manchen Stellen noch aufgestaut, und andere Flachen entbehren deshalb der Befruchtung durch jenen Wunderwirtenden Rilschlamrn, den im Wirtschaftsleben das für produktive Zwecke und zu * günstigen Bedingungen geliehene Kapital dar- stellt. Dah Deutschland dieses Ril - schlammes besonders bedarf, brauche ich vor Ihnen, meine Herren, die Sie alle genaue Kenner der deutschen wirtschaftlichen Wirklichkeiten und Möglichkeiten geworden sind, nicht näher zu erläutern. Daß hier im Vordergründe die Umwandlung des kurzfristigen Kredits in langfristigen Kredit steht, ist Ihnen genau so bekannt, wie mir. Sie, meine sehr verehrten Herren, die Sie uns stets willig die Hand geboten haben, um Deutschlands Wiederaufbau zu erleichtern, können diese Ihre Arbeit aufs fruchtbringendste fortsetzen, wenn Sie weiter dahin wirken,
auch In der breiten Masse der Kapitalisten des Auslandes das Zutrauen zum deutschen Volke und feiner Wirtschaft zu festigen und zu erhöhen.
Wenn erst einmal die äußeren und inneren Schranken niedergelegt sind, die der Derteilong des Kapitals über alle Länder nach den Grundsätzen vernunftgemäßer Wirtschaftsgestaltung im Wege stehen, so wird damit ein großer Schritt voran getan sein, um auch den Austausch der Waren und wirtschaftlichen Leistungen zwischen den nationalen Wirtschaftskörpern zu erleichtern. Dann wird sich zeigen, dah freier Geld- und freier Kapitalverkehr die Vorläufer eines wirtschaftlichen Zusammenlebens der Menschheit sind, das die größte Wohlfahrt für alle bedeutet.
Immer wird Ihnen, meine sehr verehrten Herren, die Sie aus dem Organismus der Reichsbank ausscheiden, das deutsche Land mit seinen großen sozialen und wirtschaftlichen Problemen lebendig im Gedächtnis bleiben. Sie werden sicher nicht vergessen, daß Deutschland unter dem Druck einer sehr großen Arbeitslosigkei t steht. Sie werden nicht vergessen, daß Deutschland seinen Weg finden muß zwischen der Notwendigkeit auf der einen Seite, die eigenen produktiven Kräfte nach Möglichkeit zu entfalten, und dadurch seine Einfuhr herabzusetzen, und der Notwendigkeit auf der anderen Seite, seine Ausfuhr fortge- s e tz t zu st e i g e rn. Gerade Sie, meine Herren, wissen auf das genaueste, daß
auf die Dauer das deutsche Wirtschaftsleben und damit die Fähigkeit Deutschlands, fefne internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, von nichts mehr abhangt, als von der Bereitwilligkeit der ausländischen Märkte, deutsche Waren und
Leistungen aufzunehmen.
Sie haben, sehr verehrte Herren, wie ich mit Bestimmtheit hoffe, erkannt, wie aufrichtig und fest der Wille des deutschen Volkes ist, Deutschland wiederaufzubauen und die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Meine Abschiedsbitte an Sic sei bie, dah Sie die Lieberzeugung von diesem festen Willen Deutschlands erhalten. Ich lade Sie ein, die Beziehungen nicht nur mit uns Reichs- bankleuten, sondern überhaupt mit deutschen Menschen und mit deutschen Dingen weiter zu pflegen. Sie werden uns jederzeit liebe und willkommene Gäste fein, und wir werden, wie
• wir es in der Vergangenheit getan haben, auch in Zukunft mit ganzer Offenheit zu Ihnen über r Deutschlands Lage und die Voraussetzungen sei
nes nationalwirtschaftlichen und sozialen Lebens sprechen.
Zentrums-Opposition gegen Panzerkreuzer B.
