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Wissenschaft.
ir hessische BWten. j t gemeldet wirb, hat sich ntschlossen, um den zu Un« m Dichter Mhelm cho Z' 'esevublikM wieder naher, von Werken UJ aufe des Jahres den Bolts« i zu übermitteln.
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!tr.Z9 (irftes Blatt
180. Jahrgang
Donnerstag, 5. April 1950
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Chefredakteur
Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich fürVoItiik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filier, sämtlich tn Gießen.
Die Parteien und das Kabinett Brüning.
Die Reichstagsvebaiie über die Regierungserklärung. - Das sozialdemokratische Mißtrauensvotum - Der Reichstandbund für Unterstützung des Kabinetts. — Roch keine Entscheidung der Deutschnationalen.
Das Zünglein an der Waage.
Don unserer Berliner Redaktion.
Ss läßt sich gctoifj nicht leugnen, dost die Aussprache über die Regierungserklärung fast eine größere Spannung ausgelöst hatte als die Abgabe der Erklärung durch den Kanzler am Dienstagnachmittag. Und das aus dem Grunde, weil diese Debatte Klarheit über das Schicksal des Kabinetts Brüning bringen sollte, Klarheit darüber, ob der Reichstag auffiicgt und Rcu- wahlcn ausgeschrieben werden müssen oder ob wenigstens bis zum Herbst hinein ungestörte parlamentarische Arbeit geleistet werden kann. Diese Klärung ist a u s g e b l i e b e n, weil _ sich die Deutschnalionalcn nicht darüber schlüssig werden konnten, wie sie sich bei der Abstimmung über die vorliegenden Mißtrauens- anträge verhalten sollten. Sie glänzten auch während der ganzen Plenarsitzung des Mittwoch durch Abwesenheit, da sämtliche Mitglieder in einer schon für den Bormittag anberaumten, aber noch am späten Abend andauernden Irak- tionsfitzung festgehalten waren.
So muhte denn das HauS darauf verzichten, die Stellungnahme der Deutschnationalen kennen zu lernen. Dafür konnte es Herrn D r e i t f ch e i d beobachten, der in cinstündigcr Rede die Haltung der Sozialdemokratie zu begründen und zu verteidigen versuchte, um schließlich der Regierung das M i h t r a u e n seiner Parteisreunde auszusprechen. 2hm folgte der Zentrumsabgeordnetc Esser, der eine sehr maßvoll gehaltene Erklärung zugunsten des neuen Kabinetts abgab. DaS gleiche gilt für Herrn Scholz von der Deutschen Bolkspartei, während der Kommunist Pieck selbstverständlich dieser Regierung den Kamps bis ausS Messer »ansagte. Seine Drohungen und Berwünlchungen verhallten aber w gehört, weil man es vorgezogen hatte, ihn mit seinen Freunden allein zu lassen. Erst später füllte sich wieder der Sitzungssaal, als nun auch die Redner der übrigen Fraktionen zu Worte kamen. Rachmittags um vier war man fertig, am Donnerstag soll die Aussprache fortgesetzt werden, um den Deutschnationalen Gelegenheit zu geben, das Ergebnis ihrer Fraktionsbespre- chungen dem Hause mitzuteilen, um dann an die Abstimmungen heranzugehen.
Einzig und allein von den Dcutschnatio- n a l e n hängt es ab, ob der Reichskanzler Brüning von dem ihm schon vom Reichspräsidenten zugcstandcnen Auflösungsrccht Gebrauch machen muß oder die Auslösungsorder in der berühmten roten Mappe lassen kann. Ungefähr 27 Stimmen fehlen der Regierung, sie müssen aus dem Lager der Deutschnationalen kommen und werden auch unzweifelhaft gestellt, da Minister Schiele schon durch die Ber- öfsentlichung seines Programms und einen Brief an Hugenberg dafür gesorgt hat, daß die der Landwirtschaft nal-este^enden deutschnationalen Abgeordneten nicht einmal beiseite stehen dürfen, sondern positiv zugunsten der Regierung stimmen müssen. Sie sind das Zünglein an der Waage, sic haben das Schicksal der Regierung in der Hand.
Sitzungsbericht.
Berlin, 2. April. (DDZ.) Auf der Tagesordnung des Reichstags steht die Besprechung der Regierungserklärung.
