der Abwehr durch die Sonne geblendet war, durch Handspiel einen Elfmeter. Unter atemberaubender Spannung der Massen schiebt aber Orsi den Ball über das Tor. Bier Minuten später muh Knöpf 1 e verletzt den Platz verlassen und durch Mantel (Eintracht Frankfurts ersetzt werden. Deutschland kommt aus 3:1 Ecken, aber Italien zieht bis zur Pause gleich. So verläuft die erste Halbzeit t o r l o s
Zwei Tore nach der pause.
Aach der Paule wird das Spiel der Italiener zusehends klarer und zielbewubter. Im Feld- spiel bleibt der Kampf Atoar ziemlich ausgegli- chen, aber die Aktionen der Azzuris haben doch mehr Gefährlichkeit in sich. Deutschland kommt zunächst zu seiner vierten Ecke. In der achten Minute fchieht Barbieri von der Strafraunu- grenze aus einen Strafstoh schräg aufs Tor, M a g n o z z i springt hoch und köpft den Dali an Stuhlfauth vorbei in die Ecke. 1:0 f ü r Italien. Die deutsche Elf legt sich jetzt mächtig ins Zeug und sie kann auch eine Weile überlegen spielen. Das Eckenvechältnis kommt aus 10:3. Während aber die deutschen Stürmer mit ihren Schüssen Pech haben und zudem auf eine kaum zu überwindende Verteidigung stoben, holen sich die Italiener in der dreihigsten Minute noch einen zweiten und entscheidenden Erfolg. Orsi flankt einen Ball zur Mitte, M a g n o z z i gibt den Ball weiter zu Meazza, der den zweiten Treffer für Italien einsenden kann. Die deutsche Elf macht noch einig« vergebliche Anstrengungen das Aesultat jstl ver- bestern, dann kommt das Ende.
Kritik.
Wenn auch der Spielverlauf ziemlich ausgeglichen war, so mub doch gesagt werden, dab die Italiener verdient gewannen. Ihr Spiel war trotz mancher Schwächen das einheitlichere und zielbewubtere. Ganz hervorragend war bei den Italienern die Abwehr Combi überragte sein Gegenüber Stuhlfauth klar. Die Verteidigung arbeitete ohne Mätzchen, ihre Stärke waren reiner Abschlag und grobe Dallsicherheit. Die Läuferreihe war gleichfalls recht gut, jedoch lag ihre Hauptstärke weniger im Zuspiel, wie vielmehr in einem sehr guten Deckungsspiel. Der Sturm hatte in dem Halblinken M a g n o z z i und dem Rechts- auhen Constantino schwache Punkte. Der beste Mann war der Halbrechte Balanciert Orsi und M e a z z a konnten an ihre vielgerühmte Form nicht ganz berankommen
In der deutschen Mannschaft war der Angriff die angenehme Ueberraschung wenn ihm auch Torerfolge versagt blieben. Albrecht war allerdings als Rechtsaußen zu langsam und auch Frank konnte nicht restlos gefallen Um so angenehmer war die Enttäuschung, die Czepan mit seiner feinen Technik bereitete Pöttinger und Hoff, mann hielten das, was man sich von ihnen versprach In der Läuferreihe konnte Leinberger seine internationale Form nicht erreichen Ein Fehler war, daß man K n ö p f l e gestellt hatte, da man damit rechnen mußte, daß sich seine alte Verletzung bald wieder bemerkbar machen würde Mantel und Heidkamp spielten schnell ab und fanden im allgemeinen sich auch mit ihren gegnerischen Flügelstürmern gut ab Der beste Mann in der Abwehr war der taktisch ^anz ausgezeichnete Hagen. Weber konnte nicht überzeugen und auch Stuhlfauth hatte neben guten, manche schwachen Momente, wenn er auch an den beiden Toren der Italiener schuldlos war
Ruoff (Bern) erwarb sich als Schiedsrichter die allgemeine Zufriedenheit.
Hockschulfechtkampf Deuschlarrd- Zialien
Der Hochschulfechtkampf zwischen Deutschland und Italien in San Remo endete mit einem 3:1-Sieg
der Italiener. Lediglich der Berliner Hallenmeister Eugen Mayer holte mit einem Sieg über C o - p e c o einen Ehrenpunkt für Deutschland heraus.
30-Klm.-Skilaus des Verbandes Mtteldeulscher Ski-Vereine.
