Ausgabe 
1.5.1930
 
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manchen Stellen noch aufgestaut, und andere Flachen entbehren deshalb der Befruchtung durch jenen Wunderwirtenden Rilschlamrn, den im Wirt­schaftsleben das für produktive Zwecke und zu * günstigen Bedingungen geliehene Kapital dar- stellt. Dah Deutschland dieses Ril - schlammes besonders bedarf, brauche ich vor Ihnen, meine Herren, die Sie alle ge­naue Kenner der deutschen wirtschaftlichen Wirk­lichkeiten und Möglichkeiten geworden sind, nicht näher zu erläutern. Daß hier im Vordergründe die Umwandlung des kurzfristigen Kredits in langfristigen Kredit steht, ist Ihnen genau so bekannt, wie mir. Sie, meine sehr verehrten Herren, die Sie uns stets willig die Hand geboten haben, um Deutschlands Wie­deraufbau zu erleichtern, können diese Ihre Ar­beit aufs fruchtbringendste fortsetzen, wenn Sie weiter dahin wirken,

auch In der breiten Masse der Kapitalisten des Auslandes das Zutrauen zum deutschen Volke und feiner Wirtschaft zu festigen und zu erhöhen.

Wenn erst einmal die äußeren und inneren Schran­ken niedergelegt sind, die der Derteilong des Ka­pitals über alle Länder nach den Grundsätzen ver­nunftgemäßer Wirtschaftsgestaltung im Wege stehen, so wird damit ein großer Schritt voran getan sein, um auch den Austausch der Waren und wirtschaft­lichen Leistungen zwischen den nationalen Wirt­schaftskörpern zu erleichtern. Dann wird sich zeigen, dah freier Geld- und freier Kapital­verkehr die Vorläufer eines wirtschaftli­chen Zusammenlebens der Menschheit sind, das die größte Wohlfahrt für alle bedeutet.

Immer wird Ihnen, meine sehr verehrten Her­ren, die Sie aus dem Organismus der Reichsbank ausscheiden, das deutsche Land mit seinen großen so­zialen und wirtschaftlichen Problemen lebendig im Gedächtnis bleiben. Sie werden sicher nicht verges­sen, daß Deutschland unter dem Druck einer sehr großen Arbeitslosigkei t steht. Sie werden nicht vergessen, daß Deutschland seinen Weg finden muß zwischen der Notwendigkeit auf der einen Seite, die eigenen produktiven Kräfte nach Möglichkeit zu entfalten, und dadurch seine Ein­fuhr herabzusetzen, und der Notwendigkeit auf der anderen Seite, seine Ausfuhr fortge- s e tz t zu st e i g e rn. Gerade Sie, meine Herren, wissen auf das genaueste, daß

auf die Dauer das deutsche Wirtschaftsleben und damit die Fähigkeit Deutschlands, fefne interna­tionalen Verpflichtungen zu erfüllen, von nichts mehr abhangt, als von der Bereitwilligkeit der ausländischen Märkte, deutsche Waren und

Leistungen aufzunehmen.

Sie haben, sehr verehrte Herren, wie ich mit Bestimmtheit hoffe, erkannt, wie aufrichtig und fest der Wille des deutschen Volkes ist, Deutschland wiederaufzubauen und die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Meine Abschiedsbitte an Sic sei bie, dah Sie die Lieberzeugung von diesem festen Willen Deutschlands erhalten. Ich lade Sie ein, die Beziehungen nicht nur mit uns Reichs- bankleuten, sondern überhaupt mit deutschen Menschen und mit deutschen Dingen weiter zu pflegen. Sie werden uns jederzeit liebe und willkommene Gäste fein, und wir werden, wie

wir es in der Vergangenheit getan haben, auch in Zukunft mit ganzer Offenheit zu Ihnen über r Deutschlands Lage und die Voraussetzungen sei­

nes nationalwirtschaftlichen und sozialen Lebens sprechen.

Zentrums-Opposition gegen Panzerkreuzer B.

