Ausgabe 
1.5.1930
 
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Mieternot und Bodenreform

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Teil der Pflichtstunden befreit und im Herbst

Utacbbrucf verboten.

38 Fortsetzung

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dereinncchmen gegenüber 1929 zu erwarten: so verzeichnet die RubrikWald" 48 343 Mk. Ein­nahme gegenüber 62 226 Mk. in 1929, und die RubrikReichssteueranteile" 22 910 Mk. (25 460 Mark in 1929). Der Voranschlag wurde nach längerer Beratung einstimmig geneh­migt.

alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latei­nisch gründlich ein, sondern beschäftigte sich auch erfolgreich mit den romanischen Sprachen Fran­zösisch, Italienisch, Spanisch, außerdem mit Ger­manistik und Geschichte. Von der Ludoviciana im Jähre 1857magna cum laude" zum Doktor promoviert, wurde er Mitarbeiter an Pierers Lexikon und schrieb viele Rezensionen und Auf­sätze für wissenschaftliche Zeitschriften, so beson­ders für das Zentralorgan für die Interessen des Realschulwesens. Von ihm stammt eine vor­treffliche Biographie des Gießener Germanisten Weigand. Er war auch Mitglied des haupt­sächlich aus Llniversitätsdvzenten und Offizieren der Garnison sich zusammensetzenden Kränzchens La Brigatella itahana, das sich das Studium und den Gebrauch der italienischen Sprache zur Aufgabe gemacht hatte, und führte als solches in humorvoller Liebersetzung seines Ramens die Bezeichnung:Cardinale Ligabosco. Aus all dieser Tätigkeit erwuchs ihm eine stattliche Sannnlung von Büchern. Ihren Inhalt machte er sich, von seinem vortrefflichen Gedächtnis un­terstützt, durch eifriges Studium zu eigen.

Der weitaus größte Teil seiner Berufstätig­keit verknüpfte Dindewald mit unserer Stadt Gießen, die ihm zur zweiten Heimat wurde. Hier wirkte er vom April 1857 an der Realschule und an dem aus ihr hervorgegangenen Real­

gymnasium. Biele Jahrgänge unterrichtete er, namenilich in den Oberklassen in Latein, Deutsch, Geschichte und Religion, und er erlebte ein halbes Dutzend Direktoren: Weigand, Stein, Soldan, Rodnagel, Weihrich und Rausch. In den letzten Dienstjahren wurde seine Arbeit beeinträchtigt durch ein Augenleiden, das er sich wohl durch Lesen und Studieren in den Nachtstunden zu-

Qlm Dienstagabend sprach auf Veranlassung des Bundes deutscher Bodenreformer, Ortsgruppe Gießen, sowie des Mietervereins Dr. Wagcn- 6ad), Berlin, imPostkeller" über das Thema Mieternot und Bodcnreform".

Rach einer kurzen Einleitung von Studienrat Dr. Heu sei schilderte der Vorsitzende zunächst seine Eindrücke von der kürzlich in Würzburg stattgehabten Tagung des Bundes deutscher Dodenreformer. Er betonte ferner, daß leider teilweise noch zu wenig Verständnis für die Lebensfragen unseres deutschen Volkes vor­handen sei. Die Sehnsucht nach einem Stückchen Eigentum sei groß, die Bodenreform wolle die­sem Streben den Weg bereiten. Die soziale Rot finde ihre besondere Auswirkung in der Woh- nungs- und Bodennot. Diese bedenkliche Rot habe ihren Llrsprung in der Umwandlung des Agrarstaates zum Industriestaat. Die Boden­spekulation auf dem Lande habe die Menschen in die Großstadt getrieben, wo durch den starken Zuzug dem Bodenwucher Vorschub geleistet wor­den sei. Die Mietskaserne sei eine Folge dieser Zustände gewesen, sie nehme keine Rücksicht auf die sozialen Verhältnisse, sondern hier sei der Gedanke der günstigen Verwertung vorherrschend. Trotz der vielen Mietskasernen bestehe noch große Wohnungsnot. In Deutschland hätten nur etwa 10 Prozent der Arbeiterschaft ein eigenes Heim, während in dieser Hinsicht in Amerika 50 Prozent in Betracht kämen. Eine Besserung sei nur durch Schaffung neuer bodenrechtlicher Ge­setze zu erwarten. Die Wohnungsverhältnisse auf dem Lande müßten derartig sein, daß die Menschen sich dort wohlfühlen und bleiben. Der Zuzug nach der Großstadt müsse mit geeig­neten Mitteln unterbunden werden. Die Zukunft hänge nicht von der Großstadt ab, daher sei eine weitgehende Förderung der Siedlungen am Platze. Auch auf eine menschenwürdige Gestal­tung der Großstadtwohnungen müsse hingewirkt werden. Billiger Boden sei die Voraussetzung für die Beseitigung der Mietskasernen^ Der Redner kam dann auf den Geburtenrückgang zu sprechen, der sich in Berlin am stärksten zeige und dessen Ursache teilweise auch in der Wohnungsnot zu suchen sei. Weiter behandelte er kurz die Kriegerheimstättenbewegung, verwies in diesem Zusammenhang auf die Errichtung von Wirtschaftsheimstätten, bezüglich deren Bayern vorbildlich arbeitete, während Preußen

