Aus der Provinzialhauptsiadt.
Gießen, den 4. 3uni 1930.
,Keine Sentimentalität!^
.Ditte, keine Sentimentalitäten!" Ein Wort, da- man oft hören kann. Und man kann eS ebensooft lesen, daß dies und jenes zu sentimental sei. Prüft man diese Worte auf ihren sachlichen Inhalt, so findet man meist, daß rßan doS Wort, als Modewort gebraucht, ihm einen ganz anderen Sinn gibt, als ihm zukdmmt. Das hätte we^ ter nichts auf sich, wenn man nicht zugleich doch einen Begriff damit verbände, ihn als etwas Geringwertiges hinstellte und so doch schließlich etwas wenig Vorteilhaftes erreicht.
»Ditte, nicht sentimental werden!", sagt der junge Mann, der seinem Mädchen eröffnet, daß er sich von ihm trennen will. 3fl es Sentimentalität. wenn sich ein Menschenkind um seine Hoffnungen betrogen sicht, wenn eine herzliche Neigung gedieh, die enttäuscht wurdet Niemals, es ist die natürlichste Regung, es ist dos Selbstverständlichste, daß sich dos Herz zur Geltung bringt^ »Vicht sentimental sein!" sagt ein anderer, wenn der Freund einen Freund zum Friedhof bringen muhte. Wieder ist es etwas ganz andere- als Sentimentalität. Schmerz, Trauer über einen Verlust, die Regung des Mitleids ist es für den Menschen, der mitten aus schönen Hoffnungen weggerissen wurde.
Aber cs gibt Fälle, wo die Grenze zur Sentimentalität scheinbar schon näher liegt. Eine Frau bewahrt sorgsam das Kleidchen auf, das ihr Kind au- einem besonderen Anlaß getragen hat. Es mag für den Fremden wertlos sein. Für die Mutter hot es tiefe Bedeutung. Aber Sentimentalität? Dann ist jede Erinnerung mit diesem wegwerfenden Ausdruck zu belegen, dann ist es richtig, alles zu verbrennen, was uns lieb und wert war, dann haben wir nichts um un8_ zu dulden als die nackte, kalte Wirklichkeit, die kühle Berechnung des Vorteils für die flüchtige Stunde der Gegenwart.
Verrufen als sentimental wird ein Bild, das eine gemütvolle Szene widergibt: ja, schon das Bild einer Landschaft, die statt nackter Strahen- steine einen Wasserspiegel bietet oder eine Blume, gilt als sentimental. Nur was man mit Händen fassen, mit Geld abzählen kann, das gilt als vollwertig. Aber um Gotteswillen keine Gefühle!
Es ist einiges gut an diesem Bestreben, denn man kann auch in der Pflege des Gemütes zu viel tun. Aber man darf nicht süßliche Gefühlsduselei mit Pietät verwechseln. Es gibt genug Erlebnisse, die dem Fernstehenden gering erscheinen, für den aber, den sie betreffen, kann es sein, al- ob die Welt einstürze. ilni> auch diese Sprache des Herzens sollten wir mehr achten, ganz abgesehen davon, daß es auch in unserer vielfach oberflächlichen Welt noch genug echte und große Gefühle gibt. Sic find irgendwie mit Pietät verbunden. ilnt> Pietät aufgeben, heißt sich selbst verlieren, mag man sonst noch so fest zu stehen scheinen. O. S.
Maienblasen.
Es ist eine alte, deutsche Sitte, daß von Öen Kirchtürmen Choralmelodien und Volkslieder geblasen werden. 3n vielen Städten hatte man früher „Stadtmusikanten", auch „Stadtzinkinisten" genannt, die das ausführten. 3n Stuttgart kann man heute zu jeder Tagesstunde hören, wie von den Türmen geblasen wird. Auch in Gießen ist das in alter Zeit Ditte gewesen. Die Turm- wächter auf dem Stadttircheicturm, die dort mit ihren Familien wohnten, waren allesamt Musikanten, die ihre Kunst nicht nur auf dem Turm ausübten, sondern auch Kapellen bildeten, mit denen sie in der Stadt musizierten. 3n A l s - seid hat sich das Turmblasen bis auf diesen Tag erhalten: so oft ein Dahingeschiedener nach dem Friedhof geleitet wird, erklingen Choräle, die diesem Falle entsprechen. 3n dieser ober- hessischen Stadt ist auch seit alten Tagen das „M a i e n b l a s e n" herkömmlich. Das entspricht ganz der germanischen Freude am Frühling, wie sie uns so reizvoll aus den Liedern eines Walters von der Vogelweide entgegenklingt.