Berlin, 30.April. (Eigene CÄB.-Meldung.) LautGermania" hat der Reich sju gend- ausschuh der Deutschen Zentrums- Partei in einem Schreiben an die Reichstags­fraktion es als politisch untragbar be­zeichnet, daß in den Reichshaushaltsplan für 1930 Mittel für den Bau des Panzerkreuzers^ eingesetzt, oder aus ihm dafür verwandt werden.

Hochzeit tm Hause Mussolini.

Von Dr. Gustav W. Eberlein.

Rom, Ende April.

Nach dem Kronprinzen dieKronprinzessin". Drei Monate nach dem Erstgeborenen des Königs, nach dem Pomp des Ouirinals die Erstgeborene des Duce im Brautkleid der Villa Torlonia. Nun heiratet seine Tochter also, an der Wiege ist es ihr gewiß nicht gesungen worden, einen Grafen. Und so muß ihre Mutter tun, ma sie, bisher vermied: in- die Gesell­schaft gehen. Revolution im Hause Mussolini das bedeutet diese Hochzeit. Es hat eine Zeit gegeben, wo er halbverhungert unter Brückenbogen nächtigte, elfmal im Gefängnis saß und am liebsten die Ge- selllchaft erwürgt hätte, in der nun sein Blut und Erbe wurzelt. Gärende Zeit, in der wir leben.

Das Brautpaar wird Lächeln und Frühling sein, wie jedes andere. Wie aber wird sich Mussolini ge­ben? In welcher Rolle auftreten?

Und unter so viel Aristokraten und Exzellen­zen Donna Rachels?

*

Sßenn die snobistische Schicht unter der vorneh­men römischen Gesellschaft sich etwa ein pikantes Schauspiel, das einen Bernard Shaw kitzeln könnte, erwartete, so muß sie bitter enttäuscht sein.

Schon der große Empfang in der Villa Torlonia am Vorabend, oder vielmehr am Spätnachmittag vor der Trauung strafte die gerümpften Nasen Lü­gen. Es war wie sonst beim Tee im Hause Musso- lmi, wenn mehr Gäste kommen als gewöhnlich. Im Park stand eine Reihe kleiner Tische und hinter den Palmen, dieser einzigartigen Oase in der steinernen Wüste, ging brennendrot, in lodernder Sommer» Verheißung, die Sonne unter.

Mussolini empfing seine Gäste nicht als Duce, sondern als Brautvater, lächelnd und würdig. Eddas JJcutter man kann nicht anders sagen, sie war

ergreifend in ihrer Schlichtheit. Nichts von Frau Neure.ch. Eine unauffällige Frau in ruhigem Pa- stellkleid, mit gescheiteltem Blondhaar, im Bench. m6«!0 natür[idk wie in der Kleidung.

"3ch bin strahlend vor Glück", so hatte Signorina Edda einer englischen Zeitung geantwortet, die so­fort nach dem Bekanntwerden der Verlobung von London aus die Villa Torlonia anklingelte unauf* * fällig die Tochter des Hauses ans Telefon 'bat und sie unauffällig ausfragte, bevor sie Papa verständi­gen konnte. Neues kann sie infolged?fsen heute kaum mehr erzählen und es genügt ja auch, in ihre ftrab- enbenJlngen zu sehen. Rosa Chiffon fließt um ihre Gestalt, gewohnter als der Blumenstrauß fmd ihr Volant und Steigbügel. Schon als Backfisch

Der Kurs der Deuischen Volkspariei.

Eine Rede des Parteiführers.

Königsberg, 30. April. (WTD.) Auf einem von der Deutschen Dolkspartei veranstalteten staatspolitifchen Abend hielt der Parteivorsitzende Dr. Scholz eine Rede zur politischen Lage, in der er u. a. ausführte: In den vergangenen Monaten feit dem Tode unseres unvergeßlichen Stresemann ergaben sich für die aktive Politik der Deutschen Dolkspartei große Aufgaben, zumal die Fortführung der Außenpolitik Stresemanns bis zum vorläufigen Abschluß der Annahme der Voung-Gesetze und der darnkt verbundenen Erreichung der Befrei­ung des besetzten Gebietes zum 30. Juni. Das führte zur einheitlichen Stellungnahme der Frak­tion und der Partei für die Annahme der Tribut- gesehe trotz lebhafter Bedenken, führte auch zur Annahme der Liquidationsabkommen.

