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Nr. 205 Zweites Blatt

Mittwoch, 5. September 1950

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Linser fünfter Sieg über die Trikolore!

Randbemerkungen zum Leichtathletik-Länderkampf Deutschland Frankreich, voll unserem ^-Sonderberichterstatter.

Deutschland hat am Sonntag wie am Montag berichtet nach zähem Hingen seinen 5. Länder- lampt gegen das starte Frankreich siegreich be­standen! Man hatte säst Befürchtungen geoen- teiliger Hrt laut werden lassen, als dte beider­seitigen MannlchastSausstellungen m der Oessent- lichkeit bekannt wurden ohne Hirschfelb, ohne Dr Peltzer, ohne Büchner sanken die Aussichten des deutschen Teams in gleichem Maß«, tote die- jenigen der Franzosen fliegen. Aber ein ge­wisser Ausgleich wurde dann doch im letzten Augenblick geschossen durch das Fehlen einiger bewährter französischer Kräfte, wie Sempe. Dcgland und vor allen Dingen Feger. Sv hat cs der Reichsadler auch diesmal geschosst gegen die Trikolore! Und doS rein zahlenmäßige Er­gebnis in Betracht gezogen. Hasen wir über­legener gewonnen, al» allgemein erwartet wer­den konnte Der Dorsprung, der im Lause der letzten >vier Jahre von 38 auf 13 Punkt« ge­sunken war, hat sich wieder etwa- erhöht. 8 4:67 lautet das Ergebnis von Han­nover, doS mit ehernen Lettern in das Gol­dene Buch der deutschen Sportgeschichte ein­getragen werden wird.

Der Komps brachte teilweise merkwürdige Re- fultate! Merkwürdig insofern, als unsere Leute in Äonfutren/tcn un Dordertresscn zu finden waren, in denen man nie damit gerechnet hotte und anderseits muhten wir Punkte an den Geg­ner abtreten, die wir ganz sicher in der Tasche zu haben glaubten. Wer hatte mit ersten Plötzen in den 400 und 800 Metern, wer mit dem Doppel­erfolg im Kugelstoßen zu rechnen gewagt? Und wer hatte auf der anderen Seite ernsthost an eine Diederlage unseres Stabhochsprung-Dekvrd- mannes Wegener gedacht, wer ein so ekla­tantesBeilagen deS b000-Meter-MeisterS He 1 - ber für möglich gehalten?? D i eunter« tainty" des Sport- feierte hier wie­der einmal Triumphe siehe auch den AuSgang der 4 400-Meter-Stasfel! Diese llebcr- raschungen gaben dem Länderkampk eigentlich erst so richtig jenen prickelnden Deiz, den der Engländer eben als diegloriouS uncertainty" bezeichnet.

Bevor wir die Ereignisse noch einmal Revue passieren lassen, etwaS S t o t i st i k! Don den 15 Wettbewerben gewannen wir nicht weniger als 10, nur ein Drittel wurde verloren. Sechsmal hatten wir Doppelsiege zu verzeichnen (in den 100 und 200 Meter, 110 Meter Harden, Weit» sprang, Kugelstoßen und Speerwerfen), denen drei Doppelniederlagen (1500 Meter, Hochfprung und Diskuswerfen) gegenüberstehen. Gegen daS Dorjahr haben wir unS um zwei Siege ver­bessert.

WaS Zeiten und Weiten anlangt, so find die (Srgebniffc im Dergleich zum Länder­kampf 1929 in Paris in neun von den fünfzehn Bewerben besser geworden. Aehnlich liegen die Verhältnisse, wenn man die Resultate der beider­seitigen diesjährigen Meisterschaften zum Der­gleich heranzichi Deutschland verbesserte neun. Frankreich zehn Ergebnisse, zum Teil sogar recht beträchtlich! Und da wir einmal bei Zahlen sind, fei der Derlauf des Länderkampses an Hand des Standes nach den einzelnen Wettbewerben ver­folgt. der ein deutlicheres Bild gibt von der Zähigkeit, mit der um die Punkte gerungen wurde, als alle Worte es vermögen:

1 00 Meter 8:3 für Deutschland. 800 Me- ter 14:8, 200 Meter 22:11, Stabhoch­sprung 26:18, 400 Meter 33:22, Speer­werfen 41: 25. 1 500 DI eter 44:33. Weit- fprung 52:36. 4X1 0 0 *21 e t e t 55: 37. Äugel­

st ohen 63:40. 1 10 Meter Hürden 71:43, Diskuswerfen 74:51, 5000 Meter 87:58. Hochsprung 81.66, 4x4 0 0 Meter 84 : 67.

