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durch allmähliche Auflösung oder Zusammen- legung bestehender Behörden. Verringerung des Personalaufwandes, Einschränkung des Doppel­empfangs von Bezügen bei Gehalts- und Pen­sionsempfängern, Angleichung der Besoldung in Reich, Ländern und Gemeinden.

Daneben streift der Minister auch das Problem der großen Reichsreform. Er schließt mit einem Appell an alle Parteien, mitzuwirken an der Ord­nung des Etats- und Kastenwesens, die im gemein- famen Intereste aller Parteien liege. Eine Unord­nung gerade auf diesem Gebiet gefährde die Wur­zeln des staallichen und politischen Lebens, es wüste Aufgabe aller Parteien sein, den Fortbestand der setzt in Angriff genommenen Wiederherstellung ge­sunder Finanzverhältniste zu gewährleisten.

Zur Umsatz st euer erklärte der Minister, daß darüber Klage geführt werde, daß die G r o ß - Unternehmungen des Kleinhandels beabsichtigten, die Umsatz st euer auf ihre Lieferanten abzuwälzen. Er werde prüfen lasten, ob dies nur eine Einzelerscheinung sei, oder einen allgemeinen Charakter habe, um dann even­tuell mit gesetzlichen Maßnahmen da­gegen vorzugehen. Rach der Erledigung der Gewerbe st euersenkung werde auch die Senkung der direkten Steuern folgen. Zur Frage der Reichsreform äußerte der Minister sich dahin, daß alle finanziellen Fragen auch mit der Rcichsreform zusammenhingen. Hier liege der letzte Schritt vor, der getan werden müsse, wenn die ge­samte öffentliche Verwaltung in Deutschland auf dem höchsten Leistungsgrad sparsamer und zweckmäßiger Wirtschaft gebracht werden solle. Alle die finan­ziellen Maßnahmen würden steckenbleiben und un­wirksam sein, wenn nicht auch die große Frage der Reichsreform gelöst werde.

Abg. Vogel (Soz.)

erinnert an die Vorgänge bei der Annahme des Dawesplanes. Wie dieser, so sei auch der Poungplan nur durch die Stimmen der Sozialdemokraten ange­nommen worden. Die Annahme des Voungplanes habe die Bahn frei gemacht für die Bildung des Bürgerblocks gegen die Sozialdemokratie. Diesmal seien auch die Demokraten dabei, deren Entwicklung sich in durchaus reaktionärer Richtung vollzogen habe. Die Bürgerblockregierung Brüning habe in der kurzen Zeit ihres Bestehens den Klassenkampf in ausgeprägtester Form gegen die Arbeiterschaft ge­führt. Hinter dieser Regierung stehe ja audf die Mehrheit der Deutschnationalen. In allen bürget» liehen Parteien bis zum Bayerischen Bauernbund sei die Angst vor der Reichstagsauflösung dos trei- bende Motiv für die Unterstützung des Kabinetts Brüning gewesen. In der Frage des Panzerkreuzers B hätten wieder einmal die zivilen Minister sich dem Wunsche der Militärs gefügt. Wir fragen, so erklärt der Redner, wie sich die Regierung zu dem Beschluß des Reichsrates stellt. Die Kosten des Panzer­kreuzers machen gerade jenen Betrag aus, den die bürgerlichen Parteien der Arbeitslosenversicherung verweigert und weswegen sie die Koalition zerschla­gen haben. Die christlichen Arbeiter'sind durchaus einig mit den sozialdemokratischen Arbeitern im Widerstand gegen den von der neuen Regierung ge­planten Leistungsabbau bei der Arbeitslosenversiche­rung und der Sozialversicherung überhaupt. Die Sozialdemokratie werde dieses Kabinett der sozialen Reaktion aufs schärfste bekämpfen.

Abg Ersing (3 )

