Nr. 52 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhejsen)Montag, 5. März MO
Neuorientierung der türkischen Außenpolitik.
Don E. Mukden.
Vor kurzem ging durch die Presse die aussehen- erregende Meldung von der Gefahr eines Moratoriums sür die Türkei. Diese Nachricht wurde zwar von Angora aus amtlich dementiert' in demselben Dementi aber wurde die schwere Finanz- und Wirtschaftslage der Türkei unumwunden zugegeben 3a. der Minister des Arußern, T e w f i k R u s ch d i Dey. wandte sich zugleich an den in Paris residierenden Derwaltungsrat der Ottomanischen Schuld mit der Aufforderung, der türkischen Negierung eine geeignete Lösung vor- zuschlogen, um einer Krise vorzubeugen.
In dieser Wendung der Dinge kommt indessen zum sensationellen Ausdruck nur eine seit wahren schleichende Wirtschaftskrisis des neuen türkischen Staates, die aber, je drückender ihre Last wurde, desto mehr auch die Außen» politik Angoras beeinflußte. Der Hauptgrund dieser Krisis liegt darin, daß Kemal Pascha — in einer nicht zu verkennenden Aehn- lichkeit mit dem heutigen Rußland — aus dem ehemaligen türkischen Agrarstaat heute einen modernen Agrar- und Industrie- st a a t machen will. Daher die kostenreiche Eisenbahnpolitik. die man des öfteren als „Eisenbahnluxus" apostrophierte, die aber nebenbei auch strategischen Zwecken dient,' daher auch der Ausbau der sonstigen Derkehrsstraßen, der Häfen und ein großzügiges Melidrations- (vor allem Dewässerungs-) System für die Landwirtschaft. Dieses ganze Aufbauprogramm ist ja nur ein Wechsel auf die Zukunft. Da aber an seiner Durchführung mit unbeugsamer Entschlossenheit gearbeitet wurde, wurde die damit für den Staat entstehende finanzielle Last schon in der Gegenwart immer drückender.
Aus dieser Grundsituation heraus ist es zu verstehen, daß in der Außenpolitik der neuen Türkei in den letzten Jahren die wirtschaftlichen Motive kräftig mitsprechen, ja daß sie für die türkische Außenpolitik vielfach ausschlaggebend sind. Das gilt gairz besonders für das Verhältnis Angoras zu den West Mächten einerseits, zu Sowjetrußland andererseits. In Moskau bemühte man sich auch nach dem Frieden von Drcst-Litowsk, der den Türken den Reuerwerb mancher ehemals russischer Transkaukasischer Gebiete (Kazs, Ardahan und Art- Win) brachte, weiter um die türkische Freundschaft. Man erblickt dort in der aufstrebenden Türkei denDorpostenAsiensin seinem Kampf gegen den westlichen Imperialismus, man betonte den seit jeher kriegerischen Charakter des Islam, kurz: man wollte die neue Türkei zum Bundesgenossen des neuen Rußland machen. So kam, am 16. März 1921, der russisch-türkischeFreundschafts- vertrag zustande. 2lllein das _ beiderseitige Verhältnis b.icb keineswegs ungetrübt: auf türkischer Seite herrschte ein Mißtrauen gegen die t o m m u n i st i s ch e P r o P a g a n d a, gegen die Einmischung der Komintern in dir inneren Angelegenheiten der Türkei, — was wiederholt in politischen Prozessen Ausdruck fand: in manchen russischen Sowjetkrnsen w'.edrrum cmp» sand man aber den Panislamismus auch von seiner sür die Sowjet-äln'.on gefährlichen Seite: nämlich als Giftsaat der Irredenta unter den türkischen bzw. turanischen Völkern des Rätevcrbandes — eine Auffassung, die in dem Aufstand von Buchara und dem Tode Enver- Paschas denn auch eine blutige Bestätigung fand.
