Wegekreuzungsschilder sollen übrigens schon im Frühjahr bestellt worden sein.
y. Ruttershausen, 2. Sept. 2lm Bahnübergang in der Rahe der Lahnbrücke hat die Bahnverwaltung seit einigen Wochen eine dankenswerte Neuerung machen lassen. Die Schranken werden jetzt elektrisch beleuchtet. Dadurch ist eine größere Betriebssicherheit gewährleistet, denn der Autoverkehr, besonders in Zeiten der Llmleitung, ist hier recht lebhaft. — Heute wurde gelegentlich der ersten Beerdigung der erweiterte Friedhof feierlich in Gebrauch genommen. Es wäre richtig, wenn der neue Teil im Herbste von der Gemeinde auch mit Bäumen nach sachverständiger Beratung bepflanzt würde.
gr. Grüninaen, 2. Sept. Vorigen Donnerstag unternahm die Oberklasse der hiesigen Volksschule eine Wanderung zum Stoppelberg. Von dem neuen Stoppelbergturm hatte man eine herrliche Sicht in die schon herbstlich gestimmte Landschaft. Am gestrigen Montag besuchte die LInterklasse den H a u s - berg bei Butzbach.
II Bellersheim, 2.Sept. Am Sonntag wurde hier seit langen Jahren wieder einmal ein Zugendfest gefeiert, zu dem sich fast die gesamte Einwohnerschaft eingefunden hatte. Llnter Dorantritt der Spielleute des Turnvereins zog die mit Blumen und Kränzen geschmückte Schuljugend dem nahen Wald zu, wo das Fest stattfand. Rach einem Vorspruch und Lied hielt Lehrer Philipp eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung dieses Tages hinwies und auch der Befreiung des Rheinlandes gedachte. Anschließend erklang das Deutschlandlied. Dann kamen abwechselnd Gedichte, Lieder und kleine dramatische Aufführungen zu Gehör, die von Schülerinnen und Schülern musterhaft dargeboten und von den Zuschauern mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. Zum Schluß erfolgte noch unter Leitung von Lehrer Schmidt ein Stafettenlauf, Eierlauf und Sackhüpfen. Zn dankenswerter Weise hatte die Gemeinde einen Geldbetrag zur Verfügung gestellt, so daß jedem Kind eine Brezel mit auf den Heimweg gegeben werden konnte.
Kreis Schotten.
Ober-Schmitten, 2. Sept. Ende der letzten Woche traten hier vereinzelt die Masern auf. Znnerhalb zweier Tage breiteten sie sich so stark aus, daß neben den noch nicht schulpflichtigen Kindern 50 Prozent der Schüler der Unter- klasse daran erkrankt sind. Die Krankheit nimmt normalen Verlauf.
Kreis Alsfeld.
H Alsfeld, 2. Sept. Eine schlichte Abschiedsfeier fand gestern im Sitzungszimmer der Gewerbeschule für den kürzlich in den Ruhestand getretenen, langjährigen Leiter der hiesigen Gewerbeschule, Rektor Schindel, statt. Zu der Feier waren das Kuratorium der Gewerbeschule, der Vorstand des Ortsgewerbevereins und das Lehrerkollegium der Gewerbeschule erschienen. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Dür- Zermeister Dr. V ö l s i n g, gedachte in warmempfundenen Worten des verdienstvollen Wirkens von Rektor Schindel, der 33 Zahre an der hiesigen Gewerbeschule tätig gewesen ist. Gewerbelehrer Rohrbach sprach ihm nameirs des Lehrerkollegiums der Schule, sowie des Bezirksverbandes der Handwerkervereinigung Alsfeld- Lauterbach Dank und Anerkennung für seine hingebende Arbeit an der Förderung der Interessen des Handwerks und der Schule aus. Glasermeister L e n t h übermittelte dem Scheidenden den Dank des Ortsgewerbevereins, dem er viele Zahre hindurch als Vorstandsmitglied und Vorsitzender an- . gehört habe. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g über- reichte ihm namens des Kuratoriums und des -.Lehrerkollegiums eine kunstvoll ausgearbeitete ' Adresse. Rektor Schindel dankte in bewegten
Worten für die ihm erwiesene Ehrung und gab
Helene Chlodwigs
Schuld und Sühne.