Die Deutsche Dolkspartei war bereit, diese gro­ßen Aufgaben mit der Sozialdemokratie zu lösen und hat bis zur Preisgabe wirtschaftlicher Grund­anschauungen die Hand zum Kompromiß gebo­ten. Die Sozialdemokratie hat dieses Kompro­miß, das die von ihr selbst geführte Regierung sich zu eigen machte, abgelehnt und damit die

Krise herbeigesührl.

Die Entschlußkraft Hindenburgs schuf binnen weni­ger Tage das Kabinett Brüning, das die volle Unterstützung der Deutschen Volkspartei ge­nießt, das sich in schweren parlamentarischen Kämp­fen behauptete und die Grundlage des Haushalts für 1930 durch Annahme einer Reihe indirekter Steuern, ferner die Agrarreform geschaffen hat. Die nächste politische Arbeit unserer Fraktion im Reichs­tag wird der

Erfüllung des versprechens der fühlbaren Sen­kung der direkten Steuern (Heal- und Einkom­mensteuer) von 1931, einer damit untrennbar verbundenen starken Sparsamkeitsaktion auf allen Gebieten des Haushaltes, einem vernünf­tigen Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden und dem großen Problem der Reichsreform zu gelten haben. Line durchgrei- fende Hilfe für den Osten im Sinne des Hin­denburg-Programms wird ihre Unterstützung finden, damit der deutsche Osten ein festes Boll­werk sei und bleibe gegen das zerfetzende Ele­ment des Bolschewismus.

Die alten nationalen und liberalen Ideen der Deut­schen Dolkspartei sind noch immer lebendig und le­benskräftig. Gleiche Ideen haben vor 120 Jahren das niedergeschlagene Preußen wieder groß gemacht, und die alte Nationalliberale Partei wurde mit dem EhrennamenPartei der Reichsgründung" bedacht. Möge die Deutsche Volkspartei dereinst diePar- tei der Reichserneuerung" genannt wer­den!

Kundgebung des Reichs­landbundes.

Dank und Mahnung.

Berlin, 30. April. (WTD.) Der Bundes­vorstand des Reichslandbundes hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen:

Der Reichslandbund spricht allen, die durch ihre Haltung in den politischen Ausein­andersetzungen der lezten Zeit sich für die Ret­tung der deutschen Landwirtschaft eingesetzt ha­ben, seinen Dank aus. Sie haben durch An­nahme der Agrar- und Finanzgesehe die ersten Voraussetzungen für das von Minister Schiele begonnene Rettungswerk geschaffen. Bis jetzt ist jedoch nur der Grund gelegt. Ein um­fassendes und durchgreifendes Ost Programm für die bedrohten Gebiete zur Rettung des Ostens, zur Gesundung der Landwirtschaft muh die selbstverständliche Fortsetzung sein. Der end­

gültige Erfolg hängt entscheidend von der Art der Durchführung des Agrar- und Ost Programmes ab. Dieses erfordert um­fassende Sachkenntnis, Energie und größte Be­schleunigung. Deshalb muh

das Steuer der Agrarpolitik in der Hand des Vertrauensmannes der Landwirtschaft gesichert bleiben.

Der Reichslandbund geht dabei von der Aleßer- zeugung aus, dah mit einer derartigen Politik der inneren Festlegung unseres gesamten Wirt­schaftslebens auch die Grundlage für eine wahr­haft nationale Defreiungspolitik geschaffen wird.

Die -eutschnaiionale Mehr­heits-Opposition.