In dem Maße jedoch, in dem in der Streitfrage des Mossulgebietes politische Motive sich mit wirtschaftlichen verbanden, bahnte sich eine Annäherung zwischen der Türker und der Sowjet-Union an. Mit bewunderns
werter Hartnäckigkeit sührte Angora einen jahrelangen Kampf gegen die Wrstmächte in dieser strittigen Frage und wurde hierbei von den Sowjets unterstützt, für die die Ansprüche Englands und Frankreichs auf die Oelquellen von Mossul geradezu einen klassi'chen Fall des ökonomisch vorgetriebenen westlichen Imperialist mrrs darstelltcn. Als daher der Völkerbund im September 1925 in dieser Streitfrage eine für die Türkei ungünstige Stellung einnahm, da schwenkte die Türkei ostentativ zu Sowjetrußland hinüber — und so kam noch am Schlüsse desselben Jahres (am 17. Dezember 1925) der zweite russisch-türkische Vertrag zustande, der gegenseitige Verpflichtung zum Richtangr'.ff, Rcu- tralität des einen Vertragspartners im Falle der Verwicklung des anderen in einen Krieg und schließlich gegenseitige Beratung in allen wichtigen außenpolitischen Fragen vorsah. Doch nur um so größer wurde die Entrüstung in Moskau, als, schon ein halbes Jahr darauf, im Juni 1926, die türkische Regierung sich in der Mussulfrage mit den Westmächten einigte. Ein großes Geschrei ob des türkischen „Verrats" und — in Analogie zu Brest- Lrtowsr — ob des ..Schandfriedens" von Mossul erhob sich in der Sowjetpresse. Für den Schritt Angoras aber waren auch hier wirtschaftliche Gründe maßgebend: aus finanzieller Rot zog es vor, mit den Weltmächten einen modus vivendi zu treffen, den er selbst als unbefriedigend empfand. Aus dem gleichen Grunde verhielt es sich ablehnend gegenüber den (im Jahre 1927 einsehenden) Versuchen der Russen, durch den Abschluß eines Handelsvertrages die Türkei enger an sich zu ziehen: es erwartete eben eine Abhilfe für seine Finanzen nicht von dem selbst mit großen Finanzschw.erigkciten kämpfenden Sowjetstaat, sondern eher von den westlichen Mächten. Abgesehen davon aber, eröffnete die sowjetrussische Einrichtung des Außenhandelsmonopols keine großen Aussichten für
den türkischen Export selbst beim Abschluß eines Handelsvertrages, und so hatte dieser sür Angora nichts Verlockendes an sich. Im Gegenteil: die traurigen Erfahrungen, die das benachbarte Persien in seinem Handelsverkehr mit den russi- schen Behörden machte, konnten auf die Türkei nur abschreckend wirken.
Die Hossnung auf die Hilfe der Westmächte hot sich indessen seither bis zur Gegenwart nicht bewahrheitet. Wohl waren wir noch im Oktober vorigen Jahres Zeugen eines B.suches der englischen Flotte in Stambul, der als Krönung monatelanger Bemühungen der britischen Diplomatie um die türkische Freundschaft an- gesehen werden kann: wohl hat der englische Admiral Field bei diesem Besuch von der „traditionellen Freundschaft der türkischen und der englischen Flotte" gesprochen. Allein wichtiger als solche Demonstrationen war und ist für Angora eine tätige Hilfe, Und diese blieb nach wie vor aus.
Diese Enttäuschung an dem Westen wurde von der italienischen Diplomatie klug ausgc- nuht. Bereits im Sommer 1929 kommt die von Mussolini und Grandi eifrig betriebene — und von Mustapha-Kemal erwiderte — Politik der Annäherung an die Türkei auch im türkischen Parlament offen zum Ausdruck: wobei dahingestellt sein mag. ob nicht auch die ähnliche innerpolitische Struktur der beiden Staaten die gegenseitige Sympathie der beiden Staatsoberhäupter förderte. Mus.olirri hat aber bei dieser diplomatischen Altion noch ein um» sassendcres, mit seiner ganzen M.tielrneerpolitik zweiscllos zusammenhängendes Ziel vor Augen: einen italienisch-türkisch-russischen Bund. Daher auch jener demonstrative Flug eines starken italienischen Flugzeugg.schwaders über Stambul nach Sewastopol im Juni vorigen Jahres, der den Protest der Merrengenkom- mission erregte und letzten Endes auch die vorhin
erwähnte Gegenaktion der britischen Diplomatie auölöste.
