Ausgabe 
3.2.1930
 
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Nr. 18 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Montag, 3. Zebruar MO

Erich« >n> täglich,auher Sonntags und Feiertags.

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GietzenerAnzeiger

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Dr Friedr 2vilh Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich tn Gießen.

1111 -M

Llnser Broi.

Don Alfred DossiuS, Dipl.-Dollöwirt.

In diesen Tagen wurde die deutsche Oeffenl- lichkeit durch die Zeitungsmeldung überrascht, daß die Reichsrcgierung, um den katastrophalen Sturz des Roggenpreises aufzuhalten bzw. den Preis zu heben, eine großzügige Roggenstühungsaktion durch ein Roggenbrotgeseh vorbereite und dieses schnellstens durch die gesetzgebenden Kör­perschaften zur Verabschiedung bringen will. Wie die Verhältnisse liegen, ist das Roggenproblem in der Tat gleichzeitig ein Ostmarkenpro­blem, da die großen landwirtschaftlichen Ge­biete des Osten infolge ihrer Bodenverhältnisse in vielen Teilen nur für den Anbau von Rog­gen in Frage kommen und der Roggenpreis damit für die dortigen Landwirte zu einer Existenzfrage wird. Trotz aller Bemühungen, die Anbaufläche einzuschränken zugunsten ckines ver­stärkten Weizenbaus und der Erzeugung anderer hochwertiger Produkte, mußten diese an unab­änderlichen Bodenverhältnissen ihre natürliche Grenze finden, so daß ein riesiges Angebot an Roggen auf den Martt kommt, für das kein Ab­satz weder im Inland noch im Ausland vor­handen ist.

Die Gründe für dieses Mißverhältnis sind ver­schiedene. In erster Linie ist der Verzehr von Roggenbrot in weiten Schichten des deutschen Volkes in ben RachlricgZjahren besonders stark zurückgegangen, wie überhaupt der Drotgetrcidc- verzehr sich sehr vermindert hat. Hinzu kommen die Verhältnisse in den Industriegegenden, wo viele Industriebetriebe ihren Arbeitern und An­gestellten Gelegenheit geben, in Kantinen warme Mahlzeiten einzunehmen, wodurch dieStulle" in den Hintergrund gedrängt worden ist. Auch in der Fleischkonserven- und Wurstindustrie wird über den Absatzrückgang geklagt mit der Begrün­dung. daß weniger Belag für Frühstücksbrote benötigt werde. So sind der Wandel des Ge­schmacks, die Rachwirkungen desKriegsbrotes" und der Aufklärung über die frühere ä2eber- sütterung und schließlich wirtschaftliche Wand­lungen dem Roggenbrot zum Verhängnis ge­worden.

Run ist man auf den Gedanken gekommen, auf gesetzlichen Druck hin die Menschen zu st ä r - ter em Roggenverzehr anzuhalten, nach­dem alle Ermahnungen der interessierten und amtlichen Stellen zu freiwilliger Umstellung er­gebnislos geblieben sind. Man will dem Roggen­brot durch die Schaffung einer MarkeReines Roggenbro t", d. h. durch Berbesserung der Qualität wieder mehr Freunde werben. Ob dieser Weg allein die Roggenkrise überwinden kann, mag dahingestellt bleiben. Man muß aber einmal mit Ernst und gutem Willen und frei von allen Sondcrinteressen sich mit der Frage befassen, wie man für einen stärkeren Verzehr vonun­serem" Brot wirken kann, denn Brot aus Rog­gen istunser" Brot, es ist aus unserer Hauptfrucht gewonnen.