Hiinlmann-Kassel miever Sicgcr
Bei geringer, aber noch ausreichender Schneelage allerdings in vereistem Zustand, wurde am Sonntag der Ski - Dauerlaus des Verbandes Mitteldeutscher Skivereine im Taunus abgehalten Da es nicht möglich war. eine 30-Kilometer-Strecke ohne Wiederholung abzustecken, wurden zweimal 13,5 Kilometer gelaufen Die Strecke berührte vom Start am Sandplacken die Steile Schneise. Stockborn, Pfahlgraben, Rodelbahn, Obere Sprunghügelschneise. Fewbcrgsattel, Arnoldshainerweg. Siegfriedhaus, Sieg^riedstraße und wieder zum Sandplacken. Die Strecke hatte eine Gesamtsteigung von 350 Meter Der Schnee war führig und ergab überraschend gute Zeiten.
Don 29 gemeldeten Teilnehmern traten nur 17 am Start an Sie gingen mit einer Minute Abstand über die Strecke. Schon auf der ersten Hälfte gab es ein scharfes Ringen zwischen den Favoriten Brinkmann und Kahl vom WSV Kassel. Schleicher von der Skiabtei- lung des Taunustlubs Frankfurt, Voigtlän- der und Dertschinger vom Skiklub Taunus Frankfurt Schleicher mit der Startnummer 8 ging als Erster durch die Zeitkontcolle Sandplacken. Ihm folgten Kahl und Brinkmann letzterer mit der besten Zeit Schleicher mußte ohne Vordermann die Führung übernehmen So konnte Brinkmann mit einer Minute Vorsprung vor Schleicher Sieger werden. Kahl muhte sich mit dem dritten Platz begnügen.
Der Lauf verlief ohne jeden Unfall Der Wintersportverein Kassel hat in dreimaliger Reihenfolge gewonnen und ist somit endgültiger Besitzer des Wanderpreises. Die drei Sieger waren Kahl (1928) und Brinkmann (1929 und 1930)
Ergebnisse. 1 Brinkmann (WSV Kassel) 1:52,28 Stunden. 2. Schleicher (Skiabteilung des Taunustlubs Frankfurt) 1:5329. 3 Kahl (WSV Kassel) 1:55.44. 4. P Voigtlän d e r (Skiklub Taunus Frankfurt) 2:02,36; 5. Bertschinger (Skiklub Taunus Frankfurt) 2:03,41 Stunden
G6 Rieffersee bayrischer Eishockeymeister.
Vor 1000 Zuschauern und bei nur teilweise gutem Eise lieferten sich am gestrigen Sonntag auf dem Riessersee die beiden Mannschaften einen spannenden Kampf, den Riessersee durch besseres Spiel im zweiten und letzten Drittel verdient für sich entschied, trotzdem Schmid und Gruber fehlten Die Entscheidung fiel erst im letzten Drittel, und zwar eine Minute vor Schluß durch S ch r ö t t l e, der zum einzigen Treffer einsenden konnte.
Internationale Schwimmwettkämpfe in Berlin.
Die großen internationalen Schwimmwettkämpfe der 2.-G. Berliner Schwimmvereine gestern im Lunapark waren ein schwimmsportliches Ereignis ersten Ranges. Am ersten Tage konnte der Ungar Dr. v. Barany über 200 Meter Freistil in 2 17,8 einen neuen ungarischen Rekord aufst-'''en Der Prager Getreuer. der an dritter Ste le einkam, unterbot mit der Zeit von 2 27 den bestehenden tschechischen Rekord. Am zweiten T^ge erzielte Hellas Magdeburg über 4xl00-Meter» Lagen einen neuen deutschen Rekord in 4: 49,2. Im Wasserballspiel siegte Hellas Magdeburg über die Berliner Vertretung mit 5 1
Oberheffen.
Bürqerme sterwahl in Aidda.
' Aidda , 3. März Bei der gestrigen Bürgermeister - Stichwahl machten von 1529 Wahlberechtigten in getarnt 1326, also rund 90 Prozent, von ihrem Stimmrecht Gebrauch Don den abgegebenen Stimmen waren 20 ungültig, so daß 1306 gültige Stimmen zu zählen waren. Davon entfielen auf den bisherigen Deigeord- neten Heinrich Rullmann II. 851 Stimmen, auf den Bürgermeistereigehilfen Derthold Zeih 455 Stimmen Mithin ist Beigeordneter R u 11 m a n n zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt.