widerspricht der Behauptung des Vorredners, Daß die bürgerlichen Parteien die Große Koali­tion zerschlagen hätten. Tatsächlich habe allein die Sozialdemokratie die Auflösung der letzten Koalition verschuldet. Heber die Verhandlungen mit der thüringischen Regierung sollte dem Reichs­tag baldmöglichst eine Denkschrift zugehen. Würde das Zentrum im thüringischen Landtag so stark sein, wie die Sozialdemokratie, dann wäre Herr Dr. Frick nicht Innenminister geworden. Pikant ist ja auch die Tatsache, daß im roten Freistaat Sachsen eine parlamentarische Regierung so schwer gebildet werden kann. Würden die Sozialdemo­kraten bereitwilliger die Verantwortung mitüber­nehmen, dann könnten die radikalen Richtungen von rechts und links nicht so stark anwachsen, wie es jetzt zu beobachten ist. Die jetzigen Schwierigkeiten sind vor allem dadurch verschul­det worden, daß der Reichstag 1929 dem Steuer­programm der Regierung nicht zustimmen wollte. (Rufe bei den Sozialdemokraten:Das war ja Hilferdings Programm!") Wir erkennen auch bei politischen Gegnern an, was anzuerkennen ist. Der sozialdemokratische Abgeordnete Warum hat auf einer Konferenz in Karlsruhe anerkannt, daß die Zentrumspolitik richtig war, die Finanzfragen mit der Vounggesetzgebung zu verquicken. Das Kabinett Brüning hat gezeigt, wie durch An­wendung aller verfassungsmäßigen Mittel sehr schnell eine Entscheidung des Parlaments erreicht werden kann.

_ Das Geschrei der sozialdemokratischen Presse über die Erhöhung der indirekten Steuern ist nicht ernst zu nehmen. In den Ländern und Ge­meinden mit roter Mehrheit werden die indi­rekten Steuern viel stärker angespannt. Das Zen­trum wird seiner Tradition gemäß immer an der Sozialpolitik festhalten. Die Voraussetzung ist aber eine Sanierung der Finanzen. 435 Millionen sind im neuen Etat für die Erwerbslosenfür- sorge ausgeworfen. Dadurch ist schon der Vor­wurf widerlegt, daß die neue Regierung kein Herz für die Erwerbslosen hätte. Es ist stark demagogisch, wenn Abgeordneter Vogel den Panzerkreuzer mit der Arbeitslosenversicherung m Verbindung bringt. Wir kennen die furchtbare Rot der Erwerbslosen. Wir erwarten, daß die Reichsregierung möglichst noch vor dem l.Iuli oseienigen gesetzgeberischen Maßnahmen dor- sch-agt, dre notwendig sind, um eine sozial ge- wirtschaftlich tragbare Lösung herbei- zusuhren. Wir bedauern den Reichsratsbeschluß wonach das Ministerium für die besetzten Ge- tf am. 1- Oktober aufgehoben werden

olL Dieses Ministerium müßte mindestens bis zum Abschluß dieses Ctatsjahres bestehen blei- den. Die unangenehmen Kämpfe um den Panzer- kreuzer A haben alte Parteien zu dem Wunsch veranlaßt, daß sich derartiges nicht wiederholen möge. Der Reichsratsbeschluß für den Panzer- tou^r B hat uns überrascht. Wir glauben, daß Beschlüsse von so weittragender Bedeutung nur vom Kabinett gefaßt werden sollten Wir (ebnen den Reichsratsbeschluß ab, weil wir der Meinung smd, daß angesichts der großen Rvtlage gegen­wärtig andere Aufgaben dringlicher sind Ande­rerseits brauchen wir aber Arbeit für die Werf­ten in Kiel und Wilhelmshaven. Wir ersuchen darum die Regierung um baldige Vorlegung emes allgemeinen Marinebauprogrammes Die Lage der Wirtschaft ist ernst: aber wir werden wieder in die Höhe kommen, wenn das Parlament sich seiner Verantwortung bewußt ist.

Abg. 0r. Cremer (O.D.p.)

weist darauf hin, daß es sich bei dem vorlie­genden Etat um das Werk des früheren sozial­demokratischen Finanzministers Dr. Hilferding handele. Damit sei schon der Vorwurf des so- zialdeinokratischen Debatteredners erledigt, daß die Zollpolitik sich gegen die arbeitende Bevöl­kerung richte. Die Deutsche Volkspartei sei auch nicht zufrieden mit allen Ergänzungen, die das ursprüngliche Finanzprogramm in der letzten Zeit erhalten habe. Die Rotwendigkeit, einem solchen Kompromiß zuzustimmen, habe sich aber daraus ergeben, daß die Sozialdemokraten die übrigen Koalitionsparteien verlassen hätten. Jetzt könne es sich nur darum handeln, der späteren organi­schen Finanzreform den Weg zu bereiten. Der Etat balanciere zwar rechnungsmäßig, aber es sei sehr zweifelhaft, ob nicht durch ein weiteres An­schwellen der Arbeitslosigkeit die geschätzten Aus­gaben weit überschritten werden. Wenn die jetzige Wirtschaftsdepression weiter crnhalte, dann werden vielleicht schon im Herbst die Ausgaben nicht mehr durch laufende Einnahmen gedeckt sein. Unter diesen Hinständen muh die For­derung größerer Sparsamkeit an der Spitze aller Finanzpolittk stehen. Unter der Herrschaft des parlamentarischen Systems wird sich diese Spar­samkeit nur durchsetzen lassen, wenn die Mög­lichkeit beschränkt wird, durch Reuanforderungen

