Ausgabe 
1.7.1930
 
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Line Kundgebung der Hessischen Regierung

An das hessische Volk! Die Hessische Staatsregierung entbietet am Tage der Gesamt­räumung der besetzten Gebiete Gruß und Glück­wunsch den deutschen Männern und Frauen am Rhein. Auf sich s e l b st gestellt, hat in vorbildlicher Einigkeit das deutsche Volk am Rhein, geführt von zielbewuhten, mutigen Män­nern, den Kampf bestanden: einen Kampf, bei dem es nicht allein um das Schicksal der deut­schen Westgebiete, sondern letzten Endes u m die Einheit und Zukunft des deut­schen Reiches ging.

Das Land Hessen begrüßt die Stunde der Befreiung mit besonderer Freude und Genug­tuung. Letzt, da die Hemmnisse der Ordonan­zen, die Lasten der Beschlagnahmungen und Der schwere seelische Druck der Hnfreiheit von unserem Besehungsgebiet genommen wurde, kann der Wiederaufbau mit frischen und freien Kräften in Angriff genom­men werden. Trotz der schweren wirtschaftlichen Rot der Gegenwart muh es gelingen, die tie­fen Wunden zu heilen, die die Desahungszeit ge­

schlagen hat. Wir bauen dabei auf die unge­brochene, im Kampf um den Rhein bewährte Kraft unseres Volkstums. Wir müssen aber auch darauf vertrauen können, dah ganz Deutsch­land die Röte lindern, die Schäden beseitigen hilft, die ein Teil des deutschen Volkes für die Gesamtheit auf sich nehmen muhte.

Unser Dank und unser Gruh gilt allen denen, die mithalfen im Kampfe gegen fremde Macht­haber und ihre Helfershelfer: den deutschen Män­nern am Schraubstock und Amboß, in der Werk­statt und am Schreibtisch, hinter dein Pflug, in Aemtern und Kontoren. Der Frauen zumal gedenken wir in dieser Stunde, denen ein be­sonderer Teil seelischer Bedrückung auferlegt war. Alle werden für ihre Standhaftigkeit und Treue den besten Lohn finden in dem Bewußtsein, Wegbereiter einer schöneren deut­schen Zukunft gewesen zu sein.

Darmstadt, den 30. Juni 1930.

Das hessische Gesamtministerium:

Dr. Adelung. Kirnberger. Leuschner. Korell.

Reichspräsiden' und Reichsregierung an das befreite Rheinland.

Berlin, l.Luli. (Sil.) Anläßlich der Befrei­ung der Rheinlands erlassen Reichspräsident, Relchskanzler und die gesamte Reichsregierung folgenden Aufruf:

Rach langen Lahren der Drangsal und des Harrens ist heute die Forderung aller Deutschen erfüllt: Die fremden Desat- zungstruppen haben das Land am Rhein ver­lassen. Treue, Vaterlandsliebe, geduldige Aus­dauer und gemeinsame Opfer haben dem feit dem unglücklichen Ausgang des großen Krieges von fremden Truppen besetzten Gebiet das höchste Gut eines jeden Volkes, die Freiheit, wie­dergewonnen. Der Leidensweg, den die rheinische Bevölkerung aufrechten Hauptes um Deutschlands willen gegangen ist, ist zu Ende.

Der Tag der Befreiung soll ein Tag der Dankbarkeit sein, ilnser erstes Gedenken gebührt heute denen, die im Kampf für die Frei­heit Deutschlands geblieben sind, die i h r L e b e n gaben für das Vaterland. Zu ihnen ge­hören auch alle, die während der harten Lahre der Besetzung ein Opfer ihrer Vaterlandsliebe wurden, Hnvergessen sollen chie Leiden der Mari­ner und Frauen bleiben, die in der schweren Prü­fungszeit seelisch und körperlich für Deutschland geduldet haben, und stets werden wir der vielen Tausenden gedenken, die wegen ihrer Treue zu Vaterland und be­schworener Pflicht durch fremde Machtwillkür von Haus und Hof vertrieben wurden. Lhnen allen schulden wir unauslöschlichen Dank! Wir wollen ihn abstatten durch das Versprechen, uns aller gebrachten Opfer durch Dienst an Volk und Vaterland würdig zu erweisen.