Daß diese Gegenaktion vergeblich blieb, beweisen die Ereignisse der jüngsten Zeit :die Reise des russischen Außenkommissars nach Ka- rachan nach Angora im Dezember 1929, die Wie- dererncuerung des russisch-türkischen Vertrages von 1925 und bald darauf, Mitte Januar dieses Jahres, der demonstrative Vorstoß zweier russischer Kreuzer ins Schwarze Meer durch die Dardanellen unter Duldung der türkischen Kon- trollbehörden. Wie sehr aber auch hierbei wirtschaftliche Motive auf türkischer Seite mitsprachen, zeigt die offene Erklärung des offiziösen „Mil- liett", daß in der wirtschaftlichen Einigung der Schlüssel auch zu einer politischen Verständigung mit Rußland liege, ebenso wie das Versprechen Karachans, der bisherigen Schikanierung des türkischen Handels durch die Sowjet» bchörden ein Ende zu machen und geeignete Grundlagen sür einen russisch-türkischen Handelsvertrag in Bälde zu schassen.
Diese neue außenpolitische Orientierung der Türkei wird auch durch einige kennzeichnende Details der eingangs dieses Artikels erwähnten Demarche bestätigt. Italien und Sowjetrußland bemühen sich, mit nicht unbeträchtlichen Vorschüssen (ersteres mit 5 Mill. Pfund, zweites mit 1,6 Mill. Dollars) der Türker unter die Arme zu greifen. Auf der anderen Seite werden, obwohl die heutige Finanzkrisis der Türkei durch einen Rückgang des Exports um 12 Mill. türk. Pfund, sowie durch die Konkurrenz des griechischen Tabakexports mit» verschuldet ist, in der Rote Angoras an den Verwaltungsrat der Ottomanischen Schuld in Paris als der Hauptgrund der Krisis die letzten Zahlungen dieser auswärtigen Schuld bezeichnet und, angesichts der ja ohnehin schwierigen Lage, deren Verschärfung beim nächsten Zahlungstermin offen in Aussicht gestellt...
Der KußbalbLänberkampf Deutschland —Italien.
Italien siegt über die deutsche Mannschaft 2:0.
Das Fußball-Länderspiel zwischen der deutschen und der i t a l i e n i s ch e n R a t i o ° nalmannschaft, dem seit Wochen diesseits und jenseits der Alpen mit stärkster Spannung entgegengesehen wurde, ging gestern unter den denkbar günstigsten äußeren Verhältnissen im Frankfurter Stadion vor sich. Der beispiellose Kampf um d ie Eintrittskarten, der seit der Eröffnung des Vorverkaufs zu beobachten war, hat gezeigt, daß der Fußballsport zu einem wahren Volkssport geworden ist, dem selbst der Frankfurter Karnevalszug zum Opfer gefallen ist. Schon am Samstag konnte man auf dem Hauptbahnhof beobachten, wie viele Spor^enchu- siasten aus allen Teilen des Reiches eintrafen, ohne im Besitz von Eintrittskarten zu sein. Auf gut Glück versuchten sie nun, zu einer Karte zu gelangen, und es wurden Preise bis zu 85 Mk. (!) geboten.
In den frühen Morgenstunden des Sonntags belebten Tausende von Fremden die Staat. Pünktlich auf die Minute liefen die
elf Sonderzüge
ein. Die Saarländer marschierten mit Musik und Fahnen zum Stadion, aber auch die Rheinländer, Bayern, Badener, Württemberger und Hessen brachten eine Stimmung mit, die zu diesem Festtag des Sportes paßte. Richt nur die Sonderzüge, auch die fahrplanmäßigen Züge brachten fortgesetzt neue Massen. In der Umgebung der Bahnhöfe herrschte ein geradezu lebensgefährliches Gedränge, das durch den starken Automobilverkehr nur noch gesteigert wurde. Man sah Wagen aus allen Pro-
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vinzen des Reichs. Die- Reichspost hatte besondere Kraftfahrzeug-Linien nach Frankfurt eingelegt, und auch Privat-Berkehrsgefellschaften nützten die Konjunktur. Schon von 10 Uhr vormittags an belebten sich die Zufahrtsstraßen zum Stadion immer stärker. Um 11 Uhr war in den elf Straßenbahnlinien, die zum Stadion umgeleitet wurden, kaum noch ein Platz zu haben, und kurz nach 12 Uhr waren sicher schon weit über 20 000 Zuschauer anwesend. Die Organisation des Anmarsches der Fußgänger, Wagen und Räder auf den verschiedenen Anmarschstraßen klappte mustergültig. Trotz des riesigen Verkehrs gab es kaum eine wesentliche Stockung und keinen Zwischenfall von Belang. Ein Heer von 700 Schutzleuten mit 40 Offizieren, unterstützt von der Feuerwehr, besorgte den Ordnungsdienst. Um 2 Uhr war das Stadion schon dicht besetzt.