Die deutsche Roggenernte ist rund 2l/2mal so groß wie die Weizcnernte. Seit dem Iahre 1927, in dem wir nur 6,82 Millionen Tonnen Roggen und 3,23 Millionen Tonnen Weizen ernteten, ist sie auf 8,52 Millionen Tonnen Roggen bei 3,85 Millionen Tonnen Weizen im Iahre 1928 ge­stiegen. Die Ernte des Iahres 1929 brachte zwar einen kleinen Rückgang der Roggenernte auf 8,15 und der Weizenernte auf 3,35 Millionen Tonnen, jedoch sind wir mit einem sehr großen Bestand an Roggen aus der alten Ernte in das neue Iahr hinübergegangen, so daß wir unter dem gewaltigen Druck der nach dem Ver­brauch für menschliche Ernährung noch verbleiben­den Roggenmengen auf dem Markte jetzt eine so katastrophale Preisentwickelung erleben muß­ten. In öen letzten Tagen wurde sogar der Rekordniedrigpreis von 125 Mark für die Tonne oder 7,52 Mark für den Zentner an der Ber­liner Börse notiert. Vielfach hat der Roggen aber die 7-Mark-Gcenze noch unterschritten. Rormalerweise müßte der Roggenpreis sich um 11 Mark heute bewegen. Das Ausfuhrven- t i l, durch das die überschießenden Mengen ab­gesetzt werden könnten, ist durch die scharfe Kon­kurrenz des polnischen Roggens, der mit Llnterstühung von hohen Prämien auf den Auslandmarkt, besonders nach Skandinavien, ge­worfen wird und dort die deutsche Ware ver­drängt hat, verstopft. Ferner ist die Verwendung des Roggens im Inland zu Fütterungszwecken durch starke Voreindeckung in Futtergerste vor dem Inkrafttreten der neuen Zölle sehr erschwert. Die Verkoppelung mit dem Gerstenzoll in der letzten Regierungsvorlage ist vom Reichstag aus zolltechnischen Gründen abgelehnt worden. So bleibt, wenn es nicht gelingt, die Anstrengungen der Reichsregierung um eine Derstäitdigung mit Polen über die Roggenausfuhr zu einem end­gültigen Abschluß zu bringen, .fast als ein­ziges Mittel zur Abwendung einer vollendeten Katastrophe öte Hebung des mensch­lichen Verbrauchs im Inland.

Bei der enormen Weizeneinfuhr von rund 2 Millionen Tonnen muß. so sollte man annehmen, unter der Voraussetzung, daß ein wirkliches Qualitätsroggenbrot für den allgemei­nen menschlichen Gdnuß durch gesetzliche Maß­nahmen fichergestellt wird, durch eine großzügige Beeinflussung des Geschmacks und durch um­fassende Aufklärung eine ganz erhebliche Steige­rung des Roggenbrotverbrauches zu erzielen sein. Das Roggenproblem wird zum nationalen Problem schlechthin. Aufklärung über die wirt- scbaftlichen Verhältnisse und besonders über den Wert eines reinen und guten Roggenbrotes nicht nur in Wort und Schrift, sondern auch durch die

Die Reichsbahnfinanzen und derReue plan".

Keine Tariferhöhung, aber Freigabe der Beförderungssteuer.

Die Tatsache, daß die Reichsbahn zunächst die Tarife für die Berliner Stadt- und Ringbahn nicht unerheblich erhöht hat, wird nicht ohne Grund als Beginn einer allgemei­nen Tariferhöhung bezeichnet. Es ist kein Ge­heimnis, daß die Tariferhöhung vom 1. Oktober 1928, auf die die Reichsbahn so große finanzielle Hoffnungen setzte, in ihrem Ergebnis stark enttäuscht hat. Das follte für die Reichsbahn an sich Veranlassung sein, jede neue Tariferhöhung doppelt zu prüfen, denn ein Rückgang des Verkehrs müßte die finanzielle Lage der Reichsbahn emp- indlich beeinflussen. Daß die Reichsbahn bei einer Einnahme von 5,4 Milliarden Mark bei Tarifen, die verhältnismäßig höher liegen als in anderen Ländern Europas, über eine zu kurze finanzielle Decke klagt, ist durch die Tributbelastung gegeben. '21 ud) unter demReuen Plan" muß die steichsbahn 660 Millionen Mark aufbringen, wozu noch der Zinsendienst für die begebenen Aktien- pakete kommt. Der Betriedsüberschuß der Reichs­bahn, der zwischen acht- und neunhundert Mil­lionen schwankt, ist damit schon zwangsläufig ge­bunden, so daß für die technische Entwicklung nicht viel übrig bleibt. Immer wieder muß an die alarmierende Denkschrift der Reichsbahn von 1928 erinnert werden, die zahlenmäßig darlegte, daß nur d i e dringend st en Erneuern ngs- arbeiten am Oberbau vorgenommen wer­den könnten, daß cs aber unmöglich sei, alle Eisen­bahnbrücken umzubauen; daß der Lokomotiv- und Wagenpark der Reichsbahn ergänzungsbedürftig ist, weiß jeder, der auf Nebenbahnen uralte Loko­motiven und Wagen hat rollen sehen.

