Ausgabe 
1.9.1930
 
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Helene Chlodwigs Schuld und Sühne.

Roman von 3- Schneider-Foerstl.

Llrheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Er schielte nach dem Gabardinemantel und machte sein hochmütigstes Gesicht.

»Das ist für den Mamert Vödlinger", sagte sie. »Die Zigaretten und das Feuerzeug."

Er klappte das seine zusammen und lieh es wieder in die Rocktasche gleiten.

»Es ist Raucher", meinte sie boshaft.

Da griff er nach ihrer Hand und drückte sie derart, daß sie leise aufschrie. Plötzlich fiel ihm der Direktor ein, der sie zur Dahn begleitet hatte. Er wurde wieder zugeknöpft bis oben. Ms sie aufstand und ihren Koffer vom Gepäck­netz holte, war er ihr trotzdem behilflich. Er spähte nach einem Anhängefchild, aber es war keines zu entdecken.

Sie holte Dananen heraus und legte ein Buch neben sich hin, klappte die Schlösser herab und lieh ihn den Koffer wieder verstauen.

Fatal, wenn man so gut erzogen war! Er griff nach seiner Zeitung und prehte sich in die Ecke, um sie von der Seite betrachten zu können. Sie schalte mit ihren weihen Fingern die Frucht bis zu einem Drittel und reichte sie ihm hin­über. »Für das Opfer Ihrer Zigarette."

. Das Dlatt aus den Fingern zu Doden gleiten lassend, erhob er sich: »Just Franke."

Sie nickte nur. Mso auch das versagte. Frauen taten sich leicht im Leben. Für sie gab es immer und immer wieder ein Ausnahmegesetz. Wenn eS ihnen nicht Pahte, ihren Ramen zu nennen, schwiegen sie einfach.

Die untergehende Sonne warf eine lodernde Drandfackel durch das Fenster. Ec wollte die Vorhänge etwas vorschieben, aber ,sie wehrte dankend: »Später vielleicht, Herr Franke, jetzt habe ich es noch ganz gerne, soviel Sonne in den Schoß geschüttet zu bekommen. Man sitzt wie­der lange genug im Dunkeln."

Dann lasen sie. Er suchte vergeblich den Titel ihres Duches zu entziffern. Ihre schlanken Finger, die sich in ihrer Lage kaum veränderten, ver­deckten ihn zu dreivierteln.

Lieber einen interessanten Reuerfolg auf dem Gebiete der Krebsbehandlung vergab er eine Weile nach ihr hinzusehen. Ms er es wieder tat, war sie eingeschlafen.

Merkwürdig, daß ihn heute alles so in Harnisch brachte. Jetzt ärgerte er sich auch darüber, dah fte schlief. Er beugte sich etwas vor und stu­

dierte ihr Gesicht, fand, dah die Augenbrauen in unerhörter Schöne gezeichnet waren, dafür aber verriet das Kinn etwas wie Trotz. An Mund und Rase war nichts auszusehen und die Hände waren Meistergebilde.

Vielleicht erwachte sie nicht, wenn Gr sah eine Weile starr auf ihre geschlossenen Lider, bog sich langsam herab und drückte seine Lippen auf ihre Finger. Dlödsinnig war das! Wie ein Dieb sich etwas zu stehlen, was er hundertmal auf legalem Wege haben konnte.

Aber möglicherweise lag gerade darin der Reiz. Im Grunde genommen interessierte er sich wenig für Frauen. Er hatte in seiner Praxis übergenug mit ihnen zu tun. Das stumpfte ab und machte kühl und überlegen.

Bestrebt, kein Geräusch zu verursachen, zog er jetzt doch den Vorhang über die Scheiben. Ihr Gesicht lag nun völüg beschattet. Ganz kindhaft wirkte es nun und unberührt rein. Llndenkbar, daß schon Stürme über sie hinweggegangen wa­ren! »Die eine hat einen Mann ich die Dless'n mit dem bösen Wehdam am Fuh. Wenn sie sonst nichts hatte? Was aber war es mit dem Direktor?"

