegung der Erdleitung notwendig machen.

Ebenso bedürfen die Dachrinnen und Regen­abfallrohre einer regelmäßigen gründlichen Nach­

prüfung, damit nicht die Dachwässer überlaufen. Dadurch werden die Fußsteige verunreinigt. Pas­santen belästigt und schließlich Unfälle, besonders an Frost tagen, verursacht.

Rach § 37 der Ortspolizeiverordnung vom 1. August 1904 muß die gesamte Anlage stets in gutem Zustande erhalten, gehörig gereinigt und gespült werden. Verschlungen gegen diese Vorschriften werden bestraft.

Ferner machen wir die Hauseigentümer dar- auf aufmerksam, daß sie sich strafbar machen, wenn he nichtgenehmigte Entwässerungsanlagen oder Aenderungen zur Aussührung bringen las­sen. Auch dürfen derartige Anlagen nur durch solche Unternehmer ausgeführt werden, die für diese Arbeiten zugclaffen sind. Richtzugelassenc Unternehmer müssen unter Vorlage ihres Be­fähigungsnachweises ihre Zulassung besonders be­antragen.

Das neue Teutonen-Haus.

Las Korps Teutonia beging am letzten Samstag in Verbindung mit der Feier des 91. Stiftungsfestes die Einweihung sc es jetzigen Hauses, der vormals Gailschen Villa in der Wilhelmstrahc 25. Die innere Feier wurde, wie man uns berichtet, um 6 Uhr in der weiten Vorhalle in Gegenwart zahlreich erschienener Alten Herren abgehalten. 3n seiner glänzenden Weihcrcde warf der Vorsitzende des Vereins Alter Gießener Teutonen einen kurzen Rückblick auf die früheren einfachen Unterkünfte des Korps, gedachte der im Weltkriege gefallenen Korpsbrüder, dankte allen denen, die bei der Erwerbung und Einrichtung des neuen Heimes durch Rat und Tat mitgewirkt hatten, hob her­vor, daß durch die opferwilligen Spenden und Zeichnungen der Alten Herren die Finanzierung des Ankaufs unbedingt gesichert sei, und über­gab mit herzlichen, mahnenden Worten den Ak­tiven das prächtige Gebäude, das neben den für den Betrieb des Korps bestimmten Räumen auch Wohnung für 7 bis 8 Studenten bietet. Der 1. Chargierte sprach hierauf namens der Aktiven den Alten Herren für das ihnen ge­wordene großartige Geschenk tiefgefühlten Dank aus mit dem Gelöbnis, es in Ehren und treuer Obhut zu halten. Bei dem abends stattgehabten Kommers brachten S. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Brügge mann, der Vorbesitzer des Anwesens Dr. mr. Georg Gail, sowie andere geladene - Gäste dem Korps die Glück­wünsche zu dem Einzuge in das neue Haus dar. Am Sonntag herrschte in dem mit gediegenem Geschmack ausgestatteten Gesellschaftszimmer, auf den Ballonen und in dem herrlichen Park ein fröhliches Treiben, das durch die Gegenwart vieler Damen noch besonders verschönt wurde.

DaS bisherige Haus in der Kaiserallee, das dem Korps von 1894 bis 1933 als Heim diente, ist in das Eigentum der Verbindung Silvania über gegangen, die damit in Gießen seßhaft ge­worden ist.

Taten für Donnerstag, 5 Juni.

1599: der spanische Maler Don Diego Velaz- quez in Sevilla geboren; 1826: der Komponist Karl Maria von Weber in London gestorben.

Vornotizcn.

Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Wien, du Stadt der Lieder."

Stadt thcater Gießen. Man schreibt uns: Fred A. Angermaycrs VolksstückFlieg, roter Adler von Tirol", mit dem am Dienstag das Stadttheater seine Sommerspielzeit eröffnet, ist eins der erfolgreichsten Stücke der vergan­genen Winterfaifon. Mehr als 70 Theater haben bereits das Stück angenommen. Die kommende Dicnstagvorstellung ist die erste im Sommer- abonnement.

* Eine öffentliche Sitzung des Stadtrats findet am nächsten Freitag, 6. 3uni, ab 17 Uhr im Sihungssaale des Stadt­hauses Bergstraße statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende bedeutsame Angelegen- beiten: Entscheidung über die Stellungnahme unserer Stadt zur Gasfernversorgung; Festsetzung der endgültigen Steuerausschlagsätze für das Fahr 1929; Einbau von Wohnungen in die De- helfsschulbauten in der Rodhcimer Straße; Kre- dit für die kostenlose und verbilligte Abgabe von Mülleimern an Minderbemittelte; Einbau von Wohnungen in das städtische Gebäude Reu­stadt 61; eine Anzahl Arbeitsvcrgebungcn für städtische Bauten.