Wir hotten also zwar von Anfang bis Ende die Führung, aber hin und wieder kamen die Franzosen doch bedenklich nahe, so besonders nach ihren Siegen im Stabhochsprung und den 1500 Meter Den größten Dorsprung hotten wir noch dem Hürdenlausen mit 28 Punk­ten. den der Dvppelsieg von Winter und Roel aber wieder reduzierte. 5000 Meter und Hochfprung brachten weiteren Punktverlust, der durch den Stasfelsieg aber wieder ausgeglichen wurde.

Die hervorstechendsten Leistungen! Deutscherseits gehören zwei Damen an die erfte Stelle: Engelhardt und Danzl Beide schie­nen in der Form ihres Lebens zu fein, die ver­bissene Energie, mit der sie sich zum Siege durch­rangen. nötigte schlechthin Bewunderung ab. Der Berliner Teutone drückte dem 400-*21«terlauf von Beginn an den Stempel auf und diktierte den anderen fein Tempo Den energischen Schluh- angriff von Mouline- wies er sicher ab alle vier Läufer blieben unter 50 Sekun­den! Doch kraftvoller lief Engelhardt in der Stoffel, die er als Schlubmann für un- an­dern Feuer rih. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, hatte man doch gerade hier mit einer sicheren Diederloge gerechnet.

Und Danz? Gegen einen Martin und einen Keller die 800 Meter au gewinnen, sagt eigentlich olle-! (Wir sahen übrigen-S^ra" an dritter Stelle einkommen, doch doS Zielgericht entschied ander-!) Als Einzelrennen waren die 8 00 Me» t e r neben den 5000 Meter, der schönste Kampf nur unter Aufbietung aller Kräfte gelang dem SEGer der große Schlag. 3n der Zielgeraden kämpfte er sich verbissen nach vorn und rang die beiden Franzosen zwei Meter vor dem Bande nieder. Riesiger Applau- belohnte diese Glanzleistung des ehemaligen Turner- meister-.

Aber auch von der Gegenseite müssen in der Rubrik der bedeutendsten Leistungen zwei Mann in den Vordergrund treten. Ladoumegue und Boitard. Frankreich- 1500-Meter-Crack ließ sich auf seiner Domäne natürlich nicht bei kommen und gewann, wie er wollte. Seine Zeit (3:54,6 Minuten) und die gut 5 0 M e t e rD o r s p r u n g. die er auf seinen Landsmann Leduc hatte, sprechen Bände! Ladoumegue gewann damitfeine" Strecke zum dritten Male hintereinander in den Länderkömpfen Frankreich Deutschland, wahrlich eine famose Leistung! Sein Stil ist erst­klassig zu nennen, ihn mit Durrni im Kampfe zu sehen, müßte ein ästhetischer Genuß fein!

Doitard bot, rein kämpferisch, viel­leicht die größte Leistung deS Tages überhaupt. Bis 4000 Meter hielt er sich an dritter Stelle, um dann seinen Landsmann Cuignet vom zweiten Platz zu verdrängen und Petri das Leben noch recht schwer zu machen. Alle sahen wir den kleinen, zähen Hannoveraner schon al- sicheren Sieger und er selbst fühlte sich wohl auch als solcher. Er setzte zu früh mit seinem Endspurt ein in der Meinung, eS fei nur noch eine halbe Runde zu laufen es waren aber noch anderthalb Runden! So fiel er seinem Tempo zum Opfer, Boitard kam unaufhaltsam auf, erreichte den 78er eingangs der Zielgeraden und lieferte ihm einen mörderischen Brust-an-Brust- Kampf, den er in den letzten zwei Metern noch zu feinen Gunsten entscheiden konnte. D o 11 - kommen fertig, wurde er von seinen Kame­raden in die Kabine geführt, glückstrahlend über seinen Lieg und den reichen Beifall, den ihm die

objektiven Zuschauer für ferne heroische Leistung spendeten. Boitard fügte seinem Berliner Sieg von 1928 damit ein neues Ruhmesblatt hinzu.

