Ausgabe 
2.7.1930
 
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Der Völker sei. Run Wohl, wir haben d i e Schranken entfernt. Wir werben erleben, was eintreten wird. Wir haben wenigstens die Gewißheit, unsere volle Pflicht getan zu haben, damit die deutsch-französische Annäherung in die Acra der Verwirklichung ein tritt.

Trauerkundgebungen in Paris

Paris, l.Iuli. Die nationale Liga für öffent­liches Wohl und das Nationale Komitee des Generals M o r d a c teilen mit, daß gestern von den Dele­gierten dieses Verbände die Straßburg- Statue auf b e u Concordia-Platz mit Trauerflor bekleidet worden ist. Straßburg sei beute der Vorposten einer offenen Grenze und werde morgen das erste O p f er der deut­schen Revanche (ein. Die Mitglieder haben sich im Anschluß hieran auch zum Denkmal des Kriegs­dichters Paul Dero u lebe begeben, der, wie sie erklären, die Verkörperung der Wachsamkeit in Frankreich gewesen sei.

Dank den Toten

Der Reichskanzler auf demGarnisonfried- Hof und am Grabe Ltrefemanns.

Berlin. l.Suli. (WTB.) Aus Anlaß der Befreiung der rheinischen Lande begab sich Reichskanzler Dr. B r ü n i n g . begleitet vom Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Pün - ver, von den Chefs der Heeres- und Marineleitung auf den Garnison- friedhof in der Hasenheide. Er legte dort einen Kranz von Eichenlaub im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten und einen Lorbeerkranz namens der Reichs­regierung nieder, um an diesem Tage dem unauslöschlichen Dank Deutschlands für seine Ge­fallenen im Weltkriege Ausdruck zu geben. Die preußische Staatsregierung hatte zu gleicher Zeit Staatsminister Dr. H i r t s i e f e r aus den ®ar- sonfriedhof entsandt, um gemeinsam mit der Reichsregierung die Toten des Weltkrieges durch einen Kranz zu ehren. Von hier aus begab sich der Reichskanzler zum Grabe des verstorbe­nen Reichsministers Stresemann und legte in treuem Gedenken an seine großen Verdienste um die Befreiung der Rheinlande auch dort einen Kranz der Reichsregierung nieder.

Am Grade Stresemanns erschien ferner für den Deutschen Reichstag Präsident L ö b e in Begleitung der Schriftführerin Frau Bohm- Schuch (Soz.). Vizepräsident von Kardorff war zugleich mit seinen Parteifreunden am Grabe Stresemanns erschienen. Außerdem sah man u. a. Kränze der preußischen, der hessischen und der pfälzischen Regierung. Zahlreiche Städte hat­ten ebenfalls Kränze geschickt. 3m Auswär­tigen A m t wurde eine von der Hand Pro­fessor Seegers geschaffene Büste Dr. Strese­manns enthüllt. Das durch Spenden der Aus­ländsdeutschen ermöglichte Bildwerk hat in un­mittelbarer Rähe des Arbeitszimmers des ver­storbenen Staatsmannes Aufstellung gefunden. Bei dem feierlichen Akt sprach Reichsminister Dr. Curtius Worte ehrenden Gedenkens.

Die Reichshauptstadt wird zwangsetatisiert.

Berlin, 2. Juli. (CNB. Eigene Meldung.) In der gestrigen Sitzung des Berliner Stadtparlaments wurde die Deckung des Etatsdefizits abgelehnt. Keine einzige Partei hat sich entschließen können, den neuen Steueroorschlägen des Magistrats ihre Zustimmung zu geben. Die Folge dieser Abstim- mung ist die Zwangsetatisierung der Reichshauptstadt durch den Oberpräsidenten der Mark Brandenburg. Bei den Beratungen kam I es zu wüsten Tumultszenen Schon wäh­rend der Debatte im Saal war es zu lebhaften - Auseinandersetzungen zwischen den K o m m u n i ° st e n und Nationalsozialisten gekommen. Als der nationalsozialistische Etatsredner Dr. Lip­pert den Saal verließ, folgten ihm 8 bis 10 kom­munistische Stadtverordnete. Diese fielen im Vor- raum des Beratungssaales über ihn her, warfen i h n z u B o d e n u n d f ch l u g e n a u f i h n ein. Stadtverordnete anderer Fraktionen und ein her­beigeeiltes Polizeiaufgebot machten der Schlägerei ein Ende.

