Ausgabe 
1.5.1930
 
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Wif^en

olizeiamt,

He F: 3.SL 2 6t bt. = 3,61 fm, - ? St. = 4,52 fm.

SL 3 6t. = 0,88fm; im; QütelWt N;

St. = 3,02 fm. - 12 St. = 8,61 fm, RI. 16t. = 0,38 im. A. 6 St. = 2,63 fm, im.

Kl- 5 61 - 0,58 fm, 5 fm, 2a=fil. 2-5 £t 29 St. = 23,95 fm, ,92 fm, 3ML 3 61 St. = 2,46 fm, 5.SL ütetLF: 2s-Kl. 8 St. St.-4.93fm,3E -Kl 2 St. -1,04 fm, I fm.

Kl 2 St. - 0,35 fm, 14 fm, 2E. 3 St. St. = 1,33 fm, 3b-.U ütekl F: 2s-Kl 1 St.

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erzeichnete 21mt den29.2lpril 1930.

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Nr. 101 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Donnerstag, 1. Mal 1930

Erschein' ȟgl'ch, anher Sonntags und Ieienc>E

Beilagen:

The Dnuftrierte Gießener Familien blätter

Heimat >m Bild Die Scholle

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Chefredakteur.

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tyyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Um die Saar.

Don Adolf Kranke, Köln.

Der Verfasser hat an den entscheidenden Kämpfen der Saarbevölkerung als führen­der politischer Journalist teilgenommen. Die Befreiung des Saargebiets von dem landesverräterischen saarländischen Mit­glied der Regierungskommission Dr. Hector hat Franke durch einen seinem Gegner ausgezwungenen Beleidigungs- prozeß erreicht. Anfang Mai beginnen neue Eaarverhandlungen, bei denen das Warndtproblem im Mittelpunkt steht. D. Red.

Die Saarfrage wäre vielleicht einer der possen­haftesten und törichtsten Witze der Weltge­schichte, wenn eS sich nicht dabei um die Q3er- schacherung von Menschen handelte. Unwahr­heiten schon in Tardieus Denkschrift über das Saargebiet (so die reine Erfindung eines Emp­fangs der französischen Truppen in Saarlouis und eines begeisterten Telegramms der Stadt an den Präsidenten der französischen Republik), grotesker Schwindel Elemenceaus (die 150 000 Saarfranzosen), Lloyd George sekundiert, aus Gründen, die mit der Sache nichts zu tun haben (wenn Entgegenkommen für Deutschland not­wendig, dann möge England seine Wünsche re­duzieren, sagten die Franzosen), Wilson läßt sich übertölpeln, es entsteht eine , Frage", die Niemals eine Frage gewesen ist. Eine üble Mih- geburt erblickt das Licht der Welt: das Saar­stat u t.

Die Saarverhandlungen kommen nicht vor­wärts. Warum? Frankreich fan n sich nicht befreien von der Lüge! Wer Frankreich unvoreingenommen besucht, der ist bezaubert von diesen liebenswürdigen, höflichen Menschen. Friedlich sicherlich, aber auch sehr national. Mischt man das richtig, dann ist eben doch das Pulverfaß da, in das man nur ein Fünkchen zu werfen braucht, dann geht die Flamme hoch. Die Leute werden wild nationa­listisch - um ihren Frieden zu schützen. Lud­wig XlV. Hot diesen Frieden geschützt; ja, nach der Auffassung maßgebender Franzosen, Histo­riker und anderer (Foch), hat Rapoleon nichts anderes getan, als diesen Frieden zu schützen gesucht. Wir glauben allerdings Rapoleon selber mehr: daß eine Art europäischen Föderalismus sein Ziel war, unter seinem Kaisertum und dem seiner Dynastie und darum unter Frankreichs Dorherrschaft. Immerhin durchaus ein Bündnis­system, also auch nicht etwa nach Form und Inhaltnur ein größeres Frankreich; so arm­selig klein dachte er auch nicht.