Vornan von 3- Schneider-Zoerstl.
Urheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Die Schulden der gnädigen Frau betragen sechzigtausend Mark."
„Wie?"
„Sechzigtausend Mark!" Zuwelier Heldrich sah erst auf den Herrn, der den Zylinder in die Rechte geklemmt hatte und dann auf das aufgeschlagene Geschäftsbuch, in welchem die Summe vermerkt war. „Es sind fünf Ringe — ein Perlenkollier und eine Brillantagraffe."
„Sind Sie über die Vermögensverhältnisse der gnädigen Frau orientiert, Herr Heldrich?" Es schien, als ob das glattrasierte Männergesicht einen Schatten bleicher geworden wäre. Aber daran konnte auch die grüne Tapete des Raumes schuld fein, die aparte Reflexe warf.
„Für alle Fälle bin ich zu zwei Dritteln gedeckt, Herr Direktor, ich habe eine Hypothek auf Rottach-Berghof."
„Zn welcher Höhe?" „Vierzigtausend Mark." „Und die anderen?"
„Zch pflege mich nur um mein Soll und Haben zu kümmern, Herr Direktor."
Die hohe Stirne unter dem starkmelierten, straff zurückgekämmten Haar schien nachzudenken. „Wissen Sie zufällig, wer noch Außenstände von der gnädigen Frau einzubringen hat?"
„Einzelne große Kaufhäuser nur, aber die Summe reicht nicht im entferntesten an mein Guthaben heran. Zch begreife nicht, was Ma- tarne mit ihrem (Selbe macht. Man möchte glauben, bei dieser hohen Gage —"
Direktor Averson gebot mit einer Handbewe- guna Schweigen, ließ sich auf dem Rand des Stuhles meber, bcn ihm Heldrich angeboten hatte und zog seine Füllfeder heraus. Seine Finger deren ausgeprägt konische Form auffiel, setzten den Ramen unter einen Scheck, den er dem Zu- Wetter zuschob. „Die Hypothek auf Rottach-Berg- hof ist bis heute abend gelöscht, Herr Heldrich!"
Der Zuwelier verneigte sich.
„Die Sache verbleibt ganz unter uns!" Ein abermaliges stummes Verneigen.
Heldrich reichte ihm den Zylinder und öffnete ihm die Türe, welche nach dem Ausgang führte. Mit einem leisen Knall schlug sie hinter dem Manne, dessen Schultern einen Augenblick etwas von ihrer Straffheit eingebüßt hatten, zusammen.
dabei einen Ueberblick über die Entwickelung der Alsfelder Gewerbeschule seit ihrer Gründung, die, aus kleinen Anfängen heraus entwickett, heute eine Schülerzahl von mehr als hundert aufweist. An die offizielle Feier schloß sich ein gemütliches Beisammensein. — Ein verdien st - volles Werk hat das Hessische LandeS-Ver- messungsamt im Zusammenhänge mit der Durchführung der Feldbereinigung und der Katastervermessung von Stadt und Gemarkung Alsfeld durch Herausgabe wertvoller Karten geschaffen. Diese enthalten Uebersichtspläne der Gemarkung Alsfeld in zwei verschiedenen Maßstäben in gewöhnlicher und farbiger Ausführung, sowie einen Plan der Stadt Alsfeld im Maßstab von 1:5000, umfassend den gesamten Grundstücksund Gebäudekomplex der Stadt und ihrer unmittelbarer Umgebung, Flur- und Gewannbezeich- nung, sowie das gesamte Straßen- und Wegennetz. Die Karten bilden neben ihrer prakttschen Verwendung zugleich ein wertvottes Anschauungsmaterial für den Heimatunterricht.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
