Ausgabe 
3.2.1930
 
Einzelbild herunterladen

schastsminister Robert Schmidt dürfte zu der Reformfrage persönlich noch nicht Stellung ge­nommen haben, so daß auch nicht zu übersehen ist, inwieweit die von anderen Kreisen heftig be­kämpften Forderungen der freien Gewerkschaften zum VersicherungsaufsichtZgeseh in der Reform- Novelle berücksichtigt werden. Erfreulicherweise macht sich übrigens überhaupt im ReichZwirt- schaftsminislerium das Bestreben geltend, sich von der eiligen Gesehessabrikation der vergangenen Jahre frei zu machen, und mit gründlicher Vorarbeit a u ch w i r k l i ch s o l i d e D o r - schlage zu gestalten. Unter diesen Umständen ist damit zu rechnen, daß frühestens Ende des kommenden Vierteljahrs die Versicherung Reform gesetzlich festgelegt werden kann, während man andererseits erwartet, daß das überaus reiche Material für die Aktienrechtsreform ebenfalls bis zum Frühsommer durchgearbeitet ist.

Keine Kürzung der Beamten- gehätter.

Weimar, 3. Febr. (WTB. Funkspruch.) In einer Sitzung des Landesausschusses des Allge­meinen Deutschen Beamtenbundes hielt Reichs­tagsabgeordneter Falkenberg einen Vortrag und berührte dabei u. a. die bekannte Behaup­tung, dah das Reich die Bcamtengehälter kürzen wolle. Er erklärte dazu, dah er am Samstagvor­mittag mit dem Reichskanzler Hermann Müller eine Hnterredung gehabt habe, der ihm auf die bestimmte Frage die ganz bestimmte Auskunft erteilt habe, dah eine derar­tige Vorlage überhaupt nicht exi - stiere. Das Kabinett sei noch nicht einmal mit einer solchen Anregung besaht worden. Rach An­sicht des Reichskanzlers könne die Beamtenschaft vollkommen beruhigt sein. Wie Falken­berg weiter ausführte, soll sich dieses Gerücht so erklären, dah bei der ersten Erörterung über die Rovelle über die Arbeitslosenversiche­rung in bestimmten parlamentarischen Kreisen der Plan ausgetaucht sei, die Beamten mit zu den Beiträgen zur Arbeitslosen­versicherung heranzuziehen. Lieser Plan sei aber schon nach den ersten Erwägungen wiedervon der Bildfläche verschwun­den und gar nicht erst an die Regierung gelangt. Um die Selbständigkeit von Mecklen- burg-Strelih.

Reustrelih, 3. Febr. (WLD. Funkspruch.) Wie verlautet, ist kürzlich eine Fühlungnahme zwischen Mecklenburg-Strelitz und Preuhen er­folgt, da Mecklenburg-Strelitz Klarheit darüber gewinnen wollte, inwieweit Preuhen etwa geneigt ist, einer Angliederung des Frei st a a - tes Mecklenburg-Strelitz zuzustimmen. 3n politischen Kreisen glaubt man, dah die Selbständigkeit von Mecklenburg-Strelitz nicht aufrechtzuerhalten sei, und deswegen bald- m ö g l i ch st Anschlußverhandlungen mit Preuhen ausgenommen werden mühten. Die Fühlungnahme soll aus eine Anregung der sozial­demokratischen Fraktion des Mecklen- burg-Streliher Landtages zurückzuführen sein.

Oie Floitenkonferenz.

Zwischenbilanz.

Paris, 1. Febr. (WB.)Echo de Paris" zieht die Bilanz der bisherigen Konferenzarbeiten. Es stellt die verschiedenen Thesen, um die der Kampf jetzt anheben werde, nebeneinander. Frankreich und Italien wünschten, dah die Signatare freie Verfügung über die Tonnage hätten. Amerika und Japan nähmen den mittleren Standpunkt ein, England dagegen vertrete das starre System, das zahlreiche Ge­fahren in sich berge. Die technischen Reucrungen seien einem derartigen Wechsel unterworfen, dah man sich bei Annahme des englischen Systems für lange Zeit binden könne, ohne die tech­nischen Fortschritte nutzbar zu machen. Laufe man nicht Gefahr, dah die Marine der Signatar­länder auf dem Ruhekissen eines derartigen Ab­kommens einschlummern würde? Aber eine ein­zige Macht, die ihre Aktionsfreiheit behalte, könne ihnen ein schreckliches Erwachen bereiten. Jüngst habe ein Deutscher gesagt:Wir verlangen nur eins, nicht unserer Erfin­dungsfreiheit beraubt zu werden." Die­ser Sah, illustriert durch den neuen deutschen 10000-Tonnen-Kreuzer, der vielleicht mehr wert sei, als die 35000-Tonnen-Grohkampf- schiffe, sei die schärfste Kritik, die an der englischen Auffassung geübt werden könne.