* Straßensperrung, mitgeteilt vom Obcrhessischen Automobilklub E. D. (A. v. D.) Gießen: Die Landstraße BiedenkopfGießen in km 4,5 bis 5,0 und 6,5 bis 6,6 ist vom 2. 3uni bis einschl. 11.3uni für den Kraftsahr^ug- und Fuhrwerksverkehr unter 2,5 Tonnen Gesamtge­wicht gesperrt. Umleitung über Eckelshausen Kombach Friedensdorf.

* Städtische Heugrasversteige- rungen finden am Mittwoch und Donnerstag nächster Woche statt. Näheres ist aus der heu­tigen Bekanntmachung der Stadtverwaltung er­sichtlich.

Die Gießener Geldinstitute am P f i n g st s a m s t a g. 3n unserem heutigen An­zeigenteil geben die Gießener Geldinstitute be­kannt. wie ihr Dienst für Psingstsamstag fest­gelegt ist. Die Reichsbanl bleibt ab 12 Uhr ge­schlossen, die Commerz- und Privatbank, die Darmstädler und Nationalbank, die Deutsche Bank und Discontogesellschaft, sowie die Handels- und Gewerbcbank halten ihre Geschäftslokale den gan­zen Pfingstsamstag für jeglichen Verkehr ge­schloffen.

Der Eki - Gau Vogelsberg hielt am Samstag und Sonntag ein Gautreffen auf dem Hoherodskopf ab. Der gute Besuch bewies, daß der Vogelsberg auch im Sommer von feinen win­terlichen Getreuen nicht vergessen ist. Die Ski- CDcre.nig: ngen Ghf.en, Alsfeld, Wetterau (Fried­berg), Grunberg, Schotten waren vertreten, des­gleichen durch mehrere Herren der Vorstand des

Landesverbandes Mitteldeutscher Skiverefne km D. S. D. Die Zahl der Ski-Läufcr und Eki-Läusc- rinnen war etwa gleich. Am Samstagabend ent­wickelte sich im V. H. C -Haus der übliche zünftige Betrieb. Der Ski Klub »Dlau-Weiß'-^chotten unter feinem Vorsitzenden Dr. mcd. Kocni - ger, hatte einen Teil feiner eigenen Musikka­pelle aufgeboten und auch für sonstige Unterhal­tung gesorgt. Arn Sonntag in der Frühe über­nahm Univerfltäts-Tum- und Sportlehrer Dr. Möckelmann -Gießen, der Eportwart des Gaues, das Kommando. Ein Hornruf versam­melte die Ski-Läuser im sommerlichen Sportdreß. Darauf gymnastische Uebungcn mit Musik auf der Heide. Ein Erholungswaldlauf schloß sich an. Mil Gesang, die Damen voran, zog man geschloffen aus dem Wald wieder heraus. Darauf Seilzie­hen, Sackhüpfen, Wettlauf auf allen Vieren. Son­ne und Luft erhöhte die Freude. Dann fand die Gauvcrsammlung unter dem Vorsitz von D r. Wodacg c-Gicßcn statt. Die üblichen Vereins- dinge wurden glatt erledigt und Pläne für den nächsten Winter geschmiedet. So will u. a. der Gau im nächsten Februar eine verbilligte Hoch-

Wenn Ihre

Empfehlungsanzeige

in der Freitags- oder in der Samstags­nummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll

dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der Geschäftsstelle auf

gebirgssahrt unternehmen, bei der krasse Ski- Säuglinge, Gipfelstürmer und auch das behäbi­gere Alter unter Wahrung jeglicher individuel­len Freiheit gleichmäßig auf feine Kosten kommen kann. Das Ski-Paradies, mit dem der Gau-Vor­sitzende schon Verhandlungen geführt hat, wird freilich vorerst noch nicht verraten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen überreichte der Sport- wart des Verbandes Mitteldeutscher Ski-Ver­eine, Professor Ratzel-Frankfurt, die Plaketten der Siegerin und den Siegern des Gaues, die diese sich im vergangenen Winter im Taunus erobert haben. Auch im grünen Vogelsberg klang das Ski-Heil! ,

" Erfolgreiche Schwimmerprüfung. Frl. Gertr. Schuchhard vom Schwimmverein Gießen hat die Grundscheinprüfung und der Ge­freite P. M ü h vom gleichen Verein die Prü- sungsscheinprüfung der DLRG. mit Erfolg ab­gelegt.

Wiederfehensfeier der ehemali­gen 115er -M. G. - Leute. Die Angehörigen der Maschinengewehr-Kompanie des ehemaligen Leibgarde-3nsanterie-Regiments Nr. 115 treffen sich Pfingsten in Darmstadt. Am Pfingstfamstag, abends 8 Uhr, Begrüßung im Brauereiausschank Heß (Hannibal") in der Kirchstraße. Am Pfingst­sonntag und -montag findet jeweils um 11 Uhr vormittags Frühschoppen in derKrone" (Stand­quartier) in der Schustergasse statt. Daselbst auch am Sonntagabend von 8 Uhr ab Kommers im Zimmer des Odenwaldklubs. Alle ehemaligen 'M. G.-Lcute des Leibgarde-Regiments sind zu dieser Wiedersehensfeier eingeladen.

