Einzelbild herunterladen

Wirkens ist die Tatsache, daß es das Rekordmini- fterium der Arbeitslosenzahl geworden ist. Das neue Kabinett könnte inan als Re p a r a t i o n s k a b i - nett der M ü l l e r s ch e n Unterlassung be­zeichnen. Es hat gewiß große Schönheitsfehler. Wenn Deutschland aber auf eine Ideallösung warten will, wird es inzwischen vielleicht gestorben sein. Dow Außenminister und seiner Außenpolitik stehen wir mit denselben Gefühlen gegenüber wie bisher. (Leb­haftes 5)0 rt! Hört! links.) D i e nächste Ernte ist das Schicksal der Landwirtscl)aft. Wer Schie­les Arbeit d a r n m hindert, m u ß als « chädling der Landwirtschaft g e- brandmarkt werden. Besonders begrüßen wir, daß zum ersten Male entschlossen der Blick nach dem Osten gerichtet wird. Wir danken dem Reichspräsidenten, daß er, wie er bei Tannenberg den Osten rettete, auch jetzt den Blick der Nation auf den Hauptgefahrenpunkt der deutschen Zukunft gelenkt hat. Millionen Menschen schöpfen im Hinblick auf den neuen Minister Schiele wieder Hoffnung. Die Parteipolitik hat ihren Kurswert verloren. Wenn Sie, Herr Reichskanzler, so handeln, wie Sie es zum Ausdruck gebracht haben, dann werden Sie die stärkste Regierung sein, die Deutschland in der Nachkriegszeit besessen hat. Wir begrüßen es, daß diese Regierung zum ersten Male auf gesetzmäßigem Wege sich über den überspitzten Parlamentarismus hinw-gfetzt. Wir werden die Regierung unterstützen, solange sie ihren Worten Taten folgen läßt.

Weiterberatung Donnerstag.

Oer Reichspräsident an Or. Schacht.

Zum Ausscheiden des Reichsbank- präsidenten.

Berlin, 2. April. (WTB.) Der Herr Reichs­präsident hat an den heute aus seinem Amte scheidenden Re i ch s b an k p r ä s i de n t e n D r. Schacht nachstehendes Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Reichsbankpräsident!

In dankbarere Anerkennung gedenke ich heute, an dem Tage, an dem Sie aus Ihrem Amte scheiden, der hohen Verdienste die Sie sich wäh­rend der Zeit Ihrer amtlichen Tätigkeit um die deutsche Währung erworben haben. In den schicksalsschweren Tagen des Jahres 1923 auf den verantwortungsvollen Poften des Reichswährungs­kommissars berufen, haben Sie entscheidenden Anteil genommen an der Ueberwindung jener Zustände, die damals Deutschland aufs gefährlichste bedrohten. Unter denen, die das Verdienst der Wie­derschaffung einer gefestigten Wäh­rung für sich in Anspruch nehmen können, wird IhrNamestetsmitanoordersterStelle zu nennen sein. In mehr als sechsjähriger Tätigkeit als Reichsbankpräsident haben Sie es dann als Ähre vornehmste Aufgabe angesehen, erhalten und zu festigen, was zuvor unter Ihrer weit­gehenden Mitwirkung geschaffen worden war. Wenn heute die Wertbeständigkeit der deutschen Währung im In- und Auslande als unzweifelhaft a.sichert anerkannt wird, so ist das nicht zuletzt Ihrer mühevollen, zielbewußten und von hoher Sachkennt­nis getragenen Arbeit zu verdanken.

Aus unserer letzten Besprechung wissen Sie, Herr Reichsbankpräfldent, wie sehr ich es lxdaure. Sie gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt aus Ihrem Amt scheiden zu sehen. Ihne« am heu­tigen Tage daher namens des Reichs und auch per­sönlich aufrichtig en Dank für Ihre lang­jährige verdienstvolle Tätigkeit zum Ausdruck zu bringen, ist mir lebhaftes Bedürfnis. Mit den besten Wünschen für Ihr weiteres Wohl­ergehen und mit freundlichen Grüßen bin ich

Ihr ergebener

gez.: von Hindenburg."

Die Aushebung des Mrlschasts- ministekiums abgeiehnt.

Ans dem Finanzausschuß des Hessischen ^anviags.

