Ausgabe 
2.4.1930
 
Einzelbild herunterladen

allen Gebieten des öffentlichen Lebens werden tn kürzester Frist seitens der Reichsregierung den zuständigen Körperschaften unterbreitet werden. Diese Sparmaßnahmen sollen nicht von einem antisozialen Geist getragen sein. Sie haben ledig­lich den Zweck, ihrerseits zur Senkung der Steuern, zur Hebung der Produktivität der Wirt­schaft, zur Stärkung der Kreditwürdigkeit Deutsch­lands beizutragen. (Beifall.)

Sie sollen Raum schaffen für die Senkung der auf dem Handwerk und den, gesamten städtischen und ländlichen Mittelstand besonders schwer la­stenden Realsteuern. Die Regierung ist von ern­ster Sorge erfüllt über die Rotlage des gewerb­lichen Mittelstandes; sie wird alle Kräfte ein­sehen, dem Artikel 164 der Reichsverfossung entsprechend den gewerblichen Mittelstand in Landwirtschaft, handel und Gewerbe zu för­dern, vor Ueberlastung und Aussaugung zu schützen. Die Rotwendigkeit einer planmäßigen, auf Wirtschaftlichkeit und Ersparnisse gerichteten Vereinfachung auf allen Gebieten der öffent­lichen Verwaltung schafft die Garantie und die Voraussetzung für die IDeiterverfolgung der Sozialpolitik, die als eine staatliche Rolwendig- keit von der neuen Reichsregierung unbedingt anerkannt wird.

Finanzielle, soziale und wirtschaftliche Aufgaben müssen von einheitlichen Gesichtspunkten aus an­gefaßt werden. Gerade von diesem Standpunkt aus ist das Rettungswerk unserer in schwerstem Ringen um die Existenz kämpfenden Landwirtschaft vordringlich. Die Agrarkrise hat in besonders be­drohten Landesteilen den Charakter einer allgemei­nen Bolks- und Staatskrisis angenommen. Die Land- wirtschaft hat, wie jeder andere Stand, der unver­schuldet ins Elend und in Lebensgefahr geraten ist, das Recht auf d i e Hilfe des Staates. Stützung und Wiederbelebung der ländlichen Wirt­schaft ist das wirksamste Mittel zur Drosselung der Landflucht, zur Schaffung neuer Absatz- und Arbeitsmöglichkeiten für Gewerbe und Arbeiter­schaft. (Sehr richtig! im Zentrum.) Von hier aus muß der Druck auf den Arbeitsmarkt und die stän­dige' Bedrohung der Lebenshaltung des deutschen Volkes beseitigt werden. (Sehr wahr! im Zentrum) Deshalb ist die Regierung entschlossen, in Fortfüh­rung und Erweiterung der von dem bisherigen Reichsernährungsminister bis in die letzten Tage getroffenen Maßnahmen

ein umfassendes und durchgreifendes Hilfs­programm für die Landwirtschaft

schleunigst zu verwirklichen. Sie scheut dabei ange- sichte der ernsten Lage nicht vor außergewöhnlichen Mitteln zurück. Die Reichsregierung ist davon über­zeugt, daß nur auf diesem Wege der drohende Zu­sammenbruch der Landwirtschaft aufzuhalten, eine wesentliche Besserung der gegenwärtigen Krise und dadurch eine Wendung der Lage dieses Berufsstan­des herbeizuführen ift So wird auch den deutschen Bauern der Mut zu ständigem Schaffen aus eige­ner Kraft wieder erwachsen. Die Regierung hat ve- reite mit der Ausarbeitung der notwendigen Ge­setzesvorlagen begonnen. Diese Maßnahmen schaffen allein nicht die Gewähr, das deutsche Volks­tum in der Ostmark wieder fester mit seiner Heimat und seiner Scholle zu verbinden. Durch' greifende und umfassende Osthilfe, Zug um Zug mit dem allgemeinen Agrarprogramm, ist hier eine be­sondere Notwendigkeit. Festigung und Erhaltung der bestehenden wirtschaftlichen Betriebe schaffen erst die Möglichkeit einer zielbewußten Bauern- und Arbeitersiedlung. Zur Deckung dieser notwendig wer­denden Ausgaben wird die Reichsregierung, ohne den Steuerzahler neu zu belasten, eine besondere Vorlage unterbreiten. In Uebereinstimmung mit dem Herrn Reichspräsidenten hat sich die Reichs- kegierung ^u diesem Vorgehen entschlossen. Gesun- iving der östlichen Landwirtschaft ist die Grundlage nationaler und volkspolitischer Rettung des deutschen Ostens.