Roch harren unsere Brüder im Saar­gebiet der Rückkehr zum Mutterland. Wir grüßen heute deutsches Land und deutsches Volk an der Saar aus tiefstem Herzen und mit dem Gelöbnis, alles daran zu sehen daß auch ihre Wiedervereinigung mit uns bald Wirklichkeit wird. Auch ihnen gebührt heute Deutschlands Dank. Wir wissen, daß sie stolz ihr Deutsch­tum bewahrt haben, und daß sie ihre Rückkehr zum Mutterlands nicht mit Bindungen erkauft wissen wollen, die den deutschen Gesamtinteressen widersprächen.

Heber dem politischen und wirtschaftlichen Leben unseres Volkes hängen immer noch schwere Wolken. Aber dennoch ist uns der heutige Tag Anlaß freudiger Zuversicht. Ein Volk, das, ganz auf sich allein gestellt, trotz härtester Be­drängnis sich selbst behauptet hat, ein Land, das auf den Gebieten der Wissenschaft. Kunst und Technik auch in bitterer Rotzeit Leistungen vollbracht hat, die in der ganzen Welt anerkannt

und bewundert werden, hat ein Recht darauf, mit Selbstvertrauen und mit Zuver­sicht seiner Zukunft entgegenzugehen. Durch Lahre schwerer Leiden, durch Hebernahme drückender Lasten haben wir dem Land am Rhein die Freiheit wiedergewonnen: für unseres Vaterlandes Glück und Zukunft wollen wir sie in treuem Zusammenstehen erhalten.

Das Gelöbnis in dieser feierlichen Stunde sei Einigkeit! Einig wollen wir sein in dem Streben, unser geliebtes Vaterland auf fried­lichem Wege nach Lahren der Rot einem besseren und helleren Tag entgegen­zuführen. Einig wollen wir sein in dem Schwur: Deutschland, Deutschland über alles!

gez. von Hindenburg, Reichspräsident.

Die Reichsregierung: gez. Dr. Brüning, Reichskanzler, gez. Dietrich, Stellvertreter des Reichskanz­lers, Reichsminister der Finanzen, gez. Dr. Curtius. gez. Dr. Wirth, gez. Dr. Stegerwald. gez. Dr. Bredt. gez. Dr. Groener. gez. Dr. Schätze!, gez. von Gusrard. gez. Dr. Schiele.

gez. Treviranus.

Gruß aus Oesterreich.

Wien, 30. Luni (ERB.) Der österreichische Bundespräsident Miklas hat gestern an den Reichspräsidenten anläßlich der Rheinlandbesreiung ein Glückwunschtelegramm ge­richtet, in dem er der Freude aller Deutschen Oesterreichs über die erfolgte vollständige Räu­mung des Rheinlandes innigen Ausdruck gab. Fürst Starhemberg, der Landessührerder oberösterreichischen Heimwehren und Chef des Wiener Läger-Freikorps, hat an den Reichs- Präsidenten folgendes Glückwunschtelegramm ge­richtet:Zur endlich erfolgten Befreiung we­sentlicher Teile unseres gemeinsamen großen deutschen Vaterlandes von der drückenden Fremdherrschaft übermittle ich Ew. Exz. im Ramen der unter meinem Kom­mando zusammengefahten Selbstschuhverbände Oberösterreichs und Wiens die herzlichsten Glück­wünsche."

Dank den Toten.