die Berechnungen des Haushaltes umzustoßen. Dazu wird man die Befugnis des Finanzmini­sters verstärken müssen, auch der Bürokratie Iber übrigen Ressorts gegenüber. Das jetzige System der Verteilung der Steuern in Reich- unb Länberanteile führt zur Unübersichtlichkeit und verführt auch den Reichsrat dazu, sich weni­ger als Reichsorgan zu fühlen, vielmehr als Tummelplatz für den Streit der ßänberintereffen gegen das Reich. Die jetzige Ueberweisungspol- tik führt dazu, daß Länder und Gemeinden sich um bas Sparsamkeitsprinzip nicht zu kümmern brauchen, während das Reich am Notwendigsten Mangel leidet. (Sehr richtig!) Reben die Min­destgarantie müsse doch auch eine Höchstgarantie der Heberweisungen treten. Ob wir die erste Baurate für den Panzerkreuzer B in diesem Jahre in den Etat einstellen ober erst im Jahre 1931, ist lediglich eine Frage der finanziellen GeiftungS» sähigkett. Mit der Bewilligung des Panzerkreu­zers selbst waren ja auch die sozialdemokratischen Minister einverstanden. Um der Meinung ent- gegenzutreten, als verzichte Deutschland auf jede Seegeltung, sind wir für die vom Reichsrat be­antragte Einstellung der ersten Daurate in den diesjährigen ©tat.

Gegen 19.30 Uhr wird die Weiterberatung auf Samstag vertagt. Außerdem stehen auf der Tagesordnung kleinere Vorlagen.

Xnifler Dietrich über die Agrarfrage.

Berlin, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Auf dem Demokratischen Parteitag des Wahlkreises Berlin sprach nach dem ausführlichen Referat des Parteivorsihenden Koch-Weser Reichswirt­schaftsminister Dietrich über die Aufgaben der Demokratischen Partei angesichts der gegen­wärtigen Lage. Der Minister führte u. a. folgen­des aus: Wir haben uns vergeblich be­müht, den Zusammenbruch der Gro­ßen Koalition zu verhindern.

Die Agrarfrage ist heule die entscheidende poli­tische Frage, kann man von Gerechtigkeit sprechen, wenn der ostelbische Landwirt, auch der kleine, für seine Produkte, Kartoffeln und Roggen, 80 o. h. der Vorkriegspreise bekommt?

Der Rückgang der Gerstenpreise ist auch durch die erste Zollerhohung nicht verhindert worden. Auch jetzt ist der Roggenpreis noch nicht über 170 Mark, den Vorkriegspreis, hinausgebracht worden. So wenig es möglich ist, die deutsche Landwirtschaft zum Blühen zu bringen, ohne Verständigung mit Frankreich, so wenig ist es möglich, bei fortdauerndem Kampf mit Polen und den Oststaaten. Auch mit Rumänien muh eine Wirtschaftsverständigung gefunden werden, wie überhaupt mit den Rachfolgestaaten Rußlands und Oesterreich-Hngams.

Die wichtigste Frage ist: Das wird aus dem deutschen Osten? Die Form der Osthilfe ist ent­scheidend auch für politische Dinge.

Ich habe ein Ostpreuhengesetz gemacht und in Verfolg dessen die Frage ins Rollen gebracht, ob zweite Hypotheken als eine Art Subvention gegeben werden können und dürfen, ferner muh die Osthilfe für Landwirtschaft, Gewerbe, Handel und Industrie wirksam werden. Ich sehe mit der demokratischen Fraktion meine Aufgabe darin, eine Krise des Parlamentarismus zu vermeiden. Im Wesen des Liberalismus liegt die individuelle Freiheit. Das gilt auch für die Demokratische Partei. Man soll nicht von Fusionen reden. Aber das Parteiwesen ist im Fluh.

Dir haben die Freiheit, taktisch mit rechts und mit links zufammenzuarbeiten, und sind von keiner Gruppe abhängig. Die Partei aber muß

einig und kampfbereit sein, um ihren willen maßgeblich in die Waagschale werfen zu können.