Die falsche napoleonische Idee führte nach dem alliierten Siege zu dem Versuch, Rheinland und Eaargebiet von Deutschland abzutrennen und in irgendeiner Form Frankreich anzugliedern. Falls die französischen Rationalisten wirklich eine andere Auffassung über die Geschichte des Saargebiets als wir Deutschen hatten, dann hätte sie schon die Zeit der militärischen Be­setzung während des Waffenstillstandes bekehren müssen. Riemand wird sogen dürfen, daß die Eaarbevölkerung trotz allen Druckes damals auch nur im allergeringsten Anlaß gegeben hätte, an ihrem Deutschtum zu zweifeln, obwohl sie sich der Macht fügen mußte und fügte. Das Bild war klar. Wer cs nicht verstand wollte es nicht verstehen. Oder er war in seiner Eitelkeit blind.

Alles einsetzend, heldenhaft und furchtlos hat sich die Saarbevölkerung gewehrt und hat ihr Teil dazu beigetragen, daß heute innerhalb des Völkerbundes und in der ganzen Welt bei allen, die politisch denken können, keinerlei falsche Auf­fassung mehr besteht über die absolute Deutschheit der Menschen im Saar- gebiet. Es soll hier auf diesen gigantischen Abwehrkampf nicht näher eingegangen werden. Obwohl man im allgemeinen draußen von ihm weniger weiß als vom Angriff. Angriff mit allen Mitteln: Gewalt, Trug, Lockung, Ver­führung. 3a, Frankreich ist vor der niedrigsten Maulwurfsarbeit innerhalb der Bevölkerung nicht zurückgescheut.

Vor einer Moulwurfsarbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sprechen hier von der Aus­beutung saarländischer -Kohle von französischem Boden aus, dem Angriff auf das Warndt- gebiet Die Sache liegt sehr klar. Wollte die Saarregierung ihre Pflicht als Verwal­terin des Saargebietes und Vertreterin des Treuhänders Völkerbund (!) erfüllen, dann durfte sie, falls die reichen Warndtflöze abgebaut wer­den sollten, nur eine Erschließung im Warndt- gebiet selber zulassen. Daß sie die Ausbeutung durch französische Firmen von lothringischem Ge­biet aus genehmigte, ist, rein wirtschaftlich be­trachtet, schon eine schwere Versündigung am Saargebiet. Denn diese Ausbeutung schwächt das Gebiet nicht nur außerordentlich, sondern bringt es auch um den entsprechenden Kohlen» t>erlauf nach Lothringen. Uni) das eben durch regelrechten Diebstahl am Saargebiet, obwohl sogar in Lothringen selber noch reichste Kohlen- schähe der Hebung harren. Aber die bewahrt man auf. Das ist ja auch das bereits unver­hohlen ausgesprochene Ziel Frankreichs, durch Einbeziehung des Warndtgebietseine Art Grenzderichtigung" vorzunehmen. Lies Loth­ringen, da das Saargebiet leider doch zurück­gegeben werden muß, von dem Bezug saarlän­discher Kohle unabhängig zu machen. Die Loth­ringer Ausbeuter zahlen dem Saargebiet nicht einmal Steuern.

Politisch gesehen ist aber diese Pflichtverletzung der Regierung Rault ein Derbrechen an

Schluß der Auslandskontrolle bei der Reichsbank.

Eine 2Reöc Luthers an die scheidenden ausländischen Generalratsmitglieder.

Berlin, 30. April. (WTB.) 3m Anschluß an die heutige Generalratssihung der Reichsbank hatte Reichsbankpräsident Dr. Luther die Mitglieder des Generalrates zu einer kleinen Abschiedsfeier in der Reichsbank ein geladen, an der neben Mitgliedern des Reichsbankdirektoriums auch der Reichs­kanzler teilnahm.

Der dieser Gelegenheit hielt Dr. Luther eine Ansprache, in der er u. a. darlegte, von wie großer Bedeutung das Vertrauen ist, daß dem Geldwesen eines Landes ent­gegengebracht wird. Weiter führte Dr. Luther aus: Für ein Land in der Lage Deutsch­lands mit seiner Reparationslast haben die Beziehungen nach außen eine vervielfachte Bedeutung.

Das vertrauen, das die Arbeit des General­rates erfüllt hat, hat einstmals feinen Einzug in die Reichsbank durch das Tor des Mißtrauens gehalten.