Berlin, 30.April. (Eigene CÄB.-Meldung.) Laut „Germania" hat der Reich sju gend- ausschuh der Deutschen Zentrums- Partei in einem Schreiben an die Reichstagsfraktion es als politisch untragbar bezeichnet, daß in den Reichshaushaltsplan für 1930 Mittel für den Bau des Panzerkreuzers^ eingesetzt, oder aus ihm dafür verwandt werden.
Hochzeit tm Hause Mussolini.
Von Dr. Gustav W. Eberlein.
Rom, Ende April.
Nach dem Kronprinzen die „Kronprinzessin". Drei Monate nach dem Erstgeborenen des Königs, nach dem Pomp des Ouirinals die Erstgeborene des Duce im Brautkleid der Villa Torlonia. Nun heiratet seine Tochter also, an der Wiege ist es ihr gewiß nicht gesungen worden, einen Grafen. Und so muß ihre Mutter tun, ma sie, bisher vermied: in- die Gesellschaft gehen. Revolution im Hause Mussolini — das bedeutet diese Hochzeit. Es hat eine Zeit gegeben, wo er halbverhungert unter Brückenbogen nächtigte, elfmal im Gefängnis saß und am liebsten die Ge- selllchaft erwürgt hätte, in der nun sein Blut und Erbe wurzelt. Gärende Zeit, in der wir leben.
Das Brautpaar wird Lächeln und Frühling sein, wie jedes andere. Wie aber wird sich Mussolini geben? In welcher Rolle auftreten?
Und — unter so viel Aristokraten und Exzellenzen — Donna Rachels?
*
Sßenn die snobistische Schicht unter der vornehmen römischen Gesellschaft sich etwa ein pikantes Schauspiel, das einen Bernard Shaw kitzeln könnte, erwartete, so muß sie bitter enttäuscht sein.
Schon der große Empfang in der Villa Torlonia am Vorabend, oder vielmehr am Spätnachmittag vor der Trauung strafte die gerümpften Nasen Lügen. Es war wie sonst beim Tee im Hause Musso- lmi, wenn mehr Gäste kommen als gewöhnlich. Im Park stand eine Reihe kleiner Tische und hinter den Palmen, dieser einzigartigen Oase in der steinernen Wüste, ging brennendrot, in lodernder Sommer» Verheißung, die Sonne unter.
Mussolini empfing seine Gäste nicht als Duce, sondern als Brautvater, lächelnd und würdig. Eddas JJcutter man kann nicht anders sagen, sie war
ergreifend in ihrer Schlichtheit. Nichts von Frau Neure.ch. Eine unauffällige Frau in ruhigem Pa- stellkleid, mit gescheiteltem Blondhaar, im Bench. m6«!0 natür[idk wie in der Kleidung.
"3ch bin strahlend vor Glück", so hatte Signorina Edda einer englischen Zeitung geantwortet, die sofort nach dem Bekanntwerden der Verlobung von London aus die Villa Torlonia anklingelte unauf* * fällig die Tochter des Hauses ans Telefon 'bat und sie unauffällig ausfragte, bevor sie Papa verständigen konnte. Neues kann sie infolged?fsen heute kaum mehr erzählen und es genügt ja auch, in ihre ftrab- enbenJlngen zu sehen. Rosa Chiffon fließt um ihre Gestalt, gewohnter als der Blumenstrauß fmd ihr Volant und Steigbügel. Schon als Backfisch
Der Kurs der Deuischen Volkspariei.
Eine Rede des Parteiführers.
Königsberg, 30. April. (WTD.) Auf einem von der Deutschen Dolkspartei veranstalteten staatspolitifchen Abend hielt der Parteivorsitzende Dr. Scholz eine Rede zur politischen Lage, in der er u. a. ausführte: In den vergangenen Monaten feit dem Tode unseres unvergeßlichen Stresemann ergaben sich für die aktive Politik der Deutschen Dolkspartei große Aufgaben, zumal die Fortführung der Außenpolitik Stresemanns bis zum vorläufigen Abschluß der Annahme der Voung-Gesetze und der darnkt verbundenen Erreichung der Befreiung des besetzten Gebietes zum 30. Juni. Das führte zur einheitlichen Stellungnahme der Fraktion und der Partei für die Annahme der Tribut- gesehe trotz lebhafter Bedenken, führte auch zur Annahme der Liquidationsabkommen.