und Hessen heute noch keine Ausführungs­bestimmungen erlassen hätten. Er streifte weiter das Reichsheimstättengeseh, zu dessen Durch­führung billiger Boden Vorbedingung sei. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen beschäf­tigte sich der Redner eingehend mit dem Ent­wurf zum Wohnheimstättengeseh, sowie mit dem Baulandgesetzentwurf. Er forderte in diesem Zu­sammenhang eine großzügige Doden- vorratswirtschaft, entsprechende Ordnung im Städtebild, Ausbau der Cnteignungsbestim- mungen, insbesondere Regelung der Frage der Entschädigung des enteigneten Landes, sowie Be­schleunigung des Enteignungsverfahrens. Die Bodenspekulation müsse auch den Gemeinden un­möglich gemacht werden. Die Wohnungsnot könne nur durch weitausschauende Vorbereitungen gesetzgeberischer Art beseitigt werden. Der Dau von Eigenheimen sei der beste Damm, gegen die bolschewistische Flut. Auch könne die Arbeits­losigkeit dadurch gemildert werden, daß die Frau, durch ein eigenes Heim zu ihren eigentlichen Auf­gaben als Hausfrau gedrängt, sich von der Fabrikarbeit mehr und mehr zurückziehe. Jedes Volk müsse seinen eigenen Weg gehen, der ihm von der Geschichte vorgeschrieben sei. Erst die kommende Generation werde erkennen, welche Bedeutung der Kampf um den Boden für die Gesundung unseres Volkes habe.

In der anschließenden Aussprache wies zunächst Reallehrer Hebermehl auf die Mietegefahr hin, die nur durch intensives Bauen beseitigt werden könne. Er sprach von der in Darmstadt und Mainz durchgeführten Umlegung von öffentlichen Abgaben in Form von Zuschlägen auf die Miete und gab der Befürchtung Ausdruck, daß derartige Methoden unter Umständen in sämtlichen hessi­schen Kommunen zur Durchführung kämen. Eine derartige Regelung könne die Mieterschaft nicht zugeben, well durch die Art der Berechnung eine Benachteiligung der Mieter eintrete. Ein weiterer Redner besprach die Auswirkung der Sonder- steuer und wandte sich gegen die Bodenspeku­lation, während von anderer Seite dem Bund deutscher Bodenreformer eine stärkere Betonung seiner Forderungen empfohlen wurde.

In einem kurzen Schlußwort ging der Redner auf die Ausführungen der einzelnen Diskussions­redner entsprechend ein.