So oft eine Station ausgerufen wurde, erschrak er. Aber immer toieter ging der Schritt an seinem Abteil vorbei. Ihm war, als mühte er einen Schah behüten, auf den nur er allein ein Anrecht hatte. An ihren tiefen Atemzügen merkte er, dah sie so fest schlief, dah er es wagen konnte, im Buch nach ihrem Ramen zu suchen.

Er fand ihn nicht. Lediglich ein Merkstreifen fiel heraus, den er sorglia- wieder zwischen die Blätter steckte. Gr sah nach der LIHr und ge­wahrte zu seinem Schrecken, dah er in einer halben Stunde am Ziele war. Ich fahre weiter, beschloß er. Kam denn kein Kontrolleur, die Fahrkarten abzuverlangen? Sonst waren sie ge­wöhnlich übereifrig in ihrem Tun, heute lieh sich keiner blicken. Er drückte den Kopf in die Ecke und schloß die Augen.

Meinetwegen geht es bis ans Ende der Welt, dachte er trotzig, ich muß wissen, wohin sie fährt. Das Schaukeln der Räder schläferte nun wirklich ein. Er würde nachbezahlen es war ja gleich wo er auSstieg. Gin Racht- quartier gab es überall.

»Ihre Karte, mein Herr!"

Franke fuhr auf, tastete nach seiner Drust- tascke, fand nicht gleich und suchte im Rock. Ge­duldig wartete der Kontrolleur, bis er sie zwi­schen Llhr und Taschenspiegel entdeckt hatte. »Die Dame die mir gegenübersaß?"

»Ich weiß von keiner Dame, mein Herr."

»Aber Sie müssen doch die Fahrkarten abver­langen?"

»DaS tue ich eben", kam eS zurückhaltend. »3m übrigen ist durch die Kontrolle an der Sperre schon ein gewisses Maß von Sicherheit gegeben

Sie müssen nachbezahlen. Wie weit wünschen Sie noch zu fahren?"

»Wo sind wir jetzt?"

Als der Beamte den Ramen der Station nannte, starrte ihn Franke entgeistert an. Da hatte er also über zwei Stunden geschlafen.

An der nächsten Haltestelle verlieh er den Wagen und schalt sich einen Esel.

* *

Man schrieb zwar Ende Juni, aber im Gebirge trottete die Vegetation immer ein bihchen hinter der Ebene darein. Wie eine Kalb'n, die einen wehen Hax hat. Die Kalb'n hätte Franke zu keiner ungünstigeren Zeit einfallen können.

Er stapfte über die rosafarbige, blaublühende und gelbslimmernde Almwiese und sah in dem Dreiklang der Farben ihr Bild. Die grohen ver­wunderten Himmelsaugen, das feine Rot ihrer Wangen, das blonde Geflimmer ihres Ribe- lungenhaares.

Der Wald, welcher die Berge wie ein dunkler Latz an ihrem unteren Ende verbrämte, stand ernst und feierlich und lieh ab und zu durch eine Lichtung hellgrünes Gewässer aufschillern. Feine Rebel zogen in abgerissenen Fetzen durch die Schluchten und krochen langsam Wände und Kamine hinauf, um über die Gipfel hin zu ver- flattern.

Er überquerte eine kleine, holzgezimmerte Drücke und ging den Derghang hinauf. Steil­wandig hing er über der Talsohle.

»Vorsicht! Lawinengefahr!"

Er sah nach der Tafel am Wegrand, dann nach der Hohe und fühlte einen Schuh dunklen Vintes in den Wangen brennen. Das Eckchen Schnee, das sich da oben wie Silber in der Spätnachmittagssonne spiegelte, tat ihm nichts mehr. Aber dos andere die Lawine, an die er am wenigsten gedacht und für am ungefährlichsten gehalten hatte, die hatte ihn mitgerissen und jeglichen Halles beraubt.

Dom Sonnwendjoch nach dem Guffert, vom Guffert nach dem Schinder, vom Schinder nach dem Bärenkopf hatte es ihn getrieben. Heute lag er in der Hütte und morgen in einer anderen. So oft er eine Herde sah, die zur Alm getrieben wurde, suchte er nach einer Kalb'n, die einen bösen Fuß hatte. Es war nie eine darunter.