Berlin, 30.Luni. (ERB.) Der Reichs- mini st er des Lnnern hat aus Anlaß der Befreiung des Rheinlandes am Grabe des Reichspräsidenten Ebert in Heidelberg und am Grabe des Reichsaußenministers Dr. Stresemann auf dem Louisenstädtischen Friedhof in Berlin Kränze mit schwarzrotgol-

nen pflegen. Rehmen Sie aus den vergangenen Lahren und aus dieser festlichen Stunde dieses Gefühl der Verbundenheit, nehmen Sie »le Achtung vor der ehrlichen Heber- zeugung anderer mit in den Alltag der mühevollen Kleinarbeit. Möge das besetzte Gebiet auch darin ein Vorbild für das ganze Volk sein. Dieses einige deutsche Volk, auf dessen bessere Zukunft ich vertraue, unser gesamtes deutsches Vaterland, die Deutsche Republik, sie leben hoch!

Oie Feiern in Rheinhessen und Starkenburg.

Auch tn den übrigen Städten des geräumten hessischen Gebietes rechts und links des Rheins be­gingen alle Kreise der Bevölkerung die Stunde der Befreiung mit einer mitternächtlichen Feier unter freiem Himmel, bei der die Mitglieder der hcssiscken Staatsregierung Worte der Begrüßung und des Dankes an die Bevölkerung des geräumten Gebietes richteten. So sprach in Oppenheim der Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell, in Bingen Finanzminister Kirnberger, in Worms Mi­nister des Innern Leuschner. In Groh- Ger a u wo das ehemals rechtsrheinisch besetzte hessische Gebiet seine Befreiungsfeier beging, sprach Kreisdirektor Dr. Merck. Ueberall gingen au der Stelle, von der noch vor wenigen Stunden die Tri­kolore geweht hatte, unter dem brausenden Jubel der Bevölkerung die Fahnen des Reichs und Hessens hoch. Massenchöre und Musikdarbietungen umrahm­ten die nächtlichen Feiern.

Das Treugelöbnis der Saar.

Heim zum angestammten Volt und Vaterland."

Saarbrücken, 30. Juni. (WTB.) Aus Anlaß der Räumung des besetzten rheinischen und pfälzi­schen Gebietes wurden heute abend auch im Saargebiet große Kundgebungen veranstaltet, die den Willen für die Rückkehr des Gebiets zum Reich machtvoll zum Ausdruck brachten. Die Feiern begannen mit Glockengeläut sämtlicher Kirchen, an das sich Massenchöre, Platzkonzerte, Ansprachen und gemeinsamer Gesang des Niederländischen Dank­gebetes schlossen. Ueberall war die Teilnahme der Bevölkerung, die sich durch die reichbeflaggten Stra­ßen beroegte, gleich lebhaft. In Saarbrücken hielt Landesratsabgeordneter Kiefer eine An­sprache, in der er u. a. ausführte: Die Freiheit, die dem besetzten Gebiet geworden ist, muß auch dem deutschen Saargebiet bald für immer wer­den. Wir wollen heim zum angestammten Volk und Vaterlande. Ungetrennt und ungeschmälert. Das ist der Ruf, der seit In­krafttreten des Versailler Vertrages im Saargebiet erhoben wurde, von allen Parteien, Ständen und Konfessionen. Ein Volk, das um seine nationale Freiheit kämpft und leidet, hat ein Recht darauf zu fordern, daß ihm sein gutes Recht ungeschmälert wird, daß ihm keine Opfer aboerlangt werden, die sich mit seiner nationalen Ehre und Selbständigkeit nicht vereinbaren lassen und die eine untragbare Einengung feiner eigenen Lebensgrundlagen be­deuten. Vor Beginn der Kundgebung um 20 Uhr begann auf dem Rathausplatz ein Stafetten- lauf der Deutschen Turnerschaft nach Trier, an dem 450 Läufer teilnahmen. Sie überbrachten der Stadt Trier einen Glückwunsch der Stadt Saar- brücken.

Oberschlesiens Glückwunsch.