X. R. Odenhausen (Lah n), 1. Sept. Gestern fand die feierliche Weihe unseres Gefallenen-Ehrenmales statt. Die gesamte Einwohnerschaft und die Vereine Oden- Hausens, sowie viele Gäste aus den Rachbar- dörfern hatten sich dazu eingefunden. Die Feier begann mit einem Vorspiel des Pvsaunenchores Fronhausen, der sich in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte. Darauf folgte ein Prolog, gesprochen von einem Schulmädchen. Sodann hielt Pfarrer Lindenborn die Weiherede, in der er den 23 Gefallenen unsrer Gemeinde herzliche Worte des Gedenkens widmete und hinwies auf ihre Opfertat. Unter Glockengeläute fiel bann die Hülle, die Menge verweilte einige Augenblicke in stillem Gedenken, dann sang der hiesige Gesangverein unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Reinhardt, das Lied „Zch hatt' einen Kameraden". Hierauf sprach Presbyter L. Wagner über die Entstehung des Denkmals, dankte allen, die an der Errichtung mitwirkten und übergab im Auftrage des Denkmal-Ausschusses das Denkmal der Obhut der Gemeinde. Gemeindevorsteher Pfaff übernahm das Denkmal. Es folgten, gesungen vom Gesangverein Odenhausen, tar Chor „Ihr Helden", zwei Deklamationen von Schulkindern und Spiel des Posaunenchors. Zum Schluß legten Zivilgemeinde, Kirchengemeinde, Kriegerverein, der auch die Ehrensalve schoß, Gesangverein, die beiden Turnvereine, die Durschen- vereinigung und die Kriegerhinterbliebenen Kränze an dem Ehrenmal nieder. Der Gesang des Liedes „Harre meine Seele", begleitet vorn Posaunenchor Fronhausen, beschloß die würdig verlaufene Feier.
(p Odenhausen, 1. Sept. Hier trafen sich die Schulen von Krofdorf, Launsbach, Wißmar, Odenhausen und Salzböden auf dem Sportplatz, um die Reichsjugendwettkämpfe auszutragen. 127 Schüler der vier obersten Iahr- gänge maßen ihre Kräfte in einem Dreikampf, bestehend aus Lauf, Weitsprung und Ballweitwurf. Die 4xl00-Meter-Pendelstafette gewann die Launsbacher Schule. Gemeinsame Frei- und Haltungsübungen unter Leitung des Obmanns bereicherten die Veranstaltung. Rach der Siegerverkündigung und Verteilung von Würstchen und Weck traten die Schüler den Heimweg an.
Kreis Biedenkopf.
WSR. Biedenkopf, 2. Sept. Zn einer der letzten Rächte versuchten bisher unbekannt gebliebene Täter das Gefallenendenkmal in Wallau dadurch zu zerstören, daß sie auf den in Sandstein ausgehauenen Kriegerkopf fünf Schüsse aus einer kleinkalibrigen Büchse
Die Limousine, welche am Gangsteig gewartet hatte, setzte sich langsam in Bewegung. „Wohin befehlen Herr Direktor?"
„Rach Rottach-Berghof! — Rein — fahren Sie mich erst nach Hause, Felix."
Der Chauffeur drückte den Schlag zu und wandte fein Augenmerk auf die Straße. Ein Herr grüßte aus einem offenen Wagen und bekam keinen Dank zurück. Averson war zu sehr mit Helene Chlodwig beschäftigt. Heldrich hatte recht. Was machte sie mit ihrem Gelde. Ihre Gage ging ins Riesenhafte und Rottach- Berghof konnte doch unmöglich solch eine horrende Summe gekostet haben.
Zrgendwie sonstige kostspielige Liebhabereien waren ihr wiederum nicht nachzuweisen. Er begriff nicht, sah erst auf, als seine Villa in Bogenhausen erreicht war und der Wagen mit eleganter Kurve in den Park einbog.
„Post?" fragte er den Diener, der die Türe des Haupteinganges zurückhielt.