Oer Einzug der Schutzpolizei in Mainz.

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Jubelnder Empfang der Schutzpolizei auf der Brücke zwischen Mainz und Kastel.

Abrechnung mit den Separatisten.

Kaiserslau tern. 1. Juli. (WSR.) Zu den gestern schon kurz gemeldeten Ausschreitun­gen gegen mehrere hiesige Einwohner, die früher der separatistischen Bewegung angehört hatten, erfahren wir noch: Unter Absingung von Liedern zogen ungefähr 300 Personen durch die Bahn­hofstraße zum Geschäftslokal der Bürstenfabrik Snob l o ch, wo sie sich vorerst damit begnügten, die Schaufenster zu zertrümmern. 3v der Rähe befindet sich die Firma R i n s ch e, deren Inhaber ebenfalls als Separatist bekannt war. Auch hier wurden die Fenster ein­geschlagen. die Ladeneinrichtung zertrümmert und hie Waren auf die Straße geworfen. In geschlossenem Zuge marschierte die Menge weiter zu dem Instru­mentenhaus Wallach, wo Musikinstrumente aller Art auf die Straße geworfen und die Rolläden abgerissen wurden. Dann zog die Menge wieder zu der Firma Knobloch zurück, wo sie in das Ladeninnere eindrang und auch hier Verwüstungen anrichtete, um schließlich in die Wohnung des Inhabers im 3. Stock einzu- dringen. Alles, was hier irgendwie zu entfernen war, wurde auf die Straße geworfen und d i e Wohnung dann in Brand gesteckt. Die Feuerwehr mußte ausrücken und konnte den noch im Entstehen begriffenen Brand bald löschen.

Die rheinischen Separatisten haben es sich ge­wiß nicht träumen lassen, daß es einem Teil von ihnen schließlich doch noch an den Kragen gehen würde. Sie hatten zu stark darauf vertraut, daß die deutschen Behörden ifmen nach dem Ab­zug ihrer Beschützer Hundertschaften vor die Türe stellen würden, um sie vor der Empörung der rheinischen Bevölkerung, die das Treiben der separatistischen Horden nicht vergessen hatte und auch nicht vergessen konnte, zu schützen. Was von feiten der Polizei geschehen ist, um in den geräumten Städten des Rheinlandes die Ord­nung aufrechtzuerhalten, bewegte sich im Rahmen des Möglichen, ileberall konnten sie natürlich nicht sein. Infolgedessen konnte sie auch nicht verhindern, daß hier und dort für manche der Volks- und Landesverräter das dicke Ende nach­kam. Verurteilt und gerichtet waren sie schon

lange, auch als die Franzosen noch auf deutschem Boden standen. Alles ging ihnen aus dem Wege, niemand wollte etwas mit ihnen zu tun haben. Soweit sie nicht seßhaft waren, aber böse Ücber- raschungen zu fürchten hatten, sind sie entweder über die Grenze gegangen, vielfach in der Frem­denlegion geendet oder aber im Laufe der Zeit spurlos verschwunden. Die seßhaften Separa­tisten aber haben jetzt einen tüchtigen Denkzettel erhalten und werden auch weiterhin, sobald der Rachedurst der Bevölkerung einigermaßen ge­löscht ist, das Dasein von Ausgestoßenen führen, um die jeder einen weiten Bogen schlägt.

Reichsreform

in Mitteldeutschland.

Nationalsozialistische Zusammen- schlutzpläne.