Deim ersten Wahlgang am 16. Februar wurden 1308 gültige Stimmen abgegeben, von denen auf den Beigeordneten Heinrich Rullmann 11. 649, aus den Bürgermeistereigehilfen Berthold Zeitz 457, aus den Oberstadtsekretär Heinrich E m r i ch 193 Stimmen entfielen, 4 zersplittert und 5 ungültig waren.
Aus dem Lauterbacher Stadtvorstand.
Lauterbach, 27 Febr. Der Stadlvor - st a n d beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung, nachdem er — wie gestern berichtet — über die Ikreinbarungen zur Erbauung eines neuen Post- gebäudes entschieden hatte, u. a. noch mit einem Antrag des Gemeinderats Bauer, das Feld- bereinigungsoerfahren für die städt. Grund st ücke einzustellen, da die entstehenden Kosten in keinem Verhältnis zu dem wirklichen Vorteil stehen würden, den die Durchführung der Feld- beremigung biete Die Bereinigungskosten für einen Morgen Land wurden auf etwa 100 bis 120 Mark beziffert Diese Kosten sollen tatsächlich In der Gemeinde Effolderbach entstanden fein Bürgermeister WalA erklärt, daß dies nicht im entferntesten den Tatsachen entspreche Rach einwandfreien amtlichen Feststellungen habe die Gemeinde Effolderbach an reinen Feldbereinigungskosten pro Morgen etwa 40 Mark bezahlt, während die übrigen 60 bis 80 Mk. pro Morgen für die Durchführung großzügig angelegter Kulturarbeiten aufgewandt wurden Es wurde beschlossen, so lange eine abwartende Stellung einzunehmen, bis die Regierung über den vorliegenden Einspruch der Grundstückseigentümer entschieden habe Sollte diesem Einspruch' durch die Regierung stattgegeben werden, so soll dafür eingetreten werden, daß wenigstens der erste Abschnitt der Feldbereinigung, derMeliorotionsplan. zu Ende geführt wird, um dadurch die künftigen Straßen für die ntadterweiterung festlegen zu können — Der Vorsitzende, Bürgermeister Walz, gab sodann A n- träge der Erwerbslosen bekannt, wonach diese die Gewährung von Milchbeihilfe als Dauerzustand fordern Ferner ersuchen sie um weitere Brandbeihilfe Beihilfe für sämtliche Konfirmanden der Erwerbslosen, sowie Beihilfe für die Ostern in die Schule aufzunehmenden Kinder. Rach den Ausführungen des Bürgermeisters hat die Stadt Lauter- bad) für Erwerbslose, Ausgesteuerte usw bis jetzt rund 7000 Mark aufgewandt Auf Vorschlag der Bau- und Finanzkommission wurde die Gewährung der Milchbeihilfe für die Kinder bet Erwerbslosen bis zum 31. März verlängert. Der hierfür erforder- liche Kostenaufwand beträgt rund 450 Mark.
Landkreis töicfccn.
* Alten-Buseck, 3. März. Am morgigen Dienstag 4. März, begeht unser Altbürgermeister Wilhelm Körber in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 5. Geburtstag
8. Beuern, l.März. Dieser Tage feierte eine unserer ältesten Einwohnerinnen, die Witwe Katharine Henß. ihren 82. .Geburts- t a g Die Greisin erfreut sich noch körperlicher und geistiger Rüstigkeit Roch vor einigen Jahren ging sie mit als Pflanzerin in den Wald und war als eine der fleißigsten Arbeiterinnen bekannt Ihr Großvater hatte das ansehnliche Alter von 95 Jahren erreicht.
Wirtschaft.
Geringe Llliimowirkunq am Geldmarkt.
Der Februar-Ultimo ist bei der anhaltend flüssigen Verfassung des Geldmarktes ohne besonderen Einfluß auf seine Entwicklung in der Derichtswoche geblieben. Aur am Tagcs- geldmarkt machte sich eine Anspannung bemerkbar. die zu einer Heraufsetzung der Votierungen um 1 v. H führte, jedoch war der Bedarf keineswegs erheblich Eine Erhöhung der Votierungen am Privatdiskontmarkt an dem etwas mehr Angebot hecvortrat, war nicht nötig, der Terminmarkt war bei unveränderten Votierungen weiter sehr still. Die Bank von England Hal in der Derichtswoche ihren Diskontsatz noch unverändert gelassen, obwohl man allgemein eine Herabsetzung mit Rücksicht auf die leichte Verfassung des Londoner Geldmarktes erwartet hatte Da anzunehmen ist. daß die
Kommerzienrat Friedrich Henkel, der Gründer mtb langjährige Leiter der größten deutschen Wasch- Mittelfabrik Persil ist im Aller von 82 Jahren am Samstag in Rengsdorf (Rhein) gestorben.