„Zwei Briefe, Herr Direktor!" Er lief schon und kam gleich darauf mit ihnen zurück.
Die Hülle mit der großen charakteristischen Handschrift flatterte zu Boden.
„Mein Freund!
Ich bin heute nicht ganz wohl, aber morgen nachmittag heiße ich Sie herzlichst willkommen.
Helene."
Den zweiten Brief steckte er, ohne ihn gelesen zu haben, in die Tasche seines Mantels und trat wieder ins Freie. „Rach Rottach-Berghof", befahl er.
Die Räder setzten sich In Bewegung, eine schmale Falte lag über den grauen Augen eingekerbt. Wenn die geliebte Frau nicht wohl war, dann hatte er um so mehr Grund zu ihr hinauszufahren, um zu sehen, wie es um sie stand.
Wenn sie ungnädig war, konnte man nachts wieder zurückfahren.
Andernfalls würde er bleiben.
* * *
„Helene, glaub mir doch!"
»Was soll ich dir denn glauben, du großes Kind?" Die Kammersängerin lag auf einem der Gartenstühle ausgestreckt und fuhr mit den Fingern der Rechten durch Frankes Haar, bis dieses ein Wirrsal darstellte.
»Daß ich dich liebe, Helene!"
„Zweifle ich denn daran? — Zch liebe dich ja auch, du dummer Mann. Aber damit mutzt du es genug sein lassen! — Deine Frau werden? — Hm Gottes willen nein, Zust! Das wäre die Spitze der Anvernunft I — Ditte, fahre nicht auf! Zch würde dich ruinieren! Du weiht ja gar nicht, was ich für ein anspruchsvolles Weib bin — in jeder Hinsicht."
„Zch würde Tag und Rächt —"
abgaben. Glücklicherweise wurde der Kopf nicht direkt getroffen, so daß kein nennenswerter Schaden entstanden ist. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Kirche und Schule.
Zugendfest
der Christlichen Gemeinschaften Hessens
xy Leihgestern, 1. Sept. Das Jugendfest der Christlichen Gemeinschaften Hessens nahm am gestrigen Sonntag bei günftiaem Wetter unter starker Beteiligung der von auswärts erschienenen christlichen Jugendvereinigungen einen sehr schönen Verlauf. Unter Hinzuzählung der Besucher aus Leihgestern dürfte eine Gesamtbeteiligung von über 2000 Festteilnehmern nicht überschätzt sein. Die Mitglieder der Christlichen Gemeinschaft Leihgestern hatten eine große Anzahl Sitzplätze hergerichtet und eine gute Einteilung des Tages getroffen.
Am Vormittag fand eine Probe des 100 Mann starken Bläserchors und des etwa dreimal so starken vereinigten gemischten Chors statt, die gegen %12 Uhr beendet war. Anschließend begaben sich die Gäste in ihre Quartiere zum Mittagessen. Um 13.30 Uhr setzte sich ein großer Fest - zug in Bewegung, in dem der Bläserchor in fünf einzelnen Gruppen aufgeteilt war und christliche Liedermärsche spielte.
Auf dem Festplatz wurde die Vortragsfolge von dem B l ä s e r ch o r mit der „Sturmbescywörung" d. V. Kahl eröffnet, dem gemeinsamer Gesang und die Begrüßung durch Prediger Peters (Mücke), sowie ein Vortrag des gemischten Chors der Christlichen ^Gemeinschaft Leihgestern folgten. Der vereinigte gemischte Chor sang hierauf „Lob Gottes" von Ruh. Nachdem Prediger Scheier (Nieder- walgern) gesprochen hatte, wechselten Bläserchor, Gemischter Chor und Gemeindegesang einander ab, bis Missions-Jnfpektor Veiel - St. Chrischona zur Festansprache die Rednertribüne bestieg. Er brachte zum Ausdruck, daß es ihm eine Freude sei, an diesem Jugendfest in Hessen teilnehmen zu können. Sein besonderer Gruß galt den „Alten", die schon lange Jahre treue Brüder und Schwestern der Christlichen Gemeinschaft seien. An die Jugend richtete er ernste Mahnworte, in denen er zum Ausdruck brachte, daß gute Christen auch treue Glieder eines Staates seien. In der Hoffnung, daß die christliche Jugend in den Fußtapfen der „Alten" folgen werde, schloß der Redner seine eindrucksvolle Ansprache. Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung sprachen noch Prediger Langenkamp (Friedberg) und Prediger M e n g (Großen-Linden). Mit einem Vor- trag des Bläserchors: „Lobet den Herrn ihr Heiden all schloß gegen 17 Uhr die Festfolge.