Bei den Erörterungen, die zu dem später sog. Dawes-Plan geführt haben, hat vorüber­gehend sogar die Gefahr bestanden, daß ein ganzes Gebäude des Mißtrauens errichtet würde, das zu groß, zu wuchtig war, als daß das zarte Pflänzlein jungen Vertrauens neben ihm hätte gedeihen können. Wer die damaligen Erwä­gungen beobachtet hat ich war in jener Zeit Reichsfinanzminister weih, daß sogar der Gedanke ausgetaucht ist, die Emissionsab- teilung der neu zu gründenden Rotenbank im Auslande zu errichten und daß das Sach­verständigenkomitee dem Generalrat die Möglich­keit überlassen wollte, den Metallbestand der Bank und die Rotendruckstelle in das neutrale Ausland zu verlegen. Daß das dann eingesetzte Organisationskomitee sich entschlossen hat, die neue Dank als eine Fort­setzung der alten Reichsbank ins Leben zu rufen, war solchen Plänen gegenüber ein Zeichen beginnenden Vertrauens. Ich gedenke gern in diesem Zusammenhang des einzigen aus­ländischen Mitgliedes des damaligen Organisa­tionskomitees, Sir Robert Kindersley, der der Entwicklung verständnisvolle Förderung ent­gegengebracht hat. Besonderer Dank gebührt hier aber meinem um die Reichsbank und den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft so hoch­verdienten Amtsvorgänger Herrn Dr. Hjalmar Schacht, der als deutsches Mitglied des Or­ganisationskomitees mit voller Einsetzung seiner Persönlichkeit dafür gesorgt hat, daß

das Deutsche Reich fein ihm eigentümliches Währungssyslem, feine Reichsbank, als Träger auch der neuen Währung behielt.

Unter den Früchten, die diese Arbeit getragen hat, erwies sich als wahrlich nicht die geringste, daß von den ersten Tagungen an die ausländi­schen Mitglieder des Generalrates und an ihrer Spitze der Kommissar der Reichsbank ungeachtet der besonderen Ausgaben, die ihnen als aus­ländischen Persönlichkeiten innerhalb der Reichs­bank oblagen, mit Deutlichkeit ihre Verantwor­tung gerade gegenüber der Reichsbank gefühlt und betätigt haben. Es ist mir angenehme Pflicht, das Wirken dieses Kommissars bei der Reichs­

bank des Herrn Prof. Dr. B r u i n S besonders hervorzuheben.

Wenn wir in Erwartung der bevorstehenden Ratifikation des Boungplans durch die er­forderliche Anzahl von vertragschließenden Staa­ten uns heute von Ihnen, meine sehr verehrten Herren, verabschieden, so wollen wir nicht gleichzeitig von der aufbauenden Kraft des Vertrauens Abschied nehmen, die sie uns geschenkt haben.

wir Deutschen empfinden es als eine Erlösung von schwerer Last, daß durch die Annahme des Doungplanes die ausländischen Kontrollbefugnisse wegfallen.

Wir geben uns sogar der Hoffnung hin, daß Sie, nachdem Sie durch Ihre Tätigkeit in der Reichsbank so manches Jahr mit dem deutschen Volke mitgelebt haben, auch dieses Befreiungs­gefühl des deutschen Volkes innerlich miterleben.

Ich möchte wünschen, daß, nachdem aus dem Mißtrauen des Dawesplanes einstmals das Ver­trauen geboren worden ist, nun aus dem Ver­trauen des Voungplanes auch Ihr Vertrauen

auf Deutschlands Zukunft einen neuen Antrieb erfährt, die durch die tatsächliche Ent­wicklung gerechtfertigt werden möge. Wenn da- Körperliche des alten Generalrats in wenigen Tagen verschwindet, so möge, dies ist mein Wunsch, das Geistige des Generalrates den Körper überleben und sich in der Freiheit neu entfalten. Auch die mit der Bank für Inter­nationalen Zahlungsausgleich verbundenen Ab­sichten einer wachsenden Zusammenar­beit der Rotenbanken und Bewältigung großer Probleme der Weltwirtschaft durch Zusammen­arbeit haben einen Teil ihres Ursprungs ohne Zweifel in den Erfahrungen des Generalrates. Es ist sicher für alle Mitglieder des General­rates eine besondere Freude, daß unser sehr verehrtes Mitglied Herr Mac G a r r a h, sich entschlossen hat, das Präsidium der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich anzunehmen, und auch Sir Charles Addis darf ich in seiner besonderen Rolle als Dice-Chairman der ge­nannten Dank warm bewillkommnen. Wenn der Geldstrom heute wieder mit einiger Leichtigkeit über die Erde fließt, so ist der Kapitalstrom an

Schober gibt -en Anschluß preis.