Die Reichsbahn weiß selbst, daß eine rein bis« kal.sche Tarifpolitik Lin Allheilmittel ist, zumal ihr ja die Gefahr droht, daß bei steigenden Tarifen der Kraftwagenverkehr noch mehr und stärker in Wettbewerb tritt, als das heute schon der Fall ist. Die Reichsbahn hat sich wiederholt schon mit diesem Problem ausein- andcrgeieht. so neuerdings wieder in einer Denk­schrift, die sich nicht mit Kritik und ärgerlichen Feststellungen begnügt, sondern darüber hinaus brauchbare Vorschläge zu machen sucht. Die Reichsbahn hat an sich recht mit der Feststel­lung, daß der Kraftwagenverkehr der Reichs­bahn gegenüber insofern begünstigt ist, als ihm nicht die finanzielle Leistungs­pflicht für die Verkehrs st raßen ob­liegt. Die Reichsbahn muß den Oberbau, den ihre Güter- und Personenzüge benutzen, selbst Herstellen und mit hohen Kosten unterhalten, während der Krastwagenverkehr die Landstraßen benutzt, deren Anterhaltungspflicht den Kreis- und Provinzialverbänden obliegt. Die Kraft- wagenstcuer würde in ihrer bisherigen Höhe nicht dazu ausreichm, die Milliardenkosten für ein technisch erstklassiges Straßennetz aufzubringen. Die Reichbahn gibt an, daß sie durch die Aus­dehnung des Kraftwagenverkehrs für die Be­förderung von Gütern einen Einnahme­ausfall von über 400 Millionen Mark erleidet. Daß der Krastwagenverkehr nicht ein­fach abgedrosselt werden kann, das weiß auch die Reichsbahn, weshalb sie vorschlägt, diesen Ver­kehr ebenso vorzubelasten, wie es mit dem Reichsbahnverkehr auch geschieht. Damit wird indessen das Problem nicht gelöst, denn jede Belastung des Kraftwagenverkehrs muß in erster Linie dem Wegebau zugute kommen. Im übrigen ist eine starke Unterbietung der Reichsbahntarife durch den Kraftwagenverkehr schon deshalb nicht möglich, weil der Kraft­wagen mit einem großen Materialver- schleih rechnen muß.

Die Reichsbahn hat mitgeteilt, daß das Ge­

schäftsjahr 1929 mit einem Fehlbetrag von 15 0 Millionen Mark belastet ist. Dieser Fehlbetrag wird 1930 wohl noch steigen, es sei denn, daß die Reichsoahn die sachlichen Ausgaben so weit drosselt, daß die Betriebs­sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. Die Reichsbahn braucht also neue Einnah­men, die in den nächsten Iahren sich durch­schnittlich auf mindestens 300 Millionen Mark belaufen werden. Wenn eine Tariferhöhung vermieden werden soll, die ja auch der Reichs­bahn finanziell nichts nützen kann, so bleibt nur übrig, der Reichsbahn den Ertrag der De- förderungssteuer, soweit er bisher zu Tri­butzwecken Verwendung fand, ganz oder zum größten Teil zu überlassen. Hier handelt eS sich nicht nur um Reichsbahnsorgen, hier handelt es sich um die deutsche Wirtschaft, die un­bedingt reichliche Aufträge des größten Un­ternehmens der Erde gebraucht. Die deutsche Lokomotivindustrie. die Güterwagenindustrie sind nicht zum wenigsten deshalb notleidend gewor­den. weil ihnen seit zehn Iahren die regel­mäßigen Aufträge der Reichsbahn fehlen. Auch die deutsche Steinindustrie ist zusammengebrochen,