Berlin, 1. Mai. ERD. (Eigene Meldung.) Zu der heute abend stattfindenden Sonder- versammlung der deutsch-nationa­len Fraktionsmehrheit hat Graf Westarp Einladungen an folgende Abgeordnete ergehen lassen: Dachmann, Bazille, Dingler, Domsch, v. Dryander, Fromm, Gerns, Gotthei- ner, Haag, Hampe, Hartmann, Haßlocher, Hemeter, Hergt, Iandrey, Kleiner, Koch, Leo­pold, v. Lettow-Dorbeck, Lind, Mentzel, Ohler, Philipp, Preyer, Rademacher, Reichert, Frhr. v. Richthofen, Sachs, Schmidt (Stettin), Schrö­ter (Liegnitz), Schultz (Bromberg), Staffehl, Strathmann, Vogt, Walraff.

In dem Brief des Grafen Westarp heiht es demBert. Tageblatt" zufolge:Gegen den in der Anlage beigefügten Beschluh des Parteivorstandes vom 25. d. M. habe ich lebhaften Einspruch erhoben. Mit mir haben 15 Herren dagegen gestimmt. Ich habe vor und nach Annahme des Beschlusses folgende Vorbehalte erklärt: Entgegen der Kritik an der Abstimmung der Fraktionsmehrheit vom 12. und 14. d. M. müsse ich mir Vorbehalten, meinen S tandpunkt auch weiterhin in der Oes f en t li ch k e i t zu vertreten. Ferner müsse ich mir Vorbehalten, mich gege­benenfalls der in den beiden letzten Sätzen des gestrigen Parteivorstandsbeschlusses vorgesehenen

Entscheidung des Herrn parteioorsihenden nicht zu fügen.

Ich habe außerdem erkennen lassen, daß mei­ner Lieberzeugung nach die gleichen Vorbe­halte auch von anderen Mitgliedern der Fraktion gemacht werden. Dabei habe ich zur Begründung u. a. ausgeführt, daß in den beiden letzten Sähen des Parteivorstandsbe- schlufses ein nach meiner Auffassung unzuläs­siger Eingriff in die Abstimmungs­freiheit des einzelnen Abgeordneten liege." Kem Nachgeben Hugenbergs

Eigener Drahtbericht desGieß. Anz."

Berlin, 1. Mai. Wie wir Horen, hat Hu- g e n b e r g seinen vertrauten Parteifreunden und Anhängern angesichts des drohenden Bruchs in der Partei erneut erklärt, dah er keines­falls vor den Wahlen vom Partei­vorstand zurücktreten wolle, selbst dann nicht, wenn die Gruppe der ihm getreuen Ab­geordneten auf 25 Mitglieder in der Fraktion heruntersinken sollte. Augenscheinlich glaubt Hu- genberg bei Wahlen, mit denen man in parla­mentarischen Kreisen jetzt allgemein zum Herbst rechnet, bei einer Politik des unbedingten Fest­haltens an seinem bisherigen Kurs gegenüber anderen Rechtsgruppierungen gute Chancen zu haben. Rach dieser Aeußerung Hugenbergs, die wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wäre also mit einer Beilegung des Konflik­tes durch seinen Rücktritt vom Amt des Par­teivorsitzenden nicht zu rechnen.

hat sie die Rettungsmedaille erhalten, ihre starken Arme entrissen der Adria ein Opfer.

Der Bräutigam, der junge Graf Galeazzo Ciano, der Sohn des Verkehrsministers, ist der Typ des jungen Diplomaten. Gegenwärtig schult er sich als Attache bei der italienischen Botschaft beim Vatikan für die. subtilsten Rechtsfragen, steht aber mit bei­den Beinen im Leben. Um seine Laufbahn soll der Schwiegersohn Mussolinis nicht besorgt sein, doch wäre er auch ohne diese Konstellation ein sympathi­scher Mann.

Vater Mussolini ist zu solchen Stunden ein ganz anderer, als der, den die Photographien zeigen und revolutionäre Hände an die Wand malen. Blieb er während der achttägigen, prunkvollen Hoffestlichkei­ten derfauste nozze", der kronprinzlichen Hochzeit, der einzige wahre Demokrat, der überlegen lächelnd hinter siebenmal sieben Kronen marschierte und während des grandiosen Empfangs auf dem Kapitol lieber auf die Straße ging, um seinen Kindern das Feuerwerk zu zeigen, so will er nun erst recht nichts anderes, als zuhause sein, im Schoße seiner Familie.