Die Deutsche Dolkspartei war bereit, diese großen Aufgaben mit der Sozialdemokratie zu lösen und hat bis zur Preisgabe wirtschaftlicher Grundanschauungen die Hand zum Kompromiß geboten. Die Sozialdemokratie hat dieses Kompromiß, das die von ihr selbst geführte Regierung sich zu eigen machte, abgelehnt und damit die
Krise herbeigesührl.
Die Entschlußkraft Hindenburgs schuf binnen weniger Tage das Kabinett Brüning, das die volle Unterstützung der Deutschen Volkspartei genießt, das sich in schweren parlamentarischen Kämpfen behauptete und die Grundlage des Haushalts für 1930 durch Annahme einer Reihe indirekter Steuern, ferner die Agrarreform geschaffen hat. Die nächste politische Arbeit unserer Fraktion im Reichstag wird der
Erfüllung des versprechens der fühlbaren Senkung der direkten Steuern (Heal- und Einkommensteuer) von 1931, einer damit untrennbar verbundenen starken Sparsamkeitsaktion auf allen Gebieten des Haushaltes, einem vernünftigen Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden und dem großen Problem der Reichsreform zu gelten haben. Line durchgrei- fende Hilfe für den Osten im Sinne des Hindenburg-Programms wird ihre Unterstützung finden, damit der deutsche Osten ein festes Bollwerk sei und bleibe gegen das zerfetzende Element des Bolschewismus.
Die alten nationalen und liberalen Ideen der Deutschen Dolkspartei sind noch immer lebendig und lebenskräftig. Gleiche Ideen haben vor 120 Jahren das niedergeschlagene Preußen wieder groß gemacht, und die alte Nationalliberale Partei wurde mit dem Ehrennamen „Partei der Reichsgründung" bedacht. Möge die Deutsche Volkspartei dereinst die „Par- tei der Reichserneuerung" genannt werden!
Kundgebung des Reichslandbundes.
Dank und Mahnung.
Berlin, 30. April. (WTD.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen:
Der Reichslandbund spricht allen, die durch ihre Haltung in den politischen Auseinandersetzungen der lezten Zeit sich für die Rettung der deutschen Landwirtschaft eingesetzt haben, seinen Dank aus. Sie haben durch Annahme der Agrar- und Finanzgesehe die ersten Voraussetzungen für das von Minister Schiele begonnene Rettungswerk geschaffen. Bis jetzt ist jedoch nur der Grund gelegt. Ein umfassendes und durchgreifendes Ost Programm für die bedrohten Gebiete zur Rettung des Ostens, zur Gesundung der Landwirtschaft muh die selbstverständliche Fortsetzung sein. Der end
gültige Erfolg hängt entscheidend von der Art der Durchführung des Agrar- und Ost Programmes ab. Dieses erfordert umfassende Sachkenntnis, Energie und größte Beschleunigung. Deshalb muh
das Steuer der Agrarpolitik in der Hand des Vertrauensmannes der Landwirtschaft gesichert bleiben.
Der Reichslandbund geht dabei von der Aleßer- zeugung aus, dah mit einer derartigen Politik der inneren Festlegung unseres gesamten Wirtschaftslebens auch die Grundlage für eine wahrhaft nationale Defreiungspolitik geschaffen wird.
Die -eutschnaiionale Mehrheits-Opposition.