Ersatz Preußen" als Vorbild.

Frankreichs neue Krcuzcrbauien.

Paris, 1. Febr. (WB.)Chicago Tribüne" berichtet aus London, dah Frankreich beabsichtige, einen großen Teil der von ihm gewünschten 175 000 Tonnen für die Kategorie der Grohkampf- schiffe zur Schaffung großer Kreuzer nach dem Typ derErsatz Preuhen", bestückt mit 11- ober 12zölligen Geschützen, zu verwenden. Man rechnet damit, dah diese neue französische Kategorie etwa 15 000 Tonnen Wasserverdrängung aufweisen werde, da man in Frankreich das deutsche Geheimnis der Her­stellung von Aluminium, das widerstands­fähig gegen Seewasser und salzhaltige Luft sei, nicht kenne und auch nicht die Verbesserungen, die auf dem deutschen Kreuzer vorgenommen seien. Da Deutschland nach dem Versailler Vertrag sechs Kreuzer dieser Klasse zugestanden seien, beabsichtige die französische Regierung, zum mindesten die gleiche Zahl, wenn mög­lich aber sieben oder acht Kreuzer, zu bauen. Die Baupläne für diese Schiffe seien bereits in Vorbereitung.

Schluß der Kontrolle.

Die Zurückziehung der technischen Sach­verständigen.

Berlin, 1. Febr. (WTB.) Als die In­teralliierte Kontrollkommission am 31. Januar 1927 abberufen wurde, waren noch in zahlreichen, die Entwaffnung betreffen­den Sinzelfragen zur Aus, ührung der grund­sätzlichen Vereinbarungen zwischen der deutschen Regierung und der Dotschafterkonferenz Maß­nahmen erforderlich, deren Durchführung aus technischen Gründen längere Zeit in An­spruch nehmen mußte. Zur Erleichterung der Verhandlungen hierüber war im Genfer Protokoll vom Dezember 1926 über die Zurück­ziehung der Kontrollkommission die Z u t e i l u n g

Eröffnung derGrünen Woche".

Re^chsernährungöminister Dietrich

Berlin, I.Febr. (WB.) In der Ausstellungs- sladt am Kaiserdamm wurde die fünfteGrüne Woche Berlin", die traditionelle Ausstellung und Messe der Landwirtschaft eröffnet. Nahezu 1000 Vertreter der Regierungsstellen und des Magistrats, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Technik und der Presse wohnten der Eröffnungsfeier im Ehrenhof der Halle I in Gegenwart von zahlreichen Mitglie­dern des Diplomatischen Korps bei. Als Vertreter der Neichsregierung wies der R e i ch s rn i n i st e r für Ernährung und Landwirtschaft Dietrich darauf hin, daß sich die deutsche Land­wirtschaft in einer schweren Krise befinde, deren Ursache vornehmlich in der Zollgesetz­gebung des Jahres 1925 und darüber hinaus in der Auswirkung der Reparationsla­st e n zu suchen sei. Wenn auch die Verschuldung zu einem gewissen Stillstand gekommen zu sein scheine, so sei doch die Zinslast unerschwinglich. Man müsse Wege suchen, um den Jnlandsver- brauchdesRoggenszu vermehren. Der jetzige Zustand, bei guter Ernte ein falb Millionen Ton­nen oder noch mehr Roggen ins Ausland zu ver­schleudern und gleichzeitig für 500 oder 600 Millio- neu Mark Weizen zu importieren, fei un­haltbar. Dort, wo die Möglichkeit bestehe, müsse in Zukunft an Stelle des Roggens Weizen angebaut werden, selbst wenn eines Tages bei ungünstiger Roggenernte der Roggenpreis dem Weizenpreis nahe kommen sollte. 9m vorigen Jahre stand dieGrüne Woche" im Zeichen der Selbsthilfe, dieses Jahr stehe I sie im Dienste der Meliorationen. Un­geheuer viel sei noch auf diesem Gebiete zu tun. |

über die Krisis der Landwirtschaft.