Ultimoanspannung auch in London nicht über das normal zu erwartende Maß hinausgehea wird, rechnet man für Anfang März mit einer Ermäßigung des Londoner Diskontsatzes, zumal die Dank von England auf ihre valutarische Position, die gegenwärtig trotz der von deutscher Seite erfolgenden Goldkäuse als gesichert Ali bezeichnen ist, keine Rücksicht zu nehmen braucht. Im Gegenteil, der letzte (Ausweis der Dank von England wies einen Rekordstand der Dek- kungsreserven im Verhältnis zu dem Aotenum- lauf auf Die Dank von England brauchte in der letzten Zeit aus chren Goldbeständen nich.S abzugeben und legt auch keinen Wert darauf, das am freien Markt aufkommende Gold zu kaufen. Die Lage am Londoner Geldmarkt spricht für eine Diskontsenkung. Sollte die Bank von England diesen Schritt tun, so wird natürlich auch Veuyork eine Diskontermäßigung in Erwägung zu ziehen haben, da Amerika zurzeit Goldimporte aus Europa vermieden $u sehen wünscht. Selbstverständlich würde eine Drskontsenkung der Dank von England auch auf die anderen Diskontsätze drücken Da für die deutsche Wirtschaft die Senkung des Diskontsatzes auf 5,5 v. H. eine weitere und durchaus notwendige Erleichterung ihrer Lage bringen könnte, da zudem die Aussichten der internationalen Geldsituation nicht ungünstig sind, so ist es nicht verwunderlich, daß die Diskonthoffnungen wieder verstärkt eingesetzt haben. Dabei wird vor allem auf den niedrigen Inlandwechfelbestand der Reichsbank
Die blonde Sklavin.
Vornan von Hermann Detck
20 Fortsetzung Racbb'-uck verboten
Von feinen Gedanken aufgewühlt, ging Felix Schulhofs ruhelos umher. Das Haus lag in tiefem Frieden; die Fenster waren dunkel nur drüben, im Zimmer seines Vaters, brannte Licht
Schlief der Vater noch nicht?... Fanden feine Gedanken keine Ruhe? .. Beschäftigten sie sich wieder mit dem Werk, das ihn nicht mehr los- lieh .. das Werk, das nun vernichtet war
Das 'Werk!
Schulhofs war. als ströme eine feurige Welle über ihn hin. Etwas löste sich in ihm, wurde frei
In feine stahlhartcn. blauen Augen trat ein heißer Glanz.
Es bür te für ihn kein Desinncn geben' Er durste nicht zögern, die Hilfe, die sich ihm bot, anzu- nehmen Richt an sich selbst durfte er denken, zuerst, vor allem anderen, kam fein Werk!
Die Firma Schulhoff muhte makellos dastehen I Das war er dem Vater, das war er sich selbst schuldig!
Und wenn es auch ein schweres Opfer war, wieder zu Lu zurückzukehren: er würde diefes Opfer bringen I
Er wurde ganz ruhig.
Klaren Sinnes erwog er die bevorstehenden Geschehnisse Als er daran dachte, daß nun auf dem verwaisten Baugelände in kurzem sich wieder zahlreiche Hände regen würden, zog eine leise Freude durch fein Gemüt Viel wertvolle Zeit war verloren, er würde die Zahl der Arbeiter noch beträchtlich erhöhen müssen, um mit den wichtigsten Arbeiten bis zum Beginn der kalten Jahreszeit fertig zu werden.
Seine Gedanken irrten ab
Die Erinnerung an jene Abendstunde tauchte in ihm auf, als er sich von Lu getrennt hatte Hart waren sie damals zusammengestoßen, und sie hatten wohl nicht gedacht, daß ihre Wege sich eines Tages wieder berühren würden.
Warum war er Lu eigentlich damals so schroff begegnet? Warum wollte er um jeden Preis von ihr frei fein?... Einzig wegen Lus felbft- füchtigem, herrischem Wesen? ...