Berlin, l.Iuli. (Priv.°Tel.) Durch den Ein­tritt der Rationalsozialisten in die thüringische Regierung und durch den Wahlerfolg, den die Rationalsozialisten kürzlich in Sachsen erzielt ha­ben, sind neuerdings, vor allem in Thüringen, Gedanken über einen Zusammenschluß von Thüringen und Sachsen aufgetaucht. Bei den Rationalsozialisten erfährt der Plan eines solchen mitteldeutschen Staatenblocks noch einen gewissen Antrieb durch die beschleunigte Ent­wicklung, die die Frage der Reichsreform in der letzten Zeit genommen hat. Man denkt sich nämlich, daß ein Staat, der sich aus Thüringen und Sachsen zusammenseht, und einen gewissen Zusammenschluß Mitteldeutschlands bebeuten würde, kaum, wie es jetzt möglich erscheint, nach der Reichsreform zu einem Land zweiter Ordnung gemacht werden kann. Die Rationalsozialisten wollen alsc> zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, d. h. sie wollen ein­mal verhindern, daß Thüringen ein Land zweiter Ordnung wird, und sie wollen weiter sich eine starke und geschlossene Stellung in Mitteldeutsch­land schaffen. Der Gedanke des sächsisch-thürin- gischen Zusammenschlusses ist im übrigen nicht neu, mau hat verschiedentlich in politischen Krei­sen derartige Tendenzen beobachten können. Wie

weit die Rationalsozialisten in Thüringen Bet der etwaigen Durchführung solcher Zusammen­schlußpläne eine Llnterstnhung aus anderen Krei­sen und Parteien erwarten können, ist noch nicht zu übersehen.

Nationalsozialistische Kundgebungen.

Proteste gegen das Unisormverbot.

Berlin, 1. Juli. (WTB.) Die Nationalsozia- listischc Deutsche Arbeiterpartei Gau Berlin ver­anstaltete am Dienstagabend im Svortpalast eine .Kundgebung gegen die neuesten Unterdrückungs­methoden der nationalen Opposition", an der etwa 15 000 Personen teilnahmen. Es sprachen das Mit- glied des sächsischen Landtages Studentkowski, sowie die Reichstagsabgeordneten Wagner (Bochum), Göring und Dr. Goebbels über das Thema Verbot statt Brot". Die Nationalsozialisten waren infolge des Unisormverbotes in weißen Hem­den erschienen. Vor und während der Kundgebung wurden bis 11 Uhr nachts insgesamt 31 männliche und acht weibliche Personen wegen Tragens ver­botener Uniformstücke und Abzeichen festgenom - men und dem nächsten Polizeirevier zugeführt. Von den Sistierten wurden elf männliche, und sieben weibliche der Abteilung IA des Polizeipräsidiums übergeben.

In Kassel, hatten die Nationalsozialisten eine Versammlung in der Stadthalle einberufen, in der der thüringische Innenminister sowie die national­sozialistischen Abgeordneten des thüringischen Land­tags sprechen sollten. Da der Polizeipräsident diese Kundgebung und auch die geplante kommunistische Gegendemonstration verboten hatte, waren die Nationalsozialisten nicht erschienen. Vor der Stadt- Halle kam es zu Ansammlungen, so daß die Polizei zur Räumung des Platzes schreiten mußte. Der Führer der Kasseler Nationalsozialisten, Rechts­anwalt Dr. Freister, wurde wegen Landfriedens­bruch und ein Regierungssekretär wegen Aufreizung fe st genommen. Gegen 11 Uhr wurde von der Polizei eine nationalsozialistische Versammlung in der Rathausschenke aufgelöst. Die anwesenden Nationalsozialisten wurden in Polizeigewahrsam genommen. Insgesamt wurden 75 Personen von der Polizei zwangsgestellt.

Die Lage in -er Eisenindustrie Nordwest.