Ueber allem, so schloß der Minister, was uns wirt­schaftlich, parteipolitisch und weltanschaulich trennt, haben wir alle und voran die Landwirtschaft ein gemeinsames großes Ideal: die Wiederherstel­lung der Macht und Größe und Freiheit unserer Heimat. Möge auch die diesjährigeGrüne Woche" ein Markstein fein auf dem harten Wege, der un­sere Landwirtschaft einer besseren Zukunft entgegen­führt.

Für den Freistaat Preußen sprach sodann Staatsminister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. h. c. (5 t e i g e r, der vor allem aus die Bedeutung von Wasserwirtschaft und Landeskultur hinwies. Die Regelung der wasserwirtschaftlichen Verhältnisse und die Ver­besserung des deutschen Bodens seien Maßnah­men, die mehr als je zur Hebung und Weiter- entwickelung der deutschen Landwirtschaft not­wendig seien und durch die allein das Ziel, die ausreichende Ernährung des deutschen Vol­kes aus eigener Scholle zu fiefam, erreicht wer­den könne. Alle Meliorationen hätten das End­ziel, uns von der Einfuhr ausländi­scher Lebensmittel, die das deutscheDolks- vermögen alljährlich um annähernd vier Milliarden Mark verringere, un- abhängig zu machen. Die Landeskulturschau gebe zum ersten Male einen umfassenden Heber» blick über die Meliorationstätigkeit aller deut­schen Länder, über die von Wissenschaft und Praxis geleistete Arbeit, aber gleichzeitig auch über die noch zu erfüllenden Aufgaben.

Die VMparlei $um Sparprogramm in Hessen.

WER. Frankfurt a. M., 2. Febr. Der Landesausschuß der Deutschen Volkspartei Hessens trat zu einer Sitzung zusammen, um zu den politischen Problemen des Tages Stellung zu nehmen. ReichstagsabgeordneterDingeldey schilderte zunächst den Werdegang desneuen Planes". Die Deutsche Volkspartei werde trotz aller wirtschaftlichen Erwägungen die Frage der nationalen Freiheit höher stellen und den neuen Plan trotz mancher Bedenken, die sie gegen ihn habe, in seiner Gesamtheit befürworten. Sie fei überzeugt, daß Deutschland in eine neue Epoche eintrete, wenn der letzte fremde Soldat deutschen Boden verlassen haben werde. Sn der Saarfrage teile die D. V. P. die Stel­lungnahme der Regierung, die eine völlige Wiederherstellung der wirtschaft­lichen Rechte Deutschlands im Saar­gebiet als Basis für eine Verhandlung be­trachte. Auch in der Frage des Ostens billige die Partei die Haltung der Regierung und ver­trete darüber hinaus die Ansicht, daß eine finanzielle Unterstützung des Ostens trotz der schlechten Finanzlage des Reiches vom übrigen Reiche (und besonders von dem nunmehr bald befreiten Westen) nicht mit der gewöhnlichen Elle gemessen werden dürfe. In innerpolitischer Beziehung glaubte Dingeldey für die nächsten Wochen größere Schwierigkeiten in der finanziel­len Lage und in der Koalitionsfrage Voraussagen zu können.

Landtagsabgeordneter Dr. Keller sprach über die hessische Politik und das Sparprogramm Hessens. Er zählte die letzten Maßnahmen des hessischen Finanzministers zum neuen Etat und zum künftigen Sparprogramm Hessens auf und unterzog dabei die Tätigkeit der hessischen Re­gierung einer eingehenden Kritik. Dr. Keller sprach seine Besorgnis aus über die immer weiter um sich greifende parteipolitische Durchsetzung der hessischen Beam­tenschaft. An die beiden Referate schloß sich eine eingehende Aussprache, in der besonders die Fragen des Einheitsstaates und der sozialen Belastung der Wirtschaft auf­geworfen wurden. Zum Schluß wurden zwei Entschließungen angenommen, in denen es u. a. heißt:

Der Landesausschuß erwartet von der Reichs­tagsfraktion, daß sie die Sanierung der Kasfenlage des Reiches und in diesem Jahr zugleich auch die Inangriffnahme der längst dringend nötigen Steuerreform zum Ziele der nächsten Politik macht und davon auch nö­tigenfalls ihr Verbleiben in der jetzigen Re­gierungsmehrheit abhängig macht. Der Landes­ausschuß hält die Durchführung einer hessi­schen Finanzref orm mit dem Doppelziel

einer Beseitigung des Fehlbetrags im Staatshaushalt und einer Entlastung des Steuerzahlers ohne Rücksicht auf Beginn und Umfang der Reichsreform für die dringendste Aufgabe des Landtages und erwartet daher tätige Mitarbeit der Landtagsfraktion bei jedem Versuch, der jenem Ziel näherführen soll. Die Deutsche Volkspartei muß aber darauf Hinwei­sen, daß der Fehlbetrag die außerordentliche Höhe von 13 Mill. Mk. nur erreichen konnte, weil die bestehende Regierungskoalition während eines ganzen Jahrzehnts in Verken­nung der finanziellen Kräfte des Landes und deshalb auch im Widerspruch zu der Haltung der volksparteilichen Landtagsfrak­tion Staatsaufgaben übernommen hat, die nach Art und Umfang die Leistungs- fähcgkeit des Landes überstiegen. Es muß weiterhin aufs schärfste verurteilt werden, daß in den letzten Jahren trotz finanzieller Be­drängnis aus parteipolitischen Grün­den in den Ministerien Stellen teils neu geschaffen, teils trotz Jnhaber- bewilligung neu besetzt wurden. Gera­dezu unfaßbar aber ist es für die Deutsche Volks- Partei, daß man trotz oder gerade wegen der geplanten Sparaktion ebenfalls aus parteipoliti­schen Erwägungen frei gewordene Stellen höherer Beamten noch rasch vergab und damit eine kom^ mende Verwaltungsreform ihrer sofortigen finan­ziellen Wirkung beraubte. Was die von der Re­gierung vorgeschlagenen Sparmaßnahmen anlangt, so muß festgestellt werden, daß man, statt in großzügiger Werse von einer Verkleine­rung der Zentralbehörden und der diesen zugewiesenen Ausgaben auszugehen, sich im kleinen verliert und zum Objekt des Spar­willens Schule und Polizei macht, die für die vorgesehenen Maßnahmen durchaus un­geeignet erscheinen. Der Landesausschuß er­wartet daher von der Fraktion, daß sie sich ge­genüber allen Anträgen ablehnend verhält, die der Leistungsfähigkeit der achtjährigen Volks­schule, der höheren Schule und des Sicherheits­dienstes abträglich sind. Eine Aufhebung von Lokalbehörden kann nach Auffassung des Landesausschusses nur in Frage kommen,

1. wenn nachgewiesen ist, daß die Erspar­nisse nicht nur auf dem Papier stehen,

2. wenn die mit jeder Aufhebung verbundenen indirekten Lasten der Bevölkerung im richtigen Verhältnis zu dem finan­ziellen Effekt sichen. Der Landesausschuß erwartet von der Landtagsfraktion der D. V. P.» daß sie keinem Sparprogramm ihre Zustimmung gibt, das von den vorliegenden Richtlinien ab­weicht."

von technischen Sachverständigen an die betreffenden Berliner Missionen vorgesehen. Anfang dieses Jahres ist dann in kurzen münd­lichen Verhandlungen mit der Dotschafter­konferenz in Paris eine Verständigung darüber erzielt worden, daß die Aufgaben der Sachver­ständigen nunmehr erledigt find. Dem­entsprechend haben die in der Botschafterkonfe­renz vertretenen Regierungen ihre Sachverstän­digen am 31. Januar d. I. zurückgezogen.

Gegen die sozialistische Ge­meindeverwaltung in Wien.

Eine bürgerliche Massenkundgebung.