»Mamert Döblinger", das war der einzige Anhaltspunkt, der ihm zur Verfügung stand und das war herzlich wenig.

»Heißen Sie Bödlinger?" Dreidutzendmal hatte er das schon gefragt, wenn er einem Senn be­gegnete oder in einem der Hofe um eine Schüssel Milch zu bitten kam.

Und dreidutzendmal hatte er ein »Rein" be­kommen. Riem and hieß so. Gv muhte nactPerade aufhörcn zu fragen. Sonst machte er sich lächerlich.

Turnen, Sport und Spiel.

Iungmann-vierer.

I

Hermann-Happel-Gedächtnispreis. Erstes

Vorrennen: 1. Gießener Rudergesellsch. 1877: 6,23-; 2. Rudergesellschaft Wiesbaden-Biebrich 1888/1900: 6:23,2; Rudersport Gießen 1913 auf­gegeben bei 1500 Meter. Gießener Rudergesell-

Herbst-AeMa des Lahn-Aegaila-Verbandes

Veranstaltet vom Verein Rudersport Gießen 1913

schäft 1877 gewinnt mit 1 Meter Vorsprung. Zweites Vorrennen: Ruderclub Saar 1885 Saarbrücken: Marburger Ruderverein 1911. Wegen Kollision wird bei 1000 Meter neu ge­startet, dann gibt Marburg auf. Drittes Vorrennen: 1. Weilburger Ruderverein 1905: 6:28,2; 2. Frankfurter Rudergesellschaft Sachsen­hausen 1879: 6,35. Hauptrennen: Ru­derclub Saar 1885 Saarbrücken 7,53; Weilburger Ruderverein 1905 vom Schiedsrichter wegen Verlassens der Fahrbahn ausgeschlossen; Gieße­ner Rudergesellschaft 1877 (Wilhelm Knobeloch, Adolf Möhl, Willi Schneider, Georg Hart­mann, St.: Heinz Loh) bei 500 Meter unter Protest gegen Saarbrücken aufgegeben.

herbst-Achler.

Georg-Appel-Gedächtnispreis. 1. Rudervercin Rüsselsheim: 6,41; 2. Gießener Rudergesellschaft 1877 (Arnulf Kuschte, Hans Rübsamen, Lothar Stein, Fritz Goetz, Heinrich Meister, Fred- wald, H. Heinrich Reuroth, William Fehn, St.: Heinz Loh): 7,02. Rüsselsheim siegt überlegen mit 3 Längen Vorsprung.

Schüler-Vierer.

Gigboot, Ehrenplakette (1000 Meter): 1. Marbur­ger Ruderoerein 1911 4,31; 2. Limburger Ruderver­ein 1895 4,35; 3. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (Erhard Waag, Arnold Bernhammer, Ernst Blum- schein, Erich Weidig, Steuer: Heinz Loh) 4,45. Mar- bürg gewinnt nach scharfem Endkampf mit einer halben Länge voraus. Die Gießener Mannschaft war durch Umbesetzung in letzter Stunde geschwächt worden.

Vom herrlichen Sommerwetter begünstigt, fand gestern auf der Lahn die vom Verein Rudersport Gießen 1913 veranstaltete Herb st-Regatta des Lahn-Regatta-Verbandes statt. Den Besuchern wurde schöner Sport geboten. Die Gie­ßener Ruderer kamen dabei durch vier Siege der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 und einen Sieg des Vereins Rudersport Gießen 1913 gut zur Gel­tung. Bemerkenswert ist, daß Fritz S ch a n d u a von der Mainz-Kasteler Ruder-Gesellschaft 1880 durch biß, Erfolge seiner Mannschaft im Staatsprä- sidenten-Dierer und im Großen Achter seinen 100. Rudersieg verbuchen konnte. Start: Äm Felsen. Ziel: etwas unterhalb vom Bootshaus des Vereins Rudersport. Bahnlänge etwa 1800 Meter, beim Schüler-Vierer etwa 1000 Meter. Die Kapelle Weller wartete auf dem Regattaplatz mit eifriger Unterhaltungsmusik auf. Der Verein Rudersport kann die wohlgelungene Veranstaltung als einen schönen Erfolg verbuchen.