Vor mehreren 3ahren hat Amtsgerichtsrat Gros, der in seiner beruflichen Tätigkeit in Alsfeld das Maienblasen kennengelernt hatte, diese Sitte auch hier eingeführt, und er hat bei Freunden und Bekannten Geld gesammelt, um den Musikanten, die er berufen hatte, eine Entschädigung für die aufgewendcte Zeit und Mühe zukommcn zu lassen. 3n diesem 3ahre hat der Verein für christliche Musik unter Leitung der Herren Ludwig V i e b e r g a l l und Heinrich Bartholomäus das ..Maicnblascn" ausgeführt, und zwar Mittwochs und Samstags von 19 bis 20 Uhr. Das Programm umfaßte regelmäßig drei Stücke. Zuerst wurde ein Choral dargeboten, dann folgte ein Konzertstück, und die Veranstaltung schloß mit einem Volkslied. Die großen Scharen, die sich abends immer um die 3ohanneskirche versammelten, gaben davon Zeugnis, daß die Wiederbelebung eines alten Brauches im Herzen der heute Lebenden einen lebhaften Widerhall gefunden hat. Hoffentlich bürgert sich das „Maienblascn" für alle Zukunft hier in Gießen wieder ein.
Sinkkästen reinigen!
Vom städtischen Hochbauamt wird uns geschrieben:
Bei den starken Niederschlägen der letzten Zeit wurde wiederholt festgcstellt, daß die Eigentümer und Verwalter von Grundstücken die regelmäßige Reinigung der Hofsinkkästen innerhalb der Grundstücke und der Regenrohrsinkkästen auf den Bürgersteigen, die sich vor den Regenrohren befinden, nicht vornehmen lassem Hierdurch werden die schweren Sinkstoffe abgelagert und führen zu Verstopfungen, die schließlich kostspielige Ausgrabungen und Freilegung der Erdleitung notwendig machen.
Ebenso bedürfen die Dachrinnen und Regenabfallrohre einer regelmäßigen gründlichen Nach
prüfung, damit nicht die Dachwässer überlaufen. Dadurch werden die Fußsteige verunreinigt. Passanten belästigt und schließlich Unfälle, besonders an Frost tagen, verursacht.
Rach § 37 der Ortspolizeiverordnung vom 1. August 1904 muß die gesamte Anlage stets in gutem Zustande erhalten, gehörig gereinigt und gespült werden. Verschlungen gegen diese Vorschriften werden bestraft.
Ferner machen wir die Hauseigentümer dar- auf aufmerksam, daß sie sich strafbar machen, wenn he nichtgenehmigte Entwässerungsanlagen oder Aenderungen zur Aussührung bringen lassen. Auch dürfen derartige Anlagen nur durch solche Unternehmer ausgeführt werden, die für diese Arbeiten zugclaffen sind. Richtzugelassenc Unternehmer müssen unter Vorlage ihres Befähigungsnachweises ihre Zulassung besonders beantragen.
Das neue Teutonen-Haus.