Fast 46 000 Zuschauer wurden Zeuge des Länderkampfes,
Zehntausende aber hätten ebenfalls noch gerne das Schauspiel erlebt, wäre der Platz für sie noch vorhanden gewesen. Wie der Anmarsch, so vollzog sich auch der Abmarsch der Massen ohne Schwierigkeiten. Hunderte, von Straßenbahnzüge standen bereit, so daß 20 Minuten nach Spielschluß das Stadion zum größten Teil schon geräumt war. Abgesehen von einem Versuch der Kommunisten, in der Rächt zum Sonntag ins Stadion einzudringen und Schmähungen gegen Italien an die Gebäude zu schmieren, gab es nichts, was die festliche Stimmung störte. Jene Kommunisten wurden in Stärke von 15 Mann noch rechtzeitig von
der Polizei verhaftet, ehe sie Unfug stiften konnten.
Pünktlich um 3 Uhr betraten die Mannschaften, denen die Stadt Frankfurt mittags im historischen „Römer" einen E.npf„nz gegeben halte, den Platz. Herzlicher Beifall uno die Rationalhymne der beiden Länder begrüßten die Akteure. Dem Schiedsrichter R u o f f (Bern) stellen sich dann die beiden Mannschaften in der folgenden Aufstellung:
Deutschland: Stuh'fauth (l.FC.Rürnberg): Hagen (Sp. Vg. Fürth): Weber (Kurhessen Kassel): Knöpf le (FSV. Frankfurt): Leinberger (Sp. Dg. Fürth): Heiikamp (Bayern München): Albrecht (Fortuna Düsseldorf): Czepan (Schalke 04); Pöttinger (Bayern München): Frank (Sp. Vg. Fürth): Hoffmann (Bayern München).
Italien: Combi; Rosetta: Caligaris: Pitto; Feraris: Barbieri: Constantino; Daloncieri, Meazza, Magnozzi, Orsi.
Oie erste Halbzeit.
Deutschland spielt in der ersten Halbzeit gegen die Sonne. Es entwickelt sich sofort ein lebhafter, überraschend guter Kampf. Die Italiener spielen einen sehr guten, halbhohen Fußball von modernster Prägung. Die deutsche Elf zeigt guten Flachpaß, läßt sich aber später für längere Phasen den hohen Fußball der Italiener aufdrängen, der ihr nicht liegt. Auf beiden Seiten zeigen sich zunächst die Torhüter in bester Verfassung. Dis Deutschen entwickeln eine leichte Überlegenheit. Verschiedene gute Schüsse gehen gegen die Pfosten. In der 24. Minute verursacht Hagen, der bei
Gießener Stadttheater.
Arnold u d Aach: „Weckend im Paradies".
Da es sich ausdrücklich um eine Faschingspremiöre handelte und ernsthafte Kritik an einem Schwank leicht als Spaßverderberei aufgefaßt werden könnte, so dürfen wir uns auf ein knapp andeutendes Referat und im übrigen auf die Feststellung beschränken, daß es ein großer Erfolg war mit tosendem Beifall — sogar bei offener Szene — und mit knatternden Lachsalven.
Verzichten darf man aus den erwähnten Gründen auf jede Nachdenklichkeit: auf wessen Kosten zum Beispiel an diesem Abend so herzlich und zwerch- fellerschütternd gelacht wurde: hätte man sich nämlich nicht in einem Schwank befunden, wo bekanntermaßen alles erlaubt ist, so würde man vielleicht seiner Heiterkeit ein wenig die Zügel angelegt haben.
Es soll also mit den Autoren nicht darüber gestritten werden, daß sie den Ehrgeiz hatten, eine Satire zu schreiben, wozu ihnen allenthalben das Zeug fehll.
Vielmehr sei ihnen bescheinigt, daß diese Neuigkeit, die überall volle Häuser gemacht und Serienerfolge erzielt hat, technisch zum Gelungensten gehört, was sie bisher fabriziert haben. Sie hatten bewährte szenische Einfälle, bringen komische Situationen zustande und halten mit anerkennenswerter Atemtechnik bis zum dritten Vorhang durch.
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Der erste und der letzte Akt spielen zur Sommerszeit in einem Berliner Ministerium, Der zweite in einem weniger von Ehepaaren als von Liebespärchen besuchten Weekend-Hotel am Schnakensee. Dieses aufblühende Lokal heißt „Zum Paradies" und macht, ei fürwahr, feinem Namen alle Ehre.