Die Reichsregierung wird an diesen Vorschlä­gen und an ihrer schnellsten Durchführung unter allen Umständen fefttjalten. Sie ist gewillt und in der Lage, alle ver­fassungsmäßigen Mittel hierfür ein- Zvsehen.

Das Werk des versöhnenden Ausgleichs zwischen den einzelnen Berufsständen unb Schichten der Bevölkerung verträgt keinen Verzug. Diesen Ge­danken muh auch der Reichstag in seiner Stel­lungnahme zur neuen Reichsregierung Rechnung tragen. Partecholitische Erwägungen müssen in dieser Stunde in den Hintergrund treten. Sach­liche Einstellung zu diesem Programm des Kabinetts allein sichert die Zukunft des deutschen Volkes. (Beifall und Händeklatschen bei den Regierungsparteien. Pfuirufe bei den Kommunisten.)

Präsident Löbe teilt mit, daß von den Abgg. Stoecker (Komm.) u. Gen. der Antrag einge­gangen ist: Die Reichsregierung besitzt nicht dos Vertrauen des Reichstags. Rächste Sitzung Mittwochvormittag 12 Ähr.

Echo der presse.

künftiger Eindruck der Regierungserklärung.

Berlin, 2.April. (ERB.) Die Regierungser­klärung des Kabinetts Brüning findet in der Ber­liner Presse im allgemeinen eine recht freundliche Aufnahme. Nur die Organe des rechten Flügels der Deutschnationalen Volkspartei sowie die sozial­demokratische und die kommunistische Presse verhal­ten sich ablehnend,

DieGermania" (Zentr.) erklärt u. a.: Der Wille zur Arbeit und Leistung unter allen Um­ständen war das Leitmotiv der Regierungserklärung. Es handelt sich um die Frage, ob fetzt endlich, wo es fast zu spät wird, die Arbeit an der finanziellen und wirtschaftlichen Gesundung des Reiches mit aller Kraft in Angriff genommen wird. Die Reichsregie­rung wird ihre Pflicht tun und in Erfüllung unauf­schiebbarer Notstandsaufgaben im Interesse des Volkes und Staates vor feinen Schwierigkeiten zu­rückweichen. DieD A Z." (Volkspartei) sagt: Gleich, wie die parlamentarische Entscheidung fällt, wenn das neue Kabinett an seinen guten Zielen festhält, wird es sich zum Nutzen des Landes durchsetzen.

DieVoss. Ztg." (Ullstein) stellt fest, daß bk Programmrebe Dr. Brünings keinen ungünstigen Eindruck gemacht hat. Sie biete nur geringe An­griffsflächen. Alles komme darauf art, wie bte Verheißungen in die Tat umgesetzt werden. DasB. T." (Wosse) spricht von einem Feld­zugsplan Brünings mit dem Ziel der Zerschla­gung der Partei Hugenbergs: Erhält Brüning bei der Abstimmung deutschnationalen Zuzug, der

Um das Schicksal des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft.