Berlin, 1. Mai. ERD. (Eigene Meldung.) Zu der heute abend stattfindenden Sonder- versammlung der deutsch-nationalen Fraktionsmehrheit hat Graf Westarp Einladungen an folgende Abgeordnete ergehen lassen: Dachmann, Bazille, Dingler, Domsch, v. Dryander, Fromm, Gerns, Gotthei- ner, Haag, Hampe, Hartmann, Haßlocher, Hemeter, Hergt, Iandrey, Kleiner, Koch, Leopold, v. Lettow-Dorbeck, Lind, Mentzel, Ohler, Philipp, Preyer, Rademacher, Reichert, Frhr. v. Richthofen, Sachs, Schmidt (Stettin), Schröter (Liegnitz), Schultz (Bromberg), Staffehl, Strathmann, Vogt, Walraff.
In dem Brief des Grafen Westarp heiht es dem „Bert. Tageblatt" zufolge: „Gegen den in der Anlage beigefügten Beschluh des Parteivorstandes vom 25. d. M. habe ich lebhaften Einspruch erhoben. Mit mir haben 15 Herren dagegen gestimmt. Ich habe vor und nach Annahme des Beschlusses folgende Vorbehalte erklärt: Entgegen der Kritik an der Abstimmung der Fraktionsmehrheit vom 12. und 14. d. M. müsse ich mir Vorbehalten, meinen S tandpunkt auch weiterhin in der Oes f en t li ch k e i t zu vertreten. Ferner müsse ich mir Vorbehalten, mich gegebenenfalls der in den beiden letzten Sätzen des gestrigen Parteivorstandsbeschlusses vorgesehenen
Entscheidung des Herrn parteioorsihenden nicht zu fügen.
Ich habe außerdem erkennen lassen, daß meiner Lieberzeugung nach die gleichen Vorbehalte auch von anderen Mitgliedern der Fraktion gemacht werden. Dabei habe ich zur Begründung u. a. ausgeführt, daß in den beiden letzten Sähen des Parteivorstandsbe- schlufses ein nach meiner Auffassung unzulässiger Eingriff in die Abstimmungsfreiheit des einzelnen Abgeordneten liege." Kem Nachgeben Hugenbergs
Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz."
Berlin, 1. Mai. Wie wir Horen, hat Hu- g e n b e r g seinen vertrauten Parteifreunden und Anhängern angesichts des drohenden Bruchs in der Partei erneut erklärt, dah er keinesfalls vor den Wahlen vom Parteivorstand zurücktreten wolle, selbst dann nicht, wenn die Gruppe der ihm getreuen Abgeordneten auf 25 Mitglieder in der Fraktion heruntersinken sollte. Augenscheinlich glaubt Hu- genberg bei Wahlen, mit denen man in parlamentarischen Kreisen jetzt allgemein zum Herbst rechnet, bei einer Politik des unbedingten Festhaltens an seinem bisherigen Kurs gegenüber anderen Rechtsgruppierungen gute Chancen zu haben. Rach dieser Aeußerung Hugenbergs, die wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wäre also mit einer Beilegung des Konfliktes durch seinen Rücktritt vom Amt des Parteivorsitzenden nicht zu rechnen.
hat sie die Rettungsmedaille erhalten, ihre starken Arme entrissen der Adria ein Opfer.
Der Bräutigam, der junge Graf Galeazzo Ciano, der Sohn des Verkehrsministers, ist der Typ des jungen Diplomaten. Gegenwärtig schult er sich als Attache bei der italienischen Botschaft beim Vatikan für die. subtilsten Rechtsfragen, steht aber mit beiden Beinen im Leben. Um seine Laufbahn soll der Schwiegersohn Mussolinis nicht besorgt sein, doch wäre er auch ohne diese Konstellation ein sympathischer Mann.
Vater Mussolini ist zu solchen Stunden ein ganz anderer, als der, den die Photographien zeigen und revolutionäre Hände an die Wand malen. Blieb er während der achttägigen, prunkvollen Hoffestlichkeiten der „fauste nozze", der kronprinzlichen Hochzeit, der einzige wahre Demokrat, der überlegen lächelnd hinter siebenmal sieben Kronen marschierte und während des grandiosen Empfangs auf dem Kapitol lieber auf die Straße ging, um seinen Kindern das Feuerwerk zu zeigen, so will er nun erst recht nichts anderes, als zuhause sein, im Schoße seiner Familie.