Komischerweise treffen sich dort übern Sonntag alle beteiligten Mitglieder des Ministeriums in den unangenehmsten Situationen. Das ist Schwank. Ein bei der Beförderung aus Mangel an Protektion jahrelang übergangener Regierungsrat findet hier als Entdecker zahlreicher Extratouren glänzende Gelegenheit, sich zu rehabilitieren und wird infolge- dessen nach der Rückkehr am Montagmorgen im Ministerium von seinen Oberkollegen umschwänzelt und in schwindelerregendem Tempo befördert. Er weiß jetzt (und wir mit ihm), „wie's gemacht wird". Das ist die „Satire", auf die man nicht weiter einzugehen braucht. —
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Unter Hubs verständnisvoller (für unser Gefühl reichlich mit dem Zaunpfahl winkender) Regie wurde auf der ganzen Linie mit Hingabe und in ausgesprochener Faschingsstimmung gespielt.
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Hub selber wirkte in der Paraderolle des Regierungsrats Dittchen sehr drollig und feierte zumal im zweiten und dritten Akt, wo ihn die irdische Gerechtigkeit zu den Sternen emporträgt, echte Triumphe: übrigens hat er eine Anzahl guter Bemerkungen vorzubringen, die auch keineswegs ihre Wirkung verfehlen.
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Die übrigen Staatsbeamten: Fassott (Ministerialrat), Arzdorf (Db^rregierungsrat mit Protektion an höchster Stelle), Wesener (netter kleiner Assessor) und Zingel (Lehmann).
Von den Damen: Mewes, Scherer, Koch, Schubert-Jüngling.
Drei hübsche Chargen: Link mann, Ritter und V o l ck. —
Vom großen Erfolg war schon die Rede.
Dr. Th.
Uraufführung in Sranffurf.
Die bekannten Frankfurter Schwan'.drchler Toni Impekoven und Carl Mathern haben wieder einmal, gerade recht zur Faschingszeit, einen Schwank berausgebracht, der am Samstagabend im Frc nkfurter Schauspielhaus feine Uraufführung ^rlcb.e. Er betitelt sich: „D i e neue Sachlichkeit", und die Autoren bemühen sich dabei nach Kräften, die moderne Sachlichkeit ins Lächerliche und Extreme zu ziehen. Besonders die moderne Innenarchitettar mit ihren nüchternen und klaren Linien, das flache Dach und die Kameradschaftsehe haben es den Autoren angetan.
Die Handlung zeigt ein modern-sachliches Ehepaar in einer ebensolchen Wohnung. Dank der Initiative eines spitzbübischen Reuromantikers wird die sachlich-kalte Wohnung aber bald wieder ein behagliches, modernes Heim, und auch das Ehepaar erkennt wieder an, daß die Liebe nicht unbedingt mit Flachdach und Stahlmöbeln aufhören muß.
Der Schwank ist witzig-flüssig aufgemacht und besonders im ersten und zweiten Akt sprühend von Einfällen. Im dritten Akt flaut er leicht ab, um dann in einem fröhlichen happy end aus- zullingen. Die Aufführung, in der Toni Impekoven selbst die Regie führt und auch die Hauptrolle spielt, war dank dem Eifer des Schau- spielhausensembles ausgezeichnet.
Paul V e r h o e v e n , der sich in Frankfurt überraschend gut eingespielt hat, glänzte als quecksilbriger Reuromanliker: Franz Schneider und Kundry Siew.ert als modernes Ehepaar waren köstlich und wurden von Mathilde Einzig, Dorothea Wieck, Ben Spanier und Lene Oberweyer humorvoll unterstützt.
Das Publikum, das das Haus bis zum letzten Platz gefüllt hatte, klatschte Beifall, amüsierte sich und lachte, und wenn die Anzeichen nicht trügen, wird auch der Intendant mit dem Kafsenerfolg zufrieden sein können. W.
Die Mimosen blühen in Rom.
Don Gustav W. Eber ein.
Die Platanen in der Via Vittorio Vcncto sind umgefallen und haben den Bürgermeister erschlagen.
Geschieht ihm recht, sagten die Leute, warum läßt er solche Prachtsoäurne mir nichts, dir nichts umhauen? Das sind Eingriffe mitten ins Leben, Herzoperationen, wie sie kein guter Römer verträgt. Via Vittorio Veneto ist das Herz von Rom und wer es schon einmal, so fern er sein mag, an dem seinen schlagen fühlte, dem wird jetzt, trotz der bedauerlichen Sache mit dem Bürgermeister, eine leise * *S ebn sucht durch die Brust gehen, süß und eigen herb, zag und stäubenden Goldes voll wie der Dust der Mimosen. Das aber ist ein Anzeichen, daß du verliebt bist in Rom und deinen Koffer streicheln möchtest.
