der Verbundenheit, eine volkspolitische Solidarität von beispielhafter Kraft erstanden ist. lieber alle politischen und weltanschaulichen Unterschiede hinweg einigten sich die Zeitungen der besetzten Gebiete in dem einen Gedanken, treu zusammen- zustehen für Volk und Vaterland gegen jede Verlockung und Verheißung, gegen jeden Versuch der Drohung und der Gewalt. Diese Geschlossenheit der Zeitungen in den besetzten Gebieten ist denn auch Sieger geblieben in den Meinungskämpfen. die seiner Zeit von den fremden Gewalthabern in der Absicht, Abfplitte- rungsgelüste und Sonderbündclei zu- schüren, in das Rheinland getragen worden sind.
Das Schicksal der Rheinlande muß alle Deutschen überzeugen von ihrer untrennbare n Schicksalsverbundenheit. muh den Weg weisen zur Volksgemeinschaft aller Deutschen. Die Rhcinlandbcsetzung und die Rheinlandbefreiung ist keine Angelegenheit, die allein den deutschen Westen und Süden berührt. Aber auch der ganze Komplex der deutschen Ostfragen, die unmögliche Ostgrenze, der polnische Korridor, Oberschlesien, Danzig, Memel — dies alles darf im Westen und Süden nicht als Sonderangelegenheiten des Ostens angesehen werden, die das übrige Deutschland nichts angchen. Auch O st n o t i st deutsche Roll Das deutsche Vaterland kann «nicht gedeihen, wenn ein Teil notleidet, ob> im Westen oder im Osten. .Auch die O st - fragen sind Schicksalsfragen des gesamten deutschen Volkes.
Auch in Mainz Racheakte gegen ehemalige Separatisten.
WSR. Mainz, 2. Juli. Auch in Mainz wurden heute Racheakte gegen ehemalige Separatisten verübt. Eine große Menschenmenge durchzog, vaterländische Lieder singend, die Straßen uno machte vor den Häusern Halt, in denen ehemalige Separatisten wohnen. So wurde ein Laden in der Bahnhofstraße vollständig demoliert. Die Fensterscheiben wurden eingeschlagen und dann die Ladeneinrichtung auf die Straße geworfen. Die Schaufensterauslagen wurden zertrümmert, bzw. auf den Straßen zerstreut. Aehnlich erging es einem Laden in der Shnagogengasse, der ebenfalls vollkommen ausgeplündert wurde. Ein starkes Polizeiaufgebot traf alsbald ein und nahm die Besitzer in Schutz. Vor den ausgeplünderten Läden wurden Posten aufgestellt, um weitere Racheakte zu verhindern.
Oer Reichspräsident an das Saargebiet
Berlin, 2.3uIL (MTB.) Auf das aus dem Saargebiet von hunderttausend deutschen Männern und Frauen an den Herrn Reichspräsidenten gerichtete Telegramm hat dieser, wie folgt, geantwortet:
»Den deutschen Männern und Frauen des Saargebiets danke ich für das mir in der Stunde der Befreiung von Rheinland und Pfalz ausgesprochene Gelöbnis unbedingter Treue zum Reich. 3n dankbarer Anerkennung der bisherigen Haltung der Saarbevölkerung nehme ich diese Versicherung mit großer Befriedigung und in der sicheren Zuversicht entgegen, daß die Saarländer in ihrer vaterländischen Treue niemals wanken werden. Mit 3hnen allen hoffe ich, daß auch bald für die Saar die Freiheitsstunde schlagen Wird.
(gez.) v.Hindenburg, Reichspräsident."
Aus aller Wett.
Die Tagung des D. h. V. in Köln.