Darmstadt, 2. April. (WHP.) Im Finanz­ausschuß wurden am Mittwoch die Abstimmungen nachgeholt. Dabei wurde der Antrag der Deut-, fchcn Volkspartei, das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft aufzuheben und dem Innenministerium anzug'iedern mit Aus­nahme der Abteilungen Bodenverbesscrung und Wasserversorgung, die dem Finanzministerium zu­geteilt werden sollen, mit den Stimmen der Regierungsparteien und des Landbundes gegen Volkspartei und Volksrechtpartei a b g e l e h n t. Das gleiche Schicksal erlitt der volksparteiliche Eventualantrag, eine größere Zahl von Mini- sterialstellen auf den Inhaber zu bewilligen und die neugeschaffene Oberrechnungsratsstelle nicht zu genehmigen, ebenso die Anträge des Land­bundes, eine Reihe von Ministerialstellen auf den Inhaber zu sehen.

Unter Ablehnung der dazu gestellten kommu­nistischen Anträge werden die Kapitel 75 (Mini­sterium), 76 (Stellvertretungs- und Aushilfs­kosten, 62 000 Mk. Ausgaben), 77 (Postgebühren, 20 000 Mk. Ausgaben), 73 (Hochbauwesen, 36 825 Mark Ausgaben), 79 (geologische Landesanstalt, 1000 Mk. Einnahmen. 73 9c6 Mk. Ausgaben), 80 (Pachteinigungsämter, 1000 Mk. Einnahmen, 1000 Mk. Ausgaben), 81 (Zuwendungen des "Reiches für landwirtschaftliche usw. Zwecke) ge­nehmigt. Da im voraus die Art und Höhe der Veträge noch nicht feststeht, ist eine Veranschla­gung nicht erfolgt. Auch Kapitel 82 (landwirt­schaftliches Llntcrrichts- und Versuchswcsen sowie Landwirtschattspflege mit 166 680 Mk. Einnahmen und 686 833 Mk. Ausgaben) wird genehmigt.

Lieber das Kapitel 83, Boden derbes- serung und Wasserversorgung, mit 1 581 500 Mark Einnahmen und 2 111 287 Mark Ausgaben cntspinnt sich eine eingehende Aus­sprache, an der sich alle Parteien beteiligen. Allgemein waren sich die Vertreter der Parteien darüber einig, daß die Feldbereinigun­gen, deren hoher volkswirtschaftlicher Wert nicht verkannt werden dürfe, durch den hohen Zinsfuß ganz erheblich er schwer twer- den, daß also durch Vereinfachung der Or­ganisation und Ermäßigung der Kosten der Ver­messung und der kulturtechnischen Kosten erheb­liche Ersparnisse erreicht werden müßten. Von feiten der Regierung nahmen mehrere Ver­treter eingehend Stellung. Man erhielt den Ein­druck. daß eine Vereinfachung gerade auf dem Gebiete des Dermessungswesens nicht durchführbar ist, solange dieses auf zwei Mi­nisterien verteilt ist. -

Der Ausschuß, der vor einigen Tagen der Regierung die Ermächtigung erteilt hatte, zur

KommunistischeIugendverhehung.

Schulstreik in Verlin-Aeukölln.

(Berlin 2. April. (WTB.) In vier Volks» schulen in Reukölln versuchten die Kom­munisten einen S ch u l st r e i k durchzuführen, der sich gegen die Sparmaßnahmen in den Schulen, angeblichen Abbau der schulärztlichen Fürsorge und Versetzungen von Lehrpersonen richtete. Die Polizei hatte rechtzeitig Beamte vor den Schulen bercitgestellt, um Zwischenfälle zu verhindern. Wo die Kommunisten Miene machten, gewaltsam die Kinder am Schulbesuch zu hindern, griff die Polizei sofort ein, so daß der Llnterricht in allen Klassen durchgcführt werden konnte. Ein K i n d e r d e m o n st r a t i o n s z u g, der gegen Mitlag veranstaltet wurde, zeigte sehr schwache Beteiligung.