Oie Ergebnisse der Rennen.

Iungmann-vierer.

Ehrenpreis: Limburger Ruderclub 1907. Braucht nicht zu rudern, da der einzige Konkurrent (Ruder­verein Bad Ems) feine Meldung zurückgezogen hat.

Lahn-Achter.

Ehrenpreis: 1. Verein Rudersport Gießen (Hugo Haller, Walter Beck, Alfred Krug, Otto Keller, Karl Dietrich, Ernst Heck, Erwin Müller, Ludwig Plank, Steuer: Heinrich Mühlich) 5:53,2; 2. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (Walter Heußel, Heinz Hoch- stätter, Wilhelm Knobeloch, Adolf Möhl, Willi Schneider, Wilhelm Köhler, Werner Flimm, Georg Hartmann, Steuer: Heinz Loh) 5:55,4. Bei 300 Meter liegt Rudersport mit knapper Länge voraus. Rach scharfem Endkampf gewinnt Rudersport das Rennen mit einer Länge Vorsprung.

Jungmann-Einer.

Ehrenpreis: 1. Lauf: 1. Gießener Ruder-Gesell­schaft 1877 (Friedel Joedt) 7.08; 2. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (Hanns Becher) 7,11; 3. Weilburger Ruderoerein 1905 (Jakob Dörhöfer) 7:29,2. Joedt führt bei 300 Meter mit zwei Längen vor dem sehr gut veranlagten Becher und gewinnt mit drei Längen Vorsprung. 2. Lauf: 1. Ruder­club Saar 1885 Saarbrücken (Herbert Hoff) 7:05,4; 2. Wetzlarer Ruderclub 1880 (Heino Vogel v. Fal­kenstein) 7,21. Hoff führt vom Start weg, ver­größert seinen Vorsprung bis ins Ziel auf eine ganze Anzahl Längen und gewinnt haushoch über­legen.

Anfänger-Vierer.

Ehrenpreis. 1. Limburger Ruderclub 1907: 6:40,2; 2. Ruderverein Rüsselsheim: 7:08,4; 3. Fran^rrter Rudergesellschaft Sachsenhausen 1879. Der Sieger liegt mit 3 Längen voraus.

Slaalspräsidenten-Vierer.

Herausforderungspreis, gestiftet vom Hessischen Staatspräsidenten. Mainz-Kasteler Rudergesell­schaft 1880 geht allein über die Dahn, da der andere Bewerber, Gießener Rudergesellschaft 1877, seine Meldung zurückgezogen hat.

Erster Lahn-Vierer.

Herausforderungspreis, gestiftet von den Alten Herren des Vereins Rudersport: Gießener Ruder- Gesellschaft 1877 (Wilh. Knobeloch, Adolf Möhl, Willi Schneider, Georg Hartmann, Steuer: Heinz Loh) 7.41. Verein Rudersport Gießen 1913 gibt wegen Riemenbruches kurz nach dem Start auf.

Iungmann-Achter.

Herausforderungspreis, gestiftet vom Verein Ufer- kritik 1922 Gießen: 1. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (Arnulf Kuschte, Hans Rübsamen, Lothar Stein, Fritz Goetz, Heinrich Meister, Fred Oßwald, H. Heinrich Reuroth, William Fehn, Steuer: Heinz Loh) 6,04; 2. Frankfurter Ruder-Gesellschaft Sach­senhausen 1879 6,16. Der Gießener Achter, der mit großem Schwung gefahren wird, siegt überlegen mit drei Längen voraus.

Iunior-vierer.

Ehrenpreis, gestiftet von Se. Magnifizenz dem Rektor der Landesuniversität: 1. Gießener Ruder- Gesellschaft 1877 (Wilh. Heußel, Heinz Hochstätter, Werner Flimm, Wilh. Köhler, Steuer: Heinz Loh) 6,26; 2. Ruderclub Saar 1885 Saarbrücken 6,30. Verein Rudersport Gießen 1913 aufgegeben. Gie­ßener Ruder-Gesellschaft gewinnt nach scharfem Kampf auf der Strecke überlegen mit 3 Längen Dor- sprung.

herbst-vierer.