Köln stand ruer Tage, vom 26. bis 29.3uni, unter dem Zeichen des D. H. B. 401 000 Kauf- znannsgehilfen hatten mehrere tausend Vertreter aus dem ganzen Reiche und dem Auslande > entsandt. Zahlreiche Ehrengäste begrüßten die Versammlung, u. a. Reichsminister Treviranus, 7 Oberbürgermeister Adenauer, Dr. Stapel (Hamburg), Imbusch, M. d. R. Entschließungen zur - politischen Haltung des Verbandes, Wirtschaftslage, berufsständischen Gehaltspolitik, Schlichtungswesen, Berufszählung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung und zur deutschen Kaufmannsbildung wurden angenommen. 3n Referaten sprachen Habermann, Hamburg, über „Volksnot und Privateigentum" sowie Milhow, Hamburg, über „Standesnot und Berufsverband". Verbandsvorsteher Bechly umriß im
Mssolim forderte bereits vor sieben Jahren Räumung und Vereinigung der Reparationssrage Eine interessante Enthüllung. — Ein italienisch-belgischer Reparationsplan scheiterte an der Angst der englischen Regierung vor poincars.
London, 2. Juli. (IeL-Un.) Aus Anlaß der Räumung des Rheinlandes weiß der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" eine Tatsache zu enthüllen, die bisher nur in engsten diploma- tischen Kreisen bekannt war. Lr berichtet, RI u s s o - l i n i habe bereits vor sieben Jahren, am 3. April 1923 der englischen Regierung einen Antrag aus Räumung des damals besetzten deutschen Gebietes unterbreitet. Dieser Vorschlag sei während des Ruhreinfalls erfolgt, da Mussolini befürchtete, die deutschen Kohlenlieserungen an Italien könnten unterbunden werden und Frankreich könne die Besetzung der Ruhr und des Rheinlandes verewigen, um so eine militärische Hegemonie in Europa herzustellcn. Diese Bedenken seien von dem belgischen Außenminister I a s p a r geteilt worden, der zwar der Besetzung der Ruhr zur Sicherung der Reparationszahlungen zugestimmt hatte, alle darüber hinausgehenden Ziele aber ablehnte. 3m März 1923 habe in Mailand eine Besprechung zwischen Mussolini und 3aspar slatt- gefunden. Mussolini hätte ein Programm vorgelegt, das die Räumung des gesamten Besot- zungsgebietes vorsah. Der Plan habe weiter
die Festlegung der Reparationsschuld aus 50 Milliarden Mark die Erteilung eines teilweisen Moratoriums für Sachlieferungen auf vier Jahre, wirtschaftliche und finanzielle Garantien ohne politischen L h a r a k l e r, die Aufnahme von inneren und äußeren Anleihen durch das Deutsche Reich unter finanzieller Aufsicht enthalten. Rach der Zustimmung Iaspars sei der Plan der englischen Regierung unterbreitet worden. Die italienische Absicht sei dahingegangen, daß England, Italien und Belgien die deutsche Regierung zu einem dem Plan entsprechenden Angebot an Frankreich bewegen und Frankreich andererseits zu einer Zustimmung veranlassen wollten. Bei einer Ablehnung durch Frankreich sei eine Los - t r e n n u n g der übrigen Mächte von der französischen Politik in Aussicht genommen worden. Die englische Regierung habe jedoch Rückwirkungen auf die öffentliche Meinung In Frankreich und Poincare befürchtet, und da auch Belgien bei näherer Prüfung eine gewisse abweisende Meinung, besonders hinsichtlich der Räumung der vertraglichen Besahungszone zeigte, sei der Plan Mussolinis fallengelassen worden.
Oer Kampf um den Südpol.
Amerika beansprucht das von Byrd entdeckte Territorium zur Anlegung von Ilugzeugstühpunkten. — Widerspruch Englands.
