Wirkens ist die Tatsache, daß es das Rekordmini- fterium der Arbeitslosenzahl geworden ist. Das neue Kabinett könnte inan als Re p a r a t i o n s k a b i - nett der M ü l l e r s ch e n Unterlassung bezeichnen. Es hat gewiß große Schönheitsfehler. Wenn Deutschland aber auf eine Ideallösung warten will, wird es inzwischen vielleicht gestorben sein. Dow Außenminister und seiner Außenpolitik stehen wir mit denselben Gefühlen gegenüber wie bisher. (Lebhaftes 5)0 rt! Hört! links.) D i e nächste Ernte ist das Schicksal der Landwirtscl)aft. Wer Schieles Arbeit d a r n m hindert, m u ß als « chädling der Landwirtschaft g e- brandmarkt werden. Besonders begrüßen wir, daß zum ersten Male entschlossen der Blick nach dem Osten gerichtet wird. Wir danken dem Reichspräsidenten, daß er, wie er bei Tannenberg den Osten rettete, auch jetzt den Blick der Nation auf den Hauptgefahrenpunkt der deutschen Zukunft gelenkt hat. Millionen Menschen schöpfen im Hinblick auf den neuen Minister Schiele wieder Hoffnung. Die Parteipolitik hat ihren Kurswert verloren. Wenn Sie, Herr Reichskanzler, so handeln, wie Sie es zum Ausdruck gebracht haben, dann werden Sie die stärkste Regierung sein, die Deutschland in der Nachkriegszeit besessen hat. Wir begrüßen es, daß diese Regierung zum ersten Male auf gesetzmäßigem Wege sich über den überspitzten Parlamentarismus hinw-gfetzt. Wir werden die Regierung unterstützen, solange sie ihren Worten Taten folgen läßt.
Weiterberatung Donnerstag.
Oer Reichspräsident an Or. Schacht.
Zum Ausscheiden des Reichsbank- präsidenten.
Berlin, 2. April. (WTB.) Der Herr Reichspräsident hat an den heute aus seinem Amte scheidenden Re i ch s b an k p r ä s i de n t e n D r. Schacht nachstehendes Schreiben gerichtet:
„Sehr geehrter Herr Reichsbankpräsident!
In dankbarere Anerkennung gedenke ich heute, an dem Tage, an dem Sie aus Ihrem Amte scheiden, der hohen Verdienste die Sie sich während der Zeit Ihrer amtlichen Tätigkeit um die deutsche Währung erworben haben. In den schicksalsschweren Tagen des Jahres 1923 auf den verantwortungsvollen Poften des Reichswährungskommissars berufen, haben Sie entscheidenden Anteil genommen an der Ueberwindung jener Zustände, die damals Deutschland aufs gefährlichste bedrohten. Unter denen, die das Verdienst der Wiederschaffung einer gefestigten Währung für sich in Anspruch nehmen können, wird IhrNamestetsmitanoordersterStelle zu nennen sein. In mehr als sechsjähriger Tätigkeit als Reichsbankpräsident haben Sie es dann als Ähre vornehmste Aufgabe angesehen, erhalten und zu festigen, was zuvor unter Ihrer weitgehenden Mitwirkung geschaffen worden war. Wenn heute die Wertbeständigkeit der deutschen Währung im In- und Auslande als unzweifelhaft a.sichert anerkannt wird, so ist das nicht zuletzt Ihrer mühevollen, zielbewußten und von hoher Sachkenntnis getragenen Arbeit zu verdanken.
Aus unserer letzten Besprechung wissen Sie, Herr Reichsbankpräfldent, wie sehr ich es lxdaure. Sie gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt aus Ihrem Amt scheiden zu sehen. Ihne« am heutigen Tage daher namens des Reichs und auch persönlich aufrichtig en Dank für Ihre langjährige verdienstvolle Tätigkeit zum Ausdruck zu bringen, ist mir lebhaftes Bedürfnis. Mit den besten Wünschen für Ihr weiteres Wohlergehen und mit freundlichen Grüßen bin ich
Ihr ergebener
gez.: von Hindenburg."
Die Aushebung des Mrlschasts- ministekiums abgeiehnt.
Ans dem Finanzausschuß des Hessischen ^anviags.