Darmstadt, 1. April. (WHP.) In einer ausgedehnten Sitzung befähle sich der Finanz- a u s s ch u h des Hessischen Landtags mit dem Haushalt des Ministeriums für Arbeit und Wirt­schaft. Der Haushalt, der 2 601 070 Mk. Ein­nahmen und 8 824 460 Mk. Ausgaben ousweist, benötigt also einen Zuschuh von 6 223 390 Mark. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft K o r e l l legte die unbedingte Rotwen- digkeit der A u f r e ch t e r h a l t u n g des Ministeriums dar.

Die V o l k s p a r t e i beantragte mit Rücksicht auf die Finanzlage des Landes das Ministerium aufzuheben und den Aufgabenbereich wieder dem Innenministerium zu übertragen. Lediglich die Dodenverbesserung und die Wasserversor­gung sollen dem Finanzministerium unterstellt werden. Das Badener Beispiel und die Auf­fassung des Reichssparkommissars, der ebenfalls die Aufhebung des Ministeriums verlange, beweise, dah eine Verminderung der Ministerien in Hessen wohl mög- l i ch sei. (Bekanntlich hat die Volkspartei auch die Aufhebung des Justizministe­riums beantragt.) Es handele sich hier nicht um einen Antrag, der gegen die Person des Ministers gerichtet sei, sondern um einen durch­aus sachlich begründeten Antrag. In verschie­dener Hinsicht bestünden heute Doppel st eilen in der Zentrale. Der Landound bean­tragte einen allgemeinen Stellenabbau in der Zentrale, wonach etwa 25 Prozent aller Stellen vom Ministerialdirektor bis zum Amtsgehilfen auf den Inhaber gesetzt werden sollen.

Minister K o r e 11 erklärte, dah die Begrün­dung, die Zahl der Ministerien in anderen deutschen Ländern rechtfertige eine Aufhebung des hessischen Arbeits- und Wirtschaftsministe­riums, fei nicht zutreffend. Württemberg besitze

fünf Ministerien und einen Minister ohne Porte­feuille, Baden vier Ministerien (drei Minister und einen Minister ohne Portefeuille), Thürin­gen, von derselben Gröhe wie Hessen, fünf Mi­nisterien (drei Minister und fünf Minister ohne Portefeuille), Braunschweig, halb so groß wie Hessen, sechs Ministerien (drei Minister), Olden­burg drei Ministerien (drei Minister), Meck­lenburg-Schwerin fünf Ministerien (drei Mi­nister), obwohl es nur halb so groh wie Hessen sei. Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft sei heute das Ministerium der Rot, nicht nur der finanziellen Rot sondern auch der Wohnungs- und Wirtschaftsnot. Als Barometer für die Rotlage braußen im Lande könne es gelten, dah dgs Ministerium im vergangenen Jahre 60 000 Einläufe hatte (das Ministerium des Innern mit der Gesundheitsabteilung zu­sammen 63 000) und 875 persönliche Gesuche er­ledigen muhte. Beim Stellenabbau sei vom Mi­nisterium bereits alles Mögliche durchgeführt. Insgesamt wurden 15 Akademikerstellen auf den Inhaber gesetzt, von Richtakademikern 17 bzw. 47. wenn der Vorschlag der Aufhebung des Landesgestüts angenommen wird. Der Antrag des Landbundes auf Stelleneinsparungen laufe in seinem Endziel auf die Aushebung des Mini­steriums hinaus.

Von sozialdemokratischer Seite wurde die Aufhebung des Ministeriums abgelehnt, da dadurch keine wesentlichen Einsparungen zu erzielen seien. Das Vermessungswesen könne dem Finanzministerium übertragen werden. Das letzte Wort über den Abbau in der Zentrale sei für die Sozialdemokratie noch nicht gesprochen!.