Washington, 2. 3uli. (WTB.) 3m Staatsdepartement lehnte man es heute ab, sich offiziell zu dem von dem demokratischen Senator Ty - d i n g s eingebrachten Lntschliehungsantrag zu äußern, der den Bundeskongreß auffordert, er möge den Präsidenten anweiscn, das von Admiral Byrd entdeckte, etwa 300 000 Quadratkilometer große Gebiet am Südpol als amerikanisches Territorium zu beanspruchen. Man weist jedoch im Staatsdepartement auf den von dem jetzigen Präsidenten des Obersten Bundesgerichtes Hughes während seiner Amtszeit als Staatssekretär fixierten Standpunkt hin, daß die Regierung sich ohne Bevollmächtigung durch den Bundes- kongreh nicht dazu entschließen könne, hoheitsrechte am Südpol geltend zu machen. 3n parlamentarischen Kreisen folgert man daraus, daß die Regierung der Entschließung des Senators Tydings nicht unsympathisch gegenübcrstehe, und zwar hauptsächlich mit Rücksicht auf die Bestrebungen des Luftschiffressorls des Marineministeriums und des Kriegsministeriums, möglichst viele Flugzeug st ühpunkte zu erwerben. Man macht geltend, daß die Entwicklung des Luft- fahrlwesens dahin gehe, die kürze st en Ver
bindungswege zu wählen und daß deshalb die von Admiral Byrd unternommenen Flüge in der Rähe des Südpols von ungeheurer Wichtigkeit feien.
Die Schwierigkeiten, die bei der Annahme der Resolution Tydings entstehen könnten, liegen darin, daß Groß-Britannien bei der brittschen Reichskonferenz im 3ahre 1926 au f den Antrag Australiens hin fast das ganze Südpolgebiet für sich beanspruchte und daß die britische Regierung im 3ahre 1928, als die Byrd-Expedition ihre Reise nach dem Südpol antrat, diesen Anspruch in Washington offiziell unterbreitete. 3nfolge der heiklen Ratur der Angelegenheit verzögerte sich die amerikanische Antwort und da inzwischen die Londoner Flottenkonferen; vorbereitet werden muhte, beschränkte sich das Staatsdepartement darauf, den Eingang der Mitteilung der englischen Regierung zu bestätigen, ohne zu dem britischen Anspruch selbst Stellung zu nehmen.
Die Entschließung Tydings ist dem Senatsaus- schuß für auswärtige Angelegenheiten überwiesen worden, doch dürfte in dieser Session kein entscheidender Beschluß des Bundeskongrefses mehr erfolgen.
Schlußwort die politische Stellung des D. H. V. Die parteipolitische Neutralität des Verbandes wurde wiederum betont und die Mitglieder auf- gefordert, durch tätige Mitarbeit in allen geeigneten Parteien für die Durchsetzung der Verbandsziele einzutreten. Die Frage der Lohn- und Preissenkung wurde von Hegewald, Berlin, eingehend erörtert. Eine durch allgemeinen Lohn- und Gehaltsabbau erzcielte Preissenkung behebe die Wirtschaftskrise nicht, sondern verschärfe sie durch die dadurch herbeigeführte Verminderung der Kaufkraft der breiten Masse, Die Ergebnisse der großen Gehaltserhebung des Verbandes zeige daS noch immer niedrige Gehaltsniveau. Drost, Berlin, fordert für die Sozialversicherung weiteren Ausbau nach der berufsständischen Selbst
hilfe, insbesondere die Zulassung von Ersatz- Zkassen in der Arbeitslosenversicherung. Bott, Hamburg, sprach über das Ziel der Kaufmannsbildung, das die Kaufmannspersönlichkeit sei. Daher werden weitgehende Spezialisierung sowohl der Berufsschule als auch der Handelslehrer ausbildung abgelehnt. Die praktische Kaufmannslehre fei nötwendig, an deren Abschluß eine Gehilfenprüfung stehen müsse. Der nächste Verbandstag findet in zwei 3ahren in Hannover statt. 3m Anschluß daran soll das große Hochhaus des Verbandes in Hamburg eingeweiht werden. Am Deutschen Eck in Koblenz fand am Montag als Abschluß der Tagung eine Kundgebung statt, an der mehrere tausend Kaufmannsgehilfen teilnahmen.
Flug in die Sonne.