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Doranschlagsberatung in Grünberg

+ ©rünberg,29. April. Der Gerne inde- r g t war heute vollzählig erschienen, außerdem war Stadtrechner Gehringer anwesend. Zu­nächst wurde die Gebühr für die fünf Tankstellen auf städtischem Gelände, für die seither eine jährliche Anerkennungsgebühr von 2 0 Mark entrichtet wurde, nach dem Beispiel anderer Städte auf 200 Mark festgesetzt. Hierauf legte der Rechner den Voranschlag für 1 930/ 31 vor, der in Einnahme und Aus­gabe mit 215 538,30 Mk. abschließt (in 1929: 219 010,55 Mk.). An Umlagen, zu denen auch die Ausmärker beizutragen haben, sind 63 200 Mark vorgesehen, der gleiche Betrag wir im Vor­jahre. Bei zwei Rubrllen sind beträchtliche Min-

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 1. Mai 1930.

Otto Bindewald

Zum 100. Geburtstag eines Gießener LehrerS.

1896 in den Ruhestand versehk, unter Verleihung des Verdienstordens Philipp des Großmütigen 1. Klasse. Damals sagte ein Amtsgenosse bei der Abschiedsfeier:Run wird uns das Lehrern ratszinuner ohne Professor Bindewald vor^ kommen wie eine Bibliothek, in der das Koni versationslexikon fehlt." Sicherlich war in ihm unvergleichlich mehr Einzelwissen aufgespeichert, als in jedem seiner damaligen Amtsgenossen, die nach dem kurz vorher erfolgten Ausscheiden von Prof. Dr. O. Buchn er fast alle das Schwaben­alter noch nicht erreicht hatten.

Seine Erholung suchte Dindewald im Kreise seiner zahlreichen Familie oder amviereckig runden Tisch". Denn als Stammgast befolgte er willig das Schlußwort des Derrina im Fiesko: Ich gehe zum Andreas". Dort wurde er bei strittigen Fragen, die sein weitverzweigtes Wissensgebiet betrafen, gern als höchste Autori-, tat angerufen. Seine letzten LebenZjcrhve wurden durch Krankheit und Sorgen getrübt. Er erlitt im September 1903 einen Schlaganfall, der ihn lähmte, aber seine geistigen Kräfte unangetastet lief). Rach dem Tobe der Gattin von den Töchtern sorglich gepflegt, von treuen Freunden oft aufgesucht und erheitert, lebte er noch einige Jahre, bis ihn am Weihnachtsfest 1906 der Tod abrief.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Dutter 140 bis 160, Matte 30 bis 35, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Spargel 50 bis 100, Grünkohl 10 bis 15, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln 4,5 bis 5. Aepfel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 50 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 70 bis 80, Eier 10, Blumen­kohl 50 bis 100, Salat 10 bis 25, Salatgurkenj 75 bis 80, Ober-Kohlrabi 25 bis 30, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Rettich (neue) 30 bis 50, Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner,

Erinnerungen aus der Jugendzeit pflegen treu­lich im Gedächtnis der Erwachsenen zu haften. So taucht noch nach vielen Jahren gelegentlich die Gestalt eines längst verstorbenen Lehrers vor bem geistigen Auge vieler Gießener auf. Ein solches Gedenken gilt auch dem Heimge­gangenen Prof. Dr. Otto Dindewald, der vor 100 Jahren, am 8. Mai 1 830, zu Alten­schlirf das Licht der Welt erblickte.

Er entstammte einer oberhessischen Pfarrer­familie, die ihren Stammbaum, ausschließlich Theologen, bis 1630 zurückverfolgen kann. Sein Vater, zuletzt Pfarrer in Freiensteinau, lieh den besonders für Sprachen begabten Knaben das Gymnasium zu Düdingen besuchen. Die An­stalt stand damals unter der Leitung des tüch­tigen Altphilologen T h u d i ch u m, der als Ueberseher der Sophokleischen Dramen auch wei­teren Kreisen bekannt wurde.