Es kam eine ungarische Dame, Gräfin Ambrosy- Migazzi, um ein Hochzeitsgeschenk zu überbringen, den Brautschleier, an dem Damen der ungarischen Gesellschaft Tag und Nacht gearbeitet hatten. Sie mar befangen, als sie dem meistgenannten Manne unserer Zeit gegenüberstand, aber als die heimfrohe Güte, so erzählte sie dann, aus seinen Augen glänzte, fühlte sie sich selber wie zu Hause. Hamlet in Frack? Cäsar in Hemdärmeln!

*

Am Morgen des 24. April, es war sommerlich warm, mußte der Verkehr einen großen Bogen um die Via Nomentana schlagen, wo die Villa Torlonia und in der Nähe eine kleine St. Josefskirche liegt, denn die Römer wollten ihre Edda sehen, wie sie als Signorina Mussolini über die Schwelle schritt und als Signora Contessa Ciano herauskam.

Auffahrt der Behörden, des gesamten diplomati- schen Korps in strotzenden Uniformen, der vorneh­men Geladenen ein richtiges Volksfest. Größer kann die Spannung auch bei Fürstlichkeiten nicht fein. Mütter heben ihre Kinder hoch, die Bogenlam­pen wundern sich über die unerwarteten Turner, die Fensterrahmen stöhnen. Endlich endlich

Viva il Duce! Evviva gli Sposi!

Edda! Edda!!

Man müßte so eine Volksbegeisterung mit der Zeitlupe aufnehmen.

Ah, Lui! Im Cut. Sie ein Engel In Schnee und Lilien. Robust und bewußt Vittorio und Bruno, die Brüder. Donna Rachels am Arme Seiner Ex- zellenz des Schwiegervaters. Die Schwester Musso­linis, Donna Edoige. Die Trauzeugenr Minister

G r a n d i und Graf de V e c ch i, Arnaldo Musso­lini und Fürst Torlonia. Und der Duce führt zum letztenmal seine Tochter.

Seine Leibwache, die schwarzen Musketiere, in zwei Reihen: ein trockenes Kommando, die Dolche fliegen aus der Scheide und die Braut schreitet un­ter dem blitzenden Triumphbogen aus Stahl hin­durch. Diese jungen Männer würden besinnungslos ihr Leben für sie neben wie für ihren Abgott. Dann umfängt der Friede des Tempels das junge Paar, es kniet vor dem Altar, es nimmt die gesegneten Ringe und es unterschreibt nach der Neuerung der Lateranoerträge an Ort und Stelle den gewichtigen Vertrag. Himmelsstimmen fallen ein. Ein Ave Ma- ria, ein Adagio ... und wie sie nuy heraustreten wollen, spannen Forlivesen, Landsleute aus Forli und Predappio, der Heimat Mussolinis, ein seide­nes Band:Wenn du dein Mädchen nach Haus tragen willst, so wirf Zuckerstücke aus!" Unter dem einfallenden Chor muß sich die junge Frau eine Schere besorgen und das Band zerschneiden.

Eine weitere Sitte will, der Duce hält sehr auf Beibehaltung der alten Volksbräuche, daß Mann und Frau nach Sankt Peter wallfahrten. Natürlich ist der Petersplatz voll Menschen. Die Fremden ha­ben sich Feldstühlchen und Thermosflaschen mitge­bracht. Edda Mussolini schreitet wie eine Königin durch ein dichtes Spalier.

Und die Eltern haben sie auch hierher begleitet. Sie küssen mit ihr den schon rund abgeschliffenen Bronzefuß des Apostelfürsten, sie knien vor dem heiligen Altar der Christenheit.