Unliebsame Ueberraschungen gab es auch für uns, wie wir schon erwähnten 3n erster Linie hatten wir Wegener für fähig gehalten, uns weitere 5 Punkte zu sichern er muhte sich mit dem 2. Platze begnügen Aller­dings hatte der Hallenser bei seinen drei 4-Mv- ter-Sprüngen das Pech, jedesmal nach Heber» queren der Latte diese mit dem Arme zu wer­fen Da Stechemesfer bereits bei 3,60 Meter die Waffen strecken muhte, ruhte auf Wegeners Schultern die ganze Derantwortung und da versagten ihm anscheinend seine Heroen den Dienst. Die beiden Franzosen kamen bis 3,80 Meter glatt mit, Ramadier nahm auch 3,90 Meter im ersten Anlauf und ficqtc schließlich mit 3.99 Meter, einer Höhe, die einen neuen französischen Rekord bedeutet Weitere Versuche von ihm, 4.05 Meter zu zwingen schei­terten.

Helders Versagen in den 5000 Me- ter ist ebenfalls bereits gestreift worden Un­ser Meister schien unter Seitenstechen zu leiden, er lag von Beginn an aus dem letzten Platz und fiel von 3000 Meter an ständig zurück Seine Zeit von 16:18,3 Minuten läßt aus völlige In­disposition schliehen! Uedrigens unterlief dem Sprecher am Megaphon bei Bekanntgabe der Zwischenzeiten ein kurioser Irrtum, indem er für 2000 Meter eine Zeit von 4:59,6 Minuten no­tierte. Dach der 1500-Meter-Zeit gerechnet, hätten die Läufer dann über 500 Dieter mit 33,3 Sekunden einen phänomenalen Weltrekord ausgestellt gehabt! ES muhte natürlich heihen 5:59,6 Minuten I

Ob sich Körnig daS hatte träumen lassen, dah er auSgerechnet noch kurz vor Saisonschluh aeschlagen werden würde? Ionath lief ein herrliches Rennen und triumphierte einwandfrei über den Charlottenburger, so den Tag gleich mit einer Bombenüberraschung einleitend. Kör­nig- Knie schien nicht ganz in Ordnung, so dah er, um sich für die Staffel au schonen, auf die 200 Meter zugunsten von Gillmeister verzichtete. ES erwieS sich dies al- richtig, auf diese Weise wurden beide Wettbewerbe sicher gewonnen. Die Zeiten in den 200 Meter waren mäßig, Auvergne dabei unseren Leuten dicht auf den Fersen.

Ein herrliches Bild boten die Hürdler, die in wunderbarer Gleichmäßigkeit über die Strecke gingen, ohne ei ne einzige Hürde z u wersenl In den letzten 30 Meter schob sich T r o ß b a ch recht dicht an den führenden Wel­scher heran, doch rettete sich der Meister mit doppelter Brustbreite ins Ziel. Die 5ran., endeten weit abgeschlagen schade, dah Sernp^ nicht mit von der Partie war, die Zeiten wären bestimmt besser ausgefallen! SpontanenBeifall gab eS nach diesem 6. Dvppelsieg unterer Farben, der freilich der letzte bleiben sollte.

Dah wir das Diskuswerfen verlieren würden, war ebenso klar wie die Tatsache, daß wir den Speerwurs gewinnen würden I W i n- t c r brachte mit seinem 47,92-Meter-Wurf eine Glanzleistung zustande, wie wir sie lange nicht mehr in Deutschland gesehen haben. D o c l, der Kapitän der sranzösischon Mannschaft, sorgte sür weitere drei Punkte. Die Revanche folgte jedoch auf dem Fuße im Speerwerfen, wo M a c f c r und Weimann ihre Gegner sicher distanzierten. Der sechste Wurf des Ostpreußen ging wesentlich über die deutsche Rekordmarke hinaus und wurde mit 68,05 Meter notiert leider trat der Meister etwas dabei über, so daß der Wurf keine Anerkennung finden konnte. Weimann et- täuschte. da keiner feiner Würfe über 60 Meter lag. Doel sprang für den verhinderten Degland ein und kam unter den Spezialisten über den letzten Platz nicht hinaus (der Franzose ist be-

Maak segelt.

Don Hans Riebau.

Schonncmann hatte mich im Stich gelassen. Auch Trotte konnte nicht. WaS blieb mir übrig, als mich an Maak zu wenden?

..Macky", sagte ich,hast du Lust, morgen mit mir zu segeln?"