Ratibor, 1. Luli. (TH.) Der Landes­hauptmann der Provinz Oberschle- si'en hat anläßlich der Rheinlandbefreiung a n pen Landeshauptmann der Rhein­provinz folgendes Telegramm gesandt:Die Provinz Oberschlesien entbietet der Rheinpro­vinz zur endgültigen Befreiung von langjähriger fremder Besatzung herzlichste Glückwünsche. Ln Erinnerung an eigene schwere De- satzungszeit nimmt Die Bevölkerung Ober­schlesiens warmen Anteil cm der Freude der Rheinländer über ihre nach schweren Opfern wiedergewonnene Freiheit."

Oas Geheimnis des Tennis-Erfolgs.

Von Helen Wills-Moody.

Die folgenden Ausführungen der be­rühmten amerikanischen Tennismeisterin dürften die zahlreichen Anhänger des weißen Sports" unter unseren Lesern interessieren.

Mit vollen Händen hat mir eigentlich das Glück bisher aUcs geschenkt, was ich brauchte und wünschte. Lch konnte meinen Willen über­all ohne große Schwierigkeiten durchsetzen, und im Leben wie im Tennisspiel ist mir bisher nie irgendein Hnheil zugestoßen. Wäre ich aber­gläubisch, so müßte ich jetzt den Reid der Götter fürchten: ich bin es aber nicht, und des­halb gebe ich auch nicht zu, dah der Ausgang von Tennis-Turnieren wesentlich vom Glück oder Hnglück der Partner abhängt. Erfolg hat immer der Spieler, der besser trainiert und besser in Form ist. Ratürlich hat es auch schon Fälle ge­geben, wo ein guter Schlag den Ball gerade gegen die Rehkante schleuderte, ohne ihn noch in den anderen Court zu bringen. Aber dah ein solcher Schlag, wenn er schon vorkommt, ent­scheidend für ein ganzes Spiel ist das ist doch eine zu seltene Gelegenheit für Schicksalsein­griffe.

Anders ist es schon mit äußeren, unkontrol­lierbaren Einflüssen auf den Geist der Tennis­spieler. Ein wirklich erstklassiger Spieler muh allerdings auch sein Temperament so sehr zügeln, jeden Rerv und jeden Muskel so beherrschen, dah er denselben Schlag wieder und wieder mit der gleichen Regelmäßigkeit und Genauigkeit ausführen kann. Der durchtrainierte Körper muh jedem Wink der Vernunft sofort folgen, ohne sich durch selbst unerwartete Hmstände wie etwa die mehr oder minder freundlichen Gefühlsaus­brüche der Zuschauer beeinflussen zu lassen. Ein ersahrener Spieler hat bald heraus, daß die Zuschauermenge in jedem Land und bei jedem internationalen Turnier patriotisch ist: man sieht die Spieler des eigenen Landes gern gewinnen und freut sich mehr über ihre guten Schläge als über die besten Leistungen ausländischer Rivalen. So ist es in Amerika, so ist es auch in Deutschland, tn England und wahrscheinlich auch bei den Dotokuden. Lm ganzen mögen die Zu­schauer hier und da ein wenig höflicher oder

ein wenig lauter sein als anderwo, aber nie werden sei einem Ausländer, einem Fremden soviel Applaus zollen wie einem Landsmann.

Man soll sich durch solche Nebensächlichkeiten nicht irreführen lassen! Wenn schon mein Gegner den größten Beifall bekommt ich werde da­durch nur hartnäckiger und ausdauernder. Lch will aber zugeben: Wohler fühle ich mich, wenn sich eine reichliche Handvoll Amerikaner unter den Zuschauern meiner Matches befinden. Lhre Begeisterung ist dann so groß, daß sie alle anderen Rationalitäten überschreit.