Wien, 2. Febr. (Tel.-Un.) Der Sonntag stand im Zeichen einer der größten bürgerlichen Kund­gebungen gegen die sozialdemokratische Mehrheit im Wiener Rathaus. Eine Massenversammlung auf dem Freiheitsplatz vor der Votiv-Kirche war von Zehntausenden uniformierten Heimwehrleuten und einer unübersehbaren Menge von Gewerbetreiben­den besucht. Beim Heimatbund hatten in den letzten Tagen nicht weniger als 600 Genossenschaften, Ver­bände und Vereine ihre Teilnahme an der Kund­gebung angekündigt. Aus dem Platz kritisierten Red­ner der Eisenbahn-, Post- und Straßenbahnwehren die sozialdemokratische Verwaltung und verlangte Gesinnungsfreiheit aller Staatsbür­ger, auch in den städtischen und staatlichen Be­trieben. Die Versammlung gelobte sich, nicht früher zu ruhen, bis die rote Fahne vom Rathaus ver­schwinde. Die Versammlungsteilnehmer bildeten dann einen gewaltigen Demonstrativnszug, der über den Ring bis zum Schwarzenbergplatz marschierte. Dor dem Rathaus kam es zu stürmischen Kundgebungen gegen die sozialdemokratische Ge­meindeverwaltung. Auf dem ganzen Wege wurden die Heimwehrleute von einem dichten Spalier stür­misch begrüßt.

Das Programm des neuen spanischen Kabinetts.

Paris, 3. Febr. (WTB. Funkspruch.) Der spa­nische Ministerpräsident General Berenguer führte in einer Unterredung aus: Ich beabsichtige, Spanien das normale verfassungsmäßige L e - b e n wiederzugeben, halte es aber für notwendig, dabei schrittweise vorzugehen. Ich werde sorg­fältig einen kostbaren Teil des Erbes meines Vor­gängers und Freundes Primo de Rivera überneh­men, beispielsweise gedenke ich das Programm großer öffentlicher Arbeiten und den nationalen Wirtschaftsausbau durchzu­führen, den Primo de Rivera so mutig in Angriff genommen hatte. Jcv gedenke auch die auf ihn zu­rückgehende Einrichtung der paritätischen Ausschüsse von Arbeitgebern und Ar­beitnehmern, die für den sozialen Frieden so viel geleistet haben, beizubehalten. Da ich aus Kuba stamme, werde ich der Entwickelung der Beziehun­gen Spaniens zu Öen lateinamerikanischen Ländern besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Natürlich werde ich mein Bestes tun, um auch mit den anderen Mächten herzliche Beziehungen zu un­terfallen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empfing am Sonntagnachmittag den privaten Besuch des Königs von Dänemark, der sich auf der Durchreise nach der Riviera einige Stunden in Berlin aufhielt.

Der König von Spanien soll in seiner Eigenschaft als Großmeister des Ordens vom Goldenen Vlies demnächst die Ritter dieses Ordens, nämlich die Könige von England, Schweden, Italien und Dänemark, den Kaiser von Japan, den englischen

Thronfolger, den ehemaligen deut­schen Kaiser und den ehemaligen deutschen Kronprinzen, sowie P o i n * c a r ä und Präsident Doumergue, zu einer Tagung nach Barcelona einberufen wollen. Poincare und der frühere deutsche Kronprinz sollen bereits zugesagt haben, zu er­scheinen. Gemäß dem Zeremoniell würden beide nebeneinander zu sitzen kommen.

*

Auf Anfrage bei Reichskanzlera.D. Dr. 2un ther, der sich zur Zeit außerhalb Berlins auf­hält, erfährt dieD. A. Z.", daß die Rachrichten über eine Kandidatur des Herrn Dr. Luther für den BerlinerOberbürgermeister- p o st e n jeder Grundlage entbehren und entbehrt haben.

*

Der erste Transport von 300 Deutschrussen, die am Montag mit dem LloyddampferWerra" Bremerhaven verlassen, wird von der Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft in Brasilien auf Kolo- nielofen angesiedelt werden.

In Serajewo wurde die an einem Privat- hause angebrachte Plakette zur Erinnerung an Gavrilo Princip und die übrigen Teilnehmer des Attentats von Serajewo enthüllt. Vor­her hatte eine Gedächtnisfeier stattgefunden. An der Veranstaltung nahmen Angehörige der Familie und ehemalige Freunde Princips teil, dagegen keine Vertreter von Behörden oder Verbänden.

Aus aller Welt.