Ehrenpreis: Erster Lauf: 1. Ruderoerein Rüsselsheim 6,15; 2. Binger Rudergesellschaft 6:32,2. Bei 100 Meter führt Rüsselsheim mit knapper Länge voraus, es vergrößert sodann seinen Vor­sprung immer mehr und gewinnt haushoch mit fünf Längen voraus. Zweiter Lauf: 1. Ruderverein Rüsselsheim 6,26; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 6:52,8. Rüsselsheim gewinnt überlegen.

Lahn-Einer.

Ehrenpreis, gestiftet vom Lahn-Regatta-Verband. 1. Limburger Ruderverein 1895 (Paul Brühl): 7:06; 2. Wetzlarer Ruderclub 1880 (Heino Vogel o. Falken­stein): 7:27,2. Brühl führt bei 1000 Meter mit zwei Längen voraus und gewinnt haushoch.

Lahn-Iungmann-Vierer.

Herausforderungspreis, gestiftet von einem Freunde der Rudersache. Erstes Vorrennen: 1. Marburger Ruderverein 1911: 6:38; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 (Karl Franz, Heinrich Ka­rell, Arthur Heinz, Heinrich Seipp, St.: Heinrich Mühlich) 6:48,2. Zweites Vorrennen:!. Weil­burger Ruderverein 1905 6:20; 2. Gießener Ruder- Gesellschaft 1877 (Wilhelm Knobeloch, Adolf Möhl, Willi Schneider, Georg Hartmann, St.: Heinz Loh)

6:20,2. Hauptrennen: 1. Weilburger Ruder« verein 1905 6:40. Marburger Ruderverein 1911 auf- gegeben.

Ermunterungs-Vierer.

Ehrenpreis: 1. Marburger Ruderverein 1911 6:35; 2. Ruderclub Saar 1885 Saarbrücken 6:51,4. Mar­burg liegt bei 1000 Meter zwei Längen vor, bringt noch einige dazu und gewinnt ganz überlegen.

Großer Achter.

Wanderpreis, gestiftet von einem Mitgliede des Vereins Rudersport. 1. Mainz-Kasteler Ruder-Gesell- schäft 1880 5:47; 2. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 5:56,2. Mainz-Kastel führt vorn Start ab, liegt bei 1000 Meter eine Länge vor und gewinnt mit zwei Längen voraus.

Deutscher Sieg nach zwei Fronten

Frankreich und die Schweiz in der Leichtathletik geschlagen.

In Hannover und in Freiburg feierte die deutsche Leichtathletik am gestrigen Sonntag in den traduionllen Länderkämpfen gegen Frankreich und die Schweiz wieder einen doppelten Sieg. Hatte man den Sieg gegen die Schweizer bereits klar vor- ausaesehen, so fiel er angesichts der immerhin zweit­klassigen deutschen Vertretung überraschend hoch aus. Der mit Hangen und Bangen erwartete Kampf gegen Frankreich wurde noch überlegener als im Vor­jahre gewonnen. Die deutsche Saison wurde also in einer machtvollen und eindrucksvollen Kundgebung beendet.

Neben dem sportlichen Ausgang war dem Län­derkampf gegen die Franzosen in H a n n o v e r mit 20 000 Zuschauern ein unerwarteter Publikums­erfolg zuteil geworden. Die deutschen Vertreter ge­wannen zehn von den fünfzehn Wettbewerben, und nur fünfmal waren die Franzosen erfolgreich.