Eva Wittes Bild stand plötzlich vor seinen Augen. Für sie hatte er frei sein wollen von der Fessel die ihn an Lu gebunden hatte.
Eva
Er hatte in den sorgenvollen, kämpfefchweren Wochen, die hinter ihm lagen, nur selten an sie gedacht Run aber brach die Erinnerung an Eva sturmesgleich über ihn herein
Jede Stunde ihres gemeinsamen Glückes erlebte
er nochmals bis zu jenem bitteren Ende, das ihn beinahe zerbrochen hatte.
Wo weilte Eva jetzt?...
Warum hatte sie ihm kein Lebenszeichen mehr gegeben?
Unb wenn bie Wiberstänbe noch so groß gewesen wären: sie hätte ben Weg zu ihm wieber finden mi f enl.. War h e L e 'e nicht ftä ker? zu Kämpten und Opfern bereit?... Fühlte sie nicht, wie seine Sehnsucht noch immer verzweifelt nach ihr schrie? ...
Felix Schulhoff fuhr auf.
Wohin verirrte er sich?
Warum machte er sich wieder Gedanken über eine Sache, die für alle Zeiten abgetan war . abgetan sein mußte!...
Er durfte nicht mehr an Eva denken! Sie war für ihn tot, sie hatte sich ja selbst aus seinem Leben gelöst.
Er mußte seinen Weg gehen..., den Weg der Pflicht!
* * *
Als Schulhoff das Haus verließ und gerade das Auto besteigen wollte, das ihn zu Kommerzienrat Horwitz bringen sollte, kam ein Mann auf ihn zu Er war schon eine Weile vor dem Haufe hin und her gegangen und hatte immer wieder unschlüssig zu ben Fenstern emporgeblickt
»Verzeihung, habe ich die Ehre, mit Herrn Architekt Schulhoff zu sprechen?" fragte er rasch, hastig
»Ich heiße Schulhoff."
»Kann ich Sie einen Augenblick sprechen?"
Verwundert betrachtete Schulhoff den anderen Es war ein mittelgroßer Mann mit hagerem, unsympathischen Gesicht, aus dem die Augen stechend, lauernd blickten. Seine Kleidung war schäbig.
»Ich bin, wie Sie sehen, im Begriffe, weg- zufahren."
»Es handelt sich um eine wichtige Sache!" sprach der Fremde daraus eindringlich.
»Vielleicht kommen Sie heute nachmittag nochmals vorbei Jetzt muß ich unter allen Umständen fort", erwiderte Schulhoff. dem es lästig war, von dem Unbekannten hier aufgehalten zu werden.
Der andere ließ sich aber nicht abfebreden.
.Heute mittag habe ich keine Zeil Herr Schul- hoff! Sie müssen mich jetzt anhören! Die Sache ist außerordentlich wichtig .. für Sie wichtig! Verstehen Sie!" Schulhoff zuckte ärgerlich mit den Schultern.
»Sie würden es bereuen, wenn Sie bie Unter- rebung ausschlagen würben!" fuhr der andere hartnäckig fort
-Das glaube ich kaum! Um aber zu einem Ende zu kommen um was handelt es sich?"
Der Fremde sah blitzschnell umher, als müsse er sich vergewissern, baß kein Lauscher in der Rahe
sei Dann brachte er seinen Munb nahe an Schul- hoffs Ohr unb tuschelte schnell, erregt:
»Wollen Sie wissen, wer an Ihrem finanziellen Ruin schulb ist?"
Schulhoff sah ben anderen betroffen an. Er hatte eine abweisende Antwort auf der Zunge, bann aber sagte er kurz;
»Kommen Sie mit hinaus!"
Er ging dem Fremden voraus die Treppe zu seiner Wohnung empor. In seinem Arbeitszimmer angelangt, sprach er:
»Ditte, nehmen Sie Platz!"
»Danke!" erwiderte der Fremde und legte feinen abgegriffenen Hut neben sich auf ben Doben
Ein kurzes Schweigen entstand. Dann fragte Schulhoff:
»Wer finb Sie?"
Der andere zögerte.
»Ich möchte meinen Rainen nicht nennen. Wenigstens vorerst nicht! Ich habe meine Gründe dafür! Später werden Sie meinen Rainen erfahren!"