Auch das Zentrum wandte sich gegen den Antrag der Volkspartei, das Ministerium aufzu­heben. Zu den Einsparungen in der Zentrale werde auch die Zentrumsfraktion noch Stellung nehmen.

ihn vor dem Sturz sichert, so ist Hugenbergs Autorität gebrochen. Bleibt Hugenberg im Parla­ment erfolgreich, so unterliegt der Sieger bestimmt im Wahlkampf für den die deutschnationale Pa­role dann sehr schwer zu finden sein wird. Ob die Spaltung der Hu^enberg-Partei gelingt, wird sich vermutlich schon in diesen Tagen zeigen. Diesen Teil des Programms zu vereiteln, liegt nicht im republikanischen Interesse.

DieDeutsche Tageszeitung", das Blatt des Reichs andbundes, betont: Forderung der Stunde scheint für uns alle Verantwortungs­bewußten zu fein, dem neuen Kabinett, das in einem bisher noch nicht erlebten Maße getragen ift von der Autorität des Reichspräsidenten, die Gelegenheit zu geben, seinen Ankündigungen Taten folgen zu lassen. DerLokalang." (Hugenberg) drückt sich sehr vorsichtig aus: Dieses Kabinett so heterogener Elemente weih, dah es von der Zustimmung der Deutschnatio­nalen abhängt: also muhte der PunktLand­wirtschaft" groh aufgemacht werden. Was die Deutschnationalen davon halten, werden die Ab­stimmungen zeigen. DieDeutsche Z t g." (Al'deutscher Verband) schreibt: Die Kompromitz- erklärung Brünings hat die Minderheitsfront der Regierungsparteien weder nach links noch nach rechts verbreitern können. ImVor­wärts" (Soz.) heiht es: Diese Regierung, deren Erklärung in sozialer, wie in verfassungsrecht­licher Beziehung von gefährlicher Zweideutig­keit ist, kann unser Vertrauen nicht finden. Sie in der Llbstimmung des Reichstags oder draußen im Wahlkampf zu stürzen, wird unsere nächste Ausgabe sein.

Die Tarifpläne der Reichsbahn.

Erklärungen Generaldirek or Dorpmüllers

Berlin, 1. April. (Eigene Meldung.) In Düsseldorf machte der Generaldirektor der Reichs­bahn-Gesellschaft, Dr. Dorpmüller, bemer­kenswerte Ausführungen über die von der Reichs­bahn beantragte Tariferhöhung. Der zu deckende Bedarf von 134 Millionen Mark jähr­lich soll auf den Personen- und Güterverkehr ver­teilt werden. Da sich beim Personenver­kehr alle zuschlagpflichtigen Züge bezahlt machen, müssen die eigentlichen Personen­züge herangezogen werden, und zwar in erster Lime die Monats- und Arbeiter- Wochenkarten, die 43 Prozent des Ver­kehrs ausmachen, und die bei der letzten Tarif­erhöhung verschont worden sind. Es sei un­denkbar, daß dieser Massenverkehr, an den sich kein Auto wegen der Unrentabilität heranwaae, auf Kosten anderer Fahrgäste bezahlt werde. Auch nach der Erhöhung würden die Ein­nahmen aus diesem Verkehr hinter den Selb st ko st en der Reichsbahn zurück- bleiben, aber die Tarife im Personenverkehr müßten so niedrig wie möglich gehalten werden, weshalb der übrige Personen­verkehr, der bei der letzten Tariferhöhung bereits erfaßt worden ist, nicht weiter be­lastet werden solle. Die Gütertarife sol­len nicht prozentual gleichmäßig heraufgesetzt werden, sondern die Erhöhung soll nach Klas­sen abgestuft werden. Dabei sollen die Wa­genladungsklassen A und B, deren Güter dem Wettbewerb des Kraftwagens ganz besonders ausgesetzt sind, überhaupt geschont werdNi. Bei den übrigen Klassen sollen die Erhöhungen 2 bis 9 Prozent betragen. Für die Stückgut- t a r i f e ist eine Reuordnung vorgesehen, um die Frachtberechnung zu rationalisieren. Die Aus­nahmetarife sollen so behandelt werden wie die Rormalklassen, auf denen sie aufgebaut sind. Bei der Beurteilung der Tarifpolitik der Reichs­bahn dürfe man nicht vergessen, dah in allen Tarifen d i e Deförderungssteuer mit eingerechnet ist. Dorpmüller wies besonders auf den Einfluß des Kraftwagens für die Tarifgestaltung der Reichsbahn hin.