Wir haben cs hier nicht mit den ersten Er­eignissen dieser Art zu tun. Seitdem die Kom­munistische Partei es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch die Schuljugend zu verhetzen, gegen die Lehrer und Geistlichkeit, gegen Eltern und Aeltere aufzuwiegeln und mit revolutio­nären Ideen vollzupfropfen, ist es in Berlin ebenso wie in anderen deutschen Städten wieder­holt zu sogenannten Schülerstreiks gekommen. Der neue preußische Kultusminister Grimme hat sich Atoar eben erst im Landtag scharf gegen die Verhetzung der Iugend ausgesprochen, er dürfte auch gewiß nicht angenehm überrascht gewesen sein, als man ihm Mitteilung davon machte, wie die Kommunisten auf seine Minister­erklärung geantwortet haben. Da aber Herr Grimme Sozialdemokrat ist und die Sozialdemo­kratie die weltliche Schule mit ihrer Politisierung der Schuljugend beiderlei Geschlechts fordert, wird der Kultusminister sehr wahrscheinlich nicht ein­mal Den kleinen Finger rühren, um den kom­munistischen Agitatoren das Handwerk zu legen. Es wird also alles beim alten bleiben: die Kommunisten dürfen weiter die Autorität der Lehrerschaft und der Eltern untergraben, dürfen jede Erziehungsarbeit stören und aus der Schul­jugend politische Wegelagerer und Rowdies machen, dürfen unserem Raehwuchs bolschewistische Gedanken einimpfcn und zu ihren Werkzeugen machen. Dabei darf aber nicht übersehen werden,

daß die Sendlinge Moskaus nicht nur an welt­lichen Schulen sich betätigen, sondern auch dort unter der Schuljugend arbeiten, wo man sie gar nicht vermutet. Sache der Elternschaft ist es, aufzupassen und sich gegen die politisch Vergiftung ihrer Kinder zu scharfer und rücT sichtsloser Abwehr zusammenzuschliehen.

Kommunistische Wühlarbeit in der Reichswehr.

Berlin, 2. April. (CNB.) Die politische Polizei hat auf Veranlassung des Oberreichsanwalts in Neuruppin drei Kominunisten verhaftet, die Zersetzungsarbeit in der Reichswehr getrieben haben. Es handelt sich um den Leiter der Neu­ruppiner Ortsgruppe der KPD. und zwei andere Kommunisten. Alle drei sind dem Untersuchungs­richter vorgefllhrt worden, der bereits Haftbefehl gegen sie erlassen hat. Etwa Mitte Januar d. I. wurden beim 2. Bataillon des Inf.-Regts. 5 kom­munistische Zersetzungsschriften ver­teilt. Es handelt sich um zwei Flugblätter,Der Reichswehrsoldat" undDer Kamerad". Die beiden Schriften waren in einer geheimen Druckerei der PKD. in Berlin her gestellt worden. In den Aufrufen wurden Die Soldaten aufgefor­dert, sich ihrer Offiziere zu entledigen und der KPD. beizutreten.

In ihren Vernehmungen bestritten die drei Fest- genommenen zunächst jede Beteiligung an der kom­munistischen Wühlarbeit in der Reichswehr. Durch die Aussagen der Zeugen, besonders aber durch das bei ihnen entdeckte Material, das durch Haus­suchungen zutage gefordert wurde, gelang es, die drei Verdächtigen zu überführen. Es ist anzuneh­men, daß im Zusammenhang mit den Verhaftun­gen in Neuruppin auch in Berlin noch 5 e ft = nahmen erfolgen werden. Die drei verhafteten Kommunisten standen in Verbindung mit einem Obergefreiten der 6. Kompanie. Er hat bereits zu­gegeben, Beziehungen zu den Komunisten unter­halten zu haben. Von einer Verhaftung des Sol­daten wurde vorläufig abgesehen, da noch nicht fest­steht, wieweit seine Handlungsweise strafrechtlich verfolgt werden kann.

Locarnopakt und Klottenkonserenz.

Bemühungen um eine französisch-englische Einigung auf Kosten Z aliens.

Englische Hugesiändn sse.

Ein Mittelmecrlocarno hinten herum.

London, 2. April. (TL1) In den politischen Besprechungen zwischen Briand, Henderson imt) Macdonald wurde auf dem Wege neuer erheblicher englischer Zugeständ­nisse eine Möglichkeit für eine Einigung ge­schaffen. Der vom englischen Auswärtigen Amt ausgearbeitcte neue Plan, der von Briand bereits genehmigt und inzwischen Tardieu für die Zustimmung durch die frairzösische Regierung übermittelt wurde, stützt sich auf Anhang F des Locarnovertrages und läuft praktisch auf einen vollkommenen Wechsel der britischen Politik hinaus. Der entscheidende Passus des An­hanges F des Locarnovertrages lautet:Ieder Mitgliedstaat des Völkerbundes ist verpflich­tet, loyal und wirksam in Durchfühung des Völkcrbundsstatuts zusammenzuarbcitcn und jede Art von Angriff zurückzuwei­sen in Liebereinstimmung mit seiner militäri­schen Lage und unter Berücksichtigung der geo­graphischen Verhältnisse."