Ein Schwindler also! dachte Schulhoff. Vielleicht sollte eine Erpressung bei ihm versucht werden! Seinem Aussehen nach war dem Manne derartiges zuzutrauen! Er hätte den Kerl besser drunten stehen lassen und wäre zu Horwitz gefahren!
»Was verlangen Sie für Ihre Mitteilung?" fragte er, um sofort der Sache auf den Grund zu gehen.
Ein spöttisches Lächeln irrte über das blaffe Gesicht des Fremden.
»Vichts..."
Schulhoff bemächtigte sich eine starke Heber» raschung.
»Sie müssen aber doch einen Zweck mit Ihrem Kommen verfolgen!"
Der andere machte eine wegwerfende Bewegung
»Das sind meine Sachen! Für Sie kommt es doch nur darauf an, zu erfahren, wer Ihren Untergang will, nicht wahr!"
Der Fall erschien Schulhoff immer sonderbarer. Aber es reizte ihn nun. die Dinge ihren Lauf nehmen zu lassen.
»Schießen Sie los!" sagte er. »Vorher zünden Sie sich aber eine Zigarette an!“
Der Fremde machte einige Züge aus der Zigarette dann fragte er rasch
»Kennen Sie Herrn Honnecker?"
»Honnecker?"
»Ich meine Peter Honnecker, den bekannten Finanzmann. Er hat sein Bureau in der Fried- richstraße bei der Putttamerstraße.“
»Dem Hamen nach kenne ich ihn, persönlich aber nicht Was ist s mit ihm?"
Der Fremde beugte sich vor. Deine brüchige Stimme zitterte vor Erregung. aU er heroorstieß.
„Er ist es. der Sie vernichten will! Er arbeitet seit Wochen und Monaten daran, Ihren Kredit zu untergraben unb Sie finanziell zugrunde zu richten!"
Schulhofs machte ein ungläubiges Gesicht.
»Ich glaube, Sie irren sich da! Unsere Firma arbeitet nicht mit Herrn Honnecker, also kann er auch nicht..
Der andere unterbrach ihn.
„Sie arbeiten mit der Europabank! Hinter dieser steht aber jetzt als beherrschender Faktor Honnecker!"
Schulhoff sprang auf.
Daß der Fremde von seiner geschäftlichen Verbindung mit der Europabank unterrichtet war. machte ihn bestürzt. Sollte auch das andere, was er sagte, stimmen?
»Mir war von Honneckers Einfluß auf die Rank bisher nichts bekannt", sagte er.
Der Fremde ließ ein heiseres Lächeln hören.
»Das glaube ich Ihnen! Honnecker liebt eS. im Hintergrund zu bleiben! Er kann bann besser schalten unb walten, wie es ihm gerabe beliebt! Auch in Ihrem Falle hüllte er sich in geheimnisvolles Dunkel! Es war fein strenger Befehl, baß kein Mensch etwas davon erführe, daß er hinter dem ganzen Äelfeltreiben gegen Sie stecke!"
Die letzten Momente des verzweifelten Ringen- zogen blitzschnell an Felix Schulhoff vorüber. Immer wieder hatte er vermutet, daß irgendeine unbekannte Macht an feinem Untergange arbeite..., sollte fein Verdacht berechtigt gewesen fein?...
Heuer Zweifel stieg in ihm auf. Wenn da«, was der Fremde vorbrachte, Phantastereien waren?., wenn es sich dabei doch nur um das Manöver eines gerissenen Betrügers handelte, der chn bereinigen wollte?...
Er sagte:
„Wenn es sich so verhielte, wie Sie fagen, batte der Maller, der für unsere Firma arbeitet, mich sicher entsprechend informiertI"
2lus feinen tiefliegenden, flackernden Augen fah der Fremde Schulhoff überlegen an.
»2luch Herr Vicolas hatte seitens des Herrn Honnecker strengste Anweisung, über den wahren Sachverhalt zu schweigen!"
Schulhoff war nahe daran, die Fassung zu verlieren. Auch von VicoiaS wußte bet Fremde!
»Wer finb Sie?" fragte er nochmals erregt Der anbere lächelte ironisch.
„Glauben Sie mir jetzt?" sagte er statt einer Antwort.
„Warum sagen Sie mir dies alles?... Di« kommen doch nicht einfach hierher, um mir diese Dinge zu erzählen! Da steckt doch etwas dahinter!"
(Fortsetzung folgt)