Essen, 1. Juli. Der ^Aufruf zur Rieder- I e g u n g der Arbeit in den gesamten Be­trieben der Eisenindustrie Nordwest aus Anlaß der Verbindlichkeitserklärung des Oeynhauser Schiedsspruchs zum Abbau der Akkord- löhne bei vorheriger Senkung der Eisenpreise ist nach Mitteilung der Werke nur in wenigen Orten in stärkerem Maße befolgt worden. Die Friedrich Krupp AG. in Essen teilt mit, daß sich der Schichtwechsel heute morgen im allgemeinen normal vollzogen habe. Lediglich in zwei Betrieben habe sich die Arbeitsauf­nahme verzögert. Im Duisburg-Hamborner Be­zirk ist die Arbeiterschaft restlos in den Betrie­ben erschienen. Von der rund 9000 Mann zäh­lenden Belegschaft der August-Thyssen-Hütte in Hamborn fehlt kein einziger Mann. Dagegen sind von der etwa 500 Mann betragenden Beleg­schaft der Rhein-Werft Walsum der Outen- Hoffnungshütte etwa zwei Drittel nicht zur Ar­beit erschienen. Die Arbeiter des Hasper Eisen­werkes in Hagen haben heute morgen die Arbeit nicht wieder ausgenommen. 2800 Personen sind den Betrieben ferngeblieben. Es wird über die Wiederaufnahme der Arbeit verhandelt. Im Düsseldorfer Bezirk ist es zu keinen Betriebsstö­rungen gekommen.

Gefährliche Wendung in Indien.

Der Präsident des Allindischen Kongresses zu Gefängnis verurteilt.

Allahabad, 1. Juli. Motilal Rehm, der Präsident des Vollzugsausschusses des All- indischen Kongresses, und Syed Mahmut, der Schriftführer des Vollzugsausschusses, tour­

Die Freuden des Gebirges.

Don Sling.

Das Gebirge ist in erster Linie ein großes Verkehrshindernis. In einigen leichter zugäng­lichen Teilen hat man es ja sogar O-Zügen ermöglicht, das Gebirge zu durchqueren. Wer selbst auf diesen Strecken ist kein rechtes Vor- wärtskommen. Die Dahn schlängelt sich durch Täler, klimmt an Bergwänden entlang, dreht sich durch Tunnels in die Höhe. Die Kilvmeter- geschtoindigkeit ist eine ungleich geringere als in der Ebene, und von der Luftlinie ist keine Rede mehr. In schwierigen Gegenden hilft man sich mit Zahnrad- und Drahtseilbahnen; andere Orte sind durch Post oder Autobus zu erreichen, und vielfach sind auch diese Einrichtungen nicht vorhanden. Dann müh man zu Fuß gehen. Gelehrte haben zwar ausgerechnet, in wieviel Hunderttausenden oder Millionen von Jahren die Alpen bis zum letzten Krümel von Wind und Wetter abgetragen sein Werdern Dann ist freie Bahn dem Tüchtigen. Aber so lange kann man doch nicht warten.

Es gibt Leute, die behaupten, noch vor hundert Jahren habe man von den Schrecknissen des Gebirges mehr gesprochen als von seinen Reizen - im Gegensatz zu unserer Zeit, wo man sich zwischen Felswänden, an jähen Whängen, auf den Gletschern und im Donner stürzende: Bäche restlos amüsiere. Ich weiß, daß es heute noch Leute gibt, die sich fürchten. Lieberhaupt: die Leute, die sich nicht fürchten, sind doch meistens solche, die von der Gefahr keine rechte Vor­stellung haben. So werden zum Beispiel gesetzte Männer von toagemutigen Frauen oder toll­kühnen Kindern zu Landpartien ermutigt, die sie, wenn es nach ihnen ginge, niemals unternehmen würden. Es ist zumeist die Eitelkeit, die den Menschen zwingt, über sich hinauszugehen.