Landkreis Gießen.
S Wirberg, 1. Sept. Aus nah und fern hatten sich die Missionsfreunde gestern in stattlicher Zahl zum Mifsionsfesttag auf dem Wirberg zusammengefunden. Zm Schatten der Bäume neben dem Gotteshaus fanden Feier und Rachfeier statt: das geräumige Gotteshaus wäre zu klein gewesen. Die Festpredigt hielt Missionar H. Walther (Beuern). Der Posaunenchor Bersrod begleitete die Festgefänge und bot manchen Beitrag au8 dem Schatze der geistlichen Musik. Eine Pause zwischen den beiden Feiern gab Gelegenheit, den Kaffee einzunehmen, den die beiden Familien auf dem Wirberg in alter Gastfreiheit boten. Die Rachfeier wurde durch eine kurze Begrüßung des Wirberger Pfarrers eröffnet. Dekan Schmidt (Grünberg) brachte die Grüße des Dekanats Grünberg und sprach über die gegenwärtige Rot und großen Aufgaben der Mission in China. Missionar Walther erzählte von seiner missionarischen Tätigkeit und zeigte auch einige Gegenstände aus dem Kultus der Reger. Zn einem kurzen Schlußworte dankte der Ortspfarrer allen, die zum Gelingen des
„Ratürlich, du würdest Tag und Rächt nicht zur Ruhe kommen!"
„Rein, ich habe gemeint, schaffen und sorgen, damit du zufrieden bist."
„Du bist ein guter Mensch! Zch glaube dir auch das! — Wieviel wirft deine Praxis allmonatlich im höchsten Falle ab?“
„Zweitausend Mark! — Zuweilen etwas mehr." „Das reicht gerade für meine Schneiderin!" „Helene!"
„Siehst du, nun erschrickst du schon. Es bleibt nichts für ein Mittag- und Abendbrot! Kein Wochenendausflug! Kein Mantel für dich und keine Ferienreife! Rein nichts!"
„Glaubst du, Helene, daß es dir nicht möglich ist, dich einzuschränken?" —
„Zch mühte natürlich beim Theater bleiben, dann vielleicht —"
. „Aur das nicht!" fuhr er auf. „Zch könnte es nicht sehen, wie heute der und morgen ein anderer —"
„Spießbürger!" unterbrach sie ihn. „Zede meiner Kolleginnen bleibt beim Fach, auch wenn sie sich einen Mann als Anhängsel zugelegt hat. Die Zürgen und die Zefferson und Paula Her- terich und alte die anderen! — Aber was rede ich denn! Als ob es bereits eine ausgemachte Sache wäre, daß ich dich heirate. Es taugt nicht, glaub' mir's doch! Wenn heute deine große Liebe herabgebrannt ist —"
„Sie wird nie herabbrennen, Helene!"
Die Diva seufzte, fing eine der späten Apfelblüten, die ihr in den Schoß flatterten, auf und zerpflückte sie.
..Hat dieser Averson irgendwelche Rechte an dich?"
Er ließ sie nicht aus den Augen, bis ihre Antwort kam: „Richt mehr als du!"
„Den liebst du also auch", sagte er resigniert.
„Patscheri!" Sie streifte die Blätter ab und sah nach den Wolkenfahnen, die im Himmelsblau dahinglitten, und spähte dann nach dem Weg, den ein Mann heraufgeschritten kam.