Der Parteitag nahm gegen eine Stimme eine Entschliehung an, die die Reichstagsfraktion auf­fordert, gegen das Panzerschiff B zu stimmen.

Ein Antrag, der das Ausscheiden des Reichsmini st ers Dcetrich aus dem Ka­binett zu einem möglichst nahen Zeitpunkt for­dert, wurde mit allen gegen fünf Stimmen ab- gelehnt und mit großer Mehrheit die fol­gende Entschließung angenommen:Der Partei­tag der Deutschen Demokratischen Partei, Wahl­kreis Berlin, verkennt nicht die schwierige Lage, in der sich die Reichstagsfraktivn nach der durch die Sozialdemokratie in unverantwort­licher Weise herbeigeführten Auflösung der Großen Koalition befand. Er hat nach den Ausführungen des Parteivorsitzenden Koch (Weser) zur Fraktion das Vertrauen, daß sie bei allen kommenden Verhandlungen des Reichs­tages in ihrer Stellung gegenüber dem Kabinett Brüning jederzeit die demokratischen und liberalen Grundsätze zur Durchführung bringen wird."

Sm kleineres Osthilseprogramm.

Zunächst auf ein Jahr.

Berlin, -2. Mai. (LNB. Eigene Meldung.) Das Reichskabinett hat heute vormittag nur kurze Zeit beraten und feine Sitzung dann auf heute nachmittag vertagt, da der Reichsfinanzminister gleich zu Beginn der Reichslagssihung um 14 Uhr seine Etatsrede halten wird. Die Beratungen er­strecken sich nur auf laufende Angelegenheiten. Das Reichskabinetl wird sich am Dienstag von neuem mit der Ost Hilfe beschäftigen. Pis dahin sollen die nötigen Vorarbeiten geleistet werden, damit das Kabinett eine poflttve Unterlage hat. Ls ist wohl anzunehmen, daß man sich schon aus sinanzlellen Gründen zunächst über ein kleineres Pro­gramm einigen wird, das sich auf ein Iahr erstreckt, aber die Möglichkeit zu organischer Weiterentwicklung enthält.

Verzicht aus den Panzerkreuzer B.

Zentrum und Demokraten lehnen ab. Demokratische Forderungen zum Osthilfsprogramm.

Berlin, 3. Mai. (Eigene LRB.-Meldung.) In­folge der ablehnenden Haltung des Zen­trums und der Demokraten rechnet man laut DAZ. in unterrichteten Kreisen damit, daß die Bau- rate für das Panzerschiff B aus dem Etat wieder gestrichen wird. Ls werde erklärt, daß diese Angelegenheit keine Kabinettsfrage hcraufbeschwören werde, ja, von den verschiedensten Seiten werde behauptet, daß man an dem Reichs- ratsbeschluh vollkommen unschuldig gewesen sei.

Beschiüsie der d mokratrschen

Reichstagsfraktivn.

Berlin, 3.Mai. (Eigene CRB.-Meldung.) Die demokratische Reichstagsfrak­tion hat beschlossen, die erste Baurate für den Panzerkreuzer B abzulehnen. Die De­mokratische Partei wird, wie es in einem Bericht derVoss. Ztg." heißt, das für die Wehrhaftig­keit Deutschlands Rotwendige bewilligen. Was aber den Panzerkreuzer anlangt, so fordert schon die merkwürdige Art und Weise, wie dieser Posten in den Etat gebracht worden ist, ^ur stärksten Kritik heraus. Zum anderen wird sich die demokratische Reichstagsfraktivn auf ihren früher eingebrachten Antrag berufen, der von der Marineleitung ein klares Pro­gramm verlangt, Las üker die E r s a h b a u t e n überalterter Schiffe Auskunft gibt. Die für die erste Rate ausgeworfenen 2,9 Millionen Marl müßten eingespart werden.

2m Hinblick auf das O ft Hilfsprogramm der Regierung Brüning steht die demokratische Reichstagsfraktion grundsätzlich auf dem Stand- punkt, daß aus nationalpolitischen Gründen eine wrrksameO st Hilfe durchgeführt werden muß.

Ls muß in diesem Programm vor allem eine klare Zweckbestimmung für die zu bewilligenden Gelder vorgesehen sein. Eine unbestimmte Er­mächtigung über die Verwendung kann nicht gegeben werden.