Es kam eine ungarische Dame, Gräfin Ambrosy- Migazzi, um ein Hochzeitsgeschenk zu überbringen, den Brautschleier, an dem Damen der ungarischen Gesellschaft Tag und Nacht gearbeitet hatten. Sie mar befangen, als sie dem meistgenannten Manne unserer Zeit gegenüberstand, aber als die heimfrohe Güte, so erzählte sie dann, aus seinen Augen glänzte, fühlte sie sich selber wie zu Hause. Hamlet in Frack? Cäsar in Hemdärmeln!
*
Am Morgen des 24. April, es war sommerlich warm, mußte der Verkehr einen großen Bogen um die Via Nomentana schlagen, wo die Villa Torlonia und in der Nähe eine kleine St. Josefskirche liegt, denn die Römer wollten ihre Edda sehen, wie sie als Signorina Mussolini über die Schwelle schritt und als Signora Contessa Ciano herauskam.
Auffahrt der Behörden, des gesamten diplomati- schen Korps in strotzenden Uniformen, der vornehmen Geladenen — ein richtiges Volksfest. Größer kann die Spannung auch bei Fürstlichkeiten nicht fein. Mütter heben ihre Kinder hoch, die Bogenlampen wundern sich über die unerwarteten Turner, die Fensterrahmen stöhnen. Endlich — endlich —
Viva il Duce! Evviva gli Sposi!
Edda! Edda!!
Man müßte so eine Volksbegeisterung mit der Zeitlupe aufnehmen.
Ah, Lui! Im Cut. Sie — ein Engel In Schnee und Lilien. Robust und bewußt Vittorio und Bruno, die Brüder. Donna Rachels am Arme Seiner Ex- zellenz des Schwiegervaters. Die Schwester Mussolinis, Donna Edoige. Die Trauzeugenr Minister
G r a n d i und Graf de V e c ch i, Arnaldo Mussolini und Fürst Torlonia. Und der Duce führt zum letztenmal seine Tochter.
Seine Leibwache, die schwarzen Musketiere, in zwei Reihen: ein trockenes Kommando, die Dolche fliegen aus der Scheide und die Braut schreitet unter dem blitzenden Triumphbogen aus Stahl hindurch. Diese jungen Männer würden besinnungslos ihr Leben für sie neben wie für ihren Abgott. Dann umfängt der Friede des Tempels das junge Paar, es kniet vor dem Altar, es nimmt die gesegneten Ringe und es unterschreibt nach der Neuerung der Lateranoerträge an Ort und Stelle den gewichtigen Vertrag. Himmelsstimmen fallen ein. Ein Ave Ma- ria, ein Adagio ... und wie sie nuy heraustreten wollen, spannen Forlivesen, Landsleute aus Forli und Predappio, der Heimat Mussolinis, ein seidenes Band: „Wenn du dein Mädchen nach Haus tragen willst, so wirf Zuckerstücke aus!" Unter dem einfallenden Chor muß sich die junge Frau eine Schere besorgen und das Band zerschneiden.
Eine weitere Sitte will, der Duce hält sehr auf Beibehaltung der alten Volksbräuche, daß Mann und Frau nach Sankt Peter wallfahrten. Natürlich ist der Petersplatz voll Menschen. Die Fremden haben sich Feldstühlchen und Thermosflaschen mitgebracht. Edda Mussolini schreitet wie eine Königin durch ein dichtes Spalier.
Und die Eltern haben sie auch hierher begleitet. Sie küssen mit ihr den schon rund abgeschliffenen Bronzefuß des Apostelfürsten, sie knien vor dem heiligen Altar der Christenheit.
Und dann — dann wirft sich das junge Paar in ein ganz modernes Auto und rast nach Napoli. Der Duce fährt noch vierzig Kilometer nebenher, wendet, das Lächeln verschwindet auf seinen Zügen, fährt in den Palazzo Venezia und arbeitet wie alle Tage bis in die Nacht hinein.