Er hatte einen Expretzbrief für den Doktor abzugeben. Don Valepp hatte ihn die Försterin nachgeschickt, weil er schon zwei Tage wegge- blieben war.
Mit den Augen fragte Zust um die Erlaubnis, ihn lesen zu dürfen. Helene nickte und ging nach dem Blumengarten, in welchem die Relken in kunterbunten Farben mit großen, duftschweren Köpfen in den Mittag träumten. Sie hörte feinen Schritt hinter sich und den heiseren Klang seiner sonst so klaren Stimme.
„Willst du ihn lesen?" Er hielt ihr den Brief mit gefurchter Stirne entgegen.
„Zch glaube dir auch so!"
„Mein Vater muß sich einer Operation unterziehen und will mich unbedingt dabei wissen."
Festes beigetragen hatten, die Kinder Übergaben die gewöhnte Kindergabe an den Fe st Prediger. Mit Schlußgebet und Segen des Pfarrers fand die Rachfeier ihr Ende. Die Festkollekte für Basel ergab, einschließlich der Kindergabe, 112,30 Mark, den Schriftenverkauf nicht eingerechnet.
Kreis Schotten.
<3 d) o 11 e n, 31. Aug. In der hiesigen Schützen- halle fand gestern die Familienkonferenz des Bezirkslehrervereins Schotten statt. Auch aus den benachbarten Lehrervereinen Gedern und Ulrichstein hatten sich Gäste eingefunden. Die offizielle Feier wurde durch einen Vorspruch (Lehrer Steinhauer- Schotten) sinnvoll eingeleitet. Obmann Blei- Schotten entbot den Willkommgruß, gedachte der Rheinlandbefreiung und würdigte die saft obligatorisch gewordene Familienkonferenz als einen Sonnentag im Alltag der Lehrerschaft. Schulrat H a s e n z a h l - Schotten zeichnete in tiefem sittlichen Ernst ein Bild der deutschen Frau, die ihre Verklärung in dem Begriff „Mutter" finde. Der unterhaltende Teil war reichhaltig ausge» stattet. Chöre des Lehrerguartetts, Kinderreigen, humoristische Darbietungen und Einakter wechselten in bunter Folge mit den feinempfunde^n musikalischen Vorträgen des „Philharmonischen ONHesters^ zu Schotten.
Hauptversammlung des Hess. Geschichtsvereins. WER. Schlüchtern. 2. Sept. Dieser Tage fand in Schlüchtern die diesjährige Iah res- hauptversammlung des Hessischen Geschichtsvereins statt, die gut besucht war. Den ersten Rachmittag nahm eine Sitzung des Ge- samtvorstandes ein. Abends fand in der Turnhalle der neuen Volksschule ein Vortragsabend statt, in dem Dr. Gansauge, Kassel, über die Baudenkmäler des Kreises Schlüchtern an Hand von Lichtbildern referierte.
Am Samstagfrüh wurde das Schlüchterner Kloster unter Führung des Leiters des Schlüchterner Heimatbundes, Lehrer P r a e s e n t, besichtigt. Anschließend fand die Hauptversammlung in der Turnhalle statt. Der Vorsitzende des Hessischen Geschichtsvereins, Biblio- theksdirektor Dr. Hopf. Kastel, begrüßte die Erschienenen, unter ihnen eine große Anzahl von Ehrengästen, nachdem,er in herzlichen Worten des verstorbenen Landeshauptmanns Dr. v. Gehren gedacht hatte. Zm Ramen der Stadt begrüßte Bürgermeister Gänßlen. Darauf sprach Privatdozent Dr. Möbius über den Stand der vor- und frühgeschichtlichen Forschung in Hessen. Zm ersten Teile seines Vortrages gab der Redner einen Aeberblick über die Geschichte der Forschung, während er sich im Folgenden den Aufgaben zuwandte, die die Vorgeschichte biete, deren bisherige Ergebnisse und weiteren Probleme er erörterte. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen. Die Berichte des Schriftführers, des Kastenführers und des Konservators der Sammlungen wurden einsttmmig genehmigt. Es wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen Einschränkungen des Kasseler Opern- etats wendet, sowie eine zweite, die den Ausbau der Mellnau zu einer Zugendherberge ablehnt, dagegen den Regierungspräsidenten ersucht, die Mellnau vor weiterem Verfall schützen zu wollen. Die bisherigen Vorsitzenden Dr. Hopf, und Zolldirektor i.R. Wohringer, wurden wiedergewählt. Ihm sowohl, wie Geh. Justiz- rat Heer. Marburg, wurde die Ehrenmitglieds- urkunde des Vereins für 25jährige Zugehörigkeit zum Vorstand überreicht. Als nächstjähriger Tagungsort wurde Efchwege besttmmt.
