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da jede Reichsbehörde selbständig über ihre Bau­pläne zu disponieren hatte, als auch in der 2lb- sicht, durch die Zentralisierung größere Er­sparnisse zu erzielen. Die 'Reichsbaudirek­tion wird nunmehr in Zukunft alle Bauvor­haben der Reichsbehörden, Ministerien usw. be­handeln. Eine Ausnahme wird lediglich bei dem Reichswehrmini steriu in und der Reichspost bestehen bleiben, die ihre eige­nen Bauverwaltungcn behalten, da die Bau­sragen dieser beiden Behörden nach besonderen getrennten Gesichtspunkten behandelt werd.m müs­sen, die eine Kollektivierung nicht vertragen.

Der Kall Thüringen.

Was tut

der neue Reichsinnenminister Wirth'?

Berlin, 1. April. (Priv.-Lel.) 2m Zusammen­hang mit der Regierungsumbildung sind auch Kombinationen über das zukünftige Verfahren des Reichsinnenministeriums gegenüber dem Lande Thüringen aufgctaucht, und von einem Kurswechsel gesprochen worden. Wie aber schon jetzt aus gut unterrichteten parlamentari­schen Kreisen verlautet, wird der Ministerwechsel zunächst hinsichtlich Thüringens kein A b - weichen von der bisher eingeschlage.- n e n Politik bringen, obwohl sie durchaus von der Persönlichkeit des bisherigen Reichs- inncnministcrs S c v e r i n g bestimmt wurde, der sich des Einverständnisses des ehemaligen Reichs­kanzlers Hermann Müller zu seinem Vorgehen versichert hatte und der im1' übrigen auch mit dem jetzt noch amtierenden Reichswehrminister Grocncr enge Fühlung in den nationalsozia­listischen Fragen pflegte. Der neue Reichsinnen- Minister Dr. Wirth wird weiterhin, wie ver­lautet, die Zahlungen an Thüringen entsprechend der Severingschcn Entscheidung cinbehalten. Zu einer prinzipiellen Bedeutung für die Innen­politik der neuen Regierung scheint sich die An­gelegenheit nicht auswachsen zu wollen, da man auch in Zukunft die Frage der Zahlungen an Thüringen als eine Ressortangelcgen- h e i t behandeln wird. Linksradikale Kreise wol­len davon wissen, daß sowohl Treviranus als auch der neue Reichsernährungsminister Schiele ihren Eintritt in dos Kabinett von einem Entgegenkommen der Regierung gegen­über Thüringen abhängig gemacht hätten. Hier­bei handelt es sich aber um reine Kombi­nationen, die bisher in keiner Weise be­stätigt werden konnten.

Die Diktatur in polen.

Lberst Llaweks Regierung der starken Hand

Warschau, 31. März. (TU. Funrspruch.) Der neue Ministerpräsident, Oberst Slawek, hat am Montag die Regierungsgeschäfte übernom­men.ABE" erklärt, die Regierung Slawek werde voraussichtlich im Sinne des letzten Ulti­matums Pilsudskis an die Oppositionsparteien bis zur nächsten Haushaltstagung des Sejms ohne denselben regieren. Der 4. Punkt des be­rühmten Marschallultimatums fordert bekanntlich, der Sejm solle im näch st en Halbjahr nicht z u s a m m e n t r e t e n. Demnach dürste das Kabi­nett Slawek eine Regierung der starken Hand sein. Die Opposition werde dagegen nach Meinung desABC" unter allen Umständen ver­suchen, durch Sammeln von Unterschriften vom Staatspräsidenten die Einberufung einer oußerordentlichenSejmsessionzu for­dern. Das RegierungsblattKurjcr Czerwony" sagt, dah nun d i e Diel- und Schönrede­reien zu Ende seien und die Zeit der AiÄbeit und der Tat begonnen habe Der wichtigste Punkt des Regierunasprogrammes sei ^er Kampf mit der Wirtschaftskrise. In diesem Fall habe das Kabinett Slawek eine günstigere Lage als Bartel, da es für längere Zeit den Ansprüchen des Sejms nicht Rechnung zu tragen brauche. Zum Schluß ruft derKurjer Czerwony" die Oeffentlichkeit auf. gemeinsam mit der Regierung den Kampf gegen die Wirtschafts­kreise auszunehmen.