Und dann dann wirft sich das junge Paar in ein ganz modernes Auto und rast nach Napoli. Der Duce fährt noch vierzig Kilometer nebenher, wen­det, das Lächeln verschwindet auf seinen Zügen, fährt in den Palazzo Venezia und arbeitet wie alle Tage bis in die Nacht hinein.

Hochschnlnachn'chien.

Llniversitätsprofessor Dr. Adolf Jarisch in Innsbruck hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf an­genommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in Düsseldorf erHalten. Mit der Vertretung des beurlaubten Professors für öf­fentliches Recht und Kirchenrecht an der Llniver- fität Bonn Dr. Johannes Heckel sind der Privatdozent Dr. Karl Maria H e 11T a g e in Köln und der a. o. Professor Dr. Karl H e h - land In Gießen beauftragt worden.

Oer Verireier des Reichs in Weimar.

Das Ergebnis der Besprechungen.

Berlin, 30. April. (WTB.) Staatssekretär ^weigert hat die zwischen dem Reich und Thüringen bestehenden Meinungsver­schiedenheiten heute in einer eingehenden Konferenz mit dem Vorsitzenden und den beteilig­ten Mitgliedern des thüringischen Staatsministe­riums besprochen.

Gegenstand der Aussprache bildete zunächst die Meinungsverschiedenheit über die Frage, ob der §3 Absatz 1 des thüringischen Ermächti - gungsgesetzes mit Artikel 129 der Reichsver- faffung, wonach die wohlerworbenen Rechte der Beamten unverletzlich sind, vereinbar ist. Die Rechtsfrage wurde nochmals durchgesprochen. Eine Einigung wurde n i d) f*er$ielt. Die Frage soll deshalb, wie schon früher in Aussicht genommen war, gemäß Artikel 13 Absatz 2 der Reichsoerfassung zur Entscheidung des Reichsgerichtes gebracht werden. Die Auffassungen des Reiches und der thüringischen Regierung wurden in der Form, wie sie dem Reichsgericht unterbreitet werden sollen, im einzelnen endgültig festgelegt. Der gemeinfame Antrag des Reiches und Thüringens, über die Mei­nungsverschiedenheit zu entscheiden, wird dem Reichsgericht sofort zugehen. Eine Entscheidung ist in Kürze zu erwarten, da beiderseits auf Abgabe weiterer Erklärungen und auf mündliche Verhand­lung verzichtet ist. Bis zur Entscheidung des Reichs­gerichts, die in diesem Falle Gesetzeskraft hat, verbleibt es bei der Zusage der thüringischen Re­gierung, solche Versetzungen in den Warte­stand, die ihre Stütze nur in dem § 3 Absatz 1 des Ermächtigungsgesetzes finden, nicht vorzunehmen.

Ferner brachte Staatssekretär Z w e i g e r t eine Reihe von Mitteilungen zur Sprache, die dem Reichsminister des Innern von verschiedenen Seiten, insbesondere auch aus der Presse, be-, kanntgeworden sind, und die sich in der Haupt­sache auf politische Strömungen in der Landespolizei Thüringens beziehen. Die einzelnen Fälle wurden erörtert. Soweit eine Aufklärung noch nicht möglich war, hat die thüringische Regierung zugesagt, die Fälle nachzuprüfen und dann dem Reichsminister des Innern weitere Mitteilung zu machen. Was insbesondere die Nachricht über Veränderung! gen in der thüringischen Schutzpolizei betrifft, so hat die thüringische Regierung nochmals auf ihre dem Herrn Reichsminister Dr. Wirth ab­gegebene Erklärung verwiesen, daß seit dem Dienstantritt des Herrn Ministers Frick irgend­welche Reueinstellungen oder Entlas­sungen von Polizeibeamten nicht vorgenommen worden seien mit Ausnahme derjenigen, die schon vor dem Amtsantritt des Herrn Ministers Frick in Aussicht genommen waren.

Heber die Einzelheiten der Besprechung wird Staatssekretär Z w e i g e r t dem Herrn Deichs­minister Dr. Wirth alsbald Bericht erstatten. Deutscher Einspruch gegen die

polenfliige Wer Ostpreußen.