Abg. Dr. Breitscheid (G.):
Die sozialdemokratische Fraktion schließt fich voll und ganz dem Dank an, den der nct\ Reichskanzler in fo ritterlicher Weise seinem Amtsvorgänger Müller ausgesprochen hat. Es war nicht leicht, in der Großen K o a l i t i o n Parteien zusammenzuhalten, deren einzelne Bestandteile in mehr als einer Beziehung ausein- anderstrcbten. Wir haben diese dornenvolle Ausgabe durch eindrciviertel Jahre erfüllt. Wir haben dabei Opfer gebracht, und wir haben es getan, weil wir die Gefahren kennen, die aus einem Abwcichen von Der parlamentarischen Linie entstehen muhten und entstehen müssen. Koalitionen stellen niemals etwas Endgültiges Dar. Es kann Der Zeitpunkt kommen, wo dieselben Erwägungen. Die für uns eindrekvicrtcl Jahre lang bestimmend waren, wiederum Geltung gewinnen. Wir Sozialdemokraten waren bereit, der Regierungsvorlage über die Sanierung der Arbeitslose nversiche- rung zuzustimmen. Die Sozialdemokratie konnte aber den oifen zugegebenen Leistungsabbau nicht mitmachcn und so kam es zum Sturz de- bisherigen Regierung. Die schnelle Bildung der neuen Regierung war möglich, weil schon zu Lebzeiten des alten Kabinetts Borbereitungen für das neue durch Intrigen unD auf Hintertreppen gemacht wurden. Wir glauben nicht, daß Dr. Brüning Daran beteiligt war, aber
andere Leute warteten im vorzimm?r des kranken Kabinetts auf den Moment, wo sie die Macht an treten konnten. 3m Sinne dieser Leute -hat dann ein sehr hoher Herr eingegriffen. Damit ist der Verfassung eine Auslegung gegeben wor
den, die nach unserer Auffassung dem Sinn und Wortlaut dieser versasfung nicht entspricht.
Das jetzige Kabinett will nach außen hin dokumentieren: Wir haben mit Hugenbergs Fraktion offiziell nichts zu tun. Ein echter Regicrungsmann mag keinen Hugenbcrger leiden, doch feine Stimme nimmt er gern! (Heiterkeit.) Man hat von einem Kabinett der Frontkämpfergeneration gesprochen; es handelt sich aber mehr um das Kabinett Der „grünen Frontkämpfer". (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das Agitationsprogramm der Grünen Front wird nicht der Landwirtschaft helfen, aber die Staatsfinanzen und die gesamte Wirtschaft in den Abgrund reißen. Reichskanzler Dr. Brüning droht immer fort, den Artikel 48 zur Durchführung seiner Pläne anwenden zu wollen. Die Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, die Voraussetzung zur Anwendung d'.c- ses "Artikels, liegt nicht vor. Wird Artikel 48 dennoch angewandt, fo wäre das ein Verfassung s- bruch, gegen den sich die Arbeiterschaft zur Wehr setzen wird. Für manche Kreise ist Artikel 48 nur der Anfang zur Diltatur. Wir sprechen der Regierung unser Mißtrauen aus in voller Kenntnis der Konsequenzen. Wir brauchen Neuwahlen nicht zu fürchten, aber wir denken nicht in erster Linie an unsere Partei, sondern an den Staat, den wir retten und schützen wollen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Abg. Esser (3.)
billigt Die in Der Regierungserklärung enthaltenen Grundsätze. Seine Partei erwarte Die Lösung im vollen Einverständnis mit Dem Reichskanzler auf Dem Wege Der par lamen- tarifchen Gesetzgebung. Das Zentrum Hube sich bis zum letzten Augenblick bemüht, Die positive Zusammenarbeit in Der Großen Koalition zu erhalten. Sie bedauere, daß Die politische Bedeutung ihres Ausgleichsvorschlag^S für Die Arbeitslosenversicherung nicht allseitig und rechtzeitig erkannt worden ist. Die Durch Den Rücktritt der letzten Reichsregierung geschaffene Lage er- forDeie gebieterisch ein entschlossenes über allen Parteierwägungen stehendes Handeln. Die Zentrumsfraktion habe sich deshalb sofort be- rcitcrflärt, einig und entschlossen Dem Ruse ihres Führers zu folgen. Die Ausführungen von Dr. Breitscheid seien kaum vereinbar mit Der Erklärung, daß die Sozialdemokratie später wieder in Die Koalition ein treten wolle. Die Sozialdemokratie habe selbst die Regierungsvorlage zur Arbeitslosenversicherung abgelehnt und sich erst in allerletzter Stunde zu ihr zurückgefunden. Die Anwendung des Artikels 48 sei gewiß kein 3Deal« zustand, aber auch die Sozialdemokrat^ sollte sich bemühen. Die Anwendung dieses Mittels unnötig zu machen. (Beifall.)