Annahme der Haager Abkommen in der Pariser Kammer.

Auch Krankreich ratifiziert.

Mit einer nach den vorhergehenden innerpoliti- tischen Kämpfen Überraschenden Mehrheit von 5 2 7:38 Stimmen hat die französische Kammer in einer Nachtsitzung die Haager Abkommen a n g e n o m m e n. Herr Tardieu hat also den Er­folg, daß er die rechtsstehenden Parteien zu der Zu­stimmung zwang, und auch die linke Opposition ihm die Gefolgschaft nicht versagte. Allerdings hat er einige etwas hclldunkle Manöver ausführen müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Wir sind in den letzten Tagen mit der eigenen Krise so vollkommen aus- gesüllt gewesen, daß wir uns um,die Debatte in der französischen Kammer nur wenig gekümmert haben. Die grundsätzlichen Auseinandersetzungen verdienen aber doch unsere Aufmerksamkeit, und wir nehmen an, daß auch der Rcichsaußenminister über die Auffassungen, die Herr Tardieu zur Räu - m u n g s k l a u s e l von sich gegeben hat, noch eini­ges zu sagen haben wird.

Der ganze Streit hat freilich, so hoffen wir we­nigstens, nur theoretischen Wert. Was uns nur stutzig macht und schon im Haag stutzig gemacht hat ist die Zähigkeit, mit der Herr Tardieu d i e Formulierungen über d i e S a n k t i o n e n verteidigt hat. Wenn er weiter nichts wollte als eine Sicherung für den Fall, daß eine deutsche Negie­rung sich bewußt von den Haager Abkommen los­sagt, dann könnte man die Interpretation über Worte und B^riffe ruhig den zünftigen Doktor­arbeiten vorbehalten, dann brauchten wir uns auch nicht darüber aufzurcgen, ob das Sanktionsrecht des Versailler Vertrages künftig nun existiert oder nicht. Schließlich hat ja auch Löon Blum aus den

Aenßerungen Tardieus herausgelesen, dah es keine militärischen Besatzungen und keine gewaltsamen Sanktionen mehr gibt. Aber man kann auch das Gegenteil her­auslesen, und das ist bedenklich, da der französische Finanzminister es sich nicht versagen konnte, den Pvungplan als eine vollständige und endgültige Regelung des Reparationsproblems zu bezeichnen, gegen den es keine ReoisionsMöglichkeit gäbe.

Hier liegt ja der Kern der ganzen Meinungsver­schiedenheit. Die französische Regierung stellt sich so, als ob sie glaubt, daß Deutschland nun für zwei Menschenalter Kriegsentschädigungen von über zwei Milliarden zahlen könne, während sie genau weiß, daß die deutsche Regierung auch den Aoungplan nur a l s ein Provisorium auffaßt, der in wenigen Jahren durch eine neue nicht mehr poli­tische, sondern rein sachliche Lösung abgelöst werden muß. Und für diesen Zeitpunkt ist die Auslegung der Sanktionsklausel wichtig, weil wir uns nicht der Gefahr aussetzen wollen, daß, während die Sach­verständigen über die Voraussetzungen von Deutsch­lands Zahlungsfähigkeit verhandeln, französische Truppen das Rheinland besetzen mit der Begrün­dung, Deutschland habe den Pöungplan zer­rissen. Das muß klo^gestellt werden und wird klargestellt werden. Inzwischen nehmen wir mit Be­friedigung davon Kenntnis, daß Herr Tardieu nach der Zustimmung der französischen Kammer nicht mehr die Möglichkeit hat, sich seinem Versprechen zu entziehen und daß deshalb spätestens am 1. Juli die Räumung des gesamten Rheinlandes erfolgt fein muß.