* Nicht Lollar, sondern Lauterbach. Zu unserem Bericht vom vorigen Samstag über die Sitzung dos Erweiterten Bezirksschöffengcrichts Gie­ßen am 28. Mai ist berichtigend mitzuteilen, daß der zu V/s Jahren Zuchthaus verurteilte Angeklagte in der zweiten Prozeßsache jener Gerichtssitzung nicht aus Lollar, sondern aus Lauterbach stammt.

Große Strafkammer Gießen.

Gießen, 3. Juni. Bestätigt wurde ein Urteil des Schöffengerichts Gießen, durch das eine Frau aus Affenheim wegen fahrlässiger Tö­tung ihres neugeborenen Kindes zu acht Mo­naten Gefängnis verurteilt worden war. Sie hatte das ftinb trotz mehrfacher Warnungen in einem Körbchen in die Nähe des Herdfeuers ge­stellt, fo daß, wie sie unwiderlegbar behauptete, durch herausfallende Glut ein Brand entstand. Da es sich um eine sehr grobe Fahrlässigkeit handelte, bestand kein Anlaß, die Strafe zu ermäßigen.

Gleichfalls b e ft ä t i g t wurde das Urteil des Schöffengerichts Gießen, durch das ein Schupowochi- meifter von Butzbach wegen gefährlicher Kör- perverletzung zu einer an Stelle einer Ge­fängnisstrafe von zwei Monaten tretenden Geld­strafe von dreihundert Mark verurteilt worden war. Er hatte in der Weihnachtsnacht, als er außer Dienst im Zustand starker Betrunkenheit durch die Straßen von Butzbach zog, bei einem Streit einem Passanten mit einer Pistole durch die Hand geschossen. Bon einer Erhöhung der Strafe wurde abgesehen, da die Betrunkenheit des sonst tüchtigen Beamten nicht auf feine Schuld allein zu­rückzuführen war.

S e ft ä t i g t wurde schließlich das auf eine G e - fängnis strafe von acht Monaten lautende Urteil des Schöffengerichts Gießen gegen einen In- validen aus Alsfeld wegen 2krfül)rung einer kaum Vierzehnjährigen. Die Verhandlung fand unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit ftatt

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt N r. 4 1 vom 3. Juni enthält: Gesuch der Braue­rei 3hring°Melchior, Komm.-Ges. in Lich um Erlaubnis zum Ausfahren von Bier und Eis an Sonntagen. 3ugcndfeiertag und Fortbildungs­schule. Dienstnachrichten.

Defteiungöfeier der rheinischen Turner

WSR. Mainz, 2. 3uni. Die zurDcuts ch c » Turnerschaft des beichten Gebietes gehöris gen Turnvereine der Rheinprovinz, der Provinz Hcsfcn-Rassau. des Freistaates Hessen und der Psalz beabsichtigen, in der Nacht zum 1. 3utl anstatt ihrer Sonnwendfeier am St. 3ohannlStag auf den rbein. Höhen und den Bergen der Pfalz aus Anlaß der Befreiung des heimatlichenBodenO mächtige Freudcnfeuer auUob.rn zu las­sen Die Frcudenseuer aus dem Großen F e l d b c r g im Taunus und auf einem Berge in der Pfalz sollen mit besonderen Feierlichkeiten verbunden werden.

Heue Mietseüsehung für Groß-Mainz.

WSR. Darmstadt, 3. 3unt. Das hessische Gesamtministerium hat heute die Verordnung vom 26. Mai 1930 über die MietzinSbil- dung in der St adt Mainz wie folgt abge­ändert: Die gesetzliche Miete wird für die Stadt Mainz in folgenbcr Höhe festgesetzt: a) Für QUt- mainz und die Stadtteile Mainz-Kastel, Mainz- Kostheim und Mainz-Mombach 124 Prozent der Fricdcnsmicte; b) für Maimc-Bischossheim, Mainz-Brcyenhcim und Mainz-Weisenau 122 Prozent; c) für Mainz-Ginshcim 120 Prozent.

Vermischtes.

Das 50. Jubiläum de» Vereins für das Deutschtum im Auslände.