Die Bewohner des Gebirges sind von Hause aus arme Leute von guten und schlichten Sitten. Ihre Mahlzeiten zeichnen sich durch Einfachheit aus. Merkwürdigerweise bringen sie denjenigen Menschen, die auch in der Ebene der Bescheiden­heit huldigen und auf ihren Wanderfahrten mit einem Büchsel Wurst und Käse fürliebneh- men, wenig Achtung entgegen. Dagegen erweisen

sie sich sehr zuvorkommend jener Gattung von Kulturmenschen, die einer ihnen völlig fremden Weltanschauung anhängen, jenen Leuten, die es mit dem Zauber ihrer Persönlichkeit erwirkten, daß Bauernwirtsstuben zu Bars, daß der Schuh­plattler sich in den Plattfüßler < deutsch: Jimmy) verwandelte. Leuten, die nicht das Taschentuch ziehen können, ohne daß einige zerknüllte Tau­sendmarkscheine heraussallen, und die auch in moralischer Beziehung nicht über jene einfache Selbstverständlichkeit verfügen, die den Gebirgler kennzeichnet. Gerade solchen Leuten also wird in den stillen Tälern von den Eingeborenen das liebevollste Entgegenkommen gezeigt und über sie erst geschimpft, wenn sie weg sind.

Für einen völlig Unbefangenen ist es oft sehr schwer, den ortsfremden Sommerfrischler vom Eingeborenen zu unterscheiden. Zumeist kennt man sie dadurch auseinander, daß der Gebirgler sich einer einfachen städtischen Tracht bedient. Die Sommerfrischler haben eine Art Rational­kostüm angelegt, das bei den Männern das Knie nackt läßt. Die Frauen trugen buntgeblümte Stoffe, die sehr prall anliegen und vielfach Aus­sichten eröffnen, die man nicht für möglich ge­halten hätte.

, Sehr schwer ist es mit dem Wetter im Ge­birge. Regnet es, so muß man notgedrungen zu Hause bleiben, was sehr langweilig ift Scheint die Sonne, so tritt ein moralischer Zwang ein, der mit Anstrengungen, Schweißverlust und Geld­ausgaben verbunden ist. Am bedenklichsten ist die Tatsache, daß Bergführer und andere Sach­verständige immer raten, eine Partie zu einer Tageszeit anzutreten, in der man sonst erst nach Hause zu kommen gewöhnt ist. Ein Aufbruch um sieben, ja um sechs LIhr früh ist nichts Er­staunliches. In diesen Fällen findet zuweilen schon um halb sechs ein allgemeines Gucken nach dem Himmel statt, um zu sehen, ob es nicht vielleicht doch ein bißchen regne.

2ln heißen und trockenen Tagen empfiehlt es sich, keine Ausflüge zu xnachen. Doch ist es gut, gerade wenn man im Dorfe bleibt, die schwersten der mit Nägeln beschlagenen Berg» schuhe anzuziehen. Auch für d>e Automobil­fahrten lege man sie stets an. Man frage auch mcht nach den Gründen; es ist so.

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In der Gebirgswelt kommt man auch den Tieren wieder näher, ja es ereignet sich, daß sie sich einem feindlich entgegenstellen; infolgedessen sind einige belehrende Worte angebracht. Grö­ßeren Herden von Rindvieh geht man am besten aus dem Wege. Man kann nie wissen, was so einem Ochsen oder einer Kuh einfällt. Richtet so ein Tier, was vorkommt, auf uns im Dor- übergehen einen fragenden Blick und dreht sich womöglich nach uns um so läßt man es sich am besten nicht merken; man erwidert auch nicht den Blick, was mißverstanden werden könnte. Sollten sich zum Beispiel beim Autofahren Hunde oder Hühner in den Weg steUen, so fährt man tunlichst über sie hinweg. Namentlich, wenn man selbst lenkt; jedes Ausweichen gefährdet das Leben der Insassen.

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Bären trifft man in den mitteleuropäischen Gebirgen nicht mehr. Wohl aber kann es ge­schehen, daß bei Aufsuchen höherer Regionen ein Gemsbock vorüberkommt. In einem solchen Fall verhält man sich ruhig und abwartend. Der Gemsbock greift nur selten ungereizt den Men­schen an. Was die weibliche Gemse betrifft, so lohnt es sich hier nicht, die etwa vorübergehende zu melken. Ihre Milch ist für den menschlichen Genuß kaum geeignet

Man hüte sich, Forellen, die man selbst ge­fangen hat, zu essen. Man weiß nie, toek^e Absichten so ein Tier damit verfolgt.