Diese Feststellung wurde seinerzeit in Locarno getroffen, um die besondere Lage Deutschlands festzustellen. Die Locarno- Mächte hatten damals bei dieser Erklärung ledig­lich ihre persönliche Auffassung gegenüber dem deutschen Ersuchen auf Festlegung der Sonderstellung Deutschlands öargcIcgt, jedoch keinerlei Versuch gemacht, das Völkerbunds- st a t u t amtlich auszulegen. Der nun von eng­lischer Seite gemachte Vorschlag läuft auf eine vollkommene Veränderung hinaus. Was Briand durch die neue Formel anstrebt, ist tat­sächlich nichts anderes als eineGarantie ge­gen etwaige italienische Angriffe im Mittel ineer. Die neue Formel mag noch so unverbindlich gefaßt sein, sie läuft jedoch auf nichts anderes hinaus, als auf eine Wieder­

belebung des Genfer Protokolls und stellt eine vollkommene Abkehr von der bisherigen Haltung dcr britischen Politik dar. In der Presse wird die Lage weniger deutlich herausgearbeitet, in Liebereinstimmungen mit diesen Feststellungen aber gleichfalls angedeutet, daß die englische Formel erhebliche Zugeständnisse an Frankreich, darstelle, um auf diesem Wege eine Herbsetzung der französischen Tonnagezahlen und damit ein Fünf-Mächte Abkommen zu ermöglichen. Die italienische Ablehnung wird, wie schon angekündigt, als ziemlich sicher hinstellt.

Paris noch immer nicht befr«ei>igt.

Tardieu macht Abänderungsvorschläge.

London, 3. April. (WTB. Funkspruch.) Die von Briand und Henderson vereinbarte Formel zur Sicherheitsfrage, die gestern nach Paris tele­graphiert wurde, hat, wie sich auch aus Andeu­tungen verschiedener Blätter ergibt, entgegen den optimistischen Erwartungen nicht den Bei­fall des französischen Minifterprä- sidenten gefunden.Daily Mail" will sogar über die Abänderungsvorschläge Tardieus .er­klären können, die Formel sei in der abge­änderten Form, in der sie von Paris zu­rücktelegraphiert wurde, für England un­annehmbar. Es würden jetzt neue Entwürfe geprüft, und es bestehe aller Grund zu der An­nahme, daß dieser Prozeß mehrere Tage dauern würde. Die Tatsache, daß die für morgen ange- seht gewesene Plenarsitzung mindestens bis zur nächsten Woche aufgeschoben wurde, deutet nicht darauf hin, daß eine Lösung des Problems, eine für Frankreich und England befriedigende Formel über Artikel 16 der Völkersbundsatzung zu finden, leicht fein wird.

Belebung des Arbeitsmarktes die Bauarbei­ten im Rahmen des Voranschlages sofort in Angriff zu nehmen, erweiterte einstim­mig diese Ermächtigung dahin, daß sie auch für die noch nicht beratenen Kapitel des Voranschlages gelte. Eine Ausnahme bildet ledig­lich die Vorsehung für das Chemische I n - st i t u t in Gießen, das am kommenden Montag vom Ausschuß einer Besichtigung unter­zogen werden soll.

Die freien Berufe auch in Preußen gewerbesteuerpflichiig.

Berlin, 2. April. (Priv.-Tel.) Der preu­ßische Staatsrat hat nicht, wie man ursprünglich erwartete, gegen den Landtagsbeschluß Einspruch erhoben, demzufolge zunächst auf die Frist eines Iahres die freien Berufe g c - werbe steuerpflichtig fein sollen. Der Landtag hatte bereits im vorigen Iahre den gleichen Beschluß gefaßt, der aber damals wegen des Einspruchs des Staat?rates nicht durch- geführt werden konnte. Diesmal hat der Staatsrat mit einer verhältnismäßig knappen Mehrheit beschlossen, von der Einlegung des Einspruches abzusehen. Die Ausdehnung der Ecwerbesteucrpslicht auf die freien Berufe wird insofern zu erheblichen Weiterungen führen, als die Organisationen der Rechtsanwälte und Aerzte bereits angekündigt haben, daß sie entschlossen seien, diese neue Steuer nicht selbst zu tragen, sondern zu überwälzen. Infolgedessen Dürfte als­bald eine unter ilmftänöen sogar fristlose Kün­digung Der kassenärztlichen Ver­träge erfolgen, wodurch für die Krankenkassen neue Lasten erwachsen, die sich wahrscheinlich in einer Beitragserhöhung auswirken werden. Cs ist die Frage, ob die geringen Einnah­men, die der preußische Staat durch die Aus­dehnung der Gewerbesteuer auf die freien Be­rufe erzielt, die sozialpolitifche Beun­