Las Korps Teutonia beging am letzten Samstag in Verbindung mit der Feier des 91. Stiftungsfestes die Einweihung sc iß es jetzigen Hauses, der vormals Gailschen Villa in der Wilhelmstrahc 25. Die innere Feier wurde, wie man uns berichtet, um 6 Uhr in der weiten Vorhalle in Gegenwart zahlreich erschienener Alten Herren abgehalten. 3n seiner glänzenden Weihcrcde warf der Vorsitzende des Vereins Alter Gießener Teutonen einen kurzen Rückblick auf die früheren einfachen Unterkünfte des Korps, gedachte der im Weltkriege gefallenen Korpsbrüder, dankte allen denen, die bei der Erwerbung und Einrichtung des neuen Heimes durch Rat und Tat mitgewirkt hatten, hob hervor, daß durch die opferwilligen Spenden und Zeichnungen der Alten Herren die Finanzierung des Ankaufs unbedingt gesichert sei, und übergab mit herzlichen, mahnenden Worten den Aktiven das prächtige Gebäude, das neben den für den Betrieb des Korps bestimmten Räumen auch Wohnung für 7 bis 8 Studenten bietet. Der 1. Chargierte sprach hierauf namens der Aktiven den Alten Herren für das ihnen gewordene großartige Geschenk tiefgefühlten Dank aus mit dem Gelöbnis, es in Ehren und treuer Obhut zu halten. Bei dem abends stattgehabten Kommers brachten S. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Brügge mann, der Vorbesitzer des Anwesens Dr. mr. Georg Gail, sowie andere geladene - Gäste dem Korps die Glückwünsche zu dem Einzuge in das neue Haus dar. Am Sonntag herrschte in dem mit gediegenem Geschmack ausgestatteten Gesellschaftszimmer, auf den Ballonen und in dem herrlichen Park ein fröhliches Treiben, das durch die Gegenwart vieler Damen noch besonders verschönt wurde.
DaS bisherige Haus in der Kaiserallee, das dem Korps von 1894 bis 1933 als Heim diente, ist in das Eigentum der Verbindung Silvania über gegangen, die damit in Gießen seßhaft geworden ist.
Taten für Donnerstag, 5 Juni.
1599: der spanische Maler Don Diego Velaz- quez in Sevilla geboren; — 1826: der Komponist Karl Maria von Weber in London gestorben.
Vornotizcn.
— Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Wien, du Stadt der Lieder." —
— Stadt thcater Gießen. Man schreibt uns: Fred A. Angermaycrs Volksstück „Flieg, roter Adler von Tirol", mit dem am Dienstag das Stadttheater seine Sommerspielzeit eröffnet, ist eins der erfolgreichsten Stücke der vergangenen Winterfaifon. Mehr als 70 Theater haben bereits das Stück angenommen. Die kommende Dicnstagvorstellung ist die erste im Sommer- abonnement.
* Eine öffentliche Sitzung des Stadtrats findet am nächsten Freitag, 6. 3uni, ab 17 Uhr im Sihungssaale des Stadthauses Bergstraße statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende bedeutsame Angelegen- beiten: Entscheidung über die Stellungnahme unserer Stadt zur Gasfernversorgung; Festsetzung der endgültigen Steuerausschlagsätze für das Fahr 1929; Einbau von Wohnungen in die De- helfsschulbauten in der Rodhcimer Straße; Kre- dit für die kostenlose und verbilligte Abgabe von Mülleimern an Minderbemittelte; Einbau von Wohnungen in das städtische Gebäude Reustadt 61; eine Anzahl Arbeitsvcrgebungcn für städtische Bauten.
•* Straßensperrung, mitgeteilt vom Obcrhessischen Automobilklub E. D. (A. v. D.) Gießen: Die Landstraße Biedenkopf—Gießen in km 4,5 bis 5,0 und 6,5 bis 6,6 ist vom 2. 3uni bis einschl. 11.3uni für den Kraftsahr^ug- und Fuhrwerksverkehr unter 2,5 Tonnen Gesamtgewicht gesperrt. Umleitung über Eckelshausen — Kombach — Friedensdorf.
* Städtische Heugrasversteige- rungen finden am Mittwoch und Donnerstag nächster Woche statt. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung der Stadtverwaltung ersichtlich.
” Die Gießener Geldinstitute am P f i n g st s a m s t a g. 3n unserem heutigen Anzeigenteil geben die Gießener Geldinstitute bekannt. wie ihr Dienst für Psingstsamstag festgelegt ist. Die Reichsbanl bleibt ab 12 Uhr geschlossen, die Commerz- und Privatbank, die Darmstädler und Nationalbank, die Deutsche Bank und Discontogesellschaft, sowie die Handels- und Gewerbcbank halten ihre Geschäftslokale den ganzen Pfingstsamstag für jeglichen Verkehr geschloffen.