Von Ilse SchmidbWissendorff.
Es war an einem Sommerabend. 3ch stand auf dem Flugplatz neben dem Piloten. Wir hatten schon manchen Flug miteinander gemacht. Und das Miteinander im Losgelösten gibt ein Gefühl seltsamer Kameradschaft. Die Sonne versank hinter der bewegten Silhouette der alten Burg. Und aus diesem Bilde stieg mir aufs neue ein heimlicher Wunfch in großer Stärke: Zu dieser Stunde fliegen dürfen. Mitten in die Glut hinein. Der schweigsame Pilot neben mir mochte etwas von meinen Gedanken erraten, denn er lächelte, wie man einem Kinde zulächelt: „Wir fliegen schon noch mal in die untergehende Sonne."
Und wir flogen, an irgendeinem Tage im Herbst. Gin heller Frühnebel lag auf den Wiesen. Die Herbstzeitlosen waren von einem Retz fllbemer Tauperlen überzogen und funkelten wie blaße Edelsteine auf dunklem Brokat. Die Welt schien traulich und eng. Der Rebel trank alle Ferne. Unschlüssig standen wir vor der Maschine. Sollten wir starten? Schlaff hing der Windsack am Mast. Ungeduldig schlug der Propeller die Luft. Sein Knattern war wie ein Zürnen über unser Zögern. Run... ein blasser, zullender Sonnenstrahl. Und mit ihm springt mit einemmal auch die Fliegerlust wieder auf. Der Rebel wird durchsichtig und scheinend. Ein kurzes Kommando, wir rollen. Run sind wir schon oben. Unser Flugzeug schraubt sich höher und höher. Silbern schimmern die Tragflächen mit dem schwarzen Zeichen D. 463 mir zur Seite. Unwillkürlich nicke ich ihnen zu, wie einem Freunde, dem man öfter begegnet und dem man verttaut. Es ist Freude am Beieinandersein.
3n rasender Geschwindigkeit jagen die Rebel- sehen an uns vorüber. Sie hüllen uns sekundenlang ein. Weiße Tücher wehen, wehen. Dann flattert es wie eine ausgebreitete Fahne über uns hin. Run ist es vorbei. Sie müssen uns lassen, denn wir sind stärker als sie.
Und drüben ist die Welt ganz in Sonne. Es ist so wunderbar. Hier oben fühlt man sich der Sonne soviel ferner als drunten von der Erde aus. Drunten ist sie etwas Vertrautes, in das Leben Einbezogenes. Hier ist nur sie und der Raum. Den Dingen entrückt, die sie verkleinern, wächst sie ins Unermeßliche. Sagen kann man es nicht. Wan kann nur dieHänbe fal» tenvordem großen Geheimnis: Licht. Und schauern...
Unter uns ist friedliche Ebene. Dörfer, Wiesen,
und Felder. Eine Bahnstrecke läuft dazwischen. Ein Zug kriecht dahin und faucht wichtig und wütend ein paar dicke Rauchwolken nach uns hin. Man lächelt genießerisch und überlegen. Man spürt förmlich seinen Zorn, der etwas ohnmächtig Bürokratisches an sich hat. Und denkt' es wiederholt sich doch alles auf Erden. Höhnte nicht einst so die Postkutsche zum Damm der triumphierenden Eisenbahn hinauf?