ruhigung lohnt, die daraus zwangsläufig entstehen muß. Als eine besondere Heldentat der Gesetzgebung wird man dieses Produkt kaum bezeichnen können.

Aus aller Wett.

Erster diesjähriger Flug desGraf Zeppelin".

Das LuftschiffGras Zeppelin" ist Donnerstag früh zu seiner ersten diesjährigen Fahrt aufge» stiegen. Bei dieser Werkstättenfahrt unter Füh.ung von Kcp tän Lehmann werden haupt­sächlich die Aenderungen in der elektri­schen L i ch t z e n t r a l e in der E»©onöel (elek­trische Gondel) sowie die Auswirkungen der ver­größerten Flächen des Höhensteuers aus­probiert.

Sprengstoffanschlag in einem Warenhaus.

Auf das Warenhaus von Tietz auf dem Iungfern- ftieg in Hamburg wurde ein Sprengftoffanschlag verübt. Am späten Nachmittag erschollim Treppen­aufgang des Warenhauses eine heftige Detonation. Die Fensterscheiben zersprangen, und das Glas­dach, das den (Eingang bedeckte, wurde hoch emporgeschleudert und stürzte in den Licht­schacht. Das Mauerwerk im zweiten Stockwerk erlitt im Treppenaufgang erheblichen Schaden. Die bisheri­gen Feststellungen haben ergeben, daß es sich um ein Verbrechen handelt. Der eigentliche Tatort ist der im zweiten Stockwerk beim Treppenaufgang befindliche Abort. Der Raum war in der Mitte durch eine Wand mit einer Tür geteilt. Der Täter hat den Sprengstoff es handelt sich vermutlich um Schwarzpulver in einem Behälter, an dem eine Zündschnur angebracht war, 'in dem Abort niedergelegt. Da das Türschild aufBesetzt" gestellt war, vermutet die Polizei, daß der Täter wahr­scheinlich durch Ueberflettern der rückwärtigen Wand und unter Benutzung des Treppenaufganges den Weg ins Freie gefunden hat. Als großes Glück ist es zu betrachten, daß die ganze Sprengwirkung nach oben ging, wo die zahlreichen Fenster­scheiben dem Luftdruck wenig Widerstand boten. An­

dernfalls hätte ein namenloses Unglück ungerichtet werden können, da das Warenhaus um die Abend­stunden stark besucht war.

vier Jahre Zuchthaus wegen Depotunterschlagung.

Vor dem Großen Schöffengericht in K o b u r g wurde der Prozeß wegen des Oktober 1929 er­folgten Zusammenbruches des Bankhaufes Haeßler & Hülbig, Koburg, verhandelt. Dcr geschäftsführende Inhaber war der fort­gesetzten Depotunterschlagung angeklagt und wurde zu vier Iahren Zuchthaus und zehn Iahren Ehrverlust verurteilt. Der Mit­angeklagte Prokurist erhielt wegen Beihilfe fünf­zehn Monate Gefängnis. In dem Bankhaus herrschten, wie der Staatsanwalt ausführte, haarsträubende Zustände. An Depotwerten wur­den 314 000 Mark veruntreut. Alle älteren Angestellten hatten ihre Konten mit großen Beträgen überzogen. Eine Bilanz war seit 1924 nicht aufgestellt, auch hatte keine Kon­trolle stattgefunden.

Großer Heidebrand in der Senne.