Darmstadt, 2. April. (WHP.) Im Finanzausschuß wurden am Mittwoch die Abstimmungen nachgeholt. Dabei wurde der Antrag der Deut-, fchcn Volkspartei, das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft aufzuheben und dem Innenministerium anzug'iedern mit Ausnahme der Abteilungen Bodenverbesscrung und Wasserversorgung, die dem Finanzministerium zugeteilt werden sollen, mit den Stimmen der Regierungsparteien und des Landbundes gegen Volkspartei und Volksrechtpartei a b g e l e h n t. Das gleiche Schicksal erlitt der volksparteiliche Eventualantrag, eine größere Zahl von Mini- sterialstellen auf den Inhaber zu bewilligen und die neugeschaffene Oberrechnungsratsstelle nicht zu genehmigen, ebenso die Anträge des Landbundes, eine Reihe von Ministerialstellen auf den Inhaber zu sehen.
Unter Ablehnung der dazu gestellten kommunistischen Anträge werden die Kapitel 75 (Ministerium), 76 (Stellvertretungs- und Aushilfskosten, 62 000 Mk. Ausgaben), 77 (Postgebühren, 20 000 Mk. Ausgaben), 73 (Hochbauwesen, 36 825 Mark Ausgaben), 79 (geologische Landesanstalt, 1000 Mk. Einnahmen. 73 9c6 Mk. Ausgaben), 80 (Pachteinigungsämter, 1000 Mk. Einnahmen, 1000 Mk. Ausgaben), 81 (Zuwendungen des "Reiches für landwirtschaftliche usw. Zwecke) genehmigt. Da im voraus die Art und Höhe der Veträge noch nicht feststeht, ist eine Veranschlagung nicht erfolgt. Auch Kapitel 82 (landwirtschaftliches Llntcrrichts- und Versuchswcsen sowie Landwirtschattspflege mit 166 680 Mk. Einnahmen und 686 833 Mk. Ausgaben) wird genehmigt.
Lieber das Kapitel 83, Boden derbes- serung und Wasserversorgung, mit 1 581 500 Mark Einnahmen und 2 111 287 Mark Ausgaben cntspinnt sich eine eingehende Aussprache, an der sich alle Parteien beteiligen. Allgemein waren sich die Vertreter der Parteien darüber einig, daß die Feldbereinigungen, deren hoher volkswirtschaftlicher Wert nicht verkannt werden dürfe, durch den hohen Zinsfuß ganz erheblich er schwer twer- den, daß also durch Vereinfachung der Organisation und Ermäßigung der Kosten der Vermessung und der kulturtechnischen Kosten erhebliche Ersparnisse erreicht werden müßten. Von feiten der Regierung nahmen mehrere Vertreter eingehend Stellung. Man erhielt den Eindruck. daß eine Vereinfachung gerade auf dem Gebiete des Dermessungswesens nicht durchführbar ist, solange dieses auf zwei Ministerien verteilt ist. -
Der Ausschuß, der vor einigen Tagen der Regierung die Ermächtigung erteilt hatte, zur
KommunistischeIugendverhehung.
Schulstreik in Verlin-Aeukölln.
(Berlin 2. April. (WTB.) In vier Volks» schulen in Reukölln versuchten die Kommunisten einen S ch u l st r e i k durchzuführen, der sich gegen die Sparmaßnahmen in den Schulen, angeblichen Abbau der schulärztlichen Fürsorge und Versetzungen von Lehrpersonen richtete. Die Polizei hatte rechtzeitig Beamte vor den Schulen bercitgestellt, um Zwischenfälle zu verhindern. Wo die Kommunisten Miene machten, gewaltsam die Kinder am Schulbesuch zu hindern, griff die Polizei sofort ein, so daß der Llnterricht in allen Klassen durchgcführt werden konnte. Ein K i n d e r d e m o n st r a t i o n s z u g, der gegen Mitlag veranstaltet wurde, zeigte sehr schwache Beteiligung.