• • Der Eki - Gau Vogelsberg hielt am Samstag und Sonntag ein Gautreffen auf dem Hoherodskopf ab. Der gute Besuch bewies, daß der Vogelsberg auch im Sommer von feinen winterlichen Getreuen nicht vergessen ist. Die Ski- CDcre.nig: ngen Ghf.en, Alsfeld, Wetterau (Friedberg), Grunberg, Schotten waren vertreten, desgleichen durch mehrere Herren der Vorstand des
Landesverbandes Mitteldeutscher Skiverefne km D. S. D. Die Zahl der Ski-Läufcr und Eki-Läusc- rinnen war etwa gleich. Am Samstagabend entwickelte sich im V. H. C -Haus der übliche zünftige Betrieb. Der Ski Klub »Dlau-Weiß'-^chotten unter feinem Vorsitzenden Dr. mcd. Kocni - ger, hatte einen Teil feiner eigenen Musikkapelle aufgeboten und auch für sonstige Unterhaltung gesorgt. Arn Sonntag in der Frühe übernahm Univerfltäts-Tum- und Sportlehrer Dr. Möckelmann -Gießen, der Eportwart des Gaues, das Kommando. Ein Hornruf versammelte die Ski-Läuser im sommerlichen Sportdreß. Darauf gymnastische Uebungcn mit Musik auf der Heide. Ein Erholungswaldlauf schloß sich an. Mil Gesang, die Damen voran, zog man geschloffen aus dem Wald wieder heraus. Darauf Seilziehen, Sackhüpfen, Wettlauf auf allen Vieren. Sonne und Luft erhöhte die Freude. Dann fand die Gauvcrsammlung unter dem Vorsitz von D r. Wodacg c-Gicßcn statt. Die üblichen Vereins- dinge wurden glatt erledigt und Pläne für den nächsten Winter geschmiedet. So will u. a. der Gau im nächsten Februar eine verbilligte Hoch-
Wenn Ihre
Empfehlungsanzeige
in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll
dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der Geschäftsstelle auf
gebirgssahrt unternehmen, bei der krasse Ski- Säuglinge, Gipfelstürmer und auch das behäbigere Alter unter Wahrung jeglicher individuellen Freiheit gleichmäßig auf feine Kosten kommen kann. Das Ski-Paradies, mit dem der Gau-Vorsitzende schon Verhandlungen geführt hat, wird freilich vorerst noch nicht verraten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen überreichte der Sport- wart des Verbandes Mitteldeutscher Ski-Vereine, Professor Ratzel-Frankfurt, die Plaketten der Siegerin und den Siegern des Gaues, die diese sich im vergangenen Winter im Taunus erobert haben. Auch im grünen Vogelsberg klang das Ski-Heil! ,
" Erfolgreiche Schwimmerprüfung. Frl. Gertr. Schuchhard vom Schwimmverein Gießen hat die Grundscheinprüfung und der Gefreite P. M ü h vom gleichen Verein die Prü- sungsscheinprüfung der DLRG. mit Erfolg abgelegt.
•• Wiederfehensfeier der ehemaligen 115er -M. G. - Leute. Die Angehörigen der Maschinengewehr-Kompanie des ehemaligen Leibgarde-3nsanterie-Regiments Nr. 115 treffen sich Pfingsten in Darmstadt. Am Pfingstfamstag, abends 8 Uhr, Begrüßung im Brauereiausschank Heß („Hannibal") in der Kirchstraße. Am Pfingstsonntag und -montag findet jeweils um 11 Uhr vormittags Frühschoppen in der „Krone" (Standquartier) in der Schustergasse statt. Daselbst auch am Sonntagabend von 8 Uhr ab Kommers im Zimmer des Odenwaldklubs. Alle ehemaligen 'M. G.-Lcute des Leibgarde-Regiments sind zu dieser Wiedersehensfeier eingeladen.
•* Nicht Lollar, sondern Lauterbach. Zu unserem Bericht vom vorigen Samstag über die Sitzung dos Erweiterten Bezirksschöffengcrichts Gießen am 28. Mai ist berichtigend mitzuteilen, daß der zu V/s Jahren Zuchthaus verurteilte Angeklagte in der zweiten Prozeßsache jener Gerichtssitzung nicht aus Lollar, sondern aus Lauterbach stammt.
Große Strafkammer Gießen.