Schneebrillen kauft man am besten vor Antritt der Reise. Die in den Gebirgsorten feilgehaltenen sind meist zu dunkel. Es schneit ja relativ selten, und nur zu Hause bekommt man die leichtgefärb- ten Gläser, die man bei Regen aufsehen kann.

Dagegen kauft man Bergstöcke und Schneepickel am besten im Gebirge am Tage vor der Heim­kehr. Man wechselt doch zuweilen den Auf­enthaltsort, und es ist lästig, die schweren Stöcke immer mit sich herumschleppen zu müssen.

Boshaftes Schriftsteller-Turnier.

In Dänemark will man zugunsten der Schrift­steller die Einrichtung treffen, daß die Biblio­theken für jedes ausgeliehene Buch 5 Oere für den Verfasser einziehen. Das ist nicht viel, aber der Lesehunger bringt doch ziemliche Be­träge zusammen. Bisher hat man geglaubt, daß die dänische Verfasserin Thü Jensen, eine Ar au, die jich schon bei verschiedenen Gelegenhei­

ten als streitbar erwiesen hat, die Urheberin des 5-Oere°Obolus sei. Bis auf einmal der Schrift­steller Harald Tandrup auftrat und behaup­tete, die Idee stamme ursprünglich von ifjm.

Nicht faul, veröffentlicht nun Thit Jensen eine Kriegserklärung an Tandrup, in der es u. a. bissig heißt, wenn Tandrup so sehr die Vaterschaft der 5-Oere°Idee wünsche, so müsse er auch für die Zukunft alle damit verbundenen Karikaturen übernehmen. Es sei nicht genug, zu prahlen von einem Ding, sondern man müsse auch einen Kampf dafür aufnehmen können. Als sie seiner­zeit einen Vorstoß für die Idee gemacht und es ausgesehen habe, daß ein Gewinn zu erzielen sei, habe Tandrup laut gerufen: »Das ist von mir, das ist von mir! Aber als die Idee tzu Boden gesunken sei in dem »dänischen Grinsen", in dem jedes Ding versenkt werde, bevor es an­genommen würde, da sei Tandrup kleinlaut ge­worden und habe sich salviert. Lind jetzt, da ein Dritter (Peter Freuchen) wieder dafür eintrete, rufe Tandrup von neuem, das sei von ihm. »Ich schloß einmal, erklärt die scharfe Zunge,einen Offenen Bries an Sie mit einem freundlichen Gruß. Doch das mache ich nicht mehr, weil mir nicht scheint, daß Sie soviel wert sind. QHfo ohne freundlichen Gruß: Thit Ienfen.*

Der blotzgestellte Kollege in Apoll, der ver­spottete Tandrup, antwortete öffentlich daraus, es sei möglich, daß er nicht ein Held in dem Sinne von Frau Thit Jensen sei. Er sei reichlich unerfahren, da er nicht das reklamemähige Glück gehabt habe, das Lächeln in demselben Grade tote Thit Jensen herauszufordern. Aber die Frau müsse nicht versuchen, ihn zu kujonieren, indem sie verschweige, daß er als erster den vernünftigen Vorschlag eines Entgelts beim Buchausleihen gemacht habe und daß sie den Gedanken annek­tiert und ihn in den 5°Oere°Dorschlag umge­formt habe. Diese Idee sei dann auf Eis ge­legt worden, und Peter Freuchen habe sie neuer­dings wieder hervorgeholt.Das bemerke ich ganz mutlos," schließt Tandrup feine Epistel, denn es gibt kaum jemanden, der erwartet, daß ich einen wirklichen Strauß mit der Frau auf­nehme. Lim das fertig zu bringen, muß man nicht allein ein Held fein, fonbern ein Sankt Georg."

Sankt Georg ist bekanntlich der Drachentöter und man ist nun im Zweifel, wer die meisten Lacher auf seiner Seite hat: Frau Thtt Jensen oder Herr Harald Tandrup.