Wachsende Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten.

Reuhork, 4. April. (WT2.) Die Arbeits- läge in den Vereinigten Staaten von Rord- amerila schilderte Präsident Green von der Ame­rican Federation of Labour vor dem mit der Untersuchung der Arbeitslosigkeit beauftragten Senatsausschuh s e h r p e s s i m i st i s ch. Rach den Schätzungen Greens waren im Februar rund

3 700 000 Lohnempfänger arbeits­los: der Lohnverlust überstieg 400 Millionen Dollar. Green sagt, die Regierung müsse für die Arbeitslosen sorgen, sonst habe sie die Revo­lution auf dem Halse. Sie müsse entweder vermehrte Arbeitsgelegenheiten schassen oder größere Unterstützungen zahlen. Seit Oktober sei die Arbeitslosigkeit in­folge der schlechten Geschäftslage von 11 auf 22 Prozent gestiegen. Im Februar 1930 seien sogar etwa 25 Prozent arbeitslos gewesen. Green befürwortete den Vorschlag des Senators Wagner, eine Kommission zu schaffen, die den Plan studieren solle, langfristig öffent­liche Bauarbeiten in Angriff zu nehmen.

Englisch-französische Einigung auf der Flottenkonferenz?

London, 2. April. (DTR. Funkspruch.)Daily heralb" meldet: Bei den Erörterungen zwischen Henderson und B r i a n b ist eine Formet ge­funden worden, die geeignet zu sein scheint, Frank­reich die von ihm gewünschte Sicherheit zu geben und ihm zu ermöglichen, einem Fünf- Mächte - Pakt beizutreten. Es verlautet, dah 3 t a l i«en angesichts dieser neuen Lage bereit ist, das umstrittene Wort Parität aus den Erörte­rungen wegzulassen. Die Aussichten auf ein erfolgreiches Ergebnis der Londoner Flottenkonfe- renz sind jetzt viel besser. Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" dagegen äußerl lebhafte sie Besorgrtis über die Wendung der Dinge. Lr fürchtet, dah es Brianb unb Henderson gelungen fei, 2Hacbonalb für bie französische Auslegung bes Artikels 16 ber Aölkerbunbssahung zu gewinnen. Das würbe eine ernste Wenbung in der britischen Außenpolitik bedeuten. Der Artikel 16 handelt be- kannllich von der Skrasexekution des Völkerbundes gegen bundesbrüchige Staaten.

14'/r Millionen Pfund Fehlbetrag im englischen Haushalt.

London, 1. April. (Tel.-Un.) Das am 31. März abgelaufene englische Finanzjahr schließt mit einem Fehlbetrag von 14 523 263 Pfund Sterling ab. Die Gesamteinnahmen belaufen sich auf 814 970 280 Pfund, während die Ausgaben 829 493 543 Pfund Sterling betragen. Der kon­servative Schatzkanzler Churchill hatte vor einem Jahr für das nun abgelaufene Finanzjahr einen Ueberschuß von 4096000 Pfund angesetzt, bei einer ordentlichen Einnahme von 746 060 000 Pfund Sterling, während nun der sozialistische Kanzler Snowden gezwungen ist, einen Fehlbetrag von rund 14% Millionen Pfund Ster­ling (also 290 Millionen Mark) zu decken. Der Haushalt entspricht im wesentlichen den Berechnun­gen, nachdem seit langem kein Zweifel mehr dar­über bestand, daß Snowden im Hinblick auf sehr wesentliche Erhöhungen der sozialen Auf­wendungen mit einem beträchtlichen Fehlbetrag zu rechnen hatte.