• Gießen, 3. Juni. Bestätigt wurde ein Urteil des Schöffengerichts Gießen, durch das eine Frau aus Affenheim wegen fahrlässiger Tötung ihres neugeborenen Kindes zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Sie hatte das ftinb trotz mehrfacher Warnungen in einem Körbchen in die Nähe des Herdfeuers gestellt, fo daß, wie sie unwiderlegbar behauptete, durch herausfallende Glut ein Brand entstand. Da es sich um eine sehr grobe Fahrlässigkeit handelte, bestand kein Anlaß, die Strafe zu ermäßigen.
Gleichfalls b e ft ä t i g t wurde das Urteil des Schöffengerichts Gießen, durch das ein Schupowochi- meifter von Butzbach wegen gefährlicher Kör- perverletzung zu einer an Stelle einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten tretenden Geldstrafe von dreihundert Mark verurteilt worden war. Er hatte in der Weihnachtsnacht, als er außer Dienst im Zustand starker Betrunkenheit durch die Straßen von Butzbach zog, bei einem Streit einem Passanten mit einer Pistole durch die Hand geschossen. Bon einer Erhöhung der Strafe wurde abgesehen, da die Betrunkenheit des sonst tüchtigen Beamten nicht auf feine Schuld allein zurückzuführen war.
S e ft ä t i g t wurde schließlich das auf eine G e - fängnis strafe von acht Monaten lautende Urteil des Schöffengerichts Gießen gegen einen In- validen aus Alsfeld wegen 2krfül)rung einer kaum Vierzehnjährigen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ftatt
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
• Das Amtsverkündigungsblatt N r. 4 1 vom 3. Juni enthält: Gesuch der Brauerei 3hring°Melchior, Komm.-Ges. in Lich um Erlaubnis zum Ausfahren von Bier und Eis an Sonntagen. — 3ugcndfeiertag und Fortbildungsschule. — Dienstnachrichten.
Defteiungöfeier der rheinischen Turner
WSR. Mainz, 2. 3uni. Die zurDcuts ch c » Turnerschaft des beichten Gebietes gehöris gen Turnvereine der Rheinprovinz, der Provinz Hcsfcn-Rassau. des Freistaates Hessen und der Psalz beabsichtigen, in der Nacht zum 1. 3utl anstatt ihrer Sonnwendfeier am St. 3ohannlStag auf den rbein. Höhen und den Bergen der Pfalz aus Anlaß der Befreiung des heimatlichenBodenO mächtige Freudcnfeuer auUob.rn zu lassen Die Frcudenseuer aus dem Großen F e l d b c r g im Taunus und auf einem Berge in der Pfalz sollen mit besonderen Feierlichkeiten verbunden werden.
Heue Mietseüsehung für Groß-Mainz.
WSR. Darmstadt, 3. 3unt. Das hessische Gesamtministerium hat heute die Verordnung vom 26. Mai 1930 über die MietzinSbil- dung in der St adt Mainz wie folgt abgeändert: Die gesetzliche Miete wird für die Stadt Mainz in folgenbcr Höhe festgesetzt: a) Für QUt- mainz und die Stadtteile Mainz-Kastel, Mainz- Kostheim und Mainz-Mombach 124 Prozent der Fricdcnsmicte; b) für Maimc-Bischossheim, Mainz-Brcyenhcim und Mainz-Weisenau 122 Prozent; c) für Mainz-Ginshcim 120 Prozent.
Vermischtes.
Das 50. Jubiläum de» Vereins für das Deutschtum im Auslände.
Reichspräsident von Hindenburg empfing aus Anlaß der 50. 3ubelseier des Vereins für das Deutschtum im Auslande eine Abordnung des Vorstandes unter Führung seines ersten Vorsitzenden Freiherrn von dem BuSsche-Haddenhausen. An dem Empfang nahmen teil der gcschäftsführende Vorsitzende Konteradmiral S e c b o h m sowie die Herren Prosessor G u m 1 i ch als Vorsitzender des Landesverbandes Mark Brandenburg, Geheimer Oberkonsistorialrat Dr. Lang, Berufsschuldirektor Scholz, Oberregierungsrat Kühne und Studienrat Dr. Breckner. Die Herren überreichten dem Herrn Reichspräsidenten die E h r e n p l a ke t te des Vereins inGold mit dem Gelöbnis, daß der Verein auch in Zukunft treu für das Deutschtum im Ausland seine Kräfte cinsetzen werde. Der Reichspräsident nahm die Plakette mit Dank für die bisher geleistete Arbeit entgegen und versicherte dem Verein sein ferneres Wohlwollen.