Otto Dindewald, ein Bruder des Volks­schriftstellers Theodor Dindewald, spannte als Student wie im Derussleben den Rahmen seiner- ------- . -

Studien sehr weit. Er war zugleich Theologe gezogen batte.^ Er wurde zunächst^ von mnem und Philologe, drang nicht nur in den Geist der I T." "

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Die gesiedelte Schlange

Roman von Edgar Wallace.

ausfällt, als etwas Anorganisches im Aufbau des Erziehungswesens. In früherer Zeit war das Schulturnen mehr eine Vorschule für die spätere Militärzeit, es war deshalb auch verständlich, wenn der Turnunterricht des weiblichen Ge­schlechts ganz stiefmütterlich behandelt wurde. Wir wollen hier nicht behandeln, was war und wurde, wir wollen sehen was wird. Und da können wir die erfreuliche Feststellung machen, daß mehr und mehr in der modernen Pädagogik sich die Anschauung durchsetzt, daß es der Mensch als psychisch-physische Einheit ist, der erzogen werden soll. Und wenn wir heute von körper­licher Erziehung reden, so wollen wir damit nicht ausdrucken, daß wir das Pendel, das doch offenbar in der Beziehung häufig zu weit nach der rein intellektuellen Seite ausgcschwungen war, reaktiv auf die körperliche drängen wollen. Wir wollen keine Propheten reiner Körperlichkeit sein. Für uns, deren Aufgabe es ist, als Leibeserzieher in der Kultur wirksam zu fein, ist hier nur ein bisher ungeöffnetes, übersehenes Zugangstor, von wo aus wir den lebendigen Menschen formen und gestalten wollen. Ja, wir haben die Pflicht, dies Tor zu verbreitern, denn wir wissen, daß so mancher Lehrer, der vielleicht vortrefflich ist im Unterricht, erzieherisch wenig auf die Jugend wirken kann, weil ihm die innere Verbindung zur Jugend fehlt. Wir haben die Jugend nicht nur vor uns auf den Danken, wir haben nicht nur schwarz auf weiß die Riederschläge ihrer geistigen Tätigkeit in papierenen Heften, wir haben sie vor uns wie sie leibt und lebt, den ganzen Menschen. Und wen wir nicht überzeugen können, den möchten wir wohl mitnehmen auf unsere Wanderungen, Ruder- und Skifahrten. Hier bietet sich die Möglichkeit. Einblick zu ge­winnen in die jugendliche Seele, hier sammeln wir Erfahrungen, welche dem ältesten Lehrer zeitlebens verborgen bleiben. So ist es keine Ueberhebung, wir sind Erzieher im betonten Sinn, aber auch in vollem Sinne. Wir wollen versuchen, die Jugend von ihrem ganzen Lebens» rhthmus aus zu packen. Wir sind weit mehr Lebemeister als Lehrmeister.

Als dritter Redner sprach Stadtschulrat F i - scher namens des beurlaubten Oberbürger­meister, des Dezernenten für das Schulwesen und des Stadtschulamtes. Er betonte, daß mit der Errichtung des Tumlehrerinnenseminars eine bedeutsame Einrichtung ins 2e6en gerufen wor­den sei. Die Rotwendigkeit der Schaffung einer derartigen Einrichtung in der Zeit wirtschaft­licher Depression werde nicht überall erkannt. Wenn man trotzdem, wahrscheinlich unter Ueber- windung vieler Schwierigkeiten, eine derartige Einrichtung geschaffen habe, so forme man dies um so mehr vertreten, als die Gesundung und Erziehung unserer Jugend für unser Volk von ausschlaggebender Bedeutung fei. Man dürfe sich dabei auf unsere Vorfahren vor 100 Jahren be­rufen, deren richtige Erkenntnis an dem damali­gen Wiederaufstieg hervorragend beteiligt war. Erfreulicherweise zeige sich auch auf dem Lande größeres Interesse für Turnen und Sport in den Schulen, in einer Anzahl von Schulen auf dem Lande fei sogar der Turnunterricht für Mädchen eingeführt. Diese Bestrebungen könnten am besten durch Ausbildung geeigneter Lehrkräfte gefördert werden. Die Stadt begrüße es mit besonderer Freude, wenn neue Einrichtungen in Verbindung .mit der Uniberfität geschaffen würden, denn da­durch würde die Gefahr einer Verlegung oder -Aufhebung der Uniberfität gemildert.