Hochschnlnachn'chien.
Llniversitätsprofessor Dr. Adolf Jarisch in Innsbruck hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in Düsseldorf erHalten. — Mit der Vertretung des beurlaubten Professors für öffentliches Recht und Kirchenrecht an der Llniver- fität Bonn Dr. Johannes Heckel sind der Privatdozent Dr. Karl Maria H e 11T a g e in Köln und der a. o. Professor Dr. Karl H e h - land In Gießen beauftragt worden. —
Oer Verireier des Reichs in Weimar.
Das Ergebnis der Besprechungen.
Berlin, 30. April. (WTB.) Staatssekretär ^weigert hat die zwischen dem Reich und Thüringen bestehenden Meinungsverschiedenheiten heute in einer eingehenden Konferenz mit dem Vorsitzenden und den beteiligten Mitgliedern des thüringischen Staatsministeriums besprochen.
Gegenstand der Aussprache bildete zunächst die Meinungsverschiedenheit über die Frage, ob der §3 Absatz 1 des thüringischen Ermächti - gungsgesetzes mit Artikel 129 der Reichsver- faffung, wonach die wohlerworbenen Rechte der Beamten unverletzlich sind, vereinbar ist. Die Rechtsfrage wurde nochmals durchgesprochen. Eine Einigung wurde n i d) f*er$ielt. Die Frage soll deshalb, wie schon früher in Aussicht genommen war, gemäß Artikel 13 Absatz 2 der Reichsoerfassung zur Entscheidung des Reichsgerichtes gebracht werden. Die Auffassungen des Reiches und der thüringischen Regierung wurden in der Form, wie sie dem Reichsgericht unterbreitet werden sollen, im einzelnen endgültig festgelegt. Der gemeinfame Antrag des Reiches und Thüringens, über die Meinungsverschiedenheit zu entscheiden, wird dem Reichsgericht sofort zugehen. Eine Entscheidung ist in Kürze zu erwarten, da beiderseits auf Abgabe weiterer Erklärungen und auf mündliche Verhandlung verzichtet ist. Bis zur Entscheidung des Reichsgerichts, die in diesem Falle Gesetzeskraft hat, verbleibt es bei der Zusage der thüringischen Regierung, solche Versetzungen in den Wartestand, die ihre Stütze nur in dem § 3 Absatz 1 des Ermächtigungsgesetzes finden, nicht vorzunehmen.
Ferner brachte Staatssekretär Z w e i g e r t eine Reihe von Mitteilungen zur Sprache, die dem Reichsminister des Innern von verschiedenen Seiten, insbesondere auch aus der Presse, be-, kanntgeworden sind, und die sich in der Hauptsache auf politische Strömungen in der Landespolizei Thüringens beziehen. Die einzelnen Fälle wurden erörtert. Soweit eine Aufklärung noch nicht möglich war, hat die thüringische Regierung zugesagt, die Fälle nachzuprüfen und dann dem Reichsminister des Innern weitere Mitteilung zu machen. Was insbesondere die Nachricht über Veränderung! gen in der thüringischen Schutzpolizei betrifft, so hat die thüringische Regierung nochmals auf ihre dem Herrn Reichsminister Dr. Wirth abgegebene Erklärung verwiesen, daß seit dem Dienstantritt des Herrn Ministers Frick irgendwelche Reueinstellungen oder Entlassungen von Polizeibeamten nicht vorgenommen worden seien mit Ausnahme derjenigen, die schon vor dem Amtsantritt des Herrn Ministers Frick in Aussicht genommen waren.
Heber die Einzelheiten der Besprechung wird Staatssekretär Z w e i g e r t dem Herrn Deichsminister Dr. Wirth alsbald Bericht erstatten. Deutscher Einspruch gegen die
polenfliige Wer Ostpreußen.