Keine politische Union mit Deutschland. Oa!ür 1OO Millionen-Anleihe.

London, 30. April. (wTv.) Dr. Sdjobei teilte dem Pariser Korrespondenten des Reuter- bureaus mit, alles fei für die Ausschreibung einer

österreichischen Anleihe innerhalb bet nächsten zwei Monate vorbereitet. Die Ausgabe werde in den Händen der Firma 3. P. M o r g a n & Eo. liegen und der Betrag werde 10 0 Millio­nen nicht überschreiten. Der (Ertrag werde aus­schließlich für die Erfordernisse der P o st und für den Ausbau der Eisenbahn verwandt werden. Schober sagte weiter, das erste, was et in London tun werde, fei, der britischen Regierung für alle Anterstühung, die sie Oefterreidj Ira Haag zu­teil werden lieh, erneut feinen Dank auszusprechen.

Bezüglich der Anschlußfrage entwickelte sich folgende Unterhaltung:

Frage: Ls wird berichtet, daß Sie die Haltung Oesterreichs gegenüber Deutschland alseine Ration, zwei Staaten definiert haben; stimmt dies?

Antwort Schobers: Ich habe dies stets auf­rechterhalten.

Frage: Line p o 1111 s ch e Union kommt dem­nach nicht in Jrage?

Antwort Schobers: Rein.

Das Großkreuz der Ehrenlegion

Paris, 30. April. (WB.) Der Präsident der Re> publik hat heute nachmittag den österreichischen Dundeskanzler Dr. Schober empfangen und ihm bei dieser Gelegenheit die Abzeichen des Großkreuzes der Ehrenlegion über­reicht. Im Anschluß an seinen Besuch im Elys^e wurde Dr. Schober von Ministerpräsident T a r d i e u empfangen.

der Saarbevölkerung. Durch eine Aufschließung der Flöze an Ort und Stelle hätten die Warndt­bewohner Arbeit im eigenen Lande gefunden. Das war aber gerade Sinn und Zweck der Hebung, es dahin zu bringen, daß die Warndt- bewohner ihrem Ledenserwerb auf scheinbar un­absehbare Zeit über der Grenze nachgehen müs­sen Das ist politisch des Pudels Kern. Denn gleichzeitig hat Frankreich eine intensive poli­tische Propaganda unter den Warndtbe­wohnern veranstÄtet, unter Gründung eines französischen Propagandaverbandes für Berg­leute Wie deutsch müssen diese Leute in Warndt sein, daß sie trotz allem nicht daraus eingingen I

Auch der Völkerbundsrat hat seine Pslicht verletzt, weil er dieses Vorgehen gegen das Saargebiet und die Saarbevölkerung nicht unterband. Trotz der Proteste der saar­ländischen Volksvertretung, des Landesrats Die Behandlung der Angelegenheit in öffentlicher Völkerbundsversammlung wird notwendig sein.

Wir Saardeutschen wissen die ungeheure Lei­stung der Stresemannschen Politik zu schätzen, die zur Ausnahme Deutschlands als gleichberech­tigte Großmacht in den Völkerbund führte. Denn wir haben die Zeiten in Genf miterlebt, da der Dölkerbundsrat über deutsche Einsprüche gegen die Vergewaltigung der Saarbevölkerung kur­zerhand zur Tagesordnung überging. Was von Deutschland kam. war versehmt. Die Saarbevöl­kerung hat sich aber in entscheidender Zeit soweit selbst zu Helsen verstanden, daß sie die Stellung schützte, hielt und uneinnehmbar machte, bis das Vaterland wiederkam. Sie unterschätzt auch nicht, was das Vaterland seitdem, seit seiner Völker­bundsmitgliedschaft für sie tat Sie darf sich aber trotzdem erinnern, daß sie selbst vorher schon um des reinen Dölkerbundsgedankens willen inter­nationale Freunde erworben hatte: was haben allein Lord Robert Cecil, Dranting, Aansen für sie getan! Heute haben auch bre wahren Völkerbundssreunde dem berufenen Vertreter, Deutschland, das Eintreten für das Saargebiet überlassen. Die Beauftragten Deutschlands kön­

nen dessen sicher sein, daß sie in ihrer Ab­wehr französischer Anmaßung an der Saar die moralische Unter­stützung der Welt hinter sich haben, und die gilt schon etwas.