Mit einem kurzen Schlußwort bon Frau . Prof. Kramer, wobei diese den beiden Vor­rednern dankte, fand die eindrucksboll verlaufene Eröffnungsfeier ihr Ende.

rädern wahrnehmen. Er fuhr diesen Spuren nach. Es konnte sein, daß sie an dem Haus schon vorbei waren, denn es lag hinter einer großen Baumgruppe verborgen. Aber Peter verfolgte mit dem Scheinwerfer genau die Spuren des Autos, das vor ihnen hier gefahren war, und sah, daß sie links vom Wege in das Gehölz abbogen. Als er vorsichtig und langsam nach- suhr, tauchte kurz darauf im Schein der Wagen­lampen ein niedriges, rohgebautes Haus auf, das nur ein Stockwerk hatte.

Offensichtlich war es ganz aus Detonblöcken hergestellt. Die Maurer hatten nicht einmal die Haufen des übriggebliebenen Zementmörtels und den Bauschutt weggeräumt. Es standen noch ein paar Schubkarren umher, und ein kleiner Stapel verwitterten Holzes lag vor dem Hause. Aus dem Gebäude drang kein Licht. Peter lieh den Wagen halten, sprang ab und ging bis zu der Haustür, die unter einer rohgeputzten Unterfahrt lag. Er konnte keine elektrische Klingel entdecken, nur ein kleiner Klopfer war vorhanden. Er wollte ihn eben in Bewegung setzten, als er fühlte, daß die Tür unter seinem leichten Druck nachgab. Sie stand offen.

Sollte das eine Falle fein? Peter wurde sehr vorsichtig. Aus feiner Hüfttasche zog er eine Browningpistole und nahm sie aus dem fieber* etui. Dann ließ er seine Taschenlampe aufleuchten und ging den Gang entlang, bis er zu einem zweiten Korridor kam, auf den der erste im rechten Winkel stieß. Er erinnerte sich noch genau an Daphnes Erzählung. Hier hielt er an und horchte. Aber es rührte sich nichts.

Er tastete sich vorsichtig nach links weiter, bis er auf eine schwarze Tür stieß, die in eine Wand eingelassen war. Rach Daphnes Beschreibung entdeckte er auch das kleine Guckloch. Gr schob den Deckel zurück und schaute durch.

Der Raum drinnen lag im Dunkeln. Mit seiner Taschenlampe leuchtete er die ganze Tür ab und sah an einem Ragel, der offenbar in aller Eile in den Holzrahmen getrieben war, einen Schlüssel hängen, an dem ein Anhängeschild befestigt war, wie man es für Gepäckstücke benützt. Er nahm den Schlüssel herunter und las:

Ella ßetoflon, verurteilt zu fünf Jahren Zuchthaus, aber durch besondere Umstände vor­läufig freigegeben.

** Reichsbahnpersonallen. Ernannt wurden zum Reichsbahnobersekretär: außerplam müßiger Reichsbahnobersekretär Ke l p in Stockheim, zum Reichsbahnlokomotivführer Reservelokomotiv- führer R u l l m a n n in Gießen, zum Reichsbahn- assistenten außerplanmäßiger Reichsbahnassistent Henneberg in Burg- und Rieder-Gemunden, zum Reseroelokomotivführer Oberlokomotivheizer Kreutcr in Gießen. Versetzt: Reichsbahnober­sekretär Otto Müller von Gießen nach Stockheim, Kempf von Stockheim nach Gießen, Wilhelm L u h von Gießen nach Frankfurt a. M., Reichsbahn­betriebsassistent Kreuter von Friedberg nach Bad- Nauheim, S a l z m a n n von Pfahlgraben nach Lich.

** Dienstjubiläum bei der Reichs­bahn. Heute kann der Reichsbahnsekretär Wilhelm Luh beim Bahnhof Gießen, wohnhaft in Klein- Linden, auf eine 40jährige Dienstzell und Reichs- bahnassistent August Loos beim Bahnhof Gießen, wohnhaft in Gießen, auf eine 25jährige Dienstzell bei der Reichsbahn zurückblicken. Der Leiter des Bahnhofs Gießen, Reichsbahnamtmann Dörr, be­glückwünschte die beiden Iubilare in warmen Worten und sprach ihnen herzlichen Dank für ihre treue und zufriedenstellende Dienstleistung aus. Dem Reichsbahnsekretär Luh überreid)te Amtmann Dörrje ein Glückwunschschreiben des Herrn Reichs­präsidenten, der Reichsbahnhauptverwaltung und der Reichsbahndirektion.