2fl>cr natürlich", strahlte Maak,mit dem größten Vergnügen."

«Ja, aber", fuhr ich fort,du muht auch ein bißchen mitarbeiten. Du bist, damit du es gleich weißt, nicht mein Passagier, sondern mein Boots­mann."

Aber das ist doch selbstverständlich", sagte Maak, glaubst du. daß ich die Hände in den Schoß lege, während du mit Wind und Wellen kämpsst?"

Maak war pünktlich zur Stelle. Pünktlicher als ich.

Ich habe versucht", sagte er,das Sackleinen vom Boot zu ziehen, aber ich bin nicht ganz damit fertig geworden."

Ich sah mir Maaks Werk an.Erstens", seufzte ich.ist daS kein Sackleinen, was du da zulammengeknüllt hast, sondern eine Persenning, zweitens hast du das blanke Deck mit deinen Dagelschuhen verschrammt, drittens haft du deine Kraft sinnlos verschwendet, denn dieses Fahr­zeug gehört nicht mir. sondern dem Direktor Weder, und viertens ist es kein Segelboot, son­dern ein Motorboot."

-Ach so". Jagte Maak. Ja. weißt du, die seinen Unterfchtede muß ich erst noch kennen­lernen."

Langsam glitt der Iollenkreuzer stromabwärts. Maak saß aus dem Deck neben dem Mast und studierte die Takelage.

Hör mal", sagte ich,die Fock sitzt nicht richtig, würdest du dir wohl zutrauen, einen Augenblick die Pinne zu halten?"

Maak sprang hoch.Aber natürlich", sagte er und stürzte sich auf den Bootshaken.

Dein", rief ich,dies hier ist die Pinne, der Steuerhebel, den ich in Lir Hand habe. Du muht das Doot eine Minute lang in Kurs halten, so. daß Doot und User immer hübsch parallel bleiben."

.Kleinigkeit," nickte Maak unb nahm die Pinne in die rechte, die Grvß^choot in die linke Hand.

Aber schon nach zehn Sekunden fingen die Segel an zu flattern. Maak warin den Wind gekom­men". .Backbord das Ruder," rief ich,nach links!" Maak drehte die Pinne sofort nach rechts. DaS Boot ging über Stag, Maak fing an zu kreuzen. Sine fegte ins Groß-Segel, das Walser schwabberte über die Wafchbord.

Maak sprang entsetzt auf, ließ die Groß-Schoot loS. Dafür riß er am Klaufall Der Knoten löste sich. Rauschend kam daS Groß-Segel herunter. Das Boot drehte sich um sich selbst, jagte einen Paddler in rasende Flucht und einem Fischkutter in die Seite.

So geht eS nicht," sagte ich, alS ich Maak unter dem Segelhaufen wiedergefunden hatte.

.Wie ist es mit dem Frühstück?" fragte ich.

.Ich habe Hunger."

Ich auch," nickte Maak, nahm sein Taschen­messer und bohrte es in eine Konservendose. DaS Messer brach ab. Der Bootshaken hingegen brach nicht ab. aber er ging doch nur unvollkommen in das Büchsenblech hinein.

Wie wäre es mit dem Büchsenöffner?" schlug ich vor.

Maak nahm den Büchsenöffner und stieß ihn gegen die Dose. So stark stieß er, daß das Instru­ment auf Deck und die Konservendose über Bord fiel-

.Laß nur", sagte ich, .wir werden anlegen und im Restaurant essen."

Das Boot schob sich langsam gegen den An­leger.Den Bootshaken!" tief ich.

Maak nahm den Bootshaken, schlug ihn auf den Anleger. Aber er hatte wohl zu fest geschlagen: Hallo!" rief er und sprang, vom Gesetz der Be­harrung getrieben, auf den Anleger. Erst von hier aus fiel er, schräg nach hinten geneigt, ins Wasser.

Weiter ging die Fahrt.

Kann ich nicht irgend etwas tun?" fragte Maak.

.Dein!" knurrte ich.

Aber du hast dvch ausdrücklich gesagt", fuhr Maak fort und machte ein zerknirschtes Gesicht, daß ich dein Bootsmann sein sollte."

Ich schwieg. Dann aber lieh ich daS Doot in den Wind gehen, nahm eine Leine, schor sie über einen Dlock und ließ sie vorn in die Luke laufen. Jedesmal, wenn das Doot Schräglage bekommt", sagte ich, .mußt du fest ziehen."