weil die Reichsbahn nur die allernotwendigsten Aufträge für die Erneuerung deS Oberbaues hinausgibt. Wenn derReue Plan" vollzogen ist, so ist die Beförderungsfteuer für Reichs- zwecke frei. Der Gesamtertrag ist im Haus­haltsjahr 1929 30 mit 380 Millionen Mark vor­veranschlagt, der aber wohl nicht erreicht wird. Mit Wirkung vom 1. April 1930 kann aber da« Reich über die ganze Tributrate aus der 'Be­förderungssteuer in Höhe von 290 Millionen Mark verfügen, der wohl der Reichsbahn als Ersah für eine Tariferhöhung, die sonst unausbleiblich ist, überlassen werden kann und muß. Da die Reichsbahn diese Summe ja sofort für Aufträge an die Wirtschaft wieder ausgeben muß, so ist die Verwen­dung auch volkswirtschaftlich zweck­mäßig, zumal dadurch auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Lokomotiv- und Güter- toareninöuftrie gesteigert wird. Das wird zu einer Entlastung des Arbeitsmarktes führen, also zu sozialpolitischen Maßnahmen, die allein geeignet sind, die Arbeitslosenversiche^ rung finanziell in Ordnung zu bringen.

Keine Komnnmisiemevolte am 1. Februar

Ruhe in Hamburg.

Tie kommunistische Aktion abgcbtasen.

Hamburg, 2. Febr. (WTD.) Der Sams­tag abend und die Rächt zum Sonntag, für die man nach den Ankündigungen der Kommunisten größere Demonstrationen erwarten mußte, ist ohne ernste Zwischenfälle verlaufen. Rirgends gelang es den kommunistischen Agitato­ren, größere Menschenmengen auf die Deine zu bringen. Die wenigen Trupps, die sich auf dem Rathausmarkt sammelten, wurden sogleich von der Polizei in Empfang genommen und abge­drängt. Auch in der Altstadt, wo es zeitweilig die in den letzten Rächten üblich gewordenen Zusammenrottungen gab, wurden ernste Zwi­schenfälle vermieden. Gegen Mitternacht herrschte volle Ruhe. Die kommunistischen Reichstagsab­geordneten Schumann und Vogt sollen die Aufgabe gehabt haben, die Hamburger Aktion zu leiten, doch soll von der Zentrale verfügt worden fein, sich entgegen der zunächst ausge­gebenen Parole am 1. und 2. Februar umfang­reicherer Demonstrationen zu enthalten.

Zn Berlin alle Gtörnngsver- suche im Keime erstickt.

Die Temonstrationsziigc aufgelöst.

Berlin, 3. Febr. Während die für Samstag angesehten großen kommunistischen Demonstratio­nen im wesentlichen gescheitert find, ließ sich nicht verhindern, daß sich gelegentlich kleinere Gruppen bildeten, die aber rasch genug wieder verschwan­den. Am Wedding bildete sich ein Demonstra­tionszug von 300 Personen, der von der Polizei unter Anwendung des Gummiknüppels aufgelöst werden muhte. In Charlottenburg mußte am Friedrich-Karl-Plah ein Demonstrationszug von 300 Personen und am Gustav-Adolf-Platz ein Zug von 200 Personen mit Hilfe des Gummi­knüppels aufgelöst werden. Um 19.10 Llhr kam es am Wilhelm-Platz in Charlottenburg zu Zu­sammenstößen zwischen Demonstranten und Po­