Größere Beachtung erlangt aber das Privat­leben des Spielers auf feine Spielstärke, auch bei ganz großen Anlässen. Die persönlichen Ge­fühle und Gedanken können den besten Champion ablenken, zerstreut und nervös machen. Das Gehirn und die Rervenzentren scheinen dann einfach nicht mehr ihre volle Leistung hergeben zu können. Ich denke dabei an einen Fall, wo Henri C o ch e t, gerade vor dem Endspiel in Wimbledon vor zwei Lahren, ein Telegramm erhielt: es wurde ihm mitgeteilt, daß seine Mutter ernsthaft erkrankt sei. Cochet, sonst ein ungewöhnlich zuverlässiger und sicherer Spieler, war wie umgewandelt. Der Gedanke an seine kranke Mutter beschäftigte ihn in dem Augen­blick mehr als alle Tennisturniere der Welt und er verlor. Lch glaube, daß sich kaum je­mand derartigen Einflüssen entziehen kann, ich selbst jedenfalls wäre dazu nicht imstande.

Ein weiterer bedeutender Rachteil für den Tennisspieler ist die fatale Reisemüdigkeit. Lch stelle meine Reisepläne immer so auf, daß ich mich noch ein paar Tage in der Stadt ausruhen kann, in welcher das Turnier stattfinden soll. Anstrengung und Müdigkeit einer langen Fahrt können alle Erfolge eines noch so eifrigen, wochenlangen Trainings fortblasen. Hnd schon gar eine Fahrt über den Atlantik ist oft mehr eine Kraftprobe als ein Vergnügen! Roch viele Tage nach der Landung habe ich das Gefühl, als ob der Tennisplatz unter meinen Füßen auf- und abwogt. Letzt weiß ich aber, daß diese wahrhaft sehr unangenehme Empfindung schnel­ler vergeht, wenn ich Hott trainiere und mich nicht erst in einem bequemen Sessel ausruhe.

Allgemeine Beschäftigungen anderer Art haben keinen abträglichen Einfluß auf die Tenniskunft selbst der besten Spieler im Gegenteil! Wie jeder andere Sport kann auch das Tennis den Menschen nicht ganz und gar ausfüllen. Mein höchstpe^ sicher Ehrgeiz liegt auf einem ande­ren Ge' der Malerei. Lch male nicht des

Erfolges toeaen, sondern einfach aus Liebe zum Zeichnen und Darstellen der bunten Welt um mich her. Ratürlich bleibt mein Tennisspiel nicht ganz ohne Wirkung auf die Pinselei. Reben Porträts und Landschaften habe ich oft und mit viel Freude Skizzen von Tennisspielern gezeich­net und auch daraus gelernt. Denn umge­kehrt bleibt auch die Malerei nicht ohne Ein­fluß auf meinen Sport: erst durch die zeichnerische Erfassung kann man, glaube ich, eine vollständige Vorstellung von den Bewegungen bekommen, die zum guten Spiel gehören. Der wundervolle Rhythmus solcher Spieler wie der unvergessenen Suzanne 2 en g I en und eines Tilden, die prächtige Genauigkeit eines Vorhandschlages von Lacoste sind für das Malerauge eine ständige Freude. Ln meinem Tennisbuch habe ich einige vollendete Bewegungen sestzuhalten gesucht.

Heberhaupt die Geschichte dieses Buches muß ich noch erzählen. Seit Lahren erhielt ich Briefe aus allen Teilen und Winkeln der Welt, worin man mich bat, dies und jenes zu erklären, was einem Tennisjünger in Hintcrasien ober sonstwo unbegreiflich geblieben war.Länger", im wahren Sinne des Worts: denn die Briefe kamen zum großen Teil von Kindern, und sie waren meist so entzückend nett und harmlos, daß ich ein paar einfach beantworten mußte. Dabei wollen die meisten Racker auch noch' Photographien haben. Lch schickte die Photo­graphien und gute Ratschläge: aber die Briese strömten bald in solchen Mengen bei mir ein, daß ich es nicht mehr schaffen konnte. Lch be­gann meine Antworten von Tag zu Tag, von Monat zu Monat zu verschieben, und schließlich sah ich mich einem Berg von Briefen gegenüber, die ich unmöglich einzeln beantworten konnte. Aber weil ich meine kleinen und großen Korre­spondenten nicht enttäuschen wollte, habe ich das Buch geschrieben, so einfach und klar es mir nur möglich war, um alle Fragen die doch nur in wenige Gruppen zerfielen zu beantworten.