Sie Via Veneto trägt ihren kriegsruhmstolzen Rainen umsonst, niemand denkt an gewesene Schlachten, wer diese zur Schönheit der Villa Borghese wie zu einer thronenden Göttin hinaufsteigenden breiten Windungen betritt, keiner, der lie herunterschlendert, die olympische Heiterkeit des Pincio sichtlich um die Stirne gewunden.
Es ist, wie man an dieser Hyperbel merkt, Frühling in Rom.
Da man feiner Liebe niemals nahe genug sein kann, haben sich die Fremden unter den Platanen niedergelassen, die Prachtstrahe ist eingesäumt mit mondänen Hotelplätzen und Reiseagenturen. Man kann an der Ecke bei der Piazza Barberini einen Armvoll Rarzissen kaufen oder bei Cook eine Fahrkarte nach Vokohama, die Geschäfte sind vornehm genug, nur einen einzigen berückenden Frühlingshut oder einen unvergleichlichen Venezianer Schal in die Auslage zu legen, und jedermann mag die Sprache sprechen, die ihm gerade in Mode zu sein scheint. Eine Dame, die während der ganzen Fahrt vom Engadin her
geschlafen hatte, glaubte beim Erwachen nach wie vor in St. Moritz zu sein und wunderte sich, wo nur der Sch ree so plötzlich hingekommen sei.
Mit jener Geringschätzung, die manche Provinzler so würzig macht, verzog zuweilen Roccacanuc- cia die Mundwinkel, und Treuchtlingen machte es nach: Platanen — phh! Das haben wir auch. Was soll da schon Besonderes dran fein?
ilnö der Bürgermeister, der als Gouverneur des römischen Stadtstaates nicht erst den Magistrat fragen mußte, sagte sich: Recht haben die Leute. Eines Abends gab er einen Befehl aus, und als die Hotelpaläste sich am nächsten Morgen die Augen rieben, sahen sie die Platanen quer über die Straße liegen. Es ist ichon erwähnt worden, daß der Bürgermeister über diese vielbeweinten Leichen zu Fall kam, und der weitere Befehl, den er noch vorher ausgegeben hatte: in die Lücken aristokratische, der ewigen Stadt würdige, dem Herzen Roms und dem Fremdenzentrum angemessene Bäume zu pflanzen, Mimosen, erregte nur mitleidigen Spott.
Drei Jahre sind seither vergangen. Die Mimosen haben Wurzel gefaßt und blühen nun wundersam. Das ist ein Bummeln unter ihnen so köstlich, so süß und eigen herb, so hoffnungszag und doch schon stäubenden Goldes voll, wie es neben den dröhnenden Autobussen nimmer möglich schien. Das ist, als ob die Göttin der Schönheit und des Frühlings selber von der Villa Borghese herabgeschritten fei und auch den gehehtesten Zweiuhrbeamten und die verblühte dattilografa begleite, nicht bloß die Lady, die im Golden Gate den Tee schlürft.
Das stäubende Gold, es riefelt in die Tassen, man sitzt auf der Straße und glaubt sich doch auf der Terrasse eines Schlosses. Wissen Sie, wie das ist, wenn ein Lieferwagen vorbeirumpelt und es riecht gleichwohl nach Mimosen?
Die Römer sind stolz auf diesen Duft, auf diese Straße, auf die Weisheit ihres früheren Bürgermeisters. Schade, sagen sie, daß man ihn wegen wegen dieser dummen Geschichte mit den Bäumen vorzeitig seines Amtes enthoben hat. Wie häßlich die Platanen im unteren Teil der Straße, Die er njcht mehr fällen konnte, wie Provinzler isch!
Der Fürst lächelt. Er geht unter feinen Mimosen spazieren und ist seinen Mitbürgern nicht einmal gram. Am liebsten wäre mir, so denkt man oft bei einem Mißerfolg, den eine kurzsichtige Umgebung herbeiführte, ich läge erschlagen unter den Trümmern, aber die Mimosen, so sprichwörtlich empfindlich sie sein mögen, kümmern sich nicht um den Lärm der Straße. Sie blühen.