Wir haben cs hier nicht mit den ersten Ereignissen dieser Art zu tun. Seitdem die Kommunistische Partei es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch die Schuljugend zu verhetzen, gegen die Lehrer und Geistlichkeit, gegen Eltern und Aeltere aufzuwiegeln und mit revolutionären Ideen vollzupfropfen, ist es in Berlin ebenso wie in anderen deutschen Städten wiederholt zu sogenannten Schülerstreiks gekommen. Der neue preußische Kultusminister Grimme hat sich Atoar eben erst im Landtag scharf gegen die Verhetzung der Iugend ausgesprochen, er dürfte auch gewiß nicht angenehm überrascht gewesen sein, als man ihm Mitteilung davon machte, wie die Kommunisten auf seine Ministererklärung geantwortet haben. Da aber Herr Grimme Sozialdemokrat ist und die Sozialdemokratie die weltliche Schule mit ihrer Politisierung der Schuljugend beiderlei Geschlechts fordert, wird der Kultusminister sehr wahrscheinlich nicht einmal Den kleinen Finger rühren, um den kommunistischen Agitatoren das Handwerk zu legen. Es wird also alles beim alten bleiben: die Kommunisten dürfen weiter die Autorität der Lehrerschaft und der Eltern untergraben, dürfen jede Erziehungsarbeit stören und aus der Schuljugend politische Wegelagerer und Rowdies machen, dürfen unserem Raehwuchs bolschewistische Gedanken einimpfcn und zu ihren Werkzeugen machen. Dabei darf aber nicht übersehen werden,
daß die Sendlinge Moskaus nicht nur an weltlichen Schulen sich betätigen, sondern auch dort unter der Schuljugend arbeiten, wo man sie gar nicht vermutet. Sache der Elternschaft ist es, aufzupassen und sich gegen die politisch Vergiftung ihrer Kinder zu scharfer und rücT sichtsloser Abwehr zusammenzuschliehen.
Kommunistische Wühlarbeit in der Reichswehr.
Berlin, 2. April. (CNB.) Die politische Polizei hat auf Veranlassung des Oberreichsanwalts in Neuruppin drei Kominunisten verhaftet, die Zersetzungsarbeit in der Reichswehr getrieben haben. Es handelt sich um den Leiter der Neuruppiner Ortsgruppe der KPD. und zwei andere Kommunisten. Alle drei sind dem Untersuchungsrichter vorgefllhrt worden, der bereits Haftbefehl gegen sie erlassen hat. Etwa Mitte Januar d. I. wurden beim 2. Bataillon des Inf.-Regts. 5 kommunistische Zersetzungsschriften verteilt. Es handelt sich um zwei Flugblätter, „Der Reichswehrsoldat" und „Der Kamerad". Die beiden Schriften waren in einer geheimen Druckerei der PKD. in Berlin her gestellt worden. In den Aufrufen wurden Die Soldaten aufgefordert, sich ihrer Offiziere zu entledigen und der KPD. beizutreten.
In ihren Vernehmungen bestritten die drei Fest- genommenen zunächst jede Beteiligung an der kommunistischen Wühlarbeit in der Reichswehr. Durch die Aussagen der Zeugen, besonders aber durch das bei ihnen entdeckte Material, das durch Haussuchungen zutage gefordert wurde, gelang es, die drei Verdächtigen zu überführen. Es ist anzunehmen, daß im Zusammenhang mit den Verhaftungen in Neuruppin auch in Berlin noch 5 e ft = nahmen erfolgen werden. Die drei verhafteten Kommunisten standen in Verbindung mit einem Obergefreiten der 6. Kompanie. Er hat bereits zugegeben, Beziehungen zu den Komunisten unterhalten zu haben. Von einer Verhaftung des Soldaten wurde vorläufig abgesehen, da noch nicht feststeht, wieweit seine Handlungsweise strafrechtlich verfolgt werden kann.
Locarnopakt und Klottenkonserenz.
Bemühungen um eine französisch-englische Einigung auf Kosten Z aliens.
Englische Hugesiändn sse.
Ein Mittelmecrlocarno hinten herum.