Der Sport ist kein Lebensinhalt. Er bleibt nur ein Zeitvertreib, ein Vergnügen. So sehr ich selbst Tennis liebe, ich lehne es ab, andere Menschen nach ihrer Stellung zum weißen Sport zu beurteilen: ein lebender Beweis dafür ist mein Mann, ein kalifornischerbusiness man, der zwar viel Sport treibt und besonders gern segelt, aber von Tennis keine blasse Ahnung hat.

Obgleich ich jetzt verheiratet bin, möchte ich doch beim Tennis bleiben. Die Heirat braucht

denen Schleifen niederlegen lassen. Ln gleicher Weise wurden auch die Gräber der Reichsminister Crzberger, Dr. Rat Henau, GrafDrock- dorff-Rantzau, Dr. Heintz e, Dr. Köster. Dr. W ay er, Oeser und Dr. P r e u ß ge­schmückt.

Die hessische Staatsregierung lieh am Grabe des verstorbenen Reichs auhenmi.üsters Dr. Stresemann anläßlich der Befreiung der besetzten Gebiete einen Kranz mit den hessi­schen Farben niederlegen. Eine Abordnung der Deutschen Volkspartei derPfalz hat am Grabe Stresemanns einen Kranz mit weihblauer Schleife niedergelegt. Auch der Par­teivorstand der Deutschen Volkspartei hat seinen ehemaligen Führer am heutigen Tage durch Riederlegung eines Kranzes am Grabe geehrt.

Oie Ursache des Lübecker Kinbersterbens.

Tas Ankiagematerial. Verwechslung von Vakterienkulturen.

B e r t i n, 30. Juni. (TU.) Wie dieB. Z." mel­det, ist die Eröffnung der gerichtlichen Vorunter­suchung in Lübeck gegen den Oberrnedizina^dt A11 - st ä d t, Professor D e y ck e r, dessen Laboratoriums­schwester und den Leiter des Kinderhospitals wegen dringenden Tatverdachts der fahrlässigen Tötung er­folgt. In den Geheimsitzungen des Bürgeraus­schusses ist nunmehr überraschenderweise bekannt­geworden, daß am 25. April zum letztenmal Fütte­rungsmaterial für die Kinder an die Hebammen und Aerzte ausgegeben wurde, das für drei Fütterungen reichte, die in Zwischenzeiten von je drei Tagen, am 25. April, 28. April und am 1. Mai ftattfanben. Bereits am 26.Apri 1 wurde durch die Ob­duktion eines der gestorbenen Kinder f e ft g e ft e 111, daß die Todesursache auf das Calmette-Serum zurückzuführen war. Sofort wurde die Fütterung imKrankenhaus selb ft eingestellt. Man hatte es aber unterlassen, auch außerhalb des Krankenhauses die Fütterung mit dem Calmette- Präparat zu stoppen, die am 28. April und am l.Mai stattfinden sollte. In dieser Unterlassung wird eine schwere Fahrlässigkeit der Aerzte gesehen, die jedoch zu ihrer Verteidigung geltend machen, sie hätten diese Fütterung außerhalb des Krankenhauses nicht eingestellt, um keine Unruhe in der Bevölkerung yLd) den neuesten Ermittlungen steht die Tat- fache fest, daß es sich bei dem folgenschweren Ereig­nis um eine Verwechslung gehandelt hat. Im Lübecker Laboratorium gab es eine ganze Reihe von Kulturen, die wissenschaftlichen Untersuchungs­zwecken dienen. Bei der Verwechslung, die zu dem Tod der Säuglinge führte, handelt es sich offenbar um die Vertauschung einer virulenten, tod­bringenden Tuberkulosenkultur mit der avirulenten, harmlosen Calmette-Kultur. Wie das Versehen an sich zu erklären ist, müssen die weiteren Ermitt­lungen ergeben. Die einzelnen Kulturen, unter denen sich auch Pest- und Cholera-Kulturen besinden, sind selbstverständlich etikettiert. Es läßt sich aber z. B. der Fall denken, daß infolge eines Umstandes, der näher zu untersuchen wäre, das Etikett vom Brutschrank a b g e f a l l e n ist. Dadurch könnte eine Verwechslung vorgekommen sein, wenn auch nur bei sehr grober Fahrlässigkeit. Uner­klärlich ist es nach Ansicht von Fachkreisen, daß eine todbringende Tuberkulosen-Kultur mit der harmlosen Calmette-Kultur zusammen gewesen sein kann. Ein für die Lübecker Aerzte sehr belastendes Mo­ment stellt auch die Tatsache dar, daß sie die Reste der Kültur schon einige Tage nach dem Unglück vernichtet haben, so daß natürlich die Unter­suchung in diesem Punkte gehemmt ist. Die Anklage- Erhebung durch die Staatsanwaltschaft soll nach unseren Informationen mit größter Beschleunigung durchgeführt werden.