Der neue Kurs in der preußischen Kulturpolitik.

Eine Programmrede des Kultusministers Grimme.

Der Preußische Landtag begann die zweite Beratung des Kultusetats für 1930, und zwar beim Abschnitt 1:Bildungswesen und andere Zwecke." Der neue Kultusminister Dr. Grimme erklärt dazu, die Arbeit des Kultusministers muß sich heute vollziehen auf dem Untergrund einer erschütterten Kultur. Auch ein Kultusminister muß versuchen, aus der eigenen Welt­anschauung zu wirken. Wer einer Idee wirk­lich verbunden ist, dient ihr, wo er auch steht. Rur darf er nie vergessen, daß er für und mit Menschen zu arbeiten hat, die das letzte, ab­solute Ziel anders sehen als er, er darf nicht eine bestimmte Kulturanschauung zu der absolut gültigen machen wollen, d. h. der Staat hat den verschiedenen gei­stigen Richtungen gegenüber d-i e Pflicht zur Toleranz. Keine der kulturpolitischen Rich­tungen kann von Staats wegen bevorzugt, keine Verfolgung untätig mitangesehen werden. Wenn Rachrichten über solche Verfolgungen zutreffen sollten, so kann ich diese Methode, einen un­liebsamen Gegner zum Verstummen zu bringen, nur verurteilen. Es ist nicht Sache des Staa­tes, zwischen den religiösen und weltanschaulichen Strömungen zu werten. Wir haben keine Staats­religion und keine staatliche Lehrmeinung.

Diese Toleranz findet ihre natürliche Grenze an einer Intoleranz, die den demokratischen Staat als das Fundament der Toleranz unterhöhlt, in einem politischen Rowdytum. Front machen muß ein verantwortungsbewußter Erziehungsminister ge­gen den Mißbrauch der Jugend, gegen Großzüchtung anmaßender Ueberhebl chkeit. Wir brauchen eine Jugend, der es zwar selbstverständlich ist, daß sie auch in staatlichen Fragen in ernstem Ringen zur Klarheit des Urteils kommt, der aber ernste, sachliche Arbeit wichtiger erscheint als Jong­lieren mit parteipolitischen Schlagworten. Alle Par­teien sollten die Jugend zu der Erkenntnis erziehen, daß politische Erziehung nicht partei­politische Festlegung bedeutet. Die Er­

wachsenen sollten den Idealismus der Jugend mobil machen zum Kreuzzug gegen den Ungeist der politischen Verleumdung. Wir brauchen eine Jugend, die weiß, daß, wer am Staate Mit­arbeiten will, kein Neutrum sein darf, ober immer tolerant sein muß.

Die Frage des B e r e ch t i g u n g s w e s e n s schnellstens praktisch in Angriff zu nehmen, ist not­wendig. Andererseits muß mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß der berechtigte Ansturm gegen das übersteigerte Berechtigungswesen nicht verwechselt werden darf mit unberechtigten An­stürmen gegen ein sinnvolles Berechtigungswesen. Es darf nicht vergessen werden, daß Berechtigungen die natürlichen Sicherungsvorkehrungen der Gesellschaft dafür sind, daß bestimmte Tätig­keiten nur von den dazu geeigneten Menschen aus- geübt werden. Die Ausstellunq von Zeug­nissen bedeutet nichts weiter als die Quittung über den erfolgreichen Besuch bestimmter Klassen, und erst dadurch, daß Verwaltungsstellen und Wirt­schaftsbetriebe diese Zeugnisse z u m M a ß st a b g e - macht haben, ist eine Verkrampfung des Berech- tiguraswesens entstanden. Auch eine Abschaffung der Reifeprüfung etwa, über die sehr wohl disku­tiert werden könne, vermöchte das nicht zu ändern. Wer den Wert der Persönlichkeit so stark betont, muß bei der Berufsauslese auf die Persönli chkeit sehen. Wir haben doch wirk­lich sehr eindringlich erlebt, wie gerade in diesen schweren Zeiten Männer mit bloßer Volksschul­bildung imstande waren, an entscheidender Stelle da deutsch zu sprechen, wo andere mit ihrem Latein am Ende waren.