Die angeforderten Beträge für Kanäle. Wasser- ftrafjen und Wegebauten dürften bewilligt wer- °«.c^ne vorgesehene Frachtensenkung. Der entscheidende politische Kampf wird bei der De - Ntzbefestrgung einfehen. Bei der Lasten- x gefordert werden müssen, daß mit

öer Senkung der Real steuern begonnen

wird. ®ine solche muß nicht nur für die Land­wirtschaft, sondern auch für das Gewerbe und die Industrie erfolgen. Außerdem muh der Beginn der Realsteuersenkung im Osten eine Senkung der Realsteuern im ganzen Reiche nach sich ziehen. Die vorgesehene Hmschul - düng muß ohne neue Steuern erfolgen, und ohne Gefährdung der geplanten Steuer­senkung.

Die Umschuldung darf nur erfolgen bei noch lebensfähigen Betrieben, und schließlich müssen absolut neutrale Stellen über die Bewilligung der Gelder entscheiden.

Die Demokraten werden alsdann noch eine Reihe von Forderungen aufstellen, im besonderen wird eine Förderung der Siedlung, und zwar hauptsächlich der Anliegersiedlung, gefor­dert werden. Ebenso ist es notwendig, daß die Reichsregierung Aufschluß gibt über ihre Han- delsvertragspolitik und endlich wird das Kabinett Brüning u. a. über feine Stellung zur Wahlreform und Reichsreform befragt werden.

Oer neue Nuntius beim Reichspräsidenten.

Berlin, 2. Mai. (WTB.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute den neuernann­ten apostolischen Runtius Monsignore Cesare O r s e n i g o zur Entgegennahme seines Beglau­bigungsschreibens. Im Vorhof des Reichspräsi­dentenpalais erwies eine Ehrenwache dem Run­tius die militärischen Ehren. An dem Empfang nahmen Reichsminister des Auswärtigen Dr. C u r t i u s und Staatssekretär Dr. v. S ch u b e r t teil.

(Sin neuer Staatssekretär des Auswärtigen.

Berlin, 2. Mai. (ERB. Eigene Meldung.) Zu der Nachricht eines Berliner Abendblattes wonach der Leiter der Dölkerbundsabteilung im Auswärttgen Amt. Vortragender Legationsrat Bernhard von Bülow zum Nachfolger des Staatssekretärs v. Schubert aus- ersehen sei, erfahren wir, hierüber liege noch kein Kabinettsbeschluß vor: es sei aber damit zu rechnen, daß Herr v. Bülow das

Staatssekretariat übernehmen wird. Welches Amt Staatssekretär von Schubert, der bekanntlich häufig als Nachfolger Dr. Stha - m e r s in London genannt wird, dann überneh­men soll, dürfte noch nicht feststehen.

Schober und die Anschlußsrage.

Eine Richtigstellung Schobers.

Wien, 2. Mai. (WTB.) Die Amtliche Nach­richtenstelle veröffentlicht ein Londoner Telegramm, wonach der Londoner Vertreter der Amtlichen Nach­richtenstelle in Sachen der Pariser Meldungen über die Aeußerungen Schobers betreffend die Anschlußfrage vom Bundeskanzler zu folgender Feststellung ermächtigt ist: Auf die an ihn in Paris gestellte Frage über den Anschluß hat Bundeskanzler Schober lediglich, roie. schon in Ber­lin, erklärt:W i r sind ein Volk von zwei Staate n." Darüber hinausgehende Erklä­rungen hat der Bundeskanzler nicht abgegeben.

Neuregelung der Kinderzu- fchläge für hessische Beamte. Die Sondergebäudesteuer. Mittel für

Notftandsarbeiten.

WER. Darmstadt, 2. Mai. In der heuttgen Sitzung des Finanzausschusses des Hessi­schen Landtags wurde eine Reihe bemerkens­werter Beschlüsse gefaßt. Einstimmige Annahme fand ein Antrag ber Koalitionsparteien, eine Kürzung der sachlichen Ausgaben im Mindestbetrage von 500 000 Mk. vorzunehmen, die mit 250 000 Mk. zur Forderung der Neu­bautätigkeit, mit den weiteren 250 000 Mk. in Kapitel 16 (Hnvorhergefehenes) eingestellt werden.

Durch die Annahme eines sozialdemokratischen Antrags, den Sondergebäude st euer* we r t auf den 20fachen Betrag der Friedens­miete festzusetzen, wenn die Friedensmiete mehr als 5 Proz. vom Friedenswert beträgt, soll eine weitere Einnahmesteigerung um 250 000 Mk. ermöglicht werden.