lizei, wobei drei Beamte verletzt wurden. Die Täter konnten festgenommen werden. Alm 19.45 Uhr wurde in der Akazienstraße in Schöne­berg ein Demonstrationszug von 150 Jugendlichen unter Anwendung des Gummiknüppels von der Polizei aufgelöst. Dabei wurden acht Personen zwangsgestellt. Auf dem Weidenweg wurde eine Polizeistreife von drei Beamten, die einen De­monstrationszug auflösen wollte, von den Demon­stranten umringt und zu Boden geschlagen. Die Beamten wurden dabei so verletzt, daß sie dienstunfähig sind. In der Prinz-Handjery- Straße in Reukölln löschten junge Burschen zehn Straßenlampen aus, worauf hier versucht wurde, aus Kästen, Steinen und Müll eine Straßensperre zu errichten. Auch dieser Versuch wurde im Keime erstickt, wobei drei Personen zwangsgestellt wurden, von denen zwei sich im Besitze von Schußwaffen befanden. In der Wallstraße in Charlottenburg stürzten Demonstranten einen aus dem Hofe einer Spe­ditionsfirma herausgezogenen leeren Möbel­wagen um.

Blutige Zusammenstöße in Pforzheim.

Pforzheim, 2. Febr. (WTB.) In Pforzheim kam cs am Samstagabend zwischen Ratio- n a l s o z i a l i ft e n und Sl' o in in u n i ft c n zu schweren Zusammenstößen, in deren Verlauf auch zahlreiche scharfe Schüsse fielen. Zwei Nationalsozialisten und ein Kommunist wurden ver­letzt ins Krankenhaus eingeüefcrt. Am Sonntagnach- mittag gab es in Dittlingen zwischen Ratio- n a l s o z i a l i st e n aus Karlsruhe und Pforzheim und Mitgliedern der Ortsgruppe Pforzheim des Reichsbanners schwere Schlägereien. Auch hier wurde geschossen. Der Führer des Reichsbanners er­hielt einen Schuß ins Bein. Mehrere Personen wurden verletzt. Den politisckien Zusammenstößen wurde durch ein starkes Polizeiaufgebot ein Ende gemacht, das die Menge zerstreute und mehrere Verhaftungen vornah,n. Die Behörden sind mit der Aufklärung des Tatbestandes beschäftigt.

Tat tut not, um dem deutschen Dolksvermögen die eigenen Werte zu erhalten und die teuere Weizeneinfuhr zu vermindern. Weizenbrvt ist in der Tat zum großen TeilBrot aus dem Aus­lande". Daß Weizenbrot bekömmlicher sei, ist ein längst von der Wissenschaft widerlegter Aber­glaube. Roggenbrot enthält im Gegensatz zum Weizenbrot, besonders in seinen gröberen Sorten, erhebliche Mengen Vitamine. Die beabsichtigte Herstellung eines reinen Roggenbrotes hat m i t dem s o g. Kriegsbrotnichtszu tun. Im Gegenteil. Es handelt sich um den Schuh vor einem Mischgebäck, das merkwürdigerweise im deutschen Osten in größerem Maße zum Verzehr kommt, als im Westen. Das beste und reinste Roggenbrot dürfte es in Westfalen und im Rheinland geben. Die Befürchtungen um die Wie­derkehr eines mit Recht übel beleumundeten Kriegsbrotes sind unter den heutigen Verhält­nissen gänzlich unbegründet. Dasreine Roggen­brot" mit einem Zusatz von höchstens 5 Prozent Weizenmehl, das alsSchwarzbrot" gegenüber demFeinbrot" verkauft werden soll, ist das Ziel der gesetzgeberischen Pläne. Wenn hier durch den Gesetzgeber nachgeholfen wird, so ist das an­gesichts der ungeheuren Bedeutung für einen großen Teil unserer notleidenden Landwirtschaft verständlich und notwendig. Es gibt eben Fälle, bei denen gegen Gleichgültigkeit fein anderer Weg hilft. Man kann daher auch den neuesten Vorstellungen einer Regierungspartei, die Be­schleunigung in der Vorlage des Roggengesehes verlangt, nur entsprechenden Erfolg wünschen. Roggenbrot mußunser Brot" wer­de n I

Bauarbeiter und Krisen- unterstützung.