Der Minister fügt an diese Ausführungen einen eindringlichen Appell zur allgemeinen Bekämpfung des Bildungsprivilegs. Niemand, der den Wert der Persönlichkeit bejaht, darf einen Augenblick länger wollen, daß das Erlangen von Berechtigungen prak­tisch auf bestimmte Schichten beschränkt bleibt.

Drei Wünsche für jedermann.

Märchen von Hans Friedrich Blunck.

Cs wär einmal ein Mann, der handelte mit Lumpen und alten Kleidern und war, so jung eigentlich noch an Lebensjahren, schon ein un­wirscher Mensch, dem niemand etwas recht machte und der an nichts anderes dachte, als wie er alte Kleider 'billig kaufen, zusammenflicken und Halbwegs für neu wieder vertreiben und gut daran verdienen könnte.

Run kam eines Tages ein sonderbares uraltes Männchen zu ihm, das fragte ihn, ob er ein Kleid seiner Frau kaufen wolle, er wäre sehr in Rot und müsse etwas Geld haben. Der Kleiderhändler prüfte mürrisch, was der Fremde ihm vorlegte und sagte gleich, es würde wohl nichts dran sein, er hätte schon mehr als ge­nug gekauft, und was der Worte noch waren, die den Preis so niedrig wie möglich halten sollten.

Er merkte aber zu seinem Erstaunen, als er das Kleid, das der Mann ihm gebracht hatte, durch die Finger laufen lieh, dah es ein wunderschönes altes Stück war, wie man es wohl vor einem Iahrhundert oder vor noch längerer Zeit ge­tragen hatte, und dah es aus schönster Seide gefertigt und über und über mit Spitzen bedeckt war, ein prachtvolles Stück, für das er bei Ge­legenheit einmal viel Geld bekommen würde.

Er bot trotzdem jenem alten Mann nur einen geringen Preis und brummte, er behalte das Kleid nur, um ihn los zu werden, ülnD der arme Fremde entschuldigte sich und sagte selbst, er wisse wohl, man trüge solche Sachen nicht mehr, und er hätte das Kleid auch nicht ge­bracht, wenn er nicht gar so sehr in Verlegenheit gewesen wäre.

Der Händler ging mit dem Mann also aus der Stube, in Der er die Sachen zu besehen pflegte, in den dunklen Laden, wo er seine Kasse hatte, gab ihm etwas Geld, der alte Mann bedankte sich und ging.

Kaum war der Fremde weg, da ging der Klei­derhändler ja wieder in die Kammer, er war ' vergnügt über das gute Geschäft, das er gemacht hatte. Wer beschreibt indessen sein Erstaunen: das Kleid war noch Da, aber in dem Kleid saß ein junges Mädchen, ein wunderschönes junges Mädchen, lächelte ihn an, als er hereinkam und nickte ihm freundlich zu. Aber sie sagte kein Wort. Rur aus allen Ecken und aus allen

Röcken und Plündern, die da Herumlagen, kicherte es und wollte nicht aufhören zu wispern und über das Wunder zu flüstern.

Run, der Händler war ja wie vom Donner ge­rührt über Die Veränderung. Er kannte seine Stube gar nicht wieder; das blasse Licht, das durch Die Fenster schien, sah Heller aus als vor­her, und statt Der Dumpfen Feuchte aus Den Wänden ging von Der fremden Frau ein zarter, nie gekannter Duft aus. 2a, auch alle Sachen, Die rundum standen und hingen, schienen doppelt so bunt und feingewoben wie vorher. Den Mann aber wollte zeigen, daß er sich nicht ins Bocks­horn jagen ließ. Er trat gleich auf die Frau zu und rührte mit einem Finger über Die Spitzen, Die ihr vom Aermel hingen.Soso," sagte er, schöne Geschichte, das! Hab ich dich mitge- kauft?"