Aus dem Besitztum des Landrats a. D. Tasche in Stapelage am Südabhang des Teuto­burger Waldes entstand ein gewaltiger Heidebrand, dem über 1000 Morgen Heide zum Opfer fielen. Das' Feuer war zu­nächst zum Zwecke des Abbrennens von ein­zelnen Heideslächen planmäßig angelegt worden. Durch den Ostwind wurde aber das Feuer über die Schuhgräben getra­gen und nahm in rasender Geschwindigkeit einen etwa 5 Kilometer langen und teilweise zwei Kilometer breiten Weg. Alle Feuerwehren der Llmgegend waren an der Brandstelle tätig. Linker Einsatz von Reichswehr und der Bewohner der Llmgegend gelang es, den Brand abends zum Stillstand zu bringen, doch flackert das Feuer von Zeit zu Zeit wieder auf. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen, da auch Kiefern- bestände und Schonungen dem Brand zum Opfer fielen.

(Ein historischer Unterstand verschwindet.

In Bad Kreuznach wird der bombensichere Unterstand im Kurpark, der während der Zeit des Aufenthalts des deutschen großen Hauptquartiers dem ehemaligen Kaiser und den Offizieren des Gene- ralsstabs Unterschlupf bei feindlichen Flie­gerangriffen gewährte, verschwinden. Er be­steht aus einem halbkreisförmigen mit meterdicken Betonwänden und Stahlplatten gesicherten Gang. Er gelangte zu einer historischen Berühmtheit, als der Kaiser und die die Generalität beim Bankett zu Ehren von Hindenburg Geburtstag irn Jahre 1917 von einem feindlichen Flieger­angriff überrascht wurden. Als sich der Kai­ser im Auto zu dem Unterstand begab, wurde ver­gessen d.e Beleuchtung des Wagens auszuschalten, wodurch er den Fliegern ein ausfälliges Ziel bot. Die Ententegeschwader vermochten aber nicht, das deutsche Abwehrfeuer zu durchbrechen. Später wurde der Unterstand von der Besatzung alsFortifika- tionsanlage" beschlagnahmt und der Oesfentlichkeit unzugänglich gemacht.

.Berliner Börse.

Berlin, 3. April. (WTB. Funkspruch.) Die Un­gewißheit, was der heutige Tag politisch Neues bringen wird, ließ im heutigen Frühoerkehr noch kein Geschäft aufkommen. Die Spekulation verhielt sich volliommen abwartend, und man hörte nicht einmal Kurstaren. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 124,28, London gegen Mailand 92,78, London gegen Spanien 38,75 zu 38,80, Lon-. Don gegen Kabel 4,8650, London gegen Berlin 20,3775 zu 20,3790, London gegen Buenos 43,13, Kabel gegen Berlin 4,1885. ,

Oie Wetterlage.

la Cpruna

5 5B

.7 51

ht

Sol

rshyn

TL

üor<

l Denke,

;kh

irdöyj

.051

,0,

0

>510 6

Paris ( ours fi

i im

Mittv/odi, 2.April. 1930,7 abds.

I®4» O 1

Vft*-,. Klagen!

Vwi.X WA

X \-W

jBerilruön

_1XienpTmi oent't

G worxentos o nnter. <j naiD bedtcut. o wolklo. otdeext e Nege^ * Schnee o Graupeln e Nebel K GevVit'^r,^Windstille. *O' sehr leichte- Os« massige» Südsüdwest q stürmische- Nordwesl Die Piene fliegen mit dem Windt Oie Dei den Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatui an. Oie Linien verbinden Orte mit gleichen tut Meeresniveau umoerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Von dem Atlantiktief hat sich eine Teilstörung ab­gespalten, welche über der Biskaya und Westfrank- reich liegt und dort zu verbreiteten Niederschlägen und Erwärmung führt. Im Grenzbereich zwischen dem Tief und dem Baltikumhoch herrscht östliche Luftzufuhr. Sie wird eine allgemeine Abkühlui g bringen, und gleichzeitig dürfte das an der Südseite des Hochs über Polen lagernde Wolken- und Nie- dersch'.agsgebiet, sowie Randstörungen des südwest­lichen Tiefs auch in unserem Bezirk wolkiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen Hervorrufen.

Wettervoraussage für Freitag. Kühles, wolkiges Wetter mit zeitweisen Nieder­schlägen.

Wettervoraussage für Samstag. Weiterhin kühl, wolkig und aufheiternd, meist trocken.

Lufttemperaturen am 2. April: mittags 17,6 Grad Celfius, abends 13,2 Grad: am 3. April: morgens 7,2 Grad. Maximum 18,4 Grad, Mini­mum 6,4 Grad. Crdtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe, am 2. April: abends 13,2 Grad' am 3. April: morgens 9 Grad Celsius. Nieder­schlag 0,3 Millimeter. Sonnenscheindauer 81/«, Stunden.