Rach den französischen Zusicherungen hatten sich manche Deutsche in der Illusion gewiegt, die Saarverhandlungen würden schnell und ziemlich reibungslos vor sich gehen. Daß das nicht der Fall war, haben sie selbst erlebt. Die Fran- ä.osen verlangten zunächst eine Internationali­sierung der Saargruben und die Aufrecht­er h al t un g der Warndtkonzessionen neben zollpolitischen Vorteilen. Das liefe nicht nur auf eine bleibende wirtschaftliche Abhängig­keit der SaarbeDoltcrung von Frankreich hin­aus, man weih auch, was die Aufrechterhaltung der Warndtkonzessionen bedeutet.

And da tritt etwas in die Erscheinung, was nicht außer acht gelassen werden darf. Während Frankreich und Deutschland über die Rückgabe des Saargebiets verhandeln, entfaltet Frank­reich im Gebiete selbst eine neue Tätig­keit Soweit ihm Möglichkeiten geblieben sind. Mit Staunen hörte man, daß die Saar» und Mosel-Dergwerksgesellschaft eine neue Konzes­sion im Warndtgebiet erhalten solle, Abtretung saarländischen Waldgeländes zur Gewinnung von Versatz für ihre Raub grübe Reumaux auf Loth­ringer Grenzboden. Dort ist die Erde zu schade! Unfaßbar unferm Anstandsgefühl ist es auch, daß in diesen Tagen die französische Grubenverwal­tung, also unmittelbar der französische Staat, der Grubenbesitzer, eine neue, unerhörte Pro^ paganda für den Besuch der französischen Gru» benschulen unter den Saar berg teuten betreibt Mit den Mitteln der Bedrohung, Gewalt und Verführung. Entgegen den schon im Saarstatut festgelegten Rechten der Bevölkerung, entgegen allen Zusagen an den Völkerbundsrat und ent­gegen sogar einer Bekanntmachung des einstigen Präsidenten Rault (auf GenferAnregung"), in der den Bergleuten Schutz gegen ein solches Dor gehen der Grubenverwaltung versprochen

Was soll' das bedeuten? Es bedeutet, daß Frankreich nicht die Fähigkeit aufbringt, einen Irrtum, den die ganze Welt kennt, zuzugeben. Es bedeutet wohl, daß * Frankreich angesichts des augenblicklich wieder so eklatanten deutschen Parteihaders auf deutsche Schwäche zählt. Also Angriff von zwei Fronten. Daß es politisch nichts mehr im Saargebiet gewinnen kann, dar­über ist es sich wohl klar. Was beste seiner Manner unter gänzlich anderen Verhältnissen als den heutigen nicht zu erreichen vermochten, das wird dritter oder vierter Garnitur bei auf* gewachter internationaler Moral sicher nicht ge­lingen. Dennoch soll die Lüge bleiben. Sie wird zwar variiert. So meinte kürzlich der General­sekretär derfranzösisch-saarländischen" Handels­kammer, D r o u a r ö :Das Saarland hat uns (wirtschaftlich) notwendiger, als wir umgekehrt das Saarland notwendig haben." Herr Drou- ard sollte die Sorge, wieweit die Saarbevölkerung Frankreich braucht, ruhig der Saarbevölkerung selber überlassen.

Es ist notwendig, daß das deutsche Ge­wissen und über das hinaus das Gewis­sen der Welt wieder einmal darauf auf­merksam gemacht wird, daß es in Wirklichkeit gar keine Saar f rag e gibt und nie eine gegeben hat. ilnb wenn manche Franzosen mit demIntransigeant" gar meinen, daß derKno­ten der Saarfrage im Warndt" liege, so ist darauf zu antworten, daß die Warndtange- legen h eit überhaupt nicht in deutsch-franzö- stsche Verhandlungen gehört, sondern vor den Völkerbundsrat, oder vor ein internatio­nales Gericht.

Mill Frankreich weiter den Harmlosen spie­len, dann weih Deutschland, was es zu tun hat. Im Saargebiet läßt sich heute leben. Wenn neue Drangsalierungen kommen sollten, dann wird die Saarbevölkerung wieder zusammenstehen wie ein Mann und sich ihr Recht zu verschaffen wissen. Wem aber in diesem Falle dasEin­halten der Verträge", worauf Frankreich immer fo sehr pocht, zum Schaden gereichen wird, das dürfte keine Frcuie lein.