Tagung für Liebhaber-Orchester.
Auf der Tagung für Liebhaber-Orchester, die vom 13. bis 15. Juni in Bad Pyrmont vorn Reichs- bunb Deutscher Orchestervereinc e. V. gemeinsam mit dein Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht veranstaltet wird, gelangen u. a. neue, eigens für diesen Zweck geschriebene Werke für Liebhaber-Orchester von Paul Graencr, Paul Höffer, L. v. Knorr und Ernst Pepping zur Aufführung. Festdirigenten find Generalmusikdirektor Dr. Ernst Praetorius (Weimar) und Professor Walther Gmeindl (Berlin). Professor Dr. H. I. Moser (Berlin) spricht über die Bedeutung der Liebhaber-Orchester in der Gegenwart.
(Ein Fluggespräch über 12 000 Kilometer.
Ein interessantes Experiment wurde zwischen Berlin und einem über Los Angeles fliegenden Flugzeug durchgeführt. Der bekannte aincri- konische Flugsachverstandige Milliken und der Professor der Technischen Hochschule Aachen von Kar mann befanden sich an Bord dieses Flugzeuges und führten um 15 Uhr westamerikanischcr Zeit (23 Uhr MEZ.) ein ungefähr zehn M i - nuten langes Gespräch durch Vermittlung des Hearst-Senders San Franzisko mit Direktor Milch von der Deutschen Lufthansa, der sich des gewöhnlichen Telephonapparates bediente. Die Bcr- ständigung auf dieser über 12 000 Kilometer langen Entfernung war so hervorragend, daß die über Los Angeles kreuzenden Flugpaffagiere Berlin bitten mußten, nicht fo laut z u sprechen, weil jedes Wort ausgezeichnet oerständ- l i ch fei.
Verbandstag der Ldeka.
Der Edeka-Berband deutscher kaufmännischer Genossenschaften e. B. hält in den Tagen vom 21. big 30. Juni d. I. feinen 22. Berbandstag in Karlsruhe ab. Auf der Tagung des Verbandes, welcher mehr als 400 Genossenschaften des kaufmännischen Mittel- standes mit etwa 30 000 Miltgliedern umfaßt, wird Herr Reichsminister Dietrich ein Referat halten, Nicht nur die Tagung selbst, sondern auch der schöne Tagungsort dürfte einen starken Besuch aus dem Reiche aufweisen.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
L. G. A. Sie können aus der Schadhaftigkeit des Zaunes, der wohl 3hrem Rachbar als Alleineigcntum ^usteht, kein Recht herleiten, 3hre Hühner auf sein Eigentum laufen zu lassen, müssen vielmehr selbst Vorrichtungen treffen, daß 3hre Hühner 3hren Hof nicht verlassen. Sollten Sie angezeigt werden, so werden Sie bestraft. Einigen Sie sich deshalb mit 3hrem Rachbarn und tragen Sie zu den Reparaturkosten deS Zaunes etwas bei.
A. Z. 100. Rach § 1601 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sind Verwandte in gerader Linie verpflichtet. einander Hinterhalt zu gewähren. Unterhaltspflichtig ist nach § 1603 BGB. nicht, wer bei Berücksichtigung feiner sonstigen Verpflichtungen außer st ande ist, ohne Gefährdung seines standesmähigen Unterhalts den Unterhalt zu gewähren. Leistet ein Wohlfahrtsamt an Stelle des Verpflichteten den Unterhalt, so kann cs selbstverständlich gegen den Verpflichteten Rückgriff vornehmen. Für die Vergangenheit kann Erfüllung nur von der Zeit an gefordert werden, zu welcher der Verpflichtete in Verzug gekommen ist. Der 3hnen vom Wohlfahrtsamt in T. an- gesonnene Betrag von monatlich 5 Mk. erscheint nach der von 3hnen gegebenen Schilderung 3hrer Verhältnisse nicht als zu hoch gegriffen.
Halte mit ODOL gesund
| Zähne, Mandeln, Hals und Mund