Abg. Or. Scholz (DD.)
begrüßt die Erklärung der Regierung, daß die Außenpolitik in den bisherigen bewährten Bahnen fortgeführt werden solle. Dies werde dadurch gewährleistet, daß ihre Führung in ben gleichen Händen geblieben ist. Die Deutsche Bollsvartei billige die Borlegung eines umfassenden Sanierungsprogramms und das Bekenntnis zur rücksichtslosen Sparsamkeit, die auf allen Gebieten, auch bei Der Arbeitslosenversicherung, angewandt werden müsse. Die Gesundung Der Finanzen und der Wirtschaft werde das beste Fundament Der Sozialgesetzgebung und ihrer Weiterentwicklung bilden müssen. Die Deutsche Bolksvartei werde auch an allen Maßnahmen zur Förderung der Landwirtschaft bereitwillig mitwirken. In der Fürsorge für Den Oft en sehe sie eine der wichtigsten staatspolitischen Aufgaben. Auch die große Aufgabe Der Reichsreform müsse in Den Rahmen Der Svarsamkeitsaktionen einbezogen werden. Die Regierung Dürfe bei Der Durchführung ihres Ge° temtvrogramms auf Die tatkräftige Mitarbeit Der Deutschen Bolkspartei vertrauen.
Abg. Orewih (IBirffd) )
Um in letzter Stunde die schweren Gefahren für Landwirtschaft und Mittelstand und Damit für die Nation zu bannen, hat Der Reichs präsiDent roiitgeftcuDcn Einfluß auf Die BilDung unD Zielst tzung des neuen Kabinetts genommen. Neben Dem Perantwortungsbewußtfcin für Staat unD Wirtschaft war es in erster Linie Das Vertrauen zum ReichspräsiDenten, Das Die Wirt - l'chaftspartei veranlaßt hat, einen Minister für Das chinDendurg Kabinett zur Verfügung zu stellen. Wir erwarten, daß Professor B r c D t Die Unterstützung Der übrigen KabinettsmitglieDer finDen wird bei Dem Bestreben, Demjenigen Teile Des Volkes schützenD zur Seite zu stehen. Der augenblicklich am meisten bedrängt ist. Wenn Die Regierung zeigt, daß es ihr nicht ernst um Die« 23 erwirklichung Des A r - t i k e l s 16 1 Der* Reichsverfasfung ist, kann sie auf eine Unterstützung Der Wirtschaftspartei nicht ifdjnen. Wir können nicht verhehlen. Daß einzelne Punkte Der Regierungserklärung schwere BeDenken erregen. So ist es unvereinbar mit Der vom ReichspräsiDenten gegebenen Zielsetzung, wenn sich Die Regierung Das F i n a n z p r o g r a m m Der früheren Regierung in allen Teilen zu eigen machten sollte. Wir werden unsere künftige
Stellung zur Regierung Davon abhängig machen, ob Das Kabinett mit Dem ersorDerlichen Ernst unD NachDruck an Die Ausgabensenkung herangehl unD Die Deckungsvorlagen Den vom ReichspräsiDenten gegebenen Richtlinien voll anpaßt.
Abg. Meyer (Oem.)
weist Darauf hin, daß die Einigung an Den ©o- < iaIDemofratcn gescheitert fei, die es abgelehnt hätten, eine Reform der Arbeitslosenversicherung auch nur unter die Möglichkeiten einer künftigen Gesetzgebung au'zunehmen, obwohl jede künftige Mehrheit gezwungen sein werde, Wege zu suchen, um die Reichsfinanzen von der dauernden Gefahr zu befreien, die ihnen aus Den organisatorischen Mängeln dieser sozialen Institution drohe. Dem neuen Kabinett stehen wir mit Bedenken und Sorgen gegenüber. Wenn wir sie in diesem Augenblick zurückstellen, so geschieht es, weil nichts unversucht bleiben darf zur Vermeidung einer Staatskrise. Tie Demokraten werden deshalb der Aufnahme der Tätigkeit des neuen Kabinetts kein Hindernis in den Weg legen. Sie werden seine Handlungen abwarten und von Fall zu Fall ihre Haltung einrichten. Wir billigen grundsätzlich die in der Regierungserklärung angctünDigtcn Maßnahmen und werden auch an einer durchgreifenden Osthilfe mitarbeiten. Darüber hinaus müssen wir aber fordern, daß die Regierung streng die verfassungsmäßigen G re n- zen innehält. Auch wenn das neue Kabinett die bevorstehenden Kampfe übersteht, .betrachten wir es nur als eine Llebergangslösung, bis es möglich ist, eine Mehrheitskoalition wiederherzustellen.