Große Kundgebung des Nürnberger Kirchentags.

Auf dem Hauvtmarkt in Nürnberg fand aus Anlaß des Deutschen Evangelischen Kirchentages

überhaupt eine Frau nicht an sportlicher Tätig­keit zu hindern. Ich weiß von vielen Frauen, daß sie gute Tennisspielerinnen geblieben sind, als sie längst Mann und Kinder und eigenen Hausstand hatten. Mrs. B u n d h, die frühere amerikanische Meisterin und zweimalige Siege­rin von Wimbledon, ist jetzt glückliche Mutter von fünf Kindern, verfügt aber noch über gute, harte Schläge und ist eine der besten neri- kanischen Tennisspielerinnen.

Löns-Gedenkfeier.

Dem Andenken des im September V 4 in Frankreich gefallenen TiHt:rs H e r m a nn L ö n s ist eine kleine Feier gewidmet, die das Licht­spielhaus gestern veranstaltete und heute wiederholt. Zunächst betrat der als Komponist vieler verbreiteter Löns-Lieder bekannt gewor­dene Karl Blume die Bühne, um in einem ein­führenden Vortrage einen knappen, gut infor­mierenden Abriß vom Lebensgang und Lebens­kampf des verstorbenen Dichters zu geben. Lm Anschluß daran sang Blume eine Reihe von ihm selbst gesetzter Lieder zur Laute aus dem berühmtenKleinen Rosengarten", in dem Löns seine schönsten und zum Teil wirklich noch heute lebendigen, leuchtkräftigen und sangbaren Ge­dichte vereinigt hat. Man hörte denTauber", Heber die Heide geht mein Gedenken",Grün ist die Heide", denGrenadier" Irnd heiteres Lied von der Hochzeit im Walde. Die Lieder sind mit sicherem Gefühle für Ton und Stim­mung der Lönsschen Lyrik komponiert und wur­den mit einem weichen, klangvollen Organ vor­trefflich vorgetragen. Karl Blume fand für feine sympathischen Darbietungen mit Recht lebhaften Beifall. Lm zweiten Teil sah man dann einen Heidefilm, mit Bildern von Land und Leuten und Tieren aus des Dichters nieder­sächsischen Heimat und seinen liebsten Revieren: Naturaufnahmen von lebendiger und eindring­licher Schönheit, die zum großen Teil nur mit unermüdlicher Ausdauer, Geduld und Liebe zur Sache auf das Filmband gebracht werden konn­ten und jedenfalls eine recht sinnfällige Illu­stration zum vorausgegangenen Vortrage dar­stellten. Die Veranstaltung war leider, vor allem wohl des schönen Wetters und des Zapfen­streiches wegen, der übrigens erst geraume Zeit nach Schluß der Vorstellung begann, nur schwach besucht. Den heutigen Veranstaltungen ist jeden­falls eine bessere Beteiligung aufrichtig zu wünschen.