Ter Ncichsarbeitsniniistcr lehnt ab.

Berlin, 3. Febr. (Priv.-Tel.) Die Bau­arbeiter hatten eine gemeinsame Eingabe an das Reichsarbeitsministerium gemacht, worin sie eine Unterstellung der arbeitslosen Bauarbeiter unter die Krisenunter­st ühung forderten. Am 31.3anuar haben nun zwischen den Bauarbeiterverbänden, unter ihnen auch der Christliche Bauarbeiterverband, Ver­handlungen mit dem Reichsarbeitsministerium über ihren Antrag stattgefunden. Der Reichs- arbeitsminister, der an diesen Verhand­lungen selbst teilnahm, hat zwar anerkannt, daß die augenblickliche Arbeitslosigkeit im Baugewerbe nur zum Teil saisonbedingt ist. zu ihrem größeren Teil jedoch auf die Einflüsse der Konjunktur zurückzuführen ist. Der Ar­beitsminister sah sich aber, wie derDeutsche" mittctlt, außerstande, die Bauarbeiter, wie gefordert war, der Krisenunterstühung zu unter­stellen, da ihm die notwendigen Mittel hierfürnicht zurVerfügung stehen. Der Reichsarbeitsminister hat die Bauarbeiterver­bände an die Parteien gewiesen.

Stahlhelm-Selbsthilfe.

Berlin, 2. Febr. (Privatmeldung.) Die Ar- b e i t n e h m e r o r g a n i s a t i o n des Stahl­helm, die Stahlhelm-Selbsthilfe, veranstaltete eine Kundgebung. Es sprachen der Landesführer für Groß-Berlin, Major o. S t e p h a n t, der erste Vor­

sitzende der Stahlhelm-Selbsthilfe, Karl H a l b i g , und die Bundesführer S e l d t c und st erber g. Es wurde auf die bereits erzielten Erfolge bei Be- kricbsratswahlen hingewiefen und als Zweck der Arbeitnehmerorganisationen u. a. bezeichnet, das Kameradschaftsocrhältnis des Krieges in das Wirtschaftsleben zu übertra­gen und die Ideen des Stahlhelms an andere Menschengruppen, besonders die Arbeiterschaft hcr- anzubringcn. Dabei sprach u. a. Major v. Stephani sein Bedauern darüber aus, daß die Bestrebungen des Stahlhelms bei den Arbeitgebern nicht immer das richtige Verständnis fänden, und erklärte, die Wirtschaft habe ebenfalls die Aufgaben des natio­nalen Aufbaus zu erfüllen und sei nicht Selbstzweck.

Nie Reform

der Versicherungsaufsicht.

Berlin, 1. Febr. (Priv.-Tel.) Der große Frankfurter Versicherungsckandal im vergangenen Iahre hat die Frage einer Aenderung des Dersicherungsaufsichtsgefetzes auf­geworfen. Wie wir dazu von gut unterrichteter Seite hören, ist aber zunächst nicht mit einer schnellen parlamentarischen Erledigung der ge­planten Reformnovelle zu rechnen. Dor allem ist man sich darüber klar, daß eine grundlegende Aenderung nur dann möglich ist, wenn zur glei­chen Zeit wenigstens in den Richtlinien die ge­plante Aktienrechtsreform vorliegtz da sich beide Fragen in einer ganzen Reihe von Problemen, wie z. B. Publikationspflicht usw. berühren und unmöglich unabhängig voneinander gelöst werden können. Der neue Reichswirt-