Aber die Frau tat, als hörte sie nicht, sie wandte nur den Kopf ein wenig ab zu dem Wispern hinüber, das aus allen Ecken kau.

Ich möchte nur," sagte der Mann,Da wären keine Mottenlöcher in Dem Stoff." Das war ja immer feine erste Sorge, wenn er etwas er­standen hatte.

Cs war aber im nächsten Augenblick, als wenn wirklich das Kleid ohne Fehl und Tadel sei, es war nicht der geringste Schade mehr Daran zu sehen, nicht am Aermel, nicht in den Bäuschen, nicht in Den Falten des Rockes, obschon es Dem Händler noch beim Kauf an allen Rän­dern zerschlissen erschienen war.

Hm!" nickte der Mann, das Wispern und unheimliche Reden rundum wurde ihm langsam unheimlich. And weil er sich vor dem Wunder verlegen fühlte, tat er doppelt großspurig.Ist doch nur altes Gelapp," brummte er,was soll ich nur mit dem Zeug? Hätte ich nur Die Stube erst wieder leer!"

Irn nächsten Augenblick hob sich alles zu einem grauen Wirbel, und als der Händler, der erschrocken die Hände aufgehoben hatte, sie wieder sinken ließ, war wirklich Die Stube wie aufgeräumt, nicht ein Lappen noch Stäubchen war Darin zu sehen; selbst Die Tapeten, Die von Den Wänden niederhingen, waren mitgenom­men, der Händler stand in Der kahlsten Kam­mer, Die er je gesehen hatte.

Da tourDc er entsetzlich böse; er sah sich um allen VerDienst geprellt unD glaubte nun erst recht, Daß man ihm einen Possen gespielt hatte. And wer hatte es anders getan, als das Mäd­chen, Das er nicht geladen hatte!Wenn ich

wenigstens meinen Kram wieDer hätte!" schrie er wütenD und stand immer noch mit offenem Mund mitten in Der Kammer unD wunderte sich über Die neuartige Gewohnheit, Daß all seine Wünsche in Erfüllung gingen.Wenn ich nur meinen Kram wiederhälte, das Frauen­zimmer kann mir gestohlen bleiben!

Kaum hatte er das ausgesprochen, da war wirklich aller Plunder und alles alte Gerümpel Lieder an Ort und Stelle und, nicht zu sagen, auch die Tapeten hingen wieder schimmelig und muffig von der Wand wie vorher. And das eben gekaufte Kleid lag über Dem Stuhl, wie er es zuletzt ausgebreitet hatte. Aber das Fräu­lein war nicht wiedergekommen.

Der Händler knurrte ja erst zufrieden, redete von Galgenvögeln, Räuberei und Polizei und wendete das leere Kleid nach allen Seiten. Da­bei kam. ihn aber Der fremde Duft an, oder auch die Erinnerung an das liebliche junge Gesicht, das er über Der leeren Halskrause erblickt hatte. Eigentlich tat es ihm leid, daß er nun wieder allein war, ja, sein Herz schlug unD wünschte, Die Fremde, wiederzusehen. And weil ihm bisher alles gelungen war, versuchte er es noch einmal mit einem guten Spruch.Wenn jetzt das Fräu­lein wiederkäme, seuszte er und es klang schon wie ein halbes Bitten.Wenn das Fräu­lein doch noch einmal wiederkäme!" wiederholte er eindringlicher, als sich nichts rührte. And er sagte es zum drittenmal und wartete und blinzelte durch Die trüben Fensterscheiben unD schielte nach Dem Kleid hinüber, das indes genau so leer wie vorher Dalag. Da wurde er unge­duldig.Was ist das Denn, zum Donnerwetter; ich möchte Das Fräulein wiederhaben," rief er laut. Aber es rührte sich nicht ein Stäublein.