Berlin, 30. April. (Eigene CÄB.-Meldung.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird die deutsche Regierung den Gesandten in Warschau anweisen, mit allem Rachdruck gegen die verschiedenen Grenzverletzungen durch polnische Militärflugzeuge P r o t e st zu führen und darauf hinzuweisen, daß die deutsche Regierung es auf keinen Fall dulden könne, daß eine Wiederholung systematischer Flüge in ostpreuhisches Gebiet durch polnische Militärflugzeuge etwa i^ie im Vorjahr auch in diesem Jahre stattfinde. Die Polnische Regierung wird gebeten, die Schuldigen zu bestrafen und es sicherzustellen, daß eine Wiederholung solcher Grenzverletzungen nicht vorkomme.

Die polnische Regierung hatte im vorigen Jahre erklärt, daß sie eine ernsthafte Erinnerung gegen das Lieberfliegen der deutschen Grenze an ihre Militärflieger richten werde. Seitdem sind die Lieberfliegungen bis zur letzten Zeit unterblieben.

Asta Nielsen erzählt von einer Erbschaft.

Die große Filmschauspielerin, deren Weltruhm in Deutschland entstanden ist, veröffentlicht an­ziehende Erinnerungen in dem soeben erschiene­nen vielseitig interessierenden Maiheft von V e l - Hagen & Klasings Monatsheften. Wie gewöhnlich bei außerordentlichen Schicksalswegen sind auch hier die Anfänge überraschend, und wir lesen mit Rührung, welche Hoffnungen die Eltern Asta Rielsens auf eine Erbschaft gesetzt hatten. Die Künstlerin schreibt:Da mein Vater oft ohne Verdienst und krank war, mußte meine Mutter, um die kleine Familie zu erhalten, bei Herrschaften Waschstellen annehmen. Oft ging sie nachts waschen, da sie am Tage ihren kran­ken Mann und ihr kleines Kind zu Pflegen hatte. Die letzten Monate vor meiner Geburt waren besonders elend, Vater war bettlägerig, und meine Mutter war gezwungen, jede Rächt zu arbeiten, sogar die Rächt vor meiner Geburt stand sie gebeugt am Waschfaß, um die zwei Kronen zu verdienen, die an den zehn Kronen Taxe für die Hebamme noch fehlten. In der Rächt zum 11. September 1885 kam ich zur Welt in einer kleinen Mansarde in Kopenhagen. Linker diesen Verhältnissen fing mein Leben an, und es sollte während meiner ganzen Kindheit nicht viel besser werden. Als ich neun Jahre alt war, starb der Bruder meines Vaters. Wir Kinder hatten ihn nie gesehen, er wohnte in Dänemark, eine Tagereise von uns. Man wußte, daß er eine Brauerei besaß, und da die Mitteilung von seinem Tode uns erreichte mit der Aufforderung an meinen Vater, sich als einziger Erbe sofort zu melden, schweifte unsere Phantasie ins Mär­chenhafte. Während mein Vater verreist war, um den Bruder zu beerdigen und die Erbschaft anzutreten, erwog unsere Mutter mit uns Kin­dern allerhand Zukunftspläne. Eins stand fest: Mutters Lieblingstraum sollte verwirklicht wer­den: meine Schwester sollte Klavier spielen ler­nen und ich Violine. LInsere Pläne und Träume fanden jedoch ein plötzliches Ende. Mein Vater kehrte ohne einen einzigen Pfennig zurück. Die Brauerei scheint keinen Wert gehabt zu haben, nichts war da für meinen Vater aicher einem Schreibtisch auf vier hohen Deinen, einem Hau­sen Bücher und einem Dutzend Einmachgläser mit Schlangen und anderem Gekribbel in Spiritus. Die Schlangen hat mein Vater auf der Stelle verschenkt, der Schreibtisch dagegen war unter­wegs mit den Schubladen voll Büchern. Diese Bücher waren vielleicht überhaupt die Llrsache meiner später so glücklichen LqusbahlU^