** Der Gewerkschaftsbund der An­gestellten, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am Samstag, 3. d. M., einen Festabend mit musi­kalischen Darbietungen und Vorträgen, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag der Gaufrauenführerin, Frl. Reumann, Frankfurt a. M., steht. Am kommenden Sonntag, 4. d. M., hält der Bezirk Oberhessen-Lahngau-Dillkreis im Hotel Hopfeld seine diesjährige Bezirkstagung ab. (Vgl. die Anzeige in der Mittwochausgabe.)

** Reuerungen im Rundsunkwesen. Mit dem 1. Mai treten auf Anregung des Reichspostministeriums eine Reihe Reuerungen in Aktion, die vor allem darauf hinzielen, auch den wirtschaftlich Schwächsten in den Genuß der Rundfunkbarbietungen zu setzen. Der Kreis der Personen, denen wegen körperlicher und wirt­schaftlicher Rot die Rundfunkgebühren erlassen werden können, wird wesentlich erweitert wer-

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Meinen Sie im Ernst, daß Mr. Deale den Mann ermordet hat?" fragte Sweeney ungläubig. Das ist doch eine etwas starke Vermutung warum sollte er es denn gewesen sein?"

Ich weih nicht ganz genau, warum er es war, ich weiß nur, daß er es war. Und wenn Sie jetzt die Polizei in Devonshire anrufen, um Gregory Deale sestzunehmen und verhaften zu lassen, so können Sie sich die Mühe ersparen. Er ist längst aus dem Lande, und ich möchte fast sagen, daß ich in einer Beziehung darüber traurig bin er ist der einzige vollkommene Verbrecher, dem ich in meinem Leben begegnet bin!"

22.

Peter verabredete noch mit den beiden Be­amten, sie in Scotland Vard zu besuchen, und nahm bann ein Auto, das ihn in rascher Fahrt durch Hollowah und Wood Green zur Epping Road brachte, Es war jetzt noch nicht nötig,iiatf)* forschungen anzustellen. Daphne Olroyd hatte praktisch die Lage des Hauses ausfindig ge­macht, als man sie dorthin brachte. Durch die vereisten Fenster des Autos hatte sie hohe Telegraphenmasten gesehen, ein Umstand, an den ihre Entführer nicht gedacht hatten. Vielleicht waren sie auch zu sicher, daß sie nichts er­zählen würde.

Der Wagen fuhr durch das stille Dorf und verlangsamte allmählich das Tempo, während Peter mit Hilfe eines kleinen drehbaren Schein­werfers die Hecke nach der Durchfahrt absuchte.

Hier ist esl" sagte er schließlich.

Das Auto bog in einen schmalen Weg ein. Als sie zu einer Stelle tarnen, an der sich die enge Straße teilte, entstand eine Verzögerung. Peter sprang schnell aus dem Wagen und unter­suchte den Boden, der von den hellen Strahlen der Lampe genügend beleuchtet wurde. Die meiften Spuren, die offensichtlich von Dauern­wagen herrührten, führten nach rechts. Links konnte er aber deutliche Eindrücke von Gummi-

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Peter erinnerte sich wieder an Daphnes Bericht und suchte nach dem Lichtschalter, der die Zelle erleuchtete. Ein kleines Stückchen den Gang ent­lang fand er ein großes Schaltbrett, und eine Sekunde später war das ganze Haus erhellt.

Anscheinend war es auch in der Zelle hell geworden, denn er hörte ein Stuhlrücken, als er den Schlüssel in das Schloß steckte. Dann schrie jemand etwas Unverständliches. Er riß die Tür auf.