Noch erfreulicher als der Sieg überhaupt ist bei dem Länderkampf gegen die Schweizer in Frei- bürg die Tatsache, daß die Teilnehmer der deut­schen8-Mannschaft" ausgezeichnete Leistungen boten und teilweise Höchstleistungen erzielten. Man braucht hier nur den Stabhochsprung von Reeg mit 3,90 und den Speerwurf von Barth mit 61,43 Meter zu erwähnen. Die Schweizer spielten eine geringere Rolle, als man erwartet hatte. Ihr einziger Sieg war irregulär, da im Hürdenlaufen die Deutschen distanziert wurden. Im übrigen blie­ben die Schweizer außer dem Diskuswerfen und Hochsprung unplaciert.

Die Ergebnisse gegen Frankreich:

(D --- Deutschland F ---- Frankreich.)

100 Meter: 1. Jonath-D. 10,7 Sek. 2. Körnig-D. 10,7 Sek.; Handbreite zur. 3. Au­vergne-F. 10,9 Sek. 4. Mourlon-F. 10,9 Sek.

200 Meter: 1. Gillmeister-D. 22 Sek. 2. Dorchmeher-D. 22,1 Sek. 3. Auvergne-F. 22,3 Sekunden. 4. Deigbeder-F. 22,5 Sek.

400 Meter: 1. Engelhardt-D. 49,4 Sek. 2. Moulines-F. 49,6 Sek. 3. Kisters-D. 49,6 Sekunden. 4. Dickelh-F. 49,9 Sek.

800 Meter: 1. Danz-D. 1:53,3 Min. 2. Sera Martin-F. 1:53,7 Sek. 3. Keller-F. 1:53,9 Min. 4. F. Müller-D. 1:55,1 Min.

150 0 Meter: 1. Ladoumögue-F. 3:54,6 M. 2. Leduc-F. 4:01,1 Min. 3. Wichmann-D. 4:01,3 Minuten. 4. Krause-D. ohne Zeit.

5000 Meter: 1. Boitard-F. 15:01,2 Min. 2. Petri-D. 15:01,5 Min. 3. Coiqnet-F. 15:48,7 Minuten. 4. Helber°D. 16:18,3 Min.

110 Meter Hürden: 1. Welscher-D. 15,6

Sekunden. 2. Trohbach-D. 15,7 Sek. 3. Robert-F.

16 Sek. 4. Adelheim-F. 16,1 Sek.

4xl00-Meter: 1. Deutschland 41,4 Sek. (Jonath, Dorchmeher, Gillmeister, Körnig). 2. Frankreich 41,7 Sek. (Finat, Auvergne, Deig- beder, Mourlon).

4x400-Meter: 1. Deutschland 3:17,8Min. (Schmidt, Kisters, Danz, Engelhardt). 2. Frank­reich 3:19,7 Min. (Moulines, Dickely, Martin, Feger).

Weitsprung: 1. Köchermann-D. 7,37 Met.

2. Mölle-D. 7,18 Met. 3. Barlier-D. 6,81 Met.

4. Heim-F. 6,59 Meter.

Hochsprung: Menard-F. 1,91 Meter.

2. Phillipon-F. 1,88 Met. 3. Ladewig-D. 1,86 Meter. 4. Rosendahl-D. 1,84 Meter.

Stabhochsprung: 1. Ramadier-F. 4 Me­ter (Franz. Rekord). 2. Weg«ner-D. 3,90 Met. 3. Dintouskfh-F. 3,80 Met. 4. Stechemesser-D. 3,70 Meter.

Kugelstoßen: 1. Llebler-D. 14,90 Meter.

2. Sievert-D. 14,69 Met. 3. Rsel-F. 14,62 Met.

4. Winter-F. 13,62 Meter.

Diskuswerfen: 1. Winter-F. 47,92 Met. 2. Roel-F. 46,01 Met. 3. Hoffmeister-D. 45,81 Meter. 4. Paulus-D. 44JJ1 Meter.

Speerwerfen: 1. Mäser-D. 65,06 Meter.

2. Weimann-D. 58,56 Met. 3. Gähner-F. 56,60 Meter. 4. Roel-F. 54,20 Meter.

Ges amtergebnis: 84,67 Punkte für Deutschland.

DieErgebniffe gegendieSchweiz:

(D ---- Deutschland; Sch Schweiz.)