«Sonst kippen wir um? fragte Maak.

Jawohl", nickte ich.fönst kippen wir um. Don nun an war Maak Feuer und Flamme. Alle zwei Minuten zog er gewaltig an seinem Strick. Und jedeSmal, wenn er loSlieh. gab es einen dumpfen Plumps unter Deck. Das war die Vier-Kilogramm-Kanne mit dem flüssigen Dootslack. an der das andere Ende der Leine befestigt war.

e

Segeln ist schön", sagte Maak, als wir abends zu Hause waren,aber doch ziemlich anstrengend." Und er besah sich die Schwielen, die sich auf der Innenseite der Handflächen gebildet hatten.

Die Bahnsteigkarte.

Don Victor Auburtin.

Der Herr mit dem Dollbart stieg in Probstzella in den Zug ein, fand in unserem Abteil einen Eck­platz und ließ daS Fenster herunter, um sich von feiner Frau zu verabschieden.

Also vor drei Tagen hast du keine Dachricht von mir; ich schreibe erst auS Innsbruck- Grüß Emmy und vertragt euch. Auf Wiedersehen, Wiedersehen!"

Der Zug fing an zu fahren, der Herr mit dem Dollbart schloß daS Fenster und setzte stch.

Sein ganzes Wesen drückte das Behagen auS, daS der Mann empfindet, der fich eben von feiner Frau verabschiedet und einen Eckplatz gefunden hat. Dicht- kündete die gräßliche Katastrophe an, die gleich über ihn niedergehen sollte.

Da kam der Schaffner:Jemand zugestiegen?", und der Herr mit dem Dollbart reichte ihm zwei Fahrkarten hin. Der Schaffner betrachtete die zwei Karten aufmerksam, knipste die eine durch und gab beide dem Herrn zurück.DaS eine ist eine Bahn­steigkarte", sagte er ruhig und ging weiter.

Der Herr mit dem Dollbart sah die Bahnsteig- karte betroffen an, dachte einen Augenblick nach, dann verzerrten fich seine Züge in furchtbarstem Ent­setzen. ,11m Gottes willen,' schrie er, .ich habe die Bahnsteigkarte meiner Frau mitgenommen."

Sr stürzte dem Schaffner nach.. Um DotteS willen,' hörten wir ihn draußen rufen, .die Karte muh von der nächsten Station mit Eilbrief zurückgeschickt wer­den, sonst kann meine Frau nicht mehr von dem Dahn- steig herunter.*

Der Schaffner erklärte ihm, dah daS nicht möglich sei, da eine auf dem Bahnsteig befindliche Profon keine Eilbriefe empfangen Dürfe; und es begann eine lange Verhandlung.

Dr.. Th. von Dblsbaufen, der Präsident bet Direktoriums ber Rcichsoersichcrungsanftatt für An­gestellte. starb in Berlin

kanntlich in erster Linie Äugel flößet und Dis­kuswerfer II.

Sehr erfreulich war auch unser Doppel- f leg im Kugelstoßen, bei dem der junge Sievert den französischen Meister um 7 Zenti­meter schlagen und unS damit drei wertvolle Punkte sichern konnte. UeblerS Bärenkraft gab den Ausschlag für den rosten Platz.

Und die Staffeln! In den 4x100 Meter wurde schlecht gewechselt. Io daß es, zumal bei K ö r n i g i sichtlicher Indisposition, nicht zu einer überragenden Zeit langte. Borchmeyer übergab, nachdem er den Stab noch mit 2 Meter Rückstand von Ionath übernommen hatte, last gleichzeitig mit Auvergne, Gillmeister holte einen und Körnig weitere drei Meter herau- - unser Sieg war also überlegen. Wesentlich inter­essanter verlies die 4x4vv-Meter- Staffel, die eine« der schönsten Rennen de» ganzen Meetings wurden! Schmidt übergab mit fünf Meter Vorsprung an Kisters, der gegen Martin trotz famosen Lausen» fast alle- wieder einbüßte. Einen erbitterten Zweikampf Danz Galtier entschied der Berliner knapp zu leinen Dunsten, er konnte den Stab 1,50 Meter vor dem Franzosen an Engelhardt übergeben, der dann in einem fabelhaften Finish Dkduline» noch fünf Meter abnahm und, stürmisch umjubelt, damit dem Länderkampf einen Ab­schluß gab, wie er wundervoller nicht gedacht werden konnte!