Endlich wurde er ja entsetzlich böse, aber ihm kam mitten im Zorn doch Der Gedanke, nach­zuzählen, was ihm an Wünschen erfüllt worden fei. And er rechnete nach, noch etwas bedrängt von Der Leere in Dem Zimmer, unD merkte auf einmal, Daß er Drei Begehren getan hatte, Die ihm erfüllt waren, unD Daß er eben vergeblich das vierte ausgesprochen hatte.

Da begriff Der Mann, daß mit Dem alten KleiD Drei Wünsche zu ihm gekommen waren, unD Daß er es in seiner Verdrossenheit verpaßt habe, ein einziges rechtes Wort auszusprechen. Aus allen Ecken kicherte und wisperte es auch über ihn, es war nicht zum Aushalten.

Er wollte es wieder gutmachen vielleicht daß er noch einen einzigen Wunjcy zuoetam,

Aus aller Wett.

Oie ßr Öffnung des Hauses der Deutschen Presse.

Der Herr Reichspräsident hat anläßlich Der Eröffnungsfeier Des Hauses Der Deutschen Presse an Den Reichsverband der Deutschen Presse, Die Zentralorganisation Der Deutschen ReDakteure, folgenDes Schreiben gerichtet:

Sehr geehrte Herren! Zu meinem Bebauern bin ich nicht in Der Lage, persönlich bei Der Feier anwesenD zu sein, mit der Das Haus der Deutschen Presse eingeweiht wird. Aber ich möchte es nicht unterlassen, Ihnen auf diesem Wege meine Grüße und Glückwünsche zu über­mitteln. Die Eröffnung des Hauses der Deutschen Presse, Die Sie am 31. März d. I. begehen, fällt in eine für unser Vaterland besonders schwere Zeit. Da ist es Aufgabe aller Führerderdeutschen Oeffentlichkeit, sich ihrer hohen Verantwortung gegenüber Dem Vaterland und Der Volksgesamtheit Doppelt stark bewußt zu sein. Im Haus Der Deut­schen Presse toerDen sich Deutsche Journalisten der verschieDensten Weltanschauungen versammeln. Möchte im neuen Heim stets Der GenfUD er Staatsgesinnung unD Der Wille zur Einigkeit herrschen. In Diesem Sinne beglück­wünsche ich alle, Die Das Haus Der Deutschen Presse geschaffen unD seine Erhaltung und Pflege übernommen haben. Mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr ergebener gez. v. Hindenbur g."

2ln Der festlichen Eröffnung Des Hauses Der Deutschen Presse nahmen u. a. teil: Die Re ich s- minifter Groener, Dietrich, vonGuerard und Dr. Wirth, Die Reichsminister a. D. Severing unD SchmiDt, Der preußische Ministerprä­sident Dr. h. c. Braun und mehrere preu­ßische Minister und Staat fefretäre, Der Chef Der Marineleitung Admiral Dr. Räder. Der Reichstagspräsident L ö b e erschien neben einer Reihe von Abgeordneten. Die Stadt Berlin vertrat Der stellvertretende Oberbürgermeister Scholz. Weiter waren Der Kommandant des Wehrkreises Generalmajor von Stülpnagel und Der Oberpräsident Dr. Maier anwesend. Das erste Wettraumschiss zurück vom Mars

Bremen. 1.April. (WTB.) Heute nacht 0.13 Bhr landete auf dem Dach des Verwaltungsgebäu­des des Norddeutschen Lloyd in Bremen eine Ra- kete mit sieben Mann Besatzung. Ls handelte sich um die Teilnehmer einer Expedition, die vor Zwei Jahren unter Führung des seinerzeit vielum- kämpften Erfinders Professor O. kecevida heim­lich gestartet war, um die erfte Weltraum­fahrt zu versuchen und, wenn möglich, auf dem Mars zu landen. Die Teilnehmer sind bei bestem Befinden. Die Nachricht von der Rückkehr der Weltraumflieger verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Wenige Minuten nach der Landung war das Haus des Norddeutschen Lloyd von dichten Menschenmassen um­lagert. Die Menge überrannte die diensttuenden Wächter und stürmte die Eingänge. Einigen Tollküh­nen gelang es, über eine Rampe im vierten Stock auf das Dach des Gebäudes zu Heitern. Den Insassen der Rakete wurden förmlich die Kleider vom Leibe gerissen. Als man einen Teilnehmer der Expedition, den man wahrscheinlich für den Führer hielt, auf die Schultern hob, um ihn imTriurnp h- zug auf die Straße zu tragen, kannte die Be­geisterung keine Grenzen mehr. Nur mit Mühe "e- lang es, die kühnen Forscher aus den Händen der Menge zu befreien. Das Haus ist zur Zeit von Reichswehr besetzt. Auf die ersten Bericht? der kühnen Marsforscher darf man mit Recht gespannt sein.