All das ist Frieden. Run wendet sich das Auge zur anderen Seite. Trinkt sich fest und kann nicht mehr los. Uber menschenleeren, waldigen Bergen kreist ein Chaos sich umeinanderballender Wolken. 3n den Tälern blitzen noch die Rebel der Frühe. Auf den Bergen lagert es dunkel und gewitterschwer. Wolken und Rebel bewegen sich mit greifenden Armen, als wollten sie zueinander. Dunkle Wolkenmasse! Was von der Erde aus wie undurchdringliches Ruhen scheint, hier oben ist eS werdendes Kreißen. Lichter kommen und gehen. Die Erde versinkt und ringt sich wieder durch. Eine unsichtbare Riesenfaust türmt mächtige Gebilde und läßt sie im Bruchteil von Sekunden spielend zerflattern. Ist das Schöpfung? 3st das Urwelt? Run löst sich das Brauen und Wogen von den Dergfpihen. Wie ewige Vernichtung breitet es sich weiter und weiter aus, und rast auf uns zu. Der Regen klatscht um uns und zwingt uns tieferzugehen. Räher heran zur alten Erde. Wir gleiten dicht über unermeßliche Wälder. Der Wind furcht breite Wellen in das matte Grün. Der eine Wald nimmt sie auf und trägt sie dem anderen zu. So wogt und wellt es leicht und unaufhörlich. Ein Wasser schickt seinen Glanz herauf. Er steht verloren im strahlenden Raum und im starken Licht, das uns noch immer von links leuchtet, gleitet der Schatten unsres Flugzeuges hinter uns her. Ein Schatten, der sich von seinem Körper gelöst hat.
Run weichen die Wälder. Das unregelmäßige Schachbrett der Wiesen dehnt sich wieder wie ein geometrischer Teppich. Türme recken sich auf zwischen geduckten Häusern. Goldene Kreuze funkeln. Fulda. Hier müssen wir herunter. Der Motor wird abgestellt. Rur das Sausen der Luft ist noch um uns, wie wir jetzt lautlos schwebend wie ein Blatt in langsamen Spiralen niedergleiten. Eine Hasenfamilie kommt aus den Stoppeln empor und springt davon. Rur ein winzig kleines Häschen bleibt zitternd liegen J und rührt sich nicht. Wie seltsam ist das Leben. Soeben noch in der hellen Weite unermeßlichen Raumes, und schon werden meine Gedanken gefangen • voll einem kleinen warmen Tierleben. Es zieht mich
zu ihm wie ein Verwandtes und Nahes. War ich denn nicht noch eben, gerade so winzig und Hilfs- bedürftig, verloren an unwandelbare Gesetze, aus denen mich nichts lösen kann . . . 3ch bereite dem Tierchen ein Bett aus Blättern und Wollgras und denke: Deine Hasenmutter wird dich ja wiederfinden.
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Es dunkelte schon, als wir zum Heimflug rüsteten. Ich schaue in die Ackerfurche. Mein Häschen liegt noch einsam und verlassen in seinem Bettchen. 3ch hebe es auf meine Handfläche und hauche es an, denn es ist empfindlich kühl. Da bewegt es freundlich die langen Ohren und schnuppert. Ob ich es mitnehme? 3ch schiebe es in meinen weiten Mantelärmel, wo es sich sehr behaglich zu fühlen scheint.
Der Sturm hat sich am Tage ausgetobt. Es ist eine feierliche Stille. Die Flügel unsrer Maschine liegen ganz waagerecht, ohne das leiseste Zittern. Run halten wir mitten in die untergehende Sonne hinein. Vor uns der große Brand. Der Himmel lodert in fast schmerzhafter Glut. Es sind Farben in tausend Brechungen und Reflexen. Hier zucken Lichter in berstenden Garben, da strahlt eine Fläche in schillerndem Glanz wie Perlmutter. Licht spannt Bogen und Brücken, ruht, löst sich auf in neue Farben und Brände. Flußläufe unter uns rauchen wie flüssiges Blei.
Die Erde scheint Dampf, der Himmel Flamme. Die Maschine gleitet ruhig dahin. Steigt höher: 1000 Meter. Der Motor klopft gleichmäßig wie ein lebendes Herz . . . Mein kleines Häschen hat still und ruhig in feinem Versteck gehalten. Run wird es unruhig. Spürt es die große Höhe ... 1400 Meter . . . oder die Einfamkeit, die immer um uns ist, die wir aber auf der Erde für Spannen vergessen, die hier oben das Unentrinnbare ist . . -. und der Prüfstein. 3ch nehme das kleine Tier fest in beide Hände und drücke es gegen die Wange. 1800 Meter. Run wird es wieder ruhig und schläft. 3n mir aber ist Erschütterung und das Gefühl, als trüge ich den Herzschlag organischen Lebens in meinen Händen durch die Unendlichkeit.