Oberbeffen.

Landkreis Wietzen.

£ Wieseck, 3. Sept. Gestern gegen 19.30 Uhr stieß auf der Marburger Straße an der Ecke Lichtenauer Weg ein Motorradler, der au» Wleseck kam und die Straße überqueren wollte, mit einem in voller Fahrt befindlichen Auto zusammen. Der Krastwagensührer. der die Gefahr erkannte, wich zwar weit nach link» au», konnte aber nicht verhindern, daß fein Fahrzeug von dem Motorradler angefahren wurde Letz­terer wurde bei dem Anprall zur Seite ge­schleudert. Zum Glück kam er, wie auch der Autofahrer mit dem Schrecken davon. Der Sachschaden dürfte Wohl nicht erheblich fein. Der Unglücksfall zeigt erneut, dah diese un­übersichtliche Straßenkreuzung für die Kraftfahrer kenntlich gemacht werden muh und darüber hinaus eine Fahrvorschrift anzu­bringen ist An dieser Stelle sind schon mehr­fach Zusammenstöße vorgekommen, bi» jetzt ist aber von der zuständigen Behörde wegen Be­seitigung des UebelstandeS nichts geschehen. Die

Wie da- abgelaufen ist, weih ich nicht, da ich bald au»gcftiegen bin, aber ich befürchte Schlimme». Wir leben in einem Staatswesen, da« auf festen Gesetzen errichtet ist und, auf diesen Gesehen ruhend, den Stürmen der Zeit standgehalten hat. Und eins dieser Gesetze lautet, dah niemand den Bahnsteig verlaßen darf, der nicht eine von den zuständigen bürgerlichen Behörden durchlochte Äartc vorweifen kann. Wenn die Karte jetzt verloren geht, muß die Frau auf dem Bahnsteig bleiben.

3n meiner Erinnerung steigt die Geschichte eines König» von Sparta auf, der zum Tode verurteilt war, der in einen Tempel flüchtete und in diesem Tempel ausgehungert wurde.

Dun ganz so schlimm wird e« der Frau des Herrn mit dem Doll bart nicht ergehen. Man wird ihr ein Vager im Bahnhof errichten und sie vom Restaurant aus ernähren; aber fort darf sie nicht. Vie wird den Rest ihres Leben» auf dem Bahnsteig verbringen, ihre Freundinnen zum Kaffee einlaben, Kinder gebären, sterben und auch dort beerdigt wer­den. E» mühte denn das Gesetz umgangen werden, wozu ich gerade in biefen Zeiten nicht raten möchte.

Der Herr mit bem Dollbart hatte alfo allen Grund. Öen Willen GotteS anzurufen. Und wir wollen nur hoffen, dah es elwa» genutzt hat.

Das Liebeswerben eines Affen.

Wie ein Affe durch treues Werben die Liebe einer Äafiggenoffin erlangte, erzählt der Direktor des Pariser Jardin des Plantes, Bourdelle, in einem Pa- rifer Blatt. 3m Jahre 1928 erhielt der Zoo einen weiblichen Drang Utang mit einem Kinde- sie war-n 'n Borneo gefangen, und die Mutter war Witwe. Man beschloß daher, ihr einen neuen Gefährten zu geben, und brachte einen männlichen Drang in ihren Starig. -Lod) die Asfendame war sehr spröde und wies alle Annäherungen des neuen Mitbewohners auf das energischste zurück. Sie widmete sich ganz der Pflege ihres Kindes. Der abgewiesene Freier ließ sich aber nicht abschrecken. Da die Mutter nichts von ihm wissen wollte, wandte auch er dem Baby seine Aufmerksamkeit zu, und obgleich die Aeffin zunächst eifersüchtig ihn von dem Kinde fernzuhalten suchte, gewann er seine Liebe und wurde von dem Baby als 23ater betrachtet. Die Mutter betrachtete nun den 2Iffen, der das Kind mit den besten Leckerbissen seiner täglichen Ration fütterte und zärtlich liebkoste, mit freundlicheren Augen. Sie schien nunmehr über­zeugt, daß er einen guten Ehemann abgeben würbe; erhörte ihn und beschenkte ihn mit einem eigenen Kinde. Seitdem gibt es keine glücklichere und ttoUcct aamilie iw