Ella Creed stand hinter dem Tisch und blickte ihn in wildem Entsetzen an. Sie trug ein rohes Leinenkleid, ihr Haar hing lose über ihre Schul­tern, und er brauchte nur in ihr verzerrtes Ge­sicht zu sehen, um die Qualen zu erkennen, die sie durchlebt hatte. Es dauerte lange, bis er sie so­weit beruhigen konnte, daß sie ihm ihre Ge­schichte erzählte. Sie zog in ihrer Todesangst den letzten Schleier von bem Geheimnis der gefie­derten Schlange. Der Artikel desPostkurier, in bem dieser rätselhafte Fall restlos geklärt wurde, elektrisierte ganz London. Er wird im Folgenden auszugsweise wiedergegeben.

23.

Die Geschichte der Gefiederten Schlange. Don Peter Dewin.

...Die oben beschriebenen Vorgänge fordern die Enthüllung eines eigenartigen Dramas, das die Well in den letzten Tagen in atemloser Spannung hielt. Es ist meine Aufgabe, in chrono­logischer Ordnung die sonderbaren und tragischen Umstände zu erzählen, die zu dem Mord zweier scheinbar ehrenhafter Bürger, der Entführung einer bekannten Schauspielerin Londons und schließlich dazu führten, daß Gregory Deale, ein Menschenfreund, ein Gelehrter, ein Soziologe und Forscher, jetzt ein flüchtiger Mann ist, nach dem die Polizei der ganzen Welt fahndet.

Vor zwölf Jahren kannte London Gregory Deale als einen Mann, der sich leidenschaftlich für das Leben der Armen interessierte und den ungeheuren Reichtum, den er von feinem Vater geerbt hatte, nur dazu verwandte, das Los be­drückter Menschen zu erleichtern; er toar ein. glänzender Redner und schrieb begeisternd über bie Probleme, die das fieben der Armen am nächsten angehen. ,

Gregory Deale war ein Idealist, ein Mann, i der glaubte» daß man mit menschenfreundlicher 1

Gesinnung und Geldgeben die schrecklichen Schä­den der Gesellschaft bessern und ihre Wunden heilen könne. Er war am glücklichsten, wenn er unter dem einen oder anderen angenommenen Ramen im Sumpf leben und unerkannt feinen armen Rachbarn helfen konnte. Er versuchte, das verworrene Problem der Armut zu losen. ES scheint unglaublich, aber es ist zweifellos wcchr, daß Mr. Deale ungeheure Summen ausgab, ohne: daß fein Rame als Wohltäter genannt wurde. In Verbindung mit Mr. Walber, einem be­kannten Architekten, erricheie er Vereinshäuser für junge Knaben und Mädchen, Genesungsheime und versuchsweise einen kleinen Dlock von Ar­beiterwohnungen. Er beabsichtigte, ein großes Grundstück bannt zu bebauen, als ein schreckliches Schicksal über ihn hereinbrach.

Man konnte nicht erwarten, daß die Anwesen­heit eines solchen Harun al Raschid im Osten Londons und die beständigen Wohltaten eines unbekannten Millionärs der Aufmerksamkeit der Presse und der Leute entgingen.

Die Zeitungen machten in ihrer Sensations­gier alle Anstrengungen, den unbekannten Men­schenfreund zu identifizieren, aber ihre Rachfor­schungen führten zu keinem Ergebnis, da Mr. Deale seine Stiftungen in barem Gelbe gab. Es war seine Art, große Summen von der Dank abzuheben und das Geld in seinem Safe zu deponieren.

Wie der Leser wahrscheinlich weiß, wird man zu der Stahlkammer einer Bank nur zugelassen, wenn man den Schlüssel vorzeigt und das Er­kennungswort wiederholt. Mr. Deale wählte das Wort Gucumatz das heißtDie gefiederte Schlange". Er hatte sich sehr für die frühe aztekische Kultur interessiert, und die gefiederte Schlange war für ihn das Symbol der Schöpfung, des Wohlwollens und liebender Güte. Er mietete einen Safe in dem Fetter Lane Safe DeposiA als William Lane er liebte es, diesen Ramen zu gebrauchen. In dem Safe waren amerikanische Danknoten in Höhe von fieben* hunderttausend Dollar deponiert. Damit beab­sichtigte er, den für London ungeheueren Dlock von Arbeiterwohnungen zu bauen. Gr wollte seine eigene Persönlichkeit hinter einem mythischen amerikanischen Millionär verbergen. . ,

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