Abg. Hülser
gibt für die Bolkskonservative Bereinigung und den Christlich-Sozialen Dolksdienst eine Erklärung au, in der cj- begrübt wird,' daßBerMeichs- kanzler eine koalition. mäßige Gebundenheit Der neuen Regierung ausdrücklich abgelehnt habe. Der Weg zur inneren Einigung Der Ration könne nur durch ilebcrtoinDung des überwuchernden und zersetzenden Parte i g e i st e s freigemacht werden. Die Finanz-
fanierung müsse zugleich den Erfordernissen einer von nationalem Gemeinschaft bewußtsein und christlicher Rächstenliebe getragenen Sozialpolitik gerecht werden. Der Wille, den außergewöhnlichen Röten des Landvolks mit außergewöhnlichen Mitteln entgegenzutreten, sei ein Tatbekenntnis zur Schickfalsverbundenbeit aller deutschen Berufsstände. Die gleiche Hilfsbereitschaft dürfe aber anderen Berufsständen nicht vorenthalten werden. Das grausame Geschick Der Arbeitslosigkeit müsse vom ganzen Dolke, besonders von Den noch leistungsfähigen unD in ihrer Existenz-gesicherten Bolks- kreisen mitgetragen werden. Für »die O st h i l f c fordert der Redner Einheit des organischen Ausbaues und der organisatorischen Durchführung. Einer plan- und zweckmäßigen Bauern- und Landarbeitersiedlungspolitik müsse im Rahmen des Ostprogramms eine besondere Bedeutung zugemessen werden. Doraussetzung eines Wiederaufstiegs sei, daß sich das deutsche Bolk auf die unvergänglichen Lebensguellen des christlichen Glaubens besinne und die göttlichen Sittengesetze wieder zum Maßstab seines Handelns mache. Die Regierung dürfe sich deshalb der Sicherung einer christlichen Jugenderziehung nicht versagen. Sie werde nur Dann Erfolg haben, wenn sie sich auch in Der praktischen Arbeit freihalte von koa- litions- und parteipolitischen Derstrickungen, und wenn sie sich immer al 3 Trägerin Der großen Gedanken des Reichspräsidenten fühle.
Ab'. Leicht (Bayr. D p.)
begrüßt die baldige Befresung der Rhein- lande. Bezüglich der Finanzsanierung erwarten wir, daß die Regierungsvorlagen im Reichstag eine Gestaltung erfahren, die Dem Grundsatz der Gerechtigkeit in Der Lasteuvertellung Rechnung trägt. In der Förderung von LonDwirtscbaft und 'Mittelstand werde die Bayerische Bo.'ks- partei die Regierung nach jeder Richtung unterstützen.
Abg. Schlange (Chr. Aat.B.-part.)
erklärt, Das Kabinett Müller war Das Kabinett Der verpaßten Gelegenheiten. Der beste AusDruck seines
Oie Oeutschnationalen beantragen Verschiebung der Abstimmung.
Oer Reichskanzler lehnt ab. - Oas Auslösungsdekret bereits ausgefertigt.