Am Sonntag wurde eine Omnibusfahrt nach Stakelberg, Schwarzenfels. Salmünster, Bad Soden unternommen, wobei die historisch bedeutsamen Stätten besichtigt wurden. Damit fand die Tagung ihren Abschluß.
„Dann mutzt du natürlich reisen, Zust! Väter darf man nicht warten lassen, zumal in einer solchen Lage."
Der Bote ging bereits wieder den Weg entlang, bog in die Wiesen ein und überquerte die Felder an ihrer Rainseite. Franke sah ihm nach und zerknüllte den Dogen mit harten Fingern. „Es ist nicht weit von München nach Rottach- Derghof. — Wenn alles vorbei ist —"
„Kommst du wieder —"
„Zn acht Tagen ist mein Urlaub zu Ende."
»Die Sonntage bleiben dir", beschied sie freundlich.
„Zch werde mir einen Wagen kaufen", entschloß er sich. „Zn zwei Stunden ist es zu machen. Zch kann ab und zu vielleicht auch abends kommen und morgens wieder zurückfahren. Darf ich annehmen, daß ich dir jederzeit willkommen bin?"
„Zederzeit!" Sie bog den Kopf etwas zurück.
Seine Fingerspitzen zuckten. Er warf einen raschen Blick nach dem Hause, dann griff er mit beiden Händen nach ihr und zwang ihren Mund an den seinen. Als er sie wieder freigab, lag ihr Gesicht für Sekunden gegen seine Schulter. „Du hast mich krank gemacht", klagte sie mit ernstem Vorwurf. „Vielleicht geht es mir auch so, wie der Kalb'n, daß ich sterben muh daran."
Er stand ehrlich erschrocken. „Dann mitsammen!". hastete er heraus. „Hörst du, Helene, mitsammen!"
Sie nickte. „Geh jetzt! — Am besten ist es, du fährst gleich von hier weg zur Bahn, deine Sachen läßt du dir von Valepp aus nachschicken. So versäumst du am wenigsten Zeit."
„Zch habe meine Rechnungen im Forsthaus noch zu begleichen."
„Ich werde es besorgen." Mit einer raschen Bewegung drückte sie seine Finger, die nach der Brieftasche greifen wollten, herab. „Latz die Kleinigkeit! Es spielt wahrhaftig keine Rolle, Zust."
Er faßte nach ihrer Hand und stieg mit ihr zum Hause hinauf, das mit halbgeschlossenen Läden in der Mittagssonne lag. Sie rief nach Döblinger, aber die Zungmagd gab Bescheid, der Mamert wäre nach dem Wald gegangen, Streu zu rechen.
»Zch fahre dich felbft", beschied sie. „Suche einstweilen im Kursbuch, wann wir in Tegernsee fein müssen. Wenn nötig, kann ich dich auch bis München bringen. Es macht mir nichts aus."
»Wer fährt dich dann zurück?" sorgte er sich.
„Riemand!"
„Dann nicht! — Rein!" sagte er heftig. „Zch brauche morgen eine sichere Hand und die wird mir fehlen, wenn ich mich um dich bangen muß. Also nur bis Tegernsee, Helene."
(Fortsetzung folgt.)