Reichspräsident von Hindenburg empfing aus Anlaß der 50. 3ubelseier des Ver­eins für das Deutschtum im Auslande eine Abordnung des Vorstandes unter Führung seines ersten Vorsitzenden Freiherrn von dem BuSsche-Haddenhausen. An dem Empfang nahmen teil der gcschäftsführende Vorsitzende Konteradmiral S e c b o h m sowie die Herren Prosessor G u m 1 i ch als Vorsitzender des Landesverbandes Mark Brandenburg, Geheimer Oberkonsistorialrat Dr. Lang, Berufsschuldirek­tor Scholz, Oberregierungsrat Kühne und Studienrat Dr. Breckner. Die Herren über­reichten dem Herrn Reichspräsidenten die E h r e n p l a ke t te des Vereins inGold mit dem Gelöbnis, daß der Verein auch in Zu­kunft treu für das Deutschtum im Ausland seine Kräfte cinsetzen werde. Der Reichspräsident nahm die Plakette mit Dank für die bisher geleistete Ar­beit entgegen und versicherte dem Verein sein ferneres Wohlwollen.

Tagung für Liebhaber-Orchester.

Auf der Tagung für Liebhaber-Orchester, die vom 13. bis 15. Juni in Bad Pyrmont vorn Reichs- bunb Deutscher Orchestervereinc e. V. gemeinsam mit dein Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht veranstaltet wird, gelangen u. a. neue, eigens für diesen Zweck geschriebene Werke für Liebhaber-Or­chester von Paul Graencr, Paul Höffer, L. v. Knorr und Ernst Pepping zur Aufführung. Festdirigenten find Generalmusikdirektor Dr. Ernst Praetorius (Weimar) und Professor Walther Gmeindl (Berlin). Professor Dr. H. I. Moser (Berlin) spricht über die Bedeutung der Liebhaber-Orchester in der Gegen­wart.

(Ein Fluggespräch über 12 000 Kilometer.

Ein interessantes Experiment wurde zwischen Berlin und einem über Los Angeles fliegen­den Flugzeug durchgeführt. Der bekannte aincri- konische Flugsachverstandige Milliken und der Professor der Technischen Hochschule Aachen von Kar mann befanden sich an Bord dieses Flug­zeuges und führten um 15 Uhr westamerikanischcr Zeit (23 Uhr MEZ.) ein ungefähr zehn M i - nuten langes Gespräch durch Vermittlung des Hearst-Senders San Franzisko mit Direktor Milch von der Deutschen Lufthansa, der sich des ge­wöhnlichen Telephonapparates bediente. Die Bcr- ständigung auf dieser über 12 000 Kilometer langen Entfernung war so hervorragend, daß die über Los Angeles kreuzenden Flugpaffagiere Berlin bitten mußten, nicht fo laut z u sprechen, weil jedes Wort ausgezeichnet oerständ- l i ch fei.

Verbandstag der Ldeka.

Der Edeka-Berband deutscher kaufmännischer Ge­nossenschaften e. B. hält in den Tagen vom 21. big 30. Juni d. I. feinen 22. Berbandstag in Karlsruhe ab. Auf der Tagung des Verbandes, welcher mehr als 400 Genossenschaften des kaufmännischen Mittel- standes mit etwa 30 000 Miltgliedern umfaßt, wird Herr Reichsminister Dietrich ein Referat halten, Nicht nur die Tagung selbst, sondern auch der schöne Ta­gungsort dürfte einen starken Besuch aus dem Reiche aufweisen.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

L. G. A. Sie können aus der Schadhaftigkeit des Zaunes, der wohl 3hrem Rachbar als Alleineigcntum ^usteht, kein Recht herleiten, 3hre Hühner auf sein Eigentum laufen zu lassen, müssen vielmehr selbst Vorrichtungen treffen, daß 3hre Hühner 3hren Hof nicht verlassen. Sollten Sie angezeigt werden, so werden Sie bestraft. Einigen Sie sich deshalb mit 3hrem Rachbarn und tragen Sie zu den Reparaturkosten deS Zaunes etwas bei.

A. Z. 100. Rach § 1601 des Bürgerlichen Gesetz­buchs sind Verwandte in gerader Linie verpflich­tet. einander Hinterhalt zu gewähren. Unterhalts­pflichtig ist nach § 1603 BGB. nicht, wer bei Be­rücksichtigung feiner sonstigen Verpflichtungen außer st ande ist, ohne Gefährdung seines standesmähigen Unterhalts den Unterhalt zu gewähren. Leistet ein Wohlfahrtsamt an Stelle des Verpflichteten den Unterhalt, so kann cs selbstverständlich gegen den Verpflichteten Rück­griff vornehmen. Für die Vergangenheit kann Erfüllung nur von der Zeit an gefordert werden, zu welcher der Verpflichtete in Verzug gekommen ist. Der 3hnen vom Wohlfahrtsamt in T. an- gesonnene Betrag von monatlich 5 Mk. erscheint nach der von 3hnen gegebenen Schilderung 3hrer Verhältnisse nicht als zu hoch gegriffen.

Halte mit ODOL gesund

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