Aus aller Wett.

Abreise ber beutschen Grönland-Expedition von Kopenhagen.

Die deutsche Grönlandexpedition unter der Lei­tung Prof. Wegeners reifte mit dem dänischen DampferDisko" ab. Die große Wenge, die sich am Quai versammelt hatte, bewies von neuem die Popularität, die Wegener und seine Kameraden in Dänemark, das die Forschungen auf seiner Kolonie Grönland tatkräftig unterstützt, genießen. Die Abreise erfolgte bei strahlendem Frühlings­wetter. Bekannte Polar- und Grönlandforscher, wie Peter Freuchen, Lauge, Koch, Einar Mikkel- sen und Gustav Holm, hatten sich xur Verabschie­dung der Expedition eingefunden. Auch die Reise- kameraden Professor Wegeners von der Däne­mark-Expedition 1906 waren anwesend. Es war nicht einfach gewesen, die Ausrüstung der Ex- Pension an Bord unterzubringen. Die beiden großen Propellerschlitten, die die Ex­pedition mitnimmt, mußten in Kisten im Zwischen­deck verstaut werden. Die 25 Pferde, die mit- geführt werden, wurden in engen Ständen, meist zu viert, eingepfercht. Die Expedition hat auch eine Anzahl empfindlicher Wissenschaf t-

licher Apparate sowie Dynamit, Benzin und andere Stoffe der Art auf die Reise mitgenom­men. Der DampferDisko" wird zunächst Reyk­javik anlaufen, wo noch drei Isländer sowie Pferde an Bord genommen werden sollen. Von Reykjavik wird der Dampfer auf den Hafen Um anal in Dänisch-Aordwest-Grönland Kurs nehmen. Dieser Hafen ist als Bestimmungs­ort für die Wegenersche Expedition gedacht.

250 Jahre Weibmannsche Buchhandlung.

In Berlin würbe bas 250jährige Bestehen ber Weibmannschen Buchhandlung durch eine eindrucks- volle Feier in den Räumen des Verlages festlich begangen. 1680 von Moritz Weidmann in Frank- f u r t a. M. gegründet, hat sich die Firma durch zwei Familien fortgeerbt. 1681 wurde das Geschäft nach Leipzig verlegt. 1822 ging es an die Fa­milie Reimer über. Seit 1854 ist der Sitz der Buchhandlung Berlin. Zu dem Namen, die mit der Geschichte des Verlages eng verbunden sind, ge­hören aus der klassischen ßiierafur u. a. Gellert, Lessing, Wieland, Lavater, Ernst Moritz Arndt an. Die spätere Zeit gab dem Unternehmen bewußt das Gepräge eines wissenschaftlichen Verlages. Hier sind zu nennen Namen wie Jakob und Wil­helm Grimm, Th. Mommsen, Wilamowitz-Moellen- borff unb Konrab Bürbach. Bei ber Feier über­brachte Geheimrat Thiersch die VllkMwünsche ber Göttingschen Gelehrten-Gesellschaft. Professor F r a e n f e l promovierte den Inhaber Hans Reimer zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Georg-Äugust-Universität Göttingen. Geheimrat von B o r s i g überreichte die Goldene Medaille ber Jnbustrie- und Handelskammer Berlin und viele Verbände und Vereine brachten ihre Glückwünsche bar. Im Namen ber Autoren, bie eine Marmor­büste von Georg Anbreas Reimer überreichten, sprach Exz. v. Wilamowih-Moellenborff.

Das zehnte Tobesopfer der Trichinose.

Am Dienstagabend ist der Inhaber bes Restau­rants ,^önigshof" in Stuttgart, Albert Seeger, an den Folgen ber Trichinose gestorben. Es ist bies ber zehnte Tobesfall, ber feine Ursache in bem Genuß bes trichinösen Bärenfleisches hak. In dem von Seeger geleitetenKönigshof" ist bas trichinöse Bärenfleisch verabreicht worben.