Berlin, 30. April. (Eigene CÄB.-Meldung.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird die deutsche Regierung den Gesandten in Warschau anweisen, mit allem Rachdruck gegen die verschiedenen Grenzverletzungen durch polnische Militärflugzeuge P r o t e st zu führen und darauf hinzuweisen, daß die deutsche Regierung es auf keinen Fall dulden könne, daß eine Wiederholung systematischer Flüge in ostpreuhisches Gebiet durch polnische Militärflugzeuge etwa i^ie im Vorjahr auch in diesem Jahre stattfinde. Die Polnische Regierung wird gebeten, die Schuldigen zu bestrafen und es sicherzustellen, daß eine Wiederholung solcher Grenzverletzungen nicht vorkomme.
Die polnische Regierung hatte im vorigen Jahre erklärt, daß sie eine ernsthafte Erinnerung gegen das Lieberfliegen der deutschen Grenze an ihre Militärflieger richten werde. Seitdem sind die Lieberfliegungen bis zur letzten Zeit unterblieben.
Asta Nielsen erzählt von einer Erbschaft.
Die große Filmschauspielerin, deren Weltruhm in Deutschland entstanden ist, veröffentlicht anziehende Erinnerungen in dem soeben erschienenen vielseitig interessierenden Maiheft von V e l - Hagen & Klasings Monatsheften. Wie gewöhnlich bei außerordentlichen Schicksalswegen sind auch hier die Anfänge überraschend, und wir lesen mit Rührung, welche Hoffnungen die Eltern Asta Rielsens auf eine Erbschaft gesetzt hatten. Die Künstlerin schreibt: „Da mein Vater oft ohne Verdienst und krank war, mußte meine Mutter, um die kleine Familie zu erhalten, bei Herrschaften Waschstellen annehmen. Oft ging sie nachts waschen, da sie am Tage ihren kranken Mann und ihr kleines Kind zu Pflegen hatte. Die letzten Monate vor meiner Geburt waren besonders elend, Vater war bettlägerig, und meine Mutter war gezwungen, jede Rächt zu arbeiten, sogar die Rächt vor meiner Geburt stand sie gebeugt am Waschfaß, um die zwei Kronen zu verdienen, die an den zehn Kronen Taxe für die Hebamme noch fehlten. In der Rächt zum 11. September 1885 kam ich zur Welt in einer kleinen Mansarde in Kopenhagen. Linker diesen Verhältnissen fing mein Leben an, und es sollte während meiner ganzen Kindheit nicht viel besser werden. Als ich neun Jahre alt war, starb der Bruder meines Vaters. Wir Kinder hatten ihn nie gesehen, er wohnte in Dänemark, eine Tagereise von uns. Man wußte, daß er eine Brauerei besaß, und da die Mitteilung von seinem Tode uns erreichte mit der Aufforderung an meinen Vater, sich als einziger Erbe sofort zu melden, schweifte unsere Phantasie ins Märchenhafte. Während mein Vater verreist war, um den Bruder zu beerdigen und die Erbschaft anzutreten, erwog unsere Mutter mit uns Kindern allerhand Zukunftspläne. Eins stand fest: Mutters Lieblingstraum sollte verwirklicht werden: meine Schwester sollte Klavier spielen lernen und ich Violine. LInsere Pläne und Träume fanden jedoch ein plötzliches Ende. Mein Vater kehrte ohne einen einzigen Pfennig zurück. Die Brauerei scheint keinen Wert gehabt zu haben, nichts war da für meinen Vater aicher einem Schreibtisch auf vier hohen Deinen, einem Hausen Bücher und einem Dutzend Einmachgläser mit Schlangen und anderem Gekribbel in Spiritus. Die Schlangen hat mein Vater auf der Stelle verschenkt, der Schreibtisch dagegen war unterwegs mit den Schubladen voll Büchern. Diese Bücher waren vielleicht überhaupt die Llrsache meiner später so glücklichen LqusbahlU^