3rgendwo unter uns liegt die Erde, und wir schweben losgelöst von ihr. Häuser und Wege sind nicht mehr zu erkennen. Abend und Ferne löschen sie aus. Die Erde scheint wieder unbewohnt, keusch und rein wie am ersten Schöpfungstage. Wälder werden zu Baumgruppen, Baumgruppen zu Punkten und Linien, die sich miteinander verbinden und verschlingen, wie Züge einer gigantischen Handschrift, die ihre Zeichen über die Erde schreibt.
Schweres Unwetter über Rheinhessen.
3ugenheim a.RH.» 3. 3uli. (WTB. Draht- meldung.) Gestern nachmittag ging über die hiesige Gegend ein furchtbares Unwetter nieder. Rach einem schweren Hagels chlag, der über eine Viertelstunde lang Weinberge und Felder verwüstete. folgte ein Wolkenbruch, der Straßen und Felder in reißende Ströme verwandelte. Frauen, die von den Feldern nach Hause eilten, wurden oondenFlutenmitgerissen und konnten nur mit Mühe vom Tode des Ertrinkens gerettet werden. 3m Orte stand das Wasser teilweise zwei Meter hoch, so daß sich die Bewohner in die oberen Stock- werke begeben mußten, weithin hörte man das Schreien des in den Ställen mit dem Tode ringenden Viehes. Die Feuerwehr von Bingen und die Freiwilligen wehren der umliegenden Orffchaften trafen an Ort und Stelle ein. Die Weinfässer in den Kellern sind gleichfalls ausgelaufen. Drei große Scheunen und eine Maschinenhalle wurden von den reißenden Fluten mltgerissen. Der Schaden ist noch unübersehbar. Die Mehrzahl der Bquern ist nicht versichert.
Die Handelshochschule Leipzig-verleiht die Doktorwürde.
Der Handelshochschule Leipzig ist durch Verordnung des sächfifchen Wirtschafts- Ministeriums das Promotionsrecht verliehen worden, nachdem bereits vorher die Handelshochschulen Berlin, Nürnberg und Mannheim dieses Recht durch die zuständigen Stellen erhalten hatten. Die Verleihung des Promotionsrechts wurde durch Ministerialdirektor Dr. Klien in einem Festakt feierlich verkündet.
Der 48. Todesfall in Lübeck.
Die Todesziffer der nach dem Calmette-Ver- fahren gefütterten Säuglinge hat sich von 47 auf 48 erhöht. Krank find unverändert 71, gebessert 37, gesund 59 Säuglinge.
vorn Blitz erschlagen.
3n Garden an der Mosel fanden bei einem heftigen Gewitter drei Personen den Tod. Ein 54 Jahre alter Landwirt, fein 22 Jahre alter Sohn und dessen Braut, die unter einem Baume Schutz gesucht hatten, wurden vom Blitz erschlagen. Der 14 jährige Sohn des Landwirts wurde schwer verletzt.
Flugzeugkonstrukteur Fokker verhaftet.
Der bekannte Flugzeugkonstrukteur Fokker, der das Flugzeug „Southern Croß" gebaut hat. wurde auf dem Roosevelt- Flugplatz verhaftet, weil er, öhne ein Pilotenzeugnis zu besitzen, zusammen mit einer Dame in ein fremdes Flugzeug gestiegen war und Kunst- und Sturzflüge ausgeführt hatte. Fok- $er erklärte seine Handlungsweise mit seiner Begeisterung über den erfolgreichen Flug der „Southern Croß".
vom Tennis in Wimbledon.