Die Kinderzuschläge der Beamten fanden folgende Neuregelung: Für Kinder über 16 bis 21 Jahre, die sich noch in der Schule aus­bilden oder in der Ausbildung für einen künftig gegen Entgelt auszuübenden Lebensberuf befin­den und nicht ein eigenes Einkommen von min­destens 30 Mk. monatlich haben, kann der Kinder­zuschlag in voller Höhe nur dann gewährt wer­den, wenn der Beamte usw. drei oder mehr Kinder besitzt, für die nach den seitherigen Be­stimmungen ein Kinderzuschlag, oder eine wider­rufliche Kinderbeihilfe gezahlt werden konnte. Sind weniger als drei Kinder vorhanden, für dre ein Kinderzuschlag oder eine Kinderbeihilfe in Frage kommen konnte, dann wird für das erste Kind über 16 Jahre fein Kinderzuschlag, für das zweite Kind über 16 Jahre nur ein solcher in halber Höhe gewährt. Sind bei zwei oder mehr Kindern Kinder über 21 bis 24 Jahre vorhanden, für die nach den bisherigen Grund­sätzen eine widerrufliche Beihilfe gewährt werden konnte, dann sind als Kinder über 16 Jahre, für die kein Kinderzuschlag oder nur ein solcher tn halber Höhe zu zahlen ist, die Kinder über 21 bis 24 Jahre zu rechnen. Für Kinder über 21 Jahre wird eine Kinderbeihilfe nicht mehr gezahlt.

Bei der Beratung der rückständigen Anträge zum Kapitel Sondergebäudesteuer wurde von allen Seiten zum Ausdruck gebracht, daß man versuchen müsse, die um 2 Millionen auf 9,9 Millionen herabgesetzte Vorsehung zu er­höhen. Durch die Annahme der eingangs er­wähnten Anträge und früher erfolgte Beschlüsse wurde der Betrag inzwischen um etwa 3A Mill. Mark erhöht.

Die Regierungsvorlage auf Bereitstellung von 580 000 Mk. zur Förderung der Notftands­arbeiten entsprechend dem vom Reich zur Verfügung gestellten gleichhohen Betrag wurde einstimmig angenommen. Da aus dem vorigen Jahr für diesen Zweck noch 380 000 Mk. regieren, sind neu nur 200 000 Mk. auszuwerfen.

Für die Heberwachung der Beispiels- Wirtschaften im hohen Vogelsberg wurden einstimmig 1200 Mk. genehmigt.

Verlängerung des Hessischen Landtags um ein Zahr?

WSN. Darmstadt, 2. Mai. Die Regierung hat soeben dem Landtag eine Vorlage Augehen lassen, nach der der gegenwärtige Land­tag um ein Jahr verlängert werden soll. Der Gesetzgebungsausschuh wird sich bereits am kommenden Donnerstag mit dieser Vorlage beschäftigen.

Professor Or. Werner-Buhbach Nationalsozialist.

WSN. Butzbach, 2. Mai. Der bekannte hessische Parlamentarier Landtagsabgeordneter Prozessor Werner ist der Nationalsozia­listischen Deutschen Arbeiterpartei beigetreten. Professor Werner war bis jum1 vorigen Jahre Mitglied der Deutschnationalen Voltspartei und gehörte in früheren Jahren auch dem Reichstag an.

Außer Professor Werner, Butzbach, ist auch der zweite Vorsitzende des Hessischen Land­jugendbundes, Seibel, Fauerbach, zu der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei übergetreten.

Graf Zeppelin" zurück.

Friedrichshafen, 2.Mai. (WTB.) Heute nachmittag 5.10 Uhr landete das Luftschiff G r a f Z e p p e l i n" nach seiner Rückkehr von der Schweizer Fahrt glatt auf dem Werstgelände.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck hat sich weiter gehalten, im Westen sogar noch verstärkt. Es ist daher für öie nächsten Tage noch schönes Wetter zu er- warten. Die Temperaturen werden durch Ein- und Ausstrahlung bestimmt, nehmen also tags­über sehr hohe Werte an, während sie nachts stettenwerse bis in Gefrierpunktsnähe zurück- gepen tonnen. Dre kräftige Erwärmung tagsüber laßt allerdings stellenweise Gewitterstörungen aus kommen, die durch die verschiedenarttgen Wind- ruchmngen beeinflußt werden. Im allgemeinen bleibt ledoch der Witterungscharakter zunächst ruhig und frühlingsmähig.

V .c r b 0 ^a u 3 fa 9 e für Sonntag, nileift hetteres Wetter, tagsüber warm, nachts

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