Lin englischer Schiffskapilan vermacht deutschen kriegsinvaliden 200 000 Mark.

Der kürzlich im Alter von 84 Jahren verstorbene Handelsschiffskapitän Otway Robinson hat in seinem Testament bestimmt, daß über 10 000 Pfund Sterling, b. h. ber größte Teil seines Vermögens, der deutschen Regierung zur Verfügung gestellt werde, die das Geld deutschen Kriegsinvaliden zugute kommen lassen soll.

Eine Schmugglerbande.

In Köln ist es der Polizei gelungen, einer Schmugglerbande auf die Spur zu kommen und mehrere ihrer Mitglieder zu verhaften. Am letz­ten Samstag fiel einem Polizisten ein be­trunkener Chauffeur auf, der mit seinem Wagen den Verkehr zum Stocken gebracht hatte. Bei der Llntersuchung des Wagens entdeckte die Polizei, dah das Auto offenbar zum Schmuggeln verwendet wurde. Die wei­teren Ermittlungen führten zur Entdeckung von zwei Lagern, die Tausende von belgi­schen Zigaretten enthielten. Es wurde weiter festgestellt, daß man es bei diesem Ziga­rettenschmuggel mit einer mehrköpfigen Bande zu tun hatte. Vier ihrer Mitglieder sind bereits verhaftet worden. Es handelt sich durchweg um schwer vorbestrafte Derussschmugg- l e r, die bei jeder Fahrt 100 070 Zigaretten über die Grenze gebracht hatten. Die überaus schlechte Ware ist von Mittelspersonen der Schmuggler abgeseht worden, und zwar fast ausschließlich an Arbeitsnachweisstellen. Doch ist das Schmug­gelgut auch in anderen Städten, z. B. in Frank­furt a. M., vertrieben worden.

Oie Wetterlage.

(onms

Sei

33

avi

rm

fordöy.

!$lo

O

Dienstau, d.1. April. 1930. 7" abds.

___

r< ° O ry ^Vlagent

'j'ßPariS O O ) L

' o Clermont

O

-------------Inj

OenhiÄ

Wien v(D O cj

©wontenlos o neue/. 3 naro oeaecKt.» wolkto. Gedeckt «Reoe^

* Schnee graupeln ® Nehel K Grwit'zr,(§)Wlnd5tllle.O' sehr leichte» O$i £ nassioe» Südsüdwest q stürmische« tordWesl Ole Piene Niesen mit dem winde. Die oei den Stationen stehenden Zah­len gehen die Temperatur an. Oie Limen verbinden Orte mn gleichem ml Meeresniveau umoerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Die Verschiebung der Luftdruckgegensätze schreitet nur langsam vorwärts. Hoher Druck lagert weiter im Südosten, und im Westen und Nordwesten tiefer Druck. An der Südseite des Tiefs greifen Bewöl­kung und Niederschläge auf das Festland vor. Unser Gebiet dürste davon gestreift werden, so daß mit zeitweiser stärkerer Bewölkung und einzelnen Nie­derschlägen zu rechnen ist. Die Temperaturen erfah­ren vorläufig noch keine wesentliche Aenderung.

Wettervoraussage für Donnerstag: Bewölkt mit Aufheiterung, vereinzelte Niederschläge, mild.

Witterungsaussichten für Freitag: Temperaturen noch wenig verändert, wolkig, auch dunstig unb aufheiternd, meist trocken.

Lufttemperaturen am 1. April: mittags 15,8 Grad Celsius, abends 9,5 Grad; am 2. April: morgens 7,2 Grad. Maximum 15,8 Grad, Minimum 3,2 Grad. Erdtemoeraturen in 10 cm Tiefe am 1. April: abends 12,4 Grad: am 2. April: morgen« 7,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer M Stunden«