100 Meter: 1. Geerling (D) 10,9; 2. El- dracher (D) 10,9 (Brustbveite zurück); 3. Goy (Sch) 11,0; 4. Bogel (Sch) 11,2 Sek.

200 Meter. 1. Geerling (D) 22,0; 2. El- dracher (D) 22,2; 3. Bogel (Sch) 23,4; 4. Sauter (Sch) 23,6 Sek.

4 00 Meter: 1. Röller (D) 50; 2. Single (D) 50,1; 3. Dr. Strebi (Sch) 50,1 (knapp zurück); 4. Goldfarb (Sch) 50,3 Sek.

8 00 Meter: 1. Lefebre (D) 1:57,8; 2. Paal (D) 1:58,6; 3. Schwebel (Sch) 2:00,8; 4. Zaugg (Sch) 2:01,8 Min.

1500 Meter: 1. Reu (D) 4:06,8; 2. Schilgen (D) 4:08,7; 3. Oschwald (Sch) 4:12; 4. Äydegger (Sch) 4:15,2.

5000 Meter: 1. Schaumburg (D) 15:30,4;

2. Holthuis (D) 15:30,7; 3. Cardinaux (Sch) 16:19,6; 4. Wehrli (Sch) 16:21,8.

110 Meter Hürden: 1. Stäuber (Sch)

Aber wenn er dann dem nächsten Holzknecht begegnete, Hub das Aushorchen von neuem an.

In Dalepp hatte die junge, gescheite Frau Försterin den Kopf geschüttelt. »Herr Doktor, hat's Ihnen die Blüh' verhagelt?"

»Ein bisserl", gestand er. »Kennen Sie jemand, der Bödlinger heißt?"

»Bödlinger? Ja!"

Da war er aufgesprungen und hatte sie um die Hüften gefaßt. »Wo?"

»Lass'ns Ihnen Zeit, Herr Doktor." Sie stützte die Füße gegen die roten Pflästerchen des Hausvorsprunges und dachte nach. »Dor einem Jahr habe ich eine Dirn gehabt so eine »Drittelsdirn" nur, die hat so geheißen »Amalie Bödlinger". Sie war aus dem Tirolischen her­über, aus der Jenbacher Gegend."

»Wo sie jetzt ist, wissen Sie nicht?"

Rein! Sie wird wohl wieder hinüber sein zu den Ihrigen."

Am nächsten Tag war Franke auf der Wan­derschaft nach dem Achensee.

Eine Woche später kam er zurück: Derstaubt, verärgert, im Gewicht heruntergekommen, un­rasiert und mit verschlamptem Gewand. Dem Förster auf Dalepp fiel es nicht weiter auf. nur die Frau Försterin hatte Augen.

Sie sagte aber nichts, stellte ihm einen Duschen Latschenzweige aufs Zimmer, richtete ihm ein Bad kochte ein Essen für drei und bestellte den Dorfbader zum Haar- und Dartscheren.

Während er hemdärmelig sah und die Speisen mit einem wahren Heißhunger hinunterschlang, besserte sie die Risse in seiner Joppe aus.Die Fahrt ist wohl umsonst gewesen, Herr Doktor?"

.Völlig!"

Er sah den Blick, der an ihm haftete und gab sich einen Anlauf. Als er heraußen war, schämte er sich.Wenn man von einer Frau so gar nichts weiß so gar nichts, Frau Gumpert, als daß sie eine Kalb'n mit einem bösen Hax' und einen Derwalter hat, der »Död­linger" heiht"

... so ist das herzlich wenig und schwer danach zu suchen", stimmte sie bei. Aber sie lachte nicht. So ein Vertrauen, das wollte behütet sein. »Ob sie verheiratet ist?"

Das Weitz ich auch nicht", unterbrach er sie etwas erschrocken. »Gar nichts weiß ich, so ein Rarr, der ich bin! ES geschieht mir gerade recht, was muhte ich schlafen!"

Am Rachmittag ging er auf die Brecher- spitze. kam in einen schrecklichen Gewittersturm und langte erst spät abends vollständig er­schöpft und durchnäßt auf der Dalepp an.

(Fortsetzung feTgt).