Frau Eosima Wagner f.

Bayreuth, 1. April. (WTB. Funkspruch.) Die Witwe Richard Wagners, Frau Cosima Wagner, ist heute vormittag hier im Alter von 93 Jahren gestorben. Frau Cosima Wagner war in erster Ehe mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet und war eine Tochter von Franz Liszt.

er lief in Den Laden, setzte Den Hut auf, und rannte und rannte, um Den alten Mann wieder- zufinDen. UnD er lief Durch Die halbe StaDt, ohne jemand zu finden, kehrte heim, um zu sehen, ob Das Kleid sich Wohl inzwischen gefüllt hatte, aber es war alles zu spät, altes zu spät.

Ach, das Glück Der Drei guten Wünsche kommt nur einmal zum Menschen, und Die wenigsten toerDen Dessen gewahr. AnD es ist auch nur gerecht, daß Die Mürrischen unD Anzufriedenen Dabei zu kurz kommen.

Eine Olymp ade des Geistes.

Die Academie Fran^aise in Paris hat Den Be­schluß gefaßt, im nächsten Iahre Die erste gei­st i g e OlympiaDe zu veranstalten, um so Die einseitige Aeberschähung Der lörperlichen Tüch­tigkeit zu bekämpfen. Die geistige Olympiade toirD in Derselben Weise aufgezogen sein wie Die weltbekannte sportliche OlympiaDe. Sie hat Den Zweck, Die schöpferischen Fähigkeiten der ein­zelnen Völker im sportlichen Wettbewerb zu stei­gern und du.ch shstemat sch.'s Train'.ng zu.dern. Es wird auf der Olympiade des Geistes nur geredet werden, und zwar in sämtlichen Sprachen Der Welt. Ein genaues Schema ter Punktwertung Der geistigen Fähigkeiten ist in Ausarbeitung. Schon jetzt können wir einzelne Maßstäbe des kommenden großen Wettbewerbs mitteilen: es wird geprüft in Redegabe, in Vorstellungskraft, in Beobachtung, in Intuition und in Kombina­tionsgabe. Auf je zehn Silben, Die über 350 Silben in Der Minute gesprochen werden, wird ein Punkt berechnet werden. Bis zu fünf klassische Zitate in je zehn Minuten Rededauer werden als Punkte gewertet, jedes weitere Zitat wird mit einer Vermahnung quittiert. Wie es heißt, stößt Die Ausstellung Der Leistungsmaßstäbe Durch­aus nicht auf solche Schwierigkeiten wie Die Zusammensetzung Der Iury, Die ja alle von Den Wettbewerbsteilnehmern gebrauchten Sprachen beherrschen muß. Auch toirD noch lebhaft um Die Frage gekämpft, ob Parlamentarier zu Der geisti­gen OlympiaDe zuzulassen sinD oder nicht. Die Mehrheit spricht dagegen, weil ja auch Berufs­sportler von Der sportlichen OlympiaDe ausge­schlossen sinD. Die Akademie von Frankreich wird sich noch in diesen Tagen mit Den entsprechenden Instituten Der anDcren Länder in Verbindung sehen. Anmeldungen für Die erste geistige Olym­piade nimmt die Academie Fran$aise aber schon jetzt entgegen. .