Die Kölnerin Cilly Äußern ist bei ihrem Kampf gegen die Kalifornierin Elizabeth Ryan in Wimbledon, der bei glühendem Sonnenbrand ausgetragen wurde, zusammengebrochen und matzte vom Platz getragen werden. Miß Ryan wurde zur „Siegerin infolge Aufgabe der Gegnerin" erklärt. 3m hart umkämpften dritten Satz stand das Spiel 4:4, als Fräulein Auhem plötzlich zusammenbrach. Die bewuhtlos am Boden liegende Spielerin wurde auf der Bahre vom Platz getragen. Fräulein Auhem ist durch diesen Zwischenfall um die Möglichkeit gekommen, mit Helen Mills das Schluhspiel bestreiten zu können.
Tolles Banditenstück.
Zwischen Potsdam und Rehbrücke hat sich in der Rächt ein HeberfaH ereignet, der in der Kriminalgeschichte seinesgleichen suchen dürfte. Die Lenkerin und einzige 3nsassin eines von Berlin kommenden Kraftwagens wurde kurz hinter dem Bahnhof Rehbrücke von den Insassen eines entgegenkommenden Autos mit großen Scheinwerfern geblendet und an den Straßenrand gedrückt. Als sie mit ihrem Wagen hielt, entstiegen dem anderen Kraftwagen drei Männer, von denen einer mit dem Revolver die Automobilisttn in Schach hielt, während die beiden anderen alles, was ihnen
Einzelleben und Einzeldafein gibt es nicht mehr. Alles Kleine, alles Häßliche ist geschwunden und wesenlos geworden. Scheu nur tastet man sich zu diesem Unglaublichen, Großen hin und wünscht: so weiterleben dürfen. So gekrönt und so demütig ...
In den Tälern liegt schon das Dunkel der Rächt. Einzelne weihe Rebelschwaden lösen sich aus ihnen und flattern in das große Feuer, das über allem steht. Wie eine menschliche Sehnsucht sich lösen möchte und verbrennen in der Erfüllung. Ich blicke rückwärts. Eine ungeheure weiße Wolkenwand scheint sich von der Erde zu heben, zu wachsen, die ganze Unendlichkeit des Himmels auszufüllen. Die Spitze verliert sich vor meinem Blick. Unbeweglich steht sie und bietet sich dem roten Licht, das sie ganz überflammt. Es ist, als ob sie die ganze Welt für immer hinter uns verschlösse und wir gleich den Rebel- schwaden im Feuer versinken mühten. Schöpfung und Vernichtung stehen dicht nebeneinander. Ich selbst, losgelöst von jeder irdischen Beziehung, emporgehoben in den Raum und die Unendlichkeit, bin nur noch ein Atom, das mitschwingt im All. Ich weih nichts mehr, ich denke nicht mehr. Ich bin nur, und werde immer sein. Es wird dunkel. Eine graue Hand gleitet über das Antlitz des Lebens und löscht seine Furchen. Die Erde will uns wieder. Wir landen. Fast widerwillig berührt mein Fuß den Boden. Es war fast, als sollte ich erst wieder gehen lernen. In meiner Hand aber das kleine Tier mahnte aus der Erschütterung zur Pflicht.
Hochschulnachrichten.
Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt a. M. hat den Geh. Kon- sistorialrat Prof. D. Dr. phil. Ebrard ehrenhalber Titel und Würde eines Doktors der Rechte verliehen. In der Urkunde heiht es: „Dem Begründer und Förderer des Frankfurter Rechtswissenschaftlichen Büchereiwesens, dem zielbewuhten Führer zur rechtlichen Reuordnung der Frankfurter evangelischen Kirche und ihrem treuen Leiter in schwerer Zeit, dem vorbildlichen Pfleger und Erhalter von Gütern und Stätten erlesener geistiger Kultur." — Professor Dr. Christian Jensen in Bonn hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Klassischen Philologie an der Universität Wien als Rachfolger des in den Ruhestand getretenen Professors Hans von Arnim abflctefri*