Berlin, 3. April. (C.R.V.) Die Deutschnationalen haben gestern am späten Abend, laut „Hoff. Zlg.", bei Anwesenheit von etwa 60 Mitgliedern mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, in der heutigen Sitzung Des Reichstages zu beantragen, daß die Abstimmung über die von den Sozialdemokraten und den Kommunisten eingebrachte Mißtrauensanträge bis ungesähr Mitte April, also um etwa zwei Wochen, verschoben wird. Der „Berliner Lokalanzeiger" spricht zwar nicht von einem B e s ch l u ß der Fraktion, sagt aber, daß die endgültige Entscheidung dahin fallen dürste, daß die parlamentarische Entscheidung über das Kabinett auf kurze Tage vertagt werden soll, damit zuerst die A g r a r v o r la g e n auf ihre Bedeutung geprüft werden können.
wie die „vossische Zeitung" meldet, hat die deutschnationale Fraktion durch ihren Vorsitzenden Oberfohren dem Reichskanzler sagen lassen, daß sie einen Antrag aus Vertagung der Abstimmung über die Mißtrauensanträge bis zum 14. April stellen wolle. Der Reichskanzler hat diese Mitteilung mit der Erklärung beantwortet, daß er sich a u f diesen Vorschlag nicht einlassen könne. Entweder die deutschnationale Fraktion sorgt dafür, daß am Donnerstag die Mißtrauensanträge nicht angenommen werden, oder der Reichstag wird aufgelöst. Die Auflösungsorder ist bereits ausgefertigt und in den Händen Dr. Brünings.
Schiele an Hugenberg.
Tie Nebcrnahmc des Ncichsernährungs- minifteriums.
Berlin, 2. April. (ERB ) In einem Schreiben Des Reichsministers Schiele aus Anlaß feines Ausscheidens aus Der Deutschnationalen Reichstags- frattion an Dr. Hugenberg heißt es:
„Angesichts Der immer beDrohlicher werbenden Notlage Der LanDwirtschaft Halle ich mich für verpflichtet. Dem einmütig von Den maßgeben Den lanDwirtschaftlichen Berufsorganisationen an mich ergangenen Verlangen nach Uebernohme Des Reichsernährungsministeriums im Kabinett Brüning zu entsprechen. Ich sehe mich hierzu um so mehr in Der Lage, als ich nach Den VerhanDlungen, Die Der Regierungsbildung oorausgingen, D i c Möglichkeit für gegeben erachten muh,
mit Sicherheit Maßnahmen Durchführen zu können. Die geeignet finD, den Zusammenbruch Der LanDwirtschaft aufzuhalten unD eine grunDsätzliche WenDung in Der Agrarpolitik wirksam anzubahnen. Um Diele Ausgabe bei Den gegenwärtig gegebenen politischen Verhältnissen erfüllen zu können, beDarf ich her HanDlungsfrei beit. Aus Diesem GrunDe und um auch Der Partei unD ihrer Reichslagssrattion Die in Der Fraktions- gemeinschaft licgenDen VinDungen abzunehmen, habe ich mich veranlaßt gesehen, mein Reichstags- Mandat aufzugeben unh lege Demzufolge auch mein Amt im ParteivorstanD nieder. Meinen politischen Freunden werde ich innerlich verbunden bleiben."
s9er Reichslandbund für das Kabinett Brüning-Schiele.
Berlin, 2. April. (MTB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes Hal heute nachmittag folgende Entschließung gefaßt: Der Bundesvorstand des Reichslandbundes spricht seinem Präsidenten, Minister Schiele, einmütig den Dank für sein m a n nh a f t e s Handeln aus, gelobt ihm die Unterstützung des deutschen Landvolkes mit allen Mitteln in seinem schweren Kampf für die Rettung der deutschen Landwirtschaft und erwartet demgemäß, im Gegensatz zu den Absichten der Sozialdemokratie, das Kabinett zu stürzen, von allen parlamentarischen Vertretern des Landvolkes eine Haltung, die dem Kabinett Brüning-Schiele die Möglichkeit zur Durchführung des Agrarprogramms gibt.
Oie Zungdemokraien gegen Brüning.
Berlin, 3. April. (CRB.) Der erste Borsitzende der Hamburger Iungdemokraten, Luth. hat an den Fraktionsvorsihenden der Demokrati- schrn Partei, Staatssekretär a. D. Meyer, ein Schreiben gerichtet, in dem die „dringende Forderung" erhoben wird, „unter allen Umständen dem Kabinett Brüning das Vertrauen zu versagen“. Die Demokratische Partei dürfe sich durch. das demokratische Mitglied deö Kabinetts, Dietrich, nicht gebunden fühlen, der neuen Reichsregierung GefolAchaft zu leisten. Der Dundesführer der Iurrgdemokraten, Leichstagsabgeordneter Ernst Lern wer, beabsichtigt, bei der Abstimmung gegen die Regierung zu stimmen.