London, 2. April. (TL1) In den politischen Besprechungen zwischen Briand, Henderson imt) Macdonald wurde auf dem Wege neuer erheblicher englischer Zugeständnisse eine Möglichkeit für eine Einigung geschaffen. Der vom englischen Auswärtigen Amt ausgearbeitcte neue Plan, der von Briand bereits genehmigt und inzwischen Tardieu für die Zustimmung durch die frairzösische Regierung übermittelt wurde, stützt sich auf Anhang F des Locarnovertrages und läuft praktisch auf einen vollkommenen Wechsel der britischen Politik hinaus. Der entscheidende Passus des Anhanges F des Locarnovertrages lautet: „Ieder Mitgliedstaat des Völkerbundes ist verpflichtet, loyal und wirksam in Durchfühung des Völkcrbundsstatuts zusammenzuarbcitcn und jede Art von Angriff zurückzuweisen in Liebereinstimmung mit seiner militärischen Lage und unter Berücksichtigung der geographischen Verhältnisse."
Diese Feststellung wurde seinerzeit in Locarno getroffen, um die besondere Lage Deutschlands festzustellen. Die Locarno- Mächte hatten damals bei dieser Erklärung lediglich ihre persönliche Auffassung gegenüber dem deutschen Ersuchen auf Festlegung der Sonderstellung Deutschlands öargc’Icgt, jedoch keinerlei Versuch gemacht, das Völkerbunds- st a t u t amtlich auszulegen. Der nun von englischer Seite gemachte Vorschlag läuft auf eine vollkommene Veränderung hinaus. Was Briand durch die neue Formel anstrebt, ist tatsächlich nichts anderes als eineGarantie gegen etwaige italienische Angriffe im Mittel ineer. Die neue Formel mag noch so unverbindlich gefaßt sein, sie läuft jedoch auf nichts anderes hinaus, als auf eine Wieder
belebung des Genfer Protokolls und stellt eine vollkommene Abkehr von der bisherigen Haltung dcr britischen Politik dar. In der Presse wird die Lage weniger deutlich herausgearbeitet, in Liebereinstimmungen mit diesen Feststellungen aber gleichfalls angedeutet, daß die englische Formel erhebliche Zugeständnisse an Frankreich, darstelle, um auf diesem Wege eine Herbsetzung der französischen Tonnagezahlen und damit ein Fünf-Mächte Abkommen zu ermöglichen. Die italienische Ablehnung wird, wie schon angekündigt, als ziemlich sicher hinstellt.
Paris noch immer nicht befr«ei>igt.
Tardieu macht Abänderungsvorschläge.
London, 3. April. (WTB. Funkspruch.) Die von Briand und Henderson vereinbarte Formel zur Sicherheitsfrage, die gestern nach Paris telegraphiert wurde, hat, wie sich auch aus Andeutungen verschiedener Blätter ergibt, entgegen den optimistischen Erwartungen nicht den Beifall des französischen Minifterprä- sidenten gefunden. „Daily Mail" will sogar über die Abänderungsvorschläge Tardieus .erklären können, die Formel sei in der abgeänderten Form, in der sie von Paris zurücktelegraphiert wurde, für England unannehmbar. Es würden jetzt neue Entwürfe geprüft, und es bestehe aller Grund zu der Annahme, daß dieser Prozeß mehrere Tage dauern würde. Die Tatsache, daß die für morgen ange- seht gewesene Plenarsitzung mindestens bis zur nächsten Woche aufgeschoben wurde, deutet nicht darauf hin, daß eine Lösung des Problems, eine für Frankreich und England befriedigende Formel über Artikel 16 der Völkersbundsatzung zu finden, leicht fein wird.
Belebung des Arbeitsmarktes die Bauarbeiten im Rahmen des Voranschlages sofort in Angriff zu nehmen, erweiterte einstimmig diese Ermächtigung dahin, daß sie auch für die noch nicht beratenen Kapitel des Voranschlages gelte. Eine Ausnahme bildet lediglich die Vorsehung für das Chemische I n - st i t u t in Gießen, das am kommenden Montag vom Ausschuß einer Besichtigung unterzogen werden soll.
Die freien Berufe auch in Preußen gewerbesteuerpflichiig.
Berlin, 2. April. (Priv.-Tel.) Der preußische Staatsrat hat nicht, wie man ursprünglich erwartete, gegen den Landtagsbeschluß Einspruch erhoben, demzufolge zunächst auf die Frist eines Iahres die freien Berufe g c - werbe steuerpflichtig fein sollen. Der Landtag hatte bereits im vorigen Iahre den gleichen Beschluß gefaßt, der aber damals wegen des Einspruchs des Staat?rates nicht durch- geführt werden konnte. Diesmal hat der Staatsrat mit einer verhältnismäßig knappen Mehrheit beschlossen, von der Einlegung des Einspruches abzusehen. Die Ausdehnung der Ecwerbesteucrpslicht auf die freien Berufe wird insofern zu erheblichen Weiterungen führen, als die Organisationen der Rechtsanwälte und Aerzte bereits angekündigt haben, daß sie entschlossen seien, diese neue Steuer nicht selbst zu tragen, sondern zu überwälzen. Infolgedessen Dürfte alsbald eine unter ilmftänöen sogar fristlose Kündigung Der kassenärztlichen Verträge erfolgen, wodurch für die Krankenkassen neue Lasten erwachsen, die sich wahrscheinlich in einer Beitragserhöhung auswirken werden. Cs ist die Frage, ob die geringen Einnahmen, die der preußische Staat durch die Ausdehnung der Gewerbesteuer auf die freien Berufe erzielt, die sozialpolitifche Beun
ruhigung lohnt, die daraus zwangsläufig entstehen muß. Als eine besondere Heldentat der Gesetzgebung wird man dieses Produkt kaum bezeichnen können.
Aus aller Wett.
Erster diesjähriger Flug des „Graf Zeppelin".
Das Luftschiff „Gras Zeppelin" ist Donnerstag früh zu seiner ersten diesjährigen Fahrt aufge» stiegen. Bei dieser Werkstättenfahrt unter Füh.ung von Kcp tän Lehmann werden hauptsächlich die Aenderungen in der elektrischen L i ch t z e n t r a l e in der E»©onöel (elektrische Gondel) sowie die Auswirkungen der vergrößerten Flächen des Höhensteuers ausprobiert.
Sprengstoffanschlag in einem Warenhaus.
Auf das Warenhaus von Tietz auf dem Iungfern- ftieg in Hamburg wurde ein Sprengftoffanschlag verübt. Am späten Nachmittag erscholl ‘im Treppenaufgang des Warenhauses eine heftige Detonation. Die Fensterscheiben zersprangen, und das Glasdach, das den (Eingang bedeckte, wurde hoch emporgeschleudert und stürzte in den Lichtschacht. Das Mauerwerk im zweiten Stockwerk erlitt im Treppenaufgang erheblichen Schaden. Die bisherigen Feststellungen haben ergeben, daß es sich um ein Verbrechen handelt. Der eigentliche Tatort ist der im zweiten Stockwerk beim Treppenaufgang befindliche Abort. Der Raum war in der Mitte durch eine Wand mit einer Tür geteilt. Der Täter hat den Sprengstoff — es handelt sich vermutlich um Schwarzpulver — in einem Behälter, an dem eine Zündschnur angebracht war, 'in dem Abort niedergelegt. Da das Türschild auf „Besetzt" gestellt war, vermutet die Polizei, daß der Täter wahrscheinlich durch Ueberflettern der rückwärtigen Wand und unter Benutzung des Treppenaufganges den Weg ins Freie gefunden hat. Als großes Glück ist es zu betrachten, daß die ganze Sprengwirkung nach oben ging, wo die zahlreichen Fensterscheiben dem Luftdruck wenig Widerstand boten. An
dernfalls hätte ein namenloses Unglück ungerichtet werden können, da das Warenhaus um die Abendstunden stark besucht war.
vier Jahre Zuchthaus wegen Depotunterschlagung.
Vor dem Großen Schöffengericht in K o b u r g wurde der Prozeß wegen des Oktober 1929 erfolgten Zusammenbruches des Bankhaufes Haeßler & Hülbig, Koburg, verhandelt. Dcr geschäftsführende Inhaber war der fortgesetzten Depotunterschlagung angeklagt und wurde zu vier Iahren Zuchthaus und zehn Iahren Ehrverlust verurteilt. Der Mitangeklagte Prokurist erhielt wegen Beihilfe fünfzehn Monate Gefängnis. In dem Bankhaus herrschten, wie der Staatsanwalt ausführte, haarsträubende Zustände. An Depotwerten wurden 314 000 Mark veruntreut. Alle älteren Angestellten hatten ihre Konten mit großen Beträgen überzogen. Eine Bilanz war seit 1924 nicht aufgestellt, auch hatte keine Kontrolle stattgefunden.
Großer Heidebrand in der Senne.
Aus dem Besitztum des Landrats a. D. Tasche in Stapelage am Südabhang des Teutoburger Waldes entstand ein gewaltiger Heidebrand, dem über 1000 Morgen Heide zum Opfer fielen. Das' Feuer war zunächst zum Zwecke des Abbrennens von einzelnen Heideslächen planmäßig angelegt worden. Durch den Ostwind wurde aber das Feuer über die Schuhgräben getragen und nahm in rasender Geschwindigkeit einen etwa 5 Kilometer langen und teilweise zwei Kilometer breiten Weg. Alle Feuerwehren der Llmgegend waren an der Brandstelle tätig. Linker Einsatz von Reichswehr und der Bewohner der Llmgegend gelang es, den Brand abends zum Stillstand zu bringen, doch flackert das Feuer von Zeit zu Zeit wieder auf. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen, da auch Kiefern- bestände und Schonungen dem Brand zum Opfer fielen.
(Ein historischer Unterstand verschwindet.
In Bad Kreuznach wird der bombensichere Unterstand im Kurpark, der während der Zeit des Aufenthalts des deutschen großen Hauptquartiers dem ehemaligen Kaiser und den Offizieren des Gene- ralsstabs Unterschlupf bei feindlichen Fliegerangriffen gewährte, verschwinden. Er besteht aus einem halbkreisförmigen mit meterdicken Betonwänden und Stahlplatten gesicherten Gang. Er gelangte zu einer historischen Berühmtheit, als der Kaiser und die die Generalität beim Bankett zu Ehren von Hindenburg Geburtstag irn Jahre 1917 von einem feindlichen Fliegerangriff überrascht wurden. Als sich der Kaiser im Auto zu dem Unterstand begab, wurde vergessen d.e Beleuchtung des Wagens auszuschalten, wodurch er den Fliegern ein ausfälliges Ziel bot. Die Ententegeschwader vermochten aber nicht, das deutsche Abwehrfeuer zu durchbrechen. Später wurde der Unterstand von der Besatzung als „Fortifika- tionsanlage" beschlagnahmt und der Oesfentlichkeit unzugänglich gemacht.
.Berliner Börse.
Berlin, 3. April. (WTB. Funkspruch.) Die Ungewißheit, was der heutige Tag politisch Neues bringen wird, ließ im heutigen Frühoerkehr noch kein Geschäft aufkommen. Die Spekulation verhielt sich volliommen abwartend, und man hörte nicht einmal Kurstaren. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 124,28, London gegen Mailand 92,78, London gegen Spanien 38,75 zu 38,80, Lon-. Don gegen Kabel 4,8650, London gegen Berlin 20,3775 zu 20,3790, London gegen Buenos 43,13, Kabel gegen Berlin 4,1885. ,
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Wettervoraussage.
Von dem Atlantiktief hat sich eine Teilstörung abgespalten, welche über der Biskaya und Westfrank- reich liegt und dort zu verbreiteten Niederschlägen und Erwärmung führt. Im Grenzbereich zwischen dem Tief und dem Baltikumhoch herrscht östliche Luftzufuhr. Sie wird eine allgemeine Abkühlui g bringen, und gleichzeitig dürfte das an der Südseite des Hochs über Polen lagernde Wolken- und Nie- dersch'.agsgebiet, sowie Randstörungen des südwestlichen Tiefs auch in unserem Bezirk wolkiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen Hervorrufen.
Wettervoraussage für Freitag. Kühles, wolkiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen.
Wettervoraussage für Samstag. Weiterhin kühl, wolkig und aufheiternd, meist trocken.
Lufttemperaturen am 2. April: mittags 17,6 Grad Celfius, abends 13,2 Grad: am 3. April: morgens 7,2 Grad. Maximum 18,4 Grad, Minimum 6,4 Grad. — Crdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe, am 2. April: abends 13,2 Grad' am 3. April: morgens 9 Grad Celsius. — Niederschlag 0,3 Millimeter. — Sonnenscheindauer 81/«, Stunden.