FreiballonReichsmilchausschuß".

Reichsernährungsminister Dietrich vollzog aus dem Flugplatz Tempelhof am Sonntag die laufe des vom Reichsmilchausschuß in Dienst gestellten Werbefreiballons. Der Minister erklärte: Es würden immer noch für viele Millionen Mark Milchprodukte aus dem Ausland bezogen. Deshalb wolle man auch neben anderen Mitteln neuerdings die ßuftroerbung in den Dienst der Sache stellen. Nach dem Taufakt, dem Zer­schlagen einer Milchflasche an der Gondel, erhob sich der in filber, rot und blau gehaltene Ballon der gleichzeitig der erste farbige Freiballon ist, zu seiner ersten Fahrt.

Lynchjustiz in Amerika.

Ein aufsehenerregender Fall von Lynchjustiz wird aus Ocilla in Georgia gemeldet. Ein Reger, der in dem dringenden Verdacht stand, die 14jährige Tochter eines angesehenen weißen Farmers getötet zu haben, wurde, nachdem man ihn eine ganze Rächt mit Bluthunden ge­sucht hatte, festgenommen. Er gestand dem Sheriff, das Verbrechen begangen zu haben. Eine aus mehreren hundert Personen bestehende Menge entriß dem Sheriff den Hebeltäter, schleppte ihn nach der Waldstelle, wo die Leiche des Mädchens in einem Teich aufgefunden worden war, bearbeitete ihn mit Messern und schlug ihn dann vollends tot. Seine Leiche wurde auf einen mit Gasolin getränkten Scheiterhaufen geworfen und verbrannt.

Sie Wetterlage.

5onntad,

2. Februar. 1930,8 "mar.~=

2Sß.ost

ySeydlsfiord'

O

Uai

Touri

-f6

DercTttf

Mamog^e

---Thorshavn £ X\~

__1 y w

sciirtiE-»

ZS .

4 Paris/ Trankt

©womemos oneuer, (jnaio DedetM.0 wollig. 0 oedeextfftoew »Sehne» a Oraupein. o MeDel K Gewitter ©Windstille. «Q» eente* Ost nissige* Südsüdwest. Q sturmijcne» nordwesl Oie Pfene fliegen mit dem winde. Pie neiden Stationen stenenden Zah­len geoen die Temperatur an. Die Linien veremdeo Orte mit gleichet^ wf nceresniveau umgcr«chnet«n Ujftdruci

Wettervoraussage.

Schon wieder rückt eine neue Störung vom Atlantischen Ozean heran, und eine Rinne tiefen Druckes, welche über Mitteleuropa nach den Balkanländern hinläuft, hat sich herauszebildet. Der Hebergang au beständigem Wetter ist somit nicht gegeben. Abermals dürfte die neue Störung die Temperaturen wieder etwas zum Ansteigen bringen und nach anfänglichem stellenweisen Auf- klaren meist wolkiges und nebeliges Wetter mit Riederschlägen verursachen.

Wettervoraussage für Dienstag. Rebeliges und wolkiges Wetter, nach anfänglich wenig veränderten Temperaturen wieder etwas milder und Riederschläge.

Lufttemperaturen am 2. Februar: mittags 4,4 Grad Celsius, abend2 2,7 Grad; am 3. Februar: morgens 2,4 Grad. Maximum 4,4 Grad, Mini­mum 0,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Februar: abends 1,4 Grad, am 3. Februar: morgens 0,6 Grad Celsius. Rieder­schlag 0,3 Millimeter.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherodsko"'f: Nebel, minus 1 Grad, 3 Zent.metcr Pulver chne. S^vrt- Möglichkeit nicht vorhanden.

Sauerland. Winte»bera: Rebel, mi­nus 1 Grad, 10 Zentimeter Pulverschnee, Ski- und Rodelmöglichkeit gut.

Schwarzwald. Feldberg: Stärkerer Schneefall, minus 1 Grad, 55 Zentimeter Schnee. 6 bis 10 Zentimeter Äeuschnee, Pulverschnee, Ski- und Rodelmöglichkeit gut.

Alpen. Garmisch - Partenkirchen: Klar, minus 2 Grad, 5 Zentimeter Schnee, Pul­verschnee. Ski- und